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Herz aus Stein 2017

Die Abstimmung

Die Online-Abstimmung im März 2018 ergab folgendes Ergebnis:
Insgesamt wurden 3.529 Stimmen abgegeben, die sich folgendermaßen aufteilen:
1. Nacktmulle: 1.704 = 48,3%
2. Todesrate bei Mäusen: 1.018 = 28,8%
3. Alkoholversuche: 399 = 11,3%
4. Fluglärm: 263 = 7,5%
5. Depressive Fliegen: 145 = 4,1%

Der „Gewinner“

Die Nacktmullforschung des Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch hat unseren Negativ-Preis „gewonnen“. Am 12. April 2018 waren wir zur Übergabe des „Herz aus Stein“ vor Ort. Das MDC lehnte den Preis ab. Stattdessen hat es seine Mitarbeiter mobilisiert, die mit ihren Schildern um unsere angemeldete Aktion als „Gegendemo“ herumstanden und es kam zu Diskussionen – gegen die wir keineswegs etwas einzuwenden haben.

Pressemitteilung vom 13.04.2018 >>

Fotoalbum auf Facebook >>

 

Das waren die Kandidaten 2017:

  • Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin: „Wie lange können Nacktmulle ohne Sauerstoff auskommen?“ (Versuchsbeschreibung)
  • Fakultät für Ernährungswissenschaften, Universität Jena: „Warum ist Bier bei Mäusen weniger schädlich für die Leber als Schnaps?“ (Versuchsbeschreibung)
  • Institut für Entwicklungsbiologie und Neurobiologie, Universität Mainz: „Innovative Depressionsforschung: Durch Vibrationen gestresste Fruchtfliegen“ (Versuchsbeschreibung)
  • Zentrum für Kardiologie, Universitätsmedizin, Universität Mainz: „Wie wirkt sich Fluglärm auf Mäuse aus?“ (Versuchsbeschreibung)
  • Das Innovationszentrum für Biochemie, Martinsried: „Wie hoch ist die Überlebensrate von Mäusen mit einer Blutvergiftung?“ (Versuchsbeschreibung)

Die Auswahl der Kandidaten beruht auf Einträgen in unserer Tierversuchs-Datenbank. Alle Versuche wurden 2017 in Fachzeitschriften veröffentlicht.

Trailer

Kandidat 1

Institut: Molecular Physiology of Somatic Sensation, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin

Tiere: Mindestens 57 Nacktmulle und 66 Mäuse

Hintergrund: Wie lange können Nacktmulle ohne Sauerstoff auskommen? Die Überlebensraten von Nacktmullen und Mäusen bei verschiedenen Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalten in der Luft werden untersucht. Die Autoren begründen die Wichtigkeit ihrer Forschung zum Verständnis des Fruktosestoffwechsels bei Nacktmullen mit der Perspektive, Strategien zur Behandlung von Schlaganfall und Herzinfarkt entwickeln zu können.

Versuch: Die Versuche werden am Max-Dellbrück-Center Berlin, in Chicago und Pretoria, Südafrika, durchgeführt. Es wird eine Vielzahl verschiedener Versuche jeweils mit einigen Mäusen und einigen Nacktmullen (Heterocephalus glaber) durchgeführt. Die Mäuse sind 2-4 Monate alt, die Nacktmulle 1 – 11 Jahre (sie können bis 30 Jahre alt werden).

  • Mäuse und Nacktmulle werden in einer Kammer Luft mit 5% Sauerstoff ausgesetzt (normal sind 21%). Die Mäuse sind nach 15 Minuten alle tot, während die Mulle 5 Stunden überleben.
  • Es wird 2,5%, dann 5%, dann 10% CO2 in eine Kammer eingeleitet, um das Vermeideverhalten zu beobachten. Die Mäuse meiden das CO2-Gas schon in einer Konzentration von 2,5%, die Mulle erst bei 10%. Normal sind 0,03% CO2 in der Luft.
  • Bei 80% CO2 und 20% Sauerstoff sterben die Mäuse nach wenigen Minuten, die Mulle überleben 5 Stunden.
  • Mäuse und Nacktmulle werden einer Luft mit 0% Sauerstoff ausgesetzt. Die Mäuse hören nach 45 Sekunden ohne Sauerstoff auf zu atmen. Wenn 20 Sekunden später Sauerstoff in die Kammer eingeleitet wird, erholen sich die Mäuse nicht, sondern sterben. Die Mulle verlieren ebenfalls nach 20 Sekunden das Bewusstsein, atmen aber sporadisch und der Herzschlag verlangsamt sich drastisch. Nach 10 Minuten wird der Sauerstoffgehalt auf normale 21% gesetzt, die Mulle erwachen und zeigen keinerlei Spätfolgen. 30 Minuten ohne Sauerstoff überleben die Nacktmulle jedoch nicht.
  • Mulle, die bei 0% Sauerstoff auf eine Körpertemperatur von 37°C erwärmt werden, sterben nach 6 Minuten. Bei einer normalen Körpertemperatur von 30°C überleben sie 18 Minuten.
  • Mehrere Mulle und Mäuse werden geköpft, um ihre Gehirne, Lungen und Herzen zu untersuchen.

Quelle: Thomas J. Park et al.: Fructose-driven glycolysis supports anoxia resistance in the naked mole-rat. Science 2017: 356; 307-311

Kandidat 2

Institut: Fakultät für Ernährungswissenschaften, Modellsysteme molekularer Ernährungsforschung, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Dornburger Str. 25-29, 07743 Jena

Tiere: Mindestens 48 Mäuse

Hintergrund: Aus Bevölkerungsstudien ist bekannt, dass der Konsum von Schnaps für die Leber schädlicher ist als Bier. Hier soll untersucht werden, ob Hopfens im Bier für diesen Effekt verantwortlich ist.

Versuch: Mäuse erhalten zwangsweise reinen Alkohol (Ethanol), Bier mit Hopfen, Bier ohne Hopfen (EKU Pils der Kulmbacher Brauerei AG) oder Maltodextrin (Stärkelösung). Wie den Tieren der Alkohol verabreicht wird, wird nicht erwähnt, vermutlich per Schlundsonde. Die Konzentration des reinen Alkohols, mit 6 g/kg Gewicht, liegt unterhalb einer für Mäuse tödlichen Dosis. Die Tiere sind in den nächsten Stunden träge, aber bei Bewusstsein. Zwei oder 12 Stunden später werden jeweils einige Mäuse auf nicht genannte Art getötet. Leber und Darm werden entnommen und untersucht.

Quelle: Marianne Landmann et al.: Hops (Humulus lupulus) content in beer modulates effects of beer on the liver after acute ingestion in female mice. Alcohol and Alcoholism 2017: 52(1); 48-55

Kandidat 3

Institut: Institut für Entwicklungsbiologie und Neurobiologie, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Colonel-Kleinmann-Weg 2, 55099 Mainz

Quelle: Ariane-Saskia Ries et al.: Serotonin modulates a depression-like state in Drosophila responsive to lithium treatment. Nature Communications 2017: DOI:10.1038/ncomms15738

Tiere: Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster)

Hintergrund: Es wird ein neues „Modell“ für die Depressionsforschung vorgestellt: Durch Vibrationen gestresste Fruchtfliegen.

Versuch: Jeweils männliche 3-5 Tage alte Fruchtfliegen werden einem unkontrollierbaren Stress ausgesetzt. Dazu werden jeweils 15-25 Fliegen in eine verschlossene Plastikröhre gesetzt und diese wird auf ein Vibrationsgerät gelegt. Die Vibrationen mit 300 Hz erfolgen mit kurzen, unregelmäßigen Pausen 8 Stunden täglich, 3-5 Tage pro Woche. Nach den 8 Stunden werden die Tiere in ein Röhrchen mit Futter (Maismehl) gesetzt. Kontrollgruppen werden genauso behandelt, nur dass ihr Röhrchen nicht auf den Vibrator, sondern auf einen ebenen Tisch gelegt wird.

Mit Fliegen beider Gruppen werden verschiedene Tests durchgeführt, um festzustellen, ob sie depressives Verhalten zeigen.

  • Den Fliegen werden unter Kältebetäubung (nicht näher beschrieben) die Flügel abgeschnitten. Eine Fliege wird auf einen 35 mm langen Laufsteg gesetzt, in dessen Mitte sich ein Spalt befindet. Der Laufsteg befindet sich auf einer Insel in einem Wasserbassin, so dass das Tier ihn nicht verlassen kann. Der Spalt ist mit 4,5 mm so breit, dass es für die Fliege einiger Anstrengung bedarf, ihn zu überqueren. Es wird beobachtet, wie oft die Fliege versucht, den Spalt zu überqueren. Ist sie dazu wenig motiviert, gilt das als depressives Verhalten.
  • Eine unerfahrene männliche Fliege wird mit einer weiblichen Fliege zusammengebracht. Es wird die Zeit registriert, bis das männliche Tier Interesse an der weiblichen Fliege zeigt. Wenig Interesse bedeutet depressives Verhalten.
  • Eine hungrige Fliege mit abgeschnittenen Flügeln wird auf ein Filterpapier gesetzt, das an einigen Stellen mit süßem Glycerol getränkt ist. Es wird registriert, ob die Fliege über die süßen Stellen rüberläuft oder anhält, um zu trinken. Kein Interesse an der süßen Flüssigkeit deutet auf Anhedonie hin, die Unfähigkeit, Freude zu empfinden, wie sie bei depressiven Menschen vorkommt.

Nun erhalten die Fliegen der Vibrations- und der Kontrollgruppe bekannte blau eingefärbte Antidepressiva ins Zuckerwasser gemischt. Die blaue Farbe schimmert durch den Bauch der Fliege als Beleg, dass das Medikament aufgenommen wurde. Die o.g. Tests werden wiederholt. Zeigen die Fliegen weniger depressives Verhalten, haben die Medikamente gewirkt. Schließlich werden die Fliegen auf nicht genannte Weise getötet, um ihre Gehirne zu untersuchen.

 

Kandidat 4

Institut: Kardiologie I, Zentrum für Kardiologie, Labor für Molekulare Kardiologie, Universitätsklinikum Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz

Tiere: Mindestens 104 Mäuse (wahrscheinlich sehr viel mehr)

Hintergrund: Aus epidemiologischen Studien (Bevölkerungsstudien) sowie anhand von Untersuchungen mit gesunden Freiwilligen (der gleichen Autoren) ist bekannt, dass sich Fluglärm schädigend auf das Herz-Kreislaufsystem auswirkt. Hier wird ein „Tiermodell“ entwickelt, um die an Menschen gewonnenen Ergebnisse zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen zu ergründen. Das Ergebnis: 4 Tage Fluglärm erhöht bei Mäusen tatsächlich die Stresshormone und schädigt die Blutgefäße. Die Autoren kündigen Versuche mit Straßen- und Schienenlärm an.

Versuch: Über einen Lautsprecher, der 30 cm über dem Mäusekäfig hängt, wird eine zweistündige Aufzeichnung mit dem Lärm von 69 Flugzeugen in Dauerschleife abgespielt. Die Flugzeuggeräusche von jeweils 43 Sekunde Länge sind dabei in unregelmäßigen Abständen zu hören mit ruhigen Perioden dazwischen, um eine Gewöhnung zu verhindern. Der Schallpegel beträgt im Durchschnitt 72 dB mit einem Maximum von 85 dB. Diese Lautstärke wird gewählt, weil 100 dB irreversible Schäden am Gehör von Mäusen verursachten was hier aber nicht Gegenstand der Untersuchung sein soll. Eine Gruppe Mäuse wird mit gleicher Laustärke mit „weißem Rauschen“, einem Hintergrundgeräusch, beschallt.

Einmal täglich werden die Tiere in eine enge Röhre gesteckt und eine Manschette wird um den Schwanz gelegt, um den Blutdruck zu messen. Am Tag 2 und 4 der Beschallung werden jeweils einige Mäuse getötet, indem unter Narkose der Bauch aufgeschnitten, das Zwerchfell durchstoßen und das Herz herausgeschnitten wird. Blut und Herzgewebe werden auf verschiedene Stressmessgrößen untersucht.

Quelle: Thomas Münzel et al.: Effects of noise on vascular function, oxidative stress, and inflammation: mechanistic insight from studies in mice. European Heart Journal 2017: 00; 1-12. doi: 10.1093/eurheartj/ehx081

Kandidat 5

Institut: amYmed, Innovationszentrum für Biochemie, Am Klopferspitz 19, 82152 Martinsried (jetzt: amYmed, Vinzenz-Schüpfer-Str. 20a, 81475 München)

Quelle: Reinhold P. Linke et al.: Serum amyloid A (SAA) treatment enhances the recovery of aggravated polymicrobial sepsis in mice, whereas blocking SAA's invariant peptide results in early death. Amyloid 2017: 24(51); 149-150

Tiere: Mindestens 90 Mäuse

Hintergrund: Überlebensrate von Mäusen mit Blutvergiftung und unterschiedlicher Behandlung.

Versuch: Um eine Sepsis (Blutvergiftung) zu verursachen, wird den Mäusen unter Anästhesie der Blinddarm 2x mit einer Nadel durchstochen. Dadurch gelangt Darminhalt in die Bauchhöhle, was zu einer äußerst schmerzhaften Bauchfellentzündung führt. Die Tiere werden in Gruppen aufgeteilt und mit verschiedenen Substanzen (Monoklonale Antikörper, die die Entzündungsreaktion unterdrücken sollen) behandelt. Mäuse in einer Kontrollgruppe bleiben unbehandelt. Danach wird beobachtet wie lange die Tiere brauchen, um zu sterben. Je nach Gruppe sterben bis zu 90% der Mäuse innerhalb der ersten drei Tage nach dem Durchstechen des Blinddarms. Die Tiere werden über 6 Tage beobachtet. Es ist davon auszugehen, dass die Tiere, die die Sepsis überlebt haben, nach 6 Tagen getötet werden.

Herbert Stiller Research Grant for animal-free research projects

Call for Applications

The NGO Doctors Against Animal Experiments (DAAE; Ärzte gegen Tierversuche e.V.) announces the Herbert Stiller Research Grant to support animal-free research.

The grant is awarded for excellent innovative research focussing on the investigation and therapy of human diseases. Projects are supported that significantly contribute to medical progress by employing animal-free, human-based approaches. 

The Research Grant is named after a co-founder of the DAAE, Herbert Stiller M.D. (1923-1984), doctor for neurology, psychiatry and psychotherapy. 

Application Criteria

Innovative and human-relevant projects in the medical or biomedical field can be submitted including human-based in vitro models, in silico analyses or clinical and epidemiological studies. The project should aim at a significant contribution to medical progress and to the elimination of animal experimentation (reduction and refinements projects are not accepted). Applicants should accept the abolitionist view of DAAE.

The project should not be supported by other third-party funding. All methods and consumables used within the project must be animal-free (e.g. no FCS or animal-derived antibodies). 

Researchers from Germany and the German-speaking area are invited to submit their applications in German or English (max. 10 pages) including:

  • a short CV of the applicant
  • a list of all researchers involved in the project including affiliations
  • a short abstract
  • a project description (including scientific background, project aim, preliminary work, description of all research methods, relevance for human medicine and elimination of animal experiments)
  • a reference list

The awardee will be selected by the scientific department of Doctors Against Animal Experiments. 

Please send your application (pdf format) to zietek@aerzte-gegen-tierversuche.de

Financial Support and Schedule

The funding amounts to € 20.000. The duration of the project should not exceed 2 years. A progress report has to be submitted after 1 year, and a final report has to be delivered after two years. The project plan is supposed to be presented by the awardee during a public award ceremony. At the end of the project, a summary of the study outcomes will be published on the homepage and social media channels of Doctors Against Animal Experiments.

The application deadline is June 30st 2019. 

Contact Person

Dr. Tamara Zietek
Email: zietek@aerzte-gegen-tierversuche.de 
Phone: +49 2203-90409-88

 

Herz aus Stein 2018

Natürlich sind alle Tierversuche schlimm und alle Tierlabore haben diesen Negativpreis verdient! Das „Herz aus Stein“ steht für eine herzlose Forschung, bei der fühlende Tiere zu bloßen Messinstrumenten degradiert werden. Mit der Abstimmung wollen wir einige besonders absurde und grausame Tierversuche ans Licht der Öffentlichkeit bringen.

Unser Negativpreis „Herz aus Stein 2018“ ging an das Institut für Anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung der Universität Ulm. Dort mussten Mäuse 3 Wochen lang an 5 Tagen die Woche den Rauch von bis zu 8 Zigaretten einatmen. Anschließend wurde bei ihnen – nun narkotisiert – ein Blutungsschock und eine Lungenquetschung ausgelöst, mit dem banalen Ergebnis, dass sich Rauchen negativ bei schweren Traumata auswirkt.

Pressemitteilung vom 2. April 2018 >>

Das Abstimmung

Die Auswahl von 5 Kandidaten beruht auf Einträgen in unserer Tierversuchs-Datenbank. Alle Versuche wurden 2018 in Fachzeitschriften veröffentlicht. Bei den Kandidaten handelt es sich um Institute, nicht Personen.

Bei der Online-Abstimmung vom 22.2. - 3.3.2019 wurden insgesamt 5.345 Stimmen abgegeben, die sich folgendermaßen aufteilen:

  1. Ulm (Trauma bei rauchenden Mäusen) - 2.294 (42,9%)
  2. Heidelberg (Krebstod von Mäusen) - 1.571 (29,4%)
  3. Hamburg (Stress und Asthma bei Mäusen) - 589 Stimmern (11,0%)
  4. Aachen (Hungerversuche an Ratten) - 553 Stimmen (10,3%)
  5. Erlangen (Rattenschnurhaarforschung) - 338 Stimmen (6,3%)

Das waren die Kandidaten

  Ort  Ganz kurz Kurzbeschreibung Hintergrund

1

Neuroanatomie, Uniklinik RWTH Aachen, Wendlinweg 2, 52074 Aachen

Magersucht/
Hungerversuche bei Ratten

Junge Ratten werden nur so wenig gefüttert, dass sie nach 4 Wochen nur noch die Hälfte ihres Normalgewichts wiegen. mehr

In der Studie soll ein Hungermodell bei Ratten etabliert werden, das Magersucht bei Teenagern nachbildet.

2

Institut für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Krankenhausstr. 12, 91054 Erlangen

Gehirnaktivität bei Ratten, deren Schnurrhaare bewegt werden

Magnetresonanz-Aufnahmen des Gehirns von Ratten, deren Schnurrhaare mit einem Kamm bewegt werden. mehr

Erprobung einer neuen Analyse zur Messung der Gehirnaktivität mittels Magnetresonanz bei Ratten, deren Schnurrhaare stimuliert werden.

3

Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Stress bei der Mutter erhöht das Asthmarisiko bei Kindern

Schwangere Mäuse werden 24 Stunden einem 88dB lauten Ton ausgesetzt, der zur Nagerabwehr genutzt wird und Stress bei den Mäusen verursacht. mehr

Stress während der Schwangerschaft steht im Verdacht, negative Auswirkungen auf das Kind als Folge zu haben, u.a. ein erhöhtes Asthmarisiko. Dies wird hier an Mäusen untersucht.

4

Abteilung Tumorvirologie, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Im Neuenheimer Feld 242, 69120 Heidelberg

Qualvoller Tod von Mäusen durch Knochenkrebs

Nacktmäusen werden Knochenkrebszellen (Ewing-Sarkom) unter die Haut gespritzt. Innerhalb von 36-50 Tagen nach der Tumorimplantation sterben alle Tiere oder sie werden getötet. mehr

An Nacktmäusen, denen menschliche Knochentumore (Ewing Sarkom) implantiert werden, soll die therapeutische Wirksamkeit einer Virus-Behandlung untersucht werden.

5

Institut für Anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung, Uni Ulm, Helmholtzstr. 8/1, 89081 Ulm

Rauchen ist nicht gut bei schweren Traumata

Mäusen, die zum Rauchen gezwungen werden, wird so viel Blut abgenommen, dass sie einen Blutungsschock erleiden. Durch eine auf ihren Brustkorb gerichtete explosionsartige Luftwelle wird eine Lungenquetschung ausgelöst. Die wenigen Tiere, die die Prozedur überleben, werden durch Ausbluten getötet. mehr

Ergebnis der Studie: Rauchen wirkt sich negativ bei schweren Lungenquetschungen aus.

 

 

Die Details

 

Kandidat 1

Institut: Neuroanatomie, Uniklinik RWTH Aachen, Wendlinweg 2, 52074 Aachen 

Tiere: 71 Ratten 

Hintergrund: In der Studie soll ein Hungermodell bei Ratten etabliert werden, das Magersucht bei Teenagern nachbildet. 

Versuch: Die weiblichen 4 und 8 Wochen alten Ratten werden bei Charles River Laboratories, Sulzfeld, gekauft. Die Wahl der Tiere soll weibliche Teenager in zwei verschiedenen Altersstufen, bei denen Magersucht (Anorexia nervosa) vor allem vorkommt, widerspiegeln. Im Einzelkäfig der Ratten steht ein Laufrad zur Verfügung. Daher wird das Hungern der Tiere als ABA (Aktivität-basierenden Anorexie) bezeichnet.  

Im ersten Experiment wird bei 4 Wochen alten Ratten das Futter um 40% reduziert, bis die Tiere nach 7 Tagen nur noch 25% ihres Ursprungsgewichts wiegen (akutes Hungern). Eine Gruppe wird normal gefüttert. Dann werden die Tiere auf nicht genannte Weise getötet. 

Im zweiten Experiment bei 2 Gruppen mit 4 Wochen alten Ratten wird nach der akuten Phase und einer Gewichtsreduktion von 20% bzw. 25% dieses Gewicht weitere 2 Wochen lang gehalten, indem die Tiere täglich gewogen werden und die Futtermenge angepasst wird (chronisches Hungern). Eine Kontrollgruppe wird normal gefüttert. Schließlich werden alle Tiere auf nicht genannte Weise getötet. In einer dritten Versuchsreihe wird das vorgenannte Experiment mit Ratten durchgeführt, die zu Beginn 8 Wochen alt sind.  

Die chronisch gehungerten 4 Wochen alten Ratten wiegen zu Beginn der Hungerperiode etwa 140 g und am Ende etwas über 100g. Als Heranwachsende nehmen die Kontrolltiere natürlicherweise zu und bringen zum Zeitpunkt ihrer Tötung etwa 210 g auf die Waage, während die gehungerten Ratten nur die Hälfte ihres Normalgewichts wiegen. Die 8 Wochen alten Kontrolltiere der dritten Versuchsreihe wiegen anfangs 200g und am Ende um 290g, die gehungerten Ratten etwa 150g.  

Die Autoren kündigen weitere Versuche mit längeren Hungerzeiten und mit Mäusen an.   

Quelle: Linda Frintrop et al.: Establishment of a chronic activity-based anorexia rat model. Journal of Neuroscience Methods 2018; 293(1): 191-198 

 

Kandidat 2

Institut: Institut für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Medizinische Fakultät, Krankenhausstr. 12, 91054 Erlangen

Tiere: 25 Ratten

Hintergrund: Erprobung einer neuen Analyse zur Messung des Ruhezustandes der Gehirnaktivität mittels Magnetresonanz bei Ratten, deren Schnurrhaare stimuliert werden.


Versuch:
Die Ratten werden in zwei Gruppen aufgeteilt, einer experimentellen Gruppe mit 13 Tieren (Gruppe 1) und einer Kontrollgruppe mit 12 Tieren (Gruppe 2). Unter Narkose werden den Tieren der Gruppe 1 die Schnurrhaare, bis auf diejenigen einer bestimmten Region, abgeschnitten. Danach werden alle Ratten auf einem Plexiglasgestell fixiert, an dem eine Maske mit Zahnbeißstange montiert ist. Dort kann „der Rattenkopf ohne die Notwendigkeit von Ohrschrauben befestigt werden“. Die Maske besitzt seitliche Öffnungen, damit die Schnurrhaare sich frei bewegen können. Anschließend werden die Tiere in ein Bildgebungsgerät (fMRT) gelegt. Für die Zeit der Magnet-Resonanz-Messung wird das Narkosegas reduziert. Dann werden bei den Ratten der experimentellen Gruppe die verbleibenden Schnurrhaare mittels eines Kamms stimuliert und die fMRT-Aufnahmen werden wiederholt. Das weitere Schicksal der Ratten wird nicht erwähnt.

Quelle: Silke Kreitz et al.: A new analysis of resting state connectivity and graph theory reveals distinctive short term modulations due to whisker stimulation in rats. Frontiers of Neuroscience 2018; 12 (334), doi:10.3389/fnis.2018.00334
 

Kandidat 3

Institut: Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg 

Tiere: Mäuse (Anzahl unbekannt) 

Hintergrund: Stress während der Schwangerschaft steht bei Menschen im Verdacht, negative Auswirkungen auf das Kind als Folge zu haben. Durch Beeinflussung der fetalen Lungenreifung bei Stress der Mutter wird ein erhöhtes Asthmarisiko des Kindes vermutet. Dies wird hier an Mäusen untersucht. 

Versuch: Weibliche Mäuse werden mit Männchen zusammengebracht und, wenn sie schwanger sind in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe wird an unterschiedlichen Schwangerschaftstagen für jeweils 24 Stunden einem 88dB lauten Ton mit 15 Sekunden-Interval ausgesetzt, der zur Nagerabwehr genutzt wird und Stress bei den Mäusen verursacht. Das Gerät wird direkt im Mäusekäfig platziert. Die Kontrollgruppe wird keinem Ton ausgesetzt. Ein Teil der Tiere wird am 18. Tag der Schwangerschaft durch Enthauptung unter CO2–Narkose getötet, die Feten werden entnommen, tiefgefroren und untersucht.

Bei anderen Mäusen, die den Stressoren ausgesetzt wurden oder nicht, soll Asthma beim Nachwuchs simuliert werden. Dazu wird eine allergische Entzündung in den Luftwegen der Mütter und Väter hervorgerufen, indem ein Eiweißstoff erst dreimal in Abständen in die Bauchhöhle injiziert wird und dann dreimal den Tieren in die Nase gesprüht wird. Kontrollgruppen erhalten statt des Eiweißstoffs eine Trägersubstanz. Der Nachwuchs wird auf Asthma-Symptome untersucht.

In einem weiteren Versuchsteil wird ein Lungenfunktionstest an den Mäusen durchgeführt. Narkotisierten Mäusen wird ein Medikament als Aerosol verabreicht, das einen Asthmaanfall provozieren soll. Abschließend werden die Mäuse unter Narkose einer Lungenspülung unterzogen und auf nicht genannte Weise getötet. 

Quelle: Dimitra E. Zazara et al.: Prenatal stress challenge impairs fetal lung development and asthma severity sex-specifically in mice. Journal of Reproductive Immunology 2018: 125; 100-105 

 

Kandidat 4

Institut: Tumorvirologie, Infektion, Entzündung und Krebs, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Im Neuenheimer Feld 242, 69120 Heidelberg 

Tiere: mindestens 75 Mäuse 

Hintergrund: An Mäusen, denen menschliche Knochentumore (Ewing Sarkom) implantiert werden, soll die therapeutische Wirksamkeit einer Virus-Behandlung untersucht werden. Es gibt bereits Patientenstudien und Untersuchungen mit Zellkulturen, die eine Wirksamkeit der Viren zeigen. 

Versuch: Es handelt sich um Nacktmäuse, die aufgrund einer genetischen Veränderung eingepflanzte fremde Zellen nicht abstoßen. Den Mäusen werden menschliche Zellen eines Ewing-Sarkoms unter die Haut gespritzt. Das Ewing-Sarkom ist ein bösartiger Tumor, der meist Knochen befällt und sehr schmerzhaft ist. Nach sieben Tagen ist bei allen Tieren ein Tumor angewachsen. 15 Mäusen wird eine Lösung mit dem H-1P Virus in den Tumor gespritzt, 15 weitere Mäuse werden analog mit einer Kontrolllösung behandelt. H-1PV ist ein Nagetier-Parvovirus, der menschliche Krebszellen in der Kulturschale zerstört. Klinische Studien mit Krebspatienten laufen bereits in den USA. Nach der Behandlung werden die Mäuse alle zwei bis drei Tage untersucht und die Größe der Tumoren bestimmt. Nach 11 Tagen ist die Größe der Tumoren innerhalb der Gruppen sehr unterschiedlich, so dass kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden kann.  

Innerhalb von 36 Tagen nach der Tumorimplantation sterben alle Tiere, bis auf eine Maus, die vier Monate lang „in guter Verfassung“ (Zitat) und Tumor-frei überlebt. Wie sich der Zustand der Maus im weiteren Verlauf entwickelt und was mit ihr geschieht, wird nicht erwähnt. Da in den durchgeführten Versuchen der gewünschte Effekt des Virus auf den Tumor ausbleibt, werden weitere Mäuse getestet. Zwei Gruppen werden wie oben behandelt (Injektion mit Kontrolllösung und einmalige Injektion des Virus), und es wird noch eine dritte Gruppe hinzugefügt, bei der den Tieren jeden Tag das Virus in den Tumor gespritzt wird, solange sie leben. Diesmal erliegen dem Krebsleiden innerhalb von 36 Tagen (Kontrollgruppe) oder 50 Tagen alle Mäuse bis auf zwei.

Die Arbeit wurde vom Deutschen Krebsforschungszentrum finanziert. 

Quelle: Jeannine Lacroix et al.: Preclinical testing of an oncolytic parvovirus in Ewing Sarcoma: protoparvovirus H-1 induces apoptosis and lytic infection in vitro but fails to improve survival in vivo. Viruses 2018; 10(6), doi:10.3390/v10060302 

Weitere Infos: Strafanzeige wegen illegaler Tierversuche in Heidelberg >>

 

Kandidat 5

Institut: Institut für Anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung, Helmholtzstr. 8/1, Universität Ulm, 89081 Ulm 

Quelle: Clair Hartmann at al.: In-depth characterization of the effects of cigarette smoke exposure on the acute trauma response and hemorrhage in mice. Shock 2018. Doi:10.1097/SHK.0000000000001115 

Tiere: Mindestens 42 Mäuse 

Hintergrund: Anhand von Mäusen wird herausgefunden, dass sich Zigarettenrauchen negativ bei schweren Traumata auswirkt. 

Versuch: Die männlichen Mäuse werden in vier Gruppen aufgeteilt. Ein Teil der Mäuse wird 3 Wochen an 5 Tagen die Woche Zigarettenrauch ausgesetzt. Dazu wird eine Maus in eine Box gesetzt und der Rauch einer Roth-Händle-Zigarette ohne Filter eingeleitet. Am ersten Tag werden 4 Zigaretten, am zweiten 6 und ab dem 3. Tag je 8 Zigaretten täglich verraucht. Die Verrauchung geschieht durch einen semi-automatischen Rauchgenerator und dauert pro Zigarette 15 Minuten. Nach einer Woche Erholungszeit werden die Mäuse narkotisiert. Eine einzelne explosionsartige Luftwelle wird auf den Brustkorb des Tieres gerichtet, wodurch es zu einer Quetschung der Lunge kommt. Unmittelbar danach wird die Luftröhre eingeschnitten, ein Schlauch wird zur künstlichen Beatmung eingeführt, Katheter werden in Halsvene, -arterie, Hinterbeinarterie und Harnblase eingeführt.

Nun wird ein Blutungsschock ausgelöst, indem den Tieren Blut abgesaugt wird bis zu einem bestimmten niedrigen Blutdruck. Dann wird das Blut zusammen mit Medikamenten wieder in die Blutbahn zurückgeleitet. Vier Stunden lang werden unter weiterer Narkose verschiedene Messgrößen wie Blutdruck, Lungenfunktion, Körpertemperatur, Blutgasgehalt usw. bestimmt. Diese Prozedur wird an einer Gruppe von 10 Mäusen durchgeführt. Eine Gruppe erhält Rauch und Blutung, eine Blutung und Lungenquetschung, eine nur Blutung und eine Kontrollgruppe von zwei Mäusen wird gar nicht behandelt. Insgesamt 11 Mäuse sterben während der Versuche aufgrund von Blutungen in den Brustkorb oder den Herzbeutel, unkontrollierbaren Blutungen oder technischen Problemen. Diese Tiere werden nicht in die Auswertung einbezogen. Bei den Mäusen der ersten Gruppe (Rauch + Lungenquetschung + Blutung) sterben 50% innerhalb des Beobachtungszeitraums von 4 Stunden vor allem durch Nierenversagen, bei den Mäusen der zweiten Gruppe (Rauch + Blutung) sterben 40%. Die Tiere der beiden Gruppen, die keinem Rauch ausgesetzt waren, überleben fast alle. Schließlich werden alle überlebenden Mäuse durch Ausbluten getötet.

Weitere Infos: Stellungnahme: Tiere werden zum Rauchen gezwungen - immer noch! >>

 

Weitere Infos

02.04.2019 - „Herz aus Stein 2018“ geht an Uni Ulm für Rauchversuche an Mäusen >>

27.02.2019 - „Herz aus Stein“ für den schlimmsten Tierversuch - Verein Ärzte gegen Tierversuche ruft zur Abstimmung auf >>

13.04.2018 - Das Herz aus Stein für den schlimmsten Tierversuch 2017 geht an Nacktmullforscher des Max-Delbrück-Zentrums >>

Fachleute aus Amerika setzen auf Paradigmenwechsel in der Arzneimittelentwicklung

Weg von „Tierdaten“, hin zu „Tests auf menschlicher Basis“

11.12.2018

In Deutschland hält man am veralteten und schlechten System Tierversuche fest – In Amerika fordern dagegen private und öffentliche Interessenvertreter aus Forschung, Pharmaindustrie und anderen Organisationen einen stärkeren Fokus auf tierversuchsfreie In-vitro- und In-silico-Methoden in der Medikamentenentwicklung.

Wird ein neues Medikament entwickelt, sind dafür nicht nur in Deutschland, sondern weltweit in der vorklinischen Phase häufig Tierversuche vorgeschrieben. Allerdings fallen 95 % der Medikamente, die sich in den Versuchen an Tieren als wirksam und sicher erwiesen haben, in den anschließenden Tests an Menschen durch. Denn entweder zeigen sie gar nicht die gewünschte Wirkung oder es kommt zu teilweise hochgradigen Nebenwirkungen. Deshalb steigen die Kosten in der Arzneientwicklung immer mehr an. In Amerika geht man von 2,6 Milliarden Dollar pro neu auf den Markt gebrachten Wirkstoff aus.

Dort haben sich deshalb private und öffentliche Interessenvertreter aus der Medikamentenentwicklung als Initiative zusammengeschlossen, um den Schwerpunkt von präklinischen Tests für Medikamente auf human-basierte Tests zu fordern. Bisher sind vor der Testung am Menschen im Gesetzestext „Tierdaten“, also Ergebnisse aus Tierversuchen, verlangt. Der Begriff „Tierdaten“ muss laut der Initiative in „nichtklinische Daten“ geändert werden. In einem aktuell in dem Fachjournal Drug Discovery Today erschienenen Artikel fordern die Stakeholder u.a. eine verstärkte Förderung für die Entwicklung von human-basierten Tests und Leitlinien zur Gewinnung und Nutzung von menschlichem Gewebe, damit dieses der Forschung besser zur Verfügung steht.

„Der Status Quo der Arzneimitteltest ist in Bezug auf Zeit, Kosten und verlorene Leben tragisch verschwenderisch“, sagt Elizabeth Baker, Pharmazeutische Direktorin des US-Amerikanischen Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM). „Dieses Paper enthält durchdachte Empfehlungen, die das Potenzial haben, die Arzneimittelentwicklung erheblich zu verbessern und Leben zu retten.“

Diese Empfehlungen sind zwar bisher nur Forderungen. Da dahinter aber nicht nur Tierschützer stehen, sondern auch Vertreter aus Wissenschaft und Industrie, kann man sie als Vorstufe für eine Veränderung der Arzneimittelforschung in die richtige Richtung sehen. Die Niederlande haben bereits gezeigt, welches Potenzial dahinter steckt, wenn Interessenvertreter aus Wissenschaft, Industrie und Politik an einem Strang ziehen und ein Ausstiegskonzept aus dem Tierversuch auf den Weg gebracht.

Weitere Informationen und Original-Artikel:
Baker EJ et al: Advancing nonclinical innovation and safety in pharmaceutical testing. Drug Discovery Today 2018 >>

Drug development stakeholders call for improved pharmaceutical testing, PCRM press release, 26.11.2018 >>

Adventskalender 2018

Jetzt mitmachen bei unserer Adventsverdopplungs-Aktion!

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Tag 1

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Tierschutz in der Schule Logo

In unserem Projekt "Tierschutz in der Schule" (www.tierschutz-in-der-Schule.de) sind bereits neun ehrenamtliche Tierschutzlehrerinnen engagiert. Sie richten sich an die zukünftige Generation und sind ein wertvoller Beginn, eine große Lücke zu füllen. 2019 wollen wir unser Angebot, das Lehrern auch kostenloses Arbeitsmaterial zum Download bereitstellt, breiter bekannt machen.

Tierschutzlehrer/innen

Ein Programmpunkt: unsere erstmalige Teilnahme an der DIDACTA, der größten und wichtigsten Fachmesse Europas rund um das Thema Bildung, die eine ganze Woche andauern wird. Dort stellen sich bereits zahlreiche Lobbyisten aus der Tiernutzerindustrie dar und wir müssen endlich ein Gegengewicht für unser Thema Tierversuche bieten.

Tag 2

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Ghandi-Statue

Ein großer Vordenker: Mahatma Ghandi. Eines seiner berühmten Zitate lautet: "Die Vivisektion ist das schwärzeste aller schwarzen Verbrechen, dessen sich der Mensch heute schuldig macht."

Tag 3

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Moderne Forschung kann wunderschön sein: dreidimensionales, aus menschlichen Zellen gezüchtetes Mini-Gehirn


Aufnahme eines Mini-Gehirns
© Johns Hopkins University/Thomas Hartung


Aufnahme eines Mini-Gehirns
© IMBA/Madeline A. Lancester

Tag 4

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In Magdeburg ist eine Professur für Affenhirnforschung geplant. Wieder einmal ohne Transparenz, deshalb muss unsere Abteilung Wissenschaft die Hintergründe recherchieren und aufdecken. Möglich ist dies dank Aktionen wie dieser Adventsverdopplung – bitte machen Sie weiterhin mit!!

Affe

Tag 5

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Es gibt kein ethisches Dilemma „Tierleid statt Menschenleid“, stattdessen zahlreiche wissenschaftliche Belege dafür, dass der Tierversuch dem Menschen Schaden statt Nutzen bringt. Dr. med. vet. Gaby Neumann fasst die wichtigsten wissenschaftliche Argumente eindrücklich in unserer brandneuen Broschüre zusammen.

Wissenschaftliche Argumente gegen Tierversuche
Wissenschaftliche Argumente gegen Tierversuche

Tag 6

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Beagle Lucy mit Weihnachtsmütze

Das Team von ÄgT und unser Bürohund Lucy wünschen allen unseren Unterstützern einen tollen Nikolaustag.

Tag 7

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Zitat mit Bild von Chinchilla

Tag 8

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Je größer unsere Gemeinschaft ist, umso lauter und gewichtiger wird unsere Stimme! Haben Sie schon einmal über eine Geschenkmitgliedschaft nachgedacht?

Geschenkmitgliedschaft

Bei allen Geschenkmitgliedsanträgen die vor Weihnachten bei uns eingehen, ist in dem Begrüßungspaket eine Bio Fairtrade Baumwolltasche mit Ratte „Nelson“ dabei.
Zur Geschenkmitgliedschaft geht es hier >>

Tag 9

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Nacktmull

Der Nacktmull stand unserem Negativpreis „Herz aus Stein 2018“ traurig Pate. Wir haben damit grausame und völlig unsinnige Erstickungsversuche angeprangert. Welches Institut erhält 2019 den Preis für den schlimmsten und absurdesten Tierversuch?

Tag 10

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Preisfrage: Was hat ein Münzwurf mit Tierversuchen zu tun? Nun, er ist genauer! Laut Prof. Dr. Thomas Hartung von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, Baltimore, können Mäuse und Ratten, die mit weit über 80% am häufigsten im Tierversuch gequälten Tiere, die Nebenwirkungen von Medikamenten bei uns Menschen nur zu 43% vorhersagen. Bei einem Münzwurf wären es immerhin schon 50%.

Münzwurf

Tag 11

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Kuchendiagramm

Noch eine Preisfrage: Ab welcher Erfolgsquote würden wohl manche Menschen einem Tierversuch zustimmen?

Oft werden auf diese Frage 50% oder mehr genannt. Dem Deutschen Primaten Zentrum (DPZ) in Göttingen reichen dagegen bereits 0,3% Übertragbarkeit von Tierversuchen in der Grundlagenforschung auf den Menschen aus, um deren seit über 40 Jahren durchgeführten, grausamen Affenversuche zu rechtfertigen, wie die DPZ-Internetseite aus dem Jahre 2016 und Äußerungen des Direktors Stefan Treue belegen.

Tag 12

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Schematische Darstellung eines Multi-Organ-Chips

Schematische Darstellung eines Multi-Organ-Chips, bestehend aus Mini-Organen (Quelle: Edington et al. Sci Rep. 2018)

Tierversuche sind ein Auslaufmodell. Moderne Forschung nutzt induzierte pluripotente Stammzellen vom Menschen und Multi-Organchips. Wie funktionieren diese Innovationen eigentlich? Wir haben dazu einen neuen Animationsfilm in Arbeit - eine Fortsetzung unseres erfolgreichen Films "Unsinn Tierversuch".

Helfen Sie uns diesen Film zu realisieren?

Tag 13

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Sackgasse

Die Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Alters-Demenz, nehmen stetig zu. Wir müssen alles daransetzen, um die Sackgasse zu verlassen, in die uns die Tierversuche manövriert haben. Zwei Drittel unserer Krankheiten sind bis heute nicht heilbar. Jeder erlebt dies täglich im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis – und wir nehmen es als gegeben hin. Wenn Tierversuche so wertvoll wären, wie immer behauptet wird, warum gibt es dann nicht das Mittel gegen Alzheimer, die Heilung von Krebs, der Durchbruch bei Schlaganfall?

Tag 14

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Screenshot Datenbank

Wo werden Versuche an Hunden gemacht? Was wird an Fledermäusen experimentiert? Welche Tierversuche gibt es in meiner Stadt?

Unsere datenbank-tierversuche.de gibt seit nunmehr 23 Jahren Einblicke in die geheime Welt hinter den verschlossenen Labortüren. Sie stellt deutschlandweit die größte Dokumentation und weltweit ein einzigartiges Projekt dar. Die aufwändige Recherche basiert auf Fachartikeln von Experimentatoren, die wir auswerten, in eine für Laien verständlich Sprache übertragen und in unsere für jeden zugängliche Datenbank einstellen. Dort kann gezielt nach verschiedenen Kriterien gesucht werden. Momentan verfügt die Datenbank über 4.800 Einträge.

Die dauernde Aktualisierung ist eine große Herausforderung für unser Wissenschafts-Team. Bitte spenden Sie, damit wir weiter das Leid der Tiere in den Laboren publik machen können!

Tag 15

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Schimpanse

Die DNA des Schimpansen entspricht der unsrigen zu 96%. Für Tierversuchsbefürworter eine ausreichend große Übereinstimmung für Tierversuche. Doch die lediglich 4% Unterschied führen dazu, dass Schimpansen an für uns lebensbedrohlichen Krankheiten wie Aids, Malaria und Hepatitis nicht erkranken und deshalb Versuche an ihnen unsinnig sind. Aus dieser Erkenntnis heraus wurden Schimpansen-Versuche in Deutschland bereits 1991 eingestellt (nicht verboten wie in vielen anderen Ländern). Was spricht da für die Maus, immerhin mit 85% dem Mensch gleichen Genen und mit weit über 70% das am meisten im Tierversuch eingesetzte Tier?

Maus mit Sprechblase

Biologie ist eben keine Mathematik, die bloße Übereinstimmung einer Anzahl von Genen sagt noch gar nichts aus. Schließlich kann man auch mit den gleichen Noten „Hänschen-Klein“ oder Beethovens 9. Symphonie spielen.

Tag 16

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Bildausschnitt vor dem Bundestagsausschuss

Wir müssen und können die Politik erreichen. Im Oktober wurden wir im Petitionsausschuss des Bundestags erstmalig im Rahmen unserer Petition gegen schwerste Tierversuche angehört und hatten mit der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V. kompetenten Beistand. Die Kampagne führen wir - da vereint stärker ist - im Bündnis mit unseren Partnervereinen Bund gegen den Missbrauch der Tiere e.V. und TASSO e.V. fort.

Bitte helfen Sie uns, damit wir uns auch 2019 weiter so schlagkräftig für die Tiere einsetzen können!

Tag 17

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Hinschauen-Broschüre Cover

Unser Erfolgsrezept: Ständig den Finger in die Wunde legen und auf die Missstände hinweisen, Lösungsansätze aufzeigen und: nie lockerlassen! Unsere neue Broschüre „Hinschauen“ gibt es hier zum Download oder bestellen >>

Tag 18

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Gestatten: Ein künstliches Auge mit einem blinzelnden Augenlid. Wer weiterhin für qualvolle Tests an Kaninchenaugen plädiert, lebt in der Vergangenheit!

Eye on a chip

Tag 19

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Tierversuchsbefürworter versuchen uns ständig weiszumachen, die menschbasierten Methoden bräuchten noch etliche Jahre bis zur Praxisreife. Die Firma Spherotec beispielsweise beweist das Gegenteil und bietet individualisierte Krebstherapie mittels nachgezüchteter Mini-Tumore von Patienten an. Damit können unnötige Therapieversuche mit unwirksamen Medikamenten, die den Körper weiter schädigen, vermieden werden. Nur ein Beispiel für die Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts.

Tag 20

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Im November 2018 sprach unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. rer. nat. Tamara Zietek bei der UNO in Genf im Rahmen einer Kampagne zum weltweiten Verbot von Kosmetik-Tierversuchen – ein Beispiel für unseren internationalen Einsatz bei wichtigen Entscheidungsträgern.

Dr. rer. nat. Tamara Zietek vor Plakat



Tag 21

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Lassen Sie uns gemeinsam das Jahr 2018 Revue passieren. Unser Jahresrückblicksfilm fasst unsere umfangreichen Aktivitäten zusammen - auf Öffentlichkeits-, politischer und wissenschaftlicher Ebene.

Tag 22

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Bild von einer Maus auf einem Münz-Berg

Ein ganz wichtiger Hebel für den Systemwechsel zur tierversuchsfreien Forschung ist das liebe Geld. Solange mehr als 99% aller öffentlichen Fördergelder weiterhin in die Tierversuche fließen und ergo weniger als 1% in moderne, rein am Menschen orientierte Forschung, ist ein Systemwechsel schwerlich durchführbar. Dort müssen und werden wir weiterhin einsetzen, denn in einer Marktwirtschaft ist Geld der lenkende Faktor. Wir arbeiten sehr stark auf wissenschaftlicher Ebene mit unschlagbaren, faktenbasierten Argumenten, aber wir müssen uns auch der Tatsache bewusst sein, dass die Wissenschaft letztlich genauso funktioniert wie der Rest der Gesellschaft: profitorientiert!

Wir sind überzeugt, der Forschungsstandort Deutschland kann mit entsprechendem Willen eine Führungsrolle für tierleidfreie, humanbasierte Methoden einnehmen!



Tag 23

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ÄgT - damals und heute

Im nächsten Jahr wird unser Verein 40 Jahre alt. Kein Grund zu feiern, denn der Anlass für unser langes Bestehen ist tieftraurig und eine Schande für die Menschheit. Aber wir dürfen gemeinsam auch stolz sein, so lange und beharrlich unseren Weg konsequent weiter gegangen zu sein und durch die unglaublichen Innovationen des 21. Jahrhunderts nun "belohnt" zu werden.



Tag 24

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Die Niederlande will bis 2025 weltweit führend sein in der Anwendung tierversuchsfreier Methoden und u.a. die Giftigkeitsprüfungen z.B. für Medikamente mit Tieren bis 2025 abschaffen.


Tierfoto

Am Heiligen Abend sprechen wir den Wunsch, die Hoffnung und Erwartung aus, dass es Deutschland dem vorbildlichen Nachbarland, das die Zeichen der Zeit erkannt hat, gleichtut. Sie können sicher sein, dass wir dies nicht bei Wunsch und Hoffnung belassen – wir werden alles daransetzen, dass dieses Ziel Wirklichkeit wird!

Und nun wünscht Ihnen das ganze Team der Ärzte gegen Tierversuche FROHE WEIHNACHTEN und ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019! Lassen Sie uns gemeinsam noch mehr für die namenlosen Tiere in den Laboren erreichen!

 

Infos zur Adventsverdopplung >>

„Andromeda – Eine für alle“ – Fakten oder Fiktion?

Informationen zum Stück

Die Erläuterungen zu einzelnen Aussagen aus dem Theaterstück „Andromeda – Eine für alle“ des Tierschutztheaters e.V. sind Auszüge aus Artikeln der Website der Ärzte gegen Tierversuche e.V. Unter jedem Abschnitt führt ein Link zu dem jeweils ganzen Artikel, wo ggf. auch die Quellenangaben zu finden sind.

Übertragbarkeit

 

Szene 9 – Menschenversuche? 

Auf Nachfrage erklärt Prof. Dr. Schütte-Dengerszburg dem Pfleger Jewgeni Petrow, warum nicht mehr an Tieren, sondern an Andromedas geforscht wird. 

In der Realität

Mensch und Tier – wie auch die einzelnen Tierarten untereinander - unterscheiden sich u.a. hinsichtlich Körperbau, Organfunktion, Stoffwechsel und Ernährung zum Teil erheblich voneinander. Dabei haben wir mit dem Schimpansen über 96 % der Gene gemeinsam (5, 6), mit der Maus immerhin noch 85 %. (7,8) Doch auch wenn unser Erbgut in großen Teilen mit Affen oder sogar Mäusen übereinstimmt, reden wir hier nicht von einer mathematischen Gleichung, also viele gemeinsame Gene gleich Übereinstimmung. Menschliches und tierisches Erbgut unterliegt teilweise einer völlig unterschiedlichen Steuerung. Denn im Laufe der Evolution hat es diesbezüglich drastische Änderungen und Anpassungen gegeben. Welche Gene aktiviert werden oder auch nicht bzw. wie sie sich gegenseitig beeinflussen, unterscheidet sich sehr stark zwischen Mensch und Tier. (9) 

Künstlich hervorgerufene Symptome beim Tier sollen menschliche Krankheiten simulieren Viele beim Menschen auftretende Krankheiten kommen beim Tier gar nicht oder selten vor. So erkranken Tiere z. B. nicht an Alzheimer oder Parkinson. Um aber an ihnen forschen zu können, werden die Tiere gentechnisch, operativ, medikamentös oder verhaltenstechnisch so manipuliert, dass sie Symptome, die denen der Krankheit ähneln, entwickeln. Häufig eingesetzte „Tiermodelle“ für Krebs werden beispielsweise durch Genmanipulation oder Injektionen von menschlichen Krebszellen in Mäuse „hergestellt“. Ein Zittern, das an Parkinson erinnert, zeigen auch Affen, Mäuse oder Ratten, denen ein bestimmtes Nervengift ins Gehirn gespritzt wird. In der Depressionsforschung werden Ratten in einen Wasserbehälter gesetzt, aus dem sie nicht flüchten können. Hören sie auf zu schwimmen, gelten sie als depressiv. (23) Viele Tierversuche werden gemacht, nur um solche „Tiermodelle“ zu entwickeln. Anschließend werden an diesen „Tiermodellen“ Medikamente oder andere Therapieformen ausprobiert. Verschwindet das Symptom, so meint man auch ein Mittel gegen die Erkrankung beim Menschen gefunden zu haben. Dabei erfährt der Forscher nichts über die menschliche Krankheit an sich und ausschlaggebende Aspekte der Krankheitsentstehung beim Menschen werden übergangen. Denn die künstlich erzeugten Symptome haben nichts mit der eigentlichen Krankheit des Menschen, die sie simulieren sollen, gemein. Ob ein Mensch krank wird, hängt von vielen Faktoren ab: Genetik, Ernährung, Stress, Umfeld. Auch besteht eine Krankheit meistens aus mehreren Symptomen. Diese werden dann jeweils einzeln in verschiedenen „Tiermodellen“ nachgebildet. 

Schlechte Reproduzierbarkeit wird mit Standardisierung begegnet

Mit der Absicht, die Ergebnisse reproduzierbar, d.h. wiederholbar, zu machen, werden Tierversuche unter sogenannten standardisierten Bedingungen durchgeführt. Alter, Geschlecht und Gewicht der Tiere sollen deshalb möglichst gleich sein. Außerdem sind Fütterung (Futterart und –menge) und Haltung der Tiere

(Käfiggröße, Temperatur, Licht- und Belüftungsverhältnisse) identisch. Das dies mit der komplexen Realität wenig gemein hat, steht außer Frage. Und trotzdem führt ein und derselbe Tierversuch selbst unter diesen "Laborbedingungen" meist zu ganz unterschiedlichen Resultaten. Das liegt zum Teil daran, dass die einzelnen Tiere eben keine Maschinen sind, sondern Individuen, die völlig unterschiedlich reagieren können. Außerdem beeinflusst der Stress, dem die Tiere ausgesetzt werden, die Ergebnisse der Studie sehr stark. Alleine schon der Umgang mit den Tieren hat erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse, denn das bloße Anfassen ruft bereits starke Stresserscheinungen hervor. (30) Selbst das Geschlecht des Tierexperimentators ist von Bedeutung. Laut einer Studie versetzen männliche Forscher Mäuse und Ratten in größeren Stress als ihre weiblichen Kolleginnen, so dass auch die Ergebnisse stärker beeinflusst werden. (31) Völlig außer Acht gelassen wird bei der Standardisierung, dass die Entstehung und Entwicklung einer Krankheit beim Menschen gerade von der Variabilität der inneren undäußeren Einflüsse abhängt. Welcher Mensch lebt, isst und verhält sich schon wie „unter Laborbedingungen“? 

Neue Therapien müssen nach den Tierversuchen – in sogenannten klinischen Studien – am Menschen auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit getestet werden. Aufgrund der schlechten Übertragbarkeit der tierversuchsgestützten Ergebnisse auf den Menschen, stellt dieser Schritt aber ein unkalkulierbares und damit höchst unethisches Risiko dar. Das erkennen mittlerweile auch immer mehr Forscher. (34) Konkret scheitern 92,5 - 95 % aller Medikamente, die sich im Tierversuch als wirksam und unbedenklich erwiesen haben, in den anschließenden klinischen Phasen 1-3 am Menschen. Und dies, weil sie entweder nicht wirken oder hochgradige Nebenwirkungen zeigen. Aber selbst, wenn ein Medikament zugelassen wird, heißt das nicht, dass es sicher für den Menschen ist. Denn von den 7,5 - 5 % der Medikamente, die zugelassen werden, muss später aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen etwa ein Drittel vom Markt genommen oder mit Warnhinweisen versehen werden. (42) 

Es gibt also viele Substanzen, die bei Tieren wirksam und ungefährlich sind und beim Menschen unwirksam und/oder starke Nebenwirkungen verursachen. Aber was ist dann im Umkehrschluss mit Substanzen, die im Tierversuch aussortiert wurden, aber für den Menschen eine wichtige Therapiemöglichkeit gewesen wären? Penicillin, Aspirin und Paracetamol sind Beispiele für Medikamente, die schon vor rund 100 Jahren entwickelt wurden, bis heute häufig in der Humanmedizin angewendet und vom Patienten meist gut vertragen werden. Wären diese Substanzen mit den heute üblichen Routine-Tierversuchen auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit getestet worden, wären sie nie auf den Markt gekommen. Denn Aspirin können zwar selbst Schwangere und deren ungeborener Nachwuchs gut vertragen, bei vielen Tierarten (u.a. Mäuse, Ratten, Affen) kommt es aber zu Missbildungen bei den Nachkommen. Penicillin ist tödlich für Meerschweinchen und Kaninchen, Paracetamol verursacht Krebs bei Nagetieren und ist giftig für Katzen. Zur Verhinderung einer Transplantatabstoßung kommt seit Jahren Cyclosporin A erfolgreich beim Menschen zum Einsatz. Und das nur, weil Ergebnisse aus Tests an Menschen so erfolgversprechend waren, dass man die schlechten Resultate aus Tierversuchen ignorierte und das Medikament auf den Markt gebracht hat. (52)

Diese Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen … 

So lässt sich zusammenfassend feststellen, dass auf der einen Seite für den Menschen relevante Gefahren durch den Tierversuch nicht erkannt werden. Aber genauso wichtig ist die Tatsache, dass durch tierversuchsgestützte Forschung Gefahren für den Menschen angenommen werden, die tatsächlich nicht existieren, und so eventuell wichtige Medikamente nicht zugelassen oder angewandt werden. Der Tierversuch ist somit nicht nur unethisch gegenüber den Tieren, sondern auch gegenüber den (tod-)kranken Menschen, die auf Heilung hoffen. 

Ganzen Artikel inkl. Quellen lesen: „Wissenschaftliche Argumente gegen Tierversuche“ >>

Tierversuchsfreie Methoden

 

Szene 13 – Passende Ergebnisse 

Im Gespräch zwischen Prof. Dr. Schütte-Dengerszburg und dem CEO Erich Wolff betont die Professorin, dass es schon längst moderne Alternativmethoden zu den Tierversuchen gab. 

Szene 14 – Lisa weiß alles 

Die Sekretärin Lisa Wagner erzählt den Pflegern Dietmar Schmidt und Jewgeni Petrow von den Alternativmethoden. 

Szene 15 – Das Tablet der Forscherin 

Die Sekretärin Lisa Wagner erzählt dem Pfleger Dietmar Schmidt mehr Details zu den Alternativmethoden. 

Szene 19 – Jewgeni hat ethische Bedenken 

Der Pfleger Jewgeni Petrow teilt seinem Kollegen seine Zweifel am OverLabs-Konzern und den „Tierversuchen“ mit. 

 

In der Realität

Microdosing

Microdosing ist eine relativ neue Technik im Bereich der Arzneimittelforschung, bei der Freiwillige eine extrem kleine Dosis eines potentiellen Medikamentes verabreicht bekommen. Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung des Stoffes werden mit hochempfindlichen Methoden gemessen. Dieses so genannte pharmakokinetische Profil stellt bei der Arzneimittelentwicklung eine bedeutende Hürde dar. Wirkstoffe können im Körper zu giftigen Abbauprodukten verstoffwechselt werden, sie erreichen möglicherweise nicht das Organ, in dem sie wirken sollen, sie reichern sich zu schädlichen Stoffen an oder sie werden ausgeschieden, bevor sie überhaupt wirken können. Pharmakokinetische Tests in einer vorklinischen Phase der Arzneimittelentwicklung entscheiden darüber, ob eine Substanz weiterverfolgt wird oder nicht. 

Ganzen Artikel lesen: „Microdosing – Arzneimittelenwicklung ohne Tierversuche“ >>

Biochips

Die Organchip-Technologie boomt. Atmende Lungen, schlagende Herzen und filternde Nieren in Smartphone- oder USB-Stick-Größe – die Organ-auf-dem-Chip genannte Technologie wartet mit immer neuen Innovationen auf. Nerven, Blut-Hirn-Schranke, Herz, Leber, Darm, Auge, Immunsystem, Nieren, Blutgefäße, Haut, kombiniert als Mini-Mensch und selbst Krankheiten-Chips, mit denen Hepatitis B, Alzheimer, Krebs oder Arterienverkalkung erforscht werden können, sind von verschiedenen Instituten und Firmen bereits entwickelt worden. 

Mini-Organe oder Organiode sind nur wenige Millimeter große Abbilder echter Organe. Meist werden sie aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) gebildet und auf kleinen Kunststoff-Chips aufgebracht. Die Chips kommen einer Revolution bei der Wirkstofftestung gleich. Die Miniaturisierung ermöglicht eine Automatisierung von Testabläufen, so dass sich tausende Substanzen in kürzester Zeit testen lassen, zuverlässig, preisgünstig und schnell und – im Gegensatz zum Tierversuch – auf den Menschen übertragbar. 

Diese Organchip-Systeme sind nicht nur aus ethischen Gründen auf dem Vormarsch, weil so unzähligen Tieren der Tod im Labor erspart bleibt, sondern auch, weil sie viel effektiver sind. Zudem legen sie den Grundstein für die personalisierte Medizin. Bei diesem Zukunftsmodell wird aus Zellen eines Patienten ein Patient-auf-einem-Chip generiert, an dem nun speziell auf ihn zugeschnittene Medikamente getestet werden können. 

Ganzen Artikel lesen: „Organchip-Technologie auf dem Vormarsch“ >> 

Computersimulationen 

Technisch ausgefeilte Computermodelle können Informationen über Struktur, Wirkung und Giftigkeit von Substanzen, wie zum Beispiel neuen Arzneimitteln oder Chemikalien, liefern. Mit CADD (Computer-Assisted Drug Development) kann das Verhalten von Wirkstoffen im menschlichen Körper sehr exakt dargestellt werden. In der Pharmaindustrie werden diese Modelle eingesetzt, um potentiell unwirksame oder giftige Stoffe auszusortieren. 

Computersysteme wie QSAR (Quantitative Structure Activity Relationship) errechnen auf Grundlage der Molekularstruktur einer Substanz ihre wahrscheinliche Wirkung. VirtualToxLab ist eine ausgeklügelte QSAR-Methode, mit der die Wechselwirkungen von Wirkstoffen oder Chemikalien mit Zellrezeptoren simuliert werden, die für die toxische Reaktion verantwortlich sind. So können mögliche schädliche Wirkungen vorhergesagt werden. Computermodelle sind im Vergleich zu Tierversuchen extrem schnell, kostengünstig und präzise. Allerdings basieren sie auf vorhandenem Wissen, mit dem die Computer gefüttert werden. Um Lücken zu schließen, werden sie ständig weiterentwickelt. 

Im Bereich der studentischen Ausbildung lassen sich mit hochinteraktiven Computersimulationsprogramme die klassischen Froschversuche sowie zahlreiche andere Experimente und sogar Sektionen virtuell am Bildschirm nachvollziehen. 

Ganzen Artikel lesen: „Forschung ohne Tierleid“ >> 

Finanzierung von Tierversuchen/Steuergelder 

Szene 14 – Lisa weiß alles 

Die Sekretärin Lisa Wagner erzählt den Pflegern Dietmar Schmidt und Jewgeni Petrow von den Alternativmethoden. Dabei merkt Sie an, dass die Forschung an Tieren von Steuergeldern finanziert wird. 

In der Realität

Ungefragt und ob wir wollen oder nicht, subventionieren wir alle Tierversuche mit unseren Steuergeldern. Wie viele öffentliche Gelder von Bund, Ländern und EU tatsächlich in die tierexperimentelle Forschung fließen, weiß niemand genau. Statistiken darüber gibt es nicht. Ausgaben für einzelne Tierversuchsprojekte geben punktuell die Dimensionen wieder, um die es hier geht. Überall in Deutschland entstehen neue Tierversuchsanlagen – alle finanziert aus öffentlichen Mitteln. 

Der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DGF), die in großem Maße Tierversuche im Hochschulbereich finanziert, stand im Jahr 2016 ein Etat von 2,99 Milliarden Euro aus der Staatskasse zur Verfügung. Der Etat der ebenfalls aus öffentlichen Geldern finanzierten Max-Planck-Gesellschaft, deren zahlreiche Institute zum großen Teil Tierversuche durchführen, lag 2017 bei 1,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen die zahlreichen Universitäten und staatlichen Einrichtungen wie das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen, die mit Steuergeldern Tierversuche machen. 

Demgegenüber stehen der tierversuchsfreien Forschung jährlich durchschnittlich nur 6 Millionen Euro regelmäßiger staatlicher Unterstützung zur Verfügung. Dazu kommt die einmalige Finanzierung einzelner Projekte. Nicht mehr als ein Almosen verglichen mit den Milliardenbeträgen, die in die tierexperimentelle Forschung fließen. In der geringen Summe sind auch noch Förderungen von so genannten Refinement-Maßnahmen enthalten, d.h. zur Verbesserung der Haltung oder Verminderung der Schmerzen. 

Ganzen Artikel lesen: „Was kosten Tierversuche?“ >> 

Militärische Tierversuche 

Szene 20 – Militärische Versuche 

Prof. Dr. Schütte-Dengerszburg und die Sekretärin Lisa Wagner besprechen das weitere Vorgehen mit den Versuchstieren und entscheiden sich letztendlich für militärische Versuche. 

In der Realität

Seit es Menschen gibt, gibt es auch Kriege. Seit es Menschen gibt, werden Kriegsgeräte aller Art vor ihrem Einsatz beim Menschen an Tieren getestet. Von der Atombombe bis zum Schnellfeuergewehr, vom Pesterreger bis zum Nervengas – alles wird an wehrlosen Tieren erprobt. Die Versuche im Bereich der Rüstungsforschung unterliegen strengster Geheimhaltung, weswegen die spärlichen Informationen, die an die Öffentlichkeit dringen, nur die Spitze des Eisberges darstellen. Beispiele aus der Vergangenheit: 

  • Die US-Armee missbrauchte Affen, indem sie mit Neutronen bestrahlt und Elektroschocks ausgesetzt wurden. Die radioaktiv verseuchten Primaten mussten in Tretmühlen laufen, bis sie vor Erschöpfung starben (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.2.84).
  • In Schweden schossen Soldaten zur Erprobung eines "humanen" Maschinengewehres auf narkotisierte Schweine und fügten ihnen schwere Bauchverletzungen zu. Nach dem Erwachen aus der Narkose beobachtete man ihr Leiden und Sterben (Stern, 35/78).
  • Bei der Bundeswehr schoss man auf Hunde und in Schusswesten eingezwängte Minischweine. Viele der Tiere litten aufgrund der Schusswunden noch tagelang, bevor sie ihren Verletzungen erlagen oder man sie tötete (Spiegel 13/84).
  • Ebenfalls bei der Bundeswehr wurden Meerschweinchen und Schweine Geschützdonner ausgesetzt. Der Lärm zerfetzte den Tieren Trommelfelle und Gewebe im Lungenbereich (Spiegel 13/84). 

Nicht nur, dass arglose Tiere schlimmsten Qualen ausgesetzt werden, immer wollen die Uniformierten die Ergebnisse ihrer Tierversuche auch an Menschen überprüfen, denn gerade in der Wehrforschung dienen Tiere nur als Stellvertreter des Menschen. So lässt sich – ähnlich wie in der Medizin und Pharmaforschung – auch im Rüstungsbereich ein nahtloser Übergang von Tier- zu Menschenversuchen beobachten: 

  • Die US-Streitkräfte schickten immer wieder Soldaten in das verseuchte Testgelände nach der Zündung eines atomaren Sprengsatzes. Nach Schätzungen des amerikanischen Verteidigungsministeriums nahmen von 1948 bis 1962 rund 300.000 Soldaten an nuklearen Experimenten teil. Mindestens 40.000 von ihnen erkrankten später an Krebs (Spiegel 31/78).
  • Die Japaner experimentierten mit Strafgefangenen, die sie mit Beulenpest, Cholera, Typhus, Milzbrand, Tuberkulose, Pocken, Syphilis und Lepra infizierten (Spiegel, 48/81). 

Und bei uns? Sind die Zahlen der bei der Bundeswehr verbrauchten Tiere nicht drastisch gesunken? Werden in Deutschland im militärischen Bereich überhaupt noch Tierversuche durchgeführt, nachdem laut Tierschutzgesetz Tierversuche zur Entwicklung von Waffen verboten sind? Leider lautet auch die Antwort auf diese Fragen »Nein, so ist es nicht«. Zwar ist die Anzahl der in Einrichtungen der Bundeswehr verbrauchten Tiere von 6.429 im Jahr 1984 auf 406 im Jahr 1999 gesunken, diese Angaben beziehen sich jedoch nur auf die Einrichtungen der Bundeswehr (Tierschutzbericht 2001, Bundesministerium für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Forsten). Tierversuche, die von der Bundeswehr an andere Einrichtungen, z.B. Universitäten, in Auftrag gegeben werden, tauchen in dieser Aufstellung nicht auf. Diese Tiere werden an anderer Stelle der offiziellen Statistiken gezählt, allerdings nicht gesondert, so dass sich die tatsächliche Zahl der für die Militärforschung in Deutschland getöteten Versuchstiere nicht ermitteln lässt. 

Ganzen Artikel lesen: „Kriegsforschung an Tieren“ >>

 

In-vitro-Testsystem für die Abnutzung von Gelenkprothesen

Verschlissene Hüft-, Knie- oder Schultergelenke werden beim Menschen häufig durch künstliche Gelenke ersetzt. Die Testung dieser sogenannten Endoprothesen erfolgte bislang in Tierversuchen. Um Faktoren wie z.B. die mechanische Abnutzung oder Materialermüdung solcher künstlicher Gelenke oder den Einfluss von Körperflüssigkeiten auf das Material zu untersuchen, werden die Prothesen gesunden Tieren, vor allem Schafen, implantiert und bis zu einem Jahr lang auf diese Weise getestet. Da sich Mensch und Tier hinsichtlich Ihrer Statik und des gesamten Bewegungsapparates drastisch unterscheiden, sind solche „Tiermodelle“ ungeeignet und die experimentellen Befunde nicht auf den Menschen übertragbar. 

Ein Forscherteam bestehend aus Wissenschaftlern der TU Dortmund und der National University of Science and Technology in Moskau hat nun ein Verfahren entwickelt, das einen zuverlässigen In-vitro-Belastungstest für neuentwickelte Gelenkprothesen bzw. Biomaterialien ermöglicht. Weitere Vorteile gegenüber Tierversuchen sind eine deutlich kürzere Versuchsdauer und die Möglichkeit der exakten experimentellen Standardisierung. 

Aufgrund der ständigen Weiterentwicklung von Biomaterialien wie Metall, Keramik oder Polymere für Endoprothesen ist ein zuverlässiges Modellsystem essentiell, um unter streng definierten Versuchsbedingungen aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. 

Bei der neu entwickelten LIT-Verfahren (engl. Load Increased Tests) kommt ein hochentwickeltes servo-hydraulisches System zum Einsatz, mit dem das künstliche Gelenk definiert belastet wird, sowie eine synthetisch hergestellte, auf Körpertemperatur erwärmte Flüssigkeit, die das menschliche Blutplasma simulieren soll - ohne den Einsatz von fetalem Kälberserum (FKS), das an dieser Stelle häufig verwendet wurde. Auf diese Weise wird der Einfluss der physiologischen Umgebung einer Endoprothese auf die Materialabnutzung mitberücksichtigt. Als Testmaterial wurde das Polymer UHMWPE (engl. Ultra-high molecular weight polyethylene) eingesetzt, das sich bei Gelenkprothesen bereits medizinisch bewährt hat. 


Versuchsaufbau des In-vitro-LIT-Systems zur Untersuchung der Abnutzung von Biomaterialien unter Verwendung von SBF. 1: Servo-hydraulisches Testsystem, 2: Peristaltische Pumpe, 3: SBF (simulierte Körperflüssigkeit), 4: Thermostat, 5: Korrosionszelle, 6: Biomaterial-Probe. 

Der Belastungstest des Biomaterials dauert bis zu 8 Tage und umfasst über 110.000 Testzyklen, wobei die Kompressionskraft exakt definiert und stetig erhöht werden kann. Der Zustand des Materials wird hinsichtlich diverser Parameter nach 1, 2, 5 und 8 Tagen mit verschiedenen Analyseverfahren untersucht. 

Die Forscher konnten in Ihrer Studie zeigen, dass die Kombination des servo-hydraulischen Systems und der Flüssigkeit, die das humane Blutplasma simuliert, wichtig ist, um zuverlässige Messergebnisse zur Materialabnutzung zu erhalten. Im Gegensatz zu Tierversuchen stellt diese In-vitro-Methode ein innovatives Testsystem dar, mit dem die Abnutzung von Gelenkprothesen im menschlichen Körper präzise untersucht werden kann.  

Originalartikel:

Scholz R et al.: Development of biomimetic in vitro fatigue assessment for UHMWPE implant materials. J Mech Behav Biomed Mater. 2018; 85: 94–101
http://en.misis.ru/university/news/science/2018-09/5582/