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Menschliche Zellmodelle entschlüsseln die Folgen der Schwerelosigkeit

Bisher mussten unzählige Tiere für die Erforschung von Knochenabbau in der Schwerelosigkeit leiden. Die Universitätsmedizin Greifswald zeigt nun mit einem wegweisenden Projekt für die private Raumstation HAVEN-1, dass es präziser und ethischer geht: Mit rein humanen Zellmodellen wird im Orbit komplett tierversuchsfrei geforscht.

Die Schwerelosigkeit stellt eine extreme Belastung für den menschlichen Körper dar. Besonders das Skelettsystem leidet: Astronauten verlieren monatlich bis zu zwei Prozent ihrer Knochenmasse. Um die Ursachen zu erforschen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln, greift die Raumfahrtmedizin oft auf Tierversuche zurück. Beispielsweise werden Mäuse extremem Stress ausgesetzt – entweder direkt im All oder in sogenannten Hindlimb Unloading-Experimenten auf der Erde, bei denen sie wochenlang an den Hinterbeinen aufgehängt werden, um die fehlende Schwerkraft zu simulieren. Die Übertragbarkeit dieser Versuche ist jedoch wissenschaftlich höchst fraglich, da sich der Knochenstoffwechsel von Nagetieren signifikant von dem des Menschen unterscheidet.

Genau hier setzt das Projekt der Universitätsmedizin Greifswald und der Hochschule Stralsund an. Statt Tieren nutzen die Forschenden menschliche Knochenzellen von Patienten und aus Gewebebanken. Auf der Raumstation HAVEN-1 wird das sogenannte Mechanostat-Prinzip erforscht, also der Knochenschwund bei fehlender mechanischer Belastung. Um dies nachzubilden, erstellen sie mittels 3D-Bioprinting komplexe biologische Modelle. Im Hightech-Inkubator im Orbit wird präzise analysiert, wie die Schwerelosigkeit die Kommunikation zwischen belastungsmessenden Osteozyten und knochenbildenden Osteoblasten stört. Parallel dazu laufen Kontrollexperimente in Köln. Die gewonnenen Daten sind essenziell für die Gesundheit von Astronauten und bieten zudem völlig neue Therapieansätze für Osteoporose-Patienten.

Dass dieses anspruchsvolle Forschungsprojekt komplett ohne tierisches Leid auskommt, beweist einen wichtigen Paradigmenwechsel. Komplexe biomedizinische Fragestellungen lassen sich im Weltraum hervorragend mit humanen In-vitro-Methoden, wie 3D-Kulturen oder Multi-Organ-Systemen, beantworten. Wie auch der Dokumentarfilm ‚Future Science‘ (www.futuresciencefilm.de) eindrucksvoll zeigt, sind humanbasierte Hightech-Methoden der Schlüssel zu einer verlässlichen Wissenschaft und ersetzen das systematisch fehlerhafte Modell des Tierversuchs – auf der Erde ebenso wie im All.

Quelle

Vorpommern forscht 2027 im Weltraum, Universitätsmedizin Greifswald 01.06.2026 >>