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Datenbank Tierversuche

Absurditäten aus deutschen Laboren - - Alkohol ist nicht gut für Kinder und Rauchen gefährdet die Gesundheit – Banalitäten der tierexperimentellen Forschung

Alkohol ist nicht gut für Kinder und Rauchen gefährdet die Gesundheit – Banalitäten der tierexperimentellen Forschung

Oftmals sind Fragestellung und Ergebnis der dokumentierten tierexperimentellen Arbeiten derart banal, dass man sich fragen muss, wie so etwas genehmigt werden konnte.

Am Hirnforschungs-Institut der Universität Bremen wird heranwachsenden Ratten einmalig oder an 20 Tagen Alkohol in die Bauchhöhle injiziert. Im Erwachsenenalter müssen die Ratten dann verschiedene Verhaltens- und Gedächtnisexperimente durchlaufen. Schließlich werden die Tiere getötet, um ihre Gehirne zu untersuchen. Das erstaunliche Ergebnis dieser Studie: Alkohol ist nicht gut für Kinder und Jugendliche.
Abgesehen von dem Leid der Tiere und davon, dass die Nachahmung der Situation beim Menschen unheimlich realistisch gelungen ist (Injektion von Alkohol in die Bauchhöhle), fragt sich der mündige Leser, ob die Steuergelder, die für eine solche Erkenntnis verbraten worden sind, nicht besser in einer sozialmedizinischen Studie mit suchtkranken Menschen aufgehoben gewesen wären.
Stephan Röskam et al.: Effects of neonatal and peripubertal ethanol treatment on various aspects of adult rat behavior and brain anatomy. International Journal of Developmental Neuroscience 2009: 27, 249-256
Bremen


In einer Doktorarbeit aus Bad Nauheim werden die Würfe von Ratten auf jeweils vier Babys reduziert, d.h. die »überschüssigen« Geschwister werden getötet. Die verbleibenden vier Babys nehmen mangels Konkurrenz mehr Nahrung zu sich. Andere Rattenbabys werden einzeln in Plastikkästen künstlich aufgezogen. Über einen permanent in die Speiseröhre gelegten Plastikschlauch wird eine Milchmischung in den Magen der Tiere gepumpt. Ergebnis der Arbeit: Ratten, die als Babys viel essen, sind auch als Erwachsene dick. Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ist in der Tat ein Problem. Aber würden hier nicht eher Bevölkerungsstudien zu sinnvollen Erkenntnissen führen?
Corinna Schölch: Untersuchungen des Leptin-Systems und des Stoffwechsels juveniler Ratten: Zwei Adipositas-Modelle. Dissertation, Veterinärmedizin, 2001
Bad Nauheim


Experimentatoren aus Aachen wollten wissen, wie sich die roten Blutkörperchen nach körperlicher Ertüchtigung verändern. Junge (10 Wochen) und alte (30 Wochen) Ratten müssen eine Stunde bei einer Geschwindigkeit von 20m/min laufen. Unmittelbar vor und nach dem Laufen wird den Tieren eine Blutprobe aus der Schwanzvene entnommen. Anstatt einige Freiwillige ein wenig Fahrrad fahren zu lassen und Blutproben zu entnehmen, müssen wieder einmal Tiere herhalten.
A. Temiz Artmann et al.: Adhesion of erythrocytes to endothelial cells after acute exercise: Differences in red blood cells from juvenile and adult rats. Physiology Research 2006: 55, 381-388
Aachen


Dass Tabakrauchen Lungenkrebs und zahllose andere Leiden hervorruft, ist nun wirklich nicht neu und dass Tierversuche zur Entwicklung von Tabakerzeugnissen in Deutschland verboten sind, auch nicht. Dennoch werden immer noch unzählige Ratten und andere Tiere in aller Welt, auch in Deutschland, in sinnlosen Rauchexperimenten gequält. In einer im Jahr 2006 publizierten Arbeit werden 116 Ratten fünfmal die Woche, jeden Tag zweimal für eine Stunde in eine Kammer gesteckt, aus der nur die Nase herausschaut. Die Nase befindet sich in einem mit Rauch gefüllten Raum. Zwischen den beiden Stunden Rauchatmung können die Tiere 30 Minuten frische Luft atmen. Die Prozedur wird je nach Gruppe 2, 7 oder 13 Wochen lang durchgeführt. Dann werden die Tiere getötet. Durchgeführt und teilfinanziert durch Philip Morris Research Laboratories GmbH, Köln.
Stephan Gebel et a..: The kinetics of transcriptomic changes induced by cigarette smoke in rat lungs reveals a specific program of defense, inflammation, and circadian clock gene expression. Toxicological Sciences 2006: 93(2), 422-431
Köln


Es ist haarsträubend, aber wahr: alles wird an Tieren getestet. Sogar Noni-Saft. Am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf werden Gruppen von je drei Ratten mit einer Schlundsonde 10-fach konzentrierter Noni-Saft einmalig in zwei verschiedenen Dosierungen in den Magen eingegeben. Zwei oder 12 Stunden später werden die Tiere getötet, um die Lebern zu untersuchen. Es werden keine erbgut- oder leberschädigenden Eigenschaften gefunden.
Ob der Saft eine heilende Wirkung hat oder womöglich sogar schädlich ist, sei dahin gestellt. Es gibt genügend Menschen die ihn freiwillig einnehmen und zwar nicht einmalig eine große Dosis, sondern kleine Mengen über einen längeren Zeitraum. Der genannte Tierversuch ist blanker Unsinn, nicht nur, weil Ratten einen anderen Stoffwechsel haben, sondern auch wegen der völlig unrealistischen Dosierung der Testsubstanz. Untersuchungen an Menschen würden hingegen zu verwertbaren Erkenntnissen führen.
Johannes Westendorf et al: Toxicological analytical investigations of Noni (Morinda citrifoloa) fruit juice. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2007: 55, 529-537
Hamburg


Um der Frage nachzugehen, ob Vitamin C vor lärmbedingten Hörschäden schützen kann, wird das Vitamin an 54 Meerschweinchen verabreicht. Anschließend werden die Tiere unter Narkose eine Stunde lang mit einem lauten Geräusch beschallt. Die Autoren finden heraus, dass Vitamin C in hoher Dosierung bei den Meerschweinchen tatsächlich einen schützenden Effekt auf das Gehör hat. Auf die Situation des Menschen übertragen, müsste ein 80 kg schwerer Mensch sieben Tage lang täglich 42 Tabletten zu je 1.000 mg Vitamin C einnehmen, bevor er in eine Disko geht. Vielleicht tut es da auch ein einfacher Ohrstöpsel.
Ulf-Rüdiger Heinrich et a.: Ascorbic acid reduces noise-induced nitric oxide production in the guinea pig ear. The Laryngoscope 2008, 118, 837-842
Mainz


In einer Studie aus Hamburg müssen junge Schweine zunächst lernen, einen Klappdeckel über einem Futtertrog mit der Schnauze hochzuheben, um an ihr Futter zu gelangen. Dann wird bei den Tieren unter Narkose ein Herzkammerflimmern ausgelöst. Bei je sieben Schweinen wird nach 5 bzw. 8 Minuten mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen. Vier Tage danach wird beobachtet, ob die Tiere den Trogdeckel noch anheben können. Dann werden die Schweine getötet. Das Ergebnis: Wenn die Wiederbelebung nach einem Herzstillstand später beginnt, sind die neurokognitiven Ausfälle größer, d.h. die Tiere können den Trogdeckel nicht so gut anheben. Für so ein Ergebnis hätte wohl auch der gesunde Menschenverstand ausgereicht.
Peter Ueblacker et al.: In vivo analysis of retroviral gene transfer to chondrocytes within collagen scaffolds for the treatment of osteochondral defects. Biomaterials 2007: 28, 4480-4487
Hamburg

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