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Datenbank Tierversuche

Absurditäten aus deutschen Laboren - - Ratten in den Wechseljahren - Auf der Suche nach dem nicht vorhandenen »Tiermodell«

Ratten in den Wechseljahren - Auf der Suche nach dem nicht vorhandenen »Tiermodell«

Da Tiere die meisten menschlichen Krankheiten nicht bekommen, versucht man einige Symptome bestimmter Krankheiten irgendwie bei Tieren nachzuahmen. Dann wird versucht, die künstlichen Symptome dieses »Tiermodells« wieder wegzubekommen. Das funktioniert beim Tier manchmal, beim Menschen aber garantiert nicht, weil menschliche Patienten und künstlich krank gemachte Tiere doch irgendwie verschieden sind. Bei zahllosen Tierversuchen geht es sogar nur um den ersten Schritt, die Entwicklung der »Tiermodelle«.

In einer Arbeit aus Celle wird das Lernverhaltens von Legehennen als »Modell« für das Lernverhalten beim Menschen untersucht. Hühnerküken sind für diesen Zweck ein etabliertes »Modell« heißt es in der Arbeit. Die Autoren wollen nun ein »Modell« mit erwachsenen Hühnern etablieren. Dazu werden Hennen mit einem Elektroschock traktiert, sobald ein Tier auf ein Gitter tritt. Am nächsten Tag wird beobachtet, ob sich die Henne den Zusammenhang zwischen Gitter und Elektroschock gemerkt hat. Den Tieren werden Elektroden in das Gehirn eingepflanzt, um Gehirnströme zu messen, während das Elektroschock-Experiment wiederholt wird.
E. Tobias Krause et al.: Effects of intra-hippocampal D-AP5 injections on one trial passive avoidance learning in adult laying hens (Gallus gallus domesticus). Acta Neurobiologiae Experimentalis 2008: 68, 494-501
Celle


Es gibt zwar bereits eine große Anzahl von »Tiermodellen« für akutes Herzversagen, aber nur wenige für chronisches Herzversagen. Autoren aus Göttingen wollten diesem Defizit abhelfen. Hunde eignen sich nicht, da sie verstopfte Herzkranzgefäße nachbilden können. Daher müssen Schafe als Versuchstiere herhalten. Den Tieren werden 25.000 winzige Kügelchen aus Kunststoff, injiziert, die sich in einer Herzkranzarterie festsetzen und die Durchblutung des Herzens vermindern. Es kommt bei den Schafen zu Ödemen und Brust- und Bauchwassersucht. Schließlich werden die Tiere getötet.
J.D. Schitto et al.: Chronic heart failure induced by multiple sequential coronary microembolization in sheep. The International Journal of Artificial Organs 2008: 31 (4), 348-353
Göttingen


Dass Phytoöstrogene (Pflanzenöstrogene) z.B. aus Soja die Wechseljahresbeschwerden der Frau mildern, ist seit Jahrhunderten vor allem in Fernost, aber zunehmend auch bei uns, bekannt. Die Wirkung dieser Substanzen zur Prophylaxe von Osteoporose bei Frauen nach der Menopause ist laut eines Artikels der Uni Göttingen noch umstritten. Für jeden normal denkenden und fühlenden Mensch kämen nur Bevölkerungsstudien in Betracht, um hier verwertbare Erkenntnisse zu erzielen. Die Göttinger Experimentatoren meinen aber dieser Frage in einem »Tiermodell« nachgehen zu müssen. Ratten werden die Eierstöcke entnommen, um eine Frau nach der Menopause zu simulieren. Dann wird ein Schienbein der Ratten durchgesägt und mit einer Platte und Schrauben wieder zusammengefügt, um eine Osteoporose nachzuahmen. Gruppen von Ratten bekommen anschließend fünf Wochen lang Isoflavone aus Sojapflanzen oder Östrogene ins Futter gemischt. Dann werden die Ratten getötet, um die Knochenheilung zu beurteilen.
S. Sehmisch et al.: Effects of isoflavones equol and genistein on bone quality in a rat osteopenia model. Phytotherapy Research 2010: 24, 168-174
Göttingen


67 Ferkel werden mit Durchfallerregern infiziert. Als Begründung für das Experiment wird angegeben, dass es zwar schon jede Menge Feldstudien zum Verlauf dieser parasitären Erkrankung bei Schweinen gibt, jedoch wenige Studien zu einem experimentellen »Modell«. Diesem Defizit musste unbedingt abgeholfen werden. Das Ergebnis ist dann auch genauso banal wie das Ziel der Untersuchung: Ferkel mit Durchfall nehmen weniger an Gewicht zu als gesunde Tiere.
H.-C. Mundt et al.: Isospora suis: an experimental model for mammalian intestinal coccidiosis. Parasitology Research 2006: 98, 167-175
Leverkusen


Im Max-Planck-Institut für Immunobiologie Freiburg wird ein »Modell« für die Nickelallergie erstellt. Gentechnisch veränderten Mäusen wird eine Nickellösung erst in die Bauchhaut und elf Tage später in die Haut eines Ohres gespritzt, um eine Immunreaktion auszulösen. 24 Stunden nach der zweiten Injektion wird die Dicke des Ohres gemessen. Dann werden die Tiere getötet. Menschen, die gegen Nickelschmuck auf der Haut allergisch sind, sind weder genetisch manipuliert, noch wird bei ihnen Nickel injiziert. Wäre es nicht sinnvoller, die Mechanismen der Allergieentstehung mit ethisch unbedenklichen Methoden gleich am Menschen zu erforschen?
Marc Schmidt et al.: Crucial role for human toll-like receptor 4 in the development of contact allergy to nickel. Nature Immunology 2010: 11(9), 814-820
Freiburg

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