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Datenbank Tierversuche

Absurditäten aus deutschen Laboren - - Schafe und Kaninchen gehen nicht aufrecht – Unterschiede bei Tier und Mensch

Schafe und Kaninchen gehen nicht aufrecht – Unterschiede bei Tier und Mensch

Die Autoren wissenschaftlicher Publikationen weisen oft selbst darauf hin, dass ihre Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind. Das heißt, Tiere werden gequält und getötet, obwohl den Experimentatoren klar ist, dass die Ergebnisse wertlos sind. Erschreckenderweise folgt daraus nicht die Konsequenz, auf Tierversuche zu verzichten, sondern es wird weitergemacht wie bisher.

Sogenannte ob/ob-Mäuse, ein Zuchtstamm, bei dem durch eine Genmutation das Hormon Leptin fehlt, das für die Regulierung des Appetits zuständig ist, müssen üblicherweise als »Modelle« für Diabetes oder Übergewicht beim Menschen herhalten. In einer Studie aus Essen erhält eine Gruppe ob/ob-Mäuse ein reduziertes Futterangebot, eine zweite Gruppe bekommt Futter zur freien Verfügung. Die Tiere der zweiten Gruppe werden »übergewichtig«. Nach 20 Wochen werden alle Mäuse getötet, um die Knie und Hüften zu untersuchen. Das Ergebnis: Dicke Mäuse leiden durch das Gewicht, das auf den Gelenken lastet, eher unter Gelenksentzündungen, als dünne Mäuse. Die Autoren geben zu bedenken, dass »es nicht möglich ist, daraus zu schließen, dass diese Ergebnisse auch für Menschen gültig sind.« Trotzdem kündigen sie weitere Studien an.
Hansjoerg Heep et a.: Osteoarthritis of leptin-deficient ob/ob mice in response to biomechnaical loading in micro-CT. International Journal of Biological Sciences 2009, 5(3), 265-275
Essen


Eine Bandscheibendegenration tritt durch jahrzehntelange Abnutzung auf und kommt naturgemäß bei älteren Menschen vor. Die knorpeligen Zwischenwirbelscheiben werden immer dünner, ihre Elastizität nimmt durch den Verlust der Fähigkeit Wasser zu speichern, ab und sie bekommt Risse. Dieser komplexe Vorgang, der bei Menschen ein ganzes Leben dauert, wird in einer Arbeit aus der Berliner Charitè bei gesunden Kaninchen (ohne Nennung des Alters) simuliert, indem einfach ein Stück einer Bandscheibe herausgeschnitten wird. An die Stelle wird ein Stück Biomaterial gesetzt. Als Begründung für die Wahl dieses „Modells“ wird nach dem Motto „das wurde schon immer so gemacht“ auf eine Arbeit aus den 1930er Jahren verwiesen. Die Autoren bemerken, dass Kaninchen nicht aufrecht gehen und daher die Bandscheiben anderen Belastungen ausgesetzt sind. Sie kündigen weitere Studien mit größeren und aufrecht gehenden Tieren an.
Quelle: Michaela Endres et al.: Intervertebral disc regeneration after implantation of a cell-free bioresorbable implant in a rabbit disc degeneration model. Biomaterials 2010: 22, 5836-5841
Berlin


Bei einer Firma aus Erlangen werden 14 Minischweinen zwei Herzschrittmacher eingepflanzt. Mit dem einen Schrittmacher wird 20 Tage lang der Puls erhöht, um ein chronisches Herzversagen zu simulieren. Über den zweiten Schrittmacher werden Widerstandsmessungen am Herzen der Tiere vorgenommen. Fünf der 14 Minischweinchen sterben während des Versuchs an Herzkammerflimmern, die anderen werden nach dem Experiment getötet. Die Autoren merken an, dass aufgrund anatomischer Abweichungen sowie unterschiedlicher Körperhaltung beim Schwein, die Ergebnisse der Studie nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind. Des Weiteren zitieren Sie Studien, in denen implantierbare Überwachungssysteme bereits erfolgreich an Patienten mit Herzversagen getestet worden sind.
Carsten Stahl et al.: Intracardiac impedance monitors hemodynamic deterioration in a chronic heart failure pig model. Journal of Cardiovascular Electrophysiology 2007: 18, 985-990
Erlangen


An der Universitätsmedizin Charité in Berlin wird bei 48 Merinoschafen das Kreuzband des linken Hinterbeins entfernt. Bei jeweils der Hälfte der Schafe wird es durch eine Sehne eines Hinterbeinmuskels ersetzt, bei der anderen Hälfte mit einem körperfremden Transplantat, der Sehne eines anderen Schafes. Vier Schafe sterben in Folge der Operation. Nach jeweils 6, 12 und 52 Wochen wird ein Teil der Tiere getötet. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind. Durch den aufrechten Gang belasten Menschen ihre Beine anders als Schafe.
Sven U. Scheffler et al.: Fresh-frozen free-tendon allografts versus autografts in anterior cruciate ligament reconstruction: delayed remodeling and inferior mechanical function during long-term healing in sheep. The Journal of Arthroscopic and Related Surgery 2008; 24(4), 448-458
Berlin


An der Universität Hohenheim, Stuttgart, wird der Frage nachgegangen, ob Zimt vor alkoholbedingter Leberverfettung schützt. Mäusen wird vier Tage lang Zimt über das Trinkwasser zugeführt. Anschließend wird Alkohol in einer hohen, einmaligen Dosis über eine Schlundsonde in den Magen verabreicht. In vorangegangenen Experimenten hatte diese einmalige Gabe Alkohol eine massive Verfettung der Leber verursacht. Die Mäuse sind nach der Alkoholgabe zunächst apathisch, erholen sich aber innerhalb von sechs Stunden. Zwölf Stunden nach der Verabreichung werden die Tiere getötet. Die Autoren finden heraus, dass Zimt einen schützenden Effekt hat und kündigen weitere Studien an, um die Mechanismen zu studieren. Sie folgern weiterhin, dass Zimtextrakt bei der Behandlung von alkoholkranken Menschen im Frühstadium eingesetzt werden kann.
Welche Kühnheit muss ein Forscher besitzen, um aus den Ergebnissen einer derart unrealistischen Versuchsanordnung auf den Menschen zu schließen? Warum nicht gleich eine Patientenstudie?
Giridhar Kanuri et al.: Cinnamon extract protects against acute alcohol-induced liver steatosis in mice. Journal of Nutrition 2009: 139, 482-487
Stuttgart-Hohenheim


Experimentatoren aus Lübeck und Regensburg bemerken in ihrer Arbeit, dass es für eine menschliche Augenkrankheit, bei der sich Blutgefäße in der Augennetzhaut bilden und zu Blindheit führen, trotz zahlreicher Versuche kein adäquates »Tiermodell« gibt. Neue Behandlungsmethoden würden daher direkt am Menschen getestet. In der vorliegenden Studie soll ein von einem anderen Autor beschriebenes »Tiermodell« nachvollzogen werden. Dabei wird bei Kaninchen durch Injektion einer Chemikalie eine Schädigung der Augennetzhaut hervorgerufen. Außerdem wird eine Laserbehandlungsmethode getestet, die in klinischen Versuchen am menschlichen Patienten bereits im Einsatz ist. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ihr »Tiermodell« nur eingeschränkt geeignet sei, da mehr unerwünschte statt gewünschte Veränderungen am Kaninchenauge auftreten würden.
Carsten Framme et al.: Clinical evaluation of experimentally induced choroidal neovasculaization in pigmented rabbits by subretinal injection of lipid hydroperoxide and consecutive preliminary photodynamic treatment with Tookad. Ophthalmologica 2008: 222, 254-264
Lübeck


An der Universität Erlangen werden neun Minischweinen jeweils acht Zähne gezogen. Die Lücken werden mit Implantaten und Kronen versehen. Seit den 70er und 80er Jahren werden beim Menschen Zahnimplantate eingesetzt. Üblicherweise lässt man diese 5-6 Monate einheilen, bevor die Zahnprothesen aufgesetzt werden. Diese »lange Heilungsperiode wurde aber bislang nicht experimentell gesichert«. Eine kürzere Heilungsphase wurde bereits an Affen getestet. Diese Tiere haben jedoch »eine 3,3 mal höhere Knochenstoffwechselrate als Menschen«, weswegen »Vorsicht geboten ist bei der Übertragung der Ergebnisse auf die Situation beim Menschen«. Ja warum wurden diese Versuche dann überhaupt genehmigt und durchgeführt? In Erlangen versucht man es zur Abwechslung mal mit Schweinen.
Emeka Nkenke et al.: Immediate versus delayed loading of dental implants in the maxillae of minipigs. Part II: histomorphometric analysis. International Journal of Oral Maxillofacial Implants 2005: 20, 540-546
Erlangen


In einer Studie aus Rostock werden Eiterbakterien in die Blutbahn von Ferkeln gespritzt. Die Tiere erhalten eine Behandlung, z.T. mit einer Mischung aus Schweineplasma und menschlichen Blutzellen. Die Folgen der Blutvergiftung müssen die Schweine bei vollem Bewusstsein erleiden. Die Tiere einer Gruppe sterben alle innerhalb von 70 Stunden. Die anderen werden nach sieben Tagen getötet. Die Autoren geben zu bedenken, dass die Studie ihre Grenzen hat. Es handelt sich um junge, gesunde Schweine und auch das Hervorrufen einer Blutvergiftung durch die Infusion mit Bakterien entspricht nicht der klinischen Situation auf der Intensivstation. Dennoch bezeichnen die Autoren ihr Experiment als erfolgreich und rufen zu weiteren Studien auf.
Martin Sauer et al.: Extracorporeal cell therapy with granulocytes in a pig model of gram-positive sepsis. Critical Care Medicine 2009: 37(2), 606-613
Rostock

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