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Förderung und Ausbau tierversuchsfreier Methoden im Europäischen Forschungsraum

Als Ergebnis der Europäischen Bürgerinitiative für ein tierversuchsfreies Europa hat die Europäische Union eine wichtige Maßnahme eingeleitet: Mit der Annahme der „ERA-Politikagenda 2025–2027“ durch den Europarat wurde die Förderung und Etablierung tierversuchsfreier Methoden (NAMs) offiziell als zentrale europäische Priorität („ERA Action“) verankert. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) sieht darin einen wichtigen Etappenerfolg, fordert jedoch eine konsequente und zügige Umsetzung der angekündigten Maßnahmen.

ERA Actions zielen darauf ab, Forschung und Innovationen innerhalb des Europäischen Forschungsraums (Englisch: European Research Area - ERA) zu verbessern und Europa als Forschungsstandort attraktiver und wettbewerbsfähiger zu machen. Eine aktuelle ERA-Maßnahme ist dabei die direkte Antwort auf die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Save Cruelty Free Cosmetics“, die ÄgT über den Dachverband ECEAE mit initiierte und für die über 1,2 Millionen Unterschriften gesammelt wurden.

Die neue EU-Forschungsagenda für 2025-2027 setzt einen klaren Fokus auf die Beschleunigung tierfreier Innovationen in der Biomedizin. Durch die gezielte Förderung von New Approach Methodologies (NAMs), also innovativen Technologien wie Organ-on-Chip-Systemen oder KI-Modellen, sollen tierversuchsfreie Methoden verstärkt EU-weit etabliert und implementiert werden. Geplante Maßnahmen umfassen den Aufbau europaweiter Infrastrukturen, die schnellere behördliche Anerkennung von NAMs, sowie eine bessere Ausbildung von Wissenschaftlern. Ein weiteres Ziel ist es, die Transparenz zu erhöhen und den Zugang zu Protokollen für NAMs zu erleichtern. Zur praktischen Umsetzung stellt die EU allein für die europaweite Koordinierung dieser Strategie rund 2,9 Millionen Euro bereit. Flankiert wird dies durch massive Forschungsinvestitionen: Ein weiterer Fördertopf von insgesamt 49 Millionen Euro ist gezielt dafür reserviert, die Integration von NAMs in die biomedizinische Praxis und die behördliche Prüfung voranzutreiben. 

Nach der Zusage der EU-Kommission 2023 durchlief die Initiative den politischen Prozess bis zur finalen Ratsempfehlung am 24. Juni 2025. Das Programm, bei dem 17 EU-Mitgliedstaaten und vier weitere Länder, darunter Norwegen und die Schweiz, mitmachen, ist für drei Jahre von Dezember 2025 bis Januar 2029 ausgelegt.

„Die Verankerung der NAMs als ERA-Maßnahme ist das Resultat jahrelanger Überzeugungsarbeit. Wir haben der Kommission verdeutlicht, dass die europäische Forschung ohne den Umstieg auf humanrelevante Methoden den Anschluss an die Weltspitze verliert“, erklärt Dr. Tamara Zietek, Geschäftsführerin Wissenschaft bei ÄgT.

Trotz der Freude über diesen Fortschritt bleibt der Verein kritisch: „Es ist ein wichtiger Teilerfolg, aber wir hätten uns deutlich mehr Verbindlichkeit und Konsequenz im Hinblick auf die vollständige Abschaffung von Tierversuchen gewünscht“, so Zietek weiter. „Letztlich liegt die Verantwortung nun bei den Mitgliedstaaten. Wir appellieren insbesondere an Deutschland, sich politisch mutig in die richtige Richtung zu bewegen und die EU-Vorgaben ambitioniert umzusetzen, statt den Wandel weiter auszubremsen.“

Quellen

ERA-Politikagenda 2025-2027

Finaler Beschluss des Rates der EU: Ratsempfehlung zur ERA Policy Agenda 2025-2027 im Amtsblatt der EU 

Vorschlag der EU-Kommission: Adoption des Vorschlags für die nächste ERA Policy Agenda inklusive "Action on non-animal approaches"