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Statistiken

Bundesländervergleich - Negativ-Rangliste zu Tierversuchen

Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen belegen die ersten drei Plätze auf der der Negativ-Rangliste zu Tierversuchen im Bundesländervergleich 2020. 

Die traurige Führungsposition der Negativ-Rangliste zu Tierversuchen im Bundesländervergleich hat aktuell Bayern mit 439.303Tieren und damit 17,3 % der deutschlandweiten Gesamtzahl von 2.533.664 Tieren eingenommen. Auf dem zweiten Platz liegt Baden-Württemberg mit einem Anteil von 397.757 Tieren bzw. 15,7 %, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 388.739 Tieren bzw. 15,3 %. Hessen belegt mit 310.828 Tieren bzw. 12,3 % Rang vier der Negativ-Statistik, gefolgt von Niedersachsen mit 247.393 Tieren (9,8 %), und Berlin mit 146.921 Tieren (5,8 %).

Von den bundesweit 2.111 Affen mussten 1.815 in nordrhein-westfälischen Laboren leiden. Der Großteil der Affen (1.834) wurde für regulatorische Zwecke wie Giftigkeitsprüfungen verwendet. Die meisten Affen gehen auf das Konto von Covance, dem größten Affenverbraucher Deutschlands mit einer Filiale in Münster, Nordrhein-Westfalen. Obwohl an der Universität Bremen seit 1997 Affenhirnversuche stattfinden, sind in der Statistik für dieses Bundesland keine Affen gelistet.

Bei den Hunden sind Nordrhein-Westfalen mit 783, Baden-Württemberg mit 551 und Hessen mit 435 Tieren die größten „Verbraucher“ von bundeweit 2.562 Hunden und bei Katzen ist es mit 187 von insg. 644 Tieren Niedersachsen.

Bundesweit waren 913.712 (48 %) der Tiere, hauptsächlich Mäuse und Fische, gentechnisch verändert, was mit besonders hohem „Ausschuss“ an Tieren verbunden ist, da ein Großteil der Tiere nicht die vom Experimentator gewünschte Genveränderung trägt. Im Bundesländervergleich hatte 2019 Sachsen mit 83,5 % den größten Anteil an genmanipulierten Tieren, gefolgt von Thüringen mit 64 %. Für das Jahr 2020 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das erstmals anstelle des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) für die Tierversuchsstatistik zuständig ist, hierzu auf unsere Anfrage keine nach Bundesländern aufgeschlüsselte Information über die Anzahl der genmanipulierten Tiere zur Verfügung gestellt.

Bundesweit wurden 72.109 (3,8 %) Tiere Versuchen mit dem Schweregrad „schwer“ zugeordnet. Anzumerken ist, dass standardmäßig der Experimentator selbst den Schweregrad angibt und das Leid oft heruntergespielt wird. Hamburg und Hessen stachen 2019 mit 15 % bzw. über 12 % durch einen besonders hohen Anteil an Versuchen mit Schweregrad „schwer“ hervor (Daten für 2020 nicht verfügbar).

2020 wurden in Deutschland 1.097.139 Tiere (57,7 %) in der Grundlagenforschung verforscht. In Thüringen und Niedersachen liegt der Anteil der Grundlagenforschung mit knapp 87% bzw. 85% über dem Bundesdurchschnitt, gefolgt von Bremen mit 82%.

Übersicht Tierversuche je Bundesland

Bayern

Bayern nimmt seit Jahren einen der vorderen Ränge in der bundesweiten Negativ-Rangliste ein. 439.303 Tiere und damit 17,3 % der bundesweiten Gesamttierzahl von 2.533.664 Tieren gehen auf das Konto bayerischer Tierversuchslabore. Nürnberg und Augsburg waren bisher Städte, in denen keine Tierversuche durchgeführt wurden. Das hat sich am Nürnberger Nordklinikum bereits im letzten Jahr geändert. Dort müssen Ratten und Mäuse jetzt für Diabetesversuche und im Rahmen der Erforschung von künstlichen Knorpeln und Bändern sinnlos leiden. In Augsburg wird das Klinikum umgebaut. Was eine Modernisierung sein soll, ist aber zumindest im Forschungsbereich ein großer Rückschritt. Denn es werden auch Tierställe für Versuchstiere gebaut.

In den letzten Jahren sind allein in München drei neue Tierversuchslabors mit Haltungskapazitäten für rund 100.000 Mäuse und andere Tiere entstanden. An der Ludwigs-Maximilians-Universität München (LMU) finden noch immer grausame Xenotransplantationsversuche statt, bei denen Herzen genmanipulierter Schweine in die Bauchhöhle von Pavianen verpflanzt werden. Die Tiere sterben nach Minuten oder wenigen Tagen qualvoll an Organversagen aufgrund der Abstoßungsreaktion des Körpers.

Baden-Württemberg

Auf dem zweiten Platz der Negativ-Rangliste liegt Baden-Württemberg mit einem Anteil von 397.757 Tieren bzw. 15,7 % an der Gesamttierzahl. In Mannheim beispielsweise werden Ratten alkoholabhängig gemacht, um zu untersuchen, welche Nervenzellverbände bei Suchtverhalten aktiviert werden. In Tübingen müssen weiter Affen für die Hirnforschung leiden, obwohl Studien belegen, dass sich das Gehirn von Affen stark vom menschlichen Gehirn unterscheidet. An der Uni Hohenheim gibt es einen Neubau mit zwei Versuchsställen für Schweine, Schafe, Hühner und Mäusen und in Freiburg das IMITATE (Institut für Krankheitsmodelle und gezielte Therapie) mit Käfigen für 10.000 Mäuse. Ein Ende des Aufwärtstrends der Tierversuche in Baden-Württemberg ist demnach bei weitem nicht in Sicht.

Nordrhein-Westfalen

Auch Nordrhein-Westfalen trägt mit 388.739 Tieren bzw. 15,3 % zur unethischen und unwissenschaftlichen tierexperimentellen Forschung bei und belegt damit Negativ-Platz drei. In Düsseldorf werden beispielsweise Hunden im Rahmen der Implantationsforschung Zähne gezogen, um verschiedene Zahnimplantate miteinander zu vergleichen. Die amerikanische Firma Covance hat sich mit seiner Filiale in Münster auf Giftigkeitstests bei schwangeren Affen spezialisiert.

Da 2020 fast alle in Nordrhein-Westfalen „verbrauchten“ Affen (1.780 Tiere von 1.815) für regulatorische Tests, zu denen auch die Prüfung auf Giftigkeit einer Substanz gehört, eingesetzt wurden, ist davon auszugehen, dass das Leid dieser Tiere in Münster stattgefunden hat. Leider gibt es auch in Nordrhein-Westfalen Städte, die in einer Zeit, in der tierversuchsfreie Methoden einen enormen Boom erleben, auf Methoden des vorletzten Jahrhunderts setzen. So bekommt die Bielefelder Universität eine neue Medizinische Fakultät. Auch hier ist der Bau von Tierställen vorgesehen.

Anteil der Bundesländer an Tierversuchen 2020

Stand: 21. Februar 2022

Weitere Information

Übersichtstabelle Bundesländervergleich 2016-2020 als PDF

Tierversuchsstatistik 2020 und vergangener Jahre >>
Tierversuche in Deutschland >>
Datenbank Tierversuche >>

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