ZDF-Dokumentation: Brutale Realität hinter verschlossenen Labortüren und das Versagen eines veralteten Systems
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Vom bekannten Journalisten Mannfred Karremann
Die aktuelle Dokumentation „Geheimsache Tierversuche“ von Filmemacher Manfred Karremann aus der Reihe ZDF 37 Grad macht schonungslos sichtbar, was die Tierversuchsindustrie mit aller Macht vor der Öffentlichkeit verbirgt: Unendliches Tierleid, massive Intransparenz und das sture Festhalten an einer längst überholten Methode. Der Film deckt auf, wie qualvoll Tiere in deutschen und europäischen Laboren leiden. Zugleich zeigt er eindrücklich, dass Tierversuche nicht nur ethisch, sondern auch wissenschaftlich versagen, während moderne, humanbasierte Forschung für Patientinnen und Patienten sinnvolle Daten liefern kann.
Über ein Jahr lang versuchte der bekannte Dokumentarfilmer Manfred Karremann für den Film „Geheimsache Tierversuche – Unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, offizielle Einblicke in deutsche Versuchslabore zu bekommen. Das Ergebnis ist bezeichnend für eine hermetisch abgeriegelte Industrie: Mauern des Schweigens. Trotz des Angebots vollständiger Anonymität verweigerten fast alle angefragten Institute den Zutritt und jedes Gespräch vor der Kamera.
Wie extrem die Intransparenz ist, belegt auch die Bundestagsabgeordnete und Tierschutzbeauftragte Zoe Mayer (Bündnis 90/Die Grünen) im Beitrag: Auf eine parlamentarische Anfrage ihres Teams an 14 Versuchslabore antworteten sechs überhaupt nicht. Zwei weitere boten lediglich an, die reine Tierhaltung zu besichtigen – die eigentlichen Versuche blieben tabu. Dass selbst gewählte Volksvertreter, die den gesetzlichen Rahmen kontrollieren und beschließen sollen, keinen Einblick in die mit Steuergeldern finanzierte Praxis erhalten, bezeichnete Mayer zu Recht als „katastrophal“ und einen „echt großen“ Skandal.
Groteske Forschung: Affenhoden auf Mäusen
Der einzige Forscher, der sich vor die Kamera traute, war Prof. Dr. Stefan Schlatt vom Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie an der Universität Münster. Was dort als vermeintlicher wissenschaftlicher Fortschritt präsentiert wird, verdeutlicht die Absurdität der tierexperimentellen Forschung: Männliche Javaneraffen werden dort über Jahrzehnte – manche seit über 20 Jahren – einzeln in kahlen, gefliesten Verschlägen gehalten, weil sie sich in Gruppenhaltung gegenseitig verletzen würden. Ihre einzige Abwechslung im tristen Laboralltag: zwei Stunden Kinderfernsehen am Tag.
Für Versuche zur Wiederherstellung der menschlichen Zeugungsfähigkeit, beispielsweise nach Chemo- oder Strahlentherapie, werden die Hoden dieser Affen entnommen, zerteilt und das Gewebe auf Mäuse transplantiert. Die Belastung für die Primaten spiele Schlatt zufolge kaum eine Rolle; das Töten sei „kein Leid“, da es schmerzlos erfolge. Eine zynische Argumentation, die das jahrelange Dahinvegetieren in Isolationshaft und die fundamentale Missachtung des Lebensrechts empfindungsfähiger Wesen vollkommen ausblendet.
Undercover-Aufnahmen aus England: Ein Spiegelbild auch für deutsche Labore
Weil deutsche Labore ihre Türen fest verschlossen halten, greift die Dokumentation auf verdeckte Videoaufnahmen der Organisation Animals International aus einem britischen Auftragslabor zurück*. Die gezeigten Szenen sind kaum zu ertragen: Junge Hunde sind in Haltevorrichtungen fixiert und versuchen panisch, sich die Inhalationsmasken vom Kopf zu streifen. Über neun Monate hinweg müssen sie täglich eine Stunde lang potenziell giftige Substanzen einatmen. Anderen Hunden und Affen werden Testsubstanzen über Monate alle zwölf Stunden per Schlauch direkt in den Magen gepumpt. Auch trächtige Kaninchen und Ratten werden in qualvollen Giftigkeitstests verbraucht – am Ende steht für die Tiere fast ausnahmslos der Tod.
Was die Dokumentation dabei schonungslos offenlegt: Genau so sieht die Realität auch in Deutschland aus. Bei diesen Versuchen handelt es sich um sogenannte regulatorische Sicherheits- und Toxizitätsprüfungen nach internationalen OECD-Richtlinien. Diese standardisierten Giftigkeitstests für Arzneimittel und Industriechemikalien sind weltweit vereinheitlicht – sie laufen hinter den verriegelten Türen deutscher Auftrags- und Industrielabore nach exakt denselben grausamen Protokollen ab. Die Aufnahmen aus England sind daher keine Ausnahme, sondern das getreue Spiegelbild dessen, was hierzulande Tag für Tag vor den Augen der Öffentlichkeit und der Politik verborgen wird.
Tierversuche: Eine 100 Jahre alte Methode – nie wissenschaftlich validiert
Im Kontrast zu den grausamen Bildern lässt die Dokumentation Experten zu Wort kommen, die den längst überfälligen Paradigmenwechsel fordern. Dr. Andreas Stucki vom PETA-Wissenschaftskonsortium bringt ein zentrales Dilemma auf den Punkt: Nahezu alle heute vorgeschriebenen Standard-Tierversuche stammen aus den 1930er-Jahren. Damals gab es weder menschliche Zellkulturen noch Computer oder bildgebende Verfahren – Tierversuche wurden mangels anderer Möglichkeiten eingeführt und im Laufe der Jahrzehnte zur Gewohnheit, ohne jemals validiert, also wissenschaftlich auf ihre Zuverlässigkeit und Übertragbarkeit für den Menschen überprüft worden zu sein.
Während innovative tierversuchsfreie Methoden heute extrem strenge, jahrelange Validierungsprozesse durchlaufen müssen, basiert das System Tierversuch auf purem Dogma und bloßen Erfahrungswerten. Dabei ist der Mensch weder eine 70-Kilo-Maus noch ein Hund: Die biochemischen und physiologischen Unterschiede führen regelmäßig dazu, dass im Tierversuch als sicher eingestufte Medikamente in klinischen Studien am Menschen scheitern oder unvorhergesehene Schäden anrichten.
In-vitro-Forschung liefert die besseren Daten
Dass humanbasierte Methoden nicht nur ethisch geboten, sondern wissenschaftlich präziser und aussagekräftiger sind, zeigt ausgerechnet die Industrie selbst. In den Laboren des Chemiekonzerns BASF werden Reizungs- und Verätzungsprüfungen an Augen und Haut inzwischen routinemäßig an künstlichen, aus menschlichen Zellen gezüchteten Gewebemodellen durchgeführt.
Prof. Dr. Robert Landsiedel und Dr. Susanne Kolle von BASF machen deutlich, warum Tierversuche wissenschaftlich versagen: Zum einen ist ihre Reproduzierbarkeit mangelhaft – führt man denselben Tierversuch zweimal durch, erhält man nicht selten völlig gegensätzliche Ergebnisse. Zum anderen ist ihre Aussagekraft für den Menschen erschreckend gering: Während der herkömmliche Tierversuch bei der Vorhersage von menschlichen Hautallergien mit mageren 60 % kaum verlässlicher ist als ein Münzwurf, erreichen humanbasierte In-vitro-Verfahren eine Treffsicherheit von über 80 %. Ergänzt durch Lungenzellmodelle und moderne Multi-Organ-Chips lässt sich die Reaktion des menschlichen Körpers auf Schadstoffe heute weitaus präziser erforschen, als es ein Tierversuch je leisten könnte.
Fazit: Politisches Wegducken beenden
Die Dokumentation führt eindringlich vor Augen, dass das System Tierversuch an zwei Fronten gescheitert ist: wissenschaftlich und ethisch. Während moderne humanbasierte Methoden längst bereitstehen, um Patientinnen und Patienten verlässliche Therapien und Verbrauchinnen und Verbraucher echten Schutz zu bieten, hält die Politik an einem veralteten Konstrukt fest. Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Wer Tiere vor grausamen Tests bewahren und gleichzeitig eine zukunftsfähige, verlässliche Medizin für den Menschen will, muss den Systemwechsel aktiv vorantreiben.
Was Sie tun können:
- Film ansehen & verbreiten: Schauen Sie sich die Dokumentation „Geheimsache Tierversuche – Unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ (ZDF / 37 Grad, Autor: Manfred Karremann) in der ZDF-Mediathek an und teilen Sie den Beitrag in den sozialen Netzwerken! https://www.zdf.de/video/reportagen/37-grad-104/37-geheimsache-tierversuche-100
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