Absurditäten aus deutschen Laboren

Datenbank Tierversuche

Absurditäten aus deutschen Laboren

Angeblich seien Tierversuche notwendig, um kranken Menschen zu helfen. Die Öffentlichkeit wird regelmäßig mit solchen Behauptungen getäuscht. In Wahrheit ist der angebliche Nutzen von Tierversuchen nur vorgeschoben. Unsere Internet-Datenbank beweist, dass die tierexperimentelle Forschung sehr weit davon entfernt ist, irgendetwas Gutes für die Menschheit zu tun.

Die folgende Auswahl von in Deutschland genehmigten und durchgeführten Tierexperimenten zeigt, worum es in der tierexperimentellen Forschung tatsächlich geht: um wissenschaftliches Interesse auf Kosten von fühlenden Lebewesen, um Forschungsgelder, um die Bestätigung von längst bekanntem Wissen und um das Dogma „das wurde schon immer so gemacht“.

Unter der Versuchsbeschreibung ist jeweils in kursiv die Quelle der entsprechenden wissenschaftlichen Fachzeitschrift genannt und darunter die Stadt, in der die Versuche wahrscheinlich stattgefunden haben.

Um die entsprechenden Versuchsbeschreibungen in der Datenbank aufzurufen, geben Sie in die Suchmaske (Reiter „Datenbank“) die Tierart, den Nachnamen des Erstautors und die Stadt ein.  

Broschüre „Winterschlaf hilft gegen Alzheimer
und andere Absurditäten aus der
Tierversuchsforschung“
 als PDF


Wüstenrennmäuse mit Zappelphilippsyndrom - Der Irrsinn der »Tiermodelle«

Mit sogenannten »Tiermodellen« wird auf oftmals völlig abwegige Weise versucht, einzelne Symptome von menschlichen Krankheiten, die bei Tieren nicht vorkommen, experimentell hervorzurufen. Viele Tierversuche haben lediglich das Ziel, ein »Tiermodell« zu entwickeln. In anderen Arbeiten wird versucht, die Symptome bei den künstlich geschädigten Tieren im Labor wieder zu beseitigen. Da aber schon der erste Schritt, also das »Tiermodell«, nicht mit der menschlichen Krankheit zu vergleichen ist, kann auch der zweite Schritt, d.h. die Entwicklung von Behandlungsmethoden, nicht funktionieren. Versuche dieser Art sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Trotzdem versuchen sich ganze Heerscharen der von unseren Steuergeldern subventionierten »Wissenschaftler« an der Etablierung von »Tiermodellen«. Einige Beispiele:

In Göttingen werden 18 Merinoschafe an der Schulter operiert. Die Sehne des Muskels, der für die Rotation der Arme zuständig ist, wird abgeschnitten und anschließend an der gleichen Stelle wieder angenäht. Dabei sollen zwei unterschiedliche chirurgische Techniken verglichen werden. Nach einigen Wochen werden die Tiere getötet. Es scheint nicht weiter zu interessieren. dass Schafe im Gegensatz zum Menschen auf vier Beinen laufen und zudem ihre Vorderbeine nicht rotieren können. Der Muskel hat beim Schaf also eine ganz andere Funktion und ist anderen Belastungen ausgesetzt, als beim Menschen. Die Ergebnisse aus diesem Experiment sind vollkommen nutzlos.
Hans-Michael Klinger et al.: Biomechanical evaluation of rotator cuff repairs in a sheep model: Suture anchors using arthroscopic mason-Allen stitches compared with transosseous sutures using traditional modified Mason-Allen stitches. Clinical Biomechanics 2008: 23, 291-298
Göttingen


Eine Leberfibrose wird beim Menschen durch Viren oder Alkohol verursacht. Dabei kommt es zu Umbauvorgängen, bei denen Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt wird. Am Universitätsklinikum Erlangen wird bei Ratten eine Leberfibrose einfach durch Abbinden des Gallenganges oder 12-wöchige Gabe einer giftigen Chemikalie hervorgerufen. Anschließend wird die Wirkung einer Testsubstanz untersucht. Der Wirkstoff wird über einen Zeitraum von acht Wochen täglich zweimal in die Bauchhöhle injiziert.
Nicht nur, dass die Symptome künstlich hervorgerufen werden, auch der Behandlungsversuch ist fern jeder Realität. Stress und Angst bei den Tieren, denen acht Wochen lang zweimal täglich eine Injektion in die Bauchhöhle verabreicht wird, verfälschen die Versuchsergebnisse. Die Ergebnisse aus solchen Studien sind von vornherein wertlos.
Eleonora Patsenker et al.: Pharmacological inhibition of Integrin avß3 aggravates experimental liver fibrosis and suppresses hepatic angiogenesis. Hetatology 2009: 50, 1501-1511
Erlangen

Junge Gerbils (Wüstenrennmäuse) erhalten Methamphetamin in die Bauchhöhle injiziert, das eine Störung des Nervensystems im Gehirn bewirkt. So soll das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts-Syndrom bei Kindern simuliert werden. Die Hälfte der Tiere wird fortan einzeln in kahlen Plastikkästen gehalten, die andere gemeinsam mit ihren Geschwistern in mit vielen Versteck- und Spielmöglichkeiten ausgestatteten Käfigen. Beide Gruppen erhalten täglich das Medikament Ritalin. Soziale Faktoren und Umweltbedingungen spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des »Zappelphilippsyndrom«. In dieser Studie aus Erlangen und Bielefeld werden der Einfluss der Umweltbedingungen und die Behandlung mit Ritalin bei künstlich hirngeschädigten Gerbils untersucht.
Susanne Brummelte et al.: Environmental enrichment has no effect on the development of dopaminergic and GABAergic fibers during methylphenidate treatment of early traumatized gerbils. Journal of Negative Results in BioMedicine 2008: 7:2, doi:10.1186/1477-5751-7-2
Bielefeld

Es ist bekannt, dass verminderte Nahrungszufuhr bei verschiedenen Tierarten (z.B. Ratten, Mäusen und Affen) lebensverlängernd wirkt. Afrikanische Prachtgrundkärpflinge leben natürlicherweise nur wenige Wochen bis Monate. In einer Arbeit aus Jena wird zur Abwechslung diese Fischart als »Modell« für die Altersforschung vorgeschlagen. Die Fische einer Gruppe erhalten ihr ganzes Leben lang nur jeden zweiten Tag Futter. Eine zweite Gruppe wird jeden Tag gefüttert.
Eva Terzibasi et al.: Effects of dietary restriction on mortality and age-related phenotypes in the short-lived fish Nothobranchius furzeri. Aging Cell 2009: 8, 88-99
Jena

Es wird vermutet, dass Mittelohrentzündungen bei Kindern unter anderem durch Rückfluss aus dem Magen verursacht wird. In einer Studie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik in Bochum wird bei 17 Gerbils (Wüstenrennmäuse) der Dünndarm abgebunden und der Magen mit Tinte gefüllt. Bei Druck auf den Magen ergießt sich die Farbe in die Speiseröhre, den Kehlkopf, den Nasen-Rachenraum bis in das Mittelohr. Anschließend werden die Gerbils getötet und die Erkenntnis ist, dass bei einem Gerbil mit abgebundenem Dünndarm der Mageninhalt bis ins Mittelohr vordringen kann. Ob dies beim Kleinkind genauso ist, bleibt Spekulation.
Ein anatomisches Modell eines Kinderkopfes hätte hier sinnvollen Aufschluss gegeben.
Holger Sudhoff et al.: Tracing of gastric reflux into the midle ear in a Mongolian gerbil model. Otology & Neurology 2006: 28, 124-128
Bochum


Die Schizophrenie ist ein komplexes Krankheitsbild mit zahlreichen Formen und Ausprägungen. Die Ursachen sind sozialer, psychischer, biographischer, genetischer, hirnorganischer oder auch unbekannter Art - bei jedem Patienten in unterschiedlicher Kombination. Die tierexperimentelle Forschung meint jedoch ein »Tiermodell« für die Schizophrenie entwickeln zu können oder zu müssen. Bei Gerbils (Wüstenrennmäuse) werden durch Injektion einer Droge bestimmte Hirnstrukturen zerstört. Außerdem werden die Tiere in sozialer Isolation, d.h. einzeln in völlig strukturlosen Plastikkästen gehalten. Und das soll ein Schizophrenie-»Modell« darstellen? Eine krude Nachahmung einer komplexen Persönlichkeitsstörung.
A.V. Witte et al.: Contralateral prefrontal projections in gerbils mature abnormally after early methamphetamine trauma and isolated rearing. Journal of Neural Transmission 2007: 114, 285-288
Bielefeld


Um der Frage nachzugehen, warum manche Menschen trotz fettreicher Ernährung weniger an Gewicht zunehmen als andere sowie zur Frage der Bedeutung der körperlichen Aktivität bei der Entwicklung von Fettsucht wird an der Uni Marburg mit Mäusen experimentiert. Tiere verschiedener Zuchtlinien erhalten entweder fettreiche oder normale Nahrung. Bei manchen Mäusen wird ein kleiner Radiosender in die Bauchhöhle eingepflanzt, der die körperliche Aktivität des Tieres im Käfig registriert und an einen Computer gesteuerten Empfänger sendet. Einige Mäuse werden getötet, um die Körpermasse, das Körperfett und andere Werte zu ermitteln.
Dass Übergewicht ein zunehmendes Problem in unserer Gesellschaft ist, steht außer Frage. Wären hier nicht eher Bevölkerungsstudien, gepaart mit Werbung für gesunde Ernährung und Bewegung angebracht, anstatt Mäusen Sender einzubauen?
Deike Hesse et al.: Behavioural mechanisms affecting energy regulation in mice prone or resistant to diet-induced obesity. Physiology & Behavior 2010: 99, 370-380
Marburg


In einer Studie der Firma Behring, Marburg, werden gesunde narkotisierte Ferkel als »Modell« für verunfallte erwachsene Patienten verwendet. Dabei werden über die Halsvene der Tiere 65-70% des gesamten Blutes abgelassen. Die Menge wird mit einer Infusionslösung und roten Blutkörperchen wieder aufgefüllt. Anschließend werden Substanzen verabreicht, die die Blutgerinnung wiederherstellen sollen. Nun wird der Bauch der Schweine aufgeschnitten und mit einem Skalpell wird ein 8 cm langer und 1 cm tiefer Schnitt in die Milz geschnitten. Es wird die Zeit gemessen, bis die Milz aufhört zu bluten.
Ausgewachsene Hausschweine können 180 – 250 kg wiegen. Da Schweine in dieser Größe zu unhandlich sind, wird in der tierexperimentellen Forschung fast immer auf Jungtiere im Alter von drei bis vier Monaten und einem Gewicht von 20-40 kg zurückgegriffen. In diesem Fall sollen also junge, gesunde Ferkel als »Modell« für erwachsene Unfallpatienten herhalten, für Menschen, die durch das Trauma vielleicht unter Schock stehen und nicht nur multiple körperliche Verletzungen, sondern auch psychische Schäden erlitten haben. Die Nachahmung einer solch komplexen Situation am »Tiermodel« ist bar jeder Realität, die Ergebnisse sind entsprechend wertlos.
Gerhard Dickneite et al.: Prothrombin complex concentrate versus recombinant factor VIIa for reversal of hemodilutional coagulopathy in a porcine trauma model. The Journal of Trauma Injury, Infection, and Critical Care 2010: 68 (5), 1151-1157
Marburg


Rennen bis zum Umfallen - Stressforschung an Tieren

Menschen leben in einer besonders abwechslungsreichen Umwelt und sind vielfältigsten Einflüssen ausgesetzt, die die Entstehung von Stress und die damit in Verbindung gebrachten Krankheiten beeinflussen. Und jeder von uns reagiert anders darauf. Bei dieser Vielfalt möglicher Auslöser verwundert es, wie Forscher überhaupt auf die Idee kommen können, Stress im Tierversuch simulieren zu wollen. Nach dem Motto »Geht nicht, gibt's nicht« lassen sich die Experimentatoren einiges einfallen, um Stress bei Tieren zu erzeugen.

Mäuse werden 24 Stunden lang mit lauten Tönen in 15 Sekunden-Intervall traktiert. Diese Töne mit einer Frequenz von 200 Hertz werden normalerweise zur Vertreibung von Nagern verwendet.
Sabiha Fatima et al.: CD26-/DPP IV-postive lymphocytes in murine acute experimental colitis. Advances in Experimental Medicine and Biology 2003: 534, 345-350
Berlin


Mäuse werden einen Monat lang einmal täglich abwechselnd drei verschiedenen Stressoren ausgesetzt: Eine Maus wird in einer kleinen, löchrigen Plastikbox 15 Stunden lang in den Käfig einer Ratte gesetzt. Sie wird 2 Stunden lang in eine enge Plastikröhre gesteckt und 6 Minuten lang am Schwanz aufgehängt.
Tatyana Strekalova et al.: Stress-induced anhedonia in mice is associated with deficits in forced swimming and exploration. Neuropsychopharmacology 2004, 29, 2007-2017
Mannheim


Eine Ratte wird in eine Kammer mit Gitterboden gesetzt. Alle 24 Sekunden wird der Gitterboden für 60 Sekunden unter Strom gesetzt. Die Ratten können den Elektroschock beenden, indem sie einen Hebel drücken. Tiere, die den Zusammenhang zwischen dem Hebel und dem Nachlassen des Schmerzes nicht verstehen, sitzen still auf einem der Gitterstäbe und lassen die Stromstöße über sich ergehen. Sie sind »erlernt hilflos« und werden als »Modell« für die Depression verwendet.
Barbara Vollmayr et al.: Learned helplessness in the rat: improvements in validity and reliability. Brain Research Protocols 2001: 8, 1-7
Mannheim


Zur Auslösung von akutem Stress, werden Ratten eine Stunde lang in eine enge Plastikröhre gesteckt, in der sie sich nicht bewegen können. Chronischer Stress wird simuliert, indem die Tiere 5 Tage lang jeden Tag eine Stunde in einer engen Röhre immobilisiert werden.
Johannes Thome et al.: Stress differentially regulates synaptophysin and synaptotagmin expression in hippocampus. Biological Psychiatry 2001: 50, 809-812
Mannheim


Ratten werden zehn Minuten lang in einem glattwandigen Gefäß zum Schwimmen gezwungen.
Carsten T. Wotjak et al.: Forced swimming stimulates the expression of vasopressin and oxitocin in magnocellular neurons of the rat hypothalamic paraventricular nucleus. European Journal of Neuroscience 2001: 13, 2273-2281
München


Eine Maus muss in einem Laufrad bis zur völligen Erschöpfung laufen. Wenn sie nicht mehr kann, fällt sie nach hinten auf ein Metallgitter, wo sie einen elektrischen Schlag erhält. So wird sie gezwungen weiterzulaufen. Die völlige Erschöpfung wird angenommen, wenn eine Maus länger als 15 Sekunden auf dem Elektroschockgitter sitzen bleibt oder mehr als 15 mal pro Minute darauf fällt.
U. Spiekerkoetter et al.: Changes in blood carnitine and acylcarnitine profiles of very long-chain acyl-CoA dehydrogenase-deficient mice subjected to stress. European Journal of Clinical Investigation 2004: 34, 191-196
Düsseldorf


Ratten werden 14 Wochen lang einem kontinuierlichen Dauerstress ausgesetzt, indem Futter oder Wasser entzogen, die Tiere mit Flackerlicht (stroboskopisches Licht) beleuchtet werden, der Käfig hin und her gekippt, der Tag/Nachtrhythmus gestört oder indem kaltes Wasser in die Sägemehlstreu gegossen wird.
K. Velbinger et al.: Acute stress induced modification of calcium signaling in learned helpless rats. Parmacopsychiatrie 2000: 33, 132-137
Mannheim


Alkohol ist nicht gut für Kinder und Rauchen gefährdet die Gesundheit – Banalitäten der tierexperimentellen Forschung

Oftmals sind Fragestellung und Ergebnis der dokumentierten tierexperimentellen Arbeiten derart banal, dass man sich fragen muss, wie so etwas genehmigt werden konnte.

Am Hirnforschungs-Institut der Universität Bremen wird heranwachsenden Ratten einmalig oder an 20 Tagen Alkohol in die Bauchhöhle injiziert. Im Erwachsenenalter müssen die Ratten dann verschiedene Verhaltens- und Gedächtnisexperimente durchlaufen. Schließlich werden die Tiere getötet, um ihre Gehirne zu untersuchen. Das erstaunliche Ergebnis dieser Studie: Alkohol ist nicht gut für Kinder und Jugendliche.
Abgesehen von dem Leid der Tiere und davon, dass die Nachahmung der Situation beim Menschen unheimlich realistisch gelungen ist (Injektion von Alkohol in die Bauchhöhle), fragt sich der mündige Leser, ob die Steuergelder, die für eine solche Erkenntnis verbraten worden sind, nicht besser in einer sozialmedizinischen Studie mit suchtkranken Menschen aufgehoben gewesen wären.
Stephan Röskam et al.: Effects of neonatal and peripubertal ethanol treatment on various aspects of adult rat behavior and brain anatomy. International Journal of Developmental Neuroscience 2009: 27, 249-256
Bremen


In einer Doktorarbeit aus Bad Nauheim werden die Würfe von Ratten auf jeweils vier Babys reduziert, d.h. die »überschüssigen« Geschwister werden getötet. Die verbleibenden vier Babys nehmen mangels Konkurrenz mehr Nahrung zu sich. Andere Rattenbabys werden einzeln in Plastikkästen künstlich aufgezogen. Über einen permanent in die Speiseröhre gelegten Plastikschlauch wird eine Milchmischung in den Magen der Tiere gepumpt. Ergebnis der Arbeit: Ratten, die als Babys viel essen, sind auch als Erwachsene dick. Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ist in der Tat ein Problem. Aber würden hier nicht eher Bevölkerungsstudien zu sinnvollen Erkenntnissen führen?
Corinna Schölch: Untersuchungen des Leptin-Systems und des Stoffwechsels juveniler Ratten: Zwei Adipositas-Modelle. Dissertation, Veterinärmedizin, 2001
Bad Nauheim


Experimentatoren aus Aachen wollten wissen, wie sich die roten Blutkörperchen nach körperlicher Ertüchtigung verändern. Junge (10 Wochen) und alte (30 Wochen) Ratten müssen eine Stunde bei einer Geschwindigkeit von 20m/min laufen. Unmittelbar vor und nach dem Laufen wird den Tieren eine Blutprobe aus der Schwanzvene entnommen. Anstatt einige Freiwillige ein wenig Fahrrad fahren zu lassen und Blutproben zu entnehmen, müssen wieder einmal Tiere herhalten.
A. Temiz Artmann et al.: Adhesion of erythrocytes to endothelial cells after acute exercise: Differences in red blood cells from juvenile and adult rats. Physiology Research 2006: 55, 381-388
Aachen


Dass Tabakrauchen Lungenkrebs und zahllose andere Leiden hervorruft, ist nun wirklich nicht neu und dass Tierversuche zur Entwicklung von Tabakerzeugnissen in Deutschland verboten sind, auch nicht. Dennoch werden immer noch unzählige Ratten und andere Tiere in aller Welt, auch in Deutschland, in sinnlosen Rauchexperimenten gequält. In einer im Jahr 2006 publizierten Arbeit werden 116 Ratten fünfmal die Woche, jeden Tag zweimal für eine Stunde in eine Kammer gesteckt, aus der nur die Nase herausschaut. Die Nase befindet sich in einem mit Rauch gefüllten Raum. Zwischen den beiden Stunden Rauchatmung können die Tiere 30 Minuten frische Luft atmen. Die Prozedur wird je nach Gruppe 2, 7 oder 13 Wochen lang durchgeführt. Dann werden die Tiere getötet. Durchgeführt und teilfinanziert durch Philip Morris Research Laboratories GmbH, Köln.
Stephan Gebel et a..: The kinetics of transcriptomic changes induced by cigarette smoke in rat lungs reveals a specific program of defense, inflammation, and circadian clock gene expression. Toxicological Sciences 2006: 93(2), 422-431
Köln


Es ist haarsträubend, aber wahr: alles wird an Tieren getestet. Sogar Noni-Saft. Am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf werden Gruppen von je drei Ratten mit einer Schlundsonde 10-fach konzentrierter Noni-Saft einmalig in zwei verschiedenen Dosierungen in den Magen eingegeben. Zwei oder 12 Stunden später werden die Tiere getötet, um die Lebern zu untersuchen. Es werden keine erbgut- oder leberschädigenden Eigenschaften gefunden.
Ob der Saft eine heilende Wirkung hat oder womöglich sogar schädlich ist, sei dahin gestellt. Es gibt genügend Menschen die ihn freiwillig einnehmen und zwar nicht einmalig eine große Dosis, sondern kleine Mengen über einen längeren Zeitraum. Der genannte Tierversuch ist blanker Unsinn, nicht nur, weil Ratten einen anderen Stoffwechsel haben, sondern auch wegen der völlig unrealistischen Dosierung der Testsubstanz. Untersuchungen an Menschen würden hingegen zu verwertbaren Erkenntnissen führen.
Johannes Westendorf et al: Toxicological analytical investigations of Noni (Morinda citrifoloa) fruit juice. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2007: 55, 529-537
Hamburg


Um der Frage nachzugehen, ob Vitamin C vor lärmbedingten Hörschäden schützen kann, wird das Vitamin an 54 Meerschweinchen verabreicht. Anschließend werden die Tiere unter Narkose eine Stunde lang mit einem lauten Geräusch beschallt. Die Autoren finden heraus, dass Vitamin C in hoher Dosierung bei den Meerschweinchen tatsächlich einen schützenden Effekt auf das Gehör hat. Auf die Situation des Menschen übertragen, müsste ein 80 kg schwerer Mensch sieben Tage lang täglich 42 Tabletten zu je 1.000 mg Vitamin C einnehmen, bevor er in eine Disko geht. Vielleicht tut es da auch ein einfacher Ohrstöpsel.
Ulf-Rüdiger Heinrich et a.: Ascorbic acid reduces noise-induced nitric oxide production in the guinea pig ear. The Laryngoscope 2008, 118, 837-842
Mainz


In einer Studie aus Hamburg müssen junge Schweine zunächst lernen, einen Klappdeckel über einem Futtertrog mit der Schnauze hochzuheben, um an ihr Futter zu gelangen. Dann wird bei den Tieren unter Narkose ein Herzkammerflimmern ausgelöst. Bei je sieben Schweinen wird nach 5 bzw. 8 Minuten mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen. Vier Tage danach wird beobachtet, ob die Tiere den Trogdeckel noch anheben können. Dann werden die Schweine getötet. Das Ergebnis: Wenn die Wiederbelebung nach einem Herzstillstand später beginnt, sind die neurokognitiven Ausfälle größer, d.h. die Tiere können den Trogdeckel nicht so gut anheben. Für so ein Ergebnis hätte wohl auch der gesunde Menschenverstand ausgereicht.
Peter Ueblacker et al.: In vivo analysis of retroviral gene transfer to chondrocytes within collagen scaffolds for the treatment of osteochondral defects. Biomaterials 2007: 28, 4480-4487
Hamburg


Winterschlaf schützt vor Alzheimer – Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Experimentatoren

Wer glaubt, Tierversuche würden durchgeführt, um neue Therapien für kranke Menschen zu entwickeln, irrt gewaltig. Viele Tierversuchsprojekte muten eher an wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Experimentatoren, die krampfhaft nach Möglichkeiten suchen, unsere Steuergelder zu verbraten.

Mitarbeiter des Hertie-Instituts in Tübingen stießen auf ein Defizit in der Rattenschnurrhaarforschung. Die Nervenaktivitäten bei horizontalen und vertikalen Bewegungen der Rattenschnurrhaare sind bereits ausführlich untersucht. Aber es gibt in der Fachwelt noch keinen Artikel zur Frage, welche Nerven aktiviert werden, wenn das Schnurrhaar in den Haarfollikel hineingedrückt wird. Dazu wird bei zehn Ratten der Schädelknochen entfernt und ein Stück der linken Gehirnhälfte abgesaugt, um Aufzeichnungselektroden in einen Nervenknoten zu stecken. Die Schnurrhaare werden bis auf 5 mm abgeschnitten und auf diesen Stumpf ein Druck ausübt, der das Haar in den Haarfollikel hineindrückt. Gleichzeitig werden elektrischen Impulse an dem Nervenknoten gemessen.
Maik C. Stüttgen et al.: Responses of rat trigeminal ganglion neurons to longitudinal whisker stimulation. Journal of Neurophysiology 2008: 100, 1879-1884
Tübingen


Die Untersuchung der Empfindlichkeit des Ohres bei zunehmender Dauer eines Geräusches wurde bisher bei verschiedensten Säugetieren (Katze, Hund, Chinchilla, Maus, verschiedenen Affenarten) und beim Menschen untersucht. Forscher aus Regensburg analysierten die Regulation des Hörvermögens bei einem bisher noch nicht untersuchten Tier, dem Gerbil (Wüstenrennmaus). Dreizehn Gerbils werden »trainiert« auf eine Plattform zu springen und 1,2 Sekunden nach Ertönen eines Tons wieder herunterzuspringen. Mit einer Lichtschranke werden die Reaktionen der Tiere aufgezeichnet.
Otto Gleich et al.: Temporal integration in the gerbil: The effects of age, hearing loss and temporally unmodulated and modulated speech-like masker noises. Hearing Research 2007: 224, 101-114
Regensburg


Andere Experten der so immens wichtigen Gerbilhörforschung gingen einer Frage nach, auf die die Menschheit seit langem eine Antwort sucht: Warum können alte Ratten und Gerbils nicht mehr so gut hören wie junge. Dazu werden Ratten und Wüstenrennmäuse Klicktöne und Pfeifgeräusche mit einer Lautstärke zwischen 10 und 100 dB vorgespielt. Gleichzeitig werden mittels Elektroden die elektrischen Impulse im Hörzentrum des Gehirns der Tiere abgeleitet. Das Experiment werde in mehrmonatigen Abständen mehrmals wiederholt, um Altersunterschiede zu dokumentieren. Schließlich werden die Tiere getötet, um das Innenohrgewebe zu untersuchen.
Lukas Rüttiger et al.: BDNF mRNA expression and protein localization are changed in age-related hearing loss. Neurobiology of Aging 2007: 28, 586-601
Tübingen


Eine Forschergruppe aus Leipzig untersuchte die Mechanismen des Schutzes von Nervengewebe von überwinternden Hamstern – als Modell für den Schutz vor der Alzheimer Krankheit. Ein tolle Erkenntnis, dass Hamster kein Alzheimer bekommen, weil sich ihr Hirngewebe im Winterschlaf regeneriert. Müssen wir uns jetzt alle jeden Winter ein paar Monate eingraben oder in den Keller legen, um vor Alzheimer geschützt zu sein?
Wolfgang Härtig et al.: Hibernation model of tau phosphorylation in hamsters: selective vulnerability of cholinergic basal forebrain neurons – implications for Alzheimer’s disease. European Journal of Neuroscience 2007: 25, 69-80
Leipzig


Zahlreiche epidemiologische Studien beim Menschen belegen, dass der Verzehr von Carotinoiden (Farbstoffe, die in Tomaten, Wassermelonen usw. vorkommen) vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann. Um diesen positiven Effekt näher zu ergründen, werden an der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe Tierversuche an Kälbern gemacht. Die drei Wochen alten Kälber erhalten mit dem täglichen Milchaustauscher ein synthetisches Carotinoid. In den folgenden drei Wochen werden mehrere Blutproben genommen.
Tina Sicilia et al.: Novel Lycopene metabolites are detectable in plasma of preruminant calves after Lycopene supplementation. Journal of Nutrition 2005: 135, 2616-2621
Karlsruhe


Um der Frage nachzugehen, wie lange Möwen hungern können, erhalten junge, auf Amrum-Odde gefangene Silbermöwen am Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven sechs Tage lang kein Futter. Die Tiere verlieren 15% ihres Körpergewichtes. Mit zunehmendem Hunger stehen sie vermehrt aufgeplustert auf einem Bein und versuchen nicht mehr vor Menschen zu fliehen. Nach sechs Tagen, kurz bevor ihr Zustand lebensbedrohlich wird, werden die Tiere wieder gefüttert. Innerhalb von drei Tagen erholen sich die Möwen wieder. Das weitere Schicksal der Tiere ist unklar.
Es gibt Fragestellungen, die kann man tatsächlich nicht mit Hilfe von Zellkulturen oder anderen modernen, tierversuchsfreien Methoden erforschen. Wenn man wissen will, wie lange Möwen hungern können, muss man Möwen hungern lassen. Die Frage ist allerdings, brauchen wir solche Erkenntnisse?
U. Trotzke et al.: The influence of fasting on blood and plasma composition of herring gulls (Larus argentatus). Physiological and Biochemical Zoology 1999: 72(4), 426-437
Wilhelmshaven


Bei Katzen und Affen ist bekannt, welcher Hirnbereich für die Wahrnehmung beweglicher Bilder zuständig ist. An der Ruhr-Universität Bochum wird zur Abwechslung nach dem vergleichbaren Hirnbereich beim Frettchen gesucht. Dazu wird den Tieren ein Teil des Hirngewebes abgesaugt. Vor und nach der Operation müssen sie verschiedene Experimente durchlaufen. Unter anderem werden die Frettchen in enge Röhren gesteckt und in einer Trommel rotiert. Gleichzeitig wird die Reaktion der Augen mit Hilfe von Elektroden registriert.
D. Hupfeld et al.: Deficits of visual motion perception and optokinetic nystagmus after posterior suprasylvian lesions in the ferret (Mustela putorius furo). Experimental Brain Research 2007: 182, 509-523
Bochum


Am Leibniz Institut für Neurobiologie, Magdeburg, fand eine Arbeitsgruppe heraus, dass sich die Nervenaktivitäten im für das Hören zuständigen Hirnbereich bei Eulen und Katzen unterscheiden. Für diese bahnbrechende Erkenntnis wird bei Schleiereulen ein Teil des Kleinhirns abgesaugt. Es werden Töne abgespielt und gleichzeitig mit Elektroden im Hörstamm des Tieres Nervenströme gemessen.
Heinrich Neubauer et al.: Spontaneous activity of auditory nerve fibers in the barn owl (Tyto alba): Analyses of interspike interval distributions. Journal of Neurophysiology 2009: 101, 3169-3191
Magdeburg


In Mainz werden 7 Meerschweinchen vor einen Lautsprecher gesetzt, über den die Geräusche von sechs Gewehrschüssen (156 +/-4 dB) abgespielt werden, um einen akuten Hörschaden bei den Tieren hervorzurufen. Die Meerschweinchen werden 60 Stunden später mit Äther betäubt und durch Köpfen getötet. Ihre Innenohren werden untersucht.
Ulf-Rüdiger Heinrich et al.: Endothelial nitric ocide synthase upregulation in the guinea pig organ of Corti after acute noise trauma. Brain Research 2005: 1074, 85-96
Mainz


Was passiert im Hirngewebe bei genetisch veränderten Mäusen, die durch den Geruch von Fuchskot vor Schreck erstarren? Dieser für die Menschheit elementaren Frage gingen von unseren Steuergeldern bezahlte Forscher der Uni Magdeburg nach. Die Mäuse werden einzeln in eine Plastikbox gesetzt, in die der Geruch von Fuchskot eingeleitet wird. Der Geruch eines natürlichen Fressfeindes lässt die Tiere vor Schreck erstarren. Nach 20 Minuten werden die Mäuse durch Köpfen getötet. Das Gehirn wird in Scheiben geschnitten und auf Expression eines bestimmten Gens untersucht.
K. Janitzky et al.: Behavioral effects and pattern of brain c-fos mRNA induced by 2,5-dihydro-2,4,5-trimethylthiazoline, a component of fox feces odor in GAD67-GFP knock-in C57BL/6 mice. Behavioural Brain Research 2009, 202, 218-224
Magdeburg


Eine Arbeitsgruppe der Universität Köln geht der für die Menschheit äußerst wichtigen Frage nach, wie Insekten ihre sechs Beine koordinieren. Dazu werden Stabheuschrecken vier oder fünf Beine abgeschnitten, so dass nur ein oder zwei Beine übrig sind. Das Tier wird mit Zahnzement auf eine Schaumstoffunterlage geklebt. Der Brustpanzer der lebenden, unbetäubten Heuschrecke wird aufgeschnitten, um eine Elektrode in ein Ganglion (Nervenknoten der Insekten) zu stecken. Alle Nerven, die von dem Ganglion abgehen, werden abgeschnitten oder zerquetscht. Das Tier wird mit seinen verbliebenen Beinen in ein Laufrad gesetzt. Mit einem Pinsel wird der Hinterleib des Insekts berührt, um es zum Laufen zu bringen. Das Tier bewegt die Beine im Laufrad, während gleichzeitig über die Elektrode Nervenströme gemessen werden.
Anke Borgmann et al.: Sensory feedback induced by front-leg stepping entrains the activity of central pattern generators in caudal segments of the stick insect walking system. The Jouranl of Neuroscience 2009: 29(9), 2972-2983
Köln


Wollten Sie schon immer mal wissen, was sich im Gehirn von Degus (südamerikanischen Strauchratten) abspielt, die ohne Vater aufwachsen? Sie vielleicht nicht. Einige von unseren Steuergeldern bezahlte »Wissenschaftler« der Universität Magdeburg aber schon. Schließlich kann man damit seine Publikationsliste verlängern. Degus ziehen normalerweise ihre Jungen in der Familie mit Mutter und Vater groß. Vier Degu-Familien werden im Labor mit Vater und Mutter aufgezogen, während bei vier Familien der Vater am Tag der Geburt der Jungen dauerhaft entfernt wird. Die jungen Nagetiere müssen sich ohne die väterliche Fürsorge entwickeln. Am 21. Lebenstag werden die Jungen beider Gruppen getötet und ihre Gehirne in Scheiben geschnitten, um die Feinstruktur zu untersuchen. Das Schicksal der Elterntiere wird nicht erwähnt.
Josephine Pinkernelle et al.: Paternal deprivation induces dentritic and synaptic changes and hemisphere asymmetry of pyramidal neurons in the somatosensory cortex. Developmental Neurobiology 2009, 69, 663-673
Magdeburg


In unzähligen Langzeitstudien konnten bei Nagetieren keine krebserregenden Eigenschaften von Propylen, einem Nebenprodukt der Ölindustrie, festgestellt werden. Dennoch wird eine Krebsgefahr vermutet. In einer Arbeit des Helmholtz-Instituts München in Neuherberg wird die Blutkonzentration bei Ratten nach Einatmung von Propylen untersucht. Die gleichen Versuche wurden auch mit vier freiwilligen Personen durchgeführt. Warum mussten dann die Ratten leiden und sterben?
Johannes G. Filser et al: Concentrations of the propylene metabolite propylene oxide in blood of propylene-exposed rats and humans – a basis for risk assessment. Toxicological Science 2008: 102(29, 219-231
Neuherberg


Was hat ein Skorpion im Weltall zu suchen? Eigentlich nichts, aber er ist als Versuchstier so praktisch, weil er ohne Nahrung und auf einer Platte festgetackert monatelang ausharren kann. Er beschwert sich auch nicht, wenn ihm dabei auch noch Elektroden in Auge, Bein, Leib und Gehirn gestochen werden. Der Ulmer Neurobiologe Eberhard Horn will den Einfluss der Schwerkraft auf die Entwicklung von Tieren ergründen. Fische, Skorpione, Grillen und Kaulquappen müssen dafür herhalten. Manche Tiere lässt er ins Weltall schießen, andere bleiben auf der Erde, müssen aber in einer rotierenden Zentrifuge leben.
Michael Schmäh et al.: Neurophysiological long-term recordings in space: experiments Scorpi and Scorpi-T. Gravitational and space biology bulletin: Publication of the American Society for Gravitational and Space Biology 2005: 18 (2), 95-96
Ulm


Schafe und Kaninchen gehen nicht aufrecht – Unterschiede bei Tier und Mensch

Die Autoren wissenschaftlicher Publikationen weisen oft selbst darauf hin, dass ihre Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind. Das heißt, Tiere werden gequält und getötet, obwohl den Experimentatoren klar ist, dass die Ergebnisse wertlos sind. Erschreckenderweise folgt daraus nicht die Konsequenz, auf Tierversuche zu verzichten, sondern es wird weitergemacht wie bisher.

Sogenannte ob/ob-Mäuse, ein Zuchtstamm, bei dem durch eine Genmutation das Hormon Leptin fehlt, das für die Regulierung des Appetits zuständig ist, müssen üblicherweise als »Modelle« für Diabetes oder Übergewicht beim Menschen herhalten. In einer Studie aus Essen erhält eine Gruppe ob/ob-Mäuse ein reduziertes Futterangebot, eine zweite Gruppe bekommt Futter zur freien Verfügung. Die Tiere der zweiten Gruppe werden »übergewichtig«. Nach 20 Wochen werden alle Mäuse getötet, um die Knie und Hüften zu untersuchen. Das Ergebnis: Dicke Mäuse leiden durch das Gewicht, das auf den Gelenken lastet, eher unter Gelenksentzündungen, als dünne Mäuse. Die Autoren geben zu bedenken, dass »es nicht möglich ist, daraus zu schließen, dass diese Ergebnisse auch für Menschen gültig sind.« Trotzdem kündigen sie weitere Studien an.
Hansjoerg Heep et a.: Osteoarthritis of leptin-deficient ob/ob mice in response to biomechnaical loading in micro-CT. International Journal of Biological Sciences 2009, 5(3), 265-275
Essen


Eine Bandscheibendegenration tritt durch jahrzehntelange Abnutzung auf und kommt naturgemäß bei älteren Menschen vor. Die knorpeligen Zwischenwirbelscheiben werden immer dünner, ihre Elastizität nimmt durch den Verlust der Fähigkeit Wasser zu speichern, ab und sie bekommt Risse. Dieser komplexe Vorgang, der bei Menschen ein ganzes Leben dauert, wird in einer Arbeit aus der Berliner Charitè bei gesunden Kaninchen (ohne Nennung des Alters) simuliert, indem einfach ein Stück einer Bandscheibe herausgeschnitten wird. An die Stelle wird ein Stück Biomaterial gesetzt. Als Begründung für die Wahl dieses „Modells“ wird nach dem Motto „das wurde schon immer so gemacht“ auf eine Arbeit aus den 1930er Jahren verwiesen. Die Autoren bemerken, dass Kaninchen nicht aufrecht gehen und daher die Bandscheiben anderen Belastungen ausgesetzt sind. Sie kündigen weitere Studien mit größeren und aufrecht gehenden Tieren an.
Quelle: Michaela Endres et al.: Intervertebral disc regeneration after implantation of a cell-free bioresorbable implant in a rabbit disc degeneration model. Biomaterials 2010: 22, 5836-5841
Berlin


Bei einer Firma aus Erlangen werden 14 Minischweinen zwei Herzschrittmacher eingepflanzt. Mit dem einen Schrittmacher wird 20 Tage lang der Puls erhöht, um ein chronisches Herzversagen zu simulieren. Über den zweiten Schrittmacher werden Widerstandsmessungen am Herzen der Tiere vorgenommen. Fünf der 14 Minischweinchen sterben während des Versuchs an Herzkammerflimmern, die anderen werden nach dem Experiment getötet. Die Autoren merken an, dass aufgrund anatomischer Abweichungen sowie unterschiedlicher Körperhaltung beim Schwein, die Ergebnisse der Studie nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind. Des Weiteren zitieren Sie Studien, in denen implantierbare Überwachungssysteme bereits erfolgreich an Patienten mit Herzversagen getestet worden sind.
Carsten Stahl et al.: Intracardiac impedance monitors hemodynamic deterioration in a chronic heart failure pig model. Journal of Cardiovascular Electrophysiology 2007: 18, 985-990
Erlangen


An der Universitätsmedizin Charité in Berlin wird bei 48 Merinoschafen das Kreuzband des linken Hinterbeins entfernt. Bei jeweils der Hälfte der Schafe wird es durch eine Sehne eines Hinterbeinmuskels ersetzt, bei der anderen Hälfte mit einem körperfremden Transplantat, der Sehne eines anderen Schafes. Vier Schafe sterben in Folge der Operation. Nach jeweils 6, 12 und 52 Wochen wird ein Teil der Tiere getötet. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind. Durch den aufrechten Gang belasten Menschen ihre Beine anders als Schafe.
Sven U. Scheffler et al.: Fresh-frozen free-tendon allografts versus autografts in anterior cruciate ligament reconstruction: delayed remodeling and inferior mechanical function during long-term healing in sheep. The Journal of Arthroscopic and Related Surgery 2008; 24(4), 448-458
Berlin


An der Universität Hohenheim, Stuttgart, wird der Frage nachgegangen, ob Zimt vor alkoholbedingter Leberverfettung schützt. Mäusen wird vier Tage lang Zimt über das Trinkwasser zugeführt. Anschließend wird Alkohol in einer hohen, einmaligen Dosis über eine Schlundsonde in den Magen verabreicht. In vorangegangenen Experimenten hatte diese einmalige Gabe Alkohol eine massive Verfettung der Leber verursacht. Die Mäuse sind nach der Alkoholgabe zunächst apathisch, erholen sich aber innerhalb von sechs Stunden. Zwölf Stunden nach der Verabreichung werden die Tiere getötet. Die Autoren finden heraus, dass Zimt einen schützenden Effekt hat und kündigen weitere Studien an, um die Mechanismen zu studieren. Sie folgern weiterhin, dass Zimtextrakt bei der Behandlung von alkoholkranken Menschen im Frühstadium eingesetzt werden kann.
Welche Kühnheit muss ein Forscher besitzen, um aus den Ergebnissen einer derart unrealistischen Versuchsanordnung auf den Menschen zu schließen? Warum nicht gleich eine Patientenstudie?
Giridhar Kanuri et al.: Cinnamon extract protects against acute alcohol-induced liver steatosis in mice. Journal of Nutrition 2009: 139, 482-487
Stuttgart-Hohenheim


Experimentatoren aus Lübeck und Regensburg bemerken in ihrer Arbeit, dass es für eine menschliche Augenkrankheit, bei der sich Blutgefäße in der Augennetzhaut bilden und zu Blindheit führen, trotz zahlreicher Versuche kein adäquates »Tiermodell« gibt. Neue Behandlungsmethoden würden daher direkt am Menschen getestet. In der vorliegenden Studie soll ein von einem anderen Autor beschriebenes »Tiermodell« nachvollzogen werden. Dabei wird bei Kaninchen durch Injektion einer Chemikalie eine Schädigung der Augennetzhaut hervorgerufen. Außerdem wird eine Laserbehandlungsmethode getestet, die in klinischen Versuchen am menschlichen Patienten bereits im Einsatz ist. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ihr »Tiermodell« nur eingeschränkt geeignet sei, da mehr unerwünschte statt gewünschte Veränderungen am Kaninchenauge auftreten würden.
Carsten Framme et al.: Clinical evaluation of experimentally induced choroidal neovasculaization in pigmented rabbits by subretinal injection of lipid hydroperoxide and consecutive preliminary photodynamic treatment with Tookad. Ophthalmologica 2008: 222, 254-264
Lübeck


An der Universität Erlangen werden neun Minischweinen jeweils acht Zähne gezogen. Die Lücken werden mit Implantaten und Kronen versehen. Seit den 70er und 80er Jahren werden beim Menschen Zahnimplantate eingesetzt. Üblicherweise lässt man diese 5-6 Monate einheilen, bevor die Zahnprothesen aufgesetzt werden. Diese »lange Heilungsperiode wurde aber bislang nicht experimentell gesichert«. Eine kürzere Heilungsphase wurde bereits an Affen getestet. Diese Tiere haben jedoch »eine 3,3 mal höhere Knochenstoffwechselrate als Menschen«, weswegen »Vorsicht geboten ist bei der Übertragung der Ergebnisse auf die Situation beim Menschen«. Ja warum wurden diese Versuche dann überhaupt genehmigt und durchgeführt? In Erlangen versucht man es zur Abwechslung mal mit Schweinen.
Emeka Nkenke et al.: Immediate versus delayed loading of dental implants in the maxillae of minipigs. Part II: histomorphometric analysis. International Journal of Oral Maxillofacial Implants 2005: 20, 540-546
Erlangen


In einer Studie aus Rostock werden Eiterbakterien in die Blutbahn von Ferkeln gespritzt. Die Tiere erhalten eine Behandlung, z.T. mit einer Mischung aus Schweineplasma und menschlichen Blutzellen. Die Folgen der Blutvergiftung müssen die Schweine bei vollem Bewusstsein erleiden. Die Tiere einer Gruppe sterben alle innerhalb von 70 Stunden. Die anderen werden nach sieben Tagen getötet. Die Autoren geben zu bedenken, dass die Studie ihre Grenzen hat. Es handelt sich um junge, gesunde Schweine und auch das Hervorrufen einer Blutvergiftung durch die Infusion mit Bakterien entspricht nicht der klinischen Situation auf der Intensivstation. Dennoch bezeichnen die Autoren ihr Experiment als erfolgreich und rufen zu weiteren Studien auf.
Martin Sauer et al.: Extracorporeal cell therapy with granulocytes in a pig model of gram-positive sepsis. Critical Care Medicine 2009: 37(2), 606-613
Rostock


Ratten in den Wechseljahren - Auf der Suche nach dem nicht vorhandenen »Tiermodell«

Da Tiere die meisten menschlichen Krankheiten nicht bekommen, versucht man einige Symptome bestimmter Krankheiten irgendwie bei Tieren nachzuahmen. Dann wird versucht, die künstlichen Symptome dieses »Tiermodells« wieder wegzubekommen. Das funktioniert beim Tier manchmal, beim Menschen aber garantiert nicht, weil menschliche Patienten und künstlich krank gemachte Tiere doch irgendwie verschieden sind. Bei zahllosen Tierversuchen geht es sogar nur um den ersten Schritt, die Entwicklung der »Tiermodelle«.

In einer Arbeit aus Celle wird das Lernverhaltens von Legehennen als »Modell« für das Lernverhalten beim Menschen untersucht. Hühnerküken sind für diesen Zweck ein etabliertes »Modell« heißt es in der Arbeit. Die Autoren wollen nun ein »Modell« mit erwachsenen Hühnern etablieren. Dazu werden Hennen mit einem Elektroschock traktiert, sobald ein Tier auf ein Gitter tritt. Am nächsten Tag wird beobachtet, ob sich die Henne den Zusammenhang zwischen Gitter und Elektroschock gemerkt hat. Den Tieren werden Elektroden in das Gehirn eingepflanzt, um Gehirnströme zu messen, während das Elektroschock-Experiment wiederholt wird.
E. Tobias Krause et al.: Effects of intra-hippocampal D-AP5 injections on one trial passive avoidance learning in adult laying hens (Gallus gallus domesticus). Acta Neurobiologiae Experimentalis 2008: 68, 494-501
Celle


Es gibt zwar bereits eine große Anzahl von »Tiermodellen« für akutes Herzversagen, aber nur wenige für chronisches Herzversagen. Autoren aus Göttingen wollten diesem Defizit abhelfen. Hunde eignen sich nicht, da sie verstopfte Herzkranzgefäße nachbilden können. Daher müssen Schafe als Versuchstiere herhalten. Den Tieren werden 25.000 winzige Kügelchen aus Kunststoff, injiziert, die sich in einer Herzkranzarterie festsetzen und die Durchblutung des Herzens vermindern. Es kommt bei den Schafen zu Ödemen und Brust- und Bauchwassersucht. Schließlich werden die Tiere getötet.
J.D. Schitto et al.: Chronic heart failure induced by multiple sequential coronary microembolization in sheep. The International Journal of Artificial Organs 2008: 31 (4), 348-353
Göttingen


Dass Phytoöstrogene (Pflanzenöstrogene) z.B. aus Soja die Wechseljahresbeschwerden der Frau mildern, ist seit Jahrhunderten vor allem in Fernost, aber zunehmend auch bei uns, bekannt. Die Wirkung dieser Substanzen zur Prophylaxe von Osteoporose bei Frauen nach der Menopause ist laut eines Artikels der Uni Göttingen noch umstritten. Für jeden normal denkenden und fühlenden Mensch kämen nur Bevölkerungsstudien in Betracht, um hier verwertbare Erkenntnisse zu erzielen. Die Göttinger Experimentatoren meinen aber dieser Frage in einem »Tiermodell« nachgehen zu müssen. Ratten werden die Eierstöcke entnommen, um eine Frau nach der Menopause zu simulieren. Dann wird ein Schienbein der Ratten durchgesägt und mit einer Platte und Schrauben wieder zusammengefügt, um eine Osteoporose nachzuahmen. Gruppen von Ratten bekommen anschließend fünf Wochen lang Isoflavone aus Sojapflanzen oder Östrogene ins Futter gemischt. Dann werden die Ratten getötet, um die Knochenheilung zu beurteilen.
S. Sehmisch et al.: Effects of isoflavones equol and genistein on bone quality in a rat osteopenia model. Phytotherapy Research 2010: 24, 168-174
Göttingen


67 Ferkel werden mit Durchfallerregern infiziert. Als Begründung für das Experiment wird angegeben, dass es zwar schon jede Menge Feldstudien zum Verlauf dieser parasitären Erkrankung bei Schweinen gibt, jedoch wenige Studien zu einem experimentellen »Modell«. Diesem Defizit musste unbedingt abgeholfen werden. Das Ergebnis ist dann auch genauso banal wie das Ziel der Untersuchung: Ferkel mit Durchfall nehmen weniger an Gewicht zu als gesunde Tiere.
H.-C. Mundt et al.: Isospora suis: an experimental model for mammalian intestinal coccidiosis. Parasitology Research 2006: 98, 167-175
Leverkusen


Im Max-Planck-Institut für Immunobiologie Freiburg wird ein »Modell« für die Nickelallergie erstellt. Gentechnisch veränderten Mäusen wird eine Nickellösung erst in die Bauchhaut und elf Tage später in die Haut eines Ohres gespritzt, um eine Immunreaktion auszulösen. 24 Stunden nach der zweiten Injektion wird die Dicke des Ohres gemessen. Dann werden die Tiere getötet. Menschen, die gegen Nickelschmuck auf der Haut allergisch sind, sind weder genetisch manipuliert, noch wird bei ihnen Nickel injiziert. Wäre es nicht sinnvoller, die Mechanismen der Allergieentstehung mit ethisch unbedenklichen Methoden gleich am Menschen zu erforschen?
Marc Schmidt et al.: Crucial role for human toll-like receptor 4 in the development of contact allergy to nickel. Nature Immunology 2010: 11(9), 814-820
Freiburg


Gesunde Tiere und kranken Patienten sind grundlegend unterschiedlich – Bestätigung längst bekannten Wissens

Häufig werden Tierversuche für Behandlungsmethoden durchgeführt, die beim Menschen seit Jahren im Einsatz sind. Oftmals geht es um reine Neugier oder auch bloß darum, eine wissenschaftliche Lücke zu füllen. Wenn es für eine längst etablierte Therapie noch kein »Tiermodell« gibt, muss dem eben nachgeholfen werden.

Zur Intensivbehandlung einer Aneurysma-Hirnblutung wird seit mehr als 20 Jahren eine weit verbreitete Behandlungsmethode eingesetzt. In Mannheim wollte man nun anhand von Tierversuchen mit Schweinen und einer klinischen Studie ergründen, ob die Behandlung überhaupt etwas nützt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Methode bei den jungen, gesunden Schweinen keine Wirkung hat, bei den kranken Patienten aber sehr wohl. Die Wirkung bei den Patienten ist aber nicht immer so wie gewünscht, weswegen man bei der Anwendung der Behandlung vorsichtig sein sollte. Hätte für eine solche Erkenntnis nicht die klinische Studie allein ausgereicht? Mussten dafür fünf Schweine umgebracht werden?
Elke Muench et al.: Effects of hypervolemia and hypertension on regional cerebral blood flow, intracranial pressure, and brain tissue oxygenation after subarachnoid hemorrhage. Critical Care Medicine 2007: 35, 1844-1851
Mannheim


Ebenfalls in Mannheim wird eine Kombinationsbehandlung mit einem Blutpfropf auflösenden Mittel, das schon seit Jahren bei menschlichen Schlaganfallpatienten verwendet wird, und einem Nervenschutzpräparat bei Ratten mit einem künstlich hervorgerufenen Schlaganfall getestet. In der Einleitung der Arbeit heißt es, dass die Nervenschutzpräparate in vorangegangenen Tierversuchen wirksam waren, während sie beim menschlichen Schlaganfallpatienten bisher fast nur negative Resultate geliefert hätten. »Diese Abweichung mag daran liegen, dass gesunde Tiere und ältere Patienten mit Risikofaktoren und vorhandener Arterienverkalkung grundlegend unterschiedlich sind.« Wenn man dies schon vorher weiß, wozu mussten dann 55 Ratten qualvoll sterben?
Seong-Wook Yun et al.: Oxidative stress in the brain at early preclinical stages of mouse scrapie. Experimental Neurology 2006: 201, 90-98
Mannheim


Es gibt Hinweise aus In-vitro-Studien und Studien mit Menschen sowie einigen Tierversuchen, dass grüner Tee vor bestimmten Krebsarten schützt. Als Ursache werden die antioxidativen Eigenschaften des grünen Tees vermutet. In einer Arbeit der Uni Wien wird an Ratten untersucht, ob grüner Tee als Antioxidans die Schädigung des Erbguts (DNA) in den Zellen verhindern kann. Ergebnis: In einer Dosis, die 500 ml grünem Tee beim Menschen entsprechen würde, gibt es einen schützenden Effekt. Das Ergebnis bestätigt damit Bevölkerungsstudien, denen zufolge fünf Tassen grüner Tee pro Tag vor Krebs schützen können. Warum müssen Ratten sterben für Wissen, das man längst hat?
N. Kager et al.: Prevention of oxidative DNA damage in inner organs and lymphocytes of rats by green tea extract. European Journal of Nutrition 2010: 49, 227-234
Wien


Zur Entfernung eines Stücks des Mastdarms bei Mastdarmkrebs gibt es Standard-Operationsmethoden, die seit Jahren beim Patienten angewendet werden. In Aachen wird der Kotabsatz nach einer solchen Operation bei Hunden studiert.
S. Willis et al.: Defecation mechanisms after anterior resection with J-pouch-anal and side-to-end anastomosis in dogs. International Journal of Colorectal Disease 2007: 22, 161-165
Aachen


Am Berliner Unfallkrankenhaus werden zehn Beagles einer Rippenoperation unterzogen, die seit Jahren Standard in der humanmedizinischen Wiederherstellungschirurgie ist. Dabei geht es einzig darum, ein »Tiermodell« für die Untersuchung der Heilungsvorgänge bei Rippentransplantationen zu etablieren. Wenn diese Operation doch beim Menschen gang und gäbe ist, warum kann man die Heilung dann nicht gleich am Patienten studieren? Solche Studien hätten wenigstens eine Aussagekraft, im Gegensatz zu Untersuchungen an Tieren, deren Knochen eine andere Heilungstendenz haben, als die des Menschen.
Andreas Eisenschenk et al.: Impact of radiation therapy on healing and stability of vascularized bone grafts in a dog model. Microsurgery 2006: 26, 412-416
Berlin


Unter Narkose wird Mäusen ein 1x1 cm großes Stück eines Silikonimplantates unter die Haut gepflanzt. Bei zwei Gruppen von Mäusen handelt es sich um ein titanbeschichtetes Silikonimplantat. Bei zwei Gruppen werden Bakterien in die Bauchhaut gespritzt. In den nächsten Tagen kommt es bei diesen Tieren zu Infektionen in deren Folge die Implantate herauswachsen. Zwei Mäuse aus den nicht infizierten Gruppen benagen ihre Wunden, eine Maus beißt sich die Prothese heraus. Alle Mäuse werden 14 Tage nach der Operation durch Überdosis eines Narkosemittels getötet.
Es werden Silikonimplantate untersucht, die seit 2002 bei Frauen zur Brustvergrößerung eingesetzt werden. Den titanbeschichteten Implantaten wird »eine bessere Gewebeintegration und eine geringere Infektionsrate trotz fehlender experimenteller Studien nachgesagt«. Die Tierversuche wurden also durchgeführt, obwohl Studien am Menschen bereits vorliegen. Es stellte sich zudem heraus, dass die Titanbeschichtung bei Mäusen keine Vorteile bietet. Die Autoren kündigen diverse Folgetierversuche zur weiteren Abklärung an: Man kann die Versuche mit weiblichen statt mit männlichen Mäusen durchführen, man kann auch die Bakterienmenge variieren, die Implantate nicht am Bauch, sondern am Rücken unterbringen oder den Materialen Antibiotika zusetzen.
T. Hernandez-Richter et al.: Die Beschichtung von Silikonimplantaten mit Titan ist nicht effektiv zur Vermeidung von Infektionen. Zentralblatt für Chirurgie 2007: 132, 32-37
München


In klinischen Versuchen mit Bluthochdruckpatienten haben sich zwei Medikamente als wirkungsvoll bei der Verhinderung von Schlaganfällen erwiesen. In einer Arbeit der Charité Berlin soll die Wirkung dieser beiden Medikamente auf Ratten mit künstlich hervorgerufenem Schlaganfall näher untersucht werden. Dazu wird den Ratten eine Nylonfaser durch eine Halsarterie in die mittlere Hirnarterie geschoben, wodurch das Hirngewebe dahinter nicht mehr durchblutet wurde. Nach 90 Minuten wird der Faden entfernt. Einige Ratten erhalten die Medikamente und es wird beobachtet, in welchem Ausmaß die Tiere unter Bewegungsstörungen leiden.
Maxim Krikov et al.: Candesartan but not ramipril pretreatment improves outcome after stroke and stimulates neurotrophin BNDF/TrkB system in rats. Journal of Hypertension 2008: 26, 544-552
Berlin


Zum chirurgischen Verschluss von Hernien (Löchern) im Zwerchfell werden in der Humanmedizin verschiedene Biomaterialien eingesetzt. Trotz zahlreicher, vorhandener klinischer Studien müssen 20 Kaninchen sterben, weil Experimentatoren aus Aachen zwei etablierte Biomaterialien vergleichen wollen.
Jens Otto et al.: Different tissue reaction of oesophagus and diaphragm after mesh hiatoplasty. results of an animal study. BMC Surgery 2008: 8(7), doi:10.1186/141-2482-8-7
Aachen


Dass Formaldehyd giftig ist, weiß man schon seit mindestens 100 Jahren. Über die zahllosen gesundheitsschädlichen Eigenschaften der Chemikalie gibt es schränkeweise Literatur. Um längst vorhandenes Wissen zu bestätigen, werden Ratten vier Wochen lang an fünf Tagen pro Woche täglich über sechs Stunden mit Formaldehyd begast.
Günter Speit et al.: Inhalation of formaldehyde does not induce systemic genotoxic effects in rats. Mutation Research 2009: 677, 76-85
Ulm


An der Uni Tübingen werden Hirnströme bei Mäusen gemessen, die einen Gendefekt aufweisen, der beim Menschen für die Sprache und Lernen zuständig ist. Die Autoren schließen ihren Artikel mit der Empfehlung einer Testung an menschlichen Patienten mit diesem Gendefekt. Warum denn nicht gleich am Menschen?
Simone Kurt et al.: Modified sound-evoked brainstem potentials in Foxp2 mutant mice Brain Research 2009: 1289, 30-35
Ulm


In einer Arbeit aus Erlangen wird eine Behandlung bei Ratten mit künstlich hervorgerufenem Bauchhöhlenkrebs untersucht. Diese Behandlung ist beim menschlichen Patienten längst etabliert und es gibt auch schon klinische Studien dazu, allerdings sind Menschen so furchtbar unterschiedlich, weswegen man doch lieber Daten am genormten »Tiermodell« untersucht.
Darf die bloße Tatsache, dass etwas zwar schon beim Menschen angewendet, aber noch nicht am Tier ausprobiert wurde, ein Grund für qualvolle Tierversuche sein?
Jörg O.W. Pelz et al.: Histological response of peritoneal carcinomatosis after hyperthermic intraperitoneal chemoperfusion (HIPEC) in experimental investigations. BMC Cancer 2006: 6, 162 doi:10.1186/1471-2407-6-162
Erlangen


Es werden 30 Beaglewelpen verwendet. Bei den Tieren wird der Schienbeinknochen in der Mitte durchgesägt. Ein sogenannter Ringfixateur, ein aus Metallstreben bestehende Vorrichtung, hält die Enden in der richtigen Position Anschließend wird der Sägespalt zweimal täglich um 0,5 mm auseinandergezogen Nach 25 Tagen ist das Ziel, eine Verlängerung des Knochens um 2,5 cm, erreicht und die Hunde werden getötet.
Diese Methode der Knochenverlängerung durch Auseinanderziehen eines Sägespaltes ist seit Jahren beim menschlichen Patienten etabliert.
B. Fink et al.: The influence of callus distraction on the growth plate. Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery 2007: 127, 417-423
Markgröningen


In Gießen wird durch Injektion von Salmonellen-Bestandteilen in die Blutbahn von Ratten ein Blutvergiftungsschock ausgelöst. Es werden verschiedene Behandlungsmethoden getestet. Tatsächlich – eine Testsubstanz hilft den Tieren. Wie erfreulich! Allerdings ist diese im Tierversuch wirksamen Substanzen in bereits durchgeführten klinischen Studien am Menschen wirkungslos. Wenn dieses schon bekannt ist, wozu werden dann trotzdem noch Tiere auf so grausame Weise gequält?
Soni Savai Pullamsetti et al.: Effect of nitric oxide synthase (NOS) inhibition on macro- and microcirculation in a model of rat endotoxin shock. Thrombosis and Haemostasis 2006, 95, 720-727
Gießen


An der Universität Leipzig wird eine anatomische Untersuchung des Harnapparates von Rhesusaffen durchgeführt. Die bahnbrechende Erkenntnis: Rhesusaffen haben keinen Blasenschließmuskel und auch sonst ist der Harnapparat von Rhesusaffen ganz anders, als der des Menschen! Die Autoren sind selbst baff: »Es ist überraschend, dass trotz der Tatsache, dass der Rhesusaffe eines der beliebtesten Tiermodelle in der urologischen Forschung ist, detaillierte anatomische Studien des unteren Harnapparates fehlen.« Diese Erkenntnis stammt nicht etwa aus dem frühen 19. Jahrhundert, sondern aus dem Jahr 2004!
R. Ganzer et al.: Is the rhesus monkey (Macaca mulatta) comparable to humans? Hitsomorphology of the sphincteric musculature of the lower urinary tract including 3D-reconstruction. Anatomia, histologia, embryologia 2004: 33(6), 355-361
Leipzig


Ratten bis auf das Skelett abgemagert - Prädikat »besonders grausam«

Tierversuche seien nicht schlimmer als eine Injektion, wird oft behauptet. Ein Blick in unsere Datenbank beweist das Gegenteil. Viele der Tausenden Beschreibungen von Tierversuchen sind an Grausamkeit kaum zu überbieten. Die Datenbank-Dokumente beruhen auf den Veröffentlichungen der Experimentatoren selbst. Nichts ist erfunden. Man kann davon ausgehen, dass die Realität noch weitaus schlimmer ist, als die »neutral-sachliche« Wissenschaftssprache preisgibt.

Um Veränderungen im Gehirn bei Essstörungen wie Magersucht zu untersuchen, werden am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim Ratten über einen Zeitraum von drei Monaten so wenig gefüttert, dass sie 45 Prozent ihres Normalgewichtes verlieren. Das wäre damit vergleichbar, dass man einen 70 kg schweren Menschen absichtlich so lange hungern ließe, bis er nur noch 38,5 kg wiegen würde.
Christoph Göpel, Martin H. Schmidt, Marianne Campanini, Jochen Klein: Breakdown of choline-containing phospholipids in rat brain during severe weight loss. Neuroscience Letters 2002: 326, 21-24
Mannheim


Man nehme: viele Mäuse, schneide ihnen den Bauch auf, steche ein paar Mal in den Blinddarm, so dass Darminhalt in die Bauchhöhle fließen kann und nähe die Maus wieder zu. Durch den Darminhalt gelangen Bakterien in die Bauchhöhle und verursachen eine schwere, äußerst schmerzhafte Bauchfellentzündung mit Blutvergiftung. Je nach Anzahl und Größe der Löcher sterben die Mäuse mehr oder weniger schnell. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig empfiehlt so in einem Fachartikel die Vorgehensweise bei der Erstellung eines »Mausmodells« für eine Bauchfellentzündung mit Blutvergiftung. Wie in einem Kochrezept wird beschrieben, welche Zutaten man braucht, um praktischerweise die „gewünschte Todesrate“ zu variieren. Der qualvolle Tod der Tiere ist dabei nichts anderes als »Teig kneten«.
Eva Medina: Murine model of polymicrobial septic peritonitis using cecal ligation and puncture (CLP). Methods in Molecular Biology 2010: 602, 411-415
Braunschweig


An diversen Instituten in Deutschland und in aller Welt müssen Affen im Namen der Hirnforschung oft über Jahre hinweg Torturen erleiden, die Menschen als unerträglich bezeichnen würden.
Ein Bespiel: Zur Ergründung der Frage wie Affen Gesichter und Stimmen unterscheiden werden am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen zunächst die Rufe mehrerer in Primatenstühlen gefesselte Rhesusaffen mit einer Videokamera aufgezeichnet. Die eigentlichen Versuche finden mit zwei Rhesusaffen statt. Ihnen wird unter Narkose ein Loch in den Schädel gebohrt. Darauf werden eine Titankammer und ein Metallbolzen befestigt. In ein Auge wird eine Metallspule eingepflanzt. Vor einem Versuch erhalten die Affen über einen nicht genannten Zeitraum nichts zu Trinken, damit sie für ein paar Tropfen Saft alles machen, was von ihnen verlangt wird. Sie werden in einen Affenstuhl geschnallt und ihr Kopf wird an den Bolzen an einem Gestell angeschraubt. Durch das Bohrloch im Kopf werden Elektroden in das Gehirn geschoben. Die Affen müssen einen Punkt auf einem Bildschirm mit den Augen fixieren. Die Augenbewegungen werden mit Hilfe der implantierten Spule verfolgt. Dafür erhalten die durstigen Tiere einen Tropfen Saft. Wenn ein Tier die Augen vom Punkt wegbewegt, gibt es nichts zu Trinken. Auf dem Bildschirm werden nun die von den rufenden Affen gezeigt. Die Affen dürfen ihre Augen nicht vom Bildschirm wegbewegen. Gleichzeitig werden über die Elektroden Hirnströme gemessen.
Asif A. Ghazanfar et al.: Multisensory integration of dynamic faces and voices in rhesus monkey auditory cortex. The Journal of Neuroscience 2005: 25(20) 5004-5012
Tübingen


Affen sind nicht die einzigen Tiere, die in der Hirnforschung leiden müssen. In Bochum werden Tauben verwendet. Als »Trainingsmethode« wird ebenfalls Wasserentzug eingesetzt. Die Tiere bekommen außerhalb der Trainingssitzung nichts zu trinken. Der Kopf einer Taube wird an einem auf dem Schädel implantierten Gestell unbeweglich angeschraubt. Das Tier muss lernen, den unteren Schnabel zu bewegen oder nicht zu bewegen, wenn auf einem Bildschirm bestimmte Symbole auftauchen. Für eine richtige Antwort gibt es einen Tropfen Saft in den Mund geflößt. Die Tauben werden schließlich getötet.
Janina A. Kirsch et al.: Neuronal encoding of meaning: Establishing category-selective response patterns in the avian "prefrontal cortex. Behavioral Brain Research 2009: 198, 214-223
Bochum


In Magdeburg werden Wüstenrennmäuse (Gerbils) durch Elektroschocks »trainiert«. Die Tiere müssen bei Ertönen eines akustischen Signals über eine Wand im Käfig springen. Tun sie es nicht oder springen sie, obwohl kein Ton ertönt, gibt es zur Strafe über das Bodengitter einen Stromschlag. Gleichzeitig werden über zuvor in das Gehirn implantierte Drähte Hirnströme gemessen.
Marcus Jeschke et al.: Gamma oscillations in gerbil auditory cortex during a target-discrimination task reflect matches with short-term memory. Brain Research 2008: 1220, 70-80
Magdeburg


Toxoplasmose ist eine Krankheit, die beim Menschen und bei verschiedenen Tierarten vorkommt und über die es Regalwände voller Veröffentlichungen gibt. Aber wer lange genug sucht, wird schon noch irgendein Detail finden, dass man mal untersuchen könnte. In diesem Fall werden normale und genetisch veränderte Mäuse mit dem Erreger Toxoplasma gondii durch Injektion in die Bauchhöhle infiziert. Die genetisch veränderten Mäuse sterben alle kläglich innerhalb von 50 Tagen. Bei den normalen Mäusen stirbt »nur« die Hälfte. Die Überlebenden werden schließlich auch getötet.
Katrin Drögemüller et al.: Astrocyte gp130 expression is critical for the control of toxoplasma encephalitis. The Journal of Immunology 2008: 181, 2683-2693
Magdeburg


Forschungen zur Vogel- und Schweinegrippe sind dank der globalen medialen Hysterie, geschürt durch die Pharmaindustrie und andere Profiteure, hoch im Kurs. Unerschöpfliche Quellen staatlicher Gelder tun sich auf, um diesen Geiseln der Menschheit auf den Grund zu gehen. In Deutschland ist es das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems, das sich mit haarsträubenden Tierversuchen zu diesem Thema hervortut. So wurden Schwäne und Kälber mit Vogelgrippeviren (H5N1) infiziert und Hühner und Schweine mit Schweinegrippeviren (H1N1). In einer weiteren Studie des Friedrich-Löffler-Instituts werden Katzen mit Vogelgrippeviren infiziert, andere Katzen werden zuvor mit einem Impfstoff behandelt. Einige infizierte Tiere entwickeln schwere Symptome: hohes Fieber, Futterverweigerung und Atembeschwerden. Einige Katzen sterben, andere werden wegen der Schwere der Symptome vorzeitig getötet. Die überlebenden Tiere werden 21 Tage nach der Infektion getötet.
Elke Lange et al.: Pathogenesis and transmission of the novel swine-origin influenza virus A/H1N1 after experimental infection of pigs. Journal of General Virology 2009: 90, 2119-2123
Insel Riems


Laut WHO sind bis zum Jahr 2008 weltweit 348 Menschen in 14 Ländern an Vogelgrippe erkrankt, 210 starben. Katzen können an Vogelgrippe erkranken. Eine Übertragung des H5N1-Virus von Katzen auf Menschen ist jedoch bislang nicht dokumentiert. Laut Behauptung der Autoren einer Studie des Friedrich-Löffler-Instituts auf der Insel Riems könnten Änderungen der Viren dazu führen, dass Katzen bei der Übertragung des Vogelgrippe-Virus zu einer potentiellen pandemischen Gefahr für den Menschen werden könnten. Daher sollte laut Autorenmeinung eine Impfung von Katzen erwogen werden, um das Risiko der Ansteckung von Menschen zu reduzieren. Mit anderen Worten, 17 Katzen wurden zu Tode gequält für eine praktisch nicht vorhandene Gefahr, aber für ein potentiell großes Geschäft mit einem völlig überflüssigen Impfstoff.
Thomas W. Vahrenkamp et al.: Protection of cats against lethal influenza H5N1 challenge infection. Journal of General Virology 2008: 89, 968-974
Insel Riems


Stroboskopisches Licht in der Disco oder bei Konzerten ruft einen besonderen Effekt hervor, kann aber auch als ziemlich unangenehm empfunden werden. Aber meist ist es ja nach ein paar Minuten vorbei. Jetzt stellen Sie sich einmal vor, die Lichtblitze hören nicht auf. Sie sind immer da, Tag und Nacht. Mehrere Wochen. Sie können nicht richtig sehen und nicht schlafen, Ihre Sinne verschwimmen. Eine schreckliche Vorstellung? Im Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung mussten dies zwei Katzenmütter mit ihren Babys erleiden. Die Kätzchen wurden bis zu 14 Wochen unter stroboskopischem Licht aufgezogen. Dadurch können die Tiere keine normalen Bewegungsabläufe wahrnehmen, weil jede Bewegung durch das Flackerlicht »zerhackt« wird. Ziel ist die Untersuchung der Entwicklung der für das Sehen zuständigen Hirnbereiche. Mitautor der Publikation ist Wolf Singer, ein berüchtigter Experimentator, der seit Jahren Katzen und andere Tiere quält, um den Geheimnissen des menschlichen Gehirns auf die Spur zu kommen.
Kerstin E. Schmidt et al.: Binocular phasic coactivation does not prevent ocular dominance segregation. Frontiers in Bioscience 2008: 13, 3381-3390
Frankfurt/M.


Mehr als 1.700 Ratten werden bei der Firma BASF in Ludwigshafen einer Zwei-Generationen-Studie zur Reproduktionsgiftigkeit eines Lichtschutzfaktors für Sonnencreme unterzogen. Sowohl Elterntieren als auch deren Nachkommen in erster und zweiter Generation wird die Substanz in drei verschiedenen Dosen unters Futter gemischt. Alle Ratten werden zur Untersuchung getötet. Sollen wirklich über 1.700 Ratten allein in einem Versuch geopfert werden, um die xte Sonnenmilch zu testen?
Steffen Schneider et al.: Octyl methoxycinnamate: Two generation reproduction toxicity in Wistar rats by dietary administration. Food and Chemical Toxicology 2005: 43, 1083-1092
Ludwigshafen


Bei der Firma Boehringer Ingelheim in Biberach an der Riss wird ein potentielles Schmerzmittel (gibt es nicht schon genug davon?) an Ratten verabreicht. Dann wird bei ihnen auf acht verschiedene Arten Schmerz erzeugt: Die Tiere werden auf eine heiße Platte gesetzt, der Ischiasnerv wird abgebunden, die Fußsohle wird mit einer Pinzette gezwickt, eine reizende Substanz wird in eine Pfote gespritzt usw.
Wolfram Gaida et al.: Ambroxol, a Nav1.8-preferring Na+ channel blocker, effectively suppresses pain symptoms in animal models of chronic, neuropathic and inflammatory pain. Neuropharmacology 2005: 49, 1220-1227
Biberach an der Riss


Zur Untersuchung des Einflusses sozialen Zusammenlebens auf die Fortpflanzungsfähigkeit und das Körpergewicht von geschlechtsreifen Affenmännchen werden bei der Firma Covance in Münster 16 vier bis fünf Jahre alte Langschwanzmakaken aus Mauritius verwendet. Die Tiere werden mindestens 12 Wochen einzeln und ohne Blickkontakt zu ihren Artgenossen in Käfigen mit einer Größe von 60 x 60 x 90 cm gehalten. Danach werden die Affen für 26 Wochen in ein Gemeinschaftsgehege (200 x 8000 x 200 cm) überführt. Mehrfach wird unter Betäubung Samenflüssigkeit durch elektrische Stimulation mit einer Sonde im Mastdarm gewonnen.
Soziale und bewegungsfreudige Affen 12 Wochen lang in kleine Einzelkäfige zu pferchen, ist allein schon grausamste Tierquälerei.
Marc O. Niehoff et al.: Effects of social housing of sexually mature male cynomolgus monkeys during general and reproductive toxicity evaluation. Reproductive Toxicology 2010: 29, 57-67
Münster


Der Körper einer nicht narkotisierten Fledermaus (Bunte Lanzennase) wird in eine Sandwich-artige Apparatur gespannt, so dass sich das Tier nicht mehr bewegen kann. Der Kopf wird mit Hilfe eines am Schädel festgeklebten Rohres fixiert. Unter Lokalanästhesie (!) werden mehrere Löcher in den Schädel gebohrt, durch die Elektroden in das Gehirn eingeführt werden. Die Fledermäuse schreien, wenn elektrische Reize über die Elektroden verabreicht werden. Ihre Schreie werden aufgezeichnet. Die Versuche finden ohne Narkose statt und dauern bis zu 5 Stunden.
T. Fenzl et al.: Periaqueductal gray and the region of the paralemniscal area have different functions in the control of vocalization in the neotropical bat, Phyllostomus discolor. European Journal of Neuroscience 2002: 16, 1974-1986
München


In Düsseldorf wird narkotisierten Ratten die Haut auf dem Rücken geschoren. 30% der gesamten Hautoberfläche werden durch kochendes Wasser (99°C) verbrüht. Unmittelbar danach wird die Narkose beendet. Die Tiere erhalten Schmerzmittel und eine Flüssigkeitstherapie. Dann wird eine Gentherapie getestet. 33 Tage nach der Verbrühung werden die Tiere durch Genickbruch getötet.
Marc G. Jeschke et al.: Exogenous liposomal IGF-I cDNA gene transfer leads to endogenous cellular and physiological responses in an acute wound. American Journal of Physiology. Regulatory, Integrative and Comparative Physiology 2004: 286, R958-R-966
Düsseldorf

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