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Tierversuche an Katzen

Tierversuche an Katzen

Katze im Labor

Katzen gehören zu den beliebtesten Haustieren. Den meisten Katzenhaltern liegt das Wohlergehen ihrer Stubentiger am Herzen und sie genießen oft den Stellenwert eines Familienmitglieds. Dabei ist den Wenigsten bewusst, dass auch Katzen in Tierversuchen entsetzlich leiden müssen. 

Grundlegend verschieden

Schon die grundlegenden Unterschiede in Körperbau, Stoffwechsel und Lebensweise legen nahe, dass Ergebnisse aus Versuchen an Katzen nicht auf den Menschen anwendbar sind. Katzen können verschiedene Substanzen nicht verstoffwechseln oder nur ganz langsam abbauen, was dazu führt, dass sie sich im Körper anreichern und das Tier vergiften. So sind die Schmerzmittel Aspirin und Paracetamol für Katzen giftig und nach wiederholter Gabe oft tödlich. Auch von für uns harmlosem Zitronensaft können Katzen schwere Vergiftungserscheinungen bekommen. Morphium wirkt bei Menschen und vielen Tieren beruhigend, bei Katzen aber genau entgegengesetzt, nämlich anregend. Das Herzmedikament Digoxin reichert sich im Körper von Katzen an und kann zur Vergiftung führen. Für den Menschen bestimmte Medikamente an Katzen zu testen, kann man mit Russischem Roulette vergleichen, so gefährlich und unwägbar ist die Übertragung der Ergebnisse.

Tierartliche Unterschiede >>  

Katze im Tierversuch

Viele Versuche an Katzen dienen nicht einmal der Testung von Substanzen, sondern fallen unter die sogenannte Grundlagenforschung, bei der es primär um die Befriedigung der wissenschaftlichen Neugier geht. So werden seit Jahrzehnten Katzen herangezogen, um die Nervenverschaltungen im Gehirn beim Sehen zu ergründen. Die Tiere werden unter Flackerlicht aufgezogen, ihnen werden die Augen zugeklebt oder zugenäht oder sie müssen sich Bilder angucken, während in ihrem Gehirn Nervenströme gemessen werden. Ziel ist es, einen weiteren Artikel in einer Fachzeitschrift zu veröffentlichen, mit dem der Experimentator Forschungsgelder akquirieren kann, um neue Tierversuche zu machen. Ein sich selbst erhaltendes System ohne Sinn und Nutzen.

Tierversuche in der Grundlagenforschung >>

Das Leid der Katzen im Labor

Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wurden im Jahr 2019 genau 954 Versuche an Katzen durchgeführt, davon 397 im Bereich der Produktprüfung, 296 in der angewandten Forschung, z.B. Arzneimittelentwicklung, 40 zu Ausbildungszwecken und 221 in der Grundlagenforschung. Katzen werden oft im Bereich der Neurologie und Hirnforschung sowie Veterinärmedizin verwendet. An ihnen werden außerdem Netzhaut- und Innenohrimplantate getestet. 

Jahr

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

Anzahl Katzen

805

585

863

793

581

502

485

718

765

954

Tabelle: Katzenversuche in Deutschland pro Jahr

Tierversuchsstatistik >>  

Für eine ethische Forschung ohne Tierversuche

Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, ist es erforderlich, eine Forschung zu etablieren, die sich am Menschen orientiert. Durch Bevölkerungsstudien mit vergleichender Beobachtung von gesunden und kranken Menschen sowie Ursachenforschung können wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden. Wirkstoffe können an menschlichen Zellen und Geweben getestet werden. Mit Hilfe von Multi-Organ-Chips, bei denen Organe im Miniformat nachgestellt und zusammengeschaltet werden, lassen sich Substanzen wie in einer Art Minimensch testen, was für den Menschen relevante Aussagen über die Wirksamkeit und möglicherweise schädliche Auswirkungen erlaubt. Im Sinne von Mensch und Tier muss das System Tierversuch abgeschafft und innovativer tierversuchsfreier Forschung, die höchste ethische und wissenschaftliche Ansprüche erfüllt, der Vorrang gegeben werden.

Mehr zu Forschung ohne Tierversuche >>

Tierversuche an Katzen - Beispiele

Die nachfolgenden unter www.datenbank-tierversuche.de dokumentierten Beschreibungen, sind Beispiele typischer Versuche an Katzen, die in in Deutschland durchgeführt und in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. 

Flackerndem Licht ausgesetzt

Tiere: 2 Katzen

Experiment: Die Katzen werden betäubt und es wird eine Lösung ins Auge getropft, die die Pupillen weitet. Im Bereich über der Sehrinde wird der Schädel aufgebohrt und zwei Elektroden werden ins Gehirn eingelassen, die die Hirnströme messen. Vor den Augen der Katze werden mit einer LED-Lampe Lichtblitze erzeugt, die eine bestimmte Gehirn-Aktivität auslösen, die aufgezeichnet und beobachtet wird. Eine Versuchsreihe umfasst dabei 1000 Lichtblitze. Hinsichtlich des weiteren Schicksals der Katzen wird lediglich erwähnt, dass den Tieren alle 48 Stunden und nach Bedarf Kortison verabreicht wird. Bereich und Hintergrund: Hirnforschung. Entwicklung und Testung eines neuen Sensor-Gerätes zur Messung neuronaler Aktivitäten im Gehirn von Katzen.

Federführendes Institut: Ernst-Strüngmann-Institut (ESI) für Neurowissenschaften in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft, Deutschordenstr. 46, 60528 Frankfurt am Main

Quelle: Caruso L et al.: In vivo magnetic recording of neuronal activity. Neuron 2017; 95: 1283-1291

Löcher im Schädel und Elektroden im Gehirn

Tiere: 8 Katzen

Experiment: Unter den 8 Katzen sind 3 hörende Tiere und 5 aus einer speziellen Zucht stammende Tiere, die von Geburt an taub sind. Alle Katzen werden kurz nach ihrer Geburt auf ihre Hörfähigkeit untersucht. Dazu wird unter Narkose ein Loch in den Schädel gebohrt, durch das eine Elektrode gesteckt und auf die harte Hirnhaut gelegt wird. Über einen Lautsprecher werden Klicklaute in verschiedenen Lautstärken abgespielt, während die Elektrode die Reaktionen im Gehirn misst. Im Alter von 2-4 Jahren werden diese Messungen wiederholt. Dann wird den Katzen unter Narkose beidseitig ein Cochlea-Implantat implantiert, eine Hörprothese für Gehörlose. Die hörenden Katzen werden ertaubt, indem das Antibiotikum Neomycin beidseitig in die Hörschnecke im Innenohr gespritzt wird. Dadurch werden die feinen Haarzellen im Innenohr zerstört. Dann wird der Schädel großflächig geöffnet und Elektroden werden platziert. Damit das Gehirn nicht austrocknet oder unterkühlt, wird es mit Silikon, Agar und „Knochenwachs“ abgedeckt. Die Cochlea-Implantate werden elektrisch stimuliert und mit den Elektroden die Nervenaktivitäten in verschiedenen Hirnregionen aufgezeichnet. Diese Versuche dauern mindestens 12 Stunden. Am Ende der Versuche werden die betäubten Katzen getötet, indem der Brustkorb aufgeschnitten und die Fixierungslösung Formalin in das Herz infundiert wird.

Bereich und Hintergrund: Hörforschung, Hirnforschung. Untersuchungen zur Frage, wie sich angeborene Taubheit auf die Sehrinde im Gehirn von Katzen auswirkt.

Federführendes Institut: Verbundinstitut für Audio- und Neurotechnologie, Medizinische Hochschule Hannover, Stadtfelddamm 34, 30625 Hannover

Quelle: Land R et al.: Congenital deafness reduces, but does not eliminate auditory responsiveness in cat extrastriate visual cortex. Neuroscience 2018; 375: 149-157

Mit Lungenwürmern infiziert

Tiere: 48 Katzen

Experiment: Während des Versuchszeitraums von 60 Tagen werden die Katzen einzeln gehalten. Jede Katze wird mit 225 Larven des Katzenlungenwurms Aelurostrongylus abstrusus oral infiziert. Die Würmer stammen ursprünglich von einer natürlich infizierten Katze aus Albanien und werden seit vier Jahren abwechselnd in Schnecken und Katzen im Labor gezüchtet. Die 48 Katzen werden in 6 Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhält ein neues Kombinationspräparat aus verschiedenen Parasitenmitteln zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach der Wurminfektion auf die Haut zwischen den Schulterblättern aufgetragen. Eine Gruppe bleibt zum Vergleich unbehandelt. Es werden mehrfach Kotproben untersucht. Das weitere Schicksal der Tiere wird nicht erwähnt.

Bereich und Hintergrund: Tiermedizin. Wirksamkeit eines neuen Kombinationspräparats gegen Katzenlungenwürmer.

Federführendes Institut: Merial GmbH, Katharinenhof Forschungszentrum, 83101 Rohrdorf

Autoren: Knaus M et al.: Efficacy of a novel topical combination of fipronil, (S)- methoprene, eprinomectin and praziquantel against larval and adult stages of the cat lungworm, Aelurostrongylus abstrusus. Veterinary Parasitology 2014; 202: 64-68

In welche Richtung dreht eine Katze ihren Kopf?

Tiere: 15 Katzen

Experiment: Die Katzen werden in einen speziellen Experimentierkäfig gesetzt. Über einen Lautsprecher, der genau hinter ihnen positioniert ist, werden ihnen Laute von jungen Kätzchen vorgespielt. Die Reaktion des Tieres wird auf Video aufgenommen und analysiert. Das weitere Schicksal der Katzen wird nicht erwähnt, vermutlich werden sie weiter für die Zucht oder andere Versuche eingesetzt.

Bereich und Hintergrund: Verhaltensforschung. Menschen und andere Säugetiere drehen bei einem Geräusch genau hinter ihnen den Kopf eher nach rechts. Hier wird dieses Phänomen an Katzen untersucht mit dem Ergebnis, dass diese ihren Kopf eher nach links drehen.

Federführendes Institut: Institut für Zoologie, Tierärztliche Hochschule Hannover, Bünteweg 17, 30559 Hannover

Quelle: Konerding WS et al.: The head turn paradigm to assess auditory laterality in cats: influence of ear position and repeated sound presentation. Peer J 2017; 5: e3925

Versuche am offenen Gehirn

Tiere: 2 Katzen, 2 Makaken

Experiment: Die Katzen werden narkotisiert und ein rechteckiges Loch wird in den Schädelknochen gebohrt. Mit einer Pipette wird an vier Stellen eine Virusvektor-Lösung in das Hirngewebe eingebracht. Das Loch wird mit Akrylzement verschlossen und die Haut vernäht. Vier bis sechs Wochen später werden die Katzen erneut betäubt. Auf einem Bildschirm werden nicht näher beschriebene visuelle Reize gezeigt. Der Schädel wird erneut geöffnet und das offene Hirngewebe wird mit Laserlicht oder LED-Licht stimuliert. Gleichzeitig werden Elektroden in das Hirngewebe eingelassen, die Hirnströme messen. Schließlich werden die Katzen durch eine Überdosis Pentobarbital getötet und die Gehirne für weitere Untersuchungen entnommen.

Außerdem werden bei zwei unbetäubten Makakenaffen Hirnversuche gemacht, bei denen die Tiere durch Durst zur Kooperation gezwungen werden.

Bereich und Hintergrund: Hirnforschung. Messung von Hirnströmen bei Katzen und Affen (Makaken) nach visuellen Reizen.

Federführendes Institut: Ernst-Strüngmann-Institut (ESI) für Neurowissenschaften in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft, Deutschordenstr. 46, 60528 Frankfurt am Main

Quelle: Ni J et al.: Gamma-rhythmic gain modulation. Neuron 2016; 92: 240-251

Einzelhaltung in kleinen Käfigen

Tiere: 23 Katzen

Experiment: 23 gesunde Katzen werden in 4 Gruppen eingeteilt. 2 Gruppen erhalten einen Monat lang eine Kontrolldiät, die anderen beiden Gruppen Spezialdiäten, die einen sehr hohen Gehalt an Phosphor oder Kalzium aufweisen. Im Anschluss bekommen alle Tiere zwecks Abgleich 14 Tage lang die Kontrolldiät. Dann wird die Fütterungsstudie genauso wiederholt, wobei die Katzen der jeweils anderen Fütterung (Kontroll- oder Spezialdiät) zugeteilt werden. In den letzten 10 Tagen jeder einmonatigen Fütterungsperiode werden die Katzen einzeln in sogenannten metabolischen Käfigen gehalten, in denen Kot und Urin der Tiere gesammelt werden. Die Käfige haben eine Größe von 120 x 60 x 53 cm oder 90 x 80 x 75 cm. Am Ende jeder Fütterungsperiode wird den Katzen Blut aus einer Vene abgenommen. 7 Katzen weisen aufgrund der Fütterung erhöhte Zuckerwerte im Urin auf, was ein Anzeichen für eine Nierenschädigung sein kann.

Bereich und Hintergrund: Tierernährung. An Katzen wird getestet, welchen Einfluss ein hoher Nahrungsgehalt an Phosphor auf die Nierenfunktion hat.

Federführendes Institut: Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik, Veterinärwissenschaftliches Departement, LMU München, Schönleutnerstr. 8, 85764 Oberschleißheim

Quelle: Dobenecker B et al.: Renal phosphorus excretion in adult healthy cats after the intake of high phosphorus diets with either calcium monophosphate or sodium monophosphate. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 2018; Doi: 10.1111/ jpn.12982

Kätzchen künstlich taub gemacht

Tiere: 20 junge Kätzchen

Experiment: 20 gesunde Katzen werden direkt nach der Geburt künstlich ertaubt, indem ihnen 2 Wochen lang täglich das Antibiotikum Neomycin unter die Haut gespritzt wird, das als Nebenwirkung die Zerstörung der feinen Haarzellen im Innenohr hat. Im Alter von 12-19 Wochen wird den ertaubten Kätzchen in einem operativen Eingriff unter Betäubung ein Cochlea-Implantat eingesetzt. Hierbei werden die Tiere in 3 Gruppen eingeteilt, denen verschiedene Varianten des Gerätes implantiert werden. Unterschiedliche Teile dieser Apparatur werden zwecks Fixierung auf dem Rücken der Tiere mit der Haut vernäht, in die Nackenmuskulatur implantiert, sowie ins Innenohr, oder in verschiedenen Bereichen des Schädelknochens festgeschraubt oder -geklebt. Die Tiere müssen 6 Monate mit dem Gerät leben, wobei wöchentliche Gehörtests gemacht werden. Im Anschluss daran werden alle Tiere getötet.

Bereich und Hintergrund: Hörforschung. Testung eines Cochlea-Implantats (Hörprothese) in Kombination mit der lokalen Freisetzung von Wachstumsfaktoren bei künstlich ertaubten Kätzchen.

Federführendes Institut: Verbundinstitut für Audio- und Neurotechnologie, Medizinische Hochschule Hannover, Stadtfelddamm 34, 30625 Hannover

Quelle: Konerding WS et al.: Encapsulated cell device approach for combined electrical stimulation and neurotrophic treatment of the deaf cochlea. Hearing Research 2017; 350: 110-121 

Flyer „Versuche an Katzen“

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18. Mai 2021
Dr. med. vet. Corina Gericke, Dr. rer. nat. Tamara Zietek

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