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Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg belegen im Jahr 2024 erneut die ersten drei Plätze der Negativ-Rangliste zu Tierversuchen im Bundesländervergleich. Zwar ist die Gesamtzahl der erfassten Tiere gegenüber dem Vorjahr um 12,5 % gesunken, doch bleibt das Ausmaß der Tierversuche weiterhin alarmierend hoch. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den sogenannten Überschusstieren: Die Zahl der Tiere, die für Tierversuche gezüchtet, aber nicht verwendet und getötet wurden, ging im Vergleich zu 2023 um 19 % zurück. Ob tatsächlich nahezu ein Fünftel weniger Tiere als „Überschuss“ getötet wurden oder ob diese Tiere lediglich nicht mehr in der Statistik erscheinen – etwa, weil die Zucht zunehmend von Unternehmen erfolgt, die nicht meldepflichtig sind –, bleibt offen.

Bundesweite Zahlen

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland insgesamt 3.063.569 Tiere erfasst.

  • 1.954.469 Tiere wurden in Tierversuchen eingesetzt oder zur Organentnahme getötet und starben somit unmittelbar für Versuchszwecke. Diese Zahl setzt sich zusammen aus
    • 1.327.931 Tieren, die in Tierversuchen verwendet wurden, sowie
    • 626.538 Tieren, die zu sogenannten „wissenschaftlichen Zwecken“ wie der Organentnahme getötet wurden.

Hinzu kommen 1.109.100 Tiere, die zwar für Tierversuche gezüchtet wurden, jedoch keinen „Verwendungszweck“ fanden und aus wirtschaftlichen Gründen als „Überschuss“ getötet wurden.

Negativ-Rangliste der Bundesländer

Die traurige Spitzenposition der Negativ-Rangliste nimmt 2024 Bayern ein. Dort wurden 618.022 Tiere erfasst, was 20,17 % der bundesweiten Gesamtzahl entspricht. Auf Platz zwei folgt Nordrhein-Westfalen mit 549.555 Tieren (17,94 %), gefolgt von Baden-Württemberg mit 457.229 Tieren (14,92 %). Somit entfällt über die Hälfte der von der Statistik erfassten Tiere auf diese drei Bundesländer.

Weitere Plätze belegen:

  • Hessen: 307.407 Tiere (10,03 %)
  • Berlin: 299.429 Tiere (9,77 %)
  • Niedersachsen: 185.048 Tiere (6,04 %)

Versuche an Affen

Von den bundesweit 1.146 eingesetzten Affen litten über 75 % (867 Tiere) in nordrhein-westfälischen Laboren. Weitere 156 Affen wurden in Baden-Württemberg, 121 Affen in Niedersachsen und 2 Affen in Hessen verwendet.

Der überwiegende Teil der Affen (870 Tiere) wurde für regulatorische Zwecke, insbesondere für Giftigkeitsprüfungen, eingesetzt. Die meisten dieser Versuche gehen auf das Konto der Firma Labcorp (ehemals Covance) in Münster, dem größten Affenverbraucher Deutschlands.

38 Affen wurden in der sogenannten Grundlagenforschung eingesetzt. Obwohl an der Universität  Bremen seit 1997 Affenhirnversuche stattfinden, sind – wie bereits in den Vorjahren – in der Statistik für dieses Bundesland keine Affen aufgeführt.

Gentechnisch veränderte Tiere

Bundesweit waren 658.559 Tiere und damit 49,6 % der 1.327.931 in Tierversuchen eingesetzten Tiere gentechnisch verändert. Betroffen sind überwiegend Mäuse und Fische. Die Genmanipulation ist mit einem besonders hohen „Ausschuss“ verbunden, da viele Tiere nicht die vom Experimentator gewünschte Genveränderung tragen. Entsprechend waren 77 % der 1.109.100 als „Überschuss“ getöteten Tiere gentechnisch verändert.

Schweregrade und Grundlagenforschung

47.708 Tiere (3,6 %) wurden bundesweit Versuchen mit dem Schweregrad „schwer“ zugeordnet. Im Bereich der regulatorischen Versuche und der Routineproduktion lag der Anteil schwerer Belastungen sogar bei 10,1 %. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Schweregrad in der Regel vom Experimentator selbst angegeben wird und das tatsächliche Leid oft heruntergespielt wird.

In der Grundlagenforschung wurden 758.244 Tiere eingesetzt, was 57,1 % der in Tierversuchen verwendeten Tiere entspricht. Die höchsten Tierzahlen in diesem Bereich entfielen auf:

  • Nordrhein-Westfalen: 166.386 Tiere (21,9 %)
  • Bayern: 154.780 Tiere (20,4 %)
  • Baden-Württemberg: 110.771 Tiere (14,6 %)

Überschusstiere im Ländervergleich

Den höchsten Anteil an den bundesweit erfassten 1.109.100 Überschusstieren verzeichnen:

  • Bayern: 222.408 Tiere (20,1 %)
  • Nordrhein-Westfalen: 208.162 Tiere (18,8 %)
  • Berlin: 172.334 Tiere (15,5 %)

Besonders auffällig ist Berlin: Dort machen Überschusstiere 57,6 % der insgesamt erfassten Tiere aus. Das bedeutet, dass in Berlin mehr Tiere ohne jegliche „Verwendung“ getötet werden als in Tierversuchen und bei der Tötung zu wissenschaftlichen Zwecken zusammen. Auch in Sachsen (42,2 %) und Niedersachsen (42,0 %) ist der Anteil der Überschusstiere extrem hoch.

Ausführliche Informationen zu „Überschusstieren“ sind hier zu finden.

bundeslaender 2024

Bayern

Bayern belegt seit Jahren einen der vorderen Plätze der bundesweiten Negativ-Rangliste. 618.022 Tiere (20,2 %) gingen 2024 auf das Konto bayerischer Labore.

Auch in Augsburg werden bereits Tierversuche durchgeführt. Im Zuge der Modernisierung des Klinikums werden Tierställe für sogenannte Versuchstiere errichtet, die künftig Platz für 23.400 Mäuse bieten sollen. Zwar ist die Inbetriebnahme der neuen Labore erst für 2030 geplant, jedoch exzitiert eine Interimslösung, die es den bereits berufenen Tierexperimentatoren seit 2023 ermöglicht, Tierversuche durchzuführen. Diese ist derzeit für 2.500 Mäuse und 400 Ratten ausgelegt.

An der Ludwig-Maximilians-Universität München finden weiterhin  Xenotransplantationsversuche  statt. Dabei werden Herzen gentechnisch veränderter Schweine in die Bauchhöhle von Pavianen transplantiert. Die Tiere sterben nach Minuten oder wenigen Tagen qualvoll an Organversagen infolge massiver Abstoßungsreaktionen.

Zudem werden in Bayern in großem Umfang Kaninchen zur Antikörperherstellung eingesetzt und anschließend entblutet. So wurden 30.270 der 57.118 bundesweit im Bereich regulatorische Zwecke und Routineproduktion – zu der die Herstellung von Antikörpern in lebenden Tieren gehört -  erfassten Kaninchen in Bayern „verbraucht“ (53%). Von den aus dem Kaninchenblut gewonnenen Antikörpern profitiert unter anderem die Firma Siemens Healthineers.

Nordrhein-Westfalen

Mit 549.555 Tieren (17,9 % der bundesweiten Gesamttierzahl) belegt Nordrhein-Westfalen Platz zwei der Negativ-Rangliste.

Die Firma Labcorp betreibt in Münster eine Niederlassung, die auf Giftigkeitsprüfungen an schwangeren Affen spezialisiert ist. Da 2024 nahezu alle in Nordrhein-Westfalen eingesetzten Affen (838 von 867 Tieren) in der Kategorie „regulatorische Zwecke und Routineproduktion“ erfasst wurden, ist davon auszugehen, dass das Leid dieser Tiere überwiegend in Münster stattfand.

Darüber hinaus gibt es in Nordrhein-Westfalen weiterhin Städte, die trotz verfügbarer moderner tierversuchsfreier Methoden auf überholte Verfahren setzen. In Bochum müssen seit Jahrzehnten Tauben für die Hirnforschung leiden und sterben. Ihnen werden Elektroden ins Gehirn implantiert, Substanzen direkt ins Gehirn injiziert und sie werden durch Hunger oder Durst zur Erfüllung von Aufgaben an Bildschirmen gezwungen – obwohl sich Erkenntnisse aus dem Vogelgehirn nicht auf den Menschen übertragen lassen.

Baden-Württemberg

Mit 457.229 Tieren (14,9 % der bundesweiten Gesamtzahl) belegt Baden-Württemberg Platz drei der Negativ-Rangliste.

In vier Instituten des Landes werden weiterhin Affen eingesetzt – sowohl in regulatorischen Versuchen als auch in der Hirnforschung, obwohl Studien belegen, dass sich das Gehirn von Affen deutlich vom menschlichen Gehirn unterscheidet.

Im Jahr 2022 gelang es Ärzte gegen Tierversuche, erstmals amtlich dokumentiertes  schwerstes Leid der Affen öffentlich zu machen, das aus internen Unterlagen hervorging. Diese Enthüllungen sorgten bundesweit für Aufsehen.

 

bundeslaender tierversuchsstatistik 2024

Stand: 15.01.2026
Dipl. Biol. Silke Strittmatter / Dr. rer. nat. Johanna Walter

Weitere Informationen

  • Übersichtstabelle Bundesländervergleich 2020-2024 als PDF >>
  • Stellungnahme 02.08.2021: 4 Millionen Tiere als „Überschuss“ in Tierversuchslaboren getötet: Neue Auswertung zu „überschüssigen“ Tieren in den Bundesländern >>
  • Tierversuchsstatistik 2024 und vergangener Jahre >>
  • Tierversuche in Deutschland >>
  • Datenbank Tierversuche >>
  • BfR - Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren: Verwendung von Versuchstieren im Berichtszeitraum 2024 (für die Bundesländer-Statistik ganz nach unten scrollen) >>