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Wissenschaftspreise

Krebsforschungspreis 2011- Kiel

»Es funktioniert ohne Tierversuche und ohne den Einsatz tierischer Materialien«

Ärztevereinigung vergibt Förderpreis für tierversuchsfreie Krebsforschung

Die Kieler Forscherin Dr. Maret Bauer von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, wurde am 26. Juli 2011 mit einem Wissenschaftspreis für tierversuchsfreie Krebsforschung ausgezeichnet. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche vergibt in diesem Jahr zwei mit jeweils 10.000 Euro dotierte Wissenschaftspreise für die tierversuchsfreie Krebsforschung. Prämiert wurde Dr. Bauer für ihr dreidimensionales Zellkulturmodell, das die Erforschung des Brustkrebses ohne Tierversuche oder den Einsatz tierischer Materialien ermöglicht.

Im Rahmen ihres Forschungsprojektes untersucht Dr. Bauer den Einfluss des Bindegewebes im Zellzwischenraum, den sogenannten Stromafibroblasten, auf die Ausbreitung von Brustkrebs. Die Stromafibroblasten gehören zu dem gesunden Gewebe, das die Brustkrebszellen umgibt und in das der Brustkrebs bei Fortschreiten der Erkrankung hineinwächst. Sie ändern ihre Eigenschaften durch den Kontakt mit den Tumorzellen und können dann das Wachstums des Tumors und somit auch seine Metastasierung fördern. Durch genauere Charakterisierung der Interaktionen zwischen Brustkrebszellen und Fibroblasten könnten Strategien entwickelt werden, das Stroma zu »normalisieren«, so dass es eine Barriere gegen Tumorwachstum und Metastasierung darstellt. Dieses wäre ein innovativer Ansatz in der Therapie der Brustkrebserkrankung.

»Unsere Forschungsarbeiten werden ausschließlich an einem dreidimensionalen Zellkulturmodell durchgeführt. Es funktioniert ohne Tierversuche und ohne den Einsatz tierischer Materialien«, sagt Dr. Bauer. Tumorzellen und Fibroblasten werden aus den Operationspräparaten der Brustkrebspatientinnen (nach vorheriger Einverständniserklärung der Patientinnen) isoliert und anschließend in einer dreidimensionalen Matrix kultiviert. Jetzt können die Interaktionen zwischen den Krebszellen und den Stromazellen genauer untersucht und auch gezielt manipuliert werden. »Das Wachstumsverhalten der Zellen in der 3D-Kultur zeigt eine große Ähnlichkeit mit dem Wachstum in der menschlichen Brust, so dass es uns quasi gelungen ist, die menschliche Brustdrüse in einem einfachen 3D-Zellkulturmodell abzubilden«, erklärt Dr. Bauer.

»Unser Preis soll Wissenschaftler darin bestärken, dass die tierversuchsfreie Forschung der Weg der Zukunft ist und er soll der Öffentlichkeit zeigen, dass dieser Forschungsansatz Sinn macht – im Gegensatz zu Tierversuchen, deren Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind«, sagt Dr. med. vet. Corina Gericke von der Ärztevereinigung. »Der Preis soll auch unsere Forderung an die Politik unterstreichen, diese zukunftsweisende Forschung prioritär zu fördern«, so die Tierärztin weiter. »Die Bundesregierung gibt für innovative Alternativ-Forschung durchschnittlich vier Millionen Euro pro Jahr aus, während gleichzeitig Milliarden unserer Steuergelder in Tierversuche fließen«.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche e. V. setzt sich für eine moderne Medizin ohne Tierversuche ein. Die Förderung tierversuchsfreier Krebsforschung wurde durch eine zweckgebundene Erbschaft ermöglicht. Kriterium für die Förderwürdigkeit eines Projektes ist die Forschung gänzlich ohne die Verwendung von Tieren und tierischem Material. Der Preis wurde im Jahr 2006 erstmals vergeben. Der zweite Preis 2011 geht an das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und wird am 10. August übergeben.

Bisherige Preisträger >>

 
Dr. med. vet. Corina Gericke von Ärzte gegen Tierversuche e.V. übergibt den mit 10.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis an Dr. med. Maret Bauer.

 
Preisträgerin Dr. med. Maret Bauer im Zellkulturlabor.

 
In diesen Schalen wächst das dreidimensionale Zellkulturmodell aus menschlichen Brustdrüsenzellen.

 
Dr. Bauer macht ihren Forschungsansatz auf wissenschaftlichen Kongressen bekannt.

Weitere Information:

Pressemitteilung vom 26. Juli 2011 >>

Pressemitteilung vom 3. Juni 2011 >>

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