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Tierversuche und menschliche Psyche

»Das menschliche Leben steht über dem tierischen Leben« ist eine Auffassung, die sich in der Gesellschaft in fast allen Kulturen etabliert hat. Von der grundsätzlichen Frage abgesehen, woraus sich diese Behauptung ableiten lässt, stellt sich, soweit man die genannte These einmal als gegeben voraussetzt, eine viel pragmatischere Frage: Bedeutet dieser Leitsatz, dass nur Privilegien bestehen? Nein! Er bedeutet auch und insbesondere, dass eine besonders hohe Verantwortung für die menschliche Rasse gegenüber den anderen Bewohnern der Erde besteht. Gerade durch sein Wissen über artgerechtes Leben, über Empfindungen von Schmerzen, über das Erleben von Angst und Panik, ist der Mensch gegenüber dem Tier in der Verantwortung! Denn der Mensch weiß zwischen einem lebenswerten und einem nicht lebenswerten Zustand zu unterscheiden. Somit ist er sich seines Handelns sehr bewusst, er kann die Konsequenzen seines Handelns einschätzen.

Erkennt er das Tier zwar nicht als gleichwertigen Partner auf der Erde an, zuerkennt er ihm aber den Status des Lebewesens mit Empfindungen im oben genannten Sinne, so gebietet es seine moralische und ethische Reife, eigentlich aus diesem Wissen die Folge zu ziehen, das Tier als Lebewesen zu achten, bzw. es in seinem Lebensraum zu respektieren und ihm seine von der Natur zugedachten Freiheit zu belassen.

Der Mensch aber nutzt seine hochentwickelte Intelligenz und Reife zu anderen Dingen: Er schafft Gesetze, die das Quälen von Tieren erlauben. So dürfen gemäß § 7 Tierschutzgesetz Tieren Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden, wenn es zum Vorbeugen, Erkennen oder Behandeln von Krankheiten oder sonstigen Leiden des Menschen, zur Erkennung von Umweltgefährdungen, zum Prüfen von Stoffen oder Produkten auf ihre Unbedenklichkeit oder für die Grundlagenforschung dient.

Zwar ist die gesetzliche Regelung insofern eingeschränkt, als dass Tierversuche nur durchgeführt werden dürfen, soweit sie zu einem der genannten Zwecke unerlässlich sind. Allerdings ergibt sich aus § 8, dass das vermeintlich so eindeutige Wort »unerlässlich« nichts weiter als eine leere Hülse ist. Denn danach ist es für die Beantragung eines Versuchsvorhabens ausreichend, wissenschaftlich »darzulegen«, ob die Voraussetzungen der Unerlässlichkeit vorliegen. Die Beantwortung der Frage, ob es nicht auch andere – vielleicht sogar effektivere – Möglichkeiten zur Erreichung des Studienziels gibt, wird durch diese Formulierung in die Hände des den Tierversuch Beantragenden gegeben. Welches Ergebnis diese »Darlegung« haben wird kann man sich vorstellen..... Anscheinend ist der Genehmiger nicht verpflichtet, Alternativmethoden dagegenzustellen und kann sich auf der Darlegung des Antragsstellers ausruhen.

Die Anwendung der Paragraphen 7 und 8 des Tierschutzgesetzes sind nichts anderes als legitimierte Folter! Würde ein Mensch die in diesem Gesetz erlaubten Maßnahmen an einem anderen Menschen vornehmen, so würde dies aus psychologischer Hinsicht als Psychopathie bezeichnet werden.

Wie kann die menschliche Psyche das Quälen von Tieren zu Versuchszwecken zulassen und aushalten? Wie kann der Mensch seine Liebsten »Mäuschen« nennen und zum gleichen Zeitpunkt im Versuchslabor Mäuschen quälen? Wie kann er in Filmen Tiere vermenschlichen und ihnen menschliche Stimmen geben und auf der anderen Seite sie nach dem Gesetz als »Sache« bezeichnen. Wie schafft er es, mit diesen Widersprüchen zu leben? Die menschliche Psyche bedient sich dabei in solchen Konfliktlagen bekannter Abwehrprozesse: Verdrängung, Abspaltung und Rationalisierung.

Verrückt wird es, wenn man sich die Tatsache vor Augen führt, dass der Mensch weiß oder zumindest den Zugang zu folgendem Wissen haben kann: In-vitro-Forschung ist aus ethischer und effizienter Sicht die bessere Wahl und ermöglicht eindeutig, von Tierversuchen abzulassen. Der Konflikt zwischen Ethik und wissenschaftlichem Fortschreiten ist hiermit gelöst! Wieso aber wird an der Notwendigkeit von Tierversuchen festgehalten? Profitgier? Profilierungssucht der Wissenschaftler? Das Streben nach Weiterentwicklung, Forschung sowie Profitgier sind starke menschliche Triebe, die ethische Prinzipien links liegen lassen können aber nicht müssen!!!

Was folgt nun aus diesen Gedanken zu Psyche und Gesetzen? Wissenschaftler haben die Verpflichtung, die Gesellschaft darüber aufzuklären, dass In-vitro Forschung wesentlich effektiver und sinnvoller ist. Legislative und Exekutive haben die Verpflichtung, durch Gesetzesnovellierungen den Tierversuch vollständig zu verbieten!

Dipl. Psych. Anna Steinhausen, Dr. jur. Mark Wachowsky
Köln

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