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Neue Recherche von Ärzte gegen Tierversuche deckt erstmals Ausmaß in Deutschland auf

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hat erstmals umfassend recherchiert, an welchen Einrichtungen in Deutschland Hunde und Katzen in Tierversuchen verwendet werden. Die Recherche identifiziert 19 Einrichtungen, an denen in den vergangenen Jahren Hunde- und Katzenversuche stattfanden. Jährlich werden dabei zwischen 2.200 und 4.500 Hunde sowie zwischen rund 500 und über 1.100 Katzen in Laboren verwendet. Der Verein kritisiert zudem erhebliche Lücken in der offiziellen Erfassung und fordert ein Ende aller Tierversuche.

Für die Recherche wertete Ärzte gegen Tierversuche die offiziellen Tierversuchsstatistiken des Bundesinstituts für Risikobewertung aus den Jahren 2015 bis 2024 aus und glich diese mit parlamentarischen Anfragen, wissenschaftlichen Publikationen, Stellenanzeigen, Einträgen aus der vereinseigenen Datenbank sowie Insiderinformationen ab.

Die Auswertung benennt erstmals insgesamt 19 tierexperimentelle Einrichtungen, an denen nachweislich Hunde- und Katzenversuche stattfanden oder stattfinden. Darunter sind mehrere Pharmaunternehmen wie Boehringer Ingelheim, Bayer, Abbvie, MSD Animal Health und Ceva Innovation. Zudem Auftragslabore wie Klifovet in München und BioMedVet in Walsrode, alle veterinärmedizinischen Hochschulen in Berlin, Gießen, Hannover, Leipzig und München sowie weitere Einrichtungen wie das Ernst Strüngmann Institut in Frankfurt, die Medizinische Hochschule Hannover und die Universitäten Göttingen und Kiel.

Besonders hohe Zahlen verzeichneten dabei die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Nordrhein-Westfalen und Hessen waren in den Jahren 2023 und 2024 die unrühmlichen Spitzen„verbraucher“ von Hunden. So wurden 2023 in Hessen über 850 Hunde und 2024 in Nordrhein-Westfalen über 570 Hunde verwendet. Bei den Katzen liegt ebenfalls Nordrhein-Westfalen mit 200 bzw. 240 Tieren in 2023 und 2024 vorn. Der Großteil entfiel bei beiden Tierarten auf regulatorische Tests, also Versuche zur Prüfung von Arzneimitteln und Chemikalien.

Über viele Jahre fiel zudem Niedersachsen durch außergewöhnlich hohe Zahlen von teilweise mehr als 1.000 verwendeten Hunden auf. Dort spielte insbesondere das mittlerweile geschlossene Auftragslabor LPT in Mienenbüttel eine zentrale Rolle. Nach Veröffentlichung von Undercover-Aufnahmen und massivem öffentlichen Protest gingen die Zahlen deutlich zurück.

Die Recherche dokumentiert außerdem eine große Bandbreite leidvoller Experimente. Hunde wurden unter anderem für Untersuchungen zu Herzversagen, Schmerzversuche, Giftigkeitsprüfungen sowie zahnmedizinische Experimente verwendet. An Katzen wurden in Bereichen wie Tierernährung, Hirnforschung, Infektionsversuche und Hörforschung Versuche durchgeführt.

Die Analyse offenbart zudem erhebliche Defizite bei der Transparenz von Tierversuchen. Offizielle Statistiken nennen lediglich Gesamtzahlen nach Bundesländern und Versuchszwecken. Nur durch aufwendige Recherchen lässt sich nachvollziehen, wo Hunde und Katzen in deutschen Laboren leiden. Gleichzeitig bleiben viele Fragen offen. So meldete Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2024 plötzlich 99 Hunde und 103 Katzen in der angewandten Forschung, obwohl dort in den Vorjahren kaum oder keine Tiere dieser Arten verwendet wurden. Welche Einrichtung dafür verantwortlich ist, bleibt unklar.

Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche, sagt: „Die aktuelle Auswertung gibt hinsichtlich Versuchen an Hunden und Katzen erstmals einen Einblick in ein System aus Geheimhaltung und Verschleierung.“ Die Tierärztin ergänzt: „Aktuelle, versteckt gemachte Aufnahmen aus einem britischen Auftragslabor dokumentieren erneut das unfassbare Leid von Hunden und anderen Tieren”, berichtet die Tierärztin. „Da es sich um die üblichen Versuche zu regulatorischen Zwecken handelt, ist davon auszugehen, dass auch das damit verbundene Leid Standard ist und dass es in deutschen Laboren nicht anders aussieht.“

Der Ärzteverein fordert ein Ende aller Tierversuche und einen konsequenten Umstieg auf moderne tierversuchsfreie und für den Menschen sinnvolle Forschungsmethoden.

 d karte hunde katzen
 Visual zur freien Nutzung. Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.