Systematische Evidenzsynthese zur klinischen Fehlerquote von Medikamenten
Diese systematische Übersichtsarbeit untersucht die Verlässlichkeit präklinischer Studien, von denen viele auf Tierversuchen beruhen, zur Vorhersage von Sicherheit und Wirksamkeit neuer Wirkstoffe beim Menschen über einen Zeitraum von fast sechs Jahrzehnten. Untersucht wurden 60 Datensätze (1963 - 2017) zu klinischen Fehlerquoten, also dem Anteil der Medikamente, die trotz positiver Ergebnisse in den präklinischen Studien (inkl. Tierversuche), letztendlich nicht vermarktet wurden. Seit den 1960er scheitern durchschnittlich ca. 80% bis 90% der Medikamentenkandidaten, die in präklinischen Tierversuchen erfolgreich waren, in den drauffolgenden klinischen Studien an Menschen. Vor allem in den letzten 20 Jahren ist diese Fehlerquote auf einem Rekordniveau von ca. 91% - ein größerer Anteil als in den 1970er und 1980er. Des Weiteren zeigt die Analyse von 32 Datensätzen, dass durchschnittlich 77 % dieser Fehlschläge auf biologische Ursachen wie mangelnde Wirksamkeit oder unerwartete Toxizität im menschlichen Organismus zurückzuführen sind. Da biologische Parameter genau das sind, was in präklinischen Versuchen geprüft werden soll, weist das Ergebnis auf die eklatante mangelnde Übertragbarkeit von Tierversuchen auf den Menschen hin. Tierversuche bieten somit eine trügerische Sicherheit und sind mit enormen Fehlinvestitionen in der Medikamentenentwicklung verbunden. Die Autoren fordern daher einen konsequenten Paradigmenwechsel hin zu humanrelevanten, tierversuchsfreien Methoden (NAMs) wie Organoiden, Organ-on-a-Chip-Systemen und In silico-Modellen. Nur so lässt sich das hohe Risiko biologischer Fehlschläge senken und die Effizienz sowie Sicherheit in der Arzneimittelforschung nachhaltig steigern.
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