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Stellungnahmen

Stellungnahme zum geplanten Neubau von Tierversuchslaboren an der Universität Hohenheim

Hintergrund

Wie aus Dokumenten hervorgeht, die der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche anonym zugeleitet worden sind, ist an der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim unter der Bezeichnung „Neuordnung Tierwissenschaften“ der Neubau von Tierversuchslaboren geplant, in denen verhaltensphysiologische Tests sowie Infektionsversuche an Nagern, Schweinen, Rindern, Schafen und Geflügel vorgesehen sind.

Geplante Labore, Tierzahlen und Forschungszweck

Vorgesehen sind zwei Gebäude: „Laborgebäude mit Kleintieren (Standort 1, Microbiotaforschung südlich der Biologie)“ sowie eine „Einrichtung mit Tötungsmöglichkeiten für Großtiere (Standort 2, Meiereihof)“. Beteiligt sind das Institut für Tierernährung, das Institut für Tierhaltung und –züchtung, das Institut für Umwelt- und Tierhygiene / Tiermedizin und das Institut für Tierproduktion in den Tropen und Subtropen. Es sollen u.a. verhaltensphysiologische Tests sowie Infektionsversuche an Nagern, Schweinen, Rindern, Schafen und Geflügeltieren stattfinden. Für die Tierhaltung ist kein Tageslicht vorgesehen.

Aus den Plänen gehen folgende Haltungskapazitäten hervor, wobei eine höhere Belegung bei heranwachsenden Tieren eingeräumt wird:

  • 6 Rinder auf 100 qm, im Einzelstand mit je 10 qm
  • 20 Schweine („Vorrat“) auf 80 qm
  • 20 Schweine (Intensivbetreuung) auf 90 qm
  • 35 – 75 Schweine (Verhaltensphysiologie)
  • 100 Geflügeltiere („Vorrat“) auf 60 qm
  • 50 Geflügeltiere (Intensivbetreuung) auf 80 qm, im Bilanzkäfig mit je 0,75 qm
  • 18 Schafe (Intensivbetreuung) auf 70 qm, im Bilanzkäfig mit je 1,8 qm
  • 1.050 Mäuse oder 28 Kaninchen (Infektionsversuche)

Größe, Kosten und Genehmigung

Das Projekt befindet sich in Planung und ist in drei Bauabschnitte gegliedert. Die Neubauten erstrecken sich über insgesamt 8.493 qm. Bauabschnitt 1 „Microbiota“ umfasst 2.987 qm und beinhaltet neben der „Vorrats“- und Intensivtierhaltung von Nagern unter anderem Nebenräume zum Töten, Zerlegen und Sezieren. Bauabschnitt 2 umfasst den Standort „Meiereihof“ (3.027 qm) sowie die Zusammenführung der Bereiche (2.479 qm).

Die Antragsskizze wurde für den 1. Bauabschnitt mit 16,8 Mio. Euro abgegeben. Eine Genehmigung liegt noch nicht vor.

Tierversuche an der Universität Hohenheim

An der Universität Hohenheim oder unter deren Beteiligung werden bereits zahlreiche grausame und wissenschaftlich unsinnige Experimente an Tieren durchgeführt.Beispiele (alle Versuchsbeschreibungen sind der Datenbank www.datenbank-tierversuche.de der Ärzte gegen Tierversuche entnommen und können im Detail unter Eingabe der Dokumenten-ID nachgelesen werden):

  • An Mäusen wird der Frage nachgegangen, ob Zimt vor alkoholbedingter Leberverfettung schützt. Den Mäusen wird eine alkoholische Zimtlösung 4 Tage lang in das Trinkwasser gegeben. Am 5. Tag wird den Tieren eine hohe Dosis Alkohol (6g/kg) mit einer Schlundsonde in den Magen verabreicht. In vorangegangenen Experimenten hatte diese einmalige Gabe Alkohol eine massive Verfettung der Leber verursacht. Die Mäuse sind nach der Alkoholgabe zunächst apathisch, erholen sich aber innerhalb von 6 Stunden. Zwölf Stunden nach Verabreichung der Alkoholdosis werden die Tiere narkotisiert und getötet. Proben von Leber und Blut werden entnommen. (ID 3983, Journal of Nutrition 2009: 139, 482-487)
  • Hühner werden als Eintagsküken von einer Kükenbrüterei bezogen. Die Versuche finden im Institut für Versuchstierkunde der Universität Halle/Saale unter Beteiligung des Instituts für Tierernährung der Universität Hohenheim statt. Sie werden zu acht in Drahtkäfigen gehalten. Bis zum Alter von 21 Tagen werden die Hühner mit kommerziellem Futter gefüttert. Danach erhalten sie drei Tage lang eines von zwei verschiedenen Testfuttermitteln. Jeweils eine Gruppe wird mit einem Futter mit hohem und eine mit niedrigem Faseranteil gefüttert. Anschließend werden die Hühner mit Kohlendioxid erstickt. Ihr Darm wird zur feingeweblichen Untersuchung herausgeschnitten. (ID 4000, Poultry Science 2009: 88, 1199-1205)
  • Um das in Aquakulturen verbrauchte Fischmehl zu reduzieren und so die weltweiten Fischbestände zu schonen, wird in dieser Arbeit getestet, inwieweit Buntbarsche mit einem Anteil Pflanzenmehl ernährt werden können. Es werden junge Fische aus der Zucht der Universität Hohenheim verwendet. Die Tiere werden einzeln gehalten und in drei Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhält unterschiedliches Futter, wobei Fischmehl jeweils mit Weizenmehl oder Sojamehl oder dem Mehl aus einem Wolfsmilchgewächs gemischt wird. Die Tiere werden regelmäßig gewogen. Nach 12 Wochen werden die Fische durch Schlag auf den Kopf mit einer Metallstange getötet und für eine spätere Analyse der Körperzusammensetzung eingefroren. (ID 4339, Animal Physiology and Animal Nutrition 2012: 96, 37-46)
  • Es werden genveränderte Mäuse über mehrere Generationen gezüchtet. Die Hälfte der Mäuse wird mit normalem Mäusefutter gefüttert, die andere Hälfte erhält ein Futter mit erhöhtem Anteil von Zucker, Fett und Cholesterin („Westlicher Ernährungsstil"). Bei diesen Tieren kommt es zur Ausbildung einer Fettleber. Die Mäuse werden nach etwa 10 Wochen unter Narkose durch Entnahme der Leber getötet. (ID 4480, Journal of Clinical Biochemistry and Nutrition 2013: 53(3); 145-9)

Unsinniges Leid

Zur Rechtfertigung von Tierversuchen wird immer wieder vorgeschoben, diese seien von Nutzen für uns Menschen. Tatsächlich geht es jedoch um die Befriedigung der Experimentierfreude oder den reinen Profit. Von der Erforschung bzw. der Beseitigung der Ursachen von Zivilisationsleiden wird vollkommen abgelenkt. Viele Versuche dienen zudem dazu, Tiere als „Wirtschaftsfaktor“ noch besser an die Forderungen der Tiernutzer anzupassen, anstatt die Bedürfnisse der Tiere zu berücksichtigen.

So müssen an der Uni Hohenheim Fische oder Hühner für Versuche herhalten, die rein dazu dienen, die ohnehin quälerischen Bedingungen bei Zucht und Haltung noch lukrativer zu machen. Ungesunde Ernährungsgewohnheiten des Menschen an genmanipulierten Mäusen nachstellen zu wollen oder Gegenmittel zu übermäßigem Alkoholkonsum in Tieren zu suchen, ist ebenso absurd wie wissenschaftlich unsinnig.

Bevölkerungsstudien und vergleichende Untersuchungen von Menschen mit unterschiedlichem Konsumverhalten wären hier dagegen aufschlussreich. Zudem ist gemeinhin bekannt, dass eine ungesunde Ernährung ebenso wie Bewegungsmangel, Alkoholkonsum und Rauchen für einen Großteil der Zivilisationskrankheiten verantwortlich sind. Die Vorbeugung von Krankheiten durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Körper und maßvollen Gebrauch von Suchtmitteln ist sicher weitaus sinnvoller, als den Glauben zu erwecken, man könne mittels tierexperimenteller Versuchskonstruktionen Zivilisationskrankheiten beseitigen. Wenn es um die Erforschung menschlicher Leiden und deren Ursachen geht, liefert die tierversuchsfreie Forschung mit auf menschlichen Daten basierenden Computermodellen oder Biochips, die Aussagen über den Stoffwechsel ermöglichen, sowie Bevölkerungsstudien und Zellforschung klinisch wertvolle Ergebnisse. Mit Tierversuchen können naturgemäß keine für den Menschen aussagekräftigen Erkenntnisse erlangt werden, da Tier und Mensch sich maßgeblich in Körperbau, Lebensweise und Stoffwechsel unterscheiden.

Millionen Tiere müssen dennoch jedes Jahr in deutschen Laboren für Forschungen aller Art herhalten, ohne dass hieraus ein Nutzen für die Menschheit resultiert. Allein in Baden-Württemberg werden jährlich offiziellen Angaben zufolge über eine halbe Million Tiere zu Tode geforscht. Die tatsächliche Zahl der Tieropfer liegt jedoch um ein Vielfaches höher, da die auf „Vorrat“ gehaltenen Tiere und die Tiere, die als „Ausschuss“ bei Genmanipulationen entstehen und wie Müll entsorgt werden, statistisch nicht erfasst werden.

Die Vereine Ärzte gegen Tierversuche und Bund gegen Missbrauch der Tiere fordern, dass öffentliche Gelder, die in die neuen Versuchslabore der Uni Hohenheim investiert werden sollen, stattdessen für moderne, tierversuchsfreie Forschungsvorhaben bereitgestellt werden.

Stand: Juli 2014
Dipl.-Biol. Silke Bitz

Weitere Information:
Gemeinsame Pressemitteilung Ärzte gegen Tierversuche e.V. und Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. vom 28. Juli 2014 >>

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