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Tierversuche mit moderner Gesundheitswissenschaft nicht vereinbar

Trotz wachsender wissenschaftlicher Erkenntnisse und stetig steigender Gesundheitsausgaben nehmen chronische, nicht übertragbare Krankheiten weltweit weiter zu. Dieses Missverhältnis steht im Zentrum eines neuen internationalen Konsensberichts, der in der Dezember-Ausgabe 2025 der renommierten Fachzeitschrift Frontiers in Nutrition veröffentlicht wurde und an dem der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) beteiligt war. Ein internationales Konsortium aus 284 Expertinnen und Experten aus 31 Ländern ruft darin zu einem grundlegenden Umdenken in Gesundheitsforschung und Medizin auf. Nachhaltige Gesundheit erfordert evidenzbasierte Prävention, gesundheitsfördernden Lebensstil und nicht zuletzt einen entscheidenden Wandel in der biomedizinischen Forschung: Weg von Tierversuchen, hin zu humanrelevanten, präzisen und ethisch vertretbaren Forschungsmethoden.

Unter dem Titel „Toward a roadmap for addressing today’s health dilemma – The 101-statement consensus report“ formuliert ein globales Netzwerk aus 284 Fachleuten aus Medizin, Public Health, Ernährungswissenschaft, Sportwissenschaft, Ethik und Bildung einen umfassenden Fahrplan zur Bewältigung der heutigen Gesundheitskrise. Der Bericht basiert auf drei internationalen wissenschaftlichen Konferenzen und bündelt 101 Empfehlungen für eine nachhaltige Gesundheitsstrategie. Zentrale Botschaft: Die wirksamste und zugleich kosteneffizienteste Strategie zur Verbesserung der individuellen und öffentlichen Gesundheit liegt nicht primär in High-Tech-Medizin, sondern in der Prävention von Krankheiten durch eine gesunde Ernährung, idealerweise vollwertig und pflanzenbasiert, sowie eine aktive Lebensführung. Ergänzt wird dieser Ansatz durch weitere Lebensstilfaktoren wie ausreichenden Schlaf, Stressregulation, soziale Beziehungen und den Verzicht auf gesundheitsschädigende Substanzen.

Ein eigenes Kapitel widmet sich einer kritischen Neubewertung von Tierversuchen. Diese gelten seit Jahrhunderten als „Goldstandard“ in der medizinischen Forschung, stehen aber zunehmend im Widerspruch zu moderner, humanorientierter Gesundheitsforschung. Die Autoren, zu denen Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von ÄgT und Dr. med. vet. Gaby Neumann, wissenschaftliche Referentin bei ÄgT zählen, stellen klar: Tierversuche entsprechen nicht den aktuellen technologischen Standards der modernen Medizin- und Gesundheitsforschung. Zahlreiche wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen deutlich, dass die Übertragungsrate von Tierversuchsergebnissen äußerst gering ist, was ihren Nutzen für die medizinische Anwendung beim Menschen in Frage stellt. Zudem lassen sich viele menschliche Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose oder Typ-1-Diabetes in Tieren nicht realistisch abbilden. Das macht deutlich, wie irreführend Tierexperimente für das Verständnis menschlicher Gesundheit und Krankheit sind.

Der Bericht kritisiert, dass Tierversuche den Anforderungen einer „Fit-for-future-Medizin“ nicht gerecht werden. Diese zielt auf individualisierte Prävention und Therapie und berücksichtigt genetische Vielfalt, Lebensstil und Umweltfaktoren – Aspekte, die Tierversuche systematisch nicht erfassen können.

Stattdessen spricht sich der Konsensbericht klar für den Ausbau humanrelevanter Forschungsmethoden aus. Dazu zählen Organoidmodelle aus menschlichen Zellen, Organchip-Technologien, computergestützte Simulationen sowie epidemiologische und klinische Studien am Menschen.

Quelle

Wirnitzer K.C. et al. Toward a roadmap for addressing today’s health dilemma – The 101-statement consensus report. Frontiers in Nutrition 2025; 12: DOI 10.3389/fnut.2025.1676080