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Osteuropa-Projekte

Usbekistan und Kirgisien

Unser erfolgreiches Ukraine-Projekt "Tiere retten mit Computern" auf Tour durch Zentralasien

In den ehemaligen Sowjetstaaten Usbekistan und Kirgisien sind qualvolle Tierversuche im Studium immer noch Gang und Gäbe. Tierschutz ist dort etwas weitgehend Unbekanntes, ebenso wie die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Lehre. Wir haben nun mit einer Vortrags- und Vorführungsreise an acht Universitäten in diesen Ländern erste Keime gesetzt. Der Impuls dazu kam von unserem Mitglied Inna Yankovskaya, Ärztin in Dortmund, die in Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan, studiert hat und von den schrecklichen Tierversuchen berichtete, die sie dort hat durchführen müssen.

Mit Hilfe von InternNICHE, dem internationalen Netzwerk für humane Ausbildung, wurden Kontakte zu weiteren Hochschulen in Usbekistan und Kirgisien geknüpft. Aus zunächst einer Uni wurden acht. Im Mai/Juni 2012 reisten Dimitrij Leporskij, unser Partner bei unseren erfolgreichen Ukraine-Projekten, und Nick Jukes, Koordinator von InterNICHE, fünf Wochen lang durch die beiden zentralasiatischen Länder – im Gepäck 130 kg(!) Vorführmaterial wie Computersoftware, DVDs und Modelle. Die Resonanz auf die Vorführungen war überwältigend! Überall stießen sie bei Universitätsprofessoren und –mitarbeitern auf großes Interesse.

Nach diesen Initialkontakten werden Verträge mit Hochschullehrern folgen, so wie wir es seit 2008 in der Ukraine praktizieren. Die Institutsleiter verpflichten sich dann, alle Tierversuche in der studentischen Ausbildung einzustellen und erhalten von uns tierversuchsfreie Lehrmittel. Wie viele Verträge es sein werden, lässt sich im Moment noch nicht abschätzen, da an jeder der acht Unis mehrere Institute in Frage kommen. Nach den Sommersemesterferien werden wir dieses Projekt weiter vorantreiben und so hoffentlich sehr viele Tierleben retten.

Das Projekt wurde durch uns initiiert und teilfinanziert. Die Durchführung sowie weitere Finanzierung erfolgte durch InterNICHE. Die Teilfinanzierung durch unseren Verein wurde durch die großzügige Spende einer Stiftung ermöglicht. Vielen Dank dafür! Je nachdem, wie viele Hochschullehrer mitmachen möchten und mit tierversuchsfreien Materialien ausgestattet werden, können weitere Kosten auf uns zukommen.

Wir freuen uns über jede Spende für dieses Projekt, denn auch kleine Beiträge können in der Summe viele Tierleben retten!

 
Die erste Station war die Medizinische Akademie in Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans. In dem zentralasiatischen Land, durch das einst die Seidenstraße verlief, leben rund 30 Millionen Menschen. Taschkent, die Metropole im Nordosten des Landes, zählt zwei Millionen Einwohner.

 
Zunächst galt es, ein gravierendes Problem zu überwinden. In Usbekistan dürfen nämlich Ausländer nur mit Zustimmung des Bildungsministeriums Vorträge an Universitäten halten. Dies erfuhren Nick und Dimitrij jedoch erst vor Ort. Mit Hilfe der Professoren wurde das Problem gelöst und der erste Vortrag konnte stattfinden.

 
Nick Jukes von InterNICHE war mit 100 kg aus England und Dimitrij Leporskij mit 30 kg Gepäck aus der Ukraine angereist. Sie mussten jedes Mal zwei Taxen nehmen, um das ganze Material von A nach B zu transportieren.

 
Die Medizinische Akademie war erstaunlich gut mit technischen Geräten ausgestattet. Hier fehlen vor allem das Know-How und die nötige Software. Das Interesse der Hochschullehrer bei der zweitägigen Veranstaltung war ungemein groß.
 
 
Im Büro von Prof. Bokhodir A. Magrupov (rechts), Leiter des Instituts für Normale, pathologische Physiologie und Anatomie. Im Kurs zur Physiologie des Instituts wurden bereits viele Tierversuche durch tierversuchsfreie Methoden ersetzt. Die Leiterin des Physiologiekurses, Oisha T. Alyaeva (Mitte), ist eine echte Pionierin. Sie hatte sich bereits vor zehn Jahren an die amerikanische Firma Biopac gewandt, die Geräte für studentische Selbstversuche herstellt, und darauf bestanden, dass die Gebrauchsanweisung in Russisch sein müsse. Die Firma fertigte tatsächlich extra für sie eine Übersetzung an und es kamen sogar Techniker nach Taschkent, um das Gerät zu installieren.


Die Staatliche Agrarwissenschaftliche Universität in Taschkent, Fakultät für Zootechnologie.


Hier interessierten sich etwa 75 Hochschullehrer und Doktoranden für die Vorführung. Nicks Vorträge wurden von Dimitrij ins Russische übersetzt. Durch die sowjetische Vergangenheit sind Russisch-Kenntnisse in Usbekistan und Kirgisien sehr weit verbreitet. An einigen Veranstaltungen halfen zudem Unimitarbeiter mit Übersetzungen in die jeweilige Landessprache.


Am Simulationshund Jerry können Herz- und Lungenerkrankungen nachgeahmt oder Maßnahmen bei Notfallsituationen trainiert werden.


Anschaulich: Chirurgische Übungsmodelle.


Die Agrarwissenschaftliche Universität hat ein nagelneues und hochmodernes Kommunikationszentrum inklusive eines Computersaals mit 100 Computern! Veranstaltungen können mittels Konferenzschaltung an Unis im ganzen Land übertragen werden. Perfekte Voraussetzungen für einen Umstieg auf eine tierfreundliche Lehre. Besonders erfreulich: Hardware, wie an den oft ärmlich ausgestatteten Unis in der Ukraine, brauchen wir hier nicht zu sponsern. Nur die entsprechende Software müssen wir bereitstellen.


An der Agrarwissenschaftlichen Universität in Samarkand, 300 km südlich von Taschkent. Der Kontakt kam durch eine Tierschützerin aus Taschkent zustande. Da der Besuch nicht in dem Maße vorbereit war, wie die anderen, gab es zunächst ein Treffen mit dem Rektor Prof. Toshtemir E. Ostanakulov (2. von rechts). Außerdem musste wieder das Problem überwunden werden, dass Ausländer ohne ministerielle Genehmigung keine Vorträge halten dürfen. Die Hochschullehrer halfen.


Nach zwei Tagen Vorbereitungszeit konnte die Veranstaltung stattfinden.


Rund 50 Mitarbeiter des Instituts für Anatomie, Chirurgie und Pharmakologie sowie des Instituts für Krankheiten der Tiere nahmen teil.


Das Anschauungsmaterial konnte selbst ausprobiert werden.


So etwas hatten sie noch nie gesehen.


Die Uni verfügt über eine beachtliche anatomische Sammlung.


Einige Modelle sind schon vorhanden.



Weiter ging die Reise nach Bischkek, der 900.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Kirgisiens. In dem Land, das mehr als doppelt so groß ist wie Österreich, leben 5,5 Millionen Menschen.
 

An der Staatlich-Kirgisischen Medizinischen Akhunbaev-Akademie stießen die Vorträge von Nick und Dimitrij wieder auf großes Interesse.


120 interessierte Zuhörer verschiedener Institute der Medizinischen Akademie und der Medizinischen Fakultät der Kirgisisch-Russisch-Slawischen Universität.


Ein Argument, das oft überzeugt: Tierversuchsfreies Studieren ist nicht nur aus ethischen Gründen besser als Tiere töten, sondern bedeutet auch eine didaktisch bessere Lehre. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage des Landes sind die kirgisischen Unis bei weitem nicht so gut ausgestattet, wie die in Usbekistan. Die Akademie verzichtet aus finanziellen Gründen auf einen Teil der sonst üblichen Tierversuche und setzt stattdessen digitalisierte alte sowjetische Lehrfilme ein.


Dimitrij Leporskij gibt einer Journalistin ein Interview.


Einer von vier Artikeln in kirgisischen Zeitungen.


Dr. Gunther von Hagens, der 'Plastinator' aus Heidelberg hat jahrelang in Bischkek gelebt und gewirkt. Seine Ausstellung "Körperwelten" mit plastinierten Leichen ist weltberühmt.


Er hinterließ der Uni einen Fundes mit plastinierten Exponaten – ideal für eine medizinische Hochschule.


An der Staatlich-Kirgisischen Arabaev-Universität in Bishkek werden unter anderem Biologie und Chemie mit Schwerpunkt Lehramt gelehrt.


Wieder war das Interesse enorm.


Nick zeigt ein Modell zur Übung von mikrochirurgischen Eingriffen.


Neuland betreten: An einem künstlichen Hundebein können chirurgische Eingriffe geübt werden.


Modellhund Jerry war überall der Hit.


Nick und Dimitrij bei ihrem Vortrag an der Nationalen Kirgisische Skryabin-Universität für Agrarwissenschaften, Fakultät für Veterinärmedizin und Biotechnologie, der vierten Station in Bischkek.


Auch hier herrschte wieder großer Andrang.


Das zoologische Museum der Uni.


Ein selbstgebautes Kuh-Phantom, an dem Veterinärmedizinstudenten Geburtshilfe üben können.


Nick Jukes mit Nikoloy V. Podgorny, Leiter des Instituts für Gynäkologie und Geburtshilfe (links) und Prof. Bekbosun K. Aknazarov, Dekan der Fakultät (rechts).


Letzte Station der Tour war die von Bischkek aus 600 km südwestlich gelegene Stadt Osch.


Die Medizinische Fakultät der Staatlichen Universität Osch.


Nick und Dimitrij im Büro des Universitätsrektors Mamadgan A. Arstanbekov.


Im Hörsaal versammelten sich 180 Zuschauer, darunter 23 Hochschullehrer. Die medizinische Fakultät besteht aus 18 Instituten, von denen 11 repräsentiert waren.


Zwei Studentinnen mit unserem russischsprachigen Flugblatt »Warum wir gegen Tierversuche sind«.


An der Uni Osch gibt es keine Tierhaltungsanlage. Studenten müssen selbst gefangene Frösche und auf eigene Kosten gekaufte Ratten für die Tierversuche mitbringen. Das werden wir ändern.
 

Die Mensa der Uni.


Die in unserem Auftrag erfolgte, von uns teilfinanzierte und in Zusammenarbeit mit InterNICHE durchgeführte Vorführtour durch die beiden zentralasiatischen Länder war ein voller Erfolg! Nick Jukes und Dimitrij Leporskij informierten insgesamt rund 600 Professoren, Unimitarbeiter und Studenten an acht Hochschulen in vier Städten über eine humane Lehre und weckten bei diesen großes Interesse. Die ersten Keime sind gesetzt. Wir werden weiter über den Fortgang dieses spannenden Projektes berichten.

Weitere Infos

Übersicht über das Gesamtprojekt >>

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Über eine Unterstützung unserer Osteuropa-Projekte würden wir uns freuen >>
 


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