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Sonstige

Strafanzeige gegen Tierversuchslabor Covance

Pressemitteilung
21.09.2003

500 Affen zu Tode gequält

Ärztevereinigung stellt Strafanzeige gegen Tierversuchslabor

Bei der Firma Covance in Münster wurden 500 Affen zum Teil auf besonders qualvolle Weise getötet. Die Ärzte gegen Tierversuche e.V. und die tierbefreier e.V. stellten jetzt Strafanzeige. Die Verantwortlichen der Firma haben sich nach Ansicht der Ärztevereinigung der Tiermisshandlung und der Tiertötung schuldig gemacht und damit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.

Die Umstände der Affentötung wurden erst durch die Aussage eines ehemaligen Tierpflegergehilfen aufgedeckt. Dieser hatte fünf Jahre lang im Tierversuchslabor Covance gearbeitet und berichtete jetzt über die Zustände dort. Die insgesamt etwa 1.500 Primaten, meist Javaneraffen und andere Makaken, werden größtenteils einzeln in kleinen Metallkäfigen von 80x80 cm Größe gehalten. Für etwa 500 Tiere bestand nach Aussage des Zeugen im Jahr 2000 keine Verwendung, so dass sie aus Kostengründen beseitigt werden sollten. Als Tötungsgrund wurde ein Verdacht auf Tuberkulose vorgeschoben, berichtet der Tierpflegergehilfe. Bei einem Teil der Affen erfolgte die Tötung durch Injektion eines zugelassenen Mittels. Als dieses aufgebraucht war, wurde auf andere im Labor vorhandene Wirkstoffe zurückgriffen. So wurden Affen mit Formalin getötet, einer Substanz, die für eine Tötung von Tieren völlig ungeeignet ist. Die Tiere starben unter erheblichen Schmerzen und Leiden erst nach einem lang andauernden Todeskampf.

»Auch wenn der schreckliche Tod der Tiere schon länger her und nicht mehr rückgängig zu machen ist - die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden«, fordert Dr. med. vet. Corina Gericke von den Ärzte gegen Tierversuche. »Wenn Tiere in Tierversuchen leiden und sterben ist das immer schrecklich, nicht nur aus ethischen Gründen, sondern auch, weil Tierversuche eine ungeeignete und unwissenschaftliche Forschungsmethode sind. Wenn aber uns besonders nahestehende Tiere wie Primaten auf so grausame Weise umgebracht werden, ist das ein Skandal.«

Über die Firma Covance 

Die Firma Covance in Münster ist ein Auftragslabor. Auftraggeber sind Chemie- und Pharmafirmen wie z.B. Pfizer, Merck, Hoffmann La Roche.

Bei Covance werden rund 1.500 Affen, hauptsächlich Javaner-, Rhesus- und Pinselohraffen gehalten (Quelle: Westfälische Nachrichten 21.2.02)

Zoologische Stichworte: Javaneraffen und Rhesusaffen gehören zur Gattung der Makaken (Macaca) aus der Familie der Meerkatzen. Sie kommen in Südostasien vor. Pinselohraffen gehören zur Gattung der Marmosetten (Callithrix) aus der Familie der Krallenaffen. Es sind kleine, in Südamerika beheimatete Äffchen mit büschelartigen Haaren an den Ohren.

Die Tiere werden in 80x80 cm kleinen Metallgitterkäfigen über mehrere Monate gehalten (Quelle: Münstersche Zeitung 21.2.02).

Die Javaner- und Rhesusaffen werden in China, Vietnam und auf Mauritius für die Versuche gezüchtet (Quelle: Münstersche Zeitung 21.2.02). Die Pinselohräffchen stammen aus dem Strassburger Primatenzentrum.

Jedes Jahr werden rund 1.000 Affen im Rahmen von Tierversuchen bei Covance getötet (Quelle: Münstersche Zeitung 21.2.02). Damit »verbraucht« Covance fast die Hälfte aller in Deutschland zu Versuchszwecken verwendeten Affen. Im Jahr 2001 wurden in Deutschland 2.115 Affen in Versuchen getötet (Quelle: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft).

Es werden Arzneimittel, Chemikalien und Pflanzenschutzmittel getestet. Hauptsächlich werden toxikologische Experimente durchgeführt, mit Schwerpunkt Reproduktionstoxikologie, d.h. die Testsubstanzen werden trächtigen Affen verabreicht, um missbildende oder erbgutschädigende Einflüsse feststellen.

Zwei Beispiele für bei Covance selbst (damals noch unter dem Hazleton) bzw. unter Mitarbeit des Covance-Leiters durchgeführte Versuche:

Gruppen von mehreren trächtigen Javaneraffen erhalten während der Trächtigkeit oral ein Hautmedikament (Retinoid = synthetische Vitamin-A-Säure). Die Feten werden durch Kaiserschnitt herausgeholt und auf Missbildungen untersucht. Einige von ihnen weisen Missbildungen des Kleinhirns, des Innenohrs und des Gesichtsschädels auf. Die missbildenden Eigenschaften des Medikaments sind beim Menschen längst bekannt! Affen sind offensichtlich bezüglich der missbildenden Eigenschaften von Retinoiden weniger empfindlich als der Mensch, ebenfalls eine Tatsache, die längst bekannt ist. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Ergebnisse einem früher durchgeführten Experiment ähnlich sind. (Quelle: Korte R, Hummler H, Hendrickx AG: Importance of early exposure to 13-cis retinoic acid to induce teratogenicity in the cynomolgus monkey. Teratology 47 (1), 1993, 37-45)

Aus früheren Experimenten wurde festgestellt, dass nicht trächtige Javaneraffen ein bestimmtes Antibiotikum in einer Dosis von 120 mg/kg/Tag vertragen können, ohne dass sich Nebenwirkungen zeigen. In dieser Arbeit werden zwei Tierversuche beschrieben: In dem ersten Experiment wird einer nicht genannte Anzahl trächtiger Javaneraffen 30 Tage lang das Antibiotikum in einer sehr hohen Dosis (160mg/kg/Tag) injiziert. Es kommt bei den Tieren zu schwerwiegenden Symptomen: Durchfall, Erbrechen, Gewichtsverlust, Fehlgeburten, Tod. Überlende Feten zeigen Missbildungen. In einem zweiten Experiment wird das Medikament 30 trächtigen Affen in einer niedrigeren Dosis (100mg/kg/Tag) über einen Zeitraum von einer Stunde langsam infundiert, so wie es auch bei der Behandlung menschlicher Patienten vorgesehen ist. 15 weitere Tiere dienen als Kontrolle und werden nicht behandelt. Bei einigen Affen kommt es zu Erbrechen, Würgen und Fehlgeburten. (Quelle: Cukierski MA, Wise LD, Korte R, MacDonald JS, Robertson RT, Hendrickx AG: Developmental toxicity studies of imipenem/cilastatin sodium in monkeys. Teratology 41(5), 1990, 546-7)

Covence beschäftigt 180 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 18 Millionen Euro (Quelle: Münstersche Zeitung 21.2.02).

Der Straftatbestand

Ein ehemaliger Tierpfleger der Firma Covance berichtet, wie Anfang 2000 rund 500 Javaneraffen innerhalb von einer Woche getötet worden sind. Es handelte sich um »Kontrolltiere«, die im Rahmen der Versuche nicht getötet worden waren, sondern für weitere Studien verwendet werden sollten. Zu dem Zeitpunkt gab es keine neuen Aufträge, so dass die 500 Tiere übrig waren und deswegen entsorgt werden sollten. Ein Teil der Affen wurde mit einem zugelassenen Tötungsmittel getötet. Als dieses aufgebraucht war, griff man auf Formalin zurück, eine Substanz, die zur Konservierung z.B. von Leichen verwendet wird, und zur Tötung von Tieren völlig ungeeignet ist. Die Tiere mussten erheblich leiden und Schmerzen empfinden. Ein Tuberkuloseverdacht im Bestand wurde als Vorwand für die Tötung vorgeschoben. Eine eidesstattliche Erklärung des Zeugen liegt vor.

Es liegen somit zwei Straftatbestände nach §17 Tierschutzgesetz vor:

  1. Tötung aus »nicht vernünftigem Grund«. Die Tiere wurden nicht im Rahmen eines Tierversuchs getötet, sondern, weil sie »übrig« waren. Damit liegt kein »vernünftiger Grund« vor, wie er im Tierschutzgesetz für die Tötung von Tieren verlangt wird.
  2. Zufügen von länger anhaltenden, erheblichen Leiden und Schmerzen durch Tötung mit einem dafür nicht geeigneten Mittel (Formalin).

Diese Straftatbestände können mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.  

Undercover-Recherche bei Covance dokumentiert Tiermisshandlungen

Wenige Monate nach der Strafanzeige durch Ärzte gegen Tierversuche macht die Firma Covance erneut Schlagzeilen. Einem Journalisten war es im Auftrag der britischen Organisation BUAV (jetzt CFI) gelungen, als Tierpflegerhelfer getarnt, mehrere Monate die Zustände in dem Labor filmisch festzuhalten. Die Dokumentaraufnahmen wurden im Dezember 2003 in der ZDF-Sendung »Frontal 21« vor einem Millionenpublikum ausgestrahlt. Die Reaktionen der Bevölkerung über die unglaubliche Grausamkeit mit der die Affen bei Covance behandelt wurden, waren von Entsetzen und Ablehnung geprägt. Die Aussage des Tierpflegers, auf die sich die Strafanzeige der Ärzte gegen Tierversuche stützte, schien durch die neuen Beweise bestätigt zu werden. Doch was dann folgte war eine Farce, ein Skandal, der in der bundesdeutschen Geschichte sicher seinesgleichen sucht. Justiz und Behörden (bis auf wenige Ausnahmen) und sogar die Medien beugten sich vor den wirtschaftlichen Interessen des Tierlabors, die Grundfesten unserer Demokratie, nämlich das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit, wurden ausgehebelt, Tierrechtler wurden kriminalisiert und mundtot gemacht, eine juristische Fehlentscheidung folgte der anderen. Und bei Covance bleib alles beim alten, durften die Affen - jetzt mit amtlicher Erlaubnis - weiter gequält werden.
Im Zuge der Covance-freundlichen Gerichtsentscheidungen wurde auch die Strafanzeige der Ärzte gegen Tierversuche am 11. März 2004 von der Staatsanwaltschaft Münster eingestellt. Begründung: Es seien nicht 500, sondern nur 180 Affen getötet worden, außerdem sei dies im November 1999 und nicht Anfang 2000 passiert. Ein »vernünftiger Grund« für die Tötung habe in Form eines Tuberkuloseverdachts vorgelegen.

Ärzte gegen Tierversuche legte Beschwerde ein, da es neue Erkenntnisse gab, nach denen bei der Tötungsaktion zwei Affen als »Lieblingstiere« von Mitarbeiterinnen aufgespart worden waren. Bei einem tatsächlichen Tuberkuloseverdacht hätten alle Tiere getötet werden müssen. Die Staatsanwaltschaft schenkte auch diesmal den Ausführungen von Covance Glauben und lehnte die Beschwerde am 07.05.04 ab. Angeblich gehörten die beiden in Frage stehenden Affen nicht dem Kreis der TBC-verdächtigen Tiere an. Darüber hinaus verweigerte die Staatsanwaltschaft Münster dem Anwalt der Ärzte gegen Tierversuche unter Hinweis auf angebliche »überfallartige Aktionen von Tierschützern vor Privatwohnungen einzelner Mitarbeiter der Fa. Covance« Akteneinsicht. In den Medien nannte die Staatsanwaltschaft Münster die Strafanzeige der Ärzte gegen Tierversuche gar »eine Kampagne teilweise militanter Tierschützer«. Ein derart parteiliches Verhalten einer Staatsanwaltschaft ist nicht hinnehmbar. 

Weitere Informationen

Stellungnahme zur ZDF-Sendung über die Undercover-Recherche bei Covance in der Sendung Frontal 21 am 9.12.2003 >>

Covance - der größte Affenverbraucher Deutschlands >>

 

Pressemitteilung 
26. Februar 2004

Covance-Affen dürfen weiter gequält werden

Ärztevereinigung wirft Staatsanwaltschaft Parteilichkeit vor

Die bundesweit arbeitende Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ist bestürzt über die Einstellung der Strafanzeigen gegen die Firma Covance. "Den Interessen des finanzstarken Industrieunternehmens wurde gegenüber dem Tierschutz Vorrang eingeräumt oder anders ausgedrückt, die Affen dürfen mit staatlicher Erlaubnis weiter gequält werden", heißt es von Seiten der Ärztevereinigung.

Ein Journalist hatte im Tierversuchslabor des Unternehmens unbemerkt gefilmte Aufnahmen im Dezember 2003 veröffentlicht. Die Szenen von schwer verhaltensgestörten und misshandelten Tieren hatten ein Millionen-Fernsehpublikum erschüttert. Zahlreiche Strafanzeigen von Einzelpersonen und Tierrechtsverbänden waren bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.

Für die Ärzte gegen Tierversuche ist nicht nachvollziehbar, wie trotz eindeutiger filmischer Beweise für Straftatbestände die Staatsanwaltschaft Münster das Verfahren einstellen konnte. Begründet wird die Einstellungsverfügung damit, dass Tierversuche in Deutschland erlaubt oder sogar vorgeschrieben seien. "Dass der Tierschutz seit 2002 Verfassungsrang besitzt, ist offensichtlich an der Staatsanwaltschaft vorbeigegangen", so Dr. med. vet. Corina Gericke von den Ärzten gegen Tierversuche. "Eine Auffassung wie: es sind nur Versuchstiere - sie müssen ohnehin sterben - ein bisschen mehr quälen macht nichts - darf jedoch keinesfalls akzeptiert werden."

So hält die Staatsanwaltschaft das Brechen eines Affenarms für nicht tierschutzrelevant, weil dieses nicht vorsätzlich erfolgt sei. Tierärztin Gericke: "Ob dem Tier aber durch mangelnde Versorgung des gebrochenen Arms länger anhaltende Schmerzen und Leiden zugefügt worden sind, interessierte nicht". Auch dass die Tiere nach Eingriffen unter Narkose weder tierärztlich noch pflegerisch angemessen betreut werden, sondern während der Aufwachphase ungeschützt mit Wucht gegen die Metallstäbe ihrer Käfige stürzen, wurde als nicht tierschutzrelevant gewertet. "Kein Tierarzt dürfte seine Patienten in der Aufwachphase derartig vernachlässigen und gefährden", kritisiert Gericke. "Die Nichtversorgung blutender Wunden wird mit der unzutreffenden Aussage gerechtfertigt, man könne bei Tieren keine Verbände anlegen. Jeder Tierarzt wird das Gegenteil bestätigen." Die schweren haltungsbedingten Verhaltensstörungen der Affen lässt die Staatsanwaltschaft schließlich völlig außer Acht.

Die Ärztevereinigung stellt ob einer solch einseitigen Betrachtungsweise die Kompetenz und Unabhängigkeiten der Staatsanwaltschaft Münster in Frage.

Weitere Informationen

Kampagne „Covance schließen“ >>

 

Musterbriefe Augsburg

Vorsitzender der Kommission für Haushalt- Raum- und Bau
Kanzler Alois Zimmermann
Universitätsstr. 2
86135 Augsburg
Telefon: 0821/598-5200
E-Mail: kanzler@zv.uni-augsburg.de

Sehr geehrter Herr Kanzler Zimmermann,

mit Entsetzen habe ich erfahren, dass am neuen Medizin-Campus Augsburg für 35 Millionen Euro ein Tierversuchslabor gebaut werden soll. Die Kapazität ist für 7.800 Käfige für mindestens 23.400 Mäuse ausgelegt, wobei auch andere Tiere gehalten werden können.

Während in anderen Ländern wie den Niederlanden und den USA zumindest in einigen Teilbereichen der Ausstieg aus dem Tierversuch angegangen wird, gehen in Augsburg die Uhren offensichtlich rückwärts. Dass hier das veraltete und gescheiterte System ‚Tierversuch‘ neu etabliert werden soll, ist erschütternd! Tierversuche sind nicht nur ethisch nicht zu rechtfertigen, sondern auch wissenschaftlich der falsche Weg, denn der Mensch ist nun mal keine 75kg-Ratte. Dass 95% der im Tierversuch für sicher und wirksam befundenen neuen Medikamente in der klinischen Prüfung am Menschen durchfallen, zeigt die fatale Ineffizienz dieses Systems.

Die Zukunft liegt ganz klar in den innovativen tierversuchsfreien Forschungsmethoden wie aus menschlichen Zellen generierte Mini-Organe und Multi-Organ-Chips. Solche modernen Verfahren haben Humanrelevanz, d.h. ihre Ergebnisse sind im Gegensatz zum Tierversuch auf den Menschen übertragbar. 

Ich bitte Sie eindringlich, sich dafür einzusetzen, dass das geplante Tierlabor umgewidmet wird in ein Exzellenz-Zentrum für tierversuchsfreie Forschung. Damit könnte Augsburg in Deutschland und weltweit punkten! 

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen, 

 

Vorsitzender für die Bereiche Forschung, Internationalisierung, Personalentwicklung und strategische Finanzplanung
Vizepräsident Dr. Peter Welzel
Universitätsstr. 2
86135 Augsburg
Telefon: 0821/598-5126
E-Mail: peter.welzel@praesidium.uni-augsburg.de

Sehr geehrter Herr Dr. Welzel,

mit Entsetzen habe ich erfahren, dass am neuen Medizin-Campus Augsburg für 35 Millionen Euro ein Tierversuchslabor gebaut werden soll. Die Kapazität ist für 7.800 Käfige für mindestens 23.400 Mäuse ausgelegt, wobei auch andere Tiere gehalten werden können.

Während in anderen Ländern wie den Niederlanden und den USA zumindest in einigen Teilbereichen der Ausstieg aus dem Tierversuch angegangen wird, gehen in Augsburg die Uhren offensichtlich rückwärts. Dass hier das veraltete und gescheiterte System ‚Tierversuch‘ neu etabliert werden soll, ist erschütternd! Tierversuche sind nicht nur ethisch nicht zu rechtfertigen, sondern auch wissenschaftlich der falsche Weg, denn der Mensch ist nun mal keine 75kg-Ratte. Dass 95% der im Tierversuch für sicher und wirksam befundenen neuen Medikamente in der klinischen Prüfung am Menschen durchfallen, zeigt die fatale Ineffizienz dieses Systems.

Die Zukunft liegt ganz klar in den innovativen tierversuchsfreien Forschungsmethoden wie aus menschlichen Zellen generierte Mini-Organe und Multi-Organ-Chips. Solche modernen Verfahren haben Humanrelevanz, d.h. ihre Ergebnisse sind im Gegensatz zum Tierversuch auf den Menschen übertragbar.

Ich bitte Sie eindringlich, sich dafür einzusetzen, dass das geplante Tierlabor umgewidmet wird in ein Exzellenz-Zentrum für tierversuchsfreie Forschung. Damit könnte Augsburg in Deutschland und weltweit punkten!

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen,

 

Gründungsdekanin der neuen Medizinischen Fakultät
Prof. Dr. Martina Kadmon
Stenglinstr. 2
86156 Augsburg
Telefon: 0821/598-2710
E-Mail: dekanat@med.uni-augsburg.de 

Sehr geehrte Frau Professor Kadmon,

mit Entsetzen habe ich erfahren, dass am neuen Medizin-Campus Augsburg für 35 Millionen Euro ein Tierversuchslabor gebaut werden soll. Die Kapazität ist für 7.800 Käfige für mindestens 23.400 Mäuse ausgelegt, wobei auch andere Tiere gehalten werden können.

Während in anderen Ländern wie den Niederlanden und den USA zumindest in einigen Teilbereichen der Ausstieg aus dem Tierversuch angegangen wird, gehen in Augsburg die Uhren offensichtlich rückwärts. Dass hier das veraltete und gescheiterte System ‚Tierversuch‘ neu etabliert werden soll, ist erschütternd! Tierversuche sind nicht nur ethisch nicht zu rechtfertigen, sondern auch wissenschaftlich der falsche Weg, denn der Mensch ist nun mal keine 75kg-Ratte. Dass 95% der im Tierversuch für sicher und wirksam befundenen neuen Medikamente in der klinischen Prüfung am Menschen durchfallen, zeigt die fatale Ineffizienz dieses Systems.

Die Zukunft liegt ganz klar in den innovativen tierversuchsfreien Forschungsmethoden wie aus menschlichen Zellen generierte Mini-Organe und Multi-Organ-Chips. Solche modernen Verfahren haben Humanrelevanz, d.h. ihre Ergebnisse sind im Gegensatz zum Tierversuch auf den Menschen übertragbar.

Ich bitte Sie eindringlich, sich dafür einzusetzen, dass das geplante Tierlabor umgewidmet wird in ein Exzellenz-Zentrum für tierversuchsfreie Forschung. Damit könnte Augsburg in Deutschland und weltweit punkten!

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen,

 

Kampagne

„Augsburg muss tierversuchsfrei bleiben“ >>

 

 

Musterbrief zum Pyrogentest

 

Musterbrief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zum Thema Pyrogentest:

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
11055 Berlin

E-Mail: poststelle@bmel.bund.de 

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Klöckner, 

mit Entsetzen habe ich von Ärzte gegen Tierversuche e.V. erfahren, dass in Deutschland jedes Jahr mehr als 6.000 Kaninchen im sogenannten Pyrogentest leiden und sterben und das, obwohl es seit 10 Jahren eine anerkannte tierversuchsfreie Testmethode gibt. Das ist vollkommen inakzeptabel und muss unbedingt sofort gestoppt werden! 

Hierfür werden Kaninchen für mehrere Stunden in einem kleinen Kasten fixiert, in denen sie sich nicht bewegen können, und die Testsubstanz wird in eine Ohrvene injiziert. Entwickeln sie Fieber, wird die Produktionseinheit nicht für den Verkauf freigegeben. Nach einer gewissen „Nutzungszeit“ werden die Kaninchen getötet. 

Eine tierfreie Methode, der Monozyten-Aktivierungstest (MAT), welcher mit menschlichem Blut arbeitet, wurde bereits vor 30 Jahren entwickelt und 2005 international validiert. 2010 wurde er in das Europäische Arzneibuch aufgenommen. 

Sie als zuständige Ministerin dürfen es nicht länger hinnehmen, dass, obwohl eine tierfreie Testmethode anerkannt ist, in Deutschland immer noch Tausende Kaninchen für den Pyrogentest leiden und sterben. Ich fordere Sie auf, die Genehmigungsbehörden anzuhalten, die Durchführung des Kaninchentests nicht länger zu erlauben und sich für die vollständige Streichung dieses Tierversuchs im Europäischen Arzneibuch einzusetzen! 

Mit freundlichen Grüßen

 

Kampagne

„6.000 Kaninchen retten - Pyrogentest stoppen!“ >>

COVID-19: Jetzt ist die Zeit für einen Paradigmenwechsel

Die Coronavirus-Pandemie COVID-19 ist eine wichtige Chance, die aktuelle Vorgehensweise in der medizinischen Forschung zu überdenken. Angesichts dieses viralen Tsunamis hatten Wissenschaftler keine Zeit, eine oder mehrere Tierarten zu finden, die sich als „Modell“ für die Erforschung der Krankheit im Labor wirklich eignen würden. 

Für die Behandlung der saisonalen Grippe setzen Ärzte bekannte Maßnahmen wie Impfstoffe und antivirale Medikamente ein, die die Symptome lindern und die Dauer der Krankheit verringern, um die Infektionsraten zu senken. Angesichts einer Notsituation sind aber die Forscher dazu gezwungen, neue Behandlungen direkt an Patienten zu testen. Es ist zu beachten, dass es sich nicht um ungetestete Medikamente handelt, sondern um Arzneimittel, die für andere Krankheiten verwendet werden, oder um Kombinationen von Arzneimitteln, die bereits auf dem Markt sind. 

Fehlerrate von 90% bei Tierversuchen

Der Begriff „klinische Studie“ bezeichnet die Erprobung neuer Medikamenten am Menschen. Ziel ist es, die Wirksamkeit einer Behandlung nach einer Genehmigung durch Ethikkommissionen und einer Einverständniserklärung des Patienten zu bewerten. Einer klinischen Studie gehen normalerweise mehrere „präklinische“ Schritte voraus, um die Verträglichkeit und Wirksamkeit der neuen Behandlung zu bewerten. Einer dieser Schritte ist die Durchführung von Tierversuchen. Diese regulatorische Anforderung geht auf den Nürnberger Kodex von 1947 zurück und ist bis heute die Norm in der nationalen und internationalen Gesetzgebung. Nach Angaben der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) scheitern jedoch neun von zehn Medikamente, die die erforderlichen Tierversuche erfolgreich bestanden haben, in klinischen Studien mit Menschen (aufgrund mangelhafter Wirksamkeit oder aufgrund von Nebenwirkungen, die bei Tieren nicht beobachtet wurden). Dies entspricht eine Fehlerrate von 90% oder eine Vorhersagerate von 10% der Tierversuche. 

Wissenschaftler erkennen die Unzuverlässigkeit von Tierversuchen

Interessanterweise erkennen auch die Wissenschaftler, die direkt an der Erforschung einer Behandlung oder eines Impfstoffes gegen COVID-19 beteiligt sind, dass Tierversuche unzuverlässig sind, um menschliche Reaktionen vorherzusagen. Dazu einige Zitate: Tal Zaks, medizinischer Direktor von Moderna, einem erfolgreichen Biotech-Unternehmen in den USA, erklärt: „Ich glaube nicht, dass der Nachweis in einem Tiermodell der entscheidende Schritt ist, der zu einer klinischen Studie führt“ (1). Barney Graham, Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID), ebenfalls in den USA, betont, dass die üblichen Labormäuse sich mit dem neuen Coronavirus nicht wie Menschen anstecken lassen (2). Schließlich weist Karen Maschke, Redakteurin der Zeitschrift Ethics & Human Research, darauf hin, dass Tierstudien oft schlechte Vorhersager dafür sind, was beim Menschen funktionieren wird (1). 

Natürlich ist die Herstellung eines neuen Impfstoffs nicht ohne Risiko. Das ist der Grund für den Einsatz evidenzbasierter Technologien, wie z. B. „personalisierte“ Medikamente und Impfstoffe. Ärzte und Forscher bemerken tatsächlich, dass das Infektionsrisiko durch dieses Virus nicht gleich hoch für alle Menschen ist. Warum sind Kinder zum Beispiel weit weniger anfällig als ältere Menschen? Die gesammelten klinischen Daten stellen die beste Grundlage für die Entwicklung personalisierter Behandlungen und Impfstoffe dar, die wirksamer und mit weniger Nebenwirkungen verbunden sind als herkömmliche Behandlungen. 

Eine einmalige Gelegenheit, das „Tiermodell“ loszuwerden

Dies ist eine einmalige Gelegenheit, das „Tiermodell“, ein Konzept aus dem 19. Jahrhundert, loszuwerden und unsere Anstrengungen auf die betroffene Spezies, nämlich den Menschen, zu konzentrieren. Der Versuch, eine menschliche Krankheit bei einem Tier zu reproduzieren, ist ein völliges Missverständnis der Komplexität unseres Körpers, sowie der verschiedenen komplexen Systeme unseres Organismus, wie beispielsweise des Immunsystems. Jede Tierart ist ein komplexes System und kann daher nicht als Modell für eine andere dienen. Selbst beim Menschen gibt es wichtige Unterschiede hinsichtlich der Anfälligkeit für COVID-19, z.B. zwischen Kindern und Erwachsenen oder Männern und Frauen. Anstatt mit Frettchen, Makaken oder Mäusen zu experimentieren, wäre es vernünftiger und weitaus wissenschaftlicher, die Hochleistungstechnologien des 21. Jahrhunderts zu verwenden und erweitern.

In-vitro-Tests viel relevanter als Tierversuche

Das „MIMIC“ (Modular IMmune In vitro Construct) ist ein Beispiel für ein In-vitro-Modell des menschlichen Immunsystems (3). „Die Informationen, die diese Testverfahren liefern, gehen weit über das hinaus, was man aus einer Mausstudie bekommen würde“, sagt Michael Rivard, Vizepräsident für Unternehmensentwicklung bei VaxDesign, „sowohl weil sie menschenbasiert sind, als auch weil ein Effekt über ein Spektrum von Genotypen zu beobachten ist“ (4). 

Fortgeschrittene In-vitro-Technologien (wie MIMIC, „Organe-auf-dem-Chip“ und andere) müssen eine Vorhersagerate von 85 bis 90% anstreben, um auf regulatorischer Ebene akzeptiert zu werden, während das „Tiermodell“ eine Vorhersagerate von nur 10% nach Angaben der FDA erreicht. Eine Teststrategie, die auf einer Reihe von In-vitro-Tests mit menschlichem Material basiert, wäre weitaus relevanter als Tierversuche. Jetzt ist die Zeit für einen Paradigmenwechsel in der biomedizinischen Forschung, wenn wir unsere Gesundheit angesichts neu auftretender Krankheiten des 21. Jahrhunderts bewahren wollen. Vielleicht wird die COVID-19-Pandemie dazu beitragen, einige unserer veralteten wissenschaftlichen Praktiken und überholten Vorschriften in Frage zu stellen. 

15.4.2020
Autor: Dr. med. vet. Andre Menache, Vorsitzender von Antidote Europe
Übersetzung: Dr. rer. nat. Dilyana Filipova

Quellen

(1) Boodman E. Researchers rush to test coronavirus vaccine in people without knowing how well it works in animals. STAT, 11.03.2020 
(2) Villasanta A. Coronavirus Update: Vaccine Skips Important Animal Testing Phase, Straight To Human Trials. International Business Times, 16.03.2020
(3) Higbee RG et al. An immunologic model for rapid vaccine assessment – a clinical trial in a test tube. Altern Lab Anim 2009; 37(1_suppl): 19-27
(4) VaxDesign offers an alternative to animal studies. FierceVaccines, 03.04.2008

 

Tierversuche und tierversuchsfreien Tests im Kosmetikbereich

Die Palette der für Kosmetikrohstoffe durchgeführten Verträglichkeitsprüfungen umfasst gut ein Dutzend, durchweg äußerst grausamer und schmerzhafter Tierversuche. Zahlreiche so genannte In-vitro-Tests, d.h. Prüfungen, die im Reagenzglas ablaufen, wurden bereits entwickelt.

Zwar sind Tierversuche für den Bereich Kosmetik in der EU verboten, allerdings gibt es noch sehr viele Länder (z.B. China), in denen die Testung von Kosmetika an Tieren leider nach wie vor Gang und Gäbe ist. 

Diese folgende Liste gibt einen kurzen Überblick über die heute vorhandenen Möglichkeiten. Wir Ärzte gegen Tierversuche lehnen jedoch den Einsatz von Tieren, Teilen von Ihnen (z.B. tierischen Zellen) sowie Eiern ab.

Akute und chronische Giftigkeit (Toxizität)

Zellkulturplatte

Tierversuch: Ratten oder Mäuse erhalten die Substanz per Magensonde einmalig oder über einen längeren Zeitraum eingegeben. Je nach Art und Menge des verabreichten Stoffes winden sich die Tiere stundenlang in Krämpfen, sie leiden an Durchfall, Fieber, Schüttelfrost oder Lähmungen. 

In-vitro: Mit Hilfe von menschlichen oder anderen Säuger-Zellkulturen lässt sich die Giftigkeit von kosmetischen und anderen chemischen Produkten untersuchen. Die Zellen reagieren sehr empfindlich und sterben bei Zugabe von giftigen Stoffen ab.

Es gibt auch den 3T3-Neutralrot-Test; dieser beruht auf dem Prinzip, dass Zellen einer bestimmten permanenten Mäusezelllinie, nach Zugabe einer schädigenden Substanz nicht mehr in der Lage sind, einen roten Farbstoff aufzunehmen.

Beispiele: 3T3-NRU-Test (Neutral Red Uptake Cytotoxicity Assay) 

Hautreizungstest

Hauttest am Kaninchen

Tierversuch: Die Prüfsubstanz wird Kaninchen auf die geschorene Haut aufgetragen. Wirkt die Substanz hautreizend, entstehen schmerzhafte Entzündungen.

In-vitro: Die Substanz wird an isolierter menschlicher Haut oder Zellkulturen menschlicher Hautzellen überprüft. Verschiedene Testsysteme für im Labor hergestellte, humanbasierte 3D-Hautmodelle sind im Handel erhältlich; diese weisen die physiologischen Eigenschaften der menschlichen Haut auf.

Beispiele: EpiSkin, EpiDerm

Augen-/Schleimhautreizung (Draize-Test)

Draize-Test am Kaninchen-Auge

Tierversuch: Die Testsubstanz wird Kaninchen in die Augen geträufelt. Anschließend werden die Schäden beobachtet: Je nach Art und Dosierung des Stoffes kommt es zu schmerzhaften Entzündungen und schweren Verätzungen des Auges. 

In-vitro: Beim HET-CAM-Test wird die direkt unter der Schale eines bebrüteten Hühnereis liegende Haut, die Venen und Arterien, aber keine Nerven enthält, verwendet. Die zu testende Substanz wird auf die Haut geträufelt und die Reaktion beobachtet. Eine andere Methode nutzt humane Hautzellen mit einer durchlässigen Membran als dreidimensionales Gewebekonstrukt.

Beispiele: EpiOcular™ Human Cell Construct EIT

Hautallergietest

Tierversuch: Meerschweinchen wird die Prüfsubstanz in die Haut gespritzt, um das Immunsystem der Tiere zu stimulieren. Löst die Testsubstanz bei nochmaligem Kontakt allergische Reaktionen aus, so kommt es zu schmerzhaften Hautentzündungen. 

In vitro: Es besteht die Möglichkeit, die Identifikation eines potentiellen Allergens anhand einer chemischen Reaktion zu messen (DPRA). Des Weiteren gibt es (humane) Zellkultursysteme, in denen man testen kann, ob durch die Zugabe des zu untersuchenden Stoffs ein Signalweg in den Zellen ausgelöst wird, der mit Allergiereaktionen in Zusammenhang steht.

Beispiele: DPRA (Direct Peptide Reactivity Assay), KeratinoSens Assay 

Schädigende Wirkung durch Sonnenlicht (Phototoxizität)

Tierversuch: Die Prüfung wird an Ratten oder Meerschweinchen durchgeführt und ähnelt sehr dem Hautallergietest. Der Stoff wird in die Haut gespritzt. Bei der anschließenden Bestrahlung mit UV A-Licht werden die Tiere stundenlang in enge Plastikröhren gesteckt, in denen sie sich nicht bewegen können. 

In-vitro: Der 3T3-Neutralrot-Test beruht auf dem Prinzip, dass Zellen einer bestimmten permanenten Mäusezelllinie, nach Zugabe einer schädigenden Substanz und UV-Licht Bestrahlung, nicht mehr in der Lage sind, einen roten Farbstoff aufzunehmen. 

Hautabsorptionstest (Toxikokinetik)

Tierversuch: Die Testsubstanz wird bei Ratten auf die Haut aufgetragen. Die Tiere werden isoliert in so genannten Stoffwechselkäfigen gehalten. Harn-, Kot- und evtl. auch Blutproben der Tiere werden auf Vorhandensein der Testsubstanz untersucht. 

In-vitro: Die Überprüfung kann auch an menschlichen Hautproben stattfinden. 

Frucht-/ oder keimschädigende Wirkung (Teratogenität)

Tierversuch: Die Substanz wird trächtigen Ratten oder Kaninchen verabreicht. Die Tiere werden zu verschiedenen Zeitpunkten der Trächtigkeit getötet, um zu beurteilen, ob der Stoff das Muttertier schädigt und/oder die normale Entwicklung der Früchte beeinflusst. Bei teratogenen Substanzen kommt es zu Missbildungen oder Totgeburten. 

In-vitro: Es gibt zahlreiche In-vitro-Tests, zum Beispiel mit isolierte Embryonen von Mäusen, Ratten oder Kaninchen (Embryokultur), mit unsterblichen Mäusezelllinien (Embryo-Stammzell-Test) oder mit Zellen von Mäuseembryonen (Limb Bud Micromass-Test).

Es gibt zudem den Micronucleus Test (MNT): eine Substanz kann, wenn sie die Erbinformation einer Zelle schädigt, einen „Neben-Mini-Zellkern“ bilden. Dieser kann, zusammen mit anderen Analysen, sichtbar gemacht werden und ist ein Nachweis für eine keimschädigende Wirkung der zu untersuchenden Substanz. 

Krebsauslösende Eigenschaften (Kanzerogenität)

Tierversuch: Die Prüfsubstanz wird Ratten oder Mäusen ihr ganzes Leben lang täglich z.B. mit einer Schlundsonde verabreicht. Es wird untersucht, ob die Tiere Tumore entwickeln. Der Test ist mit ungeheurem Leid verbunden. 

In-vitro: Für den so genannten Transformationstest werden Zellkulturen aus Hamsterembryonen oder Mäusezelllinien verwendet. Auch menschliche Leber- und Hautzellen eigenen sich. 

Beispiele: Bhas CTA, Three CTA 

Dipl. Biol. Julia Radzwill
Stand: 16. April 2020

Quellen:

EU Science Hub. Validated test methods [abgerufen am 24.03.2020]
Cyprotex. In vitroHCS Manual (PDF) [abgerufen am 24.03.2020]  

Weitere Infos

Kosmetik ohne Tierversuche – Orientierung im Dschungel der Listen und Siegel >>

FAQs zu Kosmetik und Tierversuchen >>

Der lange Weg zum Vermarktungsverbot von Tierqualkosmetik >>

Der lange Weg zum Vermarktungsverbot von Tierqualkosmetik

Seit 11. März 2013 dürfen an Tieren getestete Kosmetika und deren Inhaltsstoffe nicht mehr in die EU eingeführt werden. Ein historischer Sieg für uns Tierversuchsgegner, dem ein langer, steiniger Weg vorausging. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Tiere werden in zahlreichen anderen Bereichen zu Tode gequält und selbst Kosmetik-Tierversuche gehen weiter, denn sie können nach wie vor außerhalb der EU durchgeführt werden, z.B. für den chinesischen Markt.  

Kosmetik-Meldungen

  • 07.05.2018 EU-Parlament fordert weltweites Verbot von Tierversuchen für Kosmetik >>
  • 18.03.2016 Europäischer Gerichtshof: Handel mit Tierversuchskosmetika soll in der EU verboten bleiben >>
  • 07.03.2013 Tierversuchsgegner danken der Europäischen Kommission: Endgültiges Aus für Kosmetik-Tierversuche >>
  • 31.01.2013 Aus für Kosmetik-Tierversuche >>
  • 04.01.2013 Israel verbietet Tierversuche für Kosmetika
  • 18.10.2012 Übergabe von 242.000 Unterschriften >>
  • 19.04.2012 China soll auf Kosmetik-Tierversuche verzichten >>
  • 22.12.2011 Leiden für die Schönheit - EU will Verkaufsverbot für Tierversuchskosmetik aufweichen >>
  • 17.06.2011 Deutschland will Kosmetik-Tierversuche weiter erlauben
  • 14.06.2011 Überzeugungsarbeit in Brüssel >>
  • 10.05.2011 NEIN zur Tierqual-Kosmetik: Protestaktion vor dem Londoner Parlament
  • 08.03.2011 Tiere leiden weiter für Lippenstift und Make-up >>
  • 18.01.2011 Neue europaweite Kampagne: »Nein zu Tierqual-Kosmetik« >>  
  • 21.10.2010 Geltendes Verbot von Tierversuchen für Kosmetika in Gefahr >>

Das Verbot von Kosmetik-Tierversuchen - Ein Rückblick

Unser Dachverband, die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) wurde 1991 ursprünglich mit dem Ziel gegründet, Tierversuche in der Kosmetik in der EU abzuschaffen. Nach 23 Jahren war dieses Ziel endlich erreicht. Seit 11. März 2013 dürfen an Tieren getestete Kosmetika und deren Inhaltsstoffe nicht mehr in die EU eingeführt werden.

Es war ein ungeheuer langer und steiniger Weg mit vielen Rückschlägen. Die ECEAE hat all die Jahre an vorderster Front gekämpft, um Tiere davor zu bewahren, für Lippenstift und Haarspray zu leiden und zu sterben. Öffentlichkeitswirksame Kampagnen und die politische Arbeit zielten von Anfang darauf ab, nicht nur Tierversuche für Kosmetika und Rohstoffe zu verbieten, sondern auch eine Einfuhr in die EU zu verhindern. Nur so kann die Industrie wirksam gezwungen werden, einen tierversuchsfreien Weg zu gehen.


Demo gegen Kosmetik-Tierversuche
Großdemo 1991

  • 1986 – Das damals neue deutsche Tierschutzgesetz verbietet Tierversuche für dekorative Kosmetika. Diese Vorschrift verhinderte jedoch keine Tiertests in diesem Bereich. Zum einen fiel die gesamte Palette der pflegenden Kosmetika nicht darunter und zum anderen war die Abgrenzung zwischen dekorativen und pflegenden Mitteln unklar. Die Hersteller deklarierten selbst Lidschatten und Lippenstift als pflegend und konnten so das Verbot leicht umgehen.
  • 1990 – Die Europäische Koalition zur Beendigung von Kosmetik-Tierversuchen (später ECEAE) wird von den führenden Tierschutz- und Tierversuchsgegnerorganisationen mit dem Ziel gegründet, Kosmetik-Tierversuche in der EU abzuschaffen.
  • 1991 – Die ECEAE organisiert in Brüssel eine Großdemo. Das übergroße Kaninchen ‘Vanity’ geht auf Tour durch Europa, um EU-Abgeordnete davon zu überzeugen, für ein Verbot von Kosmetik-Tierversuchen zu stimmen.
  • 1992 – Ein historischer Schritt: Das EU-Parlament stimmt für das Ende der Tierversuche für Kosmetik in der EU.
  • 1993 – Der Ministerrat lehnt den Entwurf des EU-Parlaments und der EU-Kommission ab, der ein Vermarktungsverbot von an Tieren getesteten Produkten und Rohstoffen vorsieht. Der Rückschlag ist der mächtigen Kosmetikindustrie zu verdanken, die ein Verbot unbedingt verhindern will.
  • 1996 – Zusammen mit dem Body Shop und Rock-Legende Chrissie Hynde übergibt die ECEAE vier Millionen Unterschriften an die EU-Kommission.
  • 1998 – Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet Tierversuche für die Entwicklung von dekorativen und pflegenden Kosmetikprodukte sowie für ihre Rohstoffe, solange sie nicht unter das Chemikaliengesetz fallen. Dies betrifft nur etwas 10% der Inhaltsstoffe, so dass der größte Teil der Substanzen nach den Vorgaben des Chemikaliengesetzes im Tierversuch getestet werden kann.
  • 2000 – Die EU-Kommission gibt die Pläne zu einem Verkaufsverbot auf Eis und schlägt ein Verbot von Tierversuchen für Kosmetikprodukten innerhalb von zwei Jahren und für Rohstoffe drei Jahre später vor, mit der Option dieses weiter in die Zukunft verschieben zu können.
  • 2003 – Die 7. Änderungsrichtlinie der Kosmetikrichtlinie wird verabschiedet. Sie sieht ein Ende der Kosmetiktierversuche innerhalb von zehn Jahren vor.
  • 2004 - Ab 11.09.2004 gilt ein EU-weites Verbot von Tierversuchen für kosmetische Fertigprodukte sowie ein Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und -rohstoffen, wenn von der EU anerkannte 'alternative' Testmethoden vorhanden sind.
  • 2009 – Ein EU-weites Verbot von Tierversuchen für Kosmetik-Rohstoffe sowie ein EU-weites Verkaufsverbot für an Tieren getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe für die meisten der routinemäßig eingesetzten Tiertest, unabhängig davon, ob für diese bereits tierversuchsfreie Verfahren vorhanden sind oder nicht, tritt in Kraft. Drei Tiertests (Giftigkeit bei wiederholter Gabe, Reproduktions-Giftigkeit, Toxikokinetik (Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechslung und Ausscheidung einer Substanz)) dürfen weiterhin durchgeführt werden. Für sie ist ein Verbot ab 2013 vorgesehen.
  • 2010 – Die EU-Kommission will die für 2013 vorgesehene, letzte Stufe des Vermarktungsverbots um zehn Jahre verschieben.
  • 2011 – Die ECEAE startet die Kampagne ‘NEIN zu Tierqualkosmetik’, unterstützt von Promis wie Sir Paul McCartney und Morrissey.
  • 2012 - Die ECEAE übergibt knapp eine Viertel Million Unterschriften in Brüssel und führt Gespräche mit Entscheidungsträgern der EU-Kommission, des EU-Rats und der Belgischen Ratspräsidentschaft.
  • 2013 – Am 11. März tritt das Verkaufsverbot für an Tieren getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe in Kraft.

Die ECEAE übergibt 250.000 Unterschriften in Brüssel
Die ECEAE übergibt 250.000 Unterschriften in Brüssel 

Weitere Infos

Kosmetik ohne Tierversuche – Orientierung im Dschungel der Listen und Siegel >>

FAQs zu Kosmetik und Tierversuchen >>

Tierversuche und tierversuchsfreien Tests im Kosmetikbereich >>

Vielen Dank für die Teilnahme an unserer Petition!

 

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