Wirkstoff-Screening, orale Bioverfügbarkeit und regulatorische Aspekte: Die Notwendigkeit von humanen Organoiden
Diese Übersichtsarbeit beleuchtet die gravierenden Mängel traditioneller präklinischer Testsysteme bei der Bestimmung der oralen Bioverfügbarkeit von Arzneimitteln. Nager-Modelle in Tierversuchen weisen drastische Unterschiede in Anatomie, Enzymausstattung und pH-Wert zum Menschen auf, was zu einer sehr schlechten Übertragbarkeit der Ergebnisse führt. Auch herkömmliche humane 2D-Zelllinien spiegeln die gesunde menschliche Darmschleimhaut aufgrund fehlender Zelltypen und veränderter Enzymmuster unzureichend wider. Die Autoren zeigen auf, warum 3D-Darm-Organoide diesen Systemen wissenschaftlich weit überlegen sind, da sie die physiologische Vielfalt des menschlichen Epithels realistisch abbilden. In Kombination mit Organ-on-a-Chip-Technologien und In silico-Modellen ermöglichen Organoide präzise Wirkstoff-Screenings unter physiologischen Bedingungen. Angesichts des weltweiten regulatorischen Trends zum Ausstieg aus dem Tierversuch bieten humane Organoide die Chance, ungeeignete Wirkstoffe frühzeitig zu erkennen und Tierversuche in der Zulassungsprüfung von Medikamenten nachhaltig zu ersetzen.