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Wissenschaftspreise

Herbert-Stiller-Preis


zur Förderung tierversuchsfreier humanmedizinischer Arbeiten über Ursachen und Therapiemöglichkeiten menschlicher Krankheiten.

Um die tierexperimentfreie humanmedizinische Forschung vor allem unter jüngeren Medizinern und Wissenschaftlern zu fördern, haben die Ärzte gegen Tierversuche e.V. in den vergangenen Jahren jährlich einen Forschungspreis im Wert von 12.500 Euro sowie einen Promotionspreis in Höhe von 5.000 Euro ausgeschrieben.

Der Preis, nach einem Mitbegründer unsere Vereinigung, Dr. Herbert Stiller (1923-1984), Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, benannt, wurde für wissenschaftliche Arbeiten verliehen, die sich unter Verzicht auf Tierexperimente mit den relevanten Ursachen und Therapiemöglichkeiten menschlicher Erkrankungen beschäftigen und einen wesentlichen Beitrag für den medizinischen Fortschritt leisten. Dafür kommen In-vitro-Studien, aber auch klinische Arbeiten und epidemiologische Untersuchungen bezüglich der Ursachen der Zivilisationskrankheiten in Frage.

Der Herbert-Stiller-Preis wird leider zurzeit nicht vergeben.

Die Preisträger

Dr. Barbara Grune und Dr. Jan Zak

Die Vereinigung »Ärzte gegen Tierversuche« e.V. verlieh am 08.09.2001 ihren mit 25.000 DM dotierten Herbert-Stiller-Preis an Dr. Barbara Grune von der Berliner Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET) des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin. Die Verleihung des Preises für tierversuchsfreie medizinische Forschung erfolgte mit finanzieller Unterstützung des Vereins »Bürger gegen Tierversuche«, Hamburg.

Dr. Grune erhielt den Forschungspreis für den Aufbau einer Internet-Datenbank über tierversuchsfreie wissenschaftliche Methoden. In der Datenbank können Wissenschaftler sich im Rahmen der Vorbereitung von Forschungsvorhaben über zur Verfügung stehende Reagenzglasverfahren detailliert informieren.

Gleichzeitig erhielt Dr. Jan Zak vom Universitätsklinikum Münster den mit 10.000 DM dotierten Promotionspreis. Er hatte im Rahmen seiner Dissertation eine tierversuchsfreie Methode für die Krebsforschung entwickelt. Um festzustellen, ob Krebszellen zur Bildung von Tochtergeschwülsten neigen, wurden diese bisher in Mäuse injiziert. Mit der neu entwickelten Methode kann das Metastasierungspotenzial von Krebszellen im Reagenzglas erforscht werden.


Dr. Bernhard Rambeck, Vorstandsmitglied der Ärzte gegen Tierversuche bei der Preisverleihung an Dr. Jan Zak (links)

1999: Dr. Thomas K. Nordt

Die Vereinigung »Ärzte gegen Tierversuche« e.V. verlieh am 08.05.1999 ihren mit 25.000 DM dotierten Herbert-Stiller-Preis an Dr. Thomas K. Nordt, Klinikum der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Die Verleihung des Preises für tierversuchsfreie medizinische Forschung erfolgte mit finanzieller Unterstützung des Vereins »Bürger gegen Tierversuche«, Hamburg.
Die Studien des Preisträgers und seiner Arbeitsgruppe stehen im Zusammenhang mit der erhöhten Anfälligkeit von Diabetes-Patienten für Herz- und Kreislaufstörungen. Dr. Nordt konnte zeigen, dass und auf welche Weise das in anderen medizinischen Bereichen eingesetzte Medikament Gemfibrozil physiologische Veränderungen herbeiführt, die die Blutfette beeinflussen und die erhöhte Anfälligkeit von Diabetes-Patienten für atherosklerotische Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine etc.) vermindern sollten.
Das Besondere an den Studien von Dr. Nordt ist, dass diese Untersuchungen in vitro, also im Reagenzglas, ohne Tierversuche mit vom Menschen stammenden Leberzellen durchgeführt wurden. Die Vereinigung »Ärzte gegen Tierversuche« e.V. sieht in der Tatsache, dass Wissenschaftler der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, die ansonsten als Hochburg der tierexperimentellen Forschung gilt, mit tierversuchsfreien Zellsystemen arbeiten, einen wichtigen und wegweisenden Schritt in Richtung Abschaffung der tierexperimentellen Forschung.

1997: Priv. Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Gunther O. Hofmann

Die Vereinigung »Ärzte gegen Tierversuche« e.V. verlieh am 28.06.1997 ihren mit 25.000 DM dotierten Herbert-Stiller-Preis an Priv. Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Gunther O. Hofmann von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau. Die Verleihung des Preises für tierversuchsfreie medizinische Forschung erfolgte mit finanzieller Unterstützung des Vereins »Bürger gegen Tierversuche«, Hamburg.

Der Preisträger hat Humanmedizin und Physik studiert und ist Spezialist für Unfallchirurgie. Er hat erstmals das Kniegelenk eines Verstorbenen auf einen jungen Mann, der einen schweren Motorradunfall erlitten hatte, transplantiert. Der Preisträger und seine Mitarbeiter haben für die Vorbereitung dieser und ähnlicher Operationen (»Allogene gefäßgestielte Femurtransplantation und allogene vaskularisierte Transplantation eines menschlichen Kniegelenkes«) keinerlei Tierversuche durchgeführt. Dr. Hofmann hat nach eigenen Aussagen größten Wert darauf gelegt, dass alle vorbereitenden Arbeiten bezüglich der möglichen Abstoßungsprobleme in vitro (d.h. im Reagenzglas) mit Zellkulturen von menschlichen Knochenmarkszellen und die Vorbereitungen bezüglich der anatomisch-chirurgischen Eingriffe im Sektionssaal des Pathologischen Instituts anhand von Leichen stattfinden konnten.

1995: Dr. Stefan Rosewicz und Dr. Peter Wingenfeld und Dr. Martina Linde-Behringer

Die Vereinigung »Ärzte gegen Tierversuche« e.V. verlieh am 23.09.1995 ihren mit 25.000 DM dotierten Herbert-Stiller-Preis zu gleichen Teilen an Dr. Stefan Rosewicz, Freie Universität Berlin, und an Dr. Peter Wingenfeld, Universität Köln. Die Verleihung des Preises für tierversuchsfreie medizinische Forschung erfolgte mit finanzieller Unterstützung des Vereins »Bürger gegen Tierversuche«, Hamburg.

Einer der Preisträger, Privatdozent Dr. Rosewicz von der Freien Universität Berlin, untersuchte Möglichkeiten zur Hemmung von in Kultur wachsenden Krebszellen der Bauchspeicheldrüse, um klinische Therapiestrategien zur Behandlung des Pankreaskarzinoms (Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse) zu erarbeiten. Nach Aussage des Preisträgers konnten die Ergebnisse nur mit den gezüchteten Krebszellen erhalten werden – weder im Tierexperiment noch durch Studien mit Zellen von frisch getöteten Tieren hätte man zu den ermutigenden Ergebnissen bezüglich der Therapie dieser besonders bösartigen Krebsform finden können.
Der zweite Preisträger, Dr. Wingenfeld von der Universität Köln, beschäftigte sich zusammen mit dem Direktor der Kölner Universitäts-Kinderklinik, Prof. Dr. Dietrich Michalk, mit der Konservierung von menschlichen Organen für Transplantationen. Mit Hilfe von Kulturen von Nierenzellen wurde im Reagenzglas der Einfluss von stabilisierenden Zusätzen untersucht. Das Ziel der beiden Wissenschaftler bestand darin, die Transplantation menschlicher Organe bzw. deren Konservierung nach der erfolgten Organentnahme zu verbessern.
Weiterhin wurde ein Promotionspreis in Höhe von 10.000 DM an Dr. Martina Linde-Behringer, Universität Erlangen-Nürnberg, verliehen. Frau Dr. Linde-Behringer arbeitete im Rahmen ihrer Doktorarbeit mit Zellen des menschlichen Auges, welche von verstorbenen Organspendern erhalten wurden. In Gewebekulturen wurden bestimmte Augenerkrankungen nachgeahmt und Ansätze zur medikamentösen Therapie überprüft. Auch für diese Studien waren keinerlei Tierexperimente notwendig.


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