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Warum wir gegen Tierversuche sind

Joachim Lindemann

Arzt aus Lüdinghausen


Joachim Lindemann und Nick

Tiere begleiten mich seit meiner Kindheit: meine ersten Goldfische, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen. Schweine, Rinder, Kühe, Schafe und Pferde auf dem Hof meines Onkels. Meinen ersten Hund bekam ich mit zwölf, seit 50 Jahren war ich nicht mehr ohne. Ich durfte und darf mit ihnen leben, sie beobachten, sie „lesen“ lernen. Was ich vor allem gelernt habe ist Respekt und Achtung vor dem Tier als Lebewesen.

„Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz!“ Dieser Satz aus meiner Kindheit ist bis heute präsent. Tiere haben Gefühle, können sich freuen, sind traurig, fühlen Angst, Schmerz, Panik und kümmern sich liebevoll um die Aufzucht ihrer Jungen. Tagtäglich werden Tiere millionenfach missbraucht und geschunden (Fleisch-, Unterhaltungs-, Pelz-, Lederindustrie u.v.m.), fehlbetäubt, lebendig verbrüht, unter unsagbaren Bedingungen gehalten (z.B. Pelzfarmen), lebendig gehäutet. Tierschutzgesetze existieren nicht oder werden außer Kraft gesetzt, wenn es dem Kommerz und dem Gewinn der Industrie zuträglich ist (Anbindehaltung, Kastenstände, Kükenschreddern, CO2 Vergasung etc.). Somit ist plötzlich alles „legitim“, größtenteils von Steuergeldern finanziert und subventioniert (Langstrecken Lebendtransporte, Stierkampf…).

Tiere werden vom Lebewesen zum „Produkt“ reduziert, auf das Steak, die Wurst, die Pelzjacke, den Ledersitz im Auto…oder auf ein „Messinstrument“ wie bei den Tierversuchen.

„Es gibt zwei Kategorien von Tieren. Die eine glaubt, dass es zwei Kategorien von Tieren gibt, und die andere hat darunter zu leiden.“ (Richard David Precht)

Auch hier geschieht alles „ganz legal“ hinter Mauern und verschlossenen Labortüren unter dem Deckmantel von Wissenschaft, Forschung und Lehre, angeblich nur zum Wohle der Menschheit!

Woher nehmen die Forscher das Recht zu entscheiden, ob ein Hund ein Laborhund oder ein Familienhund wird? Fühlen Versuchstiere anders als Haustiere? Woher nehmen sog. Fachkommissionen das Recht zu entscheiden, ob einem Tier kaum, wenig oder gar starke psychische und physische Schmerzen über Tage, Wochen, Monate oder Jahre zugefügt werden dürfen? Außerhalb der Labore wird Tierquälerei geahndet, zumindest, solange keine wirtschaftlichen Interessen dagegen sprechen (Schweinehochhaus), dann drücken auch die zuständigen Veterinärämter und Tierärzte schon mal beide Augen zu.

Politiker, von den Bürgern als ihre Vertreter gewählt, von Steuergeldern bezahlt (das scheinen sie manchmal zu vergessen) buckeln vor der Industrie oder sehen ihren eigenen Vorteil, reagieren arrogant oder gar nicht (München, Freiburg, Hamburg), wenn mündige Bürger (Wähler) Fragen stellen, Informationen wünschen oder Petitionen überreichen wollen, um dem „Wahnsinn Tierversuch“ ein Ende zu setzen.

Milliarden von Euro werden aus Steuergeldern, Krankenkassenbeiträgen, Stiftungen und von der Pharmaindustrie in Tierversuche investiert, um das Geltungsstreben von Experimentatoren zu befriedigen, noch mehr Tierversuche zu fördern, die niemand braucht oder künftig noch brauchen wird. Tierversuche, mit denen die Pharmahersteller dem Endverbraucher/Patienten vermitteln wollen, wie sicher doch ihre Medikamente sind. Dass dies nur eine gefährliche Scheinsicherheit ist, zeigen Beispiele wie Lipobay oder Contergan!

Ich bin meiner Mutter unendlich dankbar, dass sie das ihr in der Schwangerschaft verordnete Contergan nicht genommen hat – unser Nachbarjunge muss bis heute mit seiner Behinderung leben.

Die „Datenbank Tierversuche“ liest sich wie eine Horrorstory. Kaum vorstellbar, was sich menschliche(?) Gehirne ausdenken können. Der Mensch als „Krönung der Schöpfung“? – da kommen doch erhebliche Zweifel auf. Wie krank muss ein Experimentator sein der versucht, Köpfe zu transplantieren Frankenstein lässt grüßen. Wie geldgierig und abgestumpft muss man sein, wenn man zigtausende von Mäusen bei vollem Bewusstsein qualvoll ersticken lässt (Botox), obwohl Alternativen zur Verfügung stehen, die nicht ein einziges Leben fordern?

Wie kann man so vermessen sein, Ratten als depressiv zu bezeichnen, die nach tagelangen psychischen und physischen Stresssituationen und Qualen im Wasserglas, aus dem es kein Entrinnen gibt, völlig erschöpft aufhören zu schwimmen? Depressiv? Wohl eher eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine Hydrophobie – aber dafür braucht es nicht diesen irrsinningen Versuch!

Warum schwimmen die „Forscher“ nicht selbst, um wirklich zuverlässige und verwertbare Ergebnisse für den Menschen zu erhalten?

„Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen können müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken können.“

Tierversuche sind aus moralischer und ethischer Sicht in keinster Weise vertretbar!

Es kann und darf nicht sein, dass es Tiere zweiter Klasse - Labortiere - gibt, bei denen der Tierschutz außer Kraft gesetzt ist, je nach Belieben von Forschern und Industrie!

Es kann und darf nicht sein, dass im rühmlichen Namen von Forschung und Lehre alles erlaubt ist!

Es kann und darf nicht sein, dass findige Winkeladvokaten EU Recht außer Kraft setzen und dadurch in Deutschland Tierversuche genehmigt werden, die laut EU-Recht verboten sind!

Es kann und darf nicht sein, dass jährlich Millionen von Tieren hinter Labortüren unter Ausschluss der Öffentlichkeit gequält werden und einen grausamen Tod sterben, obwohl Alternativmethoden zur Verfügung stehen!

Es kann und darf nicht sein, dass jährlich Millionen Euro für Tierversuche ausgegeben werden, gleichzeitig die Weiterentwicklung alternativer, wissenschaftlich und tierleidfreier Methoden stiefmütterlich behandelt – unterminiert – wird!

Es kann und darf nicht sein, dass dem Verbraucher auf dem Rücken der Tiere eine trügerische und gefährliche Sicherheit der Arzneimittel vorgegaukelt wird!

Wie aktuelle Zahlen zeigen, überstehen im Tierversuch als sicher befundene Medikamente zu über 95% die Erprobungsphase in der Klinik am Menschen nicht oder werden wegen gefährlicher Nebenwirkungen zurück gezogen. Wiederholt kam es, auch in jüngster Zeit (Rennes, Frankreich, Januar 2016) zu schwersten Arzneimittelreaktionen mit dauerhaften Folgen, Schädigungen oder sogar tödlichem Ausgang am Menschen. Ergebnisse aus Tierversuchen sind auf den Menschen nicht übertragbar! Sie bergen ein bedrohliches, lebensgefährliches und tödliches Risiko für den Menschen in sich. Die Labortiere sind äußersten Stresssituationen ausgesetzt! Widernatürliche Haltungsbedingungen, Isolation, ihrem biologischen Lebensraum entrissen (Affen-Wildfänge von Mauritius) und ihren Familien- und Sozialverbänden. Käfighaltung, Schreck, Angst, Panik, Schmerz. Jeder hat es schon einmal am eigenen Leib erfahren, wie sehr solche Zustände das Verhalten und die Reaktionen unseres Körpers beeinflussen: Auswirkungen auf das Hormon-, Nerven- und Immunsystem, auf Herz, Kreislauf und vieles mehr. All diese Reaktionen können! und werden! im Tierversuch nicht berücksichtigt. Eine künstlich erzeugte Krankheit beim Tier kann mit der multifunktionellen Krankheitsgenese beim Menschen nicht verglichen werden. Der „dumme“ Mensch macht sich seine Krankheiten selbst: unnatürliche, fahrlässige Ernährung, Antibiotika, übermäßiges Impfen, unnatürlicher Lebensstil, Stress im psychosozialen Bereich, Elektrosmog, Reizüberflutung, Bewegungsmangel, Störung des Biorhythmus, Alkohol, Drogen etc.

Tiere kennen das alles nicht und würden es auch nicht zulassen.

Prävention, Aufklärung und Förderung der tierversuchsfreien Forschung: hier wären die verschwendeten Gelder besser investiert!! Warum sollen Tiere für die Dummheit, den Egoismus, die Gleichgültigkeit und die Bequemlichkeit der Menschheit, die sich immer weiter ins Verderben manövriert, herhalten?

„Wahrhaft ethisch ist der Mensch nur, wenn er der Nötigung gehorcht, allem Leben, dem er beistehen kann, zu helfen und sich scheut, irgendwas Lebendigem Schaden zu tun.“ (Albert Einstein 1923)


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