facebook
twitter
youtube
instagram

Datenbank

Der Irrsinn der „Tiermodelle“

4.8.2012

Tierversuche seien unerlässlich, um neue Medikamente für unheilbare Krankheiten zu finden? Von wegen! Die Öffentlichkeit wird regelmäßig mit solchen Behauptungen getäuscht. In Wahrheit ist der angebliche Nutzen von Tierversuchen nur vorgeschoben. Die 50 neuen Beschreibungen von in Deutschland durchgeführten Tierexperimenten, die heute in unsere inzwischen über 4.000 Dokumente umfassende Datenbank eingestellt wurden, beweisen aufs Neue den Irrsinn der so genannten „Tiermodelle“, mit denen versucht wird, menschliche Erkrankungen auf krude Weise bei Tieren künstlich nachzuahmen. Und sie zeigen, worum es in der tierexperimentellen Forschung tatsächlich geht: um wissenschaftliches Interesse auf Kosten von fühlenden Lebewesen, um Forschungsgelder, um die Bestätigung von längst bekanntem Wissen und um das Dogma „das wurde schon immer so gemacht“.

Dokument 1

Eine Bandscheibendegenration tritt durch jahrzehntelange Abnutzung auf und kommt naturgemäß bei älteren Menschen vor. Die knorpeligen Zwischenwirbelscheiben werden immer dünner, ihre Elastizität nimmt durch den Verlust der Fähigkeit Wasser zu speichern, ab und sie bekommt Risse. Dieser komplexe Vorgang, der bei Menschen ein ganzes Leben dauert, wird in einer Arbeit aus der Berliner Charitè bei gesunden Kaninchen (ohne Nennung des Alters) simuliert, indem einfach ein Stück einer Bandscheibe herausgeschnitten wird. So soll ein resorbierbares Biomaterial zur Regeneration bei Bandscheibendefekten getestet werden. Als Begründung für die Wahl dieses „Modells“ wird nach dem Motto „das wurde schon immer so gemacht“ auf eine Arbeit aus den 1930er Jahren verwiesen. Die Autoren bemerken, dass Kaninchen nicht aufrecht gehen und daher die Bandscheiben anderen Belastungen ausgesetzt sind. Sie kündigen weitere Studien mit größeren und aufrecht gehenden Tieren an. Die Erkenntnis, dass die Ergebnisse nichts nützen, findet man häufig in wissenschaftlichen Publikationen. Erschreckenderweise folgt daraus nicht die Konsequenz, auf Tierversuche zu verzichten, sondern es wird weitergemacht wie bisher. (Dokumenten-ID: 4109)

Dokument 2

Um die Regeneration von Knochen durch Stammzellen zu untersuchen, wird am Universitätsklinikum Freiburg Kaninchen ein 1,5 cm langes Stück Knochen aus der Elle (Unterarmknochen) gesägt und die Lücke mit einem Knochenersatzgerüst und Stammzellen vom Menschen oder aus dem Knochenmark des jeweils selben Kaninchens bestückt. Der Arm wird nicht durch Schienen o.ä. stabilisiert. Zwei Kaninchen erleiden einen Bruch des Unterarms, d.h. der Speiche. Sie werden vor Ende der Studie getötet. Die anderen Kaninchen werden drei Monate nach der Operation getötet, um die Knochenheilung zu untersuchen. Ergebnis: Die eigenen Stammzellen gehen besser an, als die einer anderen Spezies (Mensch). Die Autoren schließen, dass weitere Forschung nötig sei, um diesem „Phänomen“ auf die Spur zu kommen. Typisch, auch wenn die Ergebnisse noch so banal sind, es werden regelmäßig weitere Studien angekündigt, um den Fluss von Forschungsgeldern und Drittmitteln, mitfinanziert vom Steuerzahler, aufrecht zu erhalten. (Dokumenten-ID: 4088)

Dokument 3

Ein sogenannter Reihenfolge-Reaktionszeittest-Test (sequential reaction time task) wird seit mindestens 1995 bei Menschen durchgeführt, um das unwissentliche Lernen zu erforschen. Versuchspersonen müssen bei einem Lichtsignal eine von vier Tasten drücken. Die Lichtsignale erscheinen dabei in einer bestimmten Reihenfolge. Wird bei gesunden Menschen eine Reihenfolge durch zufällige Signale unterbrochen, verlängert sich die Reaktionszeit. Das heißt, die Person hat die Reihenfolge, auch wenn sie kompliziert ist, unbewusst gelernt und reagiert mit Verzögerung, wenn sie geändert wird. Bei Parkinson-Patienten ist dies oftmals nicht der Fall, da sie die Reihenfolge nicht erlernen können. Forscher der Uni Marburg haben eine Variante dieses Tests für Ratten entwickelt. Die Tiere müssen bei Aufleuchten einer Lampe ihre Nase in ein Loch in einer Wand stecken. Bei jeder 13. richtigen Reaktion gibt es ein Futterpellet. Auch typisch für die tierexperimentelle Forschung: Für Tests oder auch Behandlungsmethoden, die längst beim Menschen etabliert sind, werden „Tiermodelle“ „erfunden“ – einfach, weil es sie noch nicht gibt. (Dokumenten-ID: 4086)

Dokument 4

Um der Frage nachzugehen, warum manche Menschen trotz fettreicher Ernährung weniger an Gewicht zunehmen als andere sowie zur Frage der Bedeutung der körperlichen Aktivität bei der Entwicklung von Fettsucht wird an der Uni Marburg mit Mäusen experimentiert. Es werden Tiere verschiedener Zuchtlinien verwendet, die entweder bei fettreicher Ernährung leicht übergewichtig werden oder nicht dafür anfällig sind. Die Tiere erhalten entweder fettreiche oder normale Nahrung. Es werden verschiedene Tests durchführt. Bei manchen Mäusen wird ein kleiner Radiosender in die Bauchhöhle eingepflanzt, der die körperliche Aktivität des Tieres im Käfig registriert und an einen Computer gesteuerten Empfänger sendet. Einige Mäuse werden getötet, um die Körpermasse, das Körperfett und andere Werte zu ermitteln. Dass Übergewicht ein zunehmendes Problem in unserer Gesellschaft ist, steht außer Frage. Wären hier nicht eher Bevölkerungsstudien, gepaart mit Werbung für gesunde Ernährung und Bewegung angebracht, anstatt Mäusen Sender einzubauen? (Dokumenten-ID: 4094)

Dokument 5

Bei Traumapatienten, die mit großen Mengen Infusionslösung behandelt werden, kann es zu unkontrollierten Blutungen kommen, weil durch die Verdünnung des Blutes die Blutgerinnung herabgesetzt ist. Zur Behandlung der Blutgerinnungsstörung werden in der Humanmedizin verschiedene Mittel eingesetzt. In einer Studie der Firma Behring, Marburg, wird ein Präparat mit Gerinnungsfaktoren an gesunden narkotisierten Ferkeln als „Modell“ für verunfallte erwachsene Patienten getestet. Dabei werden über die Halsvene der Tiere 65-70% des gesamten Blutes abgelassen. Das Volumen wird mit einer Infusionslösung und roten Blutkörperchen wieder aufgefüllt. Anschließend werden Substanzen verabreicht, die die Blutgerinnung wiederherstellen sollen. Nun wird der Bauch der Schweine aufgeschnitten und mit einem Skalpell wird ein 8 cm langer und 1 cm tiefer Schnitt in die Milz geschnitten. Es wird die Zeit gemessen, bis die Milz aufhört zu bluten.

Dokument 6

Ausgewachsene Hausschweine können 180 – 250 kg wiegen. Da Schweine in dieser Größe zu unhandlich sind, wird in der tierexperimentellen Forschung fast immer auf Jungtiere im Alter von drei bis vier Monaten und einem Gewicht von 20-40 kg zurückgegriffen. In diesem Fall sollen also junge, gesunde Ferkel als „Modell“ für verunfallte erwachsene Patienten herhalten, für Menschen, die durch das Trauma vielleicht unter Schock stehen und nicht nur multiple körperliche Verletzungen, sondern auch psychische Schäden erlitten haben. Die Nachahmung einer solch komplexen Situation am „Tiermodel“ ist bar jeder Realität, die Ergebnisse entsprechend wertlos. (Dokumenten-ID: 4081)

Dr. med. vet. Corina Gericke

Ausführliche Beschreibungen und Quellenangaben sind unter www.datenbank-tierversuche.de zu finden. Einfach nach der Dokumenten-ID suchen.

Drucken