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Datenbank

Jetlag bei Mäusen

14. Juli 2016 

Seit nunmehr 20 Jahren dokumentieren wir in unser weltweit einzigartigen Datenbank Tierversuche aus Deutschland, die in Fachzeitschriften publiziert wurden. Heute haben wir 50 neue Einträge hinzugefügt. Selbst für jemanden, der sich seit Jahren damit beschäftigt, gibt es immer wieder „Überraschungen“, auf welch abstruse Fragestellungen und Versuchsanordnungen Experimentatoren kommen.

Dokument 1 – Jetlag bei Mäusen

Am Göttinger Max-Planck-Institut für Biophysikale Chemie wurden allen Ernstes die Auswirkungen von Jetlag auf den Biorhythmus von Mäusen untersucht! Genmanipulierte Mäuse, denen das wichtigste Gen für den Tag-Nacht-Rhythmus fehlt, werden zunächst mindestens zwei Wochen in einem 12:12 h Licht-Dunkel-Rhythmus gehalten. Dann wird plötzlich das Licht ausgeschaltet, d.h. sie leben in totaler Dunkelheit. Am 7. Tag der Dunkelheit werden einige Mäuse getötet, um ihr Gehirn zu untersuchen. Bei weiteren Mäusen wird ein Jetlag simuliert, indem ein 12:12 h Rhythmus plötzlich um 6 Stunden Licht verlängert wird, d.h. 18 h Licht, 12 h dunkel, 12 h Licht usw. Jeweils 10 Mäuse werden am 2. und 4. Tag nach dem Wechsel zur Untersuchung getötet.
Dokumenten-ID: 4700

Dokument 2 - Das Neueste aus der Rattenschnurrhaarforschung

In unserer Datenbank sind bereits ein gutes Dutzend Artikel dokumentiert, die sich mit der Rattenschnurrhaar-Forschung beschäftigen. Einzelne Haare werden mal gezogen, gedrückt, gebogen, abgeschnitten oder berührt, während gleichzeitig Hirnströme gemessen werden. Experimentatoren hauptsächlich in Mainz, Hamburg und Tübingen tun sich mit dieser für die Menschheit immens wichtigen Fragestellung hervor. Nun gibt es neue Erkenntnisse aus dem Exzellenzcluster Werner Reichhardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen, zur Frage wie Ratten es machen, dass sie durch aktives Streichen ihrer Tasthaare über eine Oberfläche diese erkennen und unterscheiden können.
Dazu wird sieben Ratten unter Narkose eine Schraube in den Schädelknochen geschraubt. An dieser wird der Kopf der wachen Ratte fixiert. Als „Trainingsmethode“ wird Wasserentzug eingesetzt. Die Tiere erhalten nur während des Versuchs Wasser und müssen sich ihre tägliche Ration „erarbeiten“, indem sie bestimmte Aufgaben dem Forscherwunsch gemäß erfüllen. Die Tasthaare eines fixierten Tieres werden durch ein Gerät in Vibration versetzt. Nach einer gewissen Zeit wird die Intensität oder Schwingungsfrequenz geändert. Spürt die Ratte die Änderung, muss sie an einem Nippel lecken. Gab es tatsächlich eine Vibrationsänderung, wird das Tier mit einem Wassertropfen belohnt. Leckt die Ratte, obwohl nichts passiert ist, wird sie „bestraft“ indem der Versuch von vorn anfängt.
Dokumenten-ID: 4706

Dokument 3 - Tod durch Anfälle

Typisch für die tierexperimentelle Forschung ist, dass alles im „Tiermodell“ nachvollzogen werden muss. Dazu muss aber erst mal ein „Tiermodell“ entwickelt werden. Die Entwicklung dieser „Tiermodelle“, d.h. die Nachahmung menschlicher Situationen bei Tieren, macht einen Großteil der in unserer Datenbank dokumentierten Tierversuche aus. Etwa 30% der menschlichen Epilepsiepatienten sprechen nicht oder nur schlecht auf die etablierten Epilepsiemedikamente an. Am Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie, Tierärztliche Hochschule Hannover wird versucht, ein „Mausmodell“ zu erzeugen, das diese schwer behandelbaren Epilepsiepatienten simulieren soll. Um Epilepsie bei Mäusen auszulösen, wird alle 20 Minuten eine Substanz namens Pilocarpin in die Bauchhöhle gespritzt, bis die Tiere einen epileptischen Anfall (Status epilepticus) erleiden. Den Tieren wird das Beruhigungsmittel Diazepam verabreicht, um den Anfall zu unterbrechen. Trotzdem sterben von 110 Mäusen, die Pilocarpin erhalten, 50% durch den Anfall. Die 55 Überlebenden entwickeln eine Epilepsie mit gelegentlichen Anfällen.
Sechs Wochen nach dem künstlich hervorgerufenen Start der Epilepsie bekommen die Mäuse nacheinander fünf verschiedene Antiepileptika (Epilepsiemedikamente), die alle schon seit Jahrzehnten beim Menschen eingesetzt werden, in die Bauchhöhle injiziert - jede Woche ein anderes. Eine Gruppe Mäuse erhält eine wirkungslose Substanz (Kontrollgruppe). Nun wird untersucht, in welcher Menge Pilocarpin Anfälle auslöst (Schwellentest). Dazu wird die Substanz durch eine Infusionspumpe kontinuierlich in die Schwanzvene gespritzt, wobei die Tiere am Schwanz festgehalten werden. Zahlreiche Mäuse, insbesondere in der Kontrollgruppe, sterben an den Anfällen. Diese werden durch andere Mäuse ersetzt. Die Versuche ziehen sich über 10 Monate, wobei die Antiepileptika in unterschiedlichen Dosierungen mehrfach getestet werden. Es wird diskutiert, dass die Ergebnisse mit Mäusen und Ratten nicht vergleichbar seien.
Dokumenten-ID: 4696

Dokument 4 - Warum wirkt ein Krebsmittel nicht beim Menschen?

Eine ähnliche Fragestellung, nämlich warum das Krebsmedikament Sorafenib bei Leberkrebs beim Menschen nicht gut wirkt, wird an der Universität Tübingen und anderen Einrichtungen an Mäusen untersucht.
Genmanipulierten Mäusen werden menschliche Leberkrebszellen in die Leber gespritzt. Dazu werden die Tiere betäubt und der Bauch wird aufgeschnitten. Einigen Mäusen wird das Krebsmedikament Sorafenib jeden zweiten Tag per Schlundsonde in den Magen eingegeben. Andere Gruppen von Mäusen erhalten das Medikament Skepinon oder beide Mittel zusammen. Manche Mäuse bleiben unbehandelt. Es wird beobachtet, wann die Mäuse an dem Krebs sterben. Der Sterbezeitpunkt liegt bei allen Gruppen zwischen 40 und 48 Tagen, unabhängig davon, ob und welches Medikament sie bekommen haben. Den toten Mäusen wird die Leber zur Untersuchung entnommen.
Dokumenten-ID: 4701

Dokument 5 - Nerv zerquetscht

Experimentatoren am Leibniz-Institut für Altersforschung, Fritz-Lipmann-Institut (FLI), Jena, wollen die Entzündungsreaktionen und die Entwicklung eines Schwannomas erforschen, einen Nervenscheidentumor, der beim Menschen durch einen Gendefekt hervorgerufen wird. Zunächst wird versucht, dies durch Genmanipulation zu erreichen. Das klappt aber nicht, denn die Mäuse mit dem künstlich erzeugten Gendefekt entwickeln kein Schwannoma, sondern verschiedene Nervenschäden oder Leberkrebs. Um doch noch Schwannomas untersuchen zu können, wird Mäusen unter Narkose ein Hinterbein aufgeschnitten und der Ischiasnerv wird mit einer Klemme 20 Sekunden lang gequetscht. Acht Monate später werden die Mäuse getötet und seziert.
Dokumenten-ID: 4723

Dokument 6 - Ratten die Knochen gebrochen

An der Klinik für Orthopädische und Unfallchirurgie, Heidelberg, wird ein neues „Tiermodell“ für einen schlecht heilenden, infizierten Knochenbruch entwickelt. Bei zehn Ratten wird unter Narkose das rechte Hinterbein geschoren und die Haut wird aufgeschnitten. Am oberen Ende des Schienbeins wird ein Loch in den Knochen bis in die Markhöhle gebohrt. Die Markhöhle wird mit einem Draht ausgehöhlt und eine Lösung Eiterbakterien (Staphylococcus aureus) in die Markhöhle injiziert. Die anderen zehn Ratten werden zum Vergleich nicht infiziert.
Bei allen 20 Tieren wird nun mit einem standardisierten Verfahren der Schienbeinknochen in der Mitte gebrochen. Dazu wird ein 650g schweres Gewicht aus 15 cm Höhe auf den Knochen fallen gelassen. Der Bruch wird chirurgisch repariert, indem ein dicker Draht zu beiden Seiten des Bruches in der Markhöhle eingeführt wird und sie so zusammenhält. Die Haut wird darüber vernäht. Nach fünf Wochen werden alle Tiere getötet, die Schienbeine werden entfernt und auf Heilung und Stabilität untersucht. Das Ergebnis: Die infizierten Knochen sind weniger gut zusammengewachsen als die nicht infizierten. Dokumenten-ID: 4699

Dokument 7 - Fischen die Schwanzflosse abgeschnitten

An der Universität Bayreuth wird Zebrafischen die Schwanzflosse abgeschnitten, um deren Nachwachsen zu untersuchen. Danach dürfen sich die Fische jeweils für eine unterschiedlich lange Zeit bei einer Temperatur von 26-28°C regenerieren. Nach der Regenerationsphase werden die Fische einmal täglich mit Hitzeschocks behandelt. Dazu werden alle Fische für 30 Minuten in 33-34°C warmes Wasser gesetzt und in unregelmäßigen Abständen für 1 Stunde in 37°C warmes Wasser. Schließlich werden die Fische getötet, um die Schwanzflossen gewebekundlich zu untersuchten.
Dokumenten-ID: 4728

Dr. med. vet. Corina Gericke

Ausführliche Beschreibungen und Quellenangaben sind unter www.datenbank-tierversuche.de zu finden. Einfach nach der Dokumenten-ID suchen.

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