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Osteuropa-Projekte

Weitere 8.000 Tiere in der Ukraine gerettet

Auf einer weiteren Reise in die Ukraine im März 2010 wurden sechs neue Verträge mit Institutsleitern geschlossen. Jährlich 4.475 Frösche, Ratten, Mäuse, Kaninchen, Meerschweinchen, Fische, Hunde und Katzen sowie 3.633 Wirbellose, zusammen also fast 8.000 Tiere, werden nun vor einem qualvollen Tod bewahrt.

Im Oktober 2009 hatten unser ukrainischer Projektpartner Dimitrij Leporskij und Dr. Corina Gericke Verträge mit sieben Institutsleitern in drei Städten gemacht. Die Unis wurden mit tierversuchsfreien Lehrmethoden wie Filmen und Computerprogrammen sowie Hardware in Form von Laptops und Beamern ausgestattet. Im Gegenzug verzichten sie auf die entsprechenden Tierversuche. 

Unser erfolgreiches Konzept schlägt Wellen. Schon kurz nach dem Besuch meldeten sich weitere sechs Hochschullehrer von anderen Instituten oder Unis aus den zuvor besuchten Städten Odessa, Simferopol und Dnipropetrovsk, die mitmachen wollen. 

Wieder mussten aufwendige Vorbereitungen getroffen werden. Anhand der z.T. sehr umfangreichen Listen der durchgeführten Tierversuche wurden die Multimedia-Programme ausgewählt und zumeist in den USA oder Großbritannien bestellt. InterNICHE stellte weitere Software zur Verfügung.

Im März 2010 machten sich Dimitrij Leporskij und Dr. Corina Gericke erneut auf die anstrengende Reise, besuchten die drei Städte in drei Tagen. Jeder Tag war mit Treffen vollgepackt. Von einer Stadt zur nächsten ging es mit dem Nachtzug. 

In jeder Stadt wurden jeweils sowohl die schon bekannten Dozenten besucht, mit denen wir im Oktober 2009 die Verträge gemacht hatten, als auch die »neuen«, die durch Mundpropaganda dazugekommen waren. Für die »alten« gab es einige weitere tierversuchsfreie Lehrmittel. Auch konnten erste Eindrücke über den Einsatz der Materialen gewonnen werden, die »neuen« Hochschullehrer erhielten die mitgebrachten Lehrmittel sowie die Hardware. 

Die bislang an diesen Unis durchgeführten Tierversuche erschrecken nicht nur durch die schier gigantischen Zahlen, sondern auch durch die extreme Grausamkeit der Experimente. So werden mit Elektroden Messungen im Gehirn von Katzen durchgeführt und Ratten wird das Kleinhirn oder die Schilddrüse entnommen, um die Auswirkungen zu studieren. 

Diese Grausamkeiten werden nun nach einer kurzen Umstellungsphase nicht mehr durchgeführt.


Übersicht über das Gesamtprojekt >> 
 

Odessa


Prof. Alexiy Shandra vom Institut für Physiologie der Medizinischen Universität, hier mit den gespendeten Materialien, hat großes Interesse an einer humanen Lehre. Er hat schon im Jahr 2001 an dem InterNICHE-Kongress in Brüssel teilgenommen. Früher durften sie an dem Lehrplan nichts ändern. Seit das aber möglich ist, hat er schon viele Versuche durch Filme und Simulationen ersetzt. Ursprünglich waren es Experimente an etwa 3.300 Tieren pro Jahr, dies hat er bereits auf zurzeit »nur« 1.000 Tiere reduziert. Diese werden nun dank unseres Projektes auf Null reduziert. 

Unter anderem waren auch die klassischen Pawlowschen Versuche an Hunden üblich, bei denen den Tieren eine Fistel ins Maul einoperiert wird, um den Speichel aufzufangen. Wenn ein Hund darauf konditioniert wird, Futter und ein akustisches Signal miteinander in Verbindung zu bringen, fließt der Speichel bei Ertönen des Tons, auch wenn gar kein Fressen in Sichtweite ist. Dieser Versuch des russischen Physiologen Iwan Pawlow zur klassischen Konditionierung wird in der Ukraine tausendfach nachvollzogen, als wenn man die Geschichte der Physiologie nicht im Lehrbuch nachlesen könnte.


Dimitrij Leporskij (rechts) führt die mitgebrachten Computerprogramme vor. Insbesondere die von uns russisch synchronisierten Filme stoßen durchweg auf Begeisterung. Die Hochwertigkeit wird immer wieder lobend hervorgehoben. 


In Odessa machten wir außerdem einen Vertrag mit der Leiterin des Instituts für Biochemie der Nationalen Universität. 105 Ratten und Mäuse werden nun in diesem Institut nicht mehr getötet. 

Simferopol


Dr. Mikhail Yurakhno, Leiter des Instituts für Zoologie der Nationalen Universität Simferopol, unterzeichnet zusammen mit Dr. Corina Gericke den Vertrag. 120 Ratten und Frösche sowie 380 Wirbellose bleiben in Zukunft verschont. 

Am Institut für Physiologie der Staatlichen Medizinischen Universität Simferopol wurden bislang 1.200 Frösche und 200 Mäuse pro Jahr für die studentische Ausbildung getötet. Damit ist jetzt Schluss. 


Institutsleiterin Prof. Elena Evstafyeva und eine Mitarbeiterin mit den gespendeten humanen Lehrmitteln: einem Beamer, diversen Simulationsprogrammen sowie chirurgischen Nahtübungsmodellen. 

 

 
Ein Blick in die Tierhaltungsanlage der Uni Simferopol.  

Dnipropetrovsk 


Die Dozenten des Institut für Human- und Tierphysiologie der Biologischen Fakultät der Nationale Universität Dnipropetrovsk berichteten, dass sie schon vor fünf Jahren auf tierversuchsfreie Lehrmethoden umsteigen wollten, aber nicht wussten, wie. Sie suchten Hilfe, fanden aber keine. Im Oktober 2009 erfuhren sie über die Medizinische Uni von unserem Projekt und sind nun froh und dankbar, dass sie endlich auf die Tierversuche verzichten können, ohne dass die Ausbildung der Studenten darunter leidet. 

Jährlich 1.387 Ratten, Frösche, Hunde und Katzen sind nun gerettet. 

An der gleichen Uni machten wir außerdem einen Vertrag mit dem Institut für Zoologie. Hier wurden bislang jedes Jahr 463 Wirbeltiere (Haie, Schlangen, Frösche, Tauben, Ratten usw.) und über 3.000 Wirbellose (Maikäfer und andere Insekten, Tintenfische, Seesterne, Muscheln, Krebse, Regenwürmer usw.) getötet, um ihren Aufbau zu studieren. 

Viktor Gasso, Leiter des Instituts hat auch Interesse an tierversuchsfreien Methoden in der Forschung und will sich um EU-Gelder bemühen, um technische Geräte, wie ein Massenspektrometer, anschaffen zu können. 


Prof. Olena Severynovs’ka, Leiterin des Instituts für Physiologie (Mitte) und Viktor Gasso, Leiter des Instituts für Zoologie der Fakultät für Biologie, Ökologie und Medizin der Nationalen Universität Dnipropetrovsk mit Dr. Corina Gericke (links).

Straßenhunde und Delfinarien

Unser Projekt an ukrainischen Hochschulen rettet jedes Jahr vielen Tausend Tieren das Leben. Doch darüber hinaus gibt es in dem nach Russland größten europäischen Land massive Tierschutzprobleme. 

Das vordringlichste Problem sind die unzähligen Hunde, die die Straßen der Städte bevölkern. Die Entsorgung von Haustieren durch Aussetzen ist gang und gäbe. Die Tiere ernähren sich von Müll oder werden mitunter von tierlieben Menschen gefüttert, wie hier auf dem Gelände der Uni Dnipropetrovsk. 

 
Da sich niemand um eine Geburtenkontrolle kümmert, vermehren sie die Hunde unkontrolliert. Die einzigen staatlichen Maßnahmen sind regelmäßige Tötungsaktionen. Tatiana Mashko, Assistentin an der Medizinischen Hochschule, berichtet, wie Hunde auf offener Straße mit Giftpfeilen getötet werden. Dabei kommt es sogar vor, dass angeleinte Hunde beim Gassigehen getötet werden. Den Tötungskommandos ist das egal. Hund ist Hund. Die wenigen privaten Tierheime kommen kaum über die Runden. In Dnipropetrovsk mit seinen eine Million Einwohnern gibt es beispielsweise weder eine Tierschutzgruppe noch ein Tierheim.


Besonders negativ ist uns in den letzten ein bis zwei Jahren die massive Werbung für Delfinarien im ganzen Land aufgefallen. Dabei handelt es sich nicht um feste Becken, sondern um stationäre Zirkuszelte! Diese Art des Entertainments kann in der Ukraine ohne jegliche Auflagen und ohne den geringsten Widerstand entstehen und sich ausbreiten. 

Es gibt noch viel zu tun. Unser Projekt rettet nicht nur direkt Tierleben, sondern es setzt auch kleine Keime. Kleine Keime für Hoffnung und für mehr Menschlichkeit im Umgang mit Tieren. 

Weitere Infos

Übersicht über das Gesamtprojekt >>

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