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Osteuropa-Projekte

Drei weitere Erfolge in der Ukraine und Russland

Am 1. September beginnt an den Universitäten der Länder der ehemaligen Sowjetunion das neue Studienjahr, das dann bis Juni des darauffolgenden Jahres geht. Unsere Verträge mit den Instituten gelten immer ab 1. September. Das macht Sinn, denn die Umstellung von althergebrachten Tierversuchen auf moderne Unterrichtsmethoden muss vorbereitet werden. Für den 1. September 2018 haben wir drei neue Erfolge zu vermelden: zwei Institute in der Ukraine und eines in Russland machen bei unserem Projekt mit. 

Zhytomyr, Ukraine

Dr. Alexander Harbar, Leiter des Instituts für Ökologie, Naturmanagement und Humanbiologie der Staatlichen Ivan-Franko-Universität in Zhytomyr, Ukraine, war auf der Suche nach interaktiven Lehrmöglichkeiten, fand unsere dreisprachige Website www.ukraine-projekt.de und wollte so schnell wie möglich umsteigen. Seine Universität ist technisch sehr schlecht ausgestattet und in seinem Institut gibt es nur alte Sowjetfilme und Tafeln als tierversuchsfreies Lehrmaterial. Mangels Möglichkeiten gehörten die üblichen Tierversuche (s.u.) zum Standardprogramm. Mit Laptop, Beamer und CDs, wollte Dr. Harbar nicht nur die Tierversuche ad acta legen, sondern vor allem seine Studenten sehr viel besser und moderner unterrichten. 

Doch so schnell ging es dann doch nicht. Einige seiner Kollegen vertraten die Meinung, ohne Tierversuche ginge es nicht, könne man die Physiologie der Tiere nicht veranschaulichen. Dimitrij Leporskij, unser ukrainischer Projektpartner, fuhr nach Zhytomyr, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Es war schwierig, doch am Ende eines langen Tages stimmten alle zu und der Vertrag wurde einige Tage später unterschrieben.


Freuen sich mit Dimitrij Leporskij (zweiter v. li) über die technische und inhaltliche Ausstattung: Irina Onischuk, Alexander Harbar, Tatyana Mostipaka (v. li.)
 

Jährlich 645 Frösche, rund 90 Ratten, Tauben, Schlangen und Eidechsen sowie 60 Wirbellose wie Muscheln und Regenwürmer müssen nun nicht mehr qualvoll sterben. Die Frösche wurden mit der Schere geköpft, um an ihren Muskeln, Nerven und Herzen die Organfunktionen zu studieren; die anderen Tiere wurden im Zoologie-Praktikum getötet, um ihren inneren Aufbau zu untersuchen. 

Das Institut bekam von uns neben einem Laptop und einem Beamer je ein komplettes Zoologie- und ein Physiologie-Set mit 25 CDs/DVDs. Das Institut ist unsere erste Kooperation im 150 km westlich von Kiew gelegenen Zhytomyr. Wir hoffen, dass sich die positiven Erfahrungen mit dem tierversuchsfreien Studium - wie schon in vielen anderen Städten der Ukraine - verbreiten werden. 

Kiew, Ukraine 

In Kiew haben wir bereits vier Institute mit humanen Lehrmitteln ausgestattet und so erfuhr Dr. Jury Kharkevich, Leiter des Instituts für Chirurgie und Pathophysiologie der Nationalen Universität für Lebens- und Umweltwissenschaften, Kiew, durch Kollegen des Nemishaevskiy Kolleg für Agrartechnik von unserem Projekt. An Dr. Kharkevychs Institut wurden bislang jährlich 340 Tiere (Frösche, Meerschweinchen, Kaninchen und Mäuse) schlimmsten pathophysiologischen Experimenten ausgesetzt. Verbrennungen durch Strom am Kaninchen, Schäden durch Säuren und Laugen, Austrocknung, Ödeme und Folgen einer Entzündung am Frosch und andere Grausamkeiten wurden an lebenden Tieren erzeugt und beobachtet. 

Wie in Zhytomyr ging es auch hier nicht so glatt, denn insbesondere der konservative Dekan, tief verwurzelt in dem alten Denken, hatte für neumodische Computer nichts übrig. Doch er geht bald in Rente und der Druck der jüngeren Hochschullehrer veranlasste ihn, dem Vertrag schließlich zuzustimmen.


Dimitrij Leporski (Mitte) mit Dr. Jury Kharkevich, Dr. Maluk Nikolay, Taras Savchuk und Roman Bokotko (v. li.)
 

Das von uns finanzierte und Anfang 2018 fertiggestellte interaktive Pathophysiologie-Programm in russischer Sprache „Virtuelle Pathophysiologie“ kam gerade zur rechten Zeit und erwies sich hier als extrem hilfreich. Sonst wäre es schwierig geworden, adäquate Lehrmittel für diesen Kurs anzubieten. So können wir auch bei diesem schwierigen Fall einen großartigen Erfolg verbuchen, denn jeder Frosch, jede Maus, jedes Kaninchen, das in diesem archaischem System weiter leiden und sterben muss, ist eines zu viel.

Belgorod, Russland 

Prof. Dr. Tayana Kontsevaya, Hochschullehrerin an der Staatlichen Agrar-Universität Belgorod, Russland, setzt sich schon seit vielen Jahren mit Unterstützung durch den russischen Tierrechtsverein VITA und InterNICHE, dem Netzwerk für humane Ausbildung, für ein humanes Tiermedizinstudium ein. Dank InterNICHE konnte gar der Hunde-Simulator Jerry angeschafft werden. Aufgrund des Engagements von Dr. Kontsevayas gab es kaum noch Tierverbrauch in ihrem Bereich. 

Die Uni ist gut mit Computern ausgestattet. Was für ein modernes Studium fehlt, ist die Software. Wir spendeten je ein Set Zoologie- und Physiologie-CDs/DVDs und machten einen Vertrag, der bestätigt, dass das Institut ab 1. September 2018 100% tierversuchsfrei ist.


Die Staatlichen Agrar-Universität Belgorod in Russland

 

Wir werden immer wieder gefragt: Warum könnt Ihr das nicht in Deutschland machen?

In Deutschland funktioniert dieses Projekt nicht, weil es hier nicht am Geld und Wissen mangelt, sondern am guten Willen. Der Grund für das krampfhafte Festhalten an den „tierverbrauchenden“ Übungen lässt sich nur durch einen gewollten Abstumpfungsprozess erklären. Die Studierenden sollen in einem „Initiationsritus“ in die Welt der Wissenschaft eingeweiht werden, in der Tierversuche integraler Bestandteil sind. Sind sie durch die Überwindung, Tiere aufzuschneiden, erst einmal Teil dieser Welt, werden sie die Forschungspraktiken später kaum noch in Frage stellen. In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion stoßen die modernen Lehrmethoden dagegen überwiegend auf großes Interesse. Die Hochschullehrer sind oft nicht so verbohrt wie bei uns, sondern dem Neuen aufgeschlossen gegenüber. Sie wissen nur nicht, wie es ohne Tierversuche geht und haben auch kein Geld. Bei beidem helfen wir ihnen. Ein echter Gewinn für alle Seiten – und vor allem für die Tiere!

Helfen

Für die Ausstattung eines Instituts rechnen wir mit durchschnittlich 2.000 Euro. Dieses lebensrettende Projekt ist nur dank Ihrer Unterstützung möglich! Vielen Dank an alle Spender! Wir hoffen auch weiterhin auf Ihre Hilfe!

Weitere Infos

Übersicht über das Gesamtprojekt >>

Dreisprachige Website www.ukraine-projekt.de

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