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Die Heinrich-Heine-Universität (HHU) ist bundesweit eine Hochburg für Tierversuche (1). Die Rede ist von Tierversuchen in der Ausbildung, in der Forschung und für externe Auftraggeber. Das Tierversuchslabor (ZETT) hält derzeit mehr als 20.000 Tiere (2) und umfasst eine Haltungskapazität von bis zu 30.000 Tieren (3). Versuche werden z.B. an Mäusen, Ratten, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Schafen, Schweinen, Fröschen und Affen durchgeführt. Wirbellose Tiere finden in den offiziellen Zahlen und Aufzählungen leider keine Berücksichtigung.

Versuche an Hunden werden nach Angaben der HHU seit 2018 nicht mehr gemacht (2). Doch gemäß einer Publikation aus dem Jahr 2021 wurden Beaglehunde nach mehreren Operationen 50 Wochen lang einem künstlich hervorgerufenen Bluthochdruck ausgesetzt, um ihnen täglich Medikamente zu verabreichen (4). Beaglehunde wurden an der Universität seit 2006 außerdem immer wieder extrem schmerzhaften Zahnoperationen ausgesetzt (5). Hierfür erhielt die HHU im Jahr 2022 unseren Negativpreis „Herz aus Stein“. In den entsprechenden Studien wird immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragen lassen (6).

Obwohl es zahlreiche tierversuchsfreie Methoden gibt, die schneller, sicherer und kostengünstiger humanrelevante Ergebnisse liefern, als es der Tierversuch je könnte, hält die HHU weiterhin am veralteten System Tierversuch fest. Für eine fortschrittliche Wissenschaft ist die Abkehr vom Tierversuch der einzige Weg. Tierversuche werden mit öffentlichen Geldern gefördert. Trotzdem ist eine öffentliche Diskussion seitens der HHU nicht erwünscht. Sogar ein Plakat gegen Tierversuche wurde von der Uni verboten. Es gibt keine Transparenz seitens der Uni, weder bzgl. der Anzahl an Tieren, die jährlich in den Versuchseinrichtungen der HHU sterben oder welche Versuche derzeit mit welchen Tieren gemacht werden, noch zu den Haltungsbedingungen der verbleibenden Hunde oder dazu, welche Versuche an ihnen gemacht wurden.

Forderung nach Abgabe der verbleibenden Hunde

Obwohl angeblich keine Versuche mehr an Hunden stattfinden, werden immer noch zwei 10-jährige Beaglehunde und 7 Foxhounds an der HHU gehalten. Wir fordern deshalb, alle verbleibenden Hunde sofort in eine sorgfältig ausgewählte, adäquate Unterkunft zu geben und keine weiteren Versuche an Hunden durchzuführen. Jegliche Kontaktaufnahme seitens kompetenter Vereine, die Erfahrung in der Unterbringung von Hunden aus Laboren in geeignete Hände haben, wurde bisher von der HHU vehement abgelehnt. Seit nun mehr 5 Jahren gibt es seitens der Uni nicht ansatzweise die Bereitschaft, den Hunden ein verhaltensgerechtes Leben zu ermöglichen.

Die HHU beteuert, dass sie sich an die gesetzlichen Vorgaben hält und dass die Hunde zu ihrem eigenen Wohl nicht aus dem gewohnten Umfeld entnommen werden sollen. Die Versuche mit den Hunden endeten aber bereits vor 5 Jahren. Sie hätten also schon in deutlich jüngerem Alter und mit 5 Jahren weniger Zeit im „gewohnten Umfeld“ vermittelt werden können. Der Auslauf der bewegungsfreudigen Hunde ist ein gefliester Zwinger und befindet sich auf dem Dach der Einrichtung, ohne natürliche Umgebung, die Hunde für ein bedürfnisorientiertes Leben brauchen.

Laut HHU werden die Hunde in der Tierpflegerausbildung eingesetzt. Doch rechtfertigt das Einüben tierpflegerischer Praktiken die Haltung von 9 Tieren ausschließlich in Innenräumen und unter Laborbedingungen? Wir sagen ganz klar: nein! Die Kosten der Haltung werden durch öffentliche Mittel getragen und somit sollte die Universität die Sorge der Öffentlichkeit ernst nehmen, die Tierhaltung transparent machen sowie die Tiere vermitteln.

Forderung nach einem Lehrstuhl für tierversuchsfreie Forschung

Viele Professoren der Universität halten traditionell am Tierversuch fest und wissen bisher offenbar nur wenig über die Möglichkeiten der tierversuchsfreien und humanbasierten Technologien. Bei ihren regelmäßigen Infoständen am Campus erlebt unsere AG Düsseldorf eine große Aufgeschlossenheit der Studierenden: sie fragen nach Infomaterial, nach Quellen und Links um mit ihren Professoren über tierversuchsfreie Methoden diskutieren zu können.

Düsseldorf hat jetzt die Chance, eine Vorbildrolle einzunehmen und zu zeigen, dass die Universität und damit auch die Stadt modern, weltoffen und innovativ sind. Ihren Studierenden ist es die Heinrich-Heine-Universität schuldig, ihnen eine zukunftsorientierte Ausbildung zu ermöglichen und sie für ihre spätere berufliche Laufbahn wettbewerbsfähig zu machen.

Deswegen fordern wir u.a. die Errichtung eines Lehrstuhls für tierversuchsfreie Technologien.

Forderung nach tierversuchsfreier Lehre

Laut eigener Aussage werden an der HHU im Medizinstudium keine Tiere verwendet und in Bachelor-Studiengang Biologie werden Tiere verschiedener Arten, z.B. Mäuse, Ratten und Forellen, getötet und präpariert (7). Laut SATIS-Hochschul-Wegweiser werden zudem genetische Experimente an Taufliegen gemacht (8).

An anderen deutschen Universitäten wird die Präparation von Tieren freigestellt (8).

Tierversuche zu Lehrzwecken sowie der sogenannte Tierverbrauch, also die Verwendung von Tieren, die eigens zu diesem Zweck getötet wurden oder Tiere und Teile von ihnen aus der Tierausbeutungsindustrie, sind vollkommen überflüssig. Es gibt eine Vielzahl an tierverbrauchsfreien Lehrmöglichkeiten mit Videos, interaktiven Computersimulationen und Modellen. Diese äußerst effizienten Lehrmethoden ohne Tierleid können die Studierenden viel besser auf ihren Beruf vorbereiten als das Tierversuche jemals könnten. Wir fordern daher diesen Tierverbrauch an der HHU sofort zu beenden.

Auch vor einem juristischen Hintergrund ist die Verwendung von Tieren zu Ausbildungszwecken fragwürdig. Ein Urteil mit Signalwirkung des Verwaltungsgerichts Köln hat 2018 entschieden, dass keine Standard-Tierversuche mehr an Mäusen zu Ausbildungszwecken gemacht werden dürfen, da es hierfür Videos gibt, anhand derer die Studierenden mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser lernen können. Hiermit wurde ein Präzedenzfall geschaffen. Das Urteil beruht auf der gesetzlichen Vorgabe (in § 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 TierSchG und § 7a Abs. 2 Nr. 2 und 4 TierSchG), dass nur unerlässliche Tierversuche gemacht werden dürfen – also nur dann, wenn es keine tierfreien Methoden oder Methodenkombinationen gibt. Es reicht hierbei aus, wenn mehrere tierversuchsfreie Methoden zusammen einen Tierversuch ersetzen können. Es muss nicht zwingend eine einzelne tierversuchsfreie Methode sein, die einen Tierversuch ersetzt. (9).

Des Weiteren gibt es in vielen Hochschulgesetzen Vorgaben, dass Tierversuche von den Studierenden nur durchgeführt werden müssen, wenn es keine tierverbrauchsfreie Methode oder Methodenkombination gibt. Das muss die Uni bzw. die Lehrenden nachweisen. Und auch wenn es keine tierverbrauchsfreie Methode gibt, können Studierende sich im begründeten Einzelfall in bereits 10 Bundesländern von den Versuchen befreien lassen und andere Leistungen erbringen. In NRW gibt es diese Vorgaben in § 58 Landeshochschulgesetz.

Forderung nach einem Stopp aller Tierversuche an der HHU

Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre dürfen an der HHU keinerlei Tierversuche mehr stattfinden. Das anscheinende Ende von Experimenten an Hunden soll keinesfalls dazu führen, dass andere Tiere für die Forschung herangezogen werden.

Es ist die Verantwortung des Rektorats zusammen mit dem Oberbürgermeister und Verantwortlichen aus der Politik, sich ausgiebig mit dem Thema auseinanderzusetzen und zeitnah entsprechende Entscheidungen zu treffen. Dann kann die Universität modern und zukunftsorientiert auftreten und eine Vorbildrolle in Deutschland übernehmen.

 

visual1 duesseldorf

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Quellen

(1) Ärzte gegen Tierversuche: Tierversuche in Deutschland. 16.12.2022

(2) Semiha Ünlü. „Wir stellen uns hinter unsere Forscherinnen und Forscher“. Rheinische Post. 05.07.2023

(3) César R. und Kammin A.L. Gespräch über die Tierversuchsanlage. Transparenz Tierversuche an der HHU. 2014

(4) Vogel J. et al. sGC stimulation lowers elevated blood pressure in a new canine model of resistant hypertension. Hypertension Research 2021; 44: 1568-1577

(5) Parvini P. et.al. Microstructural volumetric analysis of vertical alveolar ridge augmentation using autogenous tooth roots. Clinical Implant Dentistry and Related Research 2020; 1-7. Doi:10.1111/cid.12947

(6) Schorn L. et al. The use of solvent-preserved human and bovine cancellous bone blocks for lateral defect augmentation - an experimental controlled study in vivo. Head & Face Medicine 2021; 17: 21

(7) Heinrich-Heine-Universität: Wie wir lehren. (Aufgerufen am 30.01.2024)

(8) SATIS-Hochschul-Wegweiser. Sept. 2023.

(9) VG Köln, Urteil vom 22.08.2018, 21 K 11572/17