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An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) werden jedes Jahr tausende Tiere in Tierversuchen eingesetzt – vor allem Mäuse und Ratten, aber auch Fische und Vögel, darunter Tauben.

In verschiedenen Experimenten werden Tauben durch Hunger oder Durst „motiviert“, bestimmte Verhaltensweisen zu erlernen. Für eine dem Forscherwunsch entsprechende Reaktion gibt es etwas Futter oder Flüssigkeit. „Belohnung“ nennen das die Experimentatoren. Außerdem werden invasive Eingriffe am Kopf der Tiere vorgenommen: Löcher werden in den Schädel gebohrt, Haltevorrichtungen befestigt, Elektroden ins Gehirn eingeführt und Substanzen direkt in das Gehirn injiziert.

Die Ziele dieser Versuche sind abstrakt und ein Nutzen für die menschliche Gesundheit nicht vorhanden. Untersucht wird zum Beispiel, welche , wie beide Gehirnhälften bei Konflikten agieren oder ob hungrige Tauben schneller auf seltene Belohnungen reagieren. Hinzu kommt: Gehirne von Vögeln unterscheiden sich grundlegend von denen von Säugetieren, so dass eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen nicht gegeben ist.

Gleichzeitig ist an der RUB moderne, humanbasierte Forschung längst Realität – etwa mit nicht-invasiven Untersuchungen am Menschen mittels bildgebender Verfahren und Computermodellen sowie mit Gehirn-Organoiden aus menschlichen Zellen.

Wir fordern ein Ende der Taubenversuche und aller Tierversuche an der RUB sowie den konsequenten Umstieg auf Forschung. Damit künftige Forschende von Anfang an mit humanbasierten Methoden arbeiten, müssen diese zudem frühzeitig in die Hochschulausbildung integriert werden. Lehrinhalte, die bislang mit vermittelt werden, sollten vollständig durch moderne, tierfreie Lehrmethoden ersetzt werden.

 taube ratte

Beispiele von Tierversuchen an der RUBIcon Taube01

Im Folgenden sind einige Tierversuche beschrieben, die an der RUB stattgefunden haben. Weitere Tierversuche der RUB sind in unserer Datenbank-Tierversuche.de zu finden.

Tauben: Durch Hunger zu Studie zur Konfliktlösung zwischen Gehirnhälften „motiviert“

20 erwachsene Tauben – 9 davon in Dunkelheit ausgebrütet – wurden über Monate trainiert, Farbreize zu unterscheiden. Dabei müssen sie farbige Flächen auf einem Touchscreen anpicken. Um sie zu „motivieren“, hielt man ihr Körpergewicht durch reduzierte Fütterung 15 % unter Normalniveau. Teilweise wurde ein Auge mit einer Pappkappe verdeckt, um die Sicht einseitig einzuschränken. Falsche Antworten wurden mit Dunkelheit bestraft. Ziel war es, herauszufinden, wie beide Gehirnhälften bei Konflikten agieren (1).

Tauben: Injektionen ins Gehirn zur Analyse neuronaler Verbindungen

26 Tauben werden einzeln gehalten, narkotisiert und am Kopf fixiert, um die Kopfhaut aufzuschneiden, den Schädel anzubohren und so Tracer in bestimmte Hirnbereiche zu injizieren; das sind Substanzen, die später, beim toten Tier, im Gewebe angefärbt werden können. Nach 2 und 7 Tagen werden jeweils einige Tiere erneut betäubt, der Brustkorb wird geöffnet und eine Konservierungsflüssigkeit ins Herz gespritzt, woran sie sterben. Anschließend wird ihr Gehirn entnommen, in Scheiben geschnitten und gefärbt. Ziel ist die Analyse von Schaltkreisen im Taubengehirn (2).

Tauben: Operationen am Kopf und Elektroden für Farberkennungsstudie

Sechs Tauben werden mehrfach operiert. Zunächst wird eine Haltestange mit Zahnzement am Schädel befestigt und eine Kunststoffmulde geformt. Eine Woche später mit fixiertem Kopf „trainiert“. Sie sollen beim Aufleuchten einer Lampe in einer bestimmten Farbe innerhalb von 3 Sekunden mit einer Kieferbewegung reagieren, auf eine andere Farbe sollen sie nicht reagieren. Für eine korrekte Reaktion erhalten die Tauben etwas Flüssigkeit. Am Vortag wurde die Wasserschale aus dem Käfig entfernt, damit die Tiere genügend durstig sind, um „mitzumachen“. Wenn die Tauben die Aufgabe gelernt haben, wird der Schädel im Bereich der Kunststoffmulde aufgebohrt und es werden Elektroden in das Gehirn eingeführt, um Nervenzellaktivitäten zu messen. Am Ende der Versuche werden die Tiere unter Narkose getötet und ihre Gehirne untersucht (3).

Ratten: Injektionen ins Gehirn und Elektrodenimplantate für Alzheimer-Forschung

Gruppen von insgesamt mindestens 179 männliche Wistar-Ratten erhalten unter Narkose direkte Injektionen ins Gehirn – entweder mit einem Alzheimer-assoziierten Protein oder einer Kontrolllösung. Bei einigen Ratten werden Gedächtnistests durchgeführt. So wird beobachtet, wie lange die Ratten ein Objekt auf einer Plattform beschnüffeln und ob sie einem neuen Objekt mehr Aufmerksamkeit schenken als einem bekannten. Anderen Ratten werden unter Narkose zwei Elektroden und eine Kanüle durch Bohrlöcher ins Gehirn einoperiert. Nach einer Woche werden sie mehrere Stunden im wachen Zustand elektrisch stimuliert, Hirnströme gemessen und die Tiere anschließend getötet. Je nach Gruppe werden sie nach einer Woche bis zu sechs Monaten getötet, um ihr Gehirn zu untersuchen (4).

Ratten: Für Studien zu bipolarer Störung am Schädel operiert, manipuliert und getestet

Um ein „Rattenmodell“ zur Erforschung bipolarer Störungen zu entwickeln, wird den Tieren unter Narkose in ihren Schädel gebohrt und ein gentechnisch verändertes Virus in das Gehirn injiziert. Dadurch soll das Belohnungssystem durch Wirkstoffe gezielt veränderbar gemacht werden. Zur Auslösung manischer Symptome wird den Ratten ein Wirkstoff verabreicht, zur Erzeugung depressiver Symptome wird er wieder abgesetzt. In beiden Phasen werden jeweils verschiedene Tests zu vermeintlich „manischem“ und „depressivem“ Verhalten durchgeführt: Das Trinkverhalten bei Zuckerwasser wird beobachtet, Tiere werden mit einem empfängnisbereiten Weibchen zusammengesetzt oder müssen lernen, sich selbst Kokain zu verabreichen. Weitere Tests bewerten Risikobereitschaft bei Entscheidungen, das Verhalten in einem Labyrinth oder die Reaktion auf Stromschläge. Das Vergraben von Murmeln beispielsweise wird als Anzeichen von Angst interpretiert. Die Tiere werden auch mehrfach zwischen manischen und depressiven Zuständen hin- und hergeschaltet. Am Ende der Versuche werden sie getötet, um die Gehirne auf die korrekte Injektionsstelle zu untersuchen (5).

Humanbasierte Forschung an der RUB Icon Menschen

Im Folgenden ist eine Auswahl humanbasierter Forschungsprojekte der RUB beschrieben. Weitere tierversuchsfreie Forschungsbeispiele finden Sie in unserer NAT-Datenbank.

EEG-Studie zur neuronalen Verarbeitung positiver Emotionen im Alltag

Mit einem mobilen EEG-System wurden Gehirnaktivitäten von 16 Probanden-Paaren in Alltagssituationen wie Küssen oder Gesprächen gemessen, in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld, statt in einem Labor. Positive Emotionen zeigten sich vor allem in der linken vorderen Gehirnhälfte der Probanden – eine Bestätigung früherer EEG-Studien im Labor (6).

MRT-Studie zu Entscheidungsprozessen bei Geld- und Essensbelohnungen

28 Teilnehmende entschieden in einem MRT zwischen sofortigen und späteren Belohnungen. Ergebnis: Bei Essen wurde häufiger das sofort verfügbare gewählt, bei Geld eher gewartet – vermutlich wegen der Wertstabilität von Geld (7).

Organoid- und CRISPR-Forschung zu Gehirn- und Lungenerkrankungen

Die Arbeitsgruppe „Cell Signalling“ nutzt menschliche induzierte pluripotente Stammzellen, um Gehirn- und Lungenorganoide zu entwickeln. Damit werden u.a. Alzheimer-assoziierte Ablagerungen und SARS-CoV-2-Infektionen untersucht (8,9).

 

RUB – Warum an der Vergangenheit festhalten?Icon Taube02

Forderung nach dem Ende der Taubenversuche an der RUB

Die RUB muss die Forschung an Tauben umgehend einstellen. Die angewendeten Methoden sind grausam und zudem sind die Forschungsergebnisse aufgrund der erheblichen Unterschiede zwischen Vogel- und Säugergehirnen nicht auf den Menschen übertragbar. Somit haben die Taubenversuche keinen Nutzen für die Humanmedizin, sondern dienen reiner Neugierforschung – und das bei immenser Belastung der Tiere.

Forderung nach dem Ende aller Tierversuche und vollständigem Umstieg auf tierversuchsfreie Forschung an der RUB

Die RUB zeigt bereits heute, dass zukunftsfähige, humanbasierte Forschung erfolgreich möglich ist. Selbst in Bereichen wie der Neuro- und Verhaltensbiologie, in denen häufig behauptet wird, Tierversuche seien unverzichtbar. Diese Methoden ermöglichen auch in der Grundlagenforschung wertvolle Erkenntnisse – ganz ohne Tiere. Vor diesem Hintergrund ist es an der Zeit, die verbliebenen Tierversuche vollständig zu beenden.

Parallel zum Ausstieg aus Tierversuchen muss die RUB humanbasierte, tierversuchsfreie Forschung gezielt ausbauen. Dazu gehört auch der Aufbau und die Weiterentwicklung von Infrastrukturen, die moderne, Forschung erleichtern und voranbringen.

Forderung nach einem Umstieg auf tierversuchsfreie Lehre und der Unterrichtung humanbasierter Methoden

Um künftige Generationen auf humanbasierte Forschung vorzubereiten, muss die Tiernutzung in lebenswissenschaftlichen Studiengängen durch tierversuchsfreie Lehrmethoden werden. Gleichzeitig müssen humanbasierte Methoden – wie Organoide, Organ-on-Chip-Systeme und Computersimulationen – theoretisch und praktisch fest in die Ausbildung integriert werden.

 

 

Quellen

  1. Manns M. et al. Dynamics and development of interhemispheric conflict solving in pigeons. Scientific Reports 2025; 15(1): 1655
  2. Steinemer A. et al. Parallel executive pallio-motor loops in the pigeon brain. Journal of Comparative Neurology 2024; 532(4), e25611
  3. Xiao Q. et al. „Prefrontal” neuronal foundations of visual asymmetries in pigeons. Frontiers in Physiology 2022; 13: 882597
  4. Kramer M. et al. Kramer, Marco, et al. Intracerebral inoculation of healthy non-transgenic rats with a single aliquot of oligomeric amyloid-β (1–42) profoundly and progressively alters brain function throughout life. Frontiers in Aging Neuroscience 2024; 16: 1397901
  5. Aslan J. et al. Developing a rat model for bipolar disorder. Journal of Visualized Experiments 2025; 219: e68307
  6. Julia Weiler: Getting romantic at home wearing an EEG cap. Ruhr-Universität Bochum, Pressemitteilung, 13.01.2021 (aufgerufen am 09.01.2026)
  7. Anke Maes: What happens in the brain when we decide about money of food. Ruhr-Universität Bochum, Pressemitteilung, 04.2024 (aufgerufen am 09.01.2026) 
  8. Meike Drießen: Forscher züchten kleine Lungen für die Sars-Cov-2-Forschung. Ruhr-Universität Bochum, 28.05.2020 (aufgerufen am 09.01.2026)  
  9. Meike Drießen: Alzheimer im Mini-Gehirn. Ruhr-Universität Bochum, 30.04.2019Meike Drießen: Alzheimer im Mini-Gehirn. Ruhr-Universität Bochum, 30.04.2019 (aufgerufen am 09.01.2026)