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Sonstige

Fragen & Antworten zur Europäischen Bürgerinitiative

Für ein Europa ohne Tierversuche! 

Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Save Cruelty Free Cosmetics“ fordert von der Europäischen Kommission

  • Einhaltung und Stärkung des Kosmetik-Tierversuchsverbots
  • Umgestaltung des EU-Chemikalienrechts
  • Erarbeitung eines konkreten Plans zum Ausstieg aus dem Tierversuche

 Unterschreiben für ein Europa ohne Tierversuche

Fragen und Antworten zur Europäischen Bürgerinitiative

Fragen und Antworten

1. Sind Tierversuche in der Kosmetik in der EU nicht bereits verboten?

2. Was ist eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) und was ist der Unterschied zu einer „normalen“ Unterschriftensammlung?

3. Warum ist jetzt die richtige Zeit für die EBI?

4. Wie wurde die Kampagne ins Leben gerufen?

5. Was passiert, wenn die EBI scheitert?

6. Wer ist in die EBI involviert?

7. Wie wirken sich die jüngsten Entscheidungen der ECHA-Beschwerdekammer auf tierversuchsfreie Kosmetik aus?

8. Welche Kosmetikinhaltsstoffe werden unter REACH an Tieren getestet?

9. Ist Kosmetik ohne Tierversuche sicher?

10. Was ist die Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit und welche Auswirkungen hat sie auf Tierversuche?

11. Sie fordern einen Ausstieg aus dem Tierversuch, aber braucht es nicht noch Tierversuche, zum Beispiel für die Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente?

12. Welche Kriterien muss ich erfüllen, um zur Unterzeichnung der EBI berechtigt zu sein?

13. Ich bin aus einem nicht EU-Land - kann ich unterschreiben?

14. Kann meine Unterschrift wirklich etwas bewirken?

1. Sind Tierversuche in der Kosmetik in der EU nicht bereits verboten?

Tierversuche für Kosmetikprodukte und deren Inhaltsstoffen sind in der EU seit 2009 verboten. Im März 2013 folgte ein Verkaufsverbot innerhalb der EU von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und Inhaltsstoffen. Diese Verbote – enthalten in der Kosmetikverordnung – wurden verabschiedet, um sicherzustellen, dass Tiere für die Entwicklung und Vermarktung von Kosmetika und deren Inhaltsstoffen nicht leiden und tierversuchsfreie Testmethoden zur Gewährleistung der Sicherheit eingesetzt werden.

Trotz dieser Verbote fordert die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), unterstützt von der Europäischen Kommission und der ECHA-Beschwerdekammer, weiterhin neue Tierversuche für Chemikalien, die als kosmetische Inhaltsstoffe im Rahmen der REACH-Verordnung verwendet werden. Dieses Vorgehen, das inzwischen sogar für ausschließlich in Kosmetika eingesetzte Substanzen angewendet wird, untergräbt die Verbote und widerspricht der Absicht des Gesetzgebers, nämlich, dass Tiere nicht mehr für Kosmetik leiden und sterben sollen.

Die ECHA, die EU-Kommission und die ECHA-Beschwerdekammer argumentieren, dass die Tierversuche zum Schutz der Arbeiter und unserer Umwelt erforderlich seien, da die Kosmetikverordnung nur die Verbrauchersicherheit abdecke. Mit dieser Sichtweise wird eine künstliche Kluft geschaffen zwischen Verbrauchern und Arbeitern, zudem wird die langjährige sichere Verwendung vieler dieser Inhaltsstoffe missachtet, ebenso wie die gesetzliche Verpflichtung, nach Möglichkeit tierversuchsfreie Methoden anstelle von Tierversuchen einzusetzen.

2. Was ist eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) und was ist der Unterschied zu einer „normalen“ Unterschriftensammlung?

Die meisten Unterschriftensammlungen und Online-Petitionen unseres Vereins dienen als Appelle an Politiker, um die Bürgermeinung zu verdeutlichen.

Im Unterschied dazu ist eine EBI ein Instrument, mit dem europäische Bürger die Europäische Kommission auffordern können, neue Rechtsvorschriften zu einem bestimmten Thema vorzuschlagen. Damit eine EBI von der Kommission in Erwägung gezogen werden kann, muss sie von mindestens einer Million EU-Bürgern innerhalb eines Jahres in Form von Unterschriften unterstützt werden. Im Gegensatz zu einer Petition wendet sich eine EBI direkt an die Kommission und kann zu Änderungen des EU-Rechts führen.

3. Warum ist jetzt die richtige Zeit für die EBI?

Die bahnbrechenden Tierversuchsverbote für Kosmetika – die ein Sieg für den Tierschutz waren, der auf jahrzehntelanger Kampagnenarbeit beruht – sind in Gefahr. Die Haltung der ECHA und der Europäischen Kommission, dass selbst Chemikalien, die ausschließlich als kosmetische Inhaltsstoffe verwendet werden, an Tieren getestet werden sollen, untergräbt das Verbot vollständig und widerspricht seinem Zweck und der öffentlichen Erwartung, nämlich dafür zu sorgen, dass Tiere für Kosmetik nicht mehr leiden und sterben.

Die Chemikalienbehörde ECHA verlangte im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH von einem Unternehmen, Tierversuche für zwei Substanzen durchzuführen, die ausschließlich in Kosmetika eingesetzt werden. Der Hersteller legte Beschwerde bei der ECHA-Beschwerdekammer ein. Im August 2020 entschied diese, dass das Unternehmen die Tierversuche durchführen muss. Diese Position wurde von der EU-Kommission unterstützt. Die Entscheidung der Beschwerdekammer bedeutet, dass das Kosmetik-Testverbot hinfällig ist und es für alle Kosmetikunternehmen – einschließlich der Marken, die ein tierversuchsfrei-Siegel tragen – praktisch unmöglich wird, ihre Produkte zu vermarkten, die keinen Inhaltsstoff enthalten, der nicht unter REACH getestet wurde, wird oder werden könnte. Wir müssen dringend handeln, um der EU-Kommission und der ECHA deutlich zu machen, dass Europas Bürger das Zunichtemachen des Kosmetik-Tierversuchsverbots, nicht hinnehmen werden.

Erschreckenderweise kommt hinzu, dass die kürzlich veröffentlichte Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit (CSS) der Europäischen Kommission – die eine neue langfristige Vision für die EU-Chemikalienpolitik darstellt – zu einer massiven Erhöhung der Tierversuche führen könnte. Wenn man sich weiterhin auf Tierversuche verlässt, wird das EU-Ziel einer giftfreien Umwelt keinesfalls erreicht werden. Noch dazu könnte die CSS das Tierversuchsverbot für Kosmetika weiter aushöhlen und dazu führen, dass bestehende Kosmetikinhaltsstoffe sowie neue Inhaltsstoffe noch mehr Tierversuchen unterzogen werden.

Wir müssen jetzt handeln, um das Tierversuchsverbot für Kosmetika zu erhalten und zu stärken und um die Einführung neuer Tierversuchsvorschriften für alle Chemikalien zu verhindern. Wir brauchen einen Ausstieg aus allen Tierversuchen in der EU! Mit der EBI geben wir den europäischen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, ihre Stimme zu erheben.

4. Wie wurde die Kampagne ins Leben gerufen?

Wir kämpfen seit einiger Zeit dagegen, dass das EU-Kosmetik-Tierversuchsverbot zunichtegemacht wird.

Im Dezember 2020 haben wir uns zusammen mit anderen Tierschutzgruppen und über 450 Herstellern tierversuchsfreier Kosmetik in einem gemeinsamen offenen Brief an wichtigste EU-Institutionen sowie an die Presse in ganz Europa gewandt. Ohne Erfolg.

Wir mussten mehr tun, damit Europas Entscheidungsträger die Stimmen der Bürger hören. Unsere Dachverbände, die European Coalition to End Animal Experiments und Eurogroup for Animals, sowie Cruelty Free Europe, PETA, und HSI Europe, entschlossen sich, mit einer Europäischen Bürgerinitiative ein starkes Signal zu setzen. Dazu wurden die beiden Firmen The Body Shop und Dove mit ins Boot geholt. Diese Unternehmen setzen sich seit langem gegen die verheerenden Auswirkungen von REACH auf tierversuchsfreie Produkte ein. Wir bitten alle, denen ein Europa ohne Tierversuche am Herzen liegt, alles zu tun, um die EBI zum Erfolg zu führen!

Mut macht uns, dass die EBI „End The Cage Age“ für ein Ende der Käfighaltung aller sogenannten Nutztiere erfolgreich gewesen ist. Die Initiative hatte 1,4 Mio. gültige Unterschriften gesammelt und war damit die EBI mit der dritthöchsten Anzahl Unterstützer. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides erklärte im Juni 2021, dass die EU-Kommission die Stimmen der Bürger gehört hat und dass ein Gesetz erlassen werden soll, dass die Käfighaltung von Schweinen (Sauen), Enten, Gänsen, Hühnern, Wachteln und Kaninchen ab 2027 verbietet. Ein sensationeller Erfolg, den wir mit Ihrer Hilfe auch bei Tierversuchen schaffen wollen!

5. Was passiert, wenn die EBI scheitert?

Wir setzen natürlich alles daran, dass die EBI erfolgreich wird und wir wissen, dass die Mehrheit der Menschen in Europa hinter unseren Forderungen stehen. Eine Umfrage im Jahr 2020 ergab, dass drei Viertel (74%) der Erwachsenen in den EU-Mitgliedstaaten der Meinung ist, dass Tierversuche für kosmetische Produkte und deren Inhaltsstoffe keinesfalls akzeptabel sind. Fast drei Viertel (72 %) stimmten zu, dass die EU verbindliche Ziele und Fristen für den Ausstieg aus dem Tierversuch festlegen sollte, und sieben von zehn (70 %) fanden, dass alle Tierversuche vollständig durch tierversuchsfreie Methoden ersetzt werden sollen. Wir sind daher zuversichtlich, dass wir es schaffen können und dass durch die EBI die Stimmen der EU-Bürgerinnen und Bürger laut und deutlich zu hören sein wird.

Wir sind uns jedoch bewusst, dass es nicht einfach sein wird, die erforderliche Anzahl verifizierter Unterschriften zu erreichen, insbesondere vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Beschränkungen in vielen Bereichen. Es wird auch nicht einfach sein, die Europäische Kommission dazu zu bringen, die von uns angestrebten Änderungen vorzunehmen. Dies müssen wir jedoch so gut es geht versuchen. Es wird ein langwieriger Prozess, aber wir werden nicht aufgeben, bis die EU vollständig tierversuchsfrei ist.

6. Wer ist in die EBI involviert?

Die EBI wird von einer Koalition von den Dachverbänden European Coalition to End Animal Experiments, Eurogroup for Animals, Cruelty Free Europe, PETA, und HSI Europe organisiert, und sie wird von einer Reihe von tierversuchsfreien Kosmetikfirmen unterstützt. Und natürlich von Ihnen, den europäischen Bürgerinnen und Bürgern!

7. Wie wirken sich die jüngsten Entscheidungen der ECHA-Beschwerdekammer auf tierversuchsfreie Kosmetik aus?

Die Aushöhlung des Tierversuchsverbots für Kosmetika ist mittlerweile so weitreichend, dass es für Unternehmen immer schwieriger wird, Produkte ohne die Verwendung von Inhaltsstoffen herzustellen, die nicht unter REACH an Tieren getestet wurden oder werden könnten. Das gilt selbst für Inhaltsstoffe, die seit vielen Jahren sicher in Kosmetik verwendet werden.

Unterzeichnen Sie nicht nur die EBI, sondern achten Sie bitte auch beim Einkauf auf die tierversuchsfreien Siegel.

8. Welche Inhaltsstoffe von Kosmetika unterliegen neuen Tierversuchen nach REACH?

Die Entscheidung der ECHA-Beschwerdekammer vom August 2020 betraf zwei Inhaltsstoffe, die üblicherweise als Sonnenschutzmittel verwendet werden. Jedoch geht das Problem weit darüber hinaus, denn die ECHA fordert Tierversuche auch für häufig verwendete Tenside und Konservierungsmitteln. Einige bekannte Inhaltsstoffe, die unter REACH an Tieren getestet werden, sind Propylparaben, Natriumlaurylsarcosinat und Kieselsäure. Viele weitere Kosmetik-Inhaltsstoffe werden bald betroffen sein, sollten wir keinen Erfolg haben. Diese Tests bedeuten Leid und Tod von vielen Tausend Kaninchen, Ratten und anderen Tieren. 

Neben ethischer Bedenken sind auch die Übertragbarkeit und Vorhersagbarkeit von Tierversuchen fraglich. Die Etablierung eines konkreten Ausstiegsplans aus dem Tierversuch wird auch die verstärkte Entwicklung tierversuchsfreier Methoden vorantreiben. So haben beispielsweise Kosmetikunternehmen als Reaktion auf die EU-Verbote massiv in tierversuchsfreie Methoden investiert. Viele neue tierversuchsfreie Technologien wurden infolgedessen entwickelt und werden nun weltweit zur Gewährleistung der Verbrauchersicherheit und auch in der Risikobewertung anderer Chemikalien eingesetzt. Tierversuche müssen aus wissenschaftlichen, ethischen und wirtschaftlichen Gründen abgeschafft werden, um den Weg frei zu machen für moderne, für den Menschen relevante Methoden.

9. Ist Kosmetik ohne Tierversuche sicher?

Sichere Kosmetik ohne Tierversuche ist keine neue Idee – viele Unternehmen sind seit Jahrzehnten tierversuchsfrei. 

Tatsächlich sind Kosmetika ohne Tierversuche sogar sicherer. Toxizitätstests (Giftigkeitsprüfungen) an Tieren gehen davon aus, dass die Wirkung eines Produkts oder Inhaltsstoffs auf Tiere eine Vorhersage darüber zulässt, was beim Menschen oder in der Umwelt passieren wird, aber das ist ein Trugschluss. 

Viele gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche sind nicht einmal formal validiert, was bedeutet, dass ihre wissenschaftliche Grundlage, Verlässlichkeit und Relevanz für den Menschen nicht ausreichend belegt sind. Sogar validierte Tests können unzuverlässig sein und bei Wiederholung unterschiedliche Ergebnisse liefern. 

Angesichts der biologischen Unterschiede zwischen Menschen und den üblicherweise in Toxizitätstests verwendeten Tieren, der Überdosierung von Testsubstanzen und den unnatürlichen und stressigen Bedingungen, denen die Tiere im Labor ausgesetzt sind, ist es nicht verwunderlich, dass Ergebnisse aus humanrelevanten Testsysteme Menschen besser schützen können. 

Das Verbot von Tierversuchen für die Herstellung und Vermarktung von Kosmetika führte zu einem regelrechten Boom in der Entwicklung von tierversuchsfreien Methoden zur Sicherheitsbewertung von Kosmetika und deren Inhaltsstoffen. Moderne Technologien wie dreidimensionale Gewebemodelle und fortschrittliche Computersimulationen werden heutzutage routinemäßig verwendet, um die Sicherheit von Kosmetika zu gewährleisten, ohne Tieren Leid anzutun. 

Wichtig ist auch zu erwähnen, dass viele der kosmetischen Inhaltsstoffe, für die unter REACH Tierversuche verlangt werden, schon lange sicher von Menschen verwendet werden.

 Für den seltenen Fall, dass die Sicherheit eines kosmetischen Produkts oder Inhaltsstoffs nicht mit tierversuchsfreien Methoden gewährleistet werden kann, sollten diese einfach nicht verwendet werden.

10. Was ist die Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit und welche Auswirkungen hat sie auf Tierversuche?

Mit der neuen EU-Chemikalienstrategie wollen die EU und ihre Mitgliedstaaten Innovationen unterstützen, um sicherere Produkte zu entwickeln, giftige Chemikalien einzuschränken und die Exposition der Menschen gegenüber gesundheitsschädlichen Chemikalien zu begrenzen. Allerdings könnte der Ansatz, den die Kommission und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) nun bezüglich neuer Chemikaliengesetze verfolgen, dazu führen, dass Millionen weitere Tiere in grausamen Tierversuchen leiden. So sehr wir die Ziele der Strategie unterstützen - mehr Tierversuche werden nicht dazu beitragen, Mensch und Umwelt zu schützen. 

Unsere EBI fordert die Europäische Kommission auf, die Chemikalienverordnung dahingehend umzugestalten, dass der Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt ohne Tierversuche gewährleistet wird. 

Dies bedeutet, dass die Europäische Union moderne Testsysteme ohne Tierversuche nutzen soll, anstatt auf althergebrachte, grausame und nicht übertragbare Tierversuche zu setzen. Die Chemikalienstrategie ist eine Gelegenheit, gesetzliche Regelungen zukunftsfähig zu machen, um schnelle Anpassungen an technische Fortschritte und die sofortige Übernahme bestehender und neu entwickelter tierversuchsfreier Technologien zu ermöglichen. Nicht zuletzt muss dringend in tierversuchsfreie Ansätze der nächsten Generation investiert werden, um die Charakterisierung und Regulierung von Chemikalien zu verbessern.

11. Sie fordern einen Ausstieg aus dem Tierversuch, aber braucht es nicht noch Tierversuche, zum Beispiel für die Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente? 

Elf Jahre nach der Verabschiedung der Tierversuchsrichtlinie 2010/63/EU stagnieren die Tierversuchszahlen noch immer auf hohem Niveau. Von 11,4 Millionen im Jahr 2015 sanken die Zahlen kaum merklich auf 11,2 Millionen im Jahr 2016, 10,9 Millionen im Jahr 2017 und jetzt 10,6 Millionen im Jahr 2018 (die erstmalige Einbeziehung Norwegens in diese Statistik erhöht diese Zahl auf 12,3 Millionen). 

Ein Armutszeugnis für die EU, vor allem angesichts der rasanten Entwicklung fortschrittlicher tierfreier Modelle wie Organchip und Computermodelle. Das EU-eigene Joint Research Center hat Berichte erstellt und Aktivitäten unternommen, um den Einsatz von tierversuchsfreien Modellen und Methoden in einer Reihe von Forschungsbereichen zu fördern, aber es braucht noch viel mehr Engagement von allen Beteiligten. Die EU verfügt noch über kein umfassendes politisches Programm, um den Ausstieg aus dem Tierversuch zu koordinieren und fördern, welches die bestehende EU-Gesetzgebung und die Finanzierungsinstrumente umfasst. Es bedarf dringend eines Aktionsplans um dieses Ziel in die Tat umzusetzen. Als Tierschutzvereine geben wir Tieren eine Stimme und kämpfen dafür, dass Tierleid so schnell wie möglich beendet wird.

12. Welche Kriterien muss ich erfüllen, um zur Unterzeichnung der EBI berechtigt zu sein?

Um die EBI unterzeichnen zu können, müssen Sie EU-Bürger sein und alt genug, um an den Wahlen des Europäischen Parlaments teilnehmen zu können, d.h. in Deutschland 18 Jahre alt. Da es sich um eine offizielle Unterstützung handelt und nicht um eine bloße Meinungsbekundung, müssen Geburtsdatum und Adresse angegeben. Werden. Die Angaben werden von der EU kontrolliert. Falsche und Doppel-Unterschriften werden aussortiert. 

Sollten Sie nicht als Unterzeichner der EBI in Frage kommen, können Sie trotzdem helfen, indem Sie die Initiative mit Familie und Freunden teilen - gerne auch in den sozialen Medien.

13. Ich bin aus einem nicht EU-Land - kann ich unterschreiben?

Staatsangehörige aus Nicht-EU-Ländern können die EBI nicht unterzeichnen. Doch EU-Bürger können die EBI unabhängig von ihrem Wohnort unterzeichnen. Bitte sprechen Sie EU-Bürgerinnen und Bürger, die Sie kennen, an und ermutigen Sie sie, zu unterschreiben.

14. Kann meine Unterschrift wirklich etwas bewirken?

Damit eine EBI von der EU-Kommission in Betracht gezogen werden kann, muss sie die Unterstützung von mindestens einer Million EU-Bürgern in Form verifizierter Unterschriften erhalten. Mit Ihrer Unterschrift helfen Sie also, diese Million zu erreichen. Diese EBI bietet die Möglichkeit, das Leiden von Millionen von Tieren zu beenden, die derzeit in der EU für Forschung und Tests verwendet werden. Ohne Ihre Hilfe können wir es nicht schaffen.

Unterschreiben für ein Europa ohne Tierversuche

<< Zur Kampagnen-Seite „Save Cruelty Free Cosmetics“

 

 

Plakate gegen Tierversuche

Aktion mit rund 70 Plakaten in 11 Städten im Sommer 2021

Plakate gegen Tierversuche

Mit unserer Plakataktion „Schluss mit Tierversuchen auch in …“ wollen wir aufrütteln, informieren, zum Nachdenken anregen und kurz vor der Bundestagwahl die Dringlichkeit eines Systemwechsels hin zu einer modernen tierversuchsfreien Forschung unterstreichen. 

Tierversuche laufen immer noch im Vorborgenen ab. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass vor ihrer Haustür grausame Tierversuche stattfinden. Mäuse, Ratten, Hunde, Schafe, Kaninchen leiden und sterben hinter verschlossenen Labortüren und dass obwohl die Ergebnisse nicht einmal auf den Menschen übertragbar sind. Zudem gibt es längst eine Fülle an tierversuchsfreien Forschungssystemen, die für den Menschen relevante Ergebnisse liefern. 

Es muss endlich Schluss sein mit Tierversuchen! Wir brauchen in Deutschland ein Ausstiegskonzept! 

Im Sommer 2021 plakatierten wir über insgesamt 10 Wochen nach und nach 11 Städte. Zu jeder Stadt gibt es eine Seite mit Informationen über die dort durchgeführten Tierversuche. 

Klicken Sie auf die roten Punkte auf der Deutschlandkarte, um mehr über Tierversuche in der jeweiligen Stadt zu erfahren.

 

Karte

Impressionen

Augsburg

 

Bochum 

 

Düsseldorf

 

Frankfurt am Main

 

Hamburg

 

Köln

 

Münster

 

Herz aus Stein 2021

Herz aus Stein für den schlimmsten Tierversuch

Wem gebührt das „Herz aus Stein 2021“?

Abstimmung über den schlimmsten Tierversuch des Jahres

Natürlich sind alle Tierversuche schlimm und alle Tierlabore haben diesen Negativpreis verdient! Das „Herz aus Stein“ steht für eine herzlose Forschung, bei der fühlende Lebewesen zu bloßen Messinstrumenten degradiert werden. Mit einer öffentlichen Online-Abstimmung wollen wir auf einige besonders absurde und grausame Tierversuche aufmerksam machen, die in Deutschland durchgeführt worden sind. Nominiert sind Einrichtungen aus Oldenburg, Tübingen, Gießen, Köln und Hannover mit Tierversuchen. Die Auswahl beruht auf Einträgen in unserer Tierversuchs-Datenbank und diese basieren auf Fachartikeln der Experimentatoren selbst. Für den Preis 2021 haben wir Publikationen ausgewählt, die in den letzten zwei Jahren veröffentlicht wurden. 

Der „Gewinner“

Knapp die Hälfte der über 4.236 Stimmen  (2066 Stimmen = 49 %) der Abstimmung entfiel auf die AG Neurosensorik / Animal Navigation bzw. das Forschungszentrum Neurosensorik der Carl von Ossietzky Universität für einen Versuch an Mönchsgrasmücken. Dabei werden wild gefangenen Singvögeln Löcher in den Schädel gebohrt und sie werden später getötet. Die AG Neurosensorik / Animal Navigation stand in den vergangenen Jahren mehrfach in der öffentlichen Kritik, weil dort seit Jahren invasive Tierversuche an Rotkehlchen und anderen Singvögeln gemacht werden, um den magnetischen Sinn der Tiere zu ergründen. Nun steht der Forschungsbereich erneut im unrühmlichen Fokus. 

Am 6. Juli 2021 waren wir mit einer kleinen Delegation vor Ort, um den Negativpreis zu verleihen. Erwartungsgemäß wurde die Annahme abgelehnt. Pressemitteilung >>

Herz aus Stein für die Uni Oldenburg
Die Delegation der Ärzte gegen Tierversuche mit dem Betonherz.

Die Kandidaten

  Ort  Ganz kurz Kurzbeschreibung Hintergrund

1

Forschungszentrum Neurosensorik, Universität Oldenburg

Wildgefangenen Singvögeln werden Substanzen ins Gehirn gespritzt

Wildgefangene Singvögel (Mönchsgrasmücken) in fensterlosen Räumen bei Kunstlicht gehalten; Durch ein Bohrloch im Schädel wird eine Substanz zum Markieren von Nerven injiziert; die Vögel werden in einem runden Plexiglas-Käfig magnetischen Reizen ausgesetzt. Tötung, um Gehirn zu untersuchen. mehr>>

Forschungen zum magnetischen Sinn von Zugvögeln.

2

Medizinische Klinik Innere Medizin II, Universitätsklinikum Tübingen

Schlafentzug ist nicht gut fürs Immunsystem bei Mäusen

Mäuse werden wachgehalten, indem die Einstreu unter dem Tier ausgetauscht wird, um Nestbau zu verhindern, sobald das Tier eine Schlafhaltung einnimmt. Eine Blutvergiftung wird hervorgerufen, indem nach 6 Stunden Schlaf oder Wachheit eine tödliche Dosis Bakterien in die Schwanzvene injiziert wird. Innerhalb von 3-5 Tagen sterben alle Wach-Mäuse, die Schlaf-Mäuse sind nach 5 Tagen alle tot. mehr >>

Die Auswirkung von Schlaf oder Schlafentzug bei einer tödlichen Blutvergiftung wird untersucht. Die Autoren folgern, dass bei Mäusen der Schlaf für eine voll funktionsfähige angeborene Immunantwort unerlässlich ist.

3

Institut für Tierernährung und Ernährungsphysiologie, Justus-Liebig-Universität Gießen

Mäuse müssen rennen bis zum Umfallen

Mäuse bekommen das Vitamin Nicotinsäure (B-Komplex) entweder in normaler Menge oder in überhöhter Dosis ins Futter. Ausdauertrainingsprogramm auf einem Laufband während eines Versuchszeitraums von 42 Tagen. Die Geschwindigkeit des Laufbands wird dabei langsam erhöht, bis zur Erschöpfung der Tiere. Als Erschöpfung gilt, wenn die Maus 2x rückwärts hinfällt. Tötung durch Enthaupten. mehr >>

Im Rahmen der Sportmedizin wird untersucht, ob das Vitamin Nicotinsäure die Ausdauerleistung von Mäusen erhöht.

4

Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, Köln

Mäuse müssen hungern, um Lebenserwartung zu untersuchen

Manche Mäuse werden normal gefüttert, andere erhalten 2 Jahre lang nur halbe Futterration. Dann Wechsel des Nahrungsangebots, d.h. die gehungerten Mäuse erhalten so viel Futter, wie sie möchten und den bisher normal gefütterten Mäusen wird die Nahrung für 4 Wochen um 40% reduziert. Die zuvor unbegrenzt gefütterten Mäuse sterben schneller, als die Gruppe Mäuse, die von Hunger auf normale Menge Futter gesetzt wurde. mehr >>

Es ist seit langem bekannt, dass chronischer Hunger die Lebenserwartung bei verschiedenen Tierarten und auch Menschen verlängert. 800 Mäuse müssen sterben, um zu untersuchen, ob dies auch der Fall ist, wenn der Hunger erst im hohen Alter einsetzt.

5

Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Hannover

Alkoholentzug bei alkoholsüchtigen Ratten

Ratten bekommen entweder nur Wasser oder Wasser und Alkohol (5, 10 oder 20%). Alle 4 Wochen Alkoholentzug für 3 Tage, um Tiere süchtig zu machen. Nach einem Jahr werden manche Tiere getötet. Süchtigen Tieren wird Alkohol entzogen, dann 8 Tage lang Hirnhormone in Bauchhöhle gespritzt, um Alkoholverlangen herabsetzen. 3 Tage vor Ende der Hormonbehandlung wieder Alkohol angeboten. Dann Tötung. mehr >>

Es wird die Wirkung von zwei Hormonen des Gehirns auf den Alkoholkonsum bei alkoholsüchtigen Ratten nach einem Alkoholentzug untersucht.

 

 Die Bilder sind Symbolfoto

 

Die Details

Kandidat 1

Mönchsgrasmücke Institut: Forschungszentrum Neurosensorik, Universität Oldenburg, Carl-von-Ossietzky-Straße 9-11, 26129 Oldenburg

Tiere: 12 Mönchsgrasmücken

Versuch:

Die Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla) werden in der Umgebung der Universität Oldenburg mit sogenannten Japannetzen gefangen. Dabei handelt es sich um speziell für den wissenschaftlichen Vogel- und Fledermausfang konstruierte Netze, die aus sehr feinem Netzwerk bestehen, welches von den Vögeln kaum wahrgenommen wird. Japannetze werden fest aufgestellt so dass sich alle Vögel darin verfangen, die zufällig hineinfliegen. Die gefangenen Mönchsgrasmücken werden in Räumen ohne Fenster mit Kunstlicht zu zweit in Käfigen gehalten. Um den Tieren eine sogenannte Tracersubstanz zu injizieren, wird der Kopf der anästhesierten Vögel in einem speziell angefertigten Apparat fixiert. Nach der Öffnung der Kopfhaut wird der neuronale Tracer, eine Markierungssubstanz, die Nerven markiert, durch ein kleines Fenster im Schädel durch Injektionen in bestimmte Regionen des Gehirns verabreicht. Das Loch im Schädel wird mit chirurgischem Kleber verklebt und die Haut zugenäht. Nach der Operation dürfen sich die Tiere 3-6 Tage erholen.

Für die eigentlichen Versuche werden einzelne Vögel in einem runden Plexiglas-Käfig in einem speziellen Gebäude untergebracht, wo sie unterschiedlichen magnetischen Reizen ausgesetzt werden. Die Vögel werden mit Infrarotkameras überwacht. Zu bestimmten Zeitpunkten werden die Tiere getötet, indem unter Narkose Formalin ins Herz injiziert wird, bis alles Blut ausgetauscht ist. Das Gehirn wird in Scheiben geschnitten und untersucht.   

Hintergrund: Forschungen zum magnetischen Sinn von Zugvögeln.

Quelle: Kobylkov D et al. A newly identified trigeminal brain pathway in a night-migratory bird could be dedicated to transmitting magnetic map information. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 2020; 287: doi:10.1098/rspb.2019.2788

Kandidat 2

Blutentnahme aus der Schwanzvene an einer MausInstitut: Medizinische Klinik Innere Medizin II, Universitätsklinikum Tübingen, Otfried-Müller-Straße 10, 72076 Tübingen

Tiere: mindestens 287 Mäuse

Versuch: 
Für die Versuche werden Mäuse zu Beginn ihrer Schlafphase 6 Stunden lang wachgehalten. Das heißt, wann immer das Tier eine Schlafhaltung einnimmt wird die Einstreu unter dem Tier weggenommen und neue hingelegt, um ein Nestbauverhalten zu verhindern. Andere Gruppen von Mäusen werden nicht gestört und können normal schlafen. Dann werden Mäuse beider Gruppen durch CO2-Erstickung getötet. Blut wird aus dem Herzen entnommen und Milz und Knochenmark untersucht.

Um die Wirkung von bestimmten Rezeptoren während des Schlafes zu analysieren, wird Gruppen von Mäusen das Gift von Keuchhustenbakterien injiziert. Diese Mäuse werden direkt nach 6 Stunden Schlafentzug oder nach Schlaf getötet. Bei anderen Gruppen von Mäusen wird eine Sepsis (Blutvergiftung) mit dem Bakterium Yersinia enterocolitica hervorgerufen. Dazu wird nach 6 Stunden Schlaf oder Wachheit eine tödliche Dosis der Bakterien in die Schwanzvene injiziert. Innerhalb von 3-5 Tagen sterben alle Wach-Mäuse, die Schlaf-Mäuse sind nach 5 Tagen alle tot.

Hintergrund: Die Auswirkung von Schlaf oder Schlafentzug bei einer tödlichen Blutvergiftung wird untersucht. Die Autoren folgern, dass der Schlaf bei Mäusen für eine voll funktionsfähige angeborene Immunantwort unerlässlich ist.

Quelle: Hahn J et al. Sleep enhances numbers and function of monocytes and improves bacterial infection outcome in mice. Brain Behavior, and Immunity 2020; 87: 329-338
 

Kandidat 3

Mäuse auf dem LaufbandInstitut: Institut für Tierernährung und Ernährungsphysiologie, Justus-Liebig-Universität Gießen, Heinrich-Buff-Ring 26-32, 35392 Gießen

Tiere: 30 Mäuse

Versuch: Die Mäuse werden in drei Gruppen eingeteilt. Gruppe 1 und 2 bekommt Nicotinsäure in normaler Menge ins Futter gemischt, Gruppe 3 in hoher Dosis. Nicotinsäure ist ein Vitamin aus dem B-Komplex und wird auch Vitamin B3 genannt. Die Tiere aus den Gruppen 2 und 3 absolvieren fünfmal pro Woche 35 Minuten pro Tag ein Ausdauertrainingsprogramm auf einem Laufband während eines Versuchszeitraums von 42 Tagen. Die Geschwindigkeit des Laufbands wird dabei langsam erhöht, bis zur Erschöpfung der Tiere. Als Erschöpfung wird angesehen, wenn die Maus zweimal rückwärts auf das Laufband fällt. Alle Mäuse werden am 43. Tag des Experiments unter Kohlendioxid-Anästhesie enthauptet, um ihre Muskeln zu untersuchen.

Hintergrund: Im Rahmen der Sportmedizin soll untersucht werden, ob das Vitamin Nicotinsäure die Ausdauerleistung von Mäuse erhöht. 

Quelle: Ringseis R et al. Nicotinic acid improves endurance performance of mice subjected to treadmill exercise. Metabolites 2020; 10: 138. doi:10.3390/metabo10040138 

Kandidat 4

Mäuse im LaborInstitut: Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, Joseph-Stelzmann-Straße 9B, 50931 Köln

Tiere: 800 Mäuse 

Versuch: Im Alter von 12 Wochen werden 400 Mäuse normal ernährt, d.h., sie bekommen so viel Futter, wie sie möchten (ad libitum). Bei 400 Mäusen wird die Futtermenge innerhalb von 4 Wochen stark reduziert. An einer Stelle heißt es, die Tiere bekommen 40%, an einer anderen 60% der Futtermenge, die die Ad-libitum-Mäuse essen. In jedem Fall leiden die Mäuse für die nächsten 2 Jahre ständigen Hunger. Hunger wird hier beschönigend als „diet restriction“, also Nahrungsbeschränkung bezeichnet.

Die hungernden Mäuse wiegen die ganzen 2 Jahre lang etwa 30 g, während die ad libitum gefütterten Mäuse durchschnittlich auf 55 g an Gewicht zunehmen. Nach 2 Jahren sind 86 Mäuse der gefütterten Gruppe und 16 Tiere der Ad-libitum-Gruppe gestorben. Mäuse werden normalerweise kaum älter als 2 Jahre. Nun erfolgt bei jeweils etwa der Hälfte der beiden Gruppen ein Wechsel des Nahrungsangebots, d.h. die gehungerten Mäuse erhalten nun so viel Futter, wie sie möchten und den bisher normal gefütterten Mäusen wird die Nahrung über die nächsten 4 Wochen um 40% reduziert. Die zuvor ad libitum gefütterten Mäuse sterben schneller, als die Gruppe Mäuse, die von Hunger auf ad libitum Futter gesetzt wurde. 2 Monate nach dem Futterwechsel werden alle überlebenden Mäuse durch Genickbruch getötet, um ihre Gewebe zu untersuchen.  

Hintergrund: Es ist seit langem bekannt, dass chronischer Hunger die Lebenserwartung bei verschiedenen Tierarten und auch Menschen verlängert. Hier soll an Mäusen untersucht werden, ob dies auch der Fall ist, wenn der Hunger erst im hohen Alter einsetzt.  

Quelle: Hahn O et al. A nutritional memory effect counteracts the benefits of dietary restriction in old mice. Nature Metabolism 2019; 1: 1059-1073

Kandidat 5

Ratte im LaborInstitut: Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover

Tiere: 90 Ratten

Versuch: 60 Ratten bekommen je drei Flaschen mit unterschiedlichem Alkoholgehalt (5, 10 und 20%) und eine Flasche mit Wasser. 30 Ratten („Kontrolltiere“) bekommen vier Flaschen mit Wasser. Die Ratten werden in 9 Gruppen mit je 10 Tieren eingeteilt – sechs Gruppen bekommen Alkohol und 3 bekommen nur Wasser. Alle vier Wochen wird der Alkohol für drei Tage entzogen, indem die Alkoholflaschen aus den Käfigen entnommen und nach 3 Tagen wieder zurückgesetzt werden. So werden die Ratten süchtig gemacht. Der Flüssigkeitsgehalt jeder Flasche wird täglich gemessen, um den Alkoholkonsum der Tiere zu bestimmen. Ein Jahr nach dem Beginn des Experiments werden 9 Ratten aus der Alkohol-Gruppe und 9 aus der Kontrollgruppe getötet. Die Tötung erfolgt, indem unter CO2-Narkose mit einer Spritze ins Herz gestochen wird, um eine Blutprobe zu entnehmen, und anschließender Köpfung. Nun wird den süchtigen Ratten der Alkohol entzogen und bei den Kontroll-Ratten werden 3 von 4 Wasserflaschen entfernt. 16 Tiere (8 Alkohol- und 8 Kontroll-Ratten) werden einen Tag danach und 18 Tiere (9+9) 6 Tage danach auf die oben beschriebene Weise getötet. Nach sechs Tagen Alkoholentzug wird den restlichen 29 Tieren täglich über 8 Tage entweder ein von zwei unterschiedlichen Hormonen des Gehirns oder eine wirkungslose Lösung in der Bauchhöhle gespritzt. Die Hormone sollen das Alkoholverlangen herabsetzen. An den letzten drei Tagen von dieser Behandlung bekommen die Tiere wieder die Alkoholflaschen. Am achten Tag werden alle 29 Tiere wie oben beschrieben getötet. Neun Tiere sterben aus unbekannten Gründen bevor das Experiment beendet ist.

Hintergrund: Es wird die Wirkung von zwei Hormonen des Gehirns auf den Alkoholkonsum bei alkoholsüchtigen Ratten nach einem Alkoholentzug untersucht.

Quelle: Müschen LH et al. Alcohol withdrawal and proopiomelanocortin neuropeptides in an animal model of alcohol dependence. Neuropsychobiology 2019; 78: 118-127

 

Weitere Infos

Negativpreis „Herz aus Stein“ - Rückblick >>

Datenbank-Tierversuche >>

Stoppt Tierversuche bei der Bundeswehr!

Tiere für militärische Zwecke zu verwenden, ist mit das Perfideste, was es gibt! 

Laut Tierschutzgesetz sind Tierversuche zur Entwicklung und Erprobung von Waffen und Munition verboten. (1) Dennoch wurden in den letzten 20 Jahren insgesamt 7.507 Tiere in internen Versuchen der Bundeswehr verwendet. 85 % waren Ratten und Mäuse, aber auch 144 Hunde, 307 Großtiere wie Schafe, Ziegen und Pferde sowie 630 Meerschweinchen wurden für militärische Versuchszwecke eingesetzt. Für weitere Forschungs- und Ausbildungsvorhaben wurden externe Einrichtungen beauftragt, auf deren Konto weitere 4.254 Tiere seit 2012 gehen.

Jedes Tierleben zählt!

Die Tierzahlen sind schockierend genug, aber was geschieht mit den Tieren? Die Versuche bei der Bundeswehr – ob intern oder durch externen Auftrag – sind zum Teil sehr grausam. Einige Beispiele: 

  • Mäusen werden schwere Hautverletzungen zugefügt
  • Bei Kaninchen werden Knorpel verletzt
  • Meerschweinchen und Ratten werden mit Nervenkampfstoffen wie Senfgas und VX vergiftet
  • Mäusen werden die Knochen gebrochen
  • Bei Schweinen wird ein Blutungsschock erzeugt 

Abgesehen von der ethischen Fragwürdigkeit, ist eine Übertragbarkeit auf die Situation beim Menschen nicht gegeben. 

Warum ist das erlaubt?

Solange keine Waffen und Munitionen entwickelt und erprobt werden, sind Tierversuche unter dem Mantel der Grundlagenforschung oder zur vorgeblichen Sicherheit von Soldaten und Zivilbevölkerung erlaubt. 

Die Zuständigkeit und das Genehmigungsprocedere sind völlig anders als bei allen anderen Tierversuchen, sie liegen beim Bundesministerium der Verteidigung bzw. bei der Bundeswehr selbst. Das heißt, die Bundeswehr überprüft und genehmigt ihre eigenen Tierversuche. 

Kampagne 2021

Von Juni bis September 2021 haben wir die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, an Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zu schreiben und zu fordern, sämtliche Tierversuche im Bereich der Bundeswehr sofort einzustellen und insbesondere zwei noch nicht begonnenen Versuchsreihen zu stoppen. Dabei sollten über 800 Mäusen schwere Verletzungen der Haut zugefügt werden, was die Bundeswehr selbst als Schweregrad „mittel bis schwer“ einstuft. In der zweiten Versuchsreihe geht es um die Testung bestimmter Immunzellen an 245 Mäusen. Leider hat das Bundesverteidigungsministerin auch auf wiederholte Anschreiben nicht reagiert. 

15. Juni 2021
Dr. med. vet. Corina Gericke

Tierversuche bei der Bundeswehr

Weitere Infos

Hintergrundinfos „Tierversuche bei der Bundeswehr“ >>

04.03.2021 Pressemitteilung: Meerschweinchen mit Nervenkampfstoffen vergiftet“ >>

Quellen

(1) Tierschutzgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006, zuletzt geändert durch Artikel 280 der Verordnung vom 19.Juni 2020 (BGBl. I S. 1328), §7a Abs. 3

(2) Antwort des Bundesministeriums der Verteidigung vom 25.2.2021 auf eine Kleine Anfrage von Abgeordneten der Bundestagsfraktion DIE LINKE; BT-Drucksache 19/26074 vom 21.01.2021 1. 

Aktionstag 2021

Ausstiegs-Konzept aus dem Tierversuch in die Wahlprogramme! 

Im Bundestagswahljahr stand am 24. April unsere Bündnis-Kampagne „Ausstieg aus dem Tierversuch. JETZT!“ im Fokus. So forderten alle Akteure von den politischen Parteien, einen Masterplan in ihre Wahlprogramme aufzunehmen. Unsere AGs und befreundete Vereine und Gruppen organisierten in 12 Städten Aktionen und trugen somit die Forderung in die Öffentlichkeit. Aktivitäten gab es: in Augsburg, Berlin, Düsseldorf, Erlangen, Frankfurt/M., Gütersloh, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, Münster, Offenburg sowie virtuell über Zoom das Theaterstück „Irre ist menschlich“. Hier ein paar Eindrücke.

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Augsburg
Tina Schüssler - die bekannte Sängerin, Kickboxerin und TV-Moderatorin - fand klare Worte in ihren Songs und machte damit die Aktion der AG Augsburg unüberseh- und hörbar.


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Berlin
Direkt vorm Brandenburger Tor positionierten wir mit Vertretern der unterstützenden Organisationen unübersehbar unsere Forderung. Das "Lithomobil" fuhr anschließend noch das große Transparent durch viele Straßen Berlins. 


 
Düsseldorf
Unsere AG Düsseldorf/Krefeld setzte auf Schweigen - ihre Aktionsform der Silent Line fand viel Beachtung. 


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Frankfurt
Unübersehbar auf der Frankfurter Zeil, was unsere AG Frankfurt/RheinMain mit Aktiv gegen Speziesismus (AgeSpe) und Animal Liberators Frankfurt - Ortsgruppe von die tierbefreier e.V. auf die Beine gestellt hatten.



Hamburg
Eindeutige Message unserer AG Hamburg an zentraler Stelle vor der SPD-Parteizentrale.




Köln
Sie waren nicht nur viele, sondern haben auch auf vielfältige Weise unsere Argumente und Forderung dargebracht: die Mitglieder unserer AG Köln.


 
Münster
Im Herzen von Münster, auf der Rothenburg, organisierte unsere AG Münster eine viel beachtete Mahnwache.

 

Organchip-Technologie könnte Entwicklungskosten von bis 700 Mio. US Dollar pro Medikament einsparen

11. März 2021

Die Studie beschreibt, wie die konsequente Anwendung der vielversprechenden Organ-auf-dem-Chip (OoC) Technologie die Kosten in der Medikamentenentwicklung um 10–26% reduzieren kann. Dies entsprächen bis zu 700 Millionen US Dollar pro Medikament. Die Autoren argumentieren, dass die OoCs bessere Vorhersagen als die üblichen Methoden zum Testen von Medikamentenkandidaten wie Tierversuche und einfache 2D-Zellmodelle machen. Laut der Studie würde die Anwendung von OoCs zu genaueren Resultaten in der präklinischen Phase der Medikamentenentwicklung führen, was die Kosten direkt und signifikant senken, die Erfolgsquote erhöhen und die Entwicklungszeiten verkürzen wird.

Pharmaunternehmen rechtfertigen die hohen Arzneimittelpreise häufig mit den Kosten für die pharmazeutische Forschung und Entwicklung (R&D), die ca. 660 Mio. – 2,76 Milliarden US Dollar pro Medikament betragen. Die Hauptkostentreiber sind die Erfolgsraten, die Entwicklungszeit und die direkten Projektkosten. Diese Kostentreiber unterscheiden sich erheblich zwischen den R&D-Phasen. Die präklinische Phase, an deren Ende die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamentenkandidaten an Tieren getestet wird, kostet viel weniger als die drauf folgenden klinischen Phasen I-III mit menschlichen Probanden und Patienten. Etwa 60–75% aller Projekte, die in den billigen nicht-menschlichen präklinischen Phasen erfolgreich sind, scheitern in der teuren Phase II und 20–30% in Phase III. Zu etwa 50% ist dies auf eine unzureichende Wirksamkeit des Medikaments und zu 15–25% auf Sicherheitsbedenken zurückzuführen. Das Versagen in der klinischen Phase wird daher als Haupttreiber der R&D-Kosten angesehen und ein Hauptgrund dafür ist die mangelhafte Vorhersagekraft von tierexperimentellen Studien und einfachen In-vitro-Modelle für die menschliche Physiologie.

Die Autoren der Studie befragten 15 Experten aus den Bereichen der OoC-Technologie und Forschung und Entwicklung, um abzuschätzen, wie sich die Anwendung von OoCs auf die R&D-Kosten in den nächsten 5 Jahren auswirken würde. Dabei wurden gefragt, welche R&D-Phasen am meisten von den OoCs beeinflusst werden können und wie sich die drei Hauptkostentreiber – Erfolgsrate, Entwicklungszeit und Projektkosten - verändern würden.

10-26% niedrigere Medikamentenentwicklungskosten

Die Experten schätzten, dass die Anwendung von OoCs die R&D-Kosten um 10–26 % in 5 Jahren reduzieren würde, was zwischen 66 – 169 bis 276 - 706 Millionen US Dollar pro Medikament bedeuten würde. Die meisten Einsparungen wären in der präklinischen Phase möglich, bei der die Experten 73% niedrigere Projektkosten, 80% höhere Erfolgsquoten und 40% niedrigere Entwicklungszeiten erwarten, die aus dem Einsatz der OoCs resultieren würden.

Die Experten schätzen, dass dank der besseren Vorhersagekraft der OoCs schnelle und bessere Entscheidungen bei der Auswahl der Medikamentenkandidaten für die teuren klinischen Studien getroffen werden können. Die meisten Vorteile werden bei der Testung der Wirksamkeit gesehen.

Regulatorische Anerkennung dringend erforderlich

Damit OoCs grundsätzliche Verbesserungen im R&D-Prozess und bei den Kosten der Medikamentenentwicklung erzielen können, müssen diese Modelle sowohl biologisch als auch technisch weiterentwickelt werden, um die menschliche Physiologie besser nachzuahmen und leicht automatisierte Analysen zu ermöglichen. Ein sehr wichtiger Aspekt ist die regulatorische Anerkennung der OoCs als zugelassene Testsysteme in der präklinischen Phase.

Fazit

Mittels breiter Anwendung von OoC statt Tierversuchen könnten die Kosten in der Medikamentenentwicklung um 10 – 26% reduziert werden, was bis zu 706 Millionen US Dollar weniger pro Medikament entspricht. Die Kostenersparnis wäre vor allem auf die stark erhöhte Vorhersagekraft der OoCs gegenüber Tierversuchen zurückzuführen, wodurch es weniger Ausfälle in den klinischen Phasen gäbe.

Dr. Dilyana Filipova

Originalartikel

Nora Franzen, Wim H. van Harten, Valesca P. Retèl, Peter Loskill, Janny van den Eijnden-van Raaij, Maarten I Jzerman: Impact of organ-on-a-chip technology on pharmaceutical R&D costs. Drug Discovery Today 2019; 24: 1720-1724