Pressearchiv 2019

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Bundesländervergleich - Negativ-Rangliste zu Tierversuchen

Baden-Württemberg führend in rückschrittlicher Forschung

07.01.2019

Im Jahr 2017 mussten mehr als 2,8 Millionen Tiere in deutschen Laboren leiden und sterben. Im Bundesländervergleich ist Baden-Württemberg seit Jahren Spitzenreiter in der Negativ-Rangliste zu Tierversuchen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Bayern. Das geht aus der aktuellen Auswertung der Ärzte gegen Tierversuche hervor, die der Verein basierend auf Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums seit Jahren führt. In seiner Deutschlandübersicht zeigt er, welcher Anteil der Tierversuche auf das Konto der jeweiligen Bundesländer geht.

Den mit 484.086 Tieren bzw. 17,24 % größten Anteil der in Deutschland verforschten Tiere hat das Land Baden-Württemberg zu verantworten. Damit nimmt das Land seit Jahren die führende Rolle in rückschrittlicher Forschung ein. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Tiere um rund 3.000 Tiere gestiegen. Unter anderem finden in Tübingen an mehreren Instituten Hirnversuche an Affen statt. 2017 stellte das Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik (MPI) als Folge jahrelanger Proteste die Affenhirnversuche ein. Die Staatsanwaltschaft hatte aufgrund der dokumentierten Tierquälerei Klage erhoben, die jedoch kurz vor Prozessbeginn aufgrund eines „Gefälligkeitsgutachtens“ im Dezember vom Tisch gefegt wurde. Derzeit ist am MPI mit dem Neubau einer großen Nagetiereinrichtung die Ausweitung der tierexperimentellen Forschung geplant. In Freiburg entsteht mit dem IMITATE (Institut für Krankheitsmodelle und gezielte Therapie) an der Universität Freiburg bis 2021 eine weitere Tierversuchseinrichtung mit Käfigen für 10.000 Mäuse.

Den zweiten Platz belegt mit 458.128 Tieren (16,32 %) Nordrhein-Westfalen, wo im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Tieropfer um etwa 12.000 abgenommen hat. Von den bundesweit 3.525 in Tierversuchen verwendeten oder für wissenschaftliche Zwecke getöteten Affen mussten 2.137 und damit 60 % in nordrhein-westfälischen Laboren ihr Leben lassen. Hauptsverantwortlicher ist Covance, einer der weltweit größten Auftragsforschungskonzerne, mit seiner Niederlassung in Münster. „Hier werden unter anderem grausame Giftigkeitstests an schwangeren Affen durchgeführt, um die Auswirkung auf die Nachkommen zu ergründen“, so Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche. In Düsseldorf werden an Ratten Versuche zur Erforschung der menschlichen Depression durchgeführt. „Die Tiere müssen in einem Wassergefäß schwimmen, aus dem sie nicht entkommen können. Eine Ratte, die nicht mehr gegen das Ertrinken ankämpft und sich treiben lässt, gilt als depressiv. Schon der Versuchsaufbau legt nahe, wie realitätsfern und extrem lebensverachtend Tierversuche sind“, so Strittmatter. Solche Versuche sind nach EU-Vorgaben mit schwerem Leid verbunden. Der Ärzteverein führt eine bundesweite Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“, um derartige Praktiken zu stoppen.

Mit 452.554 Tieren bzw. 16,12 % und rund 65.000 Tieren mehr als im Vorjahr liegt Bayern auf Platz drei der Negativliste des Ärztevereins. An der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) finden seit mindestens 20 Jahren Xenotransplantationsversuche statt, bei denen das Herz genmanipulierter Schweine in Affen verpflanzt wird. Erst vor Kurzem hatten die Forscher erneut das Überleben eines Pavians für wenige Monate als medizinischen Durchbruch gefeiert. Bereits für 2005 war prophezeit worden, standardmäßig Schweineherzen auf Menschen transplantieren zu können.

Hessen belegt im Jahr 2017 mit 269.855 Tieren (9,61 %) Rang vier der Negativ-Statistik, gefolgt von Niedersachsen mit 232.383 Tieren (8,28 %) und Berlin mit 225.111 Tieren (8,02%).

Der Verein führt seit Jahren seine Negativ-Rangliste zu Tierversuchen und macht so für die Öffentlichkeit bekannt, welche Länder am meisten auf rückschrittliche und unethische Forschung setzen. Denn tierversuchsfreie Testverfahren wie menschliche Zellkulturen, Computersimulationen oder Organchips liefern im Gegensatz zum Tierversuch aussagekräftige Ergebnisse für die Humanmedizin. Doch noch immer fließen mehr als 99% aller öffentlichen Fördergelder in Tierversuche und ergo weniger als 1% in moderne, rein am Menschen orientierte Forschung.

Laut aktueller Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden 2017 in Deutschland 2.807.297 Tiere zu Forschungszwecken verwendet. Davon starben rund 2 Millionen Tiere in Tierversuchen und 738.484 Tiere wurden für wissenschaftliche Zwecke getötet. Mit rund 1,4 Millionen Tieren (66,2 %) mussten Mäuse am häufigsten für fragwürdige Tierversuche leiden und sterben, gefolgt von Ratten mit 255.449 Tieren (12,3 %) und Fischen mit 239.350 Tieren (11,6 %). Im Vergleich zum Vorjahr ist besonders bei den Affen die Zahl dramatisch angestiegen, von 2.462 auf nun 3.472 Tiere, hinzu kommen 53 Affen, die für wissenschaftliche Zwecke getötet wurden.

Weitere Information:

Bundesländervergleich - Negativ-Rangliste zu Tierversuchen >>

Aktuelle Statistik: 2.807.297 Tierversuche – auch 2017 kein Abwärtstrend in Sicht >>

Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ >>

Weltweit einzigartige Tierversuchsdokumentation: www.datenbank-tierversuche.de


Ärzte gegen Tierversuche stellen Strafanzeige gegen DKFZ

Illegale Tierversuche in Heidelberg

16.01.2019

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche stellte heute Strafanzeige gegen Mitarbeiter des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) wegen Tierquälerei und Durchführung illegaler Tierversuche.

Die Forscher haben nach Erkenntnissen des Vereins Tierversuche an mindestens 76 Mäusen ohne Genehmigung durchgeführt. Den Tieren wurden Tumorzellen implantiert, an denen sie innerhalb von 36 bis 50 Tagen starben. Mindestens 6 Mäuse sind laut eigenen Angaben des DKFZ vier Tage zu spät getötet worden, d.h. sie wurden „länger anhaltenden erheblichen Schmerzen und Leiden“ ausgesetzt. Dies ist nach dem Tierschutzgesetz eine Straftat, die mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu 3 Jahren geahndet werden kann. Den Beschuldigten wird ferner eine „schriftliche Lüge“ vorgeworfen, denn sie haben in einem Fachartikel fälschlich behauptet, die in Frage stehenden Tierversuche mit behördlicher Genehmigung durchgeführt zu haben.

In der Veröffentlichung sind sogenannte Überlebenskurven aufgeführt, die dokumentieren, zu welchem Zeitpunkt nach der Tumorimplantation die Mäuse gestorben sind. Eine vorzeitige Tötung wird nicht erwähnt. „Entweder sind die Angaben in dem Artikel falsch oder die Experimentatoren haben gegenüber der Genehmigungsbehörde gelogen“, so Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche, und weiter: „Dass ein international renommiertes Institut wie das DKFZ offensichtlich Rechtsvorschriften unterläuft und es mit der wissenschaftlichen Wahrheit nicht so genau nimmt, ist skandalös.“

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche fordert, die Vergehen mit voller Härte des Gesetzes zu bestrafen. Eine Straftat muss geahndet werden. Dabei darf es keine Rolle spielen, dass es sich um Mäuse und nicht um Hunde oder Katzen handelt und auch nicht, dass die Beschuldigten Krebsforscher sind. Rechtsverstöße im Bereich Tierversuche kommen nur extrem selten ans Licht des Tages und wenn, werden sie als Kavaliersdelikte gehandhabt, z.B. in Jena, Münster und Bad Nauheim. Kürzlich erst sind drei Affenexperimentatoren des Max-Planck-Instituts in Tübingen gegen Zahlung einer geringen Geldauflage einer Bestrafung entgangen.

Die Durchführung nicht genehmigter Tierversuche ist gemäß Tierschutzgesetz zwar nur eine Ordnungswidrigkeit, in diesem Fall ist aber nach Auffassung des Vereins von einer Straftat auszugehen, denn den Mäusen wurden durch Induktion von Tumoren mehrere Wochen lange erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt. Die EU stuft solche Versuche mit dem schwersten Schweregrad „schwer“ ein. Es ist davon auszugehen, dass es sich sogar um „schwerstbelastende“ Tierversuche handelt, die nur vorläufig genehmigt werden dürfen und bei denen das Bundeslandwirtschaftsministerium und die EU unterrichtet werden müssen. Dies ist nicht geschehen. Stattdessen wurden die besonders leidvollen Versuche ganz ohne Genehmigung durchgeführt und somit jeglicher behördlichen Kontrolle entzogen.

„Gebetsmühlenartig dürfte jetzt von Seiten des DKFZ kommen, dass die Genehmigungspraxis zu aufwendig sei und die Forschung behindern würde“, kommentiert Tierärztin Gericke. „Erstens ist das kein Grund, sich über bestehende Gesetze hinwegzusetzen und zweitens ist der Genehmigungsprozess tatsächlich nur eine bürokratische Hürde. Auch die abstrusesten Versuchsanordnungen werden durchgewunken.“ Die Ablehnungsquote von Tierversuchen liegt bundesweit bei unter einem Prozent.

„Die Krebsforschung wird keineswegs durch Regularien behindert, sondern durch die Tierversuche selbst“, betont Gericke. Die Ergebnisse aus Tierstudien sind nicht auf die komplexe Situation beim Menschen übertragbar. Gerade die Krebsforschung ist laut Ärzte gegen Tierversuche ein Paradebeispiel für die jahrzehntelange Erfolglosigkeit des Tierversuchs. „Millionen Krebsmäuse sind schon geheilt worden, aber Krebs ist immer noch Todesursache Nr. 2“, erläutert die Tierärztin. Im vorliegenden Fall sind nicht einmal die Mäuse geheilt worden, sondern sie starben kläglich und das obwohl die Behandlungsmethode zuvor in Zellkulturen funktioniert hat und am Patienten für sicher befunden wurde. Der Verein fordert, Zeit und Geld nicht länger für antiquierte Tierversuche zu verschwenden, sondern auf moderne, leistungsstarke Forschungsmethoden mit menschlichen Stammzellen und Multiorganchips zu setzen.

Die Strafanzeige wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) erstellt.

Weitere Informationen
So werden Tiere am DKFZ in Heidelberg gequält >>

Originalartikel
Lacroix J. et al. Preclinical testing of an oncolytic parvovirus in Ewing Sarcoma: Protoparvovirus H-1 induces apoptosis and lytic infection in vitro but fails to improve survival in vivo. Viruses 2018; 10(6). Doi: 10.3390/v10060302


Ärzte gegen Tierversuche enthüllen:

Tiere werden zum Rauchen gezwungen – immer noch!

23.01.2019

Tierversuche zur Entwicklung von Tabakprodukten sind seit mehr als 30 Jahren in Deutschland verboten. Trotzdem werden auch heute immer noch Tiere zum Rauchen gezwungen – vorgeblich, um die Folgen des Tabakkonsums besser zu verstehen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet es als „erschütternd und skandalös“, dass solche Versuche etwa in München und Ulm immer noch genehmigt werden.

Kaninchen, Hunde und Affen mit Masken, in denen qualmende Zigaretten stecken. An diese schrecklichen Bilder aus den 60er und 70er Jahren können sich viele noch erinnern. Rauchversuche an Tieren werden aber heutzutage weiterhin gemacht, so das Ergebnis einer aktuellen Recherche von Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein betreibt seit mehr als 20 Jahren eine weltweit einzigartige Internet-Datenbank, in der er exemplarisch in Deutschland durchgeführte und in Fachzeitschriften veröffentlichte Tierversuche dokumentiert.

So werden einer 2018 veröffentlichten Studie zufolge am Helmholtz-Zentrum München Mäuse bis zu sechs Monate lang an fünf Tagen die Woche in eine Plastikbox gesetzt, in die Zigarettenrauch eingeleitet wird. So soll eine COPD (eine chronische Einengung der Luftwege) hervorgerufen werden. Schließlich werden unter Betäubung Zellen aus der Lunge der Tiere gespült, um die Krankheitsentstehung der COPD zu ergründen. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass Rauchen beim Menschen die bedeutendste Ursache für die Entwicklung einer COPD ist.

Am Institut für anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung in Ulm wird bei Mäusen, die drei Wochen lang jeden Tag in einer Plastikbox sitzend Zigarettenrauch einatmen müssen, durch Blutentzug ein Blutungsschock ausgelöst. Zudem wird durch eine auf den Brustkorb gerichtete explosionsartige Luftwelle eine Quetschung der Lunge herbeigeführt. Ergebnis: Rauchen wirkt sich bei schweren Lungenquetschungen negativ aus.

Beim Pharmakonzern Boehringer Ingelheim in Biberach an der Riß werden Rauch ausgesetzte Mäuse mit Schweinegrippeviren infiziert. Nach 12 Tagen werden die Tiere getötet, um herauszufinden, dass die Kombination aus Zigarettenrauch und Schweinegrippeviren Mäuse kränker macht, als nur Zigarettenrauch.

„Es ist erschütternd, dass solche grausamen und abstrusen Versuche von deutschen Behörden genehmigt werden“, so Dr. med. vet. Gaby Neumann von Ärzte gegen Tierversuche. Zuständig sind die Regierung von Oberbayern und das Regierungspräsidium Tübingen.

120.000 Todesfälle gehen in Deutschland jährlich auf Nikotinkonsum zurück. 90 % der Lungenkrebsfälle werden durch Rauchen verursacht. Herzinfarkt, Raucherbein, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) usw. - die Liste der durch Rauchen hervorgerufenen Erkrankungen ist extrem umfangreich. Diese Gefahren sind anhand von Bevölkerungsstudien bereits seit Jahrzehnten bekannt.

„Anstatt Tiere mit Zigarettenqualm künstlich krank zu machen, sollten längst die tierversuchsfreien, humanrelevanten Methoden Standard in der Forschung sein. Zudem gilt es, verstärkt auf die Prävention zu setzten“, fordert Dr. Gaby Neumann. Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an tierversuchsfreien Verfahren, die mit menschlichen Zellen oder Gewebe arbeiten, und die die physiologische Situation in der Lunge nachahmen. Diese Methoden ermöglichen effektiv die Untersuchung der menschlichen Situation, nicht der von künstlich geschädigten Tieren.

Weiterführende Infos:

Stellungnahme Rauchversuche >>


Geklonte Affen in China

Ärzteverein spricht von „Frankensteinforschung“

30.01.2019

In China wurden erstmals genmanipulierte Affen geklont, vorgeblich für eine Verbesserung der biomedizinischen Forschung, indem individuelle Unterschiede wegfallen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche sieht darin – abgesehen von dem damit verbundenen immensen Tierleid – in Zeiten der individualisierten Medizin eine völlige Fehlentwicklung.

In Schanghai sind vor einigen Tagen 5 geklonte Langschwanzmakaken mit einem absichtlich hervorgerufenen Gendefekt auf die Welt gekommen. Spender war ein männlicher Affe, bei dem mittels Genveränderung ein entscheidender Stoff für die Regelung des Biorhythmus ausgeschaltet wurde.

Im Rahmen des Klonens werden weiblichen Tieren Eizellen entnommen und deren Zellkerne, in denen sich das Erbgut befindet, entfernt. Anschließend werden dort die Zellkerne aus Körperzellen des Spenders eingefügt. Nach „Einpflanzung“ dieser zusammengesetzten Zellen in Muttertiere sollen dann lebensfähige Organismen heranwachsen, die genetisch gesehen eine „Kopie“ des Tieres darstellen, dem die Körperzellen entnommen wurden.

„Dieser ganze Vorgang ist mit extremen Leid verbunden“, so Dr. med. vet. Gaby Neumann von Ärzte gegen Tierversuche. Nicht nur die Entnahme und das Wiedereinpflanzen der Eizellen sind Manipulationen an den beteiligten Tieren. Hinzu kommt, dass das Klonen einen sehr hohen Verbrauch an Leben darstellt. Denn nicht aus jedem Embryo entsteht ein lebensfähiger Affe. Für die „erschaffenen“ fünf Makaken wurden 300 Embryos „verbraucht“, die in Dutzende von Leihmuttertieren eingepflanzt wurden. Viele der geklonten Neugeborenen sterben. Die Überlebenden haben oft ein defektes Immunsystem, leiden häufiger an Herz- oder Atemwegserkrankungen sowie Muskel- und Gelenkproblemen.

Eine extrem gefährliche und ethisch fragwürdige Entwicklung stellt auch die erstmalige Zusammenführung von zwei Manipulationstechniken dar: Gentechnische Veränderung und Klonen von Lebewesen. Für die „Herstellung“ des Spendertieres wurden sogenannte „Knock out“-Affen erzeugt. Bei ihnen wurde mit der Genschere Crispr/Cas ein Gen entfernt. Ohne dieses Gen sind die Affen besonders anfällig für eine Reihe von Krankheiten, da ihre innere Uhr nicht mehr richtig funktioniert. Als Spendertier wurde dann der Affe mit den stärksten Symptomen ausgesucht, d.h. bei den neugeborenen Affen handelt es sich ebenfalls um sehr krankheitsanfällige „Knock out“-Tiere.

Laut den chinesischen Forschern sollen die „erschaffenen“ Klon-Affen die biomedizinische Wissenschaft voranbringen, da so falsche Forschungsergebnisse durch genetische Variationen ausgeschlossen werden können. Denn das Erbmaterial von Individuen einer Art unterscheide sich in den Details erheblich und würde es so schwer machen, Medikamente zu entwickeln, die bei jedem wirken. „Diese Begründung für die „Vorteile“ des Klonens ist absolut nicht nachvollziehbar“, erklärt Gaby Neumann. „Denn wenn schon Individuen einer Art so unterschiedlich sind, wie kann man dann erwarten, dass Ergebnisse zwischen zwei verschiedenen Arten wie Affe und Mensch übertragbar sind? Außerdem ist doch gerade die Individualität des Menschen von Bedeutung. Wo bitte gibt es geklonte Menschen mit völlig gleichartigen Reaktionen? Die dann am besten noch in einer Umwelt wie unter Laborbedingungen leben.“

Nicht nur, dass diese Entwicklung aus ethischen Gründen nicht zu rechtfertigen ist, denn Lebewesen werden zu bloßen, beliebig manipulierbaren Objekten degradiert. Auch bedeutet sie einen Schritt in die falsche Richtung. Überall spricht man von individualisierter Medizin. „Der Fokus der Biomedizin sollte auf dem Menschen liegen und nicht in einer Frankensteinforschung“, so Neumann. Denn hochmoderne Methoden wie Multiorganchips, Miniorgane, Computersoftware mit künstlicher Intelligenz und bildgebende Verfahren lassen im Gegensatz zum Tierversuch effektive und individuelle Ergebnisse erzielen.


Ausschreibung des Herbert-Stiller-Förderpreises 2019 für humanrelevante Forschung ohne Tierversuche

Ärzte gegen Tierversuche fördert tierversuchsfreie Forschungsvorhaben mit 20.000 Euro

31.01.2019

Erstmals seit 2011 vergibt der Verein Ärzte gegen Tierversuche in diesem Jahr wieder den Herbert-Stiller-Preis. Der Verein setzt sich seit langem für eine innovative humanbasierte Forschung ein und unterstützt diese nun mit einer eigenen finanziellen Förderung in Höhe von € 20.000. Forschungsanträge können bis Ende Juni 2019 eingereicht werden.

Der Herbert-Stiller-Preis wurde seit dem Jahr 1990 vom Verein Ärzte gegen Tierversuche 7 Mal vergeben, zuletzt 2011. In diesem Jahr gibt es dank zweckgebundener Spendengelder nun eine Neuauflage des Preises. Gefördert werden tierversuchsfreie Forschungsvorhaben aus dem Bereich der Medizin/Biomedizin über einen Zeitraum von 2 Jahren. Die Fördersumme beträgt € 20.000. „Wir kritisieren seit langem, dass innovative tierversuchsfreie Forschungsmethoden in Deutschland viel zu wenig gefördert werden. Die staatlichen Fördergelder für die biomedizinische Forschung fließen zu über 99% in Forschungsprojekte, die Tierversuche beinhalten, und nur ein minimaler Bruchteil wird für humanbasierte In-vitro-Forschung zur Verfügung gestellt. Das ist ein Missstand, der auch von vielen Forschern beanstandet wird“, erläutert Dr. Tamara Zietek, Wissenschaftlerin bei Ärzte gegen Tierversuche und Ansprechpartnerin für den Herbert-Stiller-Förderpreis.

Zietek hat lange Zeit selbst als Forschungsgruppenleiterin an der Entwicklung tierversuchsfreier Methoden an der TU München gearbeitet und weiß, dass es schwer ist, Forschungsgelder für In-vitro-Projekte zu akquirieren. „Uns erreichen sehr häufig Anfragen von Wissenschaftlern, die an modernen humanbasierten Technologien arbeiten. Sie sind auf der Suche nach Fördermöglichkeiten und haben oft schon einige abgelehnte Anträge hinter sich, obwohl es sich um exzellente Vorhaben handelt. Wir vermitteln dann geeignete Förderstellen. Nun sind wir froh, mit einer eigenen Förderung einen aktiven Beitrag leisten zu können und Wissenschaftler zu unterstützen, die sich für eine moderne, humanrelevante Forschung einsetzen.“

Immer wieder wird von Tierversuchsbefürwortern behauptet, diese In-vitro-Systeme seien nicht weit genug entwickelt. Doch um diese Methoden, die tatsächlich jetzt schon weit zuverlässigere Daten liefern als der Tierversuch, weiter zu optimieren, braucht es finanzielle Förderung. Deutsche Firmen, die beispielsweise Multi-Organ-Chips entwickeln – eine der vielversprechendsten tierversuchsfreien Technologien – kooperieren mit großen Pharmakonzernen oder der US-amerikanischen Behörde FDA, von denen sie weitaus mehr Unterstützung bekommen als vom deutschen Staat.

Für den Herbert-Stiller-Förderpreis können Anträge für humanbasierte In-vitro-Projekte eingereicht werden, wie z.B. Arbeiten mit solchen Multi-Organ-Chips, mit Mini-Organen oder anderen modernen Zellkulturmodellen, aber auch Humanstudien oder epidemiologische Studien, sowie computerbasierte Verfahren, die beispielsweise die Toxizität von Substanzen vorhersagen oder andere Vorgänge im Körper simulieren. Bewerbungen können bis zum 30. Juni 2019 eingereicht werden.

Weitere Informationen: www.herbert-stiller-preis.de

Herbert-Stiller-Preis


Ärzte gegen Tierversuche auf der didacta

Europas größter Bildungsmesse

13.02.2019

Vom 19. – 23. Februar ist der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) erstmalig mit einem Stand auf der didacta in Köln vertreten, der größten europäischen Fachmesse rund um das Thema Schule, Bildung und Weiterbildung. Vorgestellt wird das Schulprojekt www.tierschutz-in-der-schule.de, das speziell zum Thema Tierversuche und tierversuchsfreie Forschung Unterrichtsmaterial sowie das Buchen von Tierschutzlehrern anbietet.

Tierschutz ist nicht Bestandteil der Lehrpläne, daher hat die Vereinigung ihr Schulprojekt ins Leben gerufen. „Die Basis jeglichen gesellschaftlichen Handelns ist Toleranz, Respekt und Empathie gegenüber allen Lebewesen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Tierversuche sollte deshalb in der Schule nicht fehlen“, so Nicole Spitzer, Koordinatorin des Schulprojekts der Ärzte gegen Tierversuche.

Auf der Webseite www.tierschutz-in-der-schule.de wird Arbeitsmaterial für verschiedene Altersstufen zum kostenlosen Download angeboten – ausgearbeitet von Pädagogen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern von Ärzte gegen Tierversuche. Es gibt Arbeitsblätter für Einzel- und Gruppenarbeit, Vorschläge für Diskussionen, Projekt- und Theaterarbeit, Filme und Broschüren. Außerdem können speziell ausgebildete, regional aktive Tierschutzlehrer eingeladen werden, die stundenweise den Themenkomplex behandeln.

„Die Schüler von heute sind die Wissenschaftler und Gestalter der Gesellschaft von morgen – daher sehen wir es als unsere Verpflichtung an, die heranwachsende Generation über Fakten aufzuklären, Lösungsansätze aufzuzeigen und Anregungen für eigene Aktivitäten zu geben“, so Spitzer zur Initialzündung dieses Projektes.

Die Vereinsmitglieder sind mit ihrem Stand anzutreffen:

Termin: Di., 19. - Sa, 23. Februar 2019, 9:00 – 18 Uhr

Ort: Stand ÄgT: Halle 7.1 Gang E Stand Nr: 046, Eingang Nord Messegelände der Köln Messe Deutz GmbH, Messeplatz 1, 50679 Köln

Veranstalter-Webseite: www.didacta-koeln.de

Projektseite: www.tierschutz-in-der-schule.de

Tierschutz in der Schule


Die EU soll Deutschland zwingen, schlimmste Tierversuche zu verbieten!

Brüssel soll Vertragsverletzungsverfahren nachbessern

Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
TASSO e.V.

14.02.2019

In Deutschland können Tierversuche mit schwerstem Leid standardmäßig durchgeführt werden, obwohl die EU ein grundsätzliches Verbot solcher Versuche vorsieht, das nur in absoluten Ausnahmefällen durchbrochen werden darf. Die bundesweiten Vereine Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO haben die EU-Kommission aufgefordert, diesen schwerwiegenden Verstoß in Deutschland nicht zuzulassen und stützen sich auf juristische Expertengutachten. Die Verbände haben unterstützend eine Online-Petition gestartet.

In ihrem Brief an die EU-Kommission begrüßen die drei Vereine, dass in einem Mahnschreiben die Bundesregierung aufgefordert wird, verschiedene Fehler in der nationalen Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie zu beheben.

Sie kritisieren jedoch, dass in diesem Vertragsverletzungsverfahren ein gravierender Mangel fehlt. Deutschland hat nämlich, anders als in der EU-Richtlinie vorgesehen, keine Belastungsgrenze für Tierversuche festgelegt. „Die EU-Tierversuchsrichtlinie verbietet grundsätzlich Tierversuche mit voraussichtlich langanhaltenden schweren Leiden, Schmerzen oder Ängsten, die nicht gelindert werden können und will damit eine Schmerz-Leidens-Obergrenze festlegen. Wenn überhaupt, dürfen solche Versuche nur unter Vorbehalt und unter ganz strengen Auflagen genehmigt werden“, erläutert Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche. In Deutschland jedoch seien solch schwerstbelastende Tierversuche standardmäßig zugelassen. „Sie müssen lediglich ‘wissenschaftlich begründet‘ werden, was sowieso für jeden Tierversuch gilt“, so Strittmatter weiter.

Nach Aussage der Vereine müssten bei korrekter Umsetzung der EU-Richtlinie einige Tierversuche verboten sein. Als Beispiel nennen sie Xenotransplantationsversuche an der LMU München, bei denen Herzen genmanipulierter Ferkel in Affen verpflanzt werden und die Tiere qualvoll an den Abstoßungsreaktionen sterben.

„Wir fordern die Europäische Kommission auf, dafür Sorge zu tragen, dass in Deutschland das grundsätzliche Verbot von besonders leidvollen Tierversuchen umgesetzt wird. Es kann nicht hingenommen werden, dass EU-Vorgaben hierzu ignoriert und nicht einmal Mindeststandards eingehalten werden“, so Dr. med. vet. Cristeta Brause, Referentin für Tierschutz bei TASSO.

„Juristische Expertengutachten belegen diesen gravierenden Verstoß gegen EU-Vorgaben. Es ist ein Armutszeugnis, dass in einem Land, in dem der Tierschutz im Grundgesetz verankert ist, der Tierversuchslobby in die Hand gespielt wird und es nicht einmal eine Obergrenze für das Leid gibt, das Tieren im Versuch zugefügt werden darf“, ergänzt Dipl.-Biol. Torsten Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bund gegen Missbrauch der Tiere.

Mit einer Online-Petition rufen die Vereine zur Unterstützung auf, um der Forderung Nachdruck zu verleihen, dass in Deutschland wenigstens der EU-Mindeststandard eingehalten werden muss.

Weitere Information:

Online-Petition >>

www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de


57.000 Unterschriften gegen Xenotransplantations-Tierversuche

ÄgT überreichte Petition gegen Verpflanzung von Schweineorganen auf Affen an Bayerisches Staatsministerium

20.02.2019

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche und seine Münchner Arbeitsgruppe verurteilen Xenotransplantations-Tierversuche, bei denen unter anderem Herzen genmanipulierter Schweine in Affen transplantiert werden, als fehlgeleitete Forschung und fatal für Mensch und Tier. Der Verein hat im Rahmen seiner Kampagne Unterschriften gesammelt, die den Stopp der Xenotransplantations-Tierversuche fordern und diese gestern dem Bayerischen Staatsministerium übergeben.

Am 19. Februar wurden insgesamt 57.341 Unterschriften im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz an die Ministerialrätin Dr. Ulrike Marschner übergeben, die den Staatsminister Thorsten Glauber vertrat. Frau Dr. Marschner leitet das Referat 45 Tierschutz und Tiergesundheit am Staatsministerium und zeigte sich sehr interessiert an den Ausführungen der Vereinsvertreterinnen Dr. med. Rosmarie Lautenbacher und Christine Müller zum Ablauf dieser grausamen Experimente und zu deren unwägbaren Risiken für den Menschen.

Die Unterschriftenübergabe erfolgte in München, da an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) seit mindestens 20 Jahren Schweineorgane auf Affen übertragen werden und erst vor wenigen Wochen die LMU München das Überleben eines Pavians für mehrere Monate – dem zuvor das Herz eines genmanipulierten Ferkels eingepflanzt wurde – als Erfolg gefeiert hat. Vorgebliches Ziel sei, den Mangel an menschlichen Spenderorganen auszugleichen. Abgesehen von der ethischen Fragwürdigkeit, Tiere als Ersatzteillager für menschliche Organe zu benutzen, ist die Xenotransplantation laut Ärzte gegen Tierversuche jedoch ein fataler Irrweg, der keinen medizinischen Fortschritt hervorbringt.

Vielmehr seien die Versuche, die nach EU-Vorgaben in die höchste Leidenskategorie eingruppiert sind, sowohl für die Spender- als auch Empfängertiere extrem qualvoll. Das Anschwellen des Herzen auf das Dreifache, Wassereinlagerungen im Brustkorb, schwere Atemnot, Tod nach wenigen Tagen oder Wochen durch völliges Versagen von Herz und Leber sind nur einige der schwerwiegenden Leiden. Letztlich sterben die Affen an den Abstoßungsreaktionen. Für Menschen besteht die Gefahr der Übertragung von Viren, zudem ist ungewiss, welche Schäden sie durch das Einpflanzen eines artfremden Organs erleiden können.

Weitere Informationen

Stellungnahme zur Xenotransplantation >>

Paviane sterben nach wenigen Monaten mit Schweineherz >>

Unterschriftenübergabe gegen Xenotransplantations-Tierversuche
v.li: Ministerialrätin Dr. Ulrike Marschner, Christine Müller u. Dr. Rosmarie Lautenbacher (beide ÄgT)


„Herz aus Stein“ für den schlimmsten Tierversuch

Verein Ärzte gegen Tierversuche ruft zur Abstimmung auf

27.02.2019

Ärzte gegen Tierversuche ruft zum zweiten Mal zur Online-Abstimmung über das „Herz aus Stein“ auf. Der bundesweite Verein will damit auf besonders grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen, die in Deutschland durchgeführt worden sind. User können aus einer Liste von fünf Versuchen aus dem Jahr 2018 auswählen. Nominiert sind Institute aus Aachen, Erlangen, Hamburg, Heidelberg und Ulm.

„Das ‚Herz aus Stein‘ steht für eine herzlose Forschung, bei der fühlende Tiere zu bloßen Messinstrumenten degradiert werden“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vorstandsmitglied von Ärzte gegen Tierversuche. „Natürlich sind alle Tierversuche schlimm. Mit der Abstimmung wollen wir exemplarisch einige besonders absurde und/oder grausame Tierversuche ans Licht der Öffentlichkeit bringen.“

So mussten in Aachen Ratten hungern, bis sie nur noch die Hälfte ihres Normalgewichts wogen, in Erlangen wurden die Hirnaktivitäten von Ratten untersucht, deren Schnurrhaaren bewegt wurden, in Hamburg setzte man schwangere Mäuse 24 Stunden lang einem extrem lauten Ton aus, um Stress zu erzeugen, in Heidelberg litten Nacktmäuse an künstlich beigebrachtem Knochenkrebs und in Ulm wurde bei Mäusen, die zum Rauchen gezwungen wurden, ein Blutungsschock und ein Lungentrauma ausgelöst.

Die Versuchsbeschreibungen sind der öffentlichen Datenbank des Vereins entnommen, in der zurzeit 4.850 Beschreibungen von in Fachzeitschriften veröffentlichten Tierversuchen aus Deutschland dokumentiert sind. Ausführliche Beschreibungen der Kandidaten inklusive Originalquellen finden sich auf der Aktions-Webseite. Der Verein betont, dass es sich bei den Kandidaten um Institute handelt, keine Personen.

Im letzten Jahr hatte das Max-Planck-Institut für Molekulare Medizin in Berlin mit seinen qualvollen Erstickungsversuchen an Nacktmullen das „Herz aus Stein“ „gewonnen“.

Als Gegenpol zum Negativpreis „Herz aus Stein“ lobt der Ärzteverein den mit 20.000 € dotierten „Herbert-Stiller-Preis“ für humanrelevante Forschung aus. Damit will der Verband konkret tierversuchsfreie Forschungsansätze fördern, denn diese werden staatlicherseits nur mit einem Bruchteil der Fördergelder für Tierversuche unterstützt.

Die Abstimmung ist anonymisiert und läuft noch bis zum 3. März 2019 unter www.herz-aus-stein.info.

Weitere Informationen

www.herz-aus-stein.info

Video Herz-aus-Stein >>

www.datenbank-tierversuche.de


Große Hoffnung auf Alzheimer-Medikament zerschlagen

Ergebnisse aus Tierversuchen nicht in Patienten bestätigt

26.03.2019

Aducanumab ist seit vielen Jahren ein Prestige-Produkt der Firma Biogen und galt als großer Hoffnungsträger für die Behandlung der Alzheimer-Erkrankung. Nach Jahren der Lobpreisungen wurden nun zwei globale Phase 3-Studien an Patienten abgebrochen – aufgrund mangelnder Erfolgsaussichten. Das Medikament reiht sich nun in die lange Liste der Alzheimer-Medikamente ein, die in Tierversuchen große Hoffnungen geweckt haben, bei Patienten hingegen wirkungslos verblieben. Ein häufiges Phänomen, das der Verein Ärzte gegen Tierversuche seit Jahren kritisiert.

Die Fa. Biogen mit dem Hersteller Eisai sind nicht die einzigen, die die vorgeschriebenen klinischen Studien am Menschen abgebrochen haben. Etliche weitere Pharmakonzerne wie AstraZeneca, Pfizer oder Merck haben im vergangenen Jahr Forschungsprojekte zu Alzheimer- und Demenz-Medikamenten abgebrochen, da die Wirksamkeit beim Menschen ausblieb.

„Dieser Forschungszweig ist ein gutes Beispiel dafür, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar sind. Schaut man sich die „Tiermodelle“ für derartige Erkrankungen an, ist das nicht verwunderlich“, kritisiert Dr. rer. nat. Tamara Zietek, Wissenschaftlerin bei Ärzte gegen Tierversuche. Üblicherweise werden transgene, d.h. genmanipulierte Mäuse verwendet, die im Alter Ablagerungen im Gehirn ausbilden und deren Gedächtnisleistung vermindert ist. Um das Gedächtnis zu überprüfen, lässt man eine Maus in einem Wasserbassin schwimmen, bis sie eine Plattform, die sich knapp unter Wasseroberfläche befindet, gefunden hat. Der Test wird mehrfach wiederholt, bis die Maus sich die Position der Plattform gemerkt hat. Die transgenen Mäuse suchen länger, was als schlechte Gedächtnisleistung gewertet wird.

Es gibt mehrere Theorien zum Verlauf der Alzheimer-Erkrankung und zu möglichen Angriffspunkten für Therapien. Die Wirkung von Aducanumab basiert auf der sogenannten Beta-Amyloid-Theorie zum Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung. Demnach sollen sich körpereigene Beta-Amyloid-Proteine zu den für Alzheimer typischen Plaques im Gehirn zusammenlagern und die Symptome so hervorrufen. Eine Reihe von Antikörper-basierten Wirkstoffen zielen darauf ab, diese Proteine im Körper frühzeitig abzufangen und die Krankheit auf diese Weise zu stoppen oder einen Ausbruch zu verhindern. Bei Mäusen hatte dies funktioniert, Aducanumab entfernte die Beta-Amyloide aus dem Gehirn. Eine Wirksamkeit beim Menschen bleibt jedoch aus. Kritiker der Amyloid-Theorie fühlen sich nun ein weiteres Mal bestätigt, dass dieser Weg der falsche Ansatz ist. Bereits 2016 gab es zu diesem Ansatz einen ähnlichen Wirkstoff (Solanezumab) des Pharmakonzerns Eli Lilly, der keine Wirksamkeit am Menschen aufwies und aufgegeben wurde. Dennoch wurde Aducanumab weiterhin als Hoffnungsträger verkauft. Es sei sehr wahrscheinlich, dass ein solcher Wirkstoff einfach in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung verabreicht werden müsse, am besten noch bevor sich die ersten Symptome zeigten, hieß es beispielsweise von Seiten der Befürworter der Beta-Amyloid-Theorie. Biogen zögerte nicht, eine Erfolgsmeldung nach der anderen zu veröffentlichen. Auf einer Konferenz wurden die vorläufigen Ergebnisse präsentiert und die Firma sprach sogar davon, die klinische Phase 2 aufgrund der vermeintlich vielversprechenden Resultate zu überspringen. „Das war unverantwortlich und aufgrund der schwachen Datenlage viel zu übereilt“, sagt Dr. Tamara Zietek. „Die Erfolgsversprechen basierten auf Tierversuchen und sehr kleinen Menschenkohorten.“ Auch die Verabreichung von Aducanumab in einem frühen Alzheimer-Stadium führte letztendlich nicht zum gewünschten Erfolg.

„Die Forschung zur Therapie dieser Erkrankungen ist wichtig. Man muss endlich humanbasierte Modelle für die Medikamentenentwicklung heranziehen, um die wahren Ursachen beim Menschen aufzuklären und erfolgreiche Therapien zu entwickeln. Gehirn-Organoide, die aus Zellen von Patienten gezüchtet werden, sind hierfür beispielsweise ein vielversprechender Ansatz, der unbedingt gefördert werden muss.“ Das würde zum einen den Tieren dienen, die in Versuchen unnötig gelitten haben und zum anderen den Patienten, denen nach dem Schüren falscher Hoffnungen nur eine weitere Enttäuschung bleibt.

Quellen:

1. Sevigny J et al. The antibody aducanumab reduces Aβ plaques in Alzheimer's disease. Nature 2016; 537(7618): 50-6

2. Gamage KK und Kumar S. Aducanumab Therapy Ameliorates Calcium Overload in a Mouse Model of Alzheimer's Disease. J Neurosci. 2017; 37(17): 4430-4432

3. Kastanenka KV et al. In vitro assessment of mouse fetal abdominal aortic vascular function. J Neurosci. 2016; 36(50): 12549-12558

4. Phase-III-Studien zu Aducanumab abgebrochen. Deutscher Gesellschaft für Neurologie. https://www.dgn.org/neuronews/59-neuronews-2018/3747-phase-iii-studien-zu-aducanumab-abgebrochen. Aufgerufen am 25.03.2019

5. Allison Abbot und Elie Dolgin. Amyloid-Plaques als falsches Angriffsziel? Spektrum.de, 30.11.2016. https://www.spektrum.de/news/amyloid-plaques-als-falsches-angriffsziel/1431104

6. Cynthia Fox. The Story of Biogen's Alzheimer's Drug, Aducanumab. Research & Development, 28.04.2015. https://www.rdmag.com/article/2015/04/story-biogens-alzheimers-drug-aducanumab


„Herz aus Stein“ geht an Uni Ulm für Rauchversuche an Mäusen

Ärzte gegen Tierversuche verleihen Negativpreis für schlimmsten Tierversuch 2018

02.04.2019

Von 5 zur Auswahl stehenden Tierversuchen fiel die Online-Abstimmung* auf die Zigarettenrauchversuche an der Universität Ulm als schlimmsten Tierversuch 2018. So verliehen heute Vertreter der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ihren Negativpreis „Herz aus Stein 2018“ dem Institut für Anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung der Universität Ulm.

Am dem Institut der Universität Ulm mussten Mäuse 3 Wochen lang an 5 Tagen die Woche den Rauch von bis zu 8 Zigaretten einatmen. Anschließend wurde bei ihnen – nun narkotisiert – ein Blutungsschock und eine Lungenquetschung ausgelöst, mit dem banalen Ergebnis, dass sich Rauchen negativ bei schweren Traumata auswirkt.

„Für uns lassen sich diese Versuche weder ethisch rechtfertigen, noch mit Sinnhaftigkeit. Letzteres allein schon nicht, da sich Mäuse in Anatomie, Physiologie und Immunologie so stark vom Menschen unterscheiden, dass ihre Reaktion auf Zigarettenrauch völlig anders ausfällt“, so Dr. med. vet. Gaby Neumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche. „Es ist völlig absurd anzunehmen, man könne eine chronische Lungenerkrankung wie COPD, die beim Menschen nach jahrelangem Nikotinkonsum auftritt und mit zahlreichen Begleiterkrankungen einhergeht, durch 3-Wochen zwangsweises Passivrauchen bei der Maus darstellen.“ Auch die simulierten Traumata sind nach Aussage der Tierärztin bar jeder Realität: „Welcher Unfall beim Menschen läuft schon standardisiert ab?“ Den Tieren wurde (unter Narkose) so viel Blut abgelassen, dass sie einen Blutungsschock erlitten. Durch eine auf den Brustkorb gerichtete explosionsartige Luftwelle wurde die Lunge standardisiert gequetscht. Bis zu 50% der Tiere starben innerhalb von 4 Stunden vor allem an Nierenversagen. Die Überlebenden wurden getötet.

Beim heutigen Übergabe-Termin lehnte das Institut die Annahme des „Herz aus Stein“ ab. Die zur Übergabe angekündigte zweiköpfige Delegation der Ärzte gegen Tierversuche traf auf eine Hundertschaft in weiße Kittel gekleidete Menschen seitens der Uni. „Diese Reaktion zeigt, dass wir offensichtlich Finger in Wunden gelegt haben“, kommentiert Dr. Neumann.

Mit dem „Herz aus Stein“ will Ärzte gegen Tierversuche exemplarisch einige besonders absurde und grausame Tierversuche der Öffentlichkeit nahebringen und eine herzlose Forschung anprangern, bei der fühlende Tiere zu bloßen Messinstrumenten degradiert werden. Die Versuchsbeschreibungen sind der öffentlichen Datenbank des Vereins entnommen, in der zurzeit 4.850 Beschreibungen von in Fachzeitschriften veröffentlichten Tierversuchen aus Deutschland inklusive Originalquellen dokumentiert sind. Der Preis wird an Institute vergeben, nicht an Personen.

Als Gegenpol zum Negativpreis „Herz aus Stein“ lobt der Ärzteverein den mit 20.000 € dotierten „Herbert-Stiller-Preis“ für humanrelevante Forschung aus. Damit will er innovative tierversuchsfreie Forschungsansätze fördern, denn diese werden staatlicherseits nur mit einem Bruchteil der Fördergelder für Tierversuche unterstützt. „Aus Proben von COPD-Patienten können heutzutage komplexe 3D-Modelle des Lungengewebes hergestellt werden, um an ihnen Forschung zu Ursache und Therapie dieser weit verbreiteten Erkrankung zu betreiben. Diese tierversuchsfreie Hightech-Methode liefert wirklich relevante Ergebnisse für Menschen“, schließt Neumann. „Außerdem sind im Fall der COPD-Forschung vor allem Bevölkerungsstudien mit dem Ziel präventiver Maßnahmen sinnvoll.“

*Die Abstimmung über 5 Kandidaten lief 10 Tage, zählte 5.345 Stimmen, von denen 2.294 (43%) auf die Ulmer Rauchversuche mit schweren Traumata entfielen.

Weitere Informationen

www.herz-aus-stein.info

www.datenbank-tierversuche.de

Allgemeine Stellungnahme Rauchversuche >>

Originalarbeit: Clair Hartmann et al.: In-depth characterization of the effects of cigarette smoke exposure on the acute trauma response and hemorrhage in mice. Shock 2018. Doi:10.1097/SHK.0000000000001115

Fotos zur kosten- und quellenfreien Nutzung
Herz aus Stein

Übergabe „Herz aus Stein“ an Uni Ulm


Dr. med. Rosmarie Lautenbacher und Dr. med. vet. Gaby Neumann bei der Preis„verleihung“

 


Verdacht auf illegale Tierversuche an Hunden in Erlangen

Ärzte gegen Tierversuche stellen Strafanzeige

10.04.2019

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hat heute Strafanzeige gegen Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Nach Recherchen des Vereins hat eine Arbeitsgruppe der Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgischen Klinik vermutlich über mehrere Jahre Tierversuche an Beagle-Hunden und eventuell auch Schweinen ohne ordnungsgemäße Genehmigung durchgeführt.

Beagle-Hunden wurden bis zu 12 Backenzähne aus dem Ober- und Unterkiefer gezogen, um Implanate einzubringen. Zum Teil wurden bewusst Entzündungen des Zahnfleisches und der Kieferknochen hervorgerufen, indem Baumwollfäden um die Implantate gelegt wurden, in denen sich Bakterien ansiedelten. Schweinen wurden 9 Löcher mit 1 cm Durchmesser in den Schädel gebohrt und mit künstlichen Materialien gefüllt. Für die Tiere waren die Experimente mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden.

Die Ergebnisse wurden in Fachjournalen veröffentlicht. Dabei fielen dem Ärzteverein Widersprüche bei elf Publikationen aus den Jahren 2011 – 2017 auf. Mehrfach wurden identische Genehmigungsnummern für ganz unterschiedliche Versuche mit Schweinen und Hunden angegeben. Die gleiche Nummer wird mal der zuständigen Regierung von Unterfranken in Ansbach zugeordnet, mal einer Behörde in Budapest. In einem Artikel hieß es, die Versuche seien in Ungarn genehmigt, aber an der FAU durchgeführt worden. In einer Publikation wird eine Genehmigungsnummer aus Ungarn angegeben, die dort aber – wie eine Anfrage ergab – unbekannt ist. In einer weiteren Studie wird ein Lieferant von Schweinen in Abtsgemünd, 160 km von Erlangen entfernt, angegeben, aber die Versuche seien in Ungarn genehmigt worden. „Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Schweine nach Ungarn transportiert wurden, um dort die Versuche durchzuführen“, meint Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Es geht um Versuche an insgesamt 114 Schweinen und 26 Beagles.

Die Tierversuchsgegner haben über einen Zeitraum von fast zwei Jahren versucht, die Unstimmigkeiten aufzuklären, aber erhielten von den Behörden entweder keine oder unbrauchbare Antworten. Insbesondere die für die Genehmigung von Tierversuchen zuständige Regierung von Unterfranken zeigte sich nicht gewillt, die Sache aufzuklären. Sie gab lediglich an, dass in den letzten 5 Jahren keine Versuche an Hunden genehmigt worden seien. „Wenn es eine einfache Erklärung gegeben hätte, z.B. Fehler in den Publikationen, hätte man uns das kurzerhand mitteilen können. Die Verschleierungstaktik weist darauf hin, dass wir einem Skandal auf die Spur gekommen sind. Vermutlich sind mehrere Tierversuche an Hunden und Schweinen an der FAU ohne behördliche Genehmigung durchgeführt worden“, folgert Tierärztin Gericke.

„Die Tiere, die in den leidvollen und unsinnigen Versuchen gestorben sind, kann man nicht wieder lebendig machen. Aber wir müssen dafür sorgen, dass Experimentatoren nicht ungeschoren davonkommen, wenn sie die ohnehin schon viel zu laschen Gesetzesvorgaben nicht einhalten“, schließt Gericke. Nun ist es an der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth - Zweigstelle Erlangen Ermittlungen einzuleiten und ggf. Anklage zu erheben.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Verein Strafanzeige wegen illegaler Tierversuche gegen Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg gestellt. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat die Ermittlungen inzwischen ausgeweitet.


Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche

Ärzteverein: „Tierversuche sind grausam und sinnlos“

17.04.2019

Am 24. April wird weltweit der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche begangen, um auf das Leid der Tiere in den Laboren und die wissenschaftliche Fragwürdigkeit dieser Forschungsmethode aufmerksam zu machen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche macht aus diesem Anlass auf Tierversuche mit Schweregrad „schwer“ aufmerksam, also besonders leidvolle Experimente, die in Deutschland stattfinden, und fordert eine Änderung des Tierschutzrechts.

Beim Auftragslabor LPT in Hamburg werden immer noch Tausende Mäuse in qualvollen Botox-Tests erstickt, obwohl es längst tierversuchsfreie Testmethoden für das Nervengift gibt. Am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg werden Nacktmäusen menschliche Knochenkrebszellen unter die Haut gepflanzt. Die Tiere sterben innerhalb von 50 Tagen qualvoll am Krebs oder werden getötet, wenn sie im Sterben liegen. Ärzte gegen Tierversuche hatte im Januar Strafanzeige wegen Verdachts der Durchführung illegaler Tierversuche gegen Mitarbeiter des DKFZ erstattet, die Staatsanwaltschaft ermittelt. In Erlangen werden Mäuse süchtig gemacht, indem Alkohol dem Trinkwasser erst zugesetzt, dann für 3 Wochen entzogen und wieder zugesetzt wird. Anderen Mäusen wird Alkohol in die Bauchhöhle gespritzt. Anschließend wird eine Palette an Verhaltenstests durchgeführt, u.a. der „forcierte Schwimmtest“, bei dem eine Maus bis zu 15 Minuten in einem Wasserglas schwimmen muss. Eine Maus, die eher aufgibt und sich treiben lässt, gilt als depressiv.

Jedes Jahr leiden und sterben rund 2,8 Millionen Tiere in deutschen Laboren. Ärzte gegen Tierversuche will mit diesen 3 Beispielen verdeutlichen, welchem Leid die Tiere ausgesetzt sind. „Von der Pro-Tierversuchslobby werden Tierversuche regelmäßig verharmlost. Diese Beispiele zeigen, wie grausam, aber auch wie wissenschaftlich unsinnig sie sind“, erklärt, Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. „Die sogenannten Modelle haben nichts mit der klinischen Situation beim Menschen gemein.“

Die EU ermöglicht ein Verbot solcher Tierversuche mit Schweregrad „schwer“, das Deutschland aber ignoriert. Der Verein fordert von der Politik, als Schritt auf dem Weg zur Abschaffung wenigstens den allerschlimmsten Tierversuchen einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben.

„Tierversuche sind im Zeitalter von Computermodellen und Multiorganchips ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, das im 21. Jahrhundert keinen Platz haben darf“, so Gericke.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche organisiert am Samstag, den 27. April stille Protestaktionen in Erlangen, Hamburg und Heidelberg. In vielen anderen Städten finden Demos, Infostände, „Silent Lines“ und andere Aktionen statt, organisiert durch die lokalen ÄgT-Arbeitsgruppen oder befreundete Vereine.

Der internationale Gedenk- und Aktionstag wurde 1979 in Großbritannien ins Leben gerufen und wird seither jährlich weltweit begangen.

Infos:
- Aktionstag: www.tag-zur-abschaffung-der-tierversuche.de

- Online-Petition: Die EU soll Deutschland zwingen, schlimmste Tierversuche zu verbieten >>

- Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung >>

- Strafanzeige gegen das DKFZ wegen illegaler Tierversuche >>


Menschliche Mini-Gehirne liefern neue Erkenntnisse zur Alzheimer-Erkrankung

Wo Tierversuche einmal mehr versagen

03.06.2019

Unzählige Tiere leiden und sterben in der Alzheimer-Forschung. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert seit Langem diese unzuverlässigen und grausamen Tierexperimente und berichtet regelmäßig von Alzheimer-Medikamenten, die trotz vorausgehender Tierversuche beim menschlichen Patienten scheitern. Bochumer Forscher haben nun mithilfe eines komplexen humanbasierten Modellsystems wichtige Erkenntnisse über die Grundlagen der Alzheimer-Erkrankung gewinnen können.

1,2 Millionen Deutsche sind von Alzheimer betroffen – eine Krankheit, die für die Patienten, aber auch für deren soziales Umfeld, eine schwere Belastung darstellt. Zahlreiche „Tiermodelle“ werden Jahr für Jahr entwickelt, vorgeblich, um die Alzheimer-Erkrankung zu erforschen und Therapien zu entwickeln. Unzählige Mäuse werden genmanipuliert, indem ihnen ein menschliches Gen eingepflanzt wird mit dem Ergebnis, dass trotz jahrzehntelanger tierexperimenteller Forschung Morbus Alzheimer weder ursächlich verstanden noch heilbar ist. Das liegt nicht zuletzt an der Komplexität der Erkrankung, die in den Tierversuchen nicht abbildbar ist. „Es ist absurd, zu glauben, man könne eine komplexe Erkrankung wie Morbus Alzheimer in einer Maus nachahmen, die von Natur aus niemals daran erkranken würde“, sagt Dr. Tamara Zietek, Wissenschaftlerin bei Ärzte gegen Tierversuche. „Einem solchen Tier ein einzelnes Gen einzubauen, das beim Menschen im Zusammenhang mit Alzheimer steht, ist kein zielführender Forschungsansatz. Es gibt etliche Gene, die mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden, und deren komplexes Zusammenspiel im menschlichen Körper kann man bei Mäusen niemals nachbilden. Außerdem ist die genetische Komponente bei Alzheimer nur ein Aspekt von vielen, die die Krankheitsentstehung und den Verlauf beeinflussen.“

Das Dilemma wird mittlerweile auch von immer mehr behandelnden Fachärzten kritisiert. Mehr als 300 Therapiemethoden sind bisher an der „Alzheimer-Maus“ „erfolgreich“ getestet worden, trotzdem ist daraus auch nach jahrzehntelanger Forschung kein einziges Medikament entstanden, das die Erkrankung heilen oder aufhalten kann. Die wenigen verfügbaren Therapien zeigen keine zufriedenstellende Verbesserung der Symptome und/oder sind meistens mit starken Nebenwirkungen verknüpft, die die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchtigen. Existierende Alzheimer-Medikamente, die aufgrund fehlender Wirksamkeit oder inakzeptabler Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden müssen, stellen keine Ausnahme dar. Erst vor wenigen Wochen wurde eine klinische Studie an Patienten mit dem im Tierversuch vielversprechenden Wirkstoff Aducanumab wegen Erfolglosigkeit abgebrochen. Auch renommierte Forscher aus dem Bereich der Neurologie sprechen sich zunehmend gegen die Tierversuchs-basierte Forschung aus und kritisieren, dass diese aufgrund fehlender Vergleichbarkeit nicht geeignet ist, um die menschliche Erkrankung zu erforschen.

Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben nun mithilfe humaner Gehirn-Organoide geschafft, einen wichtigen Mechanismus der Alzheimer-Erkrankung aufzuklären. Sie sprechen von einem „lebenden System“, in dem sich die Nervenzellen wie die im echten menschlichen Gehirn verhalten. Aus zum Beispiel Haut- oder Haarwurzelproben menschlicher Spender werden sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs) gezüchtet, die im nächsten Schritt so umprogrammiert werden, dass daraus Mini-Gehirne entstehen.

„Das ist ein Riesenvorteil gegenüber Gehirnen von Mäusen oder Ratten, die große Unterschiede zum menschlichen Gehirn aufweisen, was sicherlich die Hauptursache für das Scheitern dieser ‚Tiermodelle‘ darstellt“, kommentiert Dr. Tamara Zietek. Es gibt verschiedene Theorien zu der Entstehung von Alzheimer, u.a. die weit verbreitete Beta-Amyloid-Theorie, die die Bildung der sogenannten Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten erklären soll. Inwiefern diese Plaques jedoch zur typischen Symptomatik der Erkrankung (Vergesslichkeit etc.) beitragen, ist umstritten.

Die Bochumer Forscher haben nun anhand der humanen Gehirn-Organoide herausgefunden, dass das Protein, das auch für die Bildung der Plaques verantwortlich ist, in weitere Prozesse involviert ist, die zum Absterben der Nervenzellen führt – ein neu entdeckter Prozess, der mit hoher Wahrscheinlichkeit maßgeblich zum Verlauf der Alzheimer-Erkrankung beiträgt.

Die Gehirn-Organoide können nicht nur aus gesunden Menschen, sondern auch aus Alzheimer-Patienten generiert werden. Die Forscher geben sogar an, dass das Verfahren auch für weitere neurologische Erkrankungen wie beispielsweise Schizophrenie angepasst werden kann. Mithilfe Patienten-spezifischer Gehirn-Organoide steht nach jahrzehntelangem Scheitern der Tierversuche nun ein Krankheitsmodell zur Verfügung, welches die ideale Voraussetzung für effektive Medikamententestungen liefert und eine personalisierte Medizin ermöglicht.

Quellen:

Alzheimer im Mini-Gehirn. RUBIN Wissenschaftsmagazin, 1/2019, S. 48-51

Weitere Infos:

Alzheimer: gescheiterte Tierversuche und zukunftsweisende Technologien >>


Weltweit führendes Tierversuchslabor in Großbritannien schließt die Pforten

Weil die Zukunft tierversuchsfrei ist

19.06.2019

Aus Großbritannien kommt ein wichtiges Signal für eine zukunftsweisende Forschung: Das Tierversuchslabor des berühmten Sanger-Instituts wird geschlossen. Offizieller Grund: Verstärkte Fokussierung auf moderne, tierversuchsfreie Forschungssysteme. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche begrüßt diese Strategie außerordentlich und fordert Tierversuchslabore hierzulande auf, die Zeichen der Zeit ebenfalls zu nutzen.

Das Wellcome Sanger Institute in Hinxton, Großbritannien, ist eins der weltweit führenden Zentren für Genomforschung. Die gemeinnützige Einrichtung wird vom Wellcome Trust getragen, der weltweit zweitreichsten Stiftung, die medizinische Forschung fördert. Das Institut in der Nähe von Cambridge beschäftigt 900 Menschen, davon 70 im Tierversuchslabor. Dieses beliefert seit 13 Jahren Tausende Forscher in der ganzen Welt mit verschiedenen Tieren, darunter Frösche, Fische, Ratten und Mäuse – viele davon gentechnisch verändert. Nach einer eingehenden Überprüfung der Strategie des Instituts wurde beschlossen, dass die Tierversuchsanstalt, die 2006 für 30 Mio. Pfund (knapp 34 Mio. Euro) gebaut wurde, bis spätestens 2022 geschlossen wird. Wie das renommierte Wissenschaftsblatt nature berichtet, sei der Grund für die Entscheidung die rasante globale Etablierung humanbasierter Forschungsmodelle wie 3-dimensionale Zellkultursysteme und Organoide. Man wolle vermehrt auf diese Forschungssysteme setzen, da sie zukunftweisend seien. So beteiligt sich das Sanger-Institut an dem internationalen Human Cell Atlas-Projekt, in dem alle Zelltypen des menschlichen Körpers im Detail charakterisiert werden.

„Diese Entscheidung ist ein großartiges Signal und ein riesiger Erfolg für die humanbasierte, tierversuchsfreie Forschung, die unbedingt weiter ausgebaut und gefördert werden muss“, so Dr. Tamara Zietek, Wissenschaftlerin bei Ärzte gegen Tierversuche. Dr. Zietek hat selbst jahrelang an 3-dimensionalen Darmorganoiden an der TU München geforscht und die beeindruckende Entwicklung dieser Systeme innerhalb der letzten 10 Jahre miterlebt. „Tierversuchs-Einrichtungen müssen geschlossen werden, damit Fördergelder – seien sie staatlich oder wie in diesem Fall aus einer Stiftung – in den Bau neuer Zentren fließen können, die sich der leistungsstarken humanbasierten In-vitro-Forschung widmen.“ Vorbildlich ist hierzulande Berlin, wo aktuell der neue Forschungscampus „Der simulierte Mensch“ gebaut wird. „Heutzutage für zweistellige Millionenbeträge neue Tierversuchslabore zu errichten, wie beispielsweise in Hamburg geplant, ist wirtschaftlich und wissenschaftsstrategisch unklug und absolut nicht zukunftsorientiert“, beklagt Dr. Zietek.

Quellen:

Else H.: Genomics institute to close world-leading animal facility. Nature News 29.5.2019; 569: 612

Rozenblatt-Rosen O et al.: The Human Cell Atlas: from vision to reality. Nature News 26.10.2017; 550(7677): 451


Absurde Forschung an Hamstern in Marburg

Ärzteverein begrüßt behördliche Ablehnung von Tierversuchen

24.06.2019

Das Gießener Verwaltungsgericht hat die Durchführung von Tierversuchen an 36 Zwerghamstern an der Uni Marburg untersagt. Der bundesweite Verein zeigt sich hocherfreut. Die Ablehnungsquote bei Tierversuchen liegt bundesweit bei unter einem Prozent. Dem Verein zufolge werden an der Universität Marburg seit Jahren „absurde und grausame Tierversuche an Hamstern im Rahmen der Neugierforschung“ betrieben.

Um herauszufinden, warum Hamster im Winterschlaf abnehmen, werden Zwerghamster unterschiedlichen Licht- und Dunkelperioden ausgesetzt, ihnen werden Substanzen ins Gehirn injiziert und schließlich werden die Tiere getötet. In einer anderen Versuchsreihe soll die Regulation der Kältestarre von Hamstern beleuchtet werden. Dazu wird den Tieren ein Thermometer mit Sender in die Bauchhöhle eingepflanzt.

„Solche absurde Forschung, bei der es rein um die Stillung der wissenschaftlichen Neugier geht, wird seit Jahren an der Uni Marburg betrieben“, weiß Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche. „Um Artikel in hochrangigen Fachzeitschriften zu veröffentlichen und damit der Strom der Forschungsgelder weiter fließt, lassen sich die Experimentatoren immer wieder was Neues einfallen“. Nun sollten also 36 Hamster in einem schlafähnlichen Zustand, einen sogenannten Topor, versetzt werden, um zu ergründen, wie die Tiere dabei Nahrungs- und Wassermangel überstehen. Die Erkenntnisse sollten im Rahmen der Raumfahrt genutzt werden.

Das Regierungspräsidium Gießen hatte den Antrag der Marburger Forscher abgelehnt, weil nicht ausreichend belegt worden sei, dass die Tierversuche unerlässlich und ethisch vertretbar seien. Die Universität hatte daraufhin Eilantrag gestellt, der nun vom Verwaltungsgericht abgelehnt worden ist mit der Begründung, dass die aufgeworfenen Fragen hinsichtlich der Unerlässlichkeit und ethischen Vertretbarkeit nur in einem Hauptsacheverfahren geklärt werden könnten. Für die Tiere stünde der „größtmögliche und irreversible Schaden durch die geplante Tötung“ auf dem Spiel, für die Uni nur der Verlust von Drittmitteln und die Beteiligung an der Projektreihe der ESA. Diese Abwägung falle zu Ungunsten der Uni aus, heißt es in der Pressemitteilung des Gerichts. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig, die Beteiligten können binnen zwei Wochen Beschwerde einlegen.

Ärzte gegen Tierversuche begrüßt die Ablehnung des Versuchsantrags durch das Regierungspräsidium und die Entscheidung des Gerichts außerordentlich. Nach Recherchen des Vereins liegt die Ablehnungsquote bundesweit bei unter einem Prozent. Dies liegt vor allem an den Rechtsvorschriften zu Tierversuchen, die den Genehmigungsbörden keinen Spielraum lassen, eine Abwägung zwischen dem Leid der Tiere und dem vorgeblichen Nutzen des Tierversuchs zu finden. Begründet der Experimentator seinen Antrag ausreichend, muss die Behörde ihn genehmigen. Diese Vorgaben in deutschem Recht widersprechen EU-Recht und sind Teil eines aktuellen Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland. EU-Recht zufolge muss das Versuchsvorhaben nämlich wissenschaftlich gerechtfertigt werden und nicht bloß begründet.

„Es ist dem Regierungspräsidium hoch anzurechnen, dass dieses Versuchsvorhaben abgelehnt wurde. Behörden müssten viel öfter klare Kante zeigen und wenigstens die absurdesten Auswüchse der tierexperimentellen Forschung verhindern“, schließt Tierärztin Gericke.

Weitere Informationen
www.datenbank-tierversuche.de


Internationaler Aktionstag gegen Botox-Tierversuche

Mäuse qualvoll erstickt

Pressemitteilung und -Einladung
Internationaler Aktionstag gegen Botox-Tierversuche

09.07.2019

Während drei Hersteller von Botox-Produkten zumindest großteils auf tierversuchsfreie Zelltests umgestiegen sind, testet die japanische Firma Eisai immer noch an Mäusen. Mit einem großen Aktionstag am 13. Juli in Köln fordert der Verein Ärzte gegen Tierversuche den Hersteller auf, endlich die qualvollen Tierversuche einzustellen.

Das Nervengift Botulinumtoxin – besser bekannt unter dem Markennamen Botox – wird für medizinische Zwecke, überwiegend aber zum vorübergehenden Wegspritzen von Falten verwendet. Jede einzelne Produktionseinheit wird in einem qualvollen Mäusetest getestet, bevor sie in den Verkauf geht. Bei dem Test wird das Gift Gruppen von Mäusen in verschiedenen Dosierungen in die Bauchhöhle injiziert, um die Dosis zu ermitteln, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. Für die Mäuse ist das mit ungeheuren Qualen verbunden, sie sterben nach 3-4 Tagen durch Ersticken, da das Nervengift den Atemmuskel lähmt.

Die Hersteller Allergan, Merz und Ipsen testen zum Teil bereits seit 8 Jahren mit Hilfe von Zelltests. Allerdings haben auch sie noch nicht 100% umgestellt. Die japanische Firma Eisai mit einer Filiale in Frankfurt testet jedoch nach wie vor an Mäusen. 2014 und 2015 hat der Konzern allein 60.000 Tiere „verbraucht“. Die Versuche finden im Hamburger Auftragslabor LPT statt. Europaweit leiden und sterben jedes Jahr 400.000 Mäuse in Botox-Tests, weltweit dürfte es ein Vielfaches sein.

Seit der ersten Anerkennung eines tierfreien Zelltests für die Firma Allergan im Juli 2011 ruft die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) jedes Jahr um diese Zeit zu einem internationalen Aktionstag auf. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche, Mitglied des Dachverbands, hat dazu in der Kölner City unter anderem eine „Silent Line“ als stiller Protest geplant sowie eine Briefaktion an Eisai.

Zur Aktion:
Samstag, 13. Juli 2019, 11-15 Uhr
Schildergasse, Köln

Weitere Informationen:
www.botox-tierversuche.de


Deutsches Krebsforschungszentrum versucht Tierversuchsgegner einzuschüchtern

Beschwerde wegen Einstellung der Ermittlungen gegen DKFZ

Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V.

11.07.2019

Die Forscher, die illegale Tierversuche an Mäusen durchgeführt haben und die Tiere zwei Tage zu lang haben leiden lassen, sollen bestraft werden, so die Forderung des Vereins Ärzte gegen Tierversuche! Der Ärzteverein und die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht haben bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg Beschwerde dagegen eingelegt, dass die Ermittlungen gegen drei Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingestellt worden sind. Zeitgleich hat das DKFZ den Ärzteverein wegen Formulierungen in einer Demoankündigung abgemahnt.

Im Januar hatte Ärzte gegen Tierversuche e.V. (ÄgT) zusammen mit der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V. (DJGT) Strafanzeige gegen die ehemalige Forscherin des DKFZ Heidelberg, Jeannine Lacroix, wegen illegaler Tierversuche erstattet. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte danach ebenfalls Strafanzeige gegen zwei weitere Forscher eingereicht und die Staatsanwaltschaft Heidelberg hatte die Ermittlungen ausgeweitet. Vor drei Wochen hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. Dabei wird in der Einstellungsbegründung zugegeben, dass der Genehmigungszeitraum um 6 Wochen überschritten und 8 Mäuse aus „organisatorisch-personellen Gründen“ zwei Tage zu spät getötet worden seien. Aus Sicht der Verbände eindeutig ein Straftatbestand, der nicht als Bagatelle abgetan werden darf, sondern geahndet werden muss.

Die Tierexperimentatoren hatten Mäusen menschliche Ewing-Sarkom-Krebszellen unter die Haut gespritzt, wodurch aggressiv wachsende Tumoren entstanden. Nach selbst festgelegten, sogenannten Abbruchkriterien sollten die Mäuse ab einer bestimmten Tumorgröße getötet werden. Bei 8 Mäusen – so gaben die Forscher selbst zu – war dies versäumt worden.

Für Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche, steht fest, dass die Mäuse schon durch die Induktion der aggressiven Tumoren länger anhaltenden erheblichen Schmerzen, Leiden und Schäden ausgesetzt worden sind. „Die Festlegung von Abbruchkriterien ist rein willkürlich. Wenn dann dieser Tötungszeitpunkt auch noch um zwei Tage überschritten wird, weil die Überwachung Teilzeitkräften überlassen wird und damit lückenhaft ist, ist das nicht hinnehmbar“, erklärt Gericke. Tieren dürfen laut Tierschutzgesetz allein aus wirtschaftlichen Gründen keine Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden.

Die beschuldigten Forscher sollen laut Einstellungsbescheid zudem nicht davon ausgegangen sein, dass es einer Verlängerung der Genehmigung bedürfe. „Das ist eine reine Schutzbehauptung. Die Beschuldigten müssen sachkundig sein, sonst dürfen sie gar keine Tierversuche durchführen“, erläutert Tierärztin Gericke. „Diese Sachkunde beinhaltet auch das Wissen darum, wann eine gesonderte Genehmigung erforderlich ist, dass ein Tierversuch nach Ablauf einer Genehmigung nicht weitergeführt werden darf und dass Tieren aus wirtschaftlichen Gründen – z. B. aus Personalmangel – keine Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden dürfen“, heißt es in dem Beschwerdeschreiben. ÄgT und DJGT fordern eine Wiederaufnahme der Ermittlungen.

Für den 13. Juli hat das PeTA zwei-Streetteam Heidelberg in Kooperation mit der AG Kurpfalz der Ärzte gegen Tierversuche eine Demo in Heidelberg geplant. Gegen einige Formulierungen in der Demoankündigung auf Facebook geht das DKFZ mit einer Abmahnung gegen PeTA und Ärzte gegen Tierversuche vor. „Ein absolut lächerlicher Einschüchterungsversuch“, kommentiert Gericke. „Statt sich über solche Lappalien zu mokieren, sollte das Forschungsinstitut lieber die derzeitige tierexperimentelle Ausrichtung überdenken.“ Dass bei einer Tierversuchsreihe gegen geltendes Recht verstoßen wurde, wird vom DKFZ selbst zugegeben und von der Staatsanwaltschaft Heidelberg bestätigt. Dass die Staatsanwaltschaft diesen Verstoß nicht als ahndungswürdig ansieht, ist Gegenstand der jetzt eingereichten Beschwerde.

Weitere Informationen:

16.01.2019 - Ärzte gegen Tierversuche stellen Strafanzeige gegen DKFZ >>

19.06.2019 - Verfahren wegen illegaler Tierversuche eingestellt >>


So werden Tiere an der RWTH Aachen gequält

Aachener Forscher lassen junge Ratten wochenlang hungern

01.08.2019

Eine Forschergruppe der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) macht seit Jahren Hungerversuche mit Ratten, vorgeblich, um die Magersucht weiblicher Teenager zu erforschen. Die Tiere erhalten so wenig Futter bis sie nach 3 Wochen nur noch die Hälfte des Gewichts ihrer normal gefütterten Artgenossen wiegen. Für den bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche ist es ethisch verwerflich und wissenschaftlich unsinnig, eine so komplexe Erkrankung wie die Anorexia nervosa im „Tiermodell“ nachstellen zu wollen und fordert den Stopp dieser Versuche.

Forscher der Abteilung Neuroanatomie und der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters der Uniklinik RWTH Aachen geben jungen weiblichen Ratten nur 40 % der normalen Futtermenge, sodass sie innerhalb einer Woche 25% ihres Ausgangsgewichts abnehmen („akutes Hungern“). Danach wird dieses Gewicht 2 Wochen lang gehalten, indem die Tiere täglich gewogen und die Futterration angepasst wird („chronisches Hungern“). Dann werden die Tiere getötet. Am Ende wiegen die gehungerten Ratten nur halb so viel wie ihre normal gefütterten Artgenossen, die in dieser Zeit wachsen und an Gewicht zulegen. Für Dr. Tamara Zietek, Wissenschaftlerin beim Verein Ärzte gegen Tierversuche ist das eine entsetzliche Grausamkeit: „Das würde für einen 60 kg schweren Menschen bedeuten, er wiegt nur noch 30 kg.“

Die Versuche an insgesamt über 200 Ratten werden in mehreren Fachartikeln beschrieben. In zwei Veröffentlichungen aus dem Jahr 2018 versucht die Aachener Forschungsgruppe ein „Tiermodell“ für die Anorexie zu etablieren und daran längst bekanntes Wissen, nämlich, dass bei Magersucht-Patienten das Gehirn schrumpft, zu bestätigen. In einer anderen Arbeit aus 2016 wird die Beobachtung, dass es bei magersüchtigen Patienten zu einem Östrogen-Abfall und einer verminderten Gedächtnisleistung kommt, im Tierversuch bestätigt. „Es ist nicht nachzuvollziehen und ethisch nicht zu rechtfertigen, dass Tiere solchem Leid ausgesetzt werden, um ein Phänomen zu bestätigen, das beim Menschen bereits bekannt ist“, erklärt Dr. Zietek. Zudem ist der Versuchsaufbau fern jeder Realität. Magersüchtige essen phasenweise oft gar nichts. Ratten würden aber ohne Nahrung nach wenigen Tagen sterben, weswegen ein schlechter Kompromiss geschlossen wird, bei dem die Ratten gerade noch überleben. „Die Störungen im Essverhalten von Magersüchtigen sind so vielfältiger und individueller Natur, dass es überhaupt keinen sinnvollen Versuchsaufbau gibt, der repräsentativ für diese Erkrankung wäre“, weiß Zietek.

In der 2019 veröffentlichten Publikation sollen die Mechanismen der Hirnschrumpfung von chronisch gehungerten Ratten ergründet werden. Die Tiere werden erst akut, dann chronisch gehungert und einige Ratten werden danach wieder normal gefüttert. Es werden Magnetresonanz-Aufnahmen vom Gehirn gemacht und die Tiere getötet. „Was würde näherliegen, als die jugendlichen Patientinnen selbst mit bildgebenden Verfahren zu untersuchen? Dies würde zu relevanten Aussagen führen“, so Zietek abschließend.

Amerikanischen Wissenschaftlern ist es zudem gelungen, mit modernen Zellsystemen eine „Anorexie in der Petrischale“ zu entwickeln, die im Gegensatz zu abstrusen und qualvollen Tierversuchen relevante Erkenntnisse für kranke Menschen liefern.

Der Ärzteverein fordert von der RWTH, die Hungerversuche sofort einzustellen und von der Genehmigungsbehörde LANUV in Recklinghausen, keine weiteren derartigen Tierversuche zu genehmigen.

Hintergrundinformationen >>


Ablehnungsquote von Tierversuchen bundesweit unter 1 Prozent

Alarmierende Erhebung

08.08.2019

Anträge zur Durchführung von Tierversuchen werden fast immer genehmigt, die Ablehnungsquote liegt bei unter 1 Prozent. Das ist das Ergebnis einer aktuell in der Fachzeitschrift ALTEX erschienenen Studie des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein fordert, dass die Behörden viel häufiger den Mut aufbringen, die Genehmigung zu verweigern.

Tierversuche müssen per Gesetz entweder angezeigt oder genehmigt werden. Bei den anzeigepflichtigen Tierversuchen, z. B. Giftigkeitsprüfungen, muss lediglich ein Formular ausgefüllt werden. Tierversuche im Bereich der Grundlagen- und medizinischen Forschung, die den Großteil der Tierversuche ausmachen, müssen durch die zuständige Behörde – meist die Regierungspräsidien – genehmigt werden. Ärzte gegen Tierversuche hat aktuell dazu das Ergebnis einer Erhebung veröffentlicht.

Grundlage sind bei den zuständigen Genehmigungsbehörden erfragte Daten zur Anzahl der Genehmigungen und Ablehnungen von genehmigungspflichtigen Tierversuchen in den Jahren 2015 bis 2017. In die Auswertung eingeflossen sind die Zahlen aus 13 Bundesländern. Nur aus Hamburg, Niedersachsen und Sachsen sowie Bayern (außer Oberbayern) ließen sich keine Angaben ermitteln. Die Anzahl der Anträge lag bundesweit pro Jahr zwischen ca. 2.000 und 2.500. In Bremen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein wurde in den drei Jahren kein einziger Tierversuch abgelehnt, in Nordrhein-Westfalen war es gerade mal einer von über 1.000 Anträgen in den Jahren 2015 und 2016. In Baden-Württemberg und Berlin lag die Zahl knapp über 1 Prozent. In Thüringen wurden 2016 immerhin 9 von 121 Anträgen abgelehnt (7,4 Prozent).

„Das deutsche Tierschutzrecht erlaubt den Behörden lediglich zu prüfen, ob der Experimentator sein Versuchsvorhaben wissenschaftlich begründet hat“, erläutert Dr. med. vet. Corina Gericke. Das widerspricht EU-Recht, demzufolge die Behörde eine Abwägung zwischen dem Leid der Tiere auf der einen Seite und dem postulierten ‚Nutzen‘ auf der anderen Seite vornehmen soll. „Durch eine solche Abwägung würden zumindest besonders qualvolle und abstruse Versuchsanordnungen aussortiert werden können, etwa Magersucht-Versuche bei Ratten in Aachen oder Erstickungsversuche an Nacktmullen in Berlin“, ist sich Gericke sicher.

Im Juni hatte das Regierungspräsidium Gießen einen Versuchsantrag der Uni Marburg abgelehnt, bei dem im Rahmen der Raumfahrtforschung herausgefunden werden sollte, warum Zwerghamster im Winterschlaf an Gewicht verlieren. Die Uni ging gerichtlich gegen die behördliche Entscheidung vor. Solche Ablehnungen sind so selten, dass sie Schlagzeilen machen. „Behörden sollten viel häufiger den Mut haben, Versuchsanträge abzulehnen, selbst wenn dies dann vor Gericht landen kann“, fordert Tierärztin Gericke. „Außerdem muss die deutsche Gesetzgebung zumindest EU-Recht angeglichen werden. Eine Ablehnungsquote von unter 1 oder sogar 0 Prozent ist jedenfalls ein Armutszeugnis!“ Dass das deutsche Tierversuchsrecht in vielen Punkten den EU-Vorgaben widerspricht, ist Gegenstand eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland und wird zudem durch verschiedene Rechtsgutachten bestätigt.

Weitere Informationen

Stellungnahme: Ablehnungsquote von Tierversuchen in Deutschland >>

Strittmatter S: Applications for animal experiments are rarely rejected in Germany. ALTEX 2019; 36(3): 314-215 >>

Absurde Forschung am Hamstern in Marburg >>


Ausstiegsplan aus dem Tierversuch

USA wollen bis 2035 Giftigkeits-Tierversuche beenden

12.09.2019

Die Niederlande machen es vor, nun ziehen die USA nach: bis 2035 sollen Giftigkeitstest an Säugetieren vollständig durch verlässliche tierfreie Methoden ersetzt werden. Der Vorsitzende der US-Umweltbehörde EPA, Andrew R. Wheeler, legte jetzt eine neue Richtlinie vor, die der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche e.V. sehr begrüßt.

Bereits in den vergangenen Jahren haben die USA verstärkt an neuen und tierfreien Methoden gearbeitet. Dies soll nun strategisch ausgeweitet werden: eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Experten im Bereich innovative, tierfreie Methoden, soll innerhalb der nächsten 6 Monate einen umfassenden Plan erarbeiten, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Ab dem 01.01.2035 sollen Giftigkeitstests an Tieren verboten und nur noch in Ausnahmefällen möglich sein.

Sowohl die bereits bestehenden als auch die neuen Methoden können „in einem kürzeren Zeitfenster mit weniger Ressourcen zu einer gleichen oder besseren biologischen Vorhersage führen als die aktuell verwendeten Tiermodelle“, so heißt es in der Richtlinie (1). Dies erfolge selbstverständlich unter Einhaltung aller nötigen Sicherheitsniveaus für Mensch und Umwelt. Die EPA fördert die Erforschung tierfreier Methoden bei gleichzeitiger Verringerung der Finanzierung von Tierversuchen aus Steuergeldern ab 2025 um 30% bzw. kompletter Streichung ab 2035.

Bereits 2016 legten die Niederlande einen umfangreichen Plan vor, der den vollständigen Ersatz der regulatorischen Sicherheitstests für Chemikalien, Lebensmittelzusätze, Pestizide, Tier- und Humanmedizinprodukte bis 2025 vorsieht. (2)

Dass ausgerechnet die USA nun ebenfalls einen konkreten Ausstiegsplan erarbeiten, freut Dipl.-Biologin Julia Radzwill von Ärzte gegen Tierversuche: „Wenn ein Land wie die USA, aus dem so viele wissenschaftliche Innovationen stammen, einen Ausstiegsplan entwickelt, ist dies ein wichtiges Signal und misst den tierversuchsfreien Methoden endlich die Bedeutung zu, die sie – wissenschaftlich und ethisch – verdienen.“

„Obwohl Studien belegen, dass Ergebnisse aus dem Tierversuch auf Menschen nicht übertragbar und humanbasierte Methoden nicht nur verlässlich, sondern auch günstiger sind und mehr Ergebnisse in kürzerer Zeit liefern, werden in Deutschland über 99% der Fördergelder nach wie vor in das System ‚Tierversuch‘ fehlinvestiert“, erläutert Biologin Radzwill weiter.

Auch wenn 16 Jahre bis zur vollständigen Umsetzung nach Aussage des Ärztevereins ein viel zu langer Zeitraum ist, wird in den USA im Gegensatz zu Deutschland zumindest ein konkretes Datum anvisiert und in Kürze ein wissenschaftlich fundierter Umsetzungsplan vorliegen.

Ärzte gegen Tierversuche fordert von der Bundesregierung ein Umdenken, damit Deutschland die Wende von einem längst überholten System hin zu einer zukunftsorientierten und humanbasierten Forschung nicht verpasst.

Quellen und weitere Informationen

(1) A.R. Wheeler: Directive to Prioritize Efforts to Reduce Animal Testing. EPA, 10.9.2019 >>

(2) Ärzte gegen Tierversuche e.V.: Niederlande will Ausstieg aus dem Tierversuch, 31.1.2017 >>


Herbert-Stiller-Förderpreis für tierversuchsfreie Forschung vergeben

Das sind die Gewinner!

17.09.2019

Endlich stehen sie fest: die Preisträger des Herbert-Stiller-Förderpreises 2019, der vom Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) für innovative tierversuchsfreie Forschungsprojekte verliehen wird. Nach Sichtung zahlreicher exzellenter Forschungsanträge wurden am 14. September 2019 im Rahmen der 40-Jahr-Feier des Vereins in Frankfurt a.M. die Preisträger gekürt und die beiden geförderten Forschungsprojekte vorgestellt.

Erstmals seit 2011 wurde in diesem Jahr wieder der Herbert-Stiller-Preis für tierversuchsfreie Forschung verliehen. Diese Forschungsförderung soll die Preisträger aktiv dabei unterstützen, ihr geplantes Forschungsvorhaben im Bereich Medizin und Biowissenschaften zu realisieren.

Der erste Platz, finanziert durch eine zweckgebundene Spende, geht an Prof. Dr. Jens Kurreck und seine Kollegin Dr. Johanna Berg von der TU Berlin. In ihrem Projekt „Clean Bioprinting - tierfreie Produktion, Kultivierung und Charakterisierung von 3D-Organmodellen“ möchten die Forscher das moderne 3D-Biodruck-Verfahren optimieren, indem sie es völlig frei von tierischen Komponenten gestalten. Der 3D-Biodruck ist eine moderne und vielversprechende Methode zur Herstellung 3-dimensionaler menschlicher Mini-Organe und komplexer Zellkulturmodelle. Prof. Kurreck thematisiert zudem im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der TU Berlin seit langem die Entwicklung der tierversuchsfreien Forschung und leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung von Studenten und Nachwuchswissenschaftlern hinsichtlich humanrelevanter Forschungsmethoden.

„Die Gewinner-Auswahl ist uns wirklich schwergefallen, da uns so viele innovative Projektanträge erreicht haben“, sagt Dr. Tamara Zietek, Wissenschaftskoordinatorin bei Ärzte gegen Tierversuche. „Wir waren daher sehr froh, dass es durch die Unterstützung mehrerer Großspender gelungen ist, noch ein zweites Forschungsvorhaben zu finanzieren.“

Der zweite Gewinner des Förderpreises ist Dr. Mario Rothbauer von der TU Wien. Er erhält den Preis für sein Projektvorhaben „3D-Synovium-on-a-chip als Krankheitsmodell für rheumatoide Arthritis“, in dem er ein humanbasiertes Zellkulturmodell der menschlichen Gelenkinnenhaut einschließlich Gelenkschmiere entwickeln möchte. Das Organ-on-a-chip-Modell soll der Erforschung rheumatoider Arthritis dienen. „Ein solches humanes In-vitro-System ist von hohem Wert, da es Forschungsergebnisse liefert, die für den Menschen relevant sind und den Patienten helfen können. Zudem sind Tierversuche, die in diesem Bereich durchgeführt werden, für die Tiere mit großem Leid verbunden“, so Dr. Zietek.

Beide Forschungsprojekte werden mit einer Summe von je 20.000 € gefördert. Mit der Verleihung des Herbert-Stiller-Förderpreises tut der Verein Ärzte gegen Tierversuche genau das, wozu er seit langem das wissenschaftspolitische System in Deutschland auffordert: Er unterstützt diejenigen Wissenschaftler, die den Mut haben, die medizinische Forschung zu wandeln, sodass kein Tier mehr leiden muss und Patienten durch humanbasierte Forschungsmethoden mehr Sicherheit erlangen.

Ausführlichere Informationen >>

Verleihung Herbert-Stiller-Preis

Preisverleihung erster Platz: Prof. Dr. Jens Kurreck erhält ihn aus den Händen von Dr. Tamara Zietek (ÄgT).

Verleihung Herbert-Stiller-Preis

Dr. Mario Rothbauer freut sich über seinen Förderpreis.

Fotos: Foto-Digital-Studio Marcus Müller


Ärzte gegen Tierversuche zum Welttierschutztag 2019:

Tierversuchsfreie Forschung nach wie vor skandalös unterfinanziert

01.10.2019

„Ein jedes Lebewesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz“ postulierte Franz von Assisi, auf den der Welttierschutztag am 4. Oktober zurückgeht, bereits im 13. Jahrhundert. Über 800 Jahre später leiden und sterben allein in Deutschland laut Bundesstatistik immer noch jedes Jahr über 2,8 Millionen Tiere* in Laboren. Doch tierversuchsfreie Forschungsmethoden haben längst ihre Leistungsstärke unter Beweis gestellt. Deren mangelhafte Förderung und die fehlende Strategie der Bundesregierung zum Ausstieg aus dem Tierversuch kritisiert der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche.

Die Niederlande haben seit 2016 ein Ausstiegskonzept aus der Methode Tierversuch, die USA erarbeiten aktuell eines. Ärzte gegen Tierversuche fordert von Deutschland, jetzt ebenfalls zu handeln – um dem Tierschutz gerecht zu werden, medizinischen Fortschritt zu befördern und dem Wissenschaftsstandort Deutschland eine Spitzenposition zu sichern. Auch in der Bevölkerung gibt es eine Mehrheit gegen Tierversuche: Laut Forsa-Umfrage sind 71 % gegen besonders leidvolle Tierversuche, 52 % halten Tierversuche generell nicht für erforderlich (1).

Skandalös ist für die Ärztevereinigung, dass in zukunftsträchtige tierversuchsfreie Hightech-Methoden in Relation zu Tierversuchen nur geringe staatliche Gelder fließen. Einem jährlich sehr gering zweistelligen Millionenbetrag für tierversuchsfreie Forschung seitens des Bundes und der Länder stehen nach wie vor Milliarden für Tierversuche gegenüber, das sind 0,x % zu 99,y % (2).

Ärzte gegen Tierversuche lehnt Tierversuche sowohl aus ethischer als auch aus wissenschaftlicher Sicht ab: „Fast alle Menschen finden Tierversuche grausam – aber sie befürchten, dass bei einem Verbot keine neuen Medikamente mehr entstehen. Das ist aber kein realistisch zu befürchtendes Szenario!“, weiß Dr. med. Ines Lenk, Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. „In den letzten Jahren haben die humanbasierten, tierfreien Forschungsmethoden enorm große Fortschritte gemacht. Mini-Gehirne, die aus Zellen von Alzheimer-Patienten wachsen, Multi-Organ-Chips, biologische 3D-Drucker; das alles war vor Jahren noch undenkbar, wird aber heute in vielen Laboren bereits umgesetzt – trotz völlig unzureichender Finanzierung! Das ist ein klares Indiz, wie enorm groß die Leistungsfähigkeit dieser modernen Methoden ist!“, so die Expertin.

Tierversuche dagegen erweisen sich regelmäßig als Sackgasse – gerade erst wurden mehrere klinische Studien zu einem Alzheimer-Medikament abgebrochen, weil das Medikament die Symptome der Patienten verschlimmert (!) hat – der Wirkstoff war zuvor im Tierversuch als wirksam gegen die Krankheitssymptome eingestuft worden (3). Unser kompliziertestes Organ Gehirn verhält sich also trotz genetischer Nähe ganz anders als das von Tieren; eine Erkenntnis, die nicht verwundert, da bekannt ist, dass tierversuchsgeprüfte Medikamente regelmäßig scheitern, wenn sie am Menschen erprobt werden. Tierversuche wurden nie validiert, das heißt, sie mussten ihre Aussagekraft nie unter Beweis stellen. Dem gegenüber existieren bereits äußerst vielversprechende Methoden. So hat an der Ruhr-Uni Bochum eine Arbeitsgruppe mit Hilfe eines aus Hautzellen von Patienten entwickelten humanen Mini-Gehirns einen wichtigen Mechanismus der Alzheimer-Krankheit aufgeklärt. Es wäre nach Aussage des Ärztevereins für Mensch und Tier fahrlässig, diese neuen Chancen nicht stärker zu fördern. Dazu müssten die Milliarden Steuergelder, die heute für Tierversuche verschwendet werden, in die tierversuchsfreie Forschung fließen.

„Tierversuche müssen als Relikt längst vergangener Jahrhunderte abgeschafft und die menschenbasierte Forschung verstärkt gefördert werden. Denn diese hat aufgrund der Humanrelevanz das Potenzial, für wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritt zu sorgen“, so Lenk weiter. „Dafür setzen wir uns – nicht nur am Welttierschutztag – ein und fordern von der Politik den längst überfälligen Paradigmenwechsel!“

So ist der Verein zwecks Förderung innovativer tierversuchsfreier Methoden selbst aktiv geworden: Vor wenigen Tagen hat er zwei durch Sponsoren finanzierte und mit je 20.000 € dotierte Herbert-Stiller-Preise für aussichtsreiche Forschungsprojekte ohne den Einsatz von Tieren vergeben (4).

* Hinzu kommen nicht erfasste Tiere; solche, die für die Vorratshaltung gezüchtet werden und Tiere, die getötet werden, da sie beispielsweise nicht das gewollte Geschlecht oder die gewünschte genetische Modifikation aufweisen. Nach Hochrechnungen des Ärztevereins ist die Tierzahl ca. 2,5mal höher als offiziell angegeben und liegt damit bundesweit bei rund 7 Millionen Tieren. Auch wirbellose Tiere (außer Kopffüßer wie z.B. Tintenfische) wie Insekten und Krebse werden überhaupt nicht gezählt.

Quellen:

(1) Forsa-Umfrage: Mehrheit will keine Tierversuche, Ärzte gegen Tierversuche 2017 >>

(2) Finanzielle Förderung von Tierversuchen und tierversuchsfreier Forschung, Ärzte gegen Tierversuche, 30.9.2019 >>

(3) Egan MF et al.: Randomized Trial of Verubecestat for Prodromal Alzheimer’s Disease. New England Journal of Medicine. 2019; 380(15): 1408–20

(4) Herbert-Stiller-Preis für tierversuchsfreie Forschung vergeben, Pressemitteilung von Ärzte gegen Tierversuche, 17.09.2019 >>


Bundesregierung muss Tierversuchsrecht korrigieren

Verbände fordern Verbot grausamster Tierversuche

Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
TASSO e.V.

09.10.2019

Um eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof wegen mangelhafter Umsetzung tierschutzrechtlicher EU-Vorgaben abzuwenden, will die Bundesregierung nun das Tierversuchsrecht reformieren, bittet jedoch erneut um Fristverlängerung. Die bundesweit tätigen Vereine Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO kritisieren die Hinhaltetaktik der Bundesregierung und fordern die Aufnahme eines absoluten Verbotes von schwerbelastenden Tierversuchen in die neu zu fassenden Regelungen.

Bereits im Juli 2018 hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen nicht korrekter Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie eingeleitet. Die EU-Kommission bemängelte rund 20 Punkte im deutschen Tierversuchsrecht, die zu korrigieren seien. Die Bundesregierung räumte daraufhin in einem Schreiben an die EU-Kommission Fehler ein und kündigte Nachbesserungen im Tierschutzgesetz und in der Tierversuchsverordnung an. Nun – ein Jahr später – hat Berlin abermals der EU mitgeteilt, die Rechtsvorschriften zu Tierversuchen reformieren zu wollen – allerdings mit einer Fristverlängerung bis November 2020.

„Spätestens seit April 2016 ist der Bundesregierung durch verschiedene Rechtsgutachten bekannt, dass die EU-Tierversuchsrichtlinie in Deutschland nicht rechtskonform und einseitig zum Nachteil der Tiere umgesetzt wurde. Dass nun die längst überfällige Nachbesserung des Tierversuchsrechts erneut hinausgezögert werden soll, ist schlichtweg inakzeptabel“, so die Verbände. Man erwarte von der für Tierschutz zuständigen Ministerin Klöckner zum einen, dass die von der EU mehrfach angemahnte Korrektur nun auf den Weg gebracht wird. Zum anderen ist die Bundesregierung auch aufgefordert, endlich konkrete Wege aufzuzeigen, wie eine nationale Ausstiegsstrategie aus dem wissenschaftlich überholten System „Tierversuch“ aussehen kann.

Mit ihrer Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ kämpfen die drei Vereine seit Jahren dafür, dass insbesondere die von der EU geforderte Schmerz-Leidens-Obergrenze, ab der ein Tierversuch unter keinen Umständen durchgeführt werden darf, in deutsches Recht übernommen wird. Im Oktober 2018 hatten die drei Verbände erreicht, dass der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages sich in einer öffentlichen Anhörung mit dieser Forderung beschäftigen musste. Zuvor hatten sie dem Petitionsausschuss 71.000 Unterschriften überreicht. Eine Entscheidung des Ausschusses steht immer noch aus. Im April 2019 übergaben Vertreterinnen des Bündnisses weitere 28.000 Unterschriften an die EU-Kommission, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.

„Die Einführung eines Verbotes schwerbelastender Tierversuche ist in Deutschland nicht nur möglich, sondern juristischen Gutachten zufolge aus verfassungsrechtlichen Gründen sogar geboten“, erläutern die Tierschützer.

Zu diesen besonders grausamen Experimenten gehören zum Beispiel der „Forcierte Schwimmtest“, bei dem Ratten so lange in einem Wasserglas schwimmen müssen, bis sie keine Hoffnung mehr auf Rettung haben und sich bewegungslos ihrem Schicksal ergeben, oder Tests mit Elektroschocks, denen sich die Tiere nicht entziehen können („Erlernte Hilflosigkeit“), sowie diverse andere Methoden, die bei den Tieren schwere Organschädigungen mit Todesfolge hervorrufen.

Quellen und weitere Informationen
„Tierversuche: Bundesregierung will Gesetze auf Druck der EU reformieren“, Neue Osnabrücker Zeitung, 4.10.2019 >>

Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ >>


Sloan Pharma erstickt 46.800 Mäuse für Botox-Produkt

Ärzte gegen Tierversuche startet Protestaktion

10.10.2019

Die Firma Sloan Pharma testet ihr Botox-Produkt Neurobloc an 46.800 Mäusen beim Hamburger Auftragslabor LPT. Das hat der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche herausgefunden und ruft zum Protest auf.

Das Nervengift Botulinumtoxin – besser bekannt unter dem Markennamen Botox – wird für medizinische Zwecke, überwiegend aber zum vorübergehenden Wegspritzen von Falten verwendet. Jede einzelne Produktionseinheit wird in einem qualvollen Mäusetest getestet, bevor sie in den Verkauf geht. Dabei wird die Substanz Mäusen in die Bauchhöhle gespritzt, was zu Muskellähmungen und Atemnot führt, bis die Tiere schließlich bei vollem Bewusstsein ersticken. Seit 12 Jahren kämpft der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche gegen diese Tierqual. Mit Erfolg – drei Hersteller von Botulinumtoxin-A-Produkten haben tierversuchsfreie Zelltests entwickelt und testen zumindest größtenteils an diesen statt an Mäusen.

Aktuellen Recherchen von Ärzte gegen Tierversuche zufolge hat die japanische Firma Eisai mit Zweigstelle in Frankfurt ihr Botulinumtoxin-B-Präparat Neurobloc 2018 an die Firma Sloan Pharma mit Sitz in Luxemburg und der Schweiz verkauft. Eisai hatte in den Jahren 2014/2015 insgesamt 60.000 Mäuse für Neurobloc „verbraucht“. „Seit 2015 haben wir eine Kampagne gegen den Konzern geführt. Dies zeigte Wirkung: Eigenen Angaben zufolge hat Eisai an einer Zellkulturmethode gearbeitet“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. „Doch durch den Verkauf des Präparats geht es nun wieder von vorne los!“

Informationen des Vereins zufolge fängt Sloan Pharma jetzt erst an, eine tierversuchsfreie Methode zu entwickeln, was viele Jahre dauern kann. Gleichzeitig hat die Firma 2019 LD50-Tests an 46.800 Mäusen beim Hamburger Labor LPT genehmigt bekommen. Dies geht aus der staatlichen Datenbank Animaltestinfo hervor, in der genehmigte Tierversuchsvorhaben eingetragen werden.

Der Ärzteverein hat eine Briefaktion zum Mitmachen an Sloan Pharma gestartet. Die Firma soll die Produktion von Neurobloc aussetzen, bis ihr Zelltest anerkannt ist.

Europaweit leiden und sterben jährlich mindestens 400.000 Mäuse für Botox-Produkte. Weltweit dürfte es ein Vielfaches sein.

Weitere Informationen: www.botox-tierversuche.de


Hinter verschlossenen Türen: Grausame Tierversuche in Hamburg aufgedeckt!

Undercover im Auftragslabor LPT

14.10.2019

Das in Hamburg ansässige Unternehmen LPT führt massenhaft Tierversuche durch. Tierversuchsbefürworter suggerieren der Öffentlichkeit regelmäßig, dass „Versuchstiere“ im Regelfall kaum leiden müssen und mit Respekt behandelt werden. Undercover-Ermittlungen von SOKO Tierschutz und Cruelty Free International decken nun auf, wie die Realität aussieht – und bringen erschreckende Grausamkeiten ans Tageslicht.

Das LPT (Laboratory of Pharmacology and Toxicology) in Hamburg führt seit Jahrzehnten unzählige Tierversuche für Auftraggeber aus der ganzen Welt durch – hauptsächlich Giftigkeitsversuche bei verschiedensten Tierarten, darunter auch Hunde und Affen. Auch die berüchtigten Botox-Tierversuche, bei denen Mäuse qualvoll erstickt werden, finden beim LPT statt. Wie diese Versuche ablaufen und unter welchen Bedingungen die Tiere dort leben, ist streng geheim.

Der typische Tierversuch wird von Befürwortern regelmäßig als harmlose Blutentnahme oder simpler Beobachtungversuch dargestellt. Doch nun erhält die Öffentlichkeit Einblick hinter die geheimen Kulissen des LPT. Der deutsche Verein SOKO Tierschutz und die britische Organisation Cruelty Free International hatten einen Mitarbeiter eingeschleust, der verdeckte Aufnahmen machte und erschreckende Zustände dokumentierte. Beagle und Affen werden in engen, teils blutverschmierten Käfigen gehalten, ohne Beschäftigungsmaterial, sie haben kaum Kontakt zu Menschen. Die sozialen Tiere sehnen sich nach Zuneigung – trotz des Leids, das sie ertragen müssen. Einer Katze wird dreizehnmal am Tag in die Beine gestochen. Affen werden die Köpfe fixiert oder sie werden auf Sitzen festgeschnallt, die Tiere zeigen massive psychische Stressreaktionen in ihrer ausweglosen Lage. Die Tierpfleger seien teils nicht ausreichend ausgebildet und sehr grob im Umgang mit den Tieren, berichtet SOKO Tierschutz.

„Die verdeckten Ermittlungen müssen unbedingt rechtliche Konsequenzen haben“, sagt Dr. Zietek, Wissenschaftskoordinatorin bei Ärzte gegen Tierversuche. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz wurden in den letzten Jahren vermehrt bekannt. So hatte Ärzte gegen Tierversuche Anfang des Jahres Missstände am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg aufgedeckt. Die Strafanzeige führte bei den betroffenen Forschern nicht zur Einsicht, die Vergehen wurden verteidigt und gerechtfertigt, die staatsanwaltlichen Ermittlungen schließlich eingestellt. Der Fall der Universität Erlangen, als der Ärzteverein einige Forscher wegen Ungereimtheiten bei der Registrierung der Tierversuche angezeigt hatte, wurde ebenfalls von der zuständigen Staatsanwaltschaft eingestellt. Weitere Fälle lassen sich auflisten, die teils massiven Vergehen werden in Deutschland lediglich wie Kavaliersdelikte behandelt.

Der aktuelle Skandal belegt erneut, dass der Tierschutz hierzulande mit Füßen getreten wird. Nicht ohne Grund hat die EU gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren wegen fehlerhafter Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie in 20 Punkten eingeleitet. Dort wird u.a. fehlende Sachkunde der Mitarbeiter bemängelt, und dass Tierversuche nicht ausreichend kontrolliert werden. Auch am LPT befand sich nach Angaben der SOKO Tierschutz nur ein(!) ausgebildeter Tierpfleger, der Rest waren Schlachter, Mechaniker und ein Militärmusikant.

„Gerade im Bereich der Giftigkeitsprüfung gibt es zahlreiche moderne Testmethoden, die auf menschlichen Zellen basieren und besser für diese Untersuchungen geeignet sind als Tierversuche“, sagt Dr. Tamara Zietek. ÄgT fordert seit langem eine verstärkte Finanzierung solcher humanbasierten Methoden und kritisiert Tierversuchsbefürworter, die diese modernen, wissenschaftlich hoch relevanten Verfahren schlechtreden und damit Innovationen blockieren.

Weitere Infos
SOKO Tierschutz
Bundesregierung muss Tierversuchsrecht korrigieren, Pressemitteilung vom 9.10.2019 >>

 


Tierschutzgesetzgebung in Deutschland provoziert Verstöße wie im LPT

ÄgT und DJGT fordern harte Strafen sowie LPT-Schließung;
jur. Stellungnahme

Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V. (ÄgT)
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V. (DJGT)

21.10.2019

Der jüngste Skandal im LPT (Labor für Pharmakologie und Toxiko-logie, Hamburg) reiht sich nahtlos ein in die Reihe tierschutzrechtlicher Verstöße deutscher Versuchslabore der letzten Jahre. Diese werden – wenn überhaupt – mit geringen Geldstrafen wie Kavaliersdelikte behandelt. Schuld daran sind nach Ansicht der Vereine Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) und Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) die unzureichende Gesetzgebung und die lasche Strafverfolgung in diesem Bereich. Zudem wird das Tierleid in den Laboren von der Tierversuchslobby als „Mythos“ abqualifiziert und verharmlost, der Öffentlichkeit somit ein völlig falsches Bild vermittelt.

Gegen das LPT wurden bereits zahlreiche Strafanzeigen gestellt, deshalb verzichten beide Vereine auf eine eigene. Ärzte gegen Tierversuche bietet den Strafverfolgungsbehörden jedoch ausdrücklich seine wissenschaftliche Expertise für die Aufklärung an. Gleiches gilt für die auf das Tierschutzrecht spezialisierte DJGT; beide Vereine arbeiten partnerschaftlich zu-sammen. Die Vorstandsvorsitzende von ÄgT Dr. Ines Lenk fordert: „Wir möchten zusammen mit der DJGT mithelfen, die Vorgänge im LPT lückenlos aufzuklären, damit dies flächendeckende Konsequenzen hat – denn das LPT ist kein Einzelfall in Deutschland!“

„Ein Tierversuchslabor in Deutschland darf kein rechtsfreier Raum sein!“, stellt Dr. Lenk weiterhin unmissverständlich klar. „Wir erwarten hier auch eine klare Positionierung und Abgrenzung der tierversuchsbefürwortenden Institutionen.“

Bekanntlich läuft ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegenüber Deutschland, welches die EU-Vorgaben zu Tierversuchen in 20 Punkten unzureichend umgesetzt hat. „Wenn ein ohnehin schon völlig unzureichendes Tierschutzgesetz bei Verstößen auch noch inkonsequent verfolgt wird, braucht man sich über Situationen wie im LPT nicht zu wundern“, so Dr. Barbara Felde, Vorstandsmitglied der DJGT.

Die Vereine fordern harte Strafen für die Verantwortlichen des LPT sowie dessen Schließung. Die DJGT hat dazu eine juristische Kurzstellungnahme (Link) verfasst, die letzteres als einzig konsequente und rechtlich gebotene Option nahelegt.

Weitere Informationen
Stellungnahme der DJGT >>


Fundamentale Unterschiede zwischen Mensch- und Affen-Gehirn erneut belegt

Affen ungeeignet für die Hirnforschung

07.11.2019

Eine aktuelle wissenschaftliche Publikation belegt einmal mehr, was der Verein Ärzte gegen Tierversuche seit Langem kritisiert: Affen sind nicht geeignet für die Erforschung des menschlichen Gehirns. Die In-vitro-Studie zeigt anhand von im Labor gezüchteten Mini-Gehirnen, dass grundlegende neurologische Entwicklungsprozesse bei Affen und Menschen stark unterschiedlich sind. Ein weiterer Beweis dafür, dass für die biomedizinische Forschung der Zukunft moderne humanbasierte Methoden eingesetzt werden müssen, die heute bereits zur Verfügung stehen.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert seit Langem die mangelnde Übertragbarkeit von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen. Auch im Bereich der Hirnforschung gibt es dramatische Unterschiede zwischen Mensch und Tier, die nun durch eine weitere wissenschaftliche Publikation belegt wurden. Forscher aus Leipzig, Dresden, Basel und Zürich haben aus induzierten pluripotenten Stammzellen Mini-Gehirne (sog. Gehirn-Organoide) von Menschen, Schimpansen und Makakenaffen im Labor gezüchtet und detailliert miteinander verglichen. „Gerade bei Affen wird häufig argumentiert, dass sie im Bereich der Hirnforschung das beste „Modell“ für den Menschen seien, da sie diesem angeblich so stark ähneln“, sagt Dr. Tamara Zietek, Biochemikerin und Wissenschaftskoordinatorin bei Ärzte gegen Tierversuche. „Die genetische Ähnlichkeit von Affen und Menschen wird fälschlicherweise oft als Rechtfertigung für Tierversuche herangezogen. Entscheidend für die biologischen Vorgänge in einem Organismus sind jedoch nicht die Gene selbst, sondern hauptsächlich deren Regulation, also wie und wann die Gene abgelesen werden. Diese Prozesse sind bei jeder Tierart unterschiedlich, weshalb sich eben ein Affe stark von einem Menschen unterscheidet.“

Und genau das belegt die kürzlich in der Fachzeitschrift Nature erschienene Studie: Fundamentale Prozesse bei der Gehirnentwicklung und der Regulation von Genen sind bei Mensch und Affe völlig verschieden. Für diese Erkenntnisse musste kein Affe sterben oder Schmerzen erleiden, denn die Zellen für die Züchtung der Affen-Gehirn-Organoide erhielten die Forscher im Rahmen routinemäßiger Gesundheitschecks von Schimpansen und Makaken des Leipziger Zoos und eines Gnadenhofs. Es wird lediglich eine kleine Haut- oder Haarwurzelprobe benötigt, aus der die Zellen in sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen zurückprogrammiert und daraus dann die Mini-Organe gezüchtet werden. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche steht der Zoohaltung ablehnend gegenüber, daher wäre, neben Gnadenhöfen, ein weiterer sinnvoller Ansatz, die Proben zur Züchtung tierischer Organoide beispielsweise bei Routine-Untersuchungen in Wildtier-Auffangstationen zu gewinnen.

Die Proben könnten auch Haustieren entnommen werden - mit Einverständnis der Besitzer im Rahmen tierärztlicher Untersuchungen. „Gerade bei der Entwicklung von Medikamenten für Tiere wird häufig behauptet, dass an lebenden Tieren getestet werden müsse. Das stimmt so nicht. Ein vielversprechendes In-vitro-Modell für diese Zwecke wären z.B. Multi-Organ-Chips mit tierischen Mini-Organen“, sagt Dr. Zietek.

Diese Chips werden heute schon weltweit für die Entwicklung und Sicherheitsprüfung menschlicher Medikamente erprobt. Zur Erforschung des menschlichen Gehirns eignen sich menschliche Gehirn-Organoide oder ähnliche humane In-vitro-Systeme, ebenso bildgebende Verfahren und Computersimulationen. „Bei den grundlegenden Unterschieden der Gehirne von Menschen und Affen, die auch in der Studie gezeigt werden, wundert es nicht, dass nach jahrzehntelanger Forschung an diversen „Tiermodellen“ neurologische Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson weder aufgeklärt sind, noch erfolgreich therapiert werden können“, so Dr. Zietek. Für diese Forschungen werden hauptsächlich gentechnisch veränderte Mäuse und Ratten eingesetzt, und wenn sich schon ein Affengehirn so stark vom menschlichen unterscheidet, dann sind die Gehirne von Nagern erst recht nicht als Forschungsmodell geeignet.

Quelle:

Kanton, S. et al.: Organoid single-cell genomic atlas uncovers human-specific features of brain development. Nature 2019; 575: 418-422


Größter „Affenverbraucher“ Deutschlands will ausbauen

Ärzte gegen Tierversuche starten Kampagne gegen Tierversuchslabor Covance in Münster

13.11.2019

Recherchen des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche zufolge ist das Tierversuchslabor Covance in Münster der größte „Affenverbraucher“ Deutschlands. Jedes Jahr werden dort bis zu 2.000 Affen in qualvollen Giftigkeitstests getötet. Jetzt will der Konzern ein neues Gebäude für noch mehr Käfige bauen. Der Verein startet gegen die Erweiterung eine Kampagne. Ab sofort können Protest-Unterschriften per Online-Petition abgegeben werden, und für den 23. November ist eine Großdemo in Münster geplant.

Das US-amerikanische Unternehmen Covance ist eines der weltweit größten Auftragsforschungsinstitute mit Niederlassungen in 20 Ländern. In Münster betreibt der Konzern eines der größten Tierversuchslabore für Affen in Europa. Recherchen des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche zufolge werden zwei Drittel aller Affenversuche Deutschlands in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Im Jahr 2017 waren es 2.137 von insgesamt 3.525 Affen. Verantwortlich dafür ist vor allem das Tierversuchslabor Covance in Münster. Damit ist Covance der größte „Affenverbraucher“ Deutschlands.

Die Filiale in Münster hat sich auf Fortpflanzungs-Giftigkeitstests an Affen spezialisiert. Schwangeren Affen werden Arzneimittel oder Chemikalien oft täglich mit einem Schlauch in den Magen gepumpt oder in die Blutbahn injiziert, um die Auswirkung auf ihren Nachwuchs zu beobachten. Die Folge können Totgeburten oder Missbildungen sein. „Solche Giftigkeitsprüfungen an unseren nächsten Verwandten sind ethisch nicht zu rechtfertigen und wissenschaftlich unsinnig, da die Ergebnisse nur etwas über die Reaktion der Affen aussagen, aber keine Vorhersage für den Menschen zulassen“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Unlängst haben verdeckt gemachte Aufnahme aus dem Labor LPT im niedersächsischen Mienenbüttel für einen gewaltigen öffentlichen Aufschrei gesorgt. Die Bilder zeigten Affen in winzigen Einzelkäfigen und sich in Panik in sogenannten Primatenstühlen windenden Affen. Die Behörden und Staatsanwaltschaft ermitteln, die Außenstelle Mienenbüttel soll geschlossen werden, während die Tierversuche an Mäusen, Ratten, Meerschweinchen, Kaninchen und Schweinen weitergehen sollen.

Der Ärzteverein geht davon aus, dass die Zustände bei Covance ähnlich sind. „Es gibt keine harmlosen Giftigkeitstests, sie sind immer mit Qual und Tod für die Tiere verbunden“, so Tierärztin Gericke. Vor 16 Jahren war Covance schon einmal in die Schlagzeilen geraten, als eine Undercover-Recherche Bilder von schwer verhaltensgestörten Primaten an die Öffentlichkeit brachte.

„Die Zeichen stehen auf Paradigmenwechsel – weg von einer antiquierten Tierversuchsforschung, hin zu moderner humanbasierter Forschung des 21. Jahrhunderts“, erklärt Gericke. So schließt in Großbritannien spätestens 2022 das berühmte Sanger-Institut sein Tierversuchslabor. Der Grund für die Entscheidung: die rasante globale Etablierung humanbasierter Forschungsmodelle wie 3-dimensionale Zellkultursysteme und Organoide. „Ein Ausbau des umstrittenen Covance-Labors ist der völlig falsche Weg und darf von den Behörden nicht genehmigt werden“, fordert die Expertin.

Weitere Informationen
Kampagne „Covance schließen“ >>

Online-Petition >>

Termin Demo
Sa., 23. November 2019, ab 12 Uhr
Stubengassenplatz, 48143 Münster:
Demo gegen den Ausbau und für die Schließung von Covance
Facebook-Event >>


Petitionsausschuss des Bundestags bügelt Tierschutz-Anliegen ab

Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
TASSO e.V.

27.11.2019

Sind schwere und schwerstbelastende Tierversuche in Deutschland mit dem Grundgesetz vereinbar? Ein im Oktober 2017 erstelltes Rechtsgutachten, welches im Auftrag der drei Organisationen Ärzte gegen Tierversuche e.V., TASSO e.V. und Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. erstellt wurde, kommt zu einem klaren Ergebnis: nein!

Da die Bundesregierung sich bis heute jedoch beharrlich weigert, das nationale Tierversuchsrecht diesbezüglich zu korrigieren, hatten die drei Tierschutzverbände gestützt mit Unterschriftenlisten von rund 71.000 Bürgern den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages eingeschaltet.

Im Oktober 2018 fand hierzu eine einstündige öffentliche Anhörung im Deutschen Bundestag statt, bei der Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche, das Anliegen der Tierschutzverbände erläuterte.

Erst jetzt, nach über einem Jahr, erhielten die Verbände eine abschließende, jedoch nichtssagende Antwort des Ausschusses. Es sei wichtig, „Ersatzmethoden zu Tierversuchen weiter zu erforschen und anzuwenden“, heißt es darin. Die Petition wird dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) als „Material“ überwiesen. Auch die Anträge der Fraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die Petition zumindest als „Erwägung“ beziehungsweise zur „Berücksichtigung“ an das BMEL zu überweisen, wurden mehrheitlich abgelehnt.

„Anstatt eine klare Vorgabe zur Änderung des Tierversuchsrechts zu machen, wird unsere Petition lediglich an das BMEL weitergegeben, also den Verursacher des Missstands der zu laschen gesetzlichen Regelung“, so Dr. Gericke. „Natürlich ist die weitere Erforschung und Anwendung von tierversuchsfreien Methoden wichtig, dies hat aber überhaupt nichts mit unserem Anliegen zu tun, nämlich ein Verbot wenigstens der allerschlimmsten Tierversuche zu erreichen – wie es auch die EU-Tierversuchsrichtlinie ermöglicht“, ärgert sich die Tierärztin.

Die Bundesregierung ignoriert seit längerer Zeit das europäische Tierversuchsrecht einseitig zu Lasten des Tierschutzes. So musste der Parlamentarische Staatssekretär, Hans-Joachim Fuchtel (CDU), schon in der öffentlichen Anhörung zur Petition im Oktober 2018 von Kollegen korrigiert werden, da er behauptete, dass die 2010 in Kraft getretene EU-Tierversuchsrichtlinie in Deutschland „eins zu eins" umgesetzt worden sei. Davon kann nicht die Rede sein, denn gegen Deutschland läuft ein Vertragsverletzungsverfahren der EU, weil die nationale Richtlinie in 33 Punkten nicht EU-konform umgesetzt wurde.

Der Petitionsausschuss hat mit dem bloßen Beiseiteschieben dieses wichtigen Anliegens leider nicht nur die Experten sondern auch die Bürger, die die Petition mit unterstützt haben, nicht ernst genommen. Die drei Verbände werden sich jedenfalls weiter vehement dafür einsetzen, dass endlich die von der EU geforderte Obergrenze für Schmerzen, Leiden und Ängste, die bei der Durchführung von Tierversuchen nicht überschritten werden darf, auch in Deutschland eingeführt wird.

Weitere Informationen:
Kampagnen-Seite: www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de

 


32.000 Unterschriften gegen neues Tierversuchslabor am UKE Hamburg übergeben

Aussichtsreiche Zusagen von Wissenschaftsministerin Fegebank

17.12.2019

Das bereits im Bau befindliche neue Tierversuchslabor des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) soll ausschließlich für tierversuchsfreie Forschung verwendet werden, fordern der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche und 32.515 Bürger. Vertreter des Vereins überreichten gestern die gesammelten Unterschriften an Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen).

Mit rund 40 Aktivisten formierte die AG Hamburg des Vereins Ärzte gegen Tierversuche in Chirurgie-Kitteln und mit Schildern zunächst auf der Reesendammbrücke mit dem Rathaus als Kulisse. Katharina Feuerlein, Ärztin und Vorstandsmitglied des Vereins, sowie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Dilyana Filipova präsentieren die gesammelten Unterschriften und standen den zahlreich erschienenen Medien für Interviews zur Verfügung. Nach der Aktion übergaben sie die Unterschriften im Rathaus an Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank.

Anstatt 32 Millionen Euro für ein neues Tierversuchslabor auszugeben, sollte Hamburg Pionier der tierversuchsfreien Forschung werden, so die Botschaft der Tierversuchsgegner. Diese fiel bei Fegebank auf erfreulich fruchtbaren Boden. Sie interessierte sich für die moderne, humanbasierte Forschung mit menschlichen Mini-Organen und den mitgebrachten Multi-Organ-Chip. Das bereits im Bau befindliche Gebäude sei zwar für die Tierhaltung für Tierversuche ausgelegt, ließe sich aber auch in tierversuchsfreie Forschung umwidmen, wenn es weniger Tierversuche geben würde. Die Senatorin wolle sich für eine Verstärkung der modernen, humanbasierten Forschung ohne Tierversuche einsetzen.

So hat das UKE erst vor wenigen Tagen angekündigt, eine 3R-Professur einrichten zu wollen. Der Ärzteverein kritisiert die „3R“ jedoch als nicht zielführend, denn die Abkürzung steht für Ersetzen (replace), Reduzieren (reduce) und verfeinern (refine) von Tierversuchen. „Tierversuche sind ethisch nicht zu rechtfertigen und wissenschaftlich unsinnig, da die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind. Dieses falsche System braucht man nicht reduzieren oder verfeinern, man muss es abschaffen“, so Ärztin Katharina Feuerlein. Fegebank versprach, dass die Professur sich der tierversuchsfreien Forschung widmen solle. Ebenso sagte sie zu, dass der Neubau zu keiner Ausweitung der Tierversuche in Hamburg führen würde. Ärzte gegen Tierversuche befürchten, dass alte Tierhaltungsanlagen bestehen bleiben und so die Kapazitäten und damit die Anzahl der Tierversuche erhöht werden würden.

Feuerlein zieht ein positives Fazit: „Wir werden aber auch genau hinschauen, was aus den Versprechungen der Politik wird.“

Hintergrundinfos >>

Fotos zur freien Verfügung:

Unterschriftenübergabe gegen Tierversuchslabor in Hamburg
v. li.: Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, Dr. Dilyana Filipova und Katharina Feuerlein (beide ÄgT)

Unterschriftenübergabe gegen Tierversuchslabor in Hamburg

Unterschriftenübergabe gegen Tierversuchslabor in Hamburg

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Immer mehr Tierversuche - 2,82 Millionen Tiere gequält und getötet

Ärzte gegen Tierversuche kritisieren Verschleierung durch das BMEL

19.12.2019

Im Jahr 2018 mussten in deutschen Laboren 2.825.066 Tiere leiden und allergrößtenteils sterben. Das sind 17.768 Tiere mehr als im Vorjahr. Das Bundeslandwirtschaftsministerium gibt in seiner aktuellen Veröffentlichung jedoch „nur“ 2,09 Millionen Tiere an und rechnet 686.352 (24%) der zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tiere sowie rund 40.480 wiederverwendete Tiere raus. So wird die Zahl künstlich niedrig gehalten und der tatsächliche Anstieg verschleiert, kritisiert der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT).

Die gestern veröffentlichte Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bezieht sich wie im Vorjahr auf die in Tierversuchen verwendeten Tiere. Bis 2016 wurden jedoch auch Tiere mitgezählt, die etwa zur Organentnahme getötet wurden (Kategorie „zu wissenschaftlichen Zwecken getötet“). „Die tatsächliche Gesamtzahl 2018 wird so verschleiert“, kritisiert Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Und weiter: „Die Unterscheidung zwischen ‚in Tierversuchen verwendeten‘ und ‚zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten‘ Tieren darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ‚verwendeten‘ Tiere im Verlauf des Versuchs sterben oder ebenfalls getötet werden.“

40.480 Tiere wurden aus den Vorjahren erneut verwendet. Aber auch für sie steht am Ende der Tod. Dieses trifft vor allem auf größere Tiere wie Hunde, Katzen, Affen und Pferde zu, während Nagetiere und Fische fast alle gleich während des ersten Versuchs sterben oder getötet werden. Den größten Teil machen nach wie vor Mäuse aus, nämlich über 2,1 Millionen (74%), gefolgt von Ratten (298.615 = 10%) und Fischen (227.434 = 8%). Bei Hunden ist ein erschreckender Anstieg von 3.334 auf 3.993 Tiere gegenüber 2017 zu verzeichnen. 2018 wurden insgesamt 3.324 Affen (hauptsächlich Langschwanzmakaken) verwendet, etwas weniger als im Vorjahr (3.525 Tiere). „95 % der Langschwanzmakaken stammen von außerhalb der EU und werden unter unsäglichen Bedingungen in Ländern wie Mauritius und China für die Tierversuchsindustrie gezüchtet“, weiß Gericke. Affen dieser Art litten vor allem in gesetzlich vorgeschriebenen Giftigkeitsprüfungen (2.605 von 2.875 = 91%) wie sie bei den Auftragslaboren LPT in Hamburg und Covance in Münster durchgeführt werden.

Bei der Aufteilung nach Zwecken werden in der offiziellen Statistik ebenfalls nur die eigentlichen Tierversuche angegeben, nicht aber die „zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tiere“. Den größten Teil beanspruchte wie auch in den Vorjahren die Grundlagenforschung (43%), wobei es einen leichten Rückgang gegenüber 2017 gibt. Die gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche lagen bei 22% und die angewandte Forschung bei 15%, der Rest sind Erhaltung von Kolonien gentechnisch veränderter Tiere, Ausbildung und weitere kleinere Bereiche.

Die Gesamtzahl der genmanipulierten (transgenen) Tiere wird in der offiziellen Statistik mit 973.394 angegeben, wobei ebenfalls die „zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tiere“ nicht in der Statistik auftauchen, die gerade hier einen großen Teil ausmachen.

Als besonders alarmierend sieht der Ärzteverein den Anstieg bei den schwer belastenden Tierversuchen von 115.107 auf 124.702 Tiere (6% der Gesamtzahl). Darunter fallen zum Beispiel die berüchtigten Botox-Tierversuche, die immer noch für jede Produktionseinheit des Nervengifts durchgeführt werden, andere Vergiftungen oder der Tod durch Krebs oder Transplantatabstoßung. Ärzte gegen Tierversuche hatte mit der Überreichung von rund 72.000 Unterschriften 2018 eine Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestags erwirkt, mit dem Ziel, wenigstens diesen besonders grausamen Tierversuchen einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben. Das von einem juristischen Gutachten untermauerte und durch EU-Recht ermöglichte Anliegen wurde jedoch kürzlich abgeschmettert.

„Dass trotz eines Booms an modernen tierversuchsfreien Verfahren mit 3D-Mini-Organen und Multi-Organ-Chips Tierversuche weiterhin auf hohem Niveau liegen und sogar zugenommen haben, ist schockierend und ein Armutszeugnis für die Bundesregierung und den Forschungsstandort Deutschland“, erklärt Tierärztin Gericke. Der Verein fordert einen konkreten Ausstiegsplan wie ihn die Niederlande bereits 2016 vorgelegt haben.

Weitere Infos
ÄgT-Übersicht Tierversuchszahlen 2018 >>

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https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/news/pressearchiv/3301-pressearchiv-2019