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Tierversuche an der Ruhr-Uni Bochum

7. Juli 2010

An der Ruhr-Uni Bochum (RUB) finden eine Reihe grausamer Tierversuche statt. So wird Ratten Flammschutzmittel ins Futter gemischt, Frettchen wird ein Teil des Gehirns abgesaugt und Katzen wird der Sehnerv durchtrennt. In der Hirnforschung wurden bis August 2012 Affen gequält. Für solche Versuche müssen die Tiere in einem Primatenstuhl sitzend Aufgaben am Bildschirm ausführen. Ihr Kopf ist dabei unbeweglich an einem Gestell angeschraubt. Als »Trainingsmethode« wird Durst eingesetzt, d.h., die Tiere bekommen außerhalb der Versuche nichts zu trinken. Für gute Kooperation erhalten die durstigen Tiere ein paar Tropfen Saft oder Wasser. Viele Affen müssen diese Torturen jahrelang erdulden. Gleichartige Tierexperimente wurden bereits in München, Berlin und Bremen von den zuständigen Behörden aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens abgelehnt. In Bremen tobt seither ein Rechtsstreit.

In Bochum sollten die Primatenexperimente wegen der Pensionierung des Experimentators Klaus-Peter Hoffmann 2009 auslaufen. Durch weitere Verlängerungen wurden die Versuche jedoch weiter betrieben, bis sie zum 31. August 2012 endgültig eingestellt wurden. Immerhin hat in Bochum die Affenqual nun endlich ein Ende! An Tauben werden jedoch nach wie vor ähnlich qualvolle Hirnversuche durchgeführt wie die eingestellten Affenversuche. Auch Katzen, Gerbils, Frettchen, Ratten und andere Tiere müssen an der RUB weiterhin für fragwürdige Forscherinteressen leiden und sterben.

Die Experimente sind nicht nur aus ethischen Gründen abzulehnen, sondern auch, weil sie medizinisch keinerlei Nutzen haben. Es handelt sich um reine zweckfreie Grundlagenforschung.

Einer offiziellen Statistik der RUB zufolge wurden 2009 12.962 Tiere in Tierversuchen verwendet:

Mäuse: 7299
Ratten: 5157
Gerbils: 29
Katzen: 19
Makaken: 1
Tauben: 259
Krallenfrösche: 81
Fische: 117

Laut Aussage des Tierschutzbeauftragten der RUB bezieht sich die Statistik nur auf Tiere, die im Jahr 2009 neu hinzugekommen sind. Bis zur Einstellung der Versuche wurden 9 Makaken gehalten, 6 von ihnen in Tierversuchen verwendet. Alle Tiere wurden getötet.

Weitere Infos:

Hintergrundinfos 
 
Hirnforschung an Affen – grausam und sinnlos >>

Infoblatt »Tierversuche im Brennpunkt – Teil 10: Bochum« als PDF herunterladen oder Druckversion bestellen.
 
Pressemitteilungen

06.11.2012 Uni Bochum stellt Affenhirnforschung ein - Tierqual geht trotzdem weiter >>

30.08.2011 Kein Ende der Affenversuche in Bochum - Ärzteverein sieht Verstoß gegen Tierschutzgesetz >>

11.06.2010: Ausstellung über Tierversuche an der Uni Bochum >>

02.02.2010: Ärztevereinigung kritisiert Affenversuche in Bochum: »Unsägliche Tortur bei einer medizinischen Relevanz von Null« >>
  

Die 10 Beispiele von Tierversuchen aus Bochum sind der Datenbank www.datenbank-tierversuche.de entnommen.

Tierversuche an Affen

Dokument 1

Tiere: 2 Rhesusaffen

Experiment: Zunächst werden den beiden männlichen Rhesusaffen bestimmte Verhaltensweisen »antrainiert«. Sie müssen mit den Augen einen Punkt auf einem Bildschirm anstarren. Dann springt der Punkt an eine andere Stelle und das Tier muss ihm mit den Augen folgen. Bei einer anderen Aufgabe soll der Affe vorhersagen, wo der Punkt als nächstes auftauchen wird, und seinen Blick auf die entsprechende Stelle des Bildschirms richten. Macht der Affe eine Aufgabe richtig, erhält er eine »Belohnung«. Üblicherweise erfolgt diese Art des »Trainings« durch Flüssigkeitsentzug und »Belohnung« mit einigen Tropfen Saft. Die durstigen Tiere müssen sich ihre tägliche Flüssigkeitsration »erarbeiten«.

Haben die Affen die Aufgabe gelernt, erfolgt eine Operation unter Narkose. Auf dem Schädelknochen wird ein Kopfhalter aus Stahl mit Schrauben und Zahnzement verankert. Ein Loch wird über einem bestimmten Hirnbereich gebohrt und darüber eine Kammer auf den Schädelknochen fixiert. In die Augenschleimhaut beider Augen werden magnetische Metallspulen implantiert. Sie dienen dazu, die Blickrichtungen der Affen mit einem speziellen Gerät verfolgen zu können. Ein Kabel führt von den Spulen zu einem Aufnahmegerät, das im Zahnzement des Kopfhalters angebracht ist.

Für die eigentlichen Versuche werden zunächst Elektroden durch die Kammer und das Bohrloch in das Hirngewebe eingeführt. Die Prozedur wird nicht beschrieben. Üblicherweise werden die Affen dafür in einem Primatenstuhl fixiert. Der Kopf wird mit Hilfe des Kopfhalters unbeweglich festgeschraubt. Bei den zuvor erlernten Aufgaben (Fixieren und Folgen eines Punktes mit den Augen) sind die Affen im Affenstuhl fixiert, aber der Kopf ist frei beweglich. Die Blick- und Kopfbewegungen werden registriert. Gleichzeitig werden über die Elektroden im Gehirn die Aktivitäten einzelner Nerven gemessen. Das weitere Schicksal der Affen wird nicht erwähnt.

Die Arbeit wurde durch die Europäische Kommission und die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt.

Titel: Influence of task predictability on the activity of neurons in the rostral superior colliculus during double-step saccade (Einfluss der Vorhersagbarkeit der Aufgabe auf die Neuronenaktivität in der vorderen oberen Vierhügelplatte während Doppelschritt–Augenbewegungen)

Quelle: Journal of Neurophysiology 2009: 3199-3211

Autoren: Vicente Reyes-Puerta (1,2), Roland Philipp (1), Werner Lindner (1), Lars Lünenburger (3), Klaus-Peter Hoffmann (1,2)*

Institute: (1) Allgemeine Zoologie und Neurobiologie, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, (2) International Graduate School of Neuroscience, Ruhr-Universität Bochum, (3) Spinal Cord Injury Center, Universitätsklinik Balgrist, Zürich, Schweiz

Bereiche: Hirnforschung, Neurophysiologie

Hintergrund: Nervenaktivitäten in einem bestimmten Bereich des Gehirns bei ruckartigen Blickbewegungen.

Tierversuche an Katzen

Dokument 2

Tiere: 16 Katzen

Experiment: Die Experimente werden unter Narkose durchgeführt. Die Katzen werden auf dem Rücken liegend mit einem stereotaktischen Halteapparat fixiert. In die Luftröhre wird ein Schlauch zur Beatmung eingeführt. In eine Vene und eine Arterie eines Hinterbeins werden Kathetern gelegt. In die Speiseröhre wird ein Schlauch zur Druckmessung eingeführt. Der Brustkorb wird eröffnet und verschiedene Nerven werden freigelegt und mit Messelektroden versehen. Eine weitere Elektrode wird an einem Bauchmuskel angelegt.

Nun werden fünf verschiedene Experimente durchgeführt, wobei die Luftröhre verschlossen, die Luft mit doppelt so viel CO2 wie normal angereichert, die Lunge aufgeblasen wird oder einzelne Nerven elektrisch gereizt werden. Diese Maßnahmen werden auch in unterschiedlichen Kombinationen getestet. Gleichzeitig werden mittels der Elektroden die Nerven-, bzw. Muskelaktivitäten gemessen. Schließlich werden die beiden Vagusnerven im Brustraum durchtrennt und die oben genannten Versuche wiederholt. Die Katzen werden (sehr wahrscheinlich) am Ende der Versuche getötet.

Titel: Significance of pulmonary vagal afferents for respiratory muscle activity in the cat (Signifikanz der Lungennerven des Nervus vagus für die Aktivität der Atmungsmuskulatur bei der Katze)

Quelle: Journal of Physiology and Pharmacology 2008: 59, Suppl. 6, 407-420

Autoren: W. Marek (1), K. Muckenhoff (1), N.R. Prabhakar (2)

Institute: (1) Institut für Physiologie, Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstr. 150, 44780 Bochum, (2) Case Western Reserve University, Department of Physiology/Biophysics, Cleveland Ohio, USA

Bereich: Neurophysiologie

Hintergrund: Untersuchung von physiologischen Zusammenhängen zwischen Atmung und Nervenaktivitäten.

Dokument 3

Tiere: 7 Katzen (9-29 Monate alt)

Experiment: Die Versuche finden vermutlich in Bochum statt. Der Kopf einer auf dem Rücken liegenden Katze wird unter Narkose in einen stereotaktischen Apparat eingespannt. Der weiche Gaumen wird eingeschnitten. In den darunter liegenden Knochen des harten Gaumens wird ein Loch gebohrt. So gelangt man an die Stelle des Gehirns, wo die beiden Sehnerven sich kreuzen. Die Sehnerven werden an der Kreuzungsstelle durchtrennt. Der weiche Gaumen wird wieder zugenäht. Es wird nicht ganz klar beschrieben, aber vermutlich erfolgen die folgenden Experimente mit zeitlichem Abstand zur Durchtrennung des Sehnervs.

Einer Katze werden zwei Löcher in den Schädelknochen über bestimmten Bereichen der Sehrinde gebohrt. Darüber wird eine runde Metallkammer mit 30 mm Durchmesser mit Zahnzement und Knochenschrauben befestigt. Die harte Hirnhaut wird im Bereich der Kammern entfernt. Die Kammer wird mit Silikonöl gefüllt, damit das Hirngewebe nicht austrocknet. Darüber wird ein Glasplättchen gelegt. Die Augen der Katze werden mit Kontaktlinsen auf einen Monitor gerichtet, auf dem Muster gezeigt werden. Gleichzeitig wird das Gehirn durch die Kammern beleuchtet und mit einer Videokamera gefilmt. Am Ende der Experimente werden die Katzen durch Überdosis des Narkosemittels getötet.
Die Arbeit wurde unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt.

Titel: Layout of transcallosal activity in cat visual cortex revealed by optical imaging (Layout der transcallosalen Aktivität in der Sehrinde der Katze, aufgedeckt durch optische Bildgebung)

Quelle: NeuroImage 2007: 36, 804-821

Autoren: N.L. Rochefort (1,2,3)*, P. Buzas (1,4,6), Z.F. Kisvarday (1,5), U.T. Eysel (1), C. Milleret (3)*

Institute: (1) Abteilung für Neurophysiologie, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, (2) International Graduate School of Neuroscience, Ruhr-Universität Bochum, (3) Laboratoire de Physiologie de la Perception et de l'Action, College de France, Paris, Frankreich, (4) National Vision Research Institute and Department of Optometry and Vision Sciences, University of Melbourne, Australia, (5) Laboratory for Cortical Systems Neuroscience, University of Debrecen, Ungarn, (6) Institute of Physiology, Medical School, University of Pecs, Ungarn

Bereich: Sehforschung

Hintergrund: Untersuchung der Rolle eines Hirnbereichs beim Sehvorgang.

Tierversuche an Frettchen

Dokument 4

Tiere: 8 Frettchen

Experiment: Es werden vier Albino-Frettchen verwendet, die aus der Zucht des Instituts für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie stammen. Vier »Wildtyp«-Frettchen werden von der Versuchstierzucht Marshall Farms, North Rose, NY, USA, bezogen. Sie sind zwischen 3 und 5 Jahre alt. Die Frettchen werden in Gruppen in einer angereicherten Box mit Außenauslauf gehalten. Alle acht Tiere waren in einem früheren, ähnlichen Hirnforschungsexperiment verwendet worden. Für das hier beschrieben Experiment werden die Tiere erneut »trainiert«. Als Trainingsmethode wird Futterentzug eingesetzt. Die Frettchen erhalten ihr tägliches Futter als »Belohnung« während der Experimente. Endet ein Tagesexperiment, ohne dass ein Tier seine volle Ration bekommen hat, erhält es das restliche Futter nach dem Experiment.

Ein Frettchen wird in eine Kammer gesetzt, von der verschiedene Röhren abgehen. Auf einem Monitor werden rechts oder links bewegliche weiße Punkte auf schwarzem Hintergrund gezeigt. Je nachdem, ob die Punkte rechts oder links erscheinen, muss das Frettchen in die rechte oder linke Röhre laufen. Wählt es die richtige Röhre, erhält es eine Futterration. Eine falsche Wahl wird durch einen langen Rückweg in die Ausgangskammer »bestraft«.

In einem zweiten Experiment werden die Augenbewegungen der Frettchen getestet. Ein Tier wird in eine enge Röhre gesetzt, der Kopf wird mit Hilfe eines Geschirrs fixiert. Seitlich an den Augen werden unter Verwendung eines Lokalanästhetikums Nadelelektroden in die Haut gestochen, um ein Elektrookulogramm (EOG) abzuleiten. Dann wird die Röhre mit dem Frettchen in eine Trommel gesetzt, deren Wände mit schwarz-weißen Mustern ausgestattet sind. Die Trommel dreht sich im Uhrzeigersinn oder in die entgegen gesetzte Richtung mit einer Geschwindigkeit von 10, 20 oder 50 Umdrehungen pro Sekunde. Gleichzeitig wird die Reaktion der Augen mit Hilfe des EOGs registriert.

Nun erfolgt eine Operation. Unter Narkose wird der Kopf eines Frettchens in einen stereotaktischen Halteapparat eingespannt. Kopfhaut und Kopfmuskel werden aufgeschnitten. Über einem bestimmten Bereich des Gehirns werden zwei Löcher in den Schädelknochen gebohrt. Die harte Hirnhaut wird eröffnet und etwas Hirngewebe abgesaugt. Die Stelle wird mit Gelschaum aufgefüllt. Dann werden die Löcher im Schädel verschlossen und die Haut zugenäht. Die Tiere müssen nun die gleichen Experimente durchlaufen wie vor der Operation, um festzustellen, ob das fehlende Hirngewebe für die Wahrnehmung beweglicher Bilder zuständig ist. Vier bis sechs Wochen nach der Operation werden die Frettchen durch Überdosis von Pentobarbital getötet. Die Gehirne werden gewebekundlich untersucht.
Die Arbeit wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt.

Titel: Deficits of visual motion perception and optokinetic nystagmus after posterior suprasylvian lesions in the ferret (Mustela putorius furo) (Defizite bei der visuellen Bewegungswahrnehmung und schnelle Hin- und Herbewegung der Augen nach Schädigung einer bestimmten Hirnregion beim Frettchen)

Quelle: Experimental Brain Research 2007: 182, 509-523

Autoren: D. Hupfeld, C. Distler, K-P Hoffmann

Institut: Allgemeine Zoologie und Neurobiologie, Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstr. 150, 44780 Bochum,

Bereiche: Hirnforschung, Neurobiologie

Hintergrund: Bei Katzen und Affen ist bekannt, welcher Hirnbereich für die Wahrnehmung beweglicher Bilder zuständig ist. Hier wird nach dem vergleichbaren Hirnbereich beim Frettchen gesucht.

Tierversuche an Mäusen

Dokument 5

Tiere: Mindestens 40 Nacktmäuse vom Typ SKH1-HR

Experiment: Junge Nacktmäuse (6-7 Wochen alt) von Charles River, Sulzfeld, werden eine Woche vor Beginn des Experiments von ihrer Gruppe getrennt und fortan einzeln in Käfigen gehalten. Alle nachfolgend beschriebenen Eingriffe werden unter Vollnarkose durchgeführt. Den Mäusen wird eine Spritze durch die Brustkorbwand in das Herz gestochen, um 0,5 Milliliter Blut zu entnehmen. Die Mäuse werden in drei Gruppen eingeteilt. Bei jeweils einer Gruppe wird die entnommene Blutmenge unterschiedlich ersetzt. Die Tiere erhalten entweder die gleiche Menge des chemisch modifizierten menschlichen Blutfarbstoffs MP4, Dextran (Blutplasma-Ersatz) oder Blut infundiert. Die Maus wird nun bauchseitig auf eine Plattform gelegt. Das rechte Ohr wird gedehnt, mit drei Nadelstichen durchbohrt und mit chirurgischen Fäden an der Plattform fixiert. Von der Ohrwurzel wird das Ohr zu etwa vier Fünftel mit einem Skalpell eingeschnitten. Nach erfolgtem Ohreinschnitt wird erneut 0,1 Milliliter Blut aus dem Herzen entnommen. Eine von 40 Mäusen stirbt während des Eingriffs.

Die Blutzirkulation des rechten Ohres wird vor und direkt nach dem Einschnitt sowie 24, 48 und 72 Stunden nach Infusion der o.g. Substanzen mittels Fluoreszenzmikroskopie untersucht. Bei jeder mikroskopischen Untersuchung wird zur Sichtbarmachung der Gefäße ein Kontrastmittel in eine Vene injiziert. Alle Mäuse werden nach Beendigung des Experiments getötet.

Die Studie wurde von der B. Braun Stiftung (Melsungen, Deutschland) und Sangart Inc. (San Diego, USA) gefördert.

Titel: Effects of maleimide-polyethylene glycol-modified human haemoglobin (MP4) on tissue necrosis in SKH1-HR hairless mice (Der Einfluss von chemisch modifiziertem humanen Hämoglobin (MP4) auf den lokalen Gewebstod bei Nacktmäusen vom Typ SKH1-HR)

Quelle: European Journal of Medical Research 2009: 14, 123-129

Autoren: O. Goertz* (1), M.H. Kirschner (4), H. Lilienfein (1), P. Babilas (2), H.U. Steinau (1), C. Andree (5), A. Daigeler (1), A. Stachon (3), H. Homann (1), S. Langer (1)

Institute: (1) Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Zentrum für Verbrennungen, Universitätsklinikum Bergmannsheil, Ruhr-Universität Bochum, Buerkle-de-la-Camp Platz 1, 4789 Bochum, (2) Klinik für Dermatologie, Medizinische Fakultät, Universität Regensburg, (3) Institut für Klinische Chemie, Transfusions- und Laboratoriumsmedizin, Ruhr-Universität Bochum, (4) BBD Aesculap GmbH, Tuttlingen, (5) Sana Klinikum, Düsseldorf

Bereich: Chirurgie

Hintergrund: Untersuchung der Wirkung eines chemisch modifizierten Blutfarbstoffs auf den Gewebserhalt bei Nacktmäusen.

Tierversuche an Ratten

Dokument 6

Tiere: Mehrere Hundert Ratten

Experiment: Die Wistar-Ratten stammen aus der Versuchstierzucht Harlan, Horst, Niederlande. Der Anfang der Studie wird in Bilthoven, Niederlande, durchgeführt, der zweite Teil im Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (BGFA), Bochum. Die Versuche werden vom Regierungspräsidium Arnsberg genehmigt. Die Tiere werden in Gruppen eingeteilt. Männliche und weibliche Ratten erhalten das bromierte Flammenschutzmittel Hexabromocyclododecan (HBCD) in Maisöl gelöst in verschiedenen Dosierungen täglich in das Futter gemischt. Es gibt 9 Dosierungsgruppen. Zwei oder 10 Wochen später werden die Ratten verpaart. Die Testsubstanz wird weiterhin auch während der Trächtigkeit und der Stillzeit verabreicht. Im Alter von 21 Tagen werden die Rattenjungen von der Mutter entwöhnt und in Einzelkäfige gesetzt. Sie erhalten das Flammenschutzmittel Zeit ihres Lebens täglich ins Futter gemischt.

Im Alter von 90 Tagen werden 108 Rattennachkommen (jeweils ein männliches und ein weibliches Tier aus jedem Wurf) in das HBCD gebracht. Es werden insgesamt 43 Würfe erwähnt. Im Alter von 110 Tagen wird mit den 108 Ratten ein neurologischer Test gemacht. Dazu wird das Antipsychotikum Haloperidol in die Bauchhöhle injiziert. 30 und 60 Minuten nach der Injektion werden die Ratten in ungewöhnliche Körperpositionen gebracht: 1. Aufrecht stehend mit den Vorderpfoten an einem 9 cm hohen Stab gelehnt, 2. an ein steiles Gitter gehängt, 3. mit allen 4 Pfoten in Löchern auf einer Platte stehend. Es wird die Zeit gemessen, bis sich die Ratte aus dieser Position bewegt.

Weitere 20 Tage später wird ein Hörtest durchgeführt. Dazu werden die Ratten durch Injektion in die Bauchhöhle betäubt. Um die Ohren werden Nadelelektroden in die Haut eingestochen. Das linke Ohr wird durch einen Wattestopfen verschlossen. Vor dem rechten Ohr werden Klicktöne abgespielt. Gleichzeit werden elektrische Nervenimpulse am Ohr gemessen. Das weitere Schicksal dieser Ratten sowie der Eltern und der nicht verwendeten Geschwister wird nicht erwähnt.

Die Arbeit wurde von der Europäischen Kommission unterstützt.

Titel: Effects of the brominated flame retardant hexabromocyclododecane (HBCD) on dopamine-dependent behavior and brainstem auditory evoked potentials in a one-generation reproduction study in Wistar rats (Wirkung des bromierten Flammenschutzmittels Hexabromocyclododecan (HBCD) auf das Dopamin-abhängige Verhalten und auf auditorisch hervorgerufene Hirnstammpotentiale in einer Ein-Generationen-Reproduktionsstudie bei Wistar-Ratten)

Quelle: Toxicology Letters 2009: 63-72

Autoren: Hellmuth Lilienthal (1)*, Leo T.M. van der Ven (2), Aldert H. Piersma (2), Josephus G. Vos (2)

Institute: (1) Neurotoxikologie-Gruppe, Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (BGFA), Ruhr-Universität Bochum, Buerkle de la Camp Platz 1, 44789 Bochum, (2) Laboratory for Health Protection Research, RIVM – National Intsitute for Public Health and Environment, Bilthoven, Niederlande

Bereich: Toxikologie

Hintergrund: Wirkung des Flammenschutzmittels Hexabromocyclododecan (HBCD) auf die Nachkommen von Ratten.

Dokument 7

Tiere: mindestens 42 Ratten

Experiment: Für die Studie werden männliche Sprague-Dawley Ratten verwendet. Dieser Albino-Rattenstamm wird häufig als Versuchstier verwendet. Die Ratten werden narkotisiert. Aus dem vorderen Teil des Dickdarms werden mit Hilfe eines weichen aufblasbaren Katheters die Exkremente entfernt. Über einen Einlauf wird eine die Darmschleimhaut schädigende Lösung verabreicht (bzw. eine Salzlösung für die Kontrollgruppe). Sechs Ratten werden sofort durch Ersticken getötet. Weitere sechs Tiere werden jeweils nach 6, 8, 12, 24, 48 und 72 Stunden getötet. Es erfolgen Gewebeentnahmen des Magen-Darm-Trakts.

Titel: Increased duodenal expression of transforming growth factor-a and epidermal growth factor during experimental colitis in rats (Eine experimentell hervorgerufene Dickdarmentzündung bei Ratten führt im Dünndarm zur vermehrten Bildung des transformierenden Wachstumsfaktors a und des epidermalen Wachstumsfaktors)

Quelle: European Journal of Gastroenterology & Hepatology 2008: 20, 989-994

Autoren: Kerem Bulut (1), Peter Felderbauer (1), Karoline Hoeck (2), Wolfgang E. Schmidt (1), Peter Hoffmann* (2)

Institute: (1) Klinik für Innere Medizin I, St Josef Krankenhaus, Ruhr-Universität Bochum, und (2) Klinik für Innere Medizin I, Kliniken Essen-Mitte, Huyssens-Stiftung, Henricistr. 92, 45136 Essen

Bereiche: Gastroenterologie, Molekularmedizin

Hintergrund: Untersuchung potenziell schützender Eiweiße im Darm der Ratte nach künstlich hervorgerufener Darmschleimhautentzündung.

Tierversuche an Tauben

Dokument 8

Tiere: 2 Tauben

Experiment: Den Tauben wird unter Narkose ein Gestell auf den Schädelknochen fixiert, an dem später der Kopf des Tieres unbeweglich angeschraubt werden kann. Dann werden die Tiere »trainiert«. Als Trainingsmethode wird Wasserentzug eingesetzt. Die Tiere bekommen außerhalb der Trainingssitzung nichts zu trinken. Der Kopf einer Taube wird an dem Gestell unbeweglich angeschraubt. Vor den Augen ist ein Bildschirm angebracht, auf dem abwechselnd vier verschiedene Symbole gezeigt werden: Herz, Blitz, Dreieck oder Kreuz. Bei Herz oder Blitz muss die Taube innerhalb von 2 Sekunden den unteren Schnabel bewegen, bei Dreieck oder Kreuz darf sie den Schnabel nicht bewegen. Die Schnabelbewegungen werden durch einen Lichtschranke registriert. Macht sie die Aufgabe richtig, erhält sie etwas Wasser in den Mund. Macht sie etwas falsch, gibt es nichts zu trinken und der Bildschirm bleibt für 3 Sekunden dunkel. Dann wird ein neues Bild gezeigt.

Während die Taube die Aufgaben erfüllt, werden mit einem Antriebsgerät Elektroden durch ein Bohrloch im Schädel in bestimmte Hirnbereiche getrieben, um Nervenströme zu messen. Üblicherweise wird hierfür zuvor eine verschließbare Kammer über einem Bohrloch auf dem Schädel angebracht. Diese Operation wird hier nicht erwähnt. Die Tauben werden in einer frühen und einer späten (mehr als 70% richtige Antworten) Trainingsphase getestet. Nach einem nicht genannten Zeitraum werden die Tiere in Narkose mit Formalin durchströmt und getötet, um das Gehirn zu untersuchen.

Titel: Neuronal encoding of meaning: Establishing category-selective response patterns in the avian »prefrontal cortex« (Neuronale Codierung der Beduetung: Etablierung von Kategorie-selektiven Antwortmustern im »Frontallappen« des Vogels)

Quelle: Behavioral Brain Research 2009: 198, 214-223

Autoren: Janina A. Kirsch (1,2)*, Ioannis Vlachos (3), Markus Hausmann (2), Jonas Rose (1), Man Yi Yim (3), Ad Aertsen (3), Onur Güntürkün (1)

Institute: (1) Abteilung für Biopsychologie, Fakultät für Psychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaften, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, (2) Department of Psychology, Durham University, Durham, England, (3) Bernstein Zentrum für Computerneurowissenschaft, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 79104 Freiburg

Bereiche: Neurobiologie, Hirnforschung

Hintergrund: Nervenaktivitäten im Gehirn bei zielgerichteten Aktivitäten von Vögeln.

Tierversuche an Kaninchen

Dokument 9

Tiere: 24 Weiße Neuseeland-Kaninchen

Experiment: Es werden Versuche an anästhesierten Kaninchen durchgeführt. Die Tiere liegen auf dem Rücken. In die rechte Halsvene, die rechte Hinterbeinarterie und die linke Hinterbeinvene werden Katheter gelegt für Messungen und die Infusion von Substanzen. Die Kaninchen werden in 4 Gruppen zu je 6 Tieren eingeteilt. Bei Gruppe 1 wird ein aus Darmbakterien (E.coli) isoliertes Bakteriengift (Endotoxin) in die Blutbahn infundiert. Die zweite Gruppe erhält das Bakteriengift in zerstäubter Form. Davor und danach müssen die Tiere beider Gruppen eine in Luft zerstäubte Nervenüberträgersubstanz (Azetylcholin-Aerosol) einatmen. Gruppe 3 und 4 werden behandelt wie die ersten beiden Gruppen. Zusätzlich wird bei diesen Tieren zuvor vier Tage lang eine Substanz täglich unter die Haut gespritzt, die Nervenüberträgersubstanzen hemmt. Das weitere Schicksal der Kaninchen wird nicht beschrieben.

Titel: Endotoxin-induced airway hyperresponsiveness in rabbits: contribution of neuropeptides (Durch Endotoxin hervorgerufene Überreaktion der Atemwege bei Kaninchen: Beitrag der Neuropeptide)

Quelle: Journal of Physiology and Pharmacology 2008: 59(6), 421-432

Autoren: W. Marek (1)*, M. Ozyurt (1), J. Potthast (1), T. Mensing (2)

Institute: (1) Institut für Arbeitsphysiologie an der Augusta-Krankenanstalt, Bergstr. 26, 44971 Bochum, (2) Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin, Ruhr-Universität Bochum

Bereich: Pathophysiologie

Hintergrund: Auswirkungen von in der Luft zerstäubtem Bakteriengift auf die Atmung.

Tierversuche an Gerbils

Dokument 10

Tiere: 17 Mongolische Gerbils

Experiment: Die Gerbils kommen aus der Versuchstierzucht Charles River Laboratories. Den Tieren wird unter Narkose der Bauch aufgeschnitten. Der Magen wird herausgehoben. Der Dünndarm wird abgebunden. An den Magen wird ein Adapter für eine Spritze und ein Druckmessgerät angebracht. Mit der Spritze wird der Magen mit chinesischer Tinte gefüllt. Einige Tiere erhalten eine Muskel entspannende Substanz, die den Ringmuskel der Speiseröhre entspannt. Dann wird auf den Magen gedrückt. Die Farbe ergießt sich dadurch aus dem Magen in die Speiseröhre, den Kehlkopf, den Nasen-Rachenraum bis in das Mittelohr. Anschließend werden die Gerbils durch CO2 getötet. Die Autoren erwähnen mehrere vorhergehende Experimente, bei denen der Darm nicht abgebunden wurde.

Titel: Tracing of gastric reflux into the midle ear in a Mongolian gerbil model (Nachverfolgung eines Magenrückflusses in das Mittelohr bei einem mongolischen Gerbilmodell)

Quelle: Otology & Neurology 2006: 28, 124-128

Autoren: Holger Sudhoff (1)*, Roland Bücker (2), Claudia Groll (2), Sara Shagdarsuren (1), Stefan Dazert (1), Sören Schreiber (2)

Institute: (1) Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Ruhr-Universität Bochum, St. Elisabeth Krankenhaus, Bleichstr. 15, 44787 Bochum, (2) Institut für Physiologie der Ruhr-Universität Bochum, Bochum

Bereich: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Hintergrund: Es wird vermutet, dass Mittelohrentzündungen bei Kindern unter anderem durch Rückfluss aus dem Magen verursacht wird. In dieser Studie sollte festgestellt werden, ob in den Magen eingefüllte Farbe durch Druck auf den Magen das Mittelohr erreichen kann. Diese Fragestellung ließe sich sehr viel sinnvoller durch epidemiologische Studien oder mechanische Modelle erforschen.

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