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Tierversuche Deutschland

Tierversuche und Tierlabore in Hamburg

Wie viele Tiere leiden in Hamburger Laboren?

Im Jahr 2019 wurden in Hamburger Laboren 186.720 Tiere verwendet. Das entspricht rund 6 % der bundesweiten Tierzahlen. Hauptleidtragende waren Mäuse mit 66,6 %, gefolgt von Ratten mit 32,7%. Gegenüber den Jahren 2014-2017 ist ein Anstieg von etwa 20.000 Tieren zu verzeichnen.  

2018 sind aufgrund einer fehlerhaften Zuordnung 86.751 Tiere in die Statistik eingeflossen, die als „Überschuss“ hauptsächlich in der Gentechnik anfallen. (1) Diese Dunkelziffer wird normalerweise nicht erfasst. Nach Abzug dieser Tiere kommt man nach der üblichen Zählweise auf 176.505 Tiere in 2018. Demgegenüber gibt es 2019 ein Anstieg von 10.000 Tieren. 

Unser Verein moniert seit Jahren, dass bei den offiziellen Statistiken die „Überschuss“-Tiere unterschlagen werden, d.h., all jene Tiere, die gezüchtet und getötet, aber nicht in Versuchen eingesetzt werden. Dazu zählen Tiere, die aufgrund ihres Alters, Geschlechts oder genetischer Merkmale nicht verwendet werden.

Tierart 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Mäuse 96.117 101.829 99.530 106.129 198.888 124.440
Ratten 64.370 47.354 63.230 60.192 62.421 61.158
Meerschweinchen 723 1.025 652 524 398 329
Hamster 6 142 24 0 0 18
Andere Nager 238 141 132 194 327 438
Kaninchen 37 69 59 79 23 17
Katzen 0 2 4 0 0 0
Hunde 0 0 0 0 4 0
Frettchen 20 17 25 18 16 30
Schweine 57 73 77 59 49 8
Schafe 13 5 17 23 9 2
Vögel 6 24 59 0 82 87
Frösche 132 180 68 63 817 1
Andere Amphibien 19 0 0 0 0 0
Fische 1.335 1.803 2.270 426 222 192
Gesamt 163.073 152.664 166.147 167.707 263.256 186.720

Anzahl der in Tierversuchen verwendeten Tiere in Hamburg 2014-2019

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), zusammengestellt von Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Welches Leid wird den Tieren angetan?

2019 wurde erstmals eine Übersicht über die Schweregrade, denen die Tiere ausgesetzt werden, vom BMEL veröffentlicht. Als Schweregrade sind vorgegeben:

  • keine Wiederherstellung der Lebensfunktionen (z.B. Tod in Narkose)
  • gering
  • mittel
  • schwer

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Zuordnung vom Experimentator selbst vorgenommen wird - eine Zuniedrigeinstufung ist also wahrscheinlich. 

Erschreckend viele Tiere, nämlich 24.033 Mäuse, 80 Ratten und 113 Meerschweinchen (Gesamt 24.226) wurden 2019 in Hamburg dem Schweregrad „schwer“ zugeordnet - 15 % der Gesamtzahl. Bundesweit liegt der Anteil bei 5 %. Damit ist Hamburg das Bundesland mit dem höchsten Schweregrad „schwer“ Anteil!  Da dies fast ausschließlich Mäuse betraf, ist davon auszugehen, dass es sich großteils um die berüchtigten Botox-Tierversuche des Auftragslabors LPT handelt, bei denen Mäusen das Nervengift in die Bauchhöhle injiziert wird und sie qualvoll an Atemlähmung sterben. 

Welche Tierlabore gibt es in Hamburg? 

Angaben des Hamburger Senats zufolge (1) gibt es in Hamburg 7 Einrichtungen, die Tierversuche durchführen:

  • Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT)
  • Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
  • Firma Evotec
  • Heinricht-Pette-Institut – Leibnizinstitut für Experimentelle Virologie
  • Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
  • Universität Hamburg
  • Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie Radolfzell

Unserer Adressliste sind neben den 6 genannten Einrichtungen 21 Adressen von Kliniken und Instituten des UKE gelistet. Die Adressliste beruht auf Einträgen in unserer Datenbank, Stellenageboten für Tierexperimentatoren sowie Behördenangaben.

In Hamburg wurden 2019 folgende Tiere in Tierversuchen verwendet (2):

  LPT UKE Evotec Heinrich-
Pette-
Institut
Bernhard-
Nocht-
Institut
Universität 
Hamburg
Max-Planck-
Institut für
Verhaltens-
biologie
Radolfzell
Gesamt
Mäuse 30.025 79.373 6.682 4.640 3.293 427   124.440
Ratten 57.838 2.119  1.128 71   2   61.158
Meerschweinchen 190  139           329
Frettchen   30           30
Kaninchen    17           17
Goldhamster  18             18
Andere Nager        6 432     438
Singvögel             87 87  
Zebrafische           12    12
Schweine         180    180
Schafe   2           8
Krallenfrösche   1           2
Gesamt  88.071 81.689 7.810 4.717 3.725 621 87 186.720

Anzahl der in Tierversuchen verwendeten Tiere in Hamburger Laboren in 2019 (2) 

Labor für Pharmakologie und Toxikologie (LPT)

Redderweg 8, 21147 Hamburg 

Tierlabore in Hamburg: LPT

Das LPT mit Sitz in Hamburg-Neugraben und Außenstellen in Mienenbüttel (Niedersachsen) und Löhndorf (Schleswig-Holstein) ist eines der größten Auftragslabore Deutschlands. Der bis 2011 einsehbaren Firmenwebsite zufolge hatte das Labor Kapazitäten unter anderem für 10.000 Mäuse, 12.000 Ratten, 200 Hamster, 500 Meerschweinchen, 1.500 Hunde, 500 Affen, 100 Katzen und 100 Schweine. Im Auftrag der Pharma- und Chemieindustrie werden beim LPT Medikamente oder Chemikalien per oraler Verabreichung, Infusion, Inhalation, Injektion in die Bauchhöhle, auf die Haut, in die Vagina, ins Auge, ins Gelenk oder in den After verabreicht und die Auswirkungen begutachtet. Kein Tier verlässt das Labor lebend - bisher. 

Umfangreiche Proteste gegen das Labor reichen bis in die 1980er Jahre zurück. 2009 gründete sich die Bürgerinitiative Lobby pro Tier Mienebüttel, um gegen das Labor in Mienenbüttel mobil zu machen.  ÄgT hat die Initiative seit seiner Gründung aktiv unterstützt – mit Vorträgen, Infomaterial, Teilnahme an Aktionen usw. Die Medien berichteten immer wieder breitflächig. 2013 gründete sich die Initiative „LPT Schließen“, die bis 2018 unzählige Aktionen und Demos in Hamburg-Neugraben durchführte. Zeitgleich bildete sich die Aktionsgruppe LPT Mahnwache, die seither bei Wind und Wetter zweimal wöchentlich früh morgens Mahnwachen vor dem Hauptsitz in Hamburg-Neugraben abhält. 

Im Oktober 2019 wurden verdeckt gemachte Aufnahmen aus dem Labor in Mienenbüttel veröffentlicht, die entsetzliche Zustände zeigten: Hunde in blutverschmierten Zwingern, Affen in winzigen Käfigen und eingepfercht in sogenannte Primatenstühle. Im Januar 2020 wurde dieses Labor von den Behörden geschlossen. Ein Großteil der Hunde und Katzen konnte in private Hände vermittelt werden. Die Affen wurden allerdings an den Händler zurückgegeben, d.h., sie erwartet der Tod in einem anderen Labor. 

Im Februar 2020 wurde auch das zweite Labor am Hauptstandort in Hamburg-Neugraben von den Behörden dichtgemacht. Der dritte Standort des LPT in Schleswig-Holstein blieb allerdings unbehelligt. Im Juni 2020 kippte das Oberverwaltungsgericht die Behördenentscheidung bezüglich des Haupt-Labors in Hamburg-Neugraben. Rund ein halbes Jahr nach dessen Schließung werden nun dort wieder Tiere gequält. ÄgT stellte Strafanzeige. 

Am Standort Neugraben testet das LPT für die Firma Sloan Pharma das Nervengift Botulinumtoxin, besser bekannt als Faltenkiller „Botox“. Das Gift wird Mäusen in die Bauchhöhle injiziert. Die Tiere leiden unter Sehstörungen, Lähmungen und Atemnot, bis sie schließlich bei vollem Bewusstsein ersticken. Der Todeskampf kann vier Tage dauern. Es wird getestet, bei welcher Dosis die Hälfte der Mäuse einer Gruppe stirbt (LD50-Test). Im Jahr 2019 wurden Botox-Tierversuche an 46.800 Mäusen beim LPT genehmigt.

Auch die hohe Anzahl an 24.033 Mäusen, die dem Schweregrad „schwer“ ausgesetzt werden, ist sehr wahrscheinlich dem LPT zuzuschreiben. 

Ausführliche Infos zum LPT >> 

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Martinistr. 52, 20251 Hamburg 

Tierlabore in Hamburg: UKE

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist Hamburgs zweitgrößtes Tierversuchslabor. 2019 wurden hier Versuche an 81.689 Tieren vorgenommen, verteilt auf unterschiedliche Institute des Krankenhauses.

2018 wurde bekannt, dass ein neues Gebäude für die Laborhaltung von Tieren am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) gebaut werden soll -  für rund 32 Millionen Euro aus Steuergeldern! Angeblich sollte mit dem Bau die bisherige Tierhaltung ersetzt und modernisiert werden, doch es gibt mehrere Hinweise, dass die Anzahl der in Versuchen leidenden Tiere vergrößert werden soll. Nach 2 Jahren intensiver Proteste übergaben wir im Dezember 2019 über 32.000 Unterschriften an den Hamburger Senat. Das Labor ist inzwischen im Bau.

Beispiele von Tierversuchen am UKE

Kaninchen werden Löcher in die Schienbeine gebohrt, um ein Osteoporose-Medikament zu testen. Mäuse sterben durch eine künstlich ausgelöste Hirnhautentzündung. Bei Schafen wird ein Stück Alufolie in das Gehirn einoperiert, wodurch der Austausch zweier Hormondrüsen unterbunden wird, um ein „Tiermodell“ für die Testung von Zahnimplantaten bei alten Menschen mit Knochenschwund zu entwickeln. 

Alles Tierversuche, die nur vorgeblich dem Wohl des Menschen dienen. Tatsächlich sind wissenschaftliche Neugier, Veröffentlichung eines weiteren Fachartikels und Fördergelder, die für Tierversuche erheblich leichter fließen als für tierversuchsfreie Forschung, die Haupttriebfedern. 

Weitere Beispiele von Tierversuchen am UKE >>

Kampagne „Stoppt Tierversuche am UKE“ >> 

Evotec

Evotec, Essener Bogen 7, 22419 Hamburg 

Tierlabore in Hamburg: Evotec

Evotec ist ein Biotech-Unternehmen, das Wirkstoffe für die Pharmabranche testet. Im Rahmen von Wirkstoffforschungsallianzen und Entwicklungspartnerschaften arbeitet Evotec mit Pharmariesen weltweit zusammen. 

Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie 

Martinistr. 52, 20251 Hamburg 

Tierlabore in Hamburg: Heinrich-Pette-Institut

Das Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts, also eine gemeinnützige und selbstständige Forschungseinrichtung. Es wird u.a. durch das Bundesministerium sowie die Hamburger Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke finanziert. 

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin 

Bernhard-Nocht-Str. 74, 20359 Hamburg 

Tierlabore in Hamburg: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Am Bernhard-Nocht-Institut werden Tiere mit tropischen Krankheitserregern wie Malaria, Leishmaniose usw. infiziert. 

Universität Hamburg 

Über die Tierversuche der Universität Hamburg ist wenig bekannt. 

Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie 

Das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie verforschte im Jahr 2019 insgesamt 87 Singvögel. 

27.01.2021
Dr. med. vet. Corina Gericke

Quellen 

(1) Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Christian Blömeke (Grüne), vom 7.2.2020 (Drucksache 21/19992)

(2) Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Stephan Jersch (Linke) vom 25.09.2020 (Drucksache 22/1462)

 

 

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