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Wie die Aufdeckung über den Transport von 270 Beagle-Hunden ein bislang unbekanntes System sichtbar machte

Als am 1. Oktober 2025 am Flughafen Frankfurt-Hahn 270 Beagle-Hunde aus den USA landeten, ahnte kaum jemand, dass dieser Transport nur die Spitze des Eisbergs war.

Erst durch die Aufdeckung von SOKO Tierschutz e.V., anschließende journalistische Recherchen und eine Kleine Anfrage im rheinland-pfälzischen Landtag wurde öffentlich bekannt, dass über den Flughafen Frankfurt-Hahn seit Jahren Tiere aus Drittstaaten in die Europäische Union eingeführt werden. Die Antwort der Landesregierung zeigt erstmals das Ausmaß dieser Transporte – und liefert deutliche Hinweise darauf, dass ein erheblicher Teil der eingeführten Tiere für Tierversuche bestimmt war.

Zwischen 2021 und 2025 wurden nach Angaben der Landesregierung 2.747 Tiere über den Flughafen Frankfurt-Hahn eingeführt – darunter 2.326 Hunde und 119 Katzen, überwiegend aus den USA.

Die Bilder sorgten bundesweit für Aufmerksamkeit und führten schließlich dazu, dass sich auch der rheinland-pfälzische Landtag mit dem Thema beschäftigte.

Die Angaben der Landesregierung zeigen das tatsächliche Ausmaß

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage macht deutlich, dass der dokumentierte Transport der 270 Beagles kein Einzelfall war.

Zwischen 2021 und 2025 wurden folgende Tiere über den Flughafen Frankfurt-Hahn eingeführt:

Tierart

Anzahl

Hunde

2.326

Katzen

119

Frettchen

52

Kaninchen

100

Mäuse

149

Braunbär

1

Die meisten Tiere stammten aus den USA.

Warum spielt Frankfurt-Hahn eine so besondere Rolle?

Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist nicht einfach ein regionaler Flughafen. Er verfügt über eine sogenannte Grenzkontrollstelle (Border Control Post, BCP) der Europäischen Union. Tiere aus Drittstaaten dürfen in die Europäische Union nur über speziell zugelassene Grenzkontrollstellen eingeführt werden. Dort werden die vorgeschriebenen veterinärrechtlichen Kontrollen durchgeführt. Erst danach dürfen die Tiere innerhalb der Europäischen Union weitertransportiert werden.

Nach Angaben der Landesregierung wurden die Tiere unter anderem nach Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Finnland und Italien weitertransportiert. Für die meisten Tiere endete die Reise nicht am Flughafen Frankfurt-Hahn. Auf den interkontinentalen Flug folgen oft weitere stundenlange Transporte. Der Flughafen übernimmt also eine europäische Verteilerfunktion. Gerade diese Rolle wirft Fragen auf, denn außer in Finnland gibt es in allen genannten Ländern Flughäfen, die über die nötigen BCPs verfügen, um diese Tierarten in die EU einzuführen.

Warum werden Tiere aus den USA oder anderen Drittstaaten zunächst nach Rheinland-Pfalz eingeflogen, wenn ihr endgültiger Bestimmungsort häufig in einem anderen europäischen Land liegt? Warum folgen auf den Flug häufig weitere stundenlange Transporte?

Die Landesregierung nennt hierfür keine konkreten Gründe, weist aber darauf hin, dass sich Tiertransporte aus wirtschaftlichen Gründen zwischen verschiedenen Flughäfen verlagern können. Welche konkreten Faktoren Frankfurt-Hahn zu einem bedeutenden Einfuhr- und Verteilstandort gemacht haben, bleibt jedoch unbeantwortet.

Jeder weitere zusätzliche Transport bedeutet für die Tiere zusätzlichen Stress und eine längere Belastung.

Auch der in der Statistik aufgeführte Braunbär verdeutlicht diese Problematik. Das Tier wurde aus Aserbaidschan über Frankfurt-Hahn eingeführt und anschließend in den Bärenwald Arbesbach der Tierschutzorganisation Vier Pfoten nach Niederösterreich gebracht. Der Braunbär war zwar nicht für ein Labor bestimmt, der Fall zeigt aber, dass Frankfurt-Hahn grundsätzlich als europäischer Einfuhrort für unterschiedlichste Tiertransporte genutzt wird.

Wofür wurden die Tiere eingeführt?

Die Landesregierung beantwortet viele Fragen zur Herkunft und Anzahl der eingeführten Tiere. Eine entscheidende Frage bleibt jedoch offen: Wofür wurden die Tiere tatsächlich eingeführt?

In den amtstierärztlichen Gesundheitszeugnissen wird der Verwendungszweck der Hunde und Katzen lediglich mit „zur weiteren Haltung“ angegeben. Auch für die übrigen Tierarten enthalten die veröffentlichten Unterlagen keine konkreten Angaben zum späteren Verwendungszweck.

Damit bleibt für die Öffentlichkeit unklar, welche Einrichtungen die Tiere übernommen haben und wie viele von ihnen letztlich in Versuchseinrichtungen eingesetzt wurden.

Transporte zu Versuchseinrichtungen bestätigt

Der am 1. Oktober 2025 dokumentierte Transport von 270 Beagles zeigt, dass über den Flughafen Frankfurt-Hahn nachweislich Hunde eingeführt wurden, die für Tierversuche bestimmt waren.

Nach den Recherchen von SOKO Tierschutz stammen die Hunde von Marshall BioResources, einer der weltweit größten Zuchtfarmen für Tiere für Tierversuche. Das Unternehmen züchtet unter anderem Beagles und Frettchen speziell für die biomedizinische Forschung. Beagles gehören weltweit zu den am häufigsten verwendeten Hunderassen in Tierversuchen, insbesondere für gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsprüfungen von Arzneimitteln und Chemikalien.

Die Recherche dokumentiert erstmals einen Transport von Hunden, die nach den vorliegenden Erkenntnissen für Versuchszwecke bestimmt waren. 

Die Landesregierung bestätigt zudem erstmals, dass zwischen 2021 und 2025 mehrfach Hunde an Betriebe in Rheinland-Pfalz verbracht wurden, die Tierversuche durchführen. Nach Angaben der Landesregierung betraf dies drei Transporte im Jahr 2021, einen Transport im Jahr 2023 und einen weiteren Transport im Jahr 2025. Über Transporte an Versuchseinrichtungen in anderen Bundesländern oder anderen Mitgliedstaaten liegen der Landesregierung nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse vor. 

Damit ist nachgewiesen, dass über den Flughafen Frankfurt-Hahn Hunde eingeführt wurden, die  an Versuchseinrichtungen in Rheinland-Pfalz weitergeleitet wurden.

Was weiterhin unklar bleibt

Ob sämtliche eingeführte Hunde und Katzen ebenfalls für Tierversuche bestimmt waren, lässt sich anhand der veröffentlichten Unterlagen nicht mit letzter Sicherheit feststellen.

Die Landesregierung nennt zwar die Herkunftsländer der Tiere sowie die Regionen, in die sie anschließend weitertransportiert wurden, nicht aber die Namen und Adressen der Endempfänger, obwohl diese der zuständigen Kreisverwaltung vorliegen. Dadurch ist eine vollständige Nachverfolgung der Transporte nicht möglich.

Zwischen 2021 und 2025 wurden mehr als 2.300 Hunde und 119 Katzen – überwiegend aus den USA – über den Flughafen Frankfurt-Hahn eingeführt. Zusammen mit dem dokumentierten Transport der 270 Beagles sowie den von der Landesregierung bestätigten Transporten zu Versuchseinrichtungen in Rheinland-Pfalz sprechen diese Informationen dafür, dass ein erheblicher Teil der eingeführten Hunde und Katzen für Tierversuche bestimmt war. Eine vollständige Zuordnung aller Transporte ist aufgrund der fehlenden Transparenz derzeit jedoch nicht möglich.

 

Offene Fragen

Die Recherchen zu den Tiertransporten über den Flughafen Frankfurt-Hahn haben zahlreiche neue Erkenntnisse geliefert. Gleichzeitig bleiben wichtige Fragen unbeantwortet:

  • Warum hat sich der Flughafen Frankfurt-Hahn zu einem bedeutenden Einfuhr- und Verteilstandort für lebende Tiere entwickelt?
  • Welche wirtschaftlichen oder logistischen Faktoren machen den Flughafen für diese Transporte attraktiv?
  • Wie viele der eingeführten Tiere gelangen tatsächlich in Versuchseinrichtungen?
  • Welche Unternehmen organisieren die Transporte innerhalb Europas?
  • Wie kann künftig mehr Transparenz über Tierimporte und ihren tatsächlichen Verwendungszweck geschaffen werden?

 

Die Aufdeckung der 270 Beagles hat erstmals ein System sichtbar gemacht, das über Jahre kaum öffentlich wahrgenommen wurde. Die Antworten der Landesregierung haben dessen Ausmaß weiter aufgezeigt. Wenn auch Sie mehr Transparenz über Tierversuche und ein Ende der Transporte von Tieren für Tierversuche am Flughafen Frankfurt-Hahn fordern, unterstützen Sie unsere Kampagne.

 

Zur Kampagne geht's hier >>

 

Was ist eine Grenzkontrollstelle?

Lebende Tiere aus Staaten außerhalb der Europäischen Union dürfen nur über zugelassene Grenzkontrollstellen in die EU eingeführt werden. Dort prüfen Amtstierärzte unter anderem die Identität der Tiere, die Gesundheitszeugnisse und die Einhaltung der Einfuhrvorschriften. Erst danach dürfen die Tiere innerhalb der EU weitertransportiert werden.

 

Warum werden gerade Beagles verwendet?

Beagles gehören weltweit zu den am häufigsten verwendeten Hunderassen in Tierversuchen. Aufgrund ihres ruhigen und gutmütigen Wesens gelten sie als leicht zu handhaben. Sie werden vor allem für gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsprüfungen von Arzneimitteln, Chemikalien und anderen Stoffen eingesetzt.

 

Marshall BioResources

Marshall BioResources zählt zu den weltweit größten Zuchtfarmen für Versuchstiere. Das Unternehmen züchtet unter anderem Beagles und Frettchen für die biomedizinische Forschung. Nach den Recherchen der SOKO Tierschutz e.V. stammten die 270 am Flughafen Frankfurt-Hahn dokumentierten Beagles von diesem Unternehmen.

 

Quellen