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Datenbank Tierversuche

Absurditäten aus deutschen Laboren - - Gesunde Tiere und kranken Patienten sind grundlegend unterschiedlich – Bestätigung längst bekannten Wissens

Gesunde Tiere und kranken Patienten sind grundlegend unterschiedlich – Bestätigung längst bekannten Wissens

Häufig werden Tierversuche für Behandlungsmethoden durchgeführt, die beim Menschen seit Jahren im Einsatz sind. Oftmals geht es um reine Neugier oder auch bloß darum, eine wissenschaftliche Lücke zu füllen. Wenn es für eine längst etablierte Therapie noch kein »Tiermodell« gibt, muss dem eben nachgeholfen werden.

Zur Intensivbehandlung einer Aneurysma-Hirnblutung wird seit mehr als 20 Jahren eine weit verbreitete Behandlungsmethode eingesetzt. In Mannheim wollte man nun anhand von Tierversuchen mit Schweinen und einer klinischen Studie ergründen, ob die Behandlung überhaupt etwas nützt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Methode bei den jungen, gesunden Schweinen keine Wirkung hat, bei den kranken Patienten aber sehr wohl. Die Wirkung bei den Patienten ist aber nicht immer so wie gewünscht, weswegen man bei der Anwendung der Behandlung vorsichtig sein sollte. Hätte für eine solche Erkenntnis nicht die klinische Studie allein ausgereicht? Mussten dafür fünf Schweine umgebracht werden?
Elke Muench et al.: Effects of hypervolemia and hypertension on regional cerebral blood flow, intracranial pressure, and brain tissue oxygenation after subarachnoid hemorrhage. Critical Care Medicine 2007: 35, 1844-1851
Mannheim


Ebenfalls in Mannheim wird eine Kombinationsbehandlung mit einem Blutpfropf auflösenden Mittel, das schon seit Jahren bei menschlichen Schlaganfallpatienten verwendet wird, und einem Nervenschutzpräparat bei Ratten mit einem künstlich hervorgerufenen Schlaganfall getestet. In der Einleitung der Arbeit heißt es, dass die Nervenschutzpräparate in vorangegangenen Tierversuchen wirksam waren, während sie beim menschlichen Schlaganfallpatienten bisher fast nur negative Resultate geliefert hätten. »Diese Abweichung mag daran liegen, dass gesunde Tiere und ältere Patienten mit Risikofaktoren und vorhandener Arterienverkalkung grundlegend unterschiedlich sind.« Wenn man dies schon vorher weiß, wozu mussten dann 55 Ratten qualvoll sterben?
Seong-Wook Yun et al.: Oxidative stress in the brain at early preclinical stages of mouse scrapie. Experimental Neurology 2006: 201, 90-98
Mannheim


Es gibt Hinweise aus In-vitro-Studien und Studien mit Menschen sowie einigen Tierversuchen, dass grüner Tee vor bestimmten Krebsarten schützt. Als Ursache werden die antioxidativen Eigenschaften des grünen Tees vermutet. In einer Arbeit der Uni Wien wird an Ratten untersucht, ob grüner Tee als Antioxidans die Schädigung des Erbguts (DNA) in den Zellen verhindern kann. Ergebnis: In einer Dosis, die 500 ml grünem Tee beim Menschen entsprechen würde, gibt es einen schützenden Effekt. Das Ergebnis bestätigt damit Bevölkerungsstudien, denen zufolge fünf Tassen grüner Tee pro Tag vor Krebs schützen können. Warum müssen Ratten sterben für Wissen, das man längst hat?
N. Kager et al.: Prevention of oxidative DNA damage in inner organs and lymphocytes of rats by green tea extract. European Journal of Nutrition 2010: 49, 227-234
Wien


Zur Entfernung eines Stücks des Mastdarms bei Mastdarmkrebs gibt es Standard-Operationsmethoden, die seit Jahren beim Patienten angewendet werden. In Aachen wird der Kotabsatz nach einer solchen Operation bei Hunden studiert.
S. Willis et al.: Defecation mechanisms after anterior resection with J-pouch-anal and side-to-end anastomosis in dogs. International Journal of Colorectal Disease 2007: 22, 161-165
Aachen


Am Berliner Unfallkrankenhaus werden zehn Beagles einer Rippenoperation unterzogen, die seit Jahren Standard in der humanmedizinischen Wiederherstellungschirurgie ist. Dabei geht es einzig darum, ein »Tiermodell« für die Untersuchung der Heilungsvorgänge bei Rippentransplantationen zu etablieren. Wenn diese Operation doch beim Menschen gang und gäbe ist, warum kann man die Heilung dann nicht gleich am Patienten studieren? Solche Studien hätten wenigstens eine Aussagekraft, im Gegensatz zu Untersuchungen an Tieren, deren Knochen eine andere Heilungstendenz haben, als die des Menschen.
Andreas Eisenschenk et al.: Impact of radiation therapy on healing and stability of vascularized bone grafts in a dog model. Microsurgery 2006: 26, 412-416
Berlin


Unter Narkose wird Mäusen ein 1x1 cm großes Stück eines Silikonimplantates unter die Haut gepflanzt. Bei zwei Gruppen von Mäusen handelt es sich um ein titanbeschichtetes Silikonimplantat. Bei zwei Gruppen werden Bakterien in die Bauchhaut gespritzt. In den nächsten Tagen kommt es bei diesen Tieren zu Infektionen in deren Folge die Implantate herauswachsen. Zwei Mäuse aus den nicht infizierten Gruppen benagen ihre Wunden, eine Maus beißt sich die Prothese heraus. Alle Mäuse werden 14 Tage nach der Operation durch Überdosis eines Narkosemittels getötet.
Es werden Silikonimplantate untersucht, die seit 2002 bei Frauen zur Brustvergrößerung eingesetzt werden. Den titanbeschichteten Implantaten wird »eine bessere Gewebeintegration und eine geringere Infektionsrate trotz fehlender experimenteller Studien nachgesagt«. Die Tierversuche wurden also durchgeführt, obwohl Studien am Menschen bereits vorliegen. Es stellte sich zudem heraus, dass die Titanbeschichtung bei Mäusen keine Vorteile bietet. Die Autoren kündigen diverse Folgetierversuche zur weiteren Abklärung an: Man kann die Versuche mit weiblichen statt mit männlichen Mäusen durchführen, man kann auch die Bakterienmenge variieren, die Implantate nicht am Bauch, sondern am Rücken unterbringen oder den Materialen Antibiotika zusetzen.
T. Hernandez-Richter et al.: Die Beschichtung von Silikonimplantaten mit Titan ist nicht effektiv zur Vermeidung von Infektionen. Zentralblatt für Chirurgie 2007: 132, 32-37
München


In klinischen Versuchen mit Bluthochdruckpatienten haben sich zwei Medikamente als wirkungsvoll bei der Verhinderung von Schlaganfällen erwiesen. In einer Arbeit der Charité Berlin soll die Wirkung dieser beiden Medikamente auf Ratten mit künstlich hervorgerufenem Schlaganfall näher untersucht werden. Dazu wird den Ratten eine Nylonfaser durch eine Halsarterie in die mittlere Hirnarterie geschoben, wodurch das Hirngewebe dahinter nicht mehr durchblutet wurde. Nach 90 Minuten wird der Faden entfernt. Einige Ratten erhalten die Medikamente und es wird beobachtet, in welchem Ausmaß die Tiere unter Bewegungsstörungen leiden.
Maxim Krikov et al.: Candesartan but not ramipril pretreatment improves outcome after stroke and stimulates neurotrophin BNDF/TrkB system in rats. Journal of Hypertension 2008: 26, 544-552
Berlin


Zum chirurgischen Verschluss von Hernien (Löchern) im Zwerchfell werden in der Humanmedizin verschiedene Biomaterialien eingesetzt. Trotz zahlreicher, vorhandener klinischer Studien müssen 20 Kaninchen sterben, weil Experimentatoren aus Aachen zwei etablierte Biomaterialien vergleichen wollen.
Jens Otto et al.: Different tissue reaction of oesophagus and diaphragm after mesh hiatoplasty. results of an animal study. BMC Surgery 2008: 8(7), doi:10.1186/141-2482-8-7
Aachen


Dass Formaldehyd giftig ist, weiß man schon seit mindestens 100 Jahren. Über die zahllosen gesundheitsschädlichen Eigenschaften der Chemikalie gibt es schränkeweise Literatur. Um längst vorhandenes Wissen zu bestätigen, werden Ratten vier Wochen lang an fünf Tagen pro Woche täglich über sechs Stunden mit Formaldehyd begast.
Günter Speit et al.: Inhalation of formaldehyde does not induce systemic genotoxic effects in rats. Mutation Research 2009: 677, 76-85
Ulm


An der Uni Tübingen werden Hirnströme bei Mäusen gemessen, die einen Gendefekt aufweisen, der beim Menschen für die Sprache und Lernen zuständig ist. Die Autoren schließen ihren Artikel mit der Empfehlung einer Testung an menschlichen Patienten mit diesem Gendefekt. Warum denn nicht gleich am Menschen?
Simone Kurt et al.: Modified sound-evoked brainstem potentials in Foxp2 mutant mice Brain Research 2009: 1289, 30-35
Ulm


In einer Arbeit aus Erlangen wird eine Behandlung bei Ratten mit künstlich hervorgerufenem Bauchhöhlenkrebs untersucht. Diese Behandlung ist beim menschlichen Patienten längst etabliert und es gibt auch schon klinische Studien dazu, allerdings sind Menschen so furchtbar unterschiedlich, weswegen man doch lieber Daten am genormten »Tiermodell« untersucht.
Darf die bloße Tatsache, dass etwas zwar schon beim Menschen angewendet, aber noch nicht am Tier ausprobiert wurde, ein Grund für qualvolle Tierversuche sein?
Jörg O.W. Pelz et al.: Histological response of peritoneal carcinomatosis after hyperthermic intraperitoneal chemoperfusion (HIPEC) in experimental investigations. BMC Cancer 2006: 6, 162 doi:10.1186/1471-2407-6-162
Erlangen


Es werden 30 Beaglewelpen verwendet. Bei den Tieren wird der Schienbeinknochen in der Mitte durchgesägt. Ein sogenannter Ringfixateur, ein aus Metallstreben bestehende Vorrichtung, hält die Enden in der richtigen Position Anschließend wird der Sägespalt zweimal täglich um 0,5 mm auseinandergezogen Nach 25 Tagen ist das Ziel, eine Verlängerung des Knochens um 2,5 cm, erreicht und die Hunde werden getötet.
Diese Methode der Knochenverlängerung durch Auseinanderziehen eines Sägespaltes ist seit Jahren beim menschlichen Patienten etabliert.
B. Fink et al.: The influence of callus distraction on the growth plate. Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery 2007: 127, 417-423
Markgröningen


In Gießen wird durch Injektion von Salmonellen-Bestandteilen in die Blutbahn von Ratten ein Blutvergiftungsschock ausgelöst. Es werden verschiedene Behandlungsmethoden getestet. Tatsächlich – eine Testsubstanz hilft den Tieren. Wie erfreulich! Allerdings ist diese im Tierversuch wirksamen Substanzen in bereits durchgeführten klinischen Studien am Menschen wirkungslos. Wenn dieses schon bekannt ist, wozu werden dann trotzdem noch Tiere auf so grausame Weise gequält?
Soni Savai Pullamsetti et al.: Effect of nitric oxide synthase (NOS) inhibition on macro- and microcirculation in a model of rat endotoxin shock. Thrombosis and Haemostasis 2006, 95, 720-727
Gießen


An der Universität Leipzig wird eine anatomische Untersuchung des Harnapparates von Rhesusaffen durchgeführt. Die bahnbrechende Erkenntnis: Rhesusaffen haben keinen Blasenschließmuskel und auch sonst ist der Harnapparat von Rhesusaffen ganz anders, als der des Menschen! Die Autoren sind selbst baff: »Es ist überraschend, dass trotz der Tatsache, dass der Rhesusaffe eines der beliebtesten Tiermodelle in der urologischen Forschung ist, detaillierte anatomische Studien des unteren Harnapparates fehlen.« Diese Erkenntnis stammt nicht etwa aus dem frühen 19. Jahrhundert, sondern aus dem Jahr 2004!
R. Ganzer et al.: Is the rhesus monkey (Macaca mulatta) comparable to humans? Hitsomorphology of the sphincteric musculature of the lower urinary tract including 3D-reconstruction. Anatomia, histologia, embryologia 2004: 33(6), 355-361
Leipzig

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