Strategische Weichenstellungen: Unsere internationale Gremienarbeit
Während unsere öffentlichen Kampagnen sichtbare Zeichen setzen, findet ein wesentlicher Teil unserer Arbeit in Sitzungssälen, Expertenkommissionen und internationalen Arbeitsgruppen statt. 2025 haben wir unsere Präsenz in entscheidenden Gremien massiv ausgebaut. Durch diese fachspezifische Arbeit tragen wir dazu bei, dass die Stimme der Tiere und die Argumente einer modernen, humanbasierten Wissenschaft dort gehört werden, wo Gesetze gemacht, Richtlinien definiert und Forschungsgelder verteilt werden. Unser Verein wird hier insbesondere durch Dr. Tamara Zietek, Geschäftsführerin Wissenschaft, vertreten und zum Teil auch durch einige unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen.
Einfluss auf EU-Ebene: Netzwerke für den Systemwechsel
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Mitgestaltung europäischer Forschungs- und Regulierungsstrategien. Hier vertreten wir die Interessen einer tierversuchsfreien Wissenschaft direkt gegenüber Regulatoren und der Industrie.
- ONTOX Stakeholder Network: Über dieses Netzwerk des EU-finanzierten Projekts ONTOX arbeiten wir gemeinsam mit Wissenschaftlern und Behörden an der Lösung von Herausforderungen bei tierversuchsfreien Testmethoden (NAMs) und der Risikobewertung von Chemikalien.
- ASPIS-Cluster: Als Teil dieses Zusammenschlusses von drei großen EU-H2020-Projekten (ONTOX, PrecisionTox, RISK-HUNT3R) wirken wir an der Entwicklung verlässlicher, tierversuchsfreier Strategien für die Sicherheitsbewertung mit, für die ein Budget von insgesamt 60 Millionen Euro zur Verfügung steht.
- CHIASMA: In diesem seit Januar 2024 laufenden Horizon-Europe-Projekt bringen wir uns ein, um innovative In-vitro- und In-silico-Teststrategien für die europäische Chemikalienpolitik (REACH und CLP) zu integrieren.
- SAFE Consortium: In diesem internationalen Konsortium engagieren wir uns, um den Übergang zu einer tierversuchsfreien Sicherheitsbewertung in der EU und den USA durch praxisnahe Forschung zu beschleunigen.
Spezialisierte Fachgremien für Mikrophysiologische Systeme (MPS)
Da die Entwicklung von Organ-Chips und Organoiden einer der wichtigsten Schlüssel zum Ausstieg aus dem Tierversuch ist, sind wir in den weltweit führenden Fachgesellschaften vertreten.
- International MPS Society (iMPSS): Wir wirken im wissenschaftlichen Beirat (Scientific Advisory Committee) dieser zentralen internationalen Vereinigung mit. Hier kommen die weltweit wichtigsten Akteure aus Politik, Behörden, Forschung und Industrie zusammen, um die regulatorische Akzeptanz von MPS-Modellen als vollwertige, tierversuchsfreie Testmethoden voranzutreiben.
- CompreVie Scientific Advisory Committee: Auch beim Wiener Startup CompreVie, das innovative Haut-Chip-Modelle für Tests zu Reizungen und Wundheilung entwickelt, bringen wir unsere Expertise als Beiratsmitglied ein, um marktreife tierversuchsfreie Modelle voranzutreiben.
- DART (ISTNET): Über den europäischen Dachverband ECEAE arbeiten wir an einer Roadmap für Entwicklungs- und Reproduktionstoxizitätstests (DART), um effizientere und tierversuchsfreie Strategien für die Zulassung von Substanzen zu etablieren.
Bildung und Wissenschaftskommunikation: Die Forscher von morgen erreichen
Der Wandel kann nur gelingen, wenn bereits die Ausbildung an den Universitäten reformiert wird und angehende Wissenschaftler zu einer Karriere in der tierversuchsfreien Forschung angeregt werden.
- Global Education Hub for Animal-Free Innovation: In diesem internationalen Netzwerk mit Sitz in Utrecht engagieren wir uns zusammen mit internationalen akademischen Wissenschaftlern aktiv für die Entwicklung und Verbreitung von Bildungsangeboten zu tierversuchsfreien Methoden – von der Schule bis hin zur Weiterbildung für erfahrene Wissenschaftler und Behördenvertreter.
- BfR/LMU Wissenschaftskommunikation: Wir sind Mitglied in diesem Kooperationsprojekt des Bundesinstituts für Risikobewertung und der LMU München. Ziel ist es, junge Forschende darin zu stärken, moderne Wissenschaft transparent zu kommunizieren und Fake News sowie Angriffen professionell zu begegnen.
Nationale Gremienarbeit und internationale Zukunftsplanung
Auch in Deutschland nehmen wir unsere Wächterfunktion in offiziellen Kommissionen wahr und planen bereits die globalen Meilensteine der kommenden Jahre.
- Bf3R-Kommission: Als Kommissionsmitglied berät Dr. Tamara Zietek das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) bei dessen Aufgaben rund um Tierversuche und tierversuchsfreie Forschung. So setzen wir uns dafür ein, dass auf Bundesebene die Weichen in Richtung tierversuchsfreie Zukunft gestellt werden.
- ModHaz: Bei dem ModHaz-Projekt zum Thema Indikatoren für die EU-Chemikalienpolitik unterstützen wir ein interdisziplinäres Gremium beim Paradigmenwechsel hin zur tierversuchsfreien Bewertung von chemischen und umweltbedingten Gesundheitsrisiken.
- WC14 International Scientific Committee: Vorausschauend engagieren wir uns bereits jetzt in der Planung des „14. Weltkongresses zu Alternativen zum Tierversuch“ (WC14), der im August 2027 in Seoul, Südkorea, stattfinden wird. Als Mitglied des Wissenschaftskomitees gestalten wir die Ausrichtung und wissenschaftliche Agenda dieses globalen Gipfeltreffens maßgeblich mit.
Unsere Gremienarbeit zeigt: Ärzte gegen Tierversuche ist heute weit mehr als eine reine Protestorganisation. Wir sind eine geschätzte wissenschaftliche Kraft in den wichtigsten nationalen und internationalen Netzwerken. Ob es um die Sicherheit von Chemikalien in der EU, die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses oder die Ausarbeitung von politischen und wissenschaftlichen Ausstiegskonzepten geht – wir sitzen am Tisch und sorgen dafür, dass die Forschung der Zukunft humanbasiert und tierversuchsfrei ist.
28.03.2026
Dr. rer. nat. Tamara Zietek