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Pressearchiv 2011

 


 

22.12.2011

Leiden für die Schönheit stoppen!

EU will Verkaufsverbot für Tierversuchskosmetik aufweichen

Ursprünglich sollte die letzte Stufe des EU-weiten Verbots von Tierversuchen in der Kosmetik am 11. März 2013 in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt war ein Verkaufsverbot für an Tieren getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe für drei Tiertests (Giftigkeit bei wiederholter Gabe, Reproduktions-Giftigkeit, Toxikokinetik (Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechslung und Ausscheidung einer Substanz) vorgesehen. 

Seit einiger Zeit jedoch steht dieses Verkaufsverbot auf der Kippe, da die Europäische Kommission diesen Termin verschieben wollte, was Zigtausenden Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Mäusen weltweit das Leben kosten würde. 

Einer aktuellen Information der Europäischen Kommission vom 21.12.2011 zufolge will diese die 2013-Frist zwar beibehalten, sieht jedoch eine einschneidende Ausnahmeregelung vor, nach der es weiterhin möglich wäre, innerhalb der EU Kosmetika zu verkaufen, deren Inhaltsstoffe außerhalb der EU an Tieren getestet wurden. Firmen könnten für Inhaltsstoffe eine Ausnahme beantragen, indem sie darlegen, dass die zu testende Substanz eine Weiterentwicklung oder eine Verbesserung für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt darstellt. 

»Für die Tiere spielt es jedoch keine Rolle, ob sie außerhalb oder innerhalb der EU in Tierversuchen gequält werden. Zudem stehen genügend Inhaltsstoffe zur Verfügung, mit denen sich beliebig viele neue Schönheitsmittel herstellen lassen, für die kein Tier leiden muss«, erläutert Dimplom-Biologin Silke Bitz vom Verein Ärzte gegen Tierversuche. 

Im Rahmen der Kampagne 'NEIN zu Tierqualkosmetik!' der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), dem Dachverband der Ärzte gegen Tierversuche, haben sich bereits 140.000 Unterstützer für die ausnahmslose Beibehaltung des Endes der Tierversuche in der Kosmetik ausgesprochen.

Weitere Informationen:

Zur Online-Petition NEIN zu Tierqualkosmetik! >>

Hintergrundinformation Kosmetik und Tierversuche >>

 


 

23.12.2011

Erfolg! Erster REACH-Tierversuch verhindert!

120 Ratten vor Gifttod bewahrt

Die EU-Chemikalienrichtlinie REACH sieht vor, dass Tausende Alt-Chemikalien auf ihre Giftigkeit getestet werden müssen - größtenteils in Tierversuchen. Für einen Teil der geplanten Tierversuche müssen die Herstellerfirmen Anträge an die Chemikalienbehörde ECHA einreichen. Diese werden 45 Tage auf deren Internetseite veröffentlicht, um von Dritten kommentiert zu werden zu können. Toxikologie-Experten des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) und seines europäischen Dachverbandes, der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) prüfen, ob die geforderten Daten nicht schon vorhanden sind oder mit tierversuchsfreien Methoden gewonnen werden können, so dass ein Tierversuch entfallen kann. 

Das Projekt kann jetzt seinen ersten Erfolg verbuchen. Für die Chemikalie Pentasodium Triphosphate, die unter anderem in Haushaltsprodukten, Kosmetika, Nahrungsmitteln oder Industriematerialien vorkommt, konnte dank der Kommentierungen erreicht werden, dass ein Inhalationstest an Ratten in einem 90 Tage dauernden Versuch nicht durchgeführt werden muss. Bei diesem Test werden Ratten jeden Tag über mehrere Stunden in enge Röhren gesteckt und sie müssen Chemikalienstaub in unterschiedlicher Konzentration einatmen. Die Ratten leiden dabei unter Atemnot. In früheren Versuchen starben einige der Tiere. Überlebende Tiere werden nach 90 Tagen getötet, um die Auswirkungen der Substanz auf die inneren Organe zu untersuchen. 

Toxikologe Dr. med. Wolfgang Stengel von Ärzte gegen Tierversuche fand heraus, dass die erforderlichen Daten für die Chemikalie bereits existieren – tatsächlich verfügte auch die Firma, die den Tierversuchsantrag stellte, über Daten aus einem bereits 1974 durchgeführten Tierversuch! Dr. Stengel fand die erforderlichen Daten in einem russischsprachigen Artikel. Zudem fand er eine Untersuchung über die Verwendung der Chemikalie in Haushaltsprodukten, die die Unbedenklichkeit für die Verbraucher belegt. Aufgrund dieser Datenbasis befand der Hersteller, dass die vorhandenen Informationen für eine Registrierung der Chemikalie ausreichen und verzichtete auf den Tierversuchsantrag bei der ECHA. Die Firma spart dadurch eigenen Angaben zufolge Kosten in Höhe von rund 250.000 Euro. 

»Dass aufgrund unserer Kommentierung dieser grausame Tierversuch entfallen kann, ist ein voller Erfolg für uns«, freut sich Dr. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Rund 120 Ratten wird ein qualvoller Vergiftungstod erspart. Bislang wurden von den Experten der ÄgT und der ECEAE 209 Tierversuchsanträge kommentiert. »Der positive Ausgang eines der allerersten Kommentare - er wurde im Mai 2010 eingereicht - zeigt, dass dies eine realistische Chance ist, weitere Tiere vor einem grausamen Schicksal bewahren zu können«, meint die Tierärztin. 

Weitere Information: 

REACH: grausame und sinnlose Chemikalien-Tierversuche >>
Die REACH-Chance: 45 Tage um Tiere zu retten >> 

 


06.12.2011

Erfreuliche Gerichtsentscheidung:

Affenzuchtanlage in Puerto Rico endgültig gestoppt!

Nach Plänen der Firma Bioculture aus Mauritius, die dort bereits Langschwanzmakaken (Macaca fascicularis) für die weltweite Forschung züchtet, sollten 4.000 Affen von Mauritius nach Puerto Rico verbracht werden, um eine neue Affenzuchtanlage für die Belieferung von Tierversuchslabors wie Charles River Laboratories, Pfizer und Covance aufzubauen. 

Dank einer aktuellen Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Puerto Rico konnte die Verwirklichung dieser grausamen Pläne endgültig verhindert werden. Das Komitee gegen den Bau der Affenzuchtanlage warf der Firma Bioculture unter anderem Missbrauch des Genehmigungsprozesses vor. Die Regierung habe in einem Schnellverfahren die Genehmigung erteilt. Das Gericht stellte fest, dass die Firma im Rahmen des Genehmigungsprozesses für die Errichtung der Zuchtanlage falsche Angaben gemacht hatte, so dass die Genehmigung der gerichtlichen Prüfung nicht standhielt. 

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche hatte gemeinsam mit seinen Partnern bei der Europäischen Koalition zu Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) seit bekannt werden der Pläne im Jahr 2009 massiv gegen das Vorhaben von Bioculture protestiert. 

Hintergrundinformation >>

 


09.12.2011

Internationaler Tierrechtstag: Ärzteverein kritisiert millionenfaches Tierleid in den Labors

Anlässlich des Internationalen Tierrechtstags am 10. Dezember kritisiert der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT), dass allein in Deutschland jedes Jahr fast 3 Millionen Tiere für fragwürdige Projekte in Labors zu Tode geforscht werden. An die Politik appelliert der Verein, sich der aus Umfragen deutlich hervorgehenden Forderung zahlreicher Bürger zu stellen und Tierexperimente zu verbieten. Die Tatsache, dass aufgrund der Untätigkeit der Politik die Tierversuchszahlen immer mehr steigen, bezeichnet der Ärzteverein als »Blockade einer ethischen Wertegesellschaft«. 

In einer im Frühjahr 2009 vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführten Umfrage forderten 79 % ein gesetzliches Verbot aller Tierversuche ohne konkreten medizinischen Bezug. 84 % der Befragten sind für die Abschaffung aller Experimente, die mit schwerem Leid für die Tiere einhergehen, unabhängig von der Tierart. Der Ärzteverein sieht darin den hohen Stellenwert der tierleidfreien Forschung in der Gesellschaft bestätigt. 

»Betrachtet man die im Namen des medizinischen Fortschritts stattfindenden Tierversuche, wird deutlich, dass diese nicht das Potential haben, Menschenleben zu retten, wie oft von Experimentatoren und manchen Politiker behauptet, ohne dass der angebliche Nutzen von Tierversuchen nachgewiesen wird«, meint Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. Sie verweist auf die Datenbank Tierversuche, in der Tausende von in Deutschland durchgeführten Tierversuche dokumentiert sind, die dem reinen Bestreben mancher Forscher dienen, ihren Wissensdurst zu stillen oder in Wissenschaftsjournalen zu veröffentlichen. 

Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, Leidtragende sind die Tiere. In Magdeburg beispielsweise werden Wüstenrennmäuse durch Elektroschocks ‚trainiert?. Die Tiere müssen bei Ertönen eines akustischen Signals über eine Wand im Käfig springen. Tun sie es nicht oder springen sie, obwohl kein Ton ertönt, gibt es zur Strafe über das Bodengitter einen Stromschlag. Gleichzeitig werden über zuvor in das Gehirn implantierte Drähte Hirnströme gemessen. 

Im Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung wurden Kätzchen wochenlang unter stroboskopischem Licht, das heißt unter Lichtblitzen wie in einer Diskothek, aufgezogen. Dadurch können die Tiere keine normalen Bewegungsabläufe wahrnehmen, weil jede Bewegung durch das Flackerlicht zerhackt wird. Bezweckt wird damit die Untersuchung der Entwicklung der für das Sehen zuständigen Hirnbereiche. 

»Jeder Bezug dieser Versuche zur für den Menschen relevanten klinischen Forschung ist bar jeder Realität, was die Tierversuche nicht nur Tieren, sondern auch Menschen gegenüber unverantwortlich macht«, kritisiert Bitz. 

Die ins Unermessliche laufenden Tierversuchszahlen und die Durchführung solch moralisch verwerflicher Projekte bekräftigen nach Ansicht der Ärztevereinigung die Forderung an die Politik, endlich die Notbremse zu ziehen und einen klaren Zeitplan zum Ausstieg aus der Methode Tierversuch vorzulegen. Entsprechend unserer modernen Wertegesellschaft muss tierversuchsfreien Projekten der Vorrang gegeben und ein Schlussstrich unter die veraltete und unethische Forschung an Tieren gezogen werden, folgert der Verein. 

Der 10. Dezember wurde erstmals 1998 in England analog zum Tag der Menschenrechte ausgerufen. Seitdem wird dieser Tag weltweit von Tierrechtlern zum Anlass genommen, um all der Tiere zu gedenken, die ihrer Rechte und Würde beraubt wurden und werden. 

Weitere Information:

Absurditäten aus deutschen Labors - Ratten bis auf das Skelett abgemagert - Prädikat »besonders grausam« >> 

Datenbank Tierversuche >> 

Umfrage zu Tierversuchen >>

 


06.12.2011

Vergabe des Medizinnobelpreises:

Ärztevereinigung fordert Nobelpreis für Forschung ohne Tierversuche

Anlässlich der Vergabe des Medizinnobelpreises an Forscher, die ihre Ergebnisse teilweise aus Versuchen mit Tieren gewonnen haben, fordert der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) die Nobelstiftung auf, in Zukunft nur noch tierversuchsfreie Forschung bei der Preisvergabe zu berücksichtigen. Nach Ansicht des Vereins bietet die Forschung ohne Tierversuche ein ungeheures Potential. Die Vergabe des Nobelpreises an tierversuchsfrei arbeitende Forscher wäre ein wichtiges Signal im Sinne einer ethisch vertretbaren und fortschrittlichen Wissenschaft.

Drei Preisträger teilen sich die mit 1,1 Millionen Euro dotierte Auszeichnung für ihre Forschungen zum Immunsystem. Einer von ihnen, Bruce Beutler vom Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien, und sein Team suchten in Tierversuchen an Mäusen nach dem Rezeptor für bakterielles Lipopolysaccharid (LPS). Dieser kann einen septischen Schock auslösen, eine lebensbedrohliche Überstimulation des Immunsystems. Die Forscher entdeckten ein Gen, das für den LPS-Rezeptor und damit die Immunreaktion verantwortlich ist – zumindest bei Mäusen.

Für seine Forschungen verwendete Bruce genetisch veränderte Mäuse, die aus dem Freiburger Max-Planck-Institut für Immunbiologie stammen. Die Forschung an genveränderten Tieren ist mit einer hohen Ausschussproduktion verbunden, beklagt der Ärzteverein. Bis zu 99 % der Tiere weisen nicht die gewünschten gentechnischen Defekte auf und werden wie Abfall entsorgt. »Die boomende Gentechnik lässt die Tierversuchszahlen explodieren«, weiß Biologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. »Dabei werden die ‚unbrauchbaren’ Tiere noch nicht einmal mitgezählt«. Den Statistiken des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge wurden in Deutschland im Jahr 2010 rund 723.000 transgene, d.h. gentechnisch veränderte Tiere, in Tierversuchen getötet. Das entspricht einem Anteil von 25 % der insgesamt 2,9 Millionen Tiere. Vor zehn Jahren waren es noch knapp 10 %, nämlich 204.000 von 2,1 Millionen Tieren. »Neben der ethischen Problematik kommt hinzu, dass die klinische Relevanz dieser Art der Forschung äußerst fraglich ist. Erkenntnisse aus diesen Tierversuchen haben allenfalls akademischen Charakter«, ist sich Bitz sicher.

Die Verleihung der Preise in Stockholm und Oslo findet jedes Jahr am 10. Dezember statt, dem Todestag Alfred Nobels. Ihre Vorlesung halten die Preisträger am 8. Dezember. Nach dem Willen von Alfred Nobel sollte der Preis an denjenigen verliehen werden, der im letzten Jahr mit seiner Entdeckung den größten Nutzen für die Menschheit erbracht hat. Nach Ansicht der Ärztevereinigung ist die Erforschung von Mechanismen und Ursachen menschlicher Erkrankungen wichtig, Tierversuche würden hierbei jedoch ein falsches Bild liefern, da Mensch und Tier sich wesentlich in Körperbau, Organfunktionen und Stoffwechsel voneinander unterscheiden. Zudem sind die wenigsten menschlichen Krankheiten auf einen einzelnen Gendefekt zurückzuführen, sondern durch vielfältige Faktoren aus der Umwelt und der Lebensweise des Menschen beeinflusst. Diese komplexen Ursachen kann man im Tierversuch nicht nachahmen.

Immer wieder werden aufgrund von Tierversuchen Durchbrüche in der Medizin angekündigt, die am Ende aber nicht eintreten, da die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind. »Die Kombination aus modernen Verfahren wie computergestützte Simulationen der Abläufe im menschlichen Körper, Zellsystemen oder Biochips sowie klinische Forschung hingegen bilden die Situation beim Menschen viel besser ab, da die Ergebnisse auf menschlichen Daten basieren«, erklärt Bitz abschließend.


18.11.2011

Bremer Behörde untersagt Hirnforschung an Affen

Ärztevereinigung begrüßt Entscheidung

 

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zeigt sich erfreut über die erneute Entscheidung der Bremer Gesundheitsbehörde, den Versuchsantrag von Prof. Kreiter auf Durchführung von Grundlagenforschung am Hirn von Affen nicht zu genehmigen. Sie sieht darin eine vorbildliche Umsetzung des Staatsziels Tierschutz, nach dem der Forschungsfreiheit nicht einfach im Zuge alter Gewohnheiten der Vorrang gegeben werden dürfe.

Die Genehmigungsbehörde versagte erstmals im Jahr 2008 die Erlaubnis zur Durchführung der Affenversuche. Kreiter klagte gegen den Ablehnungsbescheid. Im Mai 2010 gab das Gericht der Klage des Forschers teilweise statt und gab der Behörde auf, über den Antrag neu zu entscheiden. Die Behörde musste durch Gutachten die Belastung der Tiere sowie die Bedeutung des Forschungsvorhabens klären. Die Ablehnung der Versuche durch die Behörde wurde durch das Gericht aufgehoben, so dass Kreiter seine Versuche bis Ende November 2011 fortsetzen konnte.

Einem aktuell vorgelegten Gutachten des renommierten amerikanischen Psychologieprofessors John Gluck zufolge ist das Leid der Affen als ‚moderat bis erheblich’ einzustufen und insbesondere der Wasserentzug als sehr belastend zu werten. Die Angaben Kreiters, die Affen würden nicht leiden, werden deutlich widerlegt und damit die Auffassung der Bremer Behörde gestärkt.

Im August 2011 beantragte Kreiter die Fortführung seiner Hirnversuche an Affen bis 2014. Die zuständige Genehmigungsbehörde lehnte den Antrag nun erneut ab. Dagegen will die Universität wiederum klagen. Nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche gibt es für die Hirnversuche an Affen keine Rechtfertigung, da sie mit extremem Leiden verbunden sind, gegenüber einer ergebnisfreien Forschung.

In Deutschland wird seit rund 30 Jahren Hirnforschung an Affen betrieben, vorgeblich, um damit möglicherweise Krankheiten wie Epilepsie oder Parkinson verstehen zu können - Therapien für menschliche Erkrankungen resultieren daraus jedoch keine. »Die Tiere werden zum reinen Erkenntnisgewinn einzelner Forscher über die Funktionsweise des Affenhirns stundenlang bewegungsunfähig fixiert, ihr Hirn wird aufgebohrt um Messelektroden einzuführen und sie werden durch Flüssigkeitsentzug zur Mitarbeit gezwungen«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. Für den medizinischen Fortschritt ist diese Forschung irrelevant, da eine zuverlässige Übertragung von Erkenntnissen aus der Affenforschung auf den Menschen nicht möglich ist, so die Ärztevereinigung.

In München und Berlin wurden den Bremer vergleichbare Hirnversuche an Affen ebenfalls abgelehnt, da die Behörden das Leid der Tiere als zu hoch und den medizinischen Nutzen als nicht gegeben sahen. Die in München zuständige Behörde machte in ihrem Ablehnungsbescheid 2008 deutlich: „Um einem lebensbedrohlichen Leiden (Durst) zu entrinnen, fügt sich das Tier in ein anderes erhebliches Leiden (Kopffixierung im Primatenstuhl)«.

»Wie ethische und klinisch relevante Hirnforschung aussehen kann, zeigt unter anderem die britische Universität Durham, wo mittels Transkranieller Magnetstimulation Wahrnehmung, Lern- und Gedächtnisverhalten an Probanden gefahrlos erforscht werden. Die vor rund zwei Jahrzehnten entwickelte Methode wird in der Diagnostik und Behandlung von neurologischen Krankheiten eingesetzt«, erklärt Bitz.

Die Ärzte gegen Tierversuche betonen, wie wichtig es ist, dass die Bremer Genehmigungsbehörde, deren Entscheidung nun durch ein Gutachten bestätigt wurde, weiterhin Rückgrat zeigt und unterstützen deren Widerspruch. Der Verein appellierte in einem Schreiben an die Behörde, im weiteren Verfahren an den klaren Belegen gegen die Affenhirnforschung festzuhalten.

Weitere Informationen
Der Fall Bremen >>
Hirnforschung mit Sinn und Verstand >>
Parkinsonforschung ohne Tierleid >>
 


10.11.2011

Im Tierversuch wirksam, beim Menschen nutzlos

Medikament Xigris vom Markt genommen

Die Pharmafirma Lilly nahm Ende Oktober 2011 Drotrecogin Alfa, ein Mittel gegen Blutvergiftung, weltweit vom Markt. Zehn Jahre nach der Zulassung hat eine Patientenstudie ergeben, dass das unter dem Handelsnamen Xigris vertriebene Medikament nicht wirkt. Laut dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche sind Tierversuche der Hauptgrund dafür, dass nutzlose Medikamente produziert werden.

Schon bei der Zulassung im Jahr 2002 war der Wirkstoff Drotrecogin Alfa umstritten, da keine umfassenden Daten für die Wirksamkeit vorlagen. Nach Markteinführung durchgeführte klinische Studien ergaben sogar ein erhöhtes Risiko für Blutungen als schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkung. Trotzdem blieb die in der Intensivmedizin bei schwerstkranken Menschen eingesetzte Substanz auf dem Markt. Nach Abschluss einer weiteren Patientenstudie, der zufolge Patienten mit septischem Schock unter Xigris nicht länger überleben als mit Plazebo, nahm jetzt der Hersteller Lilly das Mittel freiwillig weltweit vom Markt.

»In der Sepsisforschung werden entsetzlich grausame Tierversuche durchgeführt«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Um eine Blutvergiftung künstlich zu erzeugen, werden bei Mäusen Löcher in den Darm gestochen, so dass Darminhalt in die Bauchhöhle gelangt und so eine Bauchfellentzündung mit Blutvergiftung hervorgerufen wird. Bei Schweinen werden Bakterien in die Blutbahn injiziert. »Die Tiere erleiden schreckliche Qualen und sterben nach tagelangem Siechtum an Organversagen«, berichtet Tierärztin Gericke. »Diese Tierversuche sind nicht nur extrem grausam, sondern für die Medizin auch vollkommen nutzlos. Komplexe menschliche Krankheiten werden dabei auf einzelne Symptome reduziert und in sogenannten 'Tiermodellen' nachgeahmt, die jedoch nichts mit der Realität zu tun haben.« Sepsis kann beim Menschen beispielsweise durch eine eitrige Wunde, einen Unfall oder eine Lungenentzündung entstehen, wenn krankmachende Bakterien in die Blutbahn gelangen. Sofern durch die Blutvergiftung lebenswichtige Organe versagen, kommt es zum septischen Schock.

Nach Ansicht der Ärztevereinigung sind Ergebnisse aus solchen Tierversuchen nicht auf die klinische Situation in der Humanmedizin übertragbar. Der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zufolge werden 92 % der im Tierversuch für sicher und wirksam befundenen neuen Substanzen nicht zugelassen. Denn in den anschließenden klinischen Phasen, in denen die Arzneien erstmals am Menschen erprobt werden, stellt sich heraus, dass sie entweder nicht wirken oder schwerwiegende Nebenwirkungen haben. »Tierversuche sind nicht geeignet, um wirksame und sichere Arzneimittel zu entwickeln. Vielmehr gleicht es einem Glücksspiel, bei Mensch und Tier auf eine ähnliche Wirkweise zu spekulieren - das hat mit sinnvoller Wissenschaft nichts zu tun«, resümiert Tierärztin Gericke.

Xigris hat es trotz seiner nicht erwiesenen Wirkung auf den Markt geschafft. Ein Behandlungszyklus kostet 10.000 €. »Die Pharmaindustrie setzt alles daran, auch unwirksame und gefährliche Medikamente möglichst lange zu verkaufen. Profit ist ihr wichtiger als das Wohl kranker Menschen«, ist sich die Tierärztin sicher.

Die Ärztevereinigung hält den Einsatz von menschlichen Zellkultursystemen und anderen tierversuchsfreien Forschungsmethoden aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen für geboten. „So lassen sich sinnvolle, für den Menschen relevante Ergebnisse erzielen«, erklärt Gericke abschließend.

Quelle: arznei-telegramm 2011, 42 (11), 100

Weitere Informationen: Sepsisforschung am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig >>


02.11.2011

2,9 Millionen Forschungsopfer

Tierversuche nehmen weiter zu

Im Jahr 2010 starben rund 2,9 Millionen Wirbeltiere in deutschen Labors, 70.000 mehr als im Jahr zuvor. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche zeigt sich entsetzt über die aktuell veröffentlichte Tierversuchsstatistik des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Der Ärzteverein fordert von der Politik die Reißleine zu ziehen und endlich die tierversuchsfreie Forschung zu stärken. Das würde nicht nur Tieren unnötiges Leid ersparen, sondern ist beste Voraussetzung für eine sinnvolle Medizin für Menschen.

»Seit 1996 nimmt in Deutschland die Zahl der im Namen der Wissenschaft geopferten Tiere massiv zu, obwohl die Politik gebetsmühlenartig zusichert, Tierversuche zumindest reduzieren zu wollen«, kritisiert Dipl.-Biol. Silke Bitz von der Ärztevereinigung. Von den 2.856.316 Tieren insgesamt, waren rund zwei Millionen Mäuse, etwa 442.000 Ratten, 166.000 Fische, 89.000 Kaninchen, 27.000 Meerschweinchen, 3.004 Hunde, 2.789 Affen, 805 Katzen sowie Tiere zahlreicher anderer Arten.

»Besonders bei den Mäusen ist seit Jahren eine dramatische Zunahme zu beobachten«, erklärt Bitz. So wurden 2010 fast 90.000 Mäuse mehr verwendet als 2009. Dies ist vor allem auf die Gentechnik zurückzuführen. Der Anteil genmanipulierter Tiere, denen beispielsweise artfremde Gene eingeschleust werden, hat sich um 19 % auf 722.793 erhöht. Hinzu kommen die ‚Ausschuss’tiere in einer Größenordnung von bis zu 99 %, die nicht die gewünschten gentechnischen Defekte aufweisen und getötet werden, ohne in der offiziellen Statistik erfasst zu werden.

Besonders alarmierend ist nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche auch der Anstieg bei den Affen. Im Jahr 2010 mussten fast 500 Affen mehr in Tierversuchen leiden als im Vorjahr.

»35 % der geopferten Tiere gehen auf das Konto der zweckfreien Grundlagenforschung. Aus reiner Forscherneugier oder unter dem Vorwand, Fortschritte in der Medizin zu erlangen, werden Tiere vergiftet, mit Krankheitserregern infiziert oder ihnen werden Elektroden in das Gehirn gesteckt oder fremde Gene in das Erbgut eingeschleust«, erläutert Bitz den alltäglichen Laboralltag für Millionen Tiere.

»Einen Nutzen aus Tierversuchen gibt es nicht, im Gegenteil, sie sind nicht nur grausam, sondern für den Menschen gefährlich«, meint Bitz und verweist auf die jährlich über 58.000 Arzneimitteltoten allein in Deutschland, die durch Einnahme von tiergetesteten und für sicher befundenen Medikamenten schwere Schäden erleiden oder sterben. Das ist nicht nur Tieren gegenüber verantwortungslos, sondern auch kranken Menschen, denen falsche Hoffungen gemacht werden, kritisiert der Ärzteverein.

Dass die Simulation menschlicher Krankheiten am Tier hinsichtlich der Übertragbarkeit auf den Menschen von Vornherein zum Scheitern verurteilt ist, liegt nach Ansicht der Ärztevereinigung in der Natur der Sache: Tiere und Menschen unterscheiden sich in Körperbau, Organfunktionen und Stoffwechsel wesentlich voneinander, folglich kann ein und dieselbe Substanz zu völlig unterschiedlichen Reaktionen führen. Aspirin beispielsweise schädigt bei Hunden, Katzen, Affen, Ratten und Mäusen den Embryo, nicht aber beim Menschen. Umgekehrt waren extrem embryotoxisch wirkende Substanzen, wie das Schlafmittel Thalidomid (Contergan), im Routine-Tierversuch völlig unauffällig. Penicillin ist gut verträglich für Menschen, aber schädlich für Meerschweinchen und Arsen führt beim Menschen zum Tod, bei Schafen nicht.

Die Ärzte gegen Tierversuche sehen in der erneut gestiegenen Zahl der in der Forschung verbrauchten Tiere bei gleichzeitig zunehmenden Krankheiten und immer wieder bekannt werdenden Arzneimittelkatastrophen das Versagen des Systems Tierversuch bestätigt. Der Verein fordert umgehend auf diesem unethischen und wissenschaftlich falschen Weg zu wenden und sich konsequent den modernen Forschungsmöglichkeiten ohne Tierversuche zu widmen.

Weitere Information: Tierversuchsstatistiken >>


24.10.2011

Universität Ulm beendet Versuche an lebenden Schweinen

Nach der Kritik der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. hat sich die Universität Ulm dazu bereit erklärt, einen umstrittenen Kurs für Medizinstudenten und Assistenzärzte, in dem lebende Schweine zerstückelt und anschließend getötet werden, künftig nicht mehr anzubieten. Die Universitätsleitung teilte PETA am vergangenen Freitag mit, dass »der Naht- und Operationskurs im Wintersemester nicht mehr Teil des Wahlpflichtcurriculums an der Universität ist.«

Nachdem PETA einen Aufruf gegen die grausamen Praktiken an der Universität Ulm gestartet hatte, gingen in den ersten Stunden über 3.000 Protest-Mails bei den Verantwortlichen ein und legten Medienberichten zufolge zeitweise den Server der Klinik lahm. Mehrmals in der Vergangenheit hatte PETA die Verantwortlichen dazu aufgefordert, den Kurs, der allem Anschein nach gegen das Tierschutzgesetz verstieß, nicht mehr anzubieten. In einem Schreiben Anfang Oktober hatte PETA zusammen mit Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, Facharzt für Chirurgie und Mitglied bei dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche, erneut an die Verantwortlichen appelliert.

PETA und Ärzte gegen Tierversuche wiesen wiederholt darauf hin, dass zahlreiche tierversuchsfreie Ausbildungsmethoden und moderne Operationssimulationen zur Verfügung stehen, die realitätsnaher und sinnvoller für angehende Chirurgen sind, zumal Eingriffe an lebenden Schweinen aufgrund unterschiedlicher Anatomie ein völlig falsches Bild vermitteln.

Als die Uni sich zunächst uneinsichtig zeigte, rief PETA schließlich am Freitag zu einer Online-Protestaktion auf, der sich auch die Ärzte gegen Tierversuche anschlossen und in deren Folge nach wenigen Stunden die Nachricht von der Uni Ulm über das Ende des Kurses einging. »Wir deaktivieren nun unseren Aufruf und bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben, für die Unterstützung«, sagt Christine Esch, Tierärztin bei PETA. »Gemeinsam können wir viel für die Tiere erreichen.«

Hintergrundinformationen >>


21.10.2011

 

Update

Kurz nach Start der Kampagne erreicht uns die Nachricht, dass die Uni Ulm den von uns kritisierten Kurs in Zukunft nicht mehr anbieten wird! Ein großartiger Erfolg!
 

 

Schluss mit der Zerstückelung von lebenden Schweinen!

PETA und Ärzte gegen Tierversuche fordern die sofortige Einstellung der grausamen Praktiken an der Universität Ulm

Die Universität Ulm bietet ihren Medizinstudenten und Assistenzärzten einen Kurs an, in dem lebende Schweine zerstückelt und anschließend getötet werden. Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. sieht darin einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und hat die Universitätsleitung mehrfach zur sofortigen Einstellung der Übungen aufgefordert. Nachdem die Verantwortlichen keinerlei Einsicht zeigten, hat PETA nun einen Aktionsaufruf gestartet, damit Tierfreunde bei der Universität und den zuständigen Behörden Protest einlegen können. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche schließt sich diesem Aktionsaufruf an.

Gemeinsam mit Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, Mitglied bei Ärzte gegen Tierversuche sowie unter anderem Facharzt für Chirurgie und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, hat PETA kürzlich erneut an die Verantwortlichen appelliert, den Kurs nicht mehr anzubieten, sondern auf vorhandene fortschrittliche und pädagogisch sinnvolle, tierversuchsfreie Ausbildungsmethoden zurückzugreifen, wie sie an anderen Einrichtungen erfolgreich Anwendung finden. Der Universitätsleitung wurde zudem ein umfassendes Dossier über verfügbare tierfreie Lehrmittel für die einzelnen Kursziele zugestellt. Somit steht eine Vielzahl an modernen Operationssimulationen und Übungsmodellen zur Verfügung.

Das Tierschutzgesetz erlaubt Eingriffe an Tieren, wie sie in Ulm praktiziert werden, nur dann, wenn es keine anderen Ausbildungsmöglichkeiten gibt. Doch trotz vorhandener tierfreier Methoden sah sich weder die Universität noch die Genehmigungsbehörde in Tübingen dazu veranlasst, einzulenken. Vielmehr wurde die Meinung vertreten, dass die Kurse sowohl fachlich unverzichtbar als auch ethisch vertretbar seien. Den Schweinen werden in dem Kurs verschiedene Organe entnommen, sie werden verstümmelt und am Ende des Tages getötet. Unter anderem werden Teile von Leber und Darm entfernt und die Stümpfe wieder aneinander genäht.

PETA und Ärzte gegen Tierversuche kritisieren das Vorgehen der Universität Ulm aufs Schärfste, zumal die meisten Universitäten in Deutschland auch ohne solche Praktiken hervorragende Chirurgen ausbilden. »Diese Lernziele können heutzutage mit kreativen, modernen und durchdachten Ausbildungsmethoden anstatt mit der Verstümmelung lebender Individuen erreicht werden«, sagt Christine Esch, Tierärztin bei PETA. »Es gibt keine Rechtfertigung dafür, Tiere absichtlich zu verletzen und zu töten, erst recht nicht für Auszubildende eines Heilberufes.« Dr. med. vet. Corina Gericke von Ärzte gegen Tierversuche e.V. fügt hinzu: »Angehende Chirurgen bekommen durch Operationen am Tier schon durch die unterschiedliche Anatomie ein völlig falsches Bild. Übungen an menschenähnlichen Modellen und Simulationen sind daher zum Erlernen von Operationstechniken zur Anwendung am Menschen realitätsnaher und sinnvoller, zudem wird den Tieren unnötiges Leid erspart.«

Das gemeinsame Schreiben von PETA Deutschland e.V. und Ärzte gegen Tierversuche e.V. ist auf Anfrage erhältlich.

Weitere Informationen:

Aktionsaufruf und Hintergrundinfos >>


19.10.2011 

Ende der Affenqual in Baden-Württemberg gefordert

Ärzteverein überreicht 60.000 Unterschriften an neue Landesregierung

Stellvertretend für über 60.000 Bürger und Wähler überreichte Dipl.-Biol. Silke Bitz von der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche am 18. Oktober 2011 dem Amtschef im Ministerium für Ländlichen Raum, Wolfgang Reimer, die gesammelten Unterschriften für ein sofortiges Ende der Hirnforschung an Affen in Baden-Württemberg und legte im Gespräch die Forderungen an die grün-rote Landesregierung ausführlich dar.

Im Rahmen der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« hatte der Ärzteverein in den vergangenen rund zweieinhalb Jahren zum Protest gegen die Hirnversuche an Affen an drei Tübinger Instituten aufgerufen. Reimer zeigte sich beeindruckt von der großen Anzahl der Unterschriften und bezog Stellung zu den geäußerten Anliegen. Unsere Ärztevereinigung wird mit Nachdruck darauf drängen, dass die vor der Wahl formulierten Ziele der beiden Regierungsparteien hinsichtlich der Stärkung der tierversuchsfreien Forschung und insbesondere dem erklärten Ausstieg aus den Affenversuchen innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens, nicht bloße Absichtserklärungen bleiben.

Unterstützt wird die Forderung nach einem Ende der Hirnforschung an Affen vom grünen Landtagsabgeordneten Reinhold Pix, dem tierschutzpolitischen Sprecher der grünen Regierungspartei, der bei der Unterschriftenübergabe und dem Gespräch dabei war. Auch unter anderem das Bündnis der im Landesbeirat für Tierschutz des Baden-Württembergischen Ministeriums für Ländlichen Raum vertretenen großen Tierschutz- und tierschutzorientierten Organisationen, hat sich der Kampagne angeschlossen.













Fotos: Grüne Landtagsfraktion / Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Weitere Information:

Pressemitteilung vom 14.10.2011 >>

Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« >>


 


14.10.2011

Ende der Affenqual in Baden-Württemberg gefordert

Ärzteverein überreicht 60.000 Unterschriften an neue Landesregierung

Am 18. Oktober 2011 überreichen Vertreter der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche dem Ministerialdirektor Wolfgang Reimer stellvertretend für zahlreiche Bürger und Unterstützer der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« 60.000 Unterschriften verbunden mit der Aufforderung, dem Beispiel anderer Bundesländer zu folgen und der Hirnforschung an Affen in Baden-Württemberg die rote Karte zu zeigen.

»In unserem Wahlprogramm hatten wir uns klar zu einem Ende der Affenversuche innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens ausgesprochen sowie möglichst für eine Abschaffung der Tierversuche generell, zumindest aber eine jährliche Reduzierung um zehn Prozent. Unseren Bürgern und Wählern gegenüber sind wir hierzu nun verpflichtet und müssen diesen Regierungsauftrag umgehend erfüllen«, meint Reinhold Pix gegenüber der Ärztevereinigung. Der Landtagsabgeordnete und tierschutzpolitische Sprecher der grünen Regierungspartei wird bei der Unterschriftenübergabe zugegen sein.

Die Affen bekommen Geräte auf dem Kopf installiert und es werden Elektroden in das Gehirn eingeführt, weil die Forscher herausfinden wollen, wie ein Affe zählt oder auf bestimmte Gesichter reagiert. »Für die Krankheitsforschung des Menschen sind diese Erkenntnisse unbrauchbar, da man von einem Affenhirn aufgrund der großen Unterschiede nicht auf ein Menschenhirn schließen kann«, kritisiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

In seiner Begründung für die Forderung nach einem sofortigen Verbot der Hirnversuche an Affen verweist der Ärzteverein zudem auf die Einschätzung der Genehmigungsbehörden anderer Bundesländer, die derartige Forschungsprojekte nicht mehr genehmigt haben, da das Leid der Affen als zu hoch und der medizinische Nutzen als nicht gegeben erkannt wurden. In seinem Ablehnungsbescheid legte beispielsweise das in Berlin zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales dar: »Um einem lebensbedrohlichen Leiden (Durst) zu entrinnen, fügt sich das Tier in ein anderes erhebliches Leiden (Kopffixierung im Primatenstuhl)«. Die weiteren im Versuchsablauf stattfindenden Eingriffe wie die lokale Drogenapplikation, die chemische oder elektrische Aktivierung bestimmter Hirnbereiche oder die Messungen im Magnetresonanztomographen stuft die Behörde als zusätzliche Belastung ein. Auch die Genehmigungsbehörden in Bremen und München lehnten Versuche am Affenhirn aus diesem Grund ab.

In Baden-Württemberg hingegen werden vergleichbare Hirnversuche an Affen noch immer praktiziert. Auf Nachfrage der Ärztevereinigung bei der ehemals schwarz-gelben Landesregierung, welchen medizinischen Nutzen die Affenhirnforschung erbracht habe, hieß es pauschal, die Prüfung des unmittelbaren Nutzens, z.B. im Sinne eines therapeutischen Fortschritts, sei nicht angezeigt, da es sich um Grundlagenforschung handelt.

»Es ist an der Zeit, dass sowohl die Genehmigungsbehörden als auch wir als verantwortliche Politiker wahrnehmen, dass die Forschungsfreiheit seit der Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz vor fast zehn Jahren nicht mehr grenzenlos sein darf«, kommentiert Pix.

Die Ärztevereinigung ist optimistisch, mit der neuen grün-roten Landesregierung auch in Baden-Württemberg Fortschritte in Richtung einer modernen tierversuchsfreien Forschung zu erreichen. »Wir erwarten nun von den Regierungsparteien einen konkreten Fahrplan zur Verwirklichung der gesteckten Ziele, damit Baden-Württemberg die Entwicklung zu einem innovativen, führenden Forschungsstandort, bei dem Ethik und gute Wissenschaft vereint werden, nicht verpasst«, so Bitz abschließend.

Die Unterschriftenübergabe findet am 18. Oktober um 11 Uhr im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Kernerplatz 10, 70182 Stuttgart, statt.

Weitere Information:

Pressemitteilung vom 25. Mai 2011 >>

Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« >> 


04.10.2011

Infostand für Tübingens gequälte Affen

Ärzte gegen Tierversuche und Tübingen für Tiere fordern sofortiges Ende der Hirnversuche

Im Rahmen der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« lädt der neue Verein Tübingen für Tiere gemeinsam mit dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche am Samstag, 8. Oktober 2011 ab 12 Uhr, zum Infostand auf dem Tübinger Holzmarkt ein. Anlass ist die in wenigen Tagen stattfindende Unterschriftenübergabe des Ärztevereins an die Landesregierung, bei der den Verantwortlichen die Brisanz des Themas und die Notwendigkeit des Ausstiegs aus der »zweckfreien Neugierforschung« am Hirn von Affen aufgezeigt wird.

Hintergrund der Kampagne ist, dass in Baden-Württemberg an drei Instituten, die sich alle in Tübingen befinden*, noch immer Tierversuche am Hirn von Rhesusaffen stattfinden, wie sie in anderen Bundesländern seit Jahren nicht mehr genehmigt wurden. So wurden in München, Berlin und Bremen vergleichbare Versuche von den Genehmigungsbehörden aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens abgelehnt. Damit wurde auch dem im Grundgesetz verankerten Tierschutz Rechnung getragen.

Am Infostand können sich Interessierte darüber informieren, was mit den Affen in Tübingen passiert und vorbereitete Postkarten an den baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Alexander Bonde ausfüllen, mit der Aufforderung, die qualvollen Versuche zu beenden.

Die Ärzte gegen Tierversuche kritisieren die Forschung an hochsensiblen Tieren, die wie Menschen Freude, Angst und Schmerz empfinden, als qualvoll und für die Krankheitsforschung des Menschen irrelevant. Im Rahmen der zweckfreien Grundlagenforschung werden den Affen in Tübingen Geräte auf dem Schädel installiert und Messelektroden in das Gehirn eingeführt, weil sich die Forscher dafür interessieren, wie ein Affe zählt oder auf bestimmte Gesichter reagiert. Da die Affen sich nicht freiwillig diesen Prozeduren fügen, werden sie durch den Entzug der lebenswichtigen Ressource Wasser zur Kooperation gezwungen. Außerhalb der Experimente bekommen die Tiere nichts zu Trinken. Um ihre Durstqualen zu stillen, müssen die wehrlosen Tiere es ertragen, täglich stundenlang mit angeschraubtem Kopf am Bildschirm Aufgaben nach Forscherwunsch zu lösen. Nur wenn der Affe richtig reagiert, bekommt er über einen Schlauch einen Tropfen Saft.

Im Januar 2009 startete der Ärzteverein die Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen«. In den Jahren 2009 und 2010 hatte er Demonstrationen in Tübingen zum Protest gegen die Hirnforschung an Affen organisiert. Am 18. Oktober 2011 werden die Ärzte gegen Tierversuche stellvertretend für Tausende von Bürgern und Wählern die bislang gesammelten Unterschriften der neuen grün-roten Landesregierung überreichen, verbunden mit der Aufforderung an die Koalition, Versuchen am Affenhirn umgehend einen Riegel vorzuschieben und damit dem Vorbild anderer Bundesländer zu folgen.

*Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen; Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen; Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen.

Veranstaltung im Überblick:
Infostand gegen Hirnforschung an Affen,
Samstag, 8. Oktober 2011, ab 12 Uhr auf dem Holzmarkt in Tübingen

Weitere Information:
Hintergrundinformation »Stoppt Affenqual in Tübingen!« >>
Demo in Tübingen 2009 >>
Demo in Tübingen 2010 >>


28.09.2011

Welttierschutztag:

Ärztevereinigung rügt mangelndes Engagement der Bundesregierung in Sachen tierversuchsfreie Forschung

Zum diesjährigen Welttierschutztag resümiert die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (Ägt), dass die Politik dem klarem Bürgerauftrag, tierversuchsfreie Testmethoden stärker zu berücksichtigen, nicht nachkommt. Viel mehr beharre die deutsche Regierung auf ihrer Pro-Tierversuchshaltung und blockiere damit innovative und ethische Forschung.

Nach Aussage der Ärztevereinigung hat sich die deutsche Politik in einigen zentralen Entscheidungen hinsichtlich der Stärkung der tierversuchsfreien Forschung äußerst unrühmlich verhalten. So befürwortet die Bundesregierung die Pläne der EU, die letzte Stufe des EU-weiten Ausstiegs aus Tierversuchen in der Kosmetik nicht wie geplant 2013 in Kraft treten zu lassen, sondern Tierversuche noch weitere zehn Jahre zuzulassen.

In den Abstimmungen um die EU-Tierversuchsrichtlinie bezeichnete das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in einem internen Schreiben den Tierschutz als ‚lästiges Hindernis? und war damit maßgeblich dafür verantwortlich, dass der ursprüngliche Entwurf so verschlechtert wurde, dass es auch künftig für Tierversuche in der EU keine wirkungsvolle Einschränkung geben wird. »Als Ärztevereinigung stehen wir nun vor der schwierigen Aufgabe, bei der derzeit stattfindenden Umsetzung in deutsches Recht Sorge zu tragen, dass das Tierschutzgesetz nicht noch weiter verschlechtert wird«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz von der Ärztevereinigung.

In einer im Frühjahr 2009 vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführten Umfrage forderten 79 % ein gesetzliches Verbot aller Tierversuche ohne konkreten medizinischen Bezug. In der politischen Realität wird diesem Wunsch jedoch nicht nachgekommen. »Schon allein die von Jahr zu Jahr steigende Zahl der Tieropfer, die im Labor für fragwürdige Forschungszwecke leiden und sterben, führt das Defizit der Politik, modernen Forschungsmöglichkeiten ohne Tierversuche den notwendigen Stellenwert einzuräumen, vor Augen«, kritisiert Bitz. »Über einen Zeitraum von nur fünf Jahren hat die Zahl der für Versuche verwendeten Tiere um rund 23 % zugenommen, von ca. 2,3 Millionen im Jahr 2004 auf aktuell rund 2,8 Millionen im Jahr 2009.«

In den USA gibt es hingegen wichtige Teilerfolge zu verzeichnen. Unlängst wurde dort eine Zellmethode zur Testung des Faltenglätters Botox behördlich anerkannt. Namhafte amerikanische Institute haben zudem erkannt, dass Tierversuche unzuverlässig, zeitaufwendig und teuer sind und setzen auf eine zukunftsfähige, tierversuchsfreie Forschung. So wollen die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA und das US-Nationalinstitut für Gesundheit (NIH) Chemikalien und andere Stoffe in Zukunft nur noch mit automatisierten Systemen auf Zellbasis testen. Der Ärzteverein fordert von der deutschen Politik, Entwicklungen wie diesen nicht weiter hinterherzuhinken, sondern im weltweiten Wettbewerb um die moderne, tierversuchsfreie Forschung einen der oberen Ränge einzunehmen.

Der Welttierschutztag geht auf den Heiligen Franziskus von Assisi zurück, der das Tier als lebendiges Geschöpf Gottes und als Bruder des Menschen ansah. Auch den kleinsten Wurm betrachtete er als gottgewollt und schützenswert. Zwei Jahre nach seinem Tod am 3. Oktober 1226 wurde er am 4. Oktober 1228 heilig gesprochen. An diesem Tag weisen jedes Jahr weltweit Tierschützer auf die Leiden der Tiere hin.

Weitere Informationen:
Neuer Trend in Amerika: Namhafte US-Institutionen setzen auf tierversuchsfreie Methoden >>
Ende der Mäusequal für Botox in Sicht >>


12.09.2011

»Tierversuche sind schlechte Wissenschaft«

Plakatwand in Essen

»Sorry, aber wir sind einfach zu verschieden« entschuldigt sich ein Mäuschen auf drei Plakatwänden in Essen. »Tierversuche sind schlechte Wissenschaft, da die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind«, heißt es darunter zur Erklärung. »Menschen sind keine Mäuse« ist die Botschaft der aktuellen Plakatwandaktion des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche, der sich für eine moderne Forschung und Medizin ohne Tierleid einsetzt.

Das Motiv soll zum Nachdenken anregen. »Viele Menschen glauben immer noch, dass es ohne Tierversuche keine Medizin gäbe«, sagt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vorstandsmitglied von Ärzte gegen Tierversuche. »Das ist ein Trugschluss. Im Gegenteil, Tierversuche sind wegen der mangelnden Übertragbarkeit der Ergebnisse nicht nur der falsche Weg, um menschliche Krankheiten zu behandeln und zu heilen, sie verhindern sogar medizinischen Fortschritt. Viele segensreiche Arzneien wie Aspirin, Ibuprofen, Insulin, Penicillin oder Phenobarbital wären uns vorenthalten geblieben, hätte man sich schon in früheren Zeiten auf den Tierversuch verlassen. Diese Stoffe rufen nämlich bei verschiedenen Tierarten aufgrund unterschiedlicher Stoffwechselvorgänge gravierende Schädigungen hervor. Sie wären bei der heutigen Vorgehensweise der Wirkstofffindung glatt durchgefallen«, erläutert Tierärztin Gericke. Nach Ansicht des Ärztevereins sollten die Milliarden Steuergelder, die in die tierexperimentelle Forschung fließen, für tierversuchsfreie Forschung, beispielsweise mit Zellkulturen und Mikrochips sowie die Prävention von Krankheiten, ausgegeben werden. »Nur so käme die Medizin aus der Sackgasse heraus, in die der Tierversuch sie geführt hat«, ist sich Gericke sicher.

Interessenten können bei der Ärztevereinigung ein kostenloses Infopaket anfordern.

Die drei Plakatwände sind vom 9.-20. September an folgenden Standorten zu sehen:
Bocholder Str. 203, 45356 Essen
Bochumer Landstr. 152, 45276 Essen
U-Bahnhof Universität Essen, Gleis 1 links, 45141 Essen
 



02.09.2011

»Grausame und unsinnige Tierversuche«

Ärzteverein sieht Uni Erlangen als Tierqualzentrum bestätigt

Aus einer aktuellen Antwort auf eine Anfrage an die Bayerische Staatsregierung geht hervor, dass Tierversuche an der Universität Erlangen dem vorrangigen Zweck der ‚Ökonomisierung? und der ‚Bereitstellung von Modellen transgener Tiere? dienen. Erst 2005 wurde mit der Fertigstellung des Franz-Penzoldt-Zentrums (FPZ) die Basis der tierexperimentellen Forschung weiter gestärkt. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) kritisiert, dass wirtschaftliche Interessen stärker wiegen als ethische und für den Menschen nützliche tierversuchfreie Forschung. Trotz der Untauglichkeit des Tierversuchs wurde allein der Bau dieses Zentrums mit 27 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern finanziert.

An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wurden im Jahr 2004 rund 21.000 Tiere, darunter Mäuse, Meerschweinchen, Kaninchen und Hühner, vorwiegend in der als zweckfrei definierten Grundlagenforschung verwendet. Im Jahr 2007 waren es über 19.000 Tiere und 2009 über 17.000. Von den im Jahr 2009 rund 14.000 verwendeten Mäusen waren rund 4.500 genmanipuliert. »Genmanipulierte Tiere werden zur Herstellung sogenannter Tiermodelle verwendet, um an diesen die abwegigsten Simulationen menschlicher Krankheiten durchzuführen«, erklärt Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Ärztevereinigung. »Die tierexperimentelle Gentechnik ist mit einem immensen Tierverbrauch verbunden, denn über 90% der manipulierten Tiere entsprechen nicht dem Forscherwunsch und werden wie Müll entsorgt. Diese Tierzahlen tauchen in keiner Statistik auf«, führt Bitz aus.

Laut Ärzteverein ist das Repertoire an grausamen und zugleich unsinnigen Tierversuchen in Erlangen groß. An der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums wird beispielsweise bei Ratten durch 12-wöchige Gabe einer giftigen Chemikalie eine Leberfibrose künstlich ausgelöst. Anschließend erhalten die Ratten zur Behandlung acht Wochen lang zweimal täglich eine Testsubstanz injiziert. Beim Menschen entsteht eine Leberfibrose durch übermäßigen Alkoholkonsum oder Viren. »Die beim Tier künstlich hervorgerufenen Symptome haben vollkommen andere Ursachen als die Krankheit des Menschen. Schon allein aus diesem Grund ist der im Labor erprobte Behandlungsversuch für die Anwendung am Menschen zum Scheitern verurteilt«, erklärt Bitz. »Stress und Angst der Ratten, denen zweimal täglich eine Injektion in die Bauchhöhle verabreicht wird, verfälschen die Versuchsergebnisse von vornherein.«

An der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik wird an Schafen erprobt, wie man den Körper dazu bringen kann, in einer Plastikdose neue Blutgefäße zu bilden. Bei Schafen werden die Hinterbeinvene und -arterie abgebunden, durchgeschnitten und mikroskopisch wieder vernäht, so dass das Blut nicht mehr durch das Bein, sondern durch eine Schlaufe fließt. Diese wird in eine mit Fibrin, einem Protein zur Blutgerinnung, gefüllte Plastikdose gelegt, welche in der Leiste des Tieres angebracht wird. Nach sechs Wochen werden die Schafe zu Untersuchungszwecken getötet.

Zwar äußert die Staatsregierung in ihrer Antwort, dass im Einzelexperiment weniger Tiere verwendet werden. »Doch die falsche und grausame Methode Tierversuch wird nicht plötzlich gut, nur weil die Tiere in kleineren Gruppen im Namen der Wissenschaft geopfert werden«, kommentiert Bitz.

Weiter hebt die Staatsregierung darauf ab, dass die Versuche von Prof. Kay Brune zur Kleintierbildgebung zu ‚anerkannten Publikationen? und zur ‚Einwerbung eines zweiten Tiermagnetresonanztomografen mit Anbau an das FPZ im Wert von 6 Millionen Euro? geführt haben.

Brune ist laut Ärztevereinigung ein ausgewiesener Verfechter von Tierversuchen, der unter dem Deckmantel des Tierschutzes unter anderem grausame Versuche zur Schmerzforschung an Ratten durchführt. Der Verein sieht die Notwendigkeit, die Forschung auf das Verständnis und den Ausbau von Diagnosemöglichkeiten menschlicher Krankheiten zu konzentrieren, anstatt mit Fachveröffentlichungen und Gerätschaften zur tierexperimentellen Forschung nur dem Interesse einzelner Forscher zu dienen.

Von Erfolgen der tierexperimentellen Forschung hinsichtlich der Durchbrüche im Verständnis und bei der Heilung menschlicher Krankheiten liest man in der Antwort des Staatsministeriums indes nichts, stellt der Ärzteverein fest. Schon lange warnen die Ärzte gegen Tierversuche vor der fehlenden Übertragbarkeit von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen. Erkenntnisse aus am Tier künstlich simulierten Krankheiten haben nach Aussage der Experten nichts mit den vielfältigen Krankheitsursachen des Menschen zu tun. Der Bau neuer Tierversuchslabors wie dem FPZ sei reine Geldverschwendung und behindere eine sinnvolle und ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Forschung.


Weitere Information:

Drucksache 16/8842 vom 28.06.2011, Antwort auf die Schriftliche Anfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Christian Magerl, MdL betr. ‚Tierversuche an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen I? >>

Faltblatt ‚Tierversuche im Brennpunkt: Erlangen? >>

Datenbank Tierversuche >>

Proteste gegen Tierversuche an der Uni Erlangen >>


30.08.2011

Kein Ende der Affenversuche in Bochum

Ärzteverein sieht Verstoß gegen Tierschutzgesetz

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert die an der Ruhr-Uni Bochum (RUB) aktuell erneut genehmigten Hirnversuche an Affen als Verstoß gegen das Staatsziel Tierschutz und fordert von der zuständigen Genehmigungsbehörde eine sofortige Revision dieser Entscheidung.

Die Bochumer Hirnversuche an Affen sollten zunächst wegen der Pensionierung des Experimentators Klaus-Peter Hoffmann im Jahr 2009 auslaufen. Durch weitere Verlängerungen wird die vom Ärzteverein als nutzlose Affenqual bezeichnete Neugierforschung nun noch bis mindestens 2012 weiter betrieben.

Seit Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz im Jahr 2002 muss im Rahmen des Genehmigungsverfahrens bei der ethischen Abwägung von Tierversuchen die Freiheit der Forschung dem Tierschutz gegenüber gestellt werden. Behörden in Berlin, München und Bremen haben vor diesem Hintergrund die Weiterführung von den Bochumer Versuchen an Affen vergleichbaren Experimenten nicht mehr genehmigt. Sie sahen das Leid der Tiere als zu hoch und damit die Versuche als ethisch nicht zu rechtfertigen an, zudem fehlte der für die Erteilung einer Genehmigung erforderliche medizinische Nutzen.

»Den Verantwortlichen des für die Genehmigung der Tierversuche in Bochum zuständigen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, ist offenbar entgangen, dass die Freiheit der Forschung nicht grenzenlos ist und Hirnversuche an Affen nutzlos sind. Seit über 15 Jahren werden in Deutschland Hirnversuche an Affen durchgeführt, ohne dass sich daraus wesentliche Erkenntnisse für die Behandlung neurologischer Erkrankungen des Menschen wie Epilepsie oder Alzheimer ergeben haben«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

Schon die Unterschiede zwischen Affe und Mensch würden verdeutlichen, dass Hirnexperimente an Tieren gar keine klinische Relevanz für den Menschen haben können. So hat das Affenhirn keine Bereiche für Sprache, Lesen oder Musik und identische Bereiche in der Sehrinde haben bei Affe und Mensch unterschiedliche Funktionen.

»Anstatt solch qualvolle Hirnversuche an Tieren gebetsmühlenartig mit der Aussicht auf Heilung menschlicher Krankheiten zu rechtfertigen und Menschen damit in Hoffnung zu wiegen, die nie erfüllt werden kann, sollten Behörden und Forscher endlich den Weg für die zukunftsweisende tierversuchsfreie Forschung ebnen«, meint Bitz. Moderne Forschungsprojekte würden zeigen, dass Erkenntnisse über das menschliche Gehirn und seine Krankheiten sehr viel besser ohne Tierversuche erlangt werden können. An der britischen Universität Durham beispielsweise werden mittels transkranieller Magnetstimulation Zusammenhänge und Verschaltungen im menschlichen Gehirn schmerzfrei direkt am Menschen untersucht.

Neben Affen müssen nach Auskunft der Ärztevereinigung an der Bochumer Universität auch Katzen, Frettchen und Tauben für Hirnexperimente leiden und sterben. Die Ärzte gegen Tierversuche fordern seit langem den Stopp der Bochumer Hirnforschung an Tieren. Vor rund einem Jahr zeigte der AStA Bochum im Rahmen einer Aktionswoche die Leihausstellung der Ärzte gegen Tierversuche, die die Notwendigkeit der Abschaffung aller Tierversuche aufzeigt, um damit nicht nur dem Tierschutzgesetz gerecht zu werden, sondern auch um zu für den Menschen relevanten Erkenntnissen zu gelangen.

Weitere Information:
Faltblatt ‘Tierversuche im Brennpunkt: Bochum’ >>

Proteste gegen Tierversuche an der Uni Bochum >>


18.08.2011

Steigende Tierversuchszahlen

Armutszeugnis für die Bundesregierung

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet den soeben veröffentlichten Tierschutzbericht 2011 als Armutszeugnis und bezichtigt die Bundesregierung der Schönfärberei. Der Bericht wird alle vier Jahre herausgegeben und beleuchtet die Tierschutzaktivitäten der Bundesregierung.

Im Bereich der Tierversuche ist seit Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Zahlen zu verzeichnen. Allein zwischen 2005 und 2009 stieg die Anzahl der für Forschungszwecke verwendeten Tiere von über 2,4 Millionen auf fast 2,8 Millionen Tiere. Der Trend ist vor allem auf die verstärkte Verwendung von transgenen Tieren, also Mäusen und anderen Tieren, deren Erbgut manipuliert wurde. Deren Zahl verdoppelte sich in den vier Jahren auf mehr als 690.000 im Jahr 2009.

Die Bundesregierung sei bestrebt, Tierversuche auf »ein unvermeidbares Maß« beschränken zu wollen, heißt es in dem Bericht. »Tatsächlich verweigert die Bundesregierung aber jede noch so winzige gesetzliche Einschränkung von Tierversuchen«, kritisiert Dr. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. »So trug Berlin maßgeblich dazu bei, dass die 2010 verabschiedete Tierversuchsrichtlinie der EU im Laufe der Verhandlungen windelweich gespült wurde«. Bei der nun folgenden Überführung des Regelwerkes in deutsches Recht befürchtet der Ärzteverein eine Eins-zu-eins-Umsetzung, die keinerlei Fortschritte für die Tiere in deutschen Labors bringen würde. Der Ärzteverband fordert von der Bundesregierung bei der anstehenden Neufassung des Tierschutzgesetzes endlich wesentliche gesetzliche Einschränkungen von Tierversuchen einzuleiten.

Bis 2007 gab die Bundesregierung alle zwei Jahre ihren Tierschutzbericht heraus. In der Tatsache, dass dieser nun nur noch alle vier Jahre erscheint, sieht der Ärzteverein den geringen politischen Stellenwert bestätigt, den der Tierschutz für die Bundesregierung hat, und den fehlenden Willen, zügig Fortschritte zu bewirken.

Die Ärzte gegen Tierversuche setzen sich für eine Nulllösung bei Tierversuchen ein, nicht nur aus ethischen Gründen, sondern vor allem auch wegen der mangelnden Übertragbarkeit auf den Menschen. »Tierversuche sind nicht nur nutzlos, sie sind für die Menschen sogar gefährlich, weil sie eine Sicherheit vorspiegeln, die nicht vorhanden ist«, erklärt Tierärztin Gericke. Zahllose Arzneimittelskandale beweisen, dass eine Sicherheit auf der Basis von Tierversuchen nicht gegeben ist. »Muss erst eine Katastrophe á la Fukushima passieren, bevor die deutsche Politik zum Umdenken bereit ist?«

Weitere Information: Tierschutzbericht der Bundesregierung 2011 >>
Hintergrundinformationen zur EU-Tierversuchsrichtlinie >>


12.08.2011

Orden für Tierquäler

Hirnforscher Singer erhält Bundesverdienstkreuz

Der umstrittene Neurowissenschaftler Prof. Wolf Singer vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/M. erhält für seine Arbeit heute das Bundesverdienstkreuz. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hält die Ehrung für eine Fehlentscheidung, da Singer qualvolle Tierversuche an Affen und Katzen durchführt.

»Dass jemand, der soviel Tierleid auf dem Gewissen hat, für seine Untaten auch noch geehrt wird, ist schändlich«, meint Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche. Nach Aussage des Vereins ist Singer seit Jahren an qualvollen Tierversuchen beteiligt. So wurden Katzenmütter und ihre Jungen 14 Wochen lang unter stroboskopischem Licht gehalten. Dadurch können die Katzen keine normalen Bewegungsabläufe wahrnehmen, weil jede Bewegung durch das Flackerlicht ‚zerhackt’ wird. »Man stelle sich die Tortur vor: Lichtblitze wie in einer Disko - 24 Stunden am Tag, 14 Wochen lang«, versucht Tierärztin Gericke den Tierversuch zu veranschaulichen. Dann wurde eine Markierungssubstanz in ein Auge der Kätzchen injiziert, die entlang der Nervenbahnen bis ins Gehirn wandert. Zwei Wochen später wurden die Kätzchen getötet, um das Gehirn zu untersuchen. Bei anderen Experimenten wurden Katzenbabys die Augen zugenäht oder ihnen wurden Sonden in das Gehirn eingeführt, um Nervenaktivitäten zu messen. Bei Affen wurde das Gehirn unter Sauerstoffmangel untersucht.

»Diese Versuche sind grausam und haben wegen der großen Unterschiede zwischen Tieren und Menschen keinerlei klinische Relevanz für kranke Menschen«, erläutert die Tierärztin. »Die Tiere werden zur reinen Befriedigung der wissenschaftlichen Neugier gequält. Seit Jahrzehnten wird Hirnforschung an Affen und Katzen an zahlreichen Instituten in Deutschland und weltweit betrieben, ohne dass sie irgendeinen medizinischen Fortschritt erbracht hat.«

Der Ärzteverein dokumentiert in der Internetdatenbank www.datenbank-tierversuche.de Tausende Tierversuche, die in den letzten Jahren in Deutschland durchgeführt worden sind. »Moderne Forschungsmethoden wie bildgebende, tomographische Verfahren, Zellsysteme sowie die gezielte Untersuchung gesunder und kranker Menschen liefern im Gegensatz zum Tierversuch eine Fülle wertvoller und für den Menschen aussagekräftiger Erkenntnisse«, erklärt Gericke abschließend.

Weitere Information:

Frankfurt: Grausame Hirnforschung an Affen und Katzen >>

Tierversuche an Affen >>


09.08.2011

Krebsforschung ohne Tierversuche:

Ärztevereinigung vergibt Forschungspreis an Karlsruher Institut

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche verleiht am 10. August um 11 Uhr im Rahmen einer Feierstunde den mit 10.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis für die tierversuchsfreie Krebsforschung an Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Dr. rer. nat. Irina Nazarenko und Dr.-Ing. Stefan Giselbrecht werden für die Entwicklung eines In-vitro-Modells der Zellkommunikation zwischen Tumor und gesundem Gewebe prämiert.

Die Wissenschaftler untersuchen in einem interdisziplinären Projekt des BioInterfaces Programms die Kommunikation zwischen Tumorzellen und Stammzellen bei der Entwicklung von Tochtergeschwulsten in andere Organe, womit sie einen wertvollen Beitrag für das Verständnis menschlicher Krebserkrankungen leisten. Mittels modernster Forschungsmethoden wird die Zellforschung mit der Ingenieurswissenschaft verknüpft. Im Rahmen des Forschungsprojektes werden menschliche Zellen organotypisch auf mikrostrukturierten Biochips in Bioreaktoren kultiviert, die als Knochenmark- und als Brustkrebsmodell dienen und die Abläufe bei der Metastasierung von Brustkrebs in Knochengewebe lebensecht darstellen sollen. So können neue Ansätze zur Steuerung des Verhaltens von Tumor- und Stammzellen und neuen Therapien im Bereich der Tumor-Nanotechnologie entwickelt werden. Auf die sonst in diesem Forschungsbereich verwendeten Mäuse wird vollständig verzichtet.

Die Förderung tierversuchsfreier Krebsforschung wurde dem Ärzteverein durch eine zweckgebundene Erbschaft ermöglicht. »Voraussetzung für die Förderwürdigkeit eines Projektes ist die Forschung gänzlich ohne Tierversuche oder tierisches Material. Auch die Nährmedien für die Zellkulturen und die Antikörper dürfen nicht vom Tier stammen, sondern müssen synthetisch hergestellt werden«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche.

Der Ärzteverein setzt sich seit über 30 Jahren für eine ethisch vertretbare, rein tierversuchsfreie Wissenschaft und Forschung ein, da seiner Ansicht nach Fortschritte unter anderem in der Krebsforschung am besten ohne Tierversuche erreicht werden können. Ergebnisse aus der tierexperimentellen Forschung seien nicht zuverlässig auf den Menschen übertragbar und würden daher nicht zur Heilung menschlicher Krankheiten beitragen.

Die Preisverleihung findet am 10. August um 11 Uhr im Institut für Biologische Grenzflächen-1 (Bau 601, Campus Nord, Eggenstein-Leopoldshafen) statt. Interessierte können sich am Haupttor unter Vorlage des Personalausweises anmelden.

Ein zweiter Wissenschaftspreis der Ärzte gegen Tierversuche wurde am 26.07.2011 an Dr. med. Maret Bauer von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, vergeben. Prämiert wurde die Entwicklung eines dreidimensionalen Zellkulturmodells, das die Erforschung des Brustkrebses ohne Tierversuche oder den Einsatz tierischer Materialien ermöglicht.

Weitere Information:

Pressemitteilung vom 26. Juli 2011 >>

Pressemitteilung vom 3. Juni 2011 >>


08.08.2011

Erfolg: OECD erkennt neue Testvorschrift an, die Giftigkeitsversuche an Millionen Ratten hinfällig macht

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat eine Testvorschrift anerkannt, nach der die Testung von Chemikalien auf ihre Schädlichkeit für die Fortpflanzungsfähigkeit an der Hälfte der bislang verwendeten Tiere erfolgen kann. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche rechnet mit Millionen eingesparter Tieropfer, kritisiert jedoch, dass weiterhin an den vollkommen unsinnigen, veralteten und ethisch bedenklichen Tierversuchen festgehalten wird.

Die OECD, der die 34 größten Industrienationen der Welt angehören, gibt in Richtlinien vor, wie Chemikalien für die gegenseitige Anerkennung zu testen sind – größtenteils in Tierversuchen. Beim Test auf Entwicklungsschäden wird bislang in der sogenannten Zwei-Generationen-Studie die Substanz Ratten während der Schwangerschaft und Stillzeit täglich mit einer Schlundsonde in den Magen eingegeben, ebenso ihren Jungen, bis diese selbst Nachkommen haben und diese abgestillt sind. Für die Tiere ist allein die tägliche Verabreichung eine Tortur. Je nach Art und Dosierung des Stoffs kann es zudem zu Vergiftungserscheinungen wie Abmagerung, Durchfall, Lähmungen oder Krämpfen kommen. Die Elterntiere sowie die Nachkommen der 1. und 2. Generation werden getötet, um ihre Organe auf Veränderungen zu untersuchen. Für eine einzelne Substanz werden etwa 2.600 Tiere »verbraucht«.

Bei der jetzt von der OECD anerkannten erweiterten Ein-Generationen-Reproduktionsgiftigkeitsstudie wird auf Giftigkeitstests an der zweiten Generation verzichtet, so dass pro Testsubstanz rund 1.400 Tiere weniger leiden und sterben müssen.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche begrüßt diesen Schritt, insbesondere vor dem Hintergrund zahlreicher anstehender Tierversuche im Zusammenhang mit der EU-Chemikalienverordnung REACH und zukünftigen EU-Regelungen für Pflanzenschutzmittel. Allein im Rahmen von REACH ist in den nächsten drei Jahren von 2.000 Chemikalien auszugehen, die in reproduktionstoxikologischen Studien untersucht werden sollen. Das heißt, durch die reduzierte Testvorschrift können 2,8 Millionen Ratten eingespart werden.
»Dies ist zumindest die Theorie. Im Moment ist noch nicht klar, wann und wie im Detail die geänderte Vorschrift für REACH umgesetzt wird«, erläutert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche. »Wir werden uns mit unseren Partnern von der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) bei der EU-Chemikalienbehörde ECHA dafür stark machen, dass die Ein-Generationen-Studie umgehend für REACH akzeptiert wird.«

Die Anerkennung durch die OECD erfolgte in der Rekordzeit von vier Jahren. Normalerweise vergehen 10-15 Jahre, bis tierversuchsfreie Methoden in die Testvorschriften aufgenommen werden. Die beschleunigte Anerkennung vorangetrieben hat maßgeblich ICAPO, ein weltweiter Zusammenschluss von Tierschutzorganisationen, dem auch der Dachverband ECEAE angehört.

Der Ärzteverein sieht in diesem Schritt eine Maßnahme, die kurzfristig viele Tierleben retten kann. Tatsächlich bedürfe es jedoch einer vollständigen Abschaffung von Tierversuchen, nicht nur aus ethischen Gründen, sondern auch wegen der mangelnden Aussagekraft von Tierversuchen. »Wir müssen endlich von der Vorstellung Abschied nehmen, Tierversuche könnten unsere Chemikalien oder Medikamente sicher machen«, so Tierärztin Gericke. »Das Gegenteil ist der Fall. Tierversuche wiegen uns in einer Scheinsicherheit. Da Mensch und Tier ganz unterschiedlich auf Substanzen reagieren können, ist eine Beurteilung auf Grundlage von Tierversuchen reine Spekulation.«

Weitere Informationen:
OECD TG 443-Extended 1-Generation Reproductive Toxicity Study officially approved. 04.08.2011 >>

OECD Guidelines for the Testing of Chemicals, Section 4: Health Effects; Test No. 443: Extended One-Generation Reproductive Toxicity Study, 28.06.2011 >>

Weniger Versuchstiere bei gleicher Sicherheit für den Verbraucher! PM des BfR, 09.05.2007 >>

Weitere Informationen zum REACH-Projekt der Ärzte gegen Tierversuche >>


26.07.2011

»Es funktioniert ohne Tierversuche und ohne den Einsatz tierischer Materialien«

Ärztevereinigung vergibt Förderpreis für tierversuchsfreie Krebsforschung

Die Kieler Forscherin Dr. Maret Bauer von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, wurde heute mit einem Wissenschaftspreis für tierversuchsfreie Krebsforschung ausgezeichnet. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche vergibt in diesem Jahr zwei mit jeweils 10.000 Euro dotierte Wissenschaftspreise für die tierversuchsfreie Krebsforschung. Prämiert wurde Dr. Bauer für ihr dreidimensionales Zellkulturmodell, das die Erforschung des Brustkrebses ohne Tierversuche oder den Einsatz tierischer Materialien ermöglicht.

Im Rahmen ihres Forschungsprojektes untersucht Dr. Bauer den Einfluss des Bindegewebes im Zellzwischenraum, den sogenannten Stromafibroblasten, auf die Ausbreitung von Brustkrebs. Die Stromafibroblasten gehören zu dem gesunden Gewebe, das die Brustkrebszellen umgibt und in das der Brustkrebs bei Fortschreiten der Erkrankung hineinwächst. Sie ändern ihre Eigenschaften durch den Kontakt mit den Tumorzellen und können dann das Wachstums des Tumors und somit auch seine Metastasierung fördern. Durch genauere Charakterisierung der Interaktionen zwischen Brustkrebszellen und Fibroblasten könnten Strategien entwickelt werden, das Stroma zu »normalisieren«, so dass es eine Barriere gegen Tumorwachstum und Metastasierung darstellt. Dieses wäre ein innovativer Ansatz in der Therapie der Brustkrebserkrankung.

»Unsere Forschungsarbeiten werden ausschließlich an einem dreidimensionalen Zellkulturmodell durchgeführt. Es funktioniert ohne Tierversuche und ohne den Einsatz tierischer Materialien«, sagt Dr. Bauer. Tumorzellen und Fibroblasten werden aus den Operationspräparaten der Brustkrebspatientinnen (nach vorheriger Einverständniserklärung der Patientinnen) isoliert und anschließend in einer dreidimensionalen Matrix kultiviert. Jetzt können die Interaktionen zwischen den Krebszellen und den Stromazellen genauer untersucht und auch gezielt manipuliert werden. »Das Wachstumsverhalten der Zellen in der 3D-Kultur zeigt eine große Ähnlichkeit mit dem Wachstum in der menschlichen Brust, so dass es uns quasi gelungen ist, die menschliche Brustdrüse in einem einfachen 3D-Zellkulturmodell abzubilden«, erklärt Dr. Bauer.

»Unser Preis soll Wissenschaftler darin bestärken, dass die tierversuchsfreie Forschung der Weg der Zukunft ist und er soll der Öffentlichkeit zeigen, dass dieser Forschungsansatz Sinn macht – im Gegensatz zu Tierversuchen, deren Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind«, sagt Dr. med. vet. Corina Gericke von der Ärztevereinigung. »Der Preis soll auch unsere Forderung an die Politik unterstreichen, diese zukunftsweisende Forschung prioritär zu fördern«, so die Tierärztin weiter. »Die Bundesregierung gibt für innovative Alternativ-Forschung durchschnittlich vier Millionen Euro pro Jahr aus, während gleichzeitig Milliarden unserer Steuergelder in Tierversuche fließen«.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche e. V. setzt sich für eine moderne Medizin ohne Tierversuche ein. Die Förderung tierversuchsfreier Krebsforschung wurde durch eine zweckgebundene Erbschaft ermöglicht. Kriterium für die Förderwürdigkeit eines Projektes ist die Forschung gänzlich ohne die Verwendung von Tieren und tierischem Material. Der Preis wurde im Jahr 2006 erstmals vergeben. Der zweite Preis 2011 geht an das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und wird am 10. August übergeben.

Bisherige Preisträger >>

 
Dr. med. vet. Corina Gericke von Ärzte gegen Tierversuche e.V. übergibt den mit 10.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis an Dr. med. Maret Bauer.

 
Preisträgerin Dr. med. Maret Bauer im Zellkulturlabor.

 
In diesen Schalen wächst das dreidimensionale Zellkulturmodell aus menschlichen Brustdrüsenzellen.

 
Dr. Bauer macht ihren Forschungsansatz auf wissenschaftlichen Kongressen bekannt.


01.07.2011

Ende der Mäusequal für Botox in Sicht

Amerikanische Gesundheitsbehörde erkennt Zelltest an

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche begrüßt die Bekanntmachung des Botoxherstellers Allergan zur Anerkennung einer Zellmethode zur Testung seiner Botox-Produkte. Zahlreiche qualvolle Tierversuche an Mäusen sollen damit zumindest teilweise ersetzt werden. Der Verein kritisiert jedoch, dass der herkömmliche Giftigkeitstest an Mäusen noch immer als Standardmethode gilt.

Laut einer aktuellen Mitteilung des größten Botoxherstellers, Allergan, hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA eine Zellmethode zur Testung von Botox-Produkten zugelassen.

Die neue Testmethode ist allerdings bislang nur in den USA für die identischen Produkte Botox und BotoxCosmetic der Firma Allergan zugelassen. Nach Angaben des Herstellers können damit für diese Produkte innerhalb der nächsten drei Jahre bis zu 95 % der Tierversuche eingespart werden, vorausgesetzt die Behörden in anderen Ländern erkennen den Zelltest an. Eine Zahl der für Botox-Versuche verwendeten Tiere nennt der Konzern nicht. Nach Schätzungen des Ärztevereins werden allein bei Allergan jährlich über 500.000 Mäuse für die Testung von Botox verwendet, insgesamt geht der Verein von weltweit über 600.000 Tieren aus. Allergan macht weiterhin keine Angaben über die Art der Zellmethode. Nach Ansicht des Ärztevereins wäre es nicht akzeptabel, wenn für die Gewinnung der Zellen Tiere getötet würden.

»Es ist erfreulich, dass wir mit der Anerkennung der Zellmethode dem Ende des besonders grausamen und wissenschaftlich unzuverlässigen LD50-Tests an Mäusen bei der Botox-Testung ein Stück näher kommen«, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung, die Entwicklung in den USA. »Nun gilt es darauf hinzuwirken, dass auch bei den anderen beiden wichtigsten Botoxherstellern, Ipsen und Merz, die tierversuchsfreie Testung forciert wird.«

Das Europäische Arzneibuch erlaubt bereits seit Jahren die Anwendung von drei sogenannten Alternativmethoden anstelle des herkömmlichen LD50-Tests an Mäusen. Hierbei wird die Dosis ermittelt, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. Jedoch müssen die tierversuchsfreien Methoden validiert, also auf ihre Zuverlässigkeit überprüft werden, was den Herstellern obliegt. Die jetzt von Allergan entwickelte Methode ist bislang nicht im Arzneibuch aufgeführt. »Die Rechtsvorschrift muss umgehend entsprechend geändert werden, damit der Einsatz der Zellmethode auch in Europa vorangetrieben wird«, fordert Bitz. Die Firma Allergan verhandelt nach eigenen Angaben bereits mit den anderen Botox-Herstellern über Lizenzen für ihre Testmethode.

Die Ärzte gegen Tierversuche führen seit Anfang 2007 eine Protestkampagne gegen Botox-Tierversuche durch. Zusammen mit ihren Partnern bei der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) wurde die Kampagne europaweit ausgedehnt. In der jetzt erfolgten behördlichen Anerkennung einer Zellmethode sehen sie einen Teilerfolg ihrer jahrelangen Lobbyarbeit, fordern jedoch ein weltweites, vollständiges Verbot der Botox-Testung an Tieren ein. Der Verein will ein sofortiges Moratorium für die kosmetische Anwendung von Botox-Produkten erreichen sowie eine zeitnahe verbindliche Anwendung der vorhandenen tierversuchsfreien Methoden für alle Hersteller von Botulinumtoxin-Produkten.

Weitere Information:

Botox - Tierqual für eine fragwürdige Schönheit >>

Kampagne »Stoppt Botox-Tierversuche!« >>

Pressemitteilung vom 12. Juli 2010: Jährlich 600.000 Botox-Opfer >>

Videofilm: Die hässliche Wahrheit über Botox (Aufnahmen einer Undercover-Recherche der britischen Tierversuchsgegnerorganisation BUAV im Wickham Laboratory, Hampshire) >>


24.06.2011

Neue EU-Vorschrift tritt in Kraft

Tierfreier Test ersetzt qualvollen Mäuseversuch für Muschelgifte

Ab dem 1. Juli 2011 muss der Test auf Algengifte in Muscheln, der bislang an Mäusen durchgeführt wurde, EU-weit durch ein tierversuchsfreies Verfahren ersetzt werden. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche begrüßt diesen positiven Schritt, kritisiert jedoch, dass der Maustest nach wie vor noch nicht vollkommen abgeschafft wurde.

In der EU ist es seit 1991 vorgeschrieben, Muscheln auf das Vorhandensein von Algengiften zu untersuchen, bevor sie für den Verzehr freigegeben werden. Hierfür werden jeweils drei Mäusen Stichproben der Muscheln in die Bauchhöhle injiziert. Als giftig gilt der Fang, wenn zwei der drei Tiere sterben. „Abgesehen von der unermesslichen Qual, die die Mäuse durch einen langwierigen Vergiftungstod erleiden, ist dieses Vorgehen nichts weiter als eine unzuverlässige Schätzmethode, die mit fortschrittlicher Wissenschaft nichts zu tun hat“, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

Es werden je nach Art der Symptome, die die Algengifte hervorrufen fünf Giftgruppen unterschieden: Amnesie hervorrufendes Muschelgift (ASP), lähmendes Muschelgift (PSP) und Durchfall erzeugendes Muschelgift (DSP). ASP-Gifte werden bereits seit Jahren tierversuchsfrei getestet. Die neue EU-Regelung, nach der nun mittels HPLC-Verfahren, einer chemisch-analytischen Methode, auf Algengifte getestet wird, ist in Deutschland bereits seit den 1980er Jahren im Einsatz. Ab Juli 2011 gilt dieser tierfreie Test nun EU-weit für die Durchfall erregenden Gifte. Die Ärzte gegen Tierversuche begrüßen die offizielle Anerkennung der tierversuchsfreien Methode, die nach Angaben der EU Tierversuche an rund 300.000 Mäusen einspart. Der Verein kritisiert jedoch, dass für das lähmende Muschelgift der herkömmliche Test an Mäusen noch immer als Referenzmethode herangezogen wird, also weiterhin Tiere qualvoll und sinnlos sterben.

Darüber hinaus erachten es die Ärzte gegen Tierversuche als nicht gerechtfertigt, Muscheln oder andere Tiere als Nahrungsmittel zu benutzen. Eine vegetarische oder besser noch vegane Lebensweise sei nicht nur aus ethischen Gründen von Vorteil, sondern wirke sich gleichzeitig nachweislich positiv auf unsere Gesundheit und das Ökosystem aus.


Weitere Information:
Pressemitteilung vom 19.11.2010 >>



03.06.2011

Menschliche Zellen statt Mäuse

Ärztevereinigung vergibt Förderpreise für tierversuchsfreie Krebsforschung

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche vergibt zwei mit jeweils 10.000 Euro dotierte Wissenschaftspreise für die tierversuchsfreie Krebsforschung. Preisträger sind Forscher des Universitätsklinikums Kiel und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) für die Entwicklung praxisbezogener, auf menschlichem Gewebe basierender Zellmodelle.

Prämiert wird Dr. med. Maret Bauer und ihr Forscherteam vom Universitätsklinikum Kiel und der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe für ihr dreidimensionales Modell aus menschlichem Tumorgewebe zur Erforschung der Mechanismen des Brustkrebses mit dem Ziel, patientenspezifische Therapien entwickeln zu können. Mittels Gen-Chip-Analyse soll untersucht werden, wie sich die Ausbreitung der Krebszellen verhindern lässt, wenn die Umgebung des Tumors verändert wird. Das Gewebe stammt aus medizinisch notwendigen Operationen von Brustkrebspatientinnen. Üblicherweise werden solche Untersuchungen an Mäusen durchgeführt. Das von Dr. Bauer entwickelte Zellkulturmodell hat im Gegensatz zum Tierversuch einen direkten klinischen Bezug, das heißt, die Ergebnisse sind auf die Situation beim Menschen übertragbar. Zudem ist die Methode zeitsparend und kostengünstig.

Dr. rer. nat Irinia Nazarenko und Dr.-Ing. Stefan Giselbrecht vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) werden für ihre Arbeit zur Entwicklung von Tochtergeschwulsten in andere Organe ausgezeichnet. Modernste Techniken kommen zum Einsatz, die Ingenieurwissenschaft mit Zellforschung kombinieren. Es werden menschliche Zellen organotypisch auf mikrostrukturierten Biochips in Bioreaktoren kultiviert, die als Knochenmark- und als Brustkrebsmodell dienen und die Abläufe bei der Metastasierung von Brustkrebs in Knochengewebe lebensecht darstellen. So können auch neue Therapie-Ansätze im Bereich der Tumor-Nanotechnologie entwickelt werden. Auf die sonst in diesem Forschungsbereich verwendeten Mäuse wird vollständig verzichtet.

Die Förderung tierversuchsfreier Krebsforschung wurde durch eine zweckgebundene Erbschaft ermöglicht. Kriterium für die Förderwürdigkeit eines Projektes ist die Forschung gänzlich ohne die Verwendung von Tieren oder tierischem Material. Der Preis war erstmals im Jahr 2006 für ein Modell zur computergestützten Krebsforschung vergeben worden.

»Es freut uns, Wissenschaftler zu fördern, deren Forschungsarbeiten auf den Menschen bezogene tumorspezifische Untersuchungen ermöglichen und die ohne jedes Tierleid auskommen«, so Dipl.-Biol. Silke Bitz von der Ärztevereinigung. Bei der Auswahl der Preisempfänger wurde darauf geachtet, dass auch die Nährmedien für Zellkulturen und Antikörper nicht vom Tier stammen, sondern synthetisch hergestellt wurden.

Der Ärzteverein warnt schon lange vor den fatalen Folgen der üblicherweise auf Tierversuchen basierenden Krebsforschung. Im Labor künstlich erzeugter Krebs sei zwar bei vielen Tierarten »heilbar«, dieser Forschungsansatz habe jedoch mit der vielschichtigen menschlichen Erkrankung nichts zu tun und sei daher zum Scheitern verurteilt und halte den medizinischen Fortschritt auf.

»Das Interesse an der tierversuchsfreien Krebsforschung und dem Förderpreis zeigen, dass einige Wissenschaftler Tierversuche nicht für den richtigen Weg halten, um Fortschritte in der Krebsforschung für Menschen zu erlangen«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz von der Ärztevereinigung abschließend.

Die Preisvergabe findet jeweils in den Instituten der Preisträger statt, Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Weitere Informationen:
Bisherige Preisträger >>


25.05.2011

Ende der Affenqual in Baden-Württemberg gefordert

Ärzteverein will 11.000 Unterschriften an neue Landesregierung übergeben

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche wandte sich in einem Brief an Alexander Bonde, den neuen Landwirtschaftsminister in Baden-Württemberg, mit der Bitte um einen Termin für die Übergabe der bislang rund 11.000 gesammelten Unterschriften von Bürgern, die ein Ende der Affenhirnforschung fordern. Die an drei Tübinger Instituten praktizierten Experimente an Affen sollen nicht mehr weiter genehmigt werden, wie in anderen Bundesländern bereits geschehen. Die Ärzte gegen Tierversuche halten dies für einen notwendigen Beitrag zur Einleitung einer Kehrtwende in Richtung einer ethischen und guten Wissenschaft ohne jeden Tierversuch.

Die Ärztevereinigung sieht in der neuen grün-roten Landesregierung die Chance, auch in Baden-Württemberg längst fällige Handlungen zur Umsetzung des Staatsziels Tierschutz zu vollziehen und konkrete Schritte zumindest zur Einschränkung von Tierversuchen einzuleiten. Mit der Unterschriftenübergabe will der Verein im Namen Tausender Unterstützer Minister Bonde die Dringlichkeit des Ausstiegs aus der Hirnforschung an Affen sowie der tierexperimentellen Forschung verdeutlichen. Zudem hatte die bisherige schwarz-gelbe Landesregierung im Rahmen der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« einige Tausend Postkarten sowie Briefe von Bürgern erhalten, die sich klar für eine tierleidfreie Forschung und insbesondere ein sofortiges Verbot der Hirnversuche an Affen aussprechen.

Der Verein weist in seinem Brief den Landwirtschaftsminister darauf hin, dass Genehmigungsbehörden in anderen Bundesländern wie Bremen, Berlin und München gleichartige Hirnexperimente an Affen aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens abgelehnt hatten und appelliert an ihn, diesem Beispiel zu folgen, um dem Bürgerwillen sowie politischen Vorhaben gerecht zu werden. Sowohl in den Wahlprogrammen insbesondere der Grünen und weitgehend auch der SPD, als auch im verabschiedeten Koalitionsvertrag der beiden Regierungsparteien, sind in einigen Bereichen wesentliche Verbesserungen zu Gunsten der Tiere vorgesehen. So sollen demzufolge Tierversuche reduziert und der tierversuchsfreien Forschung mehr Gewicht verliehen werden.

Vor der Wahl hatten sich die Grünen der Ärztevereinigung gegenüber klar für die Abschaffung der Affenversuche sowie beide Regierungsparteien für die stärkere Förderung der tierversuchsfreien Forschung ausgesprochen. Die Ärztevereinigung erwartet nun von der grün-roten Koalition den Stopp der Affenversuche in Baden-Württemberg sowie einen konkreten Fahrplan in Richtung Ausstieg aus dem Tierversuch.

»Mit der Übernahme der Grünen der für den Tierschutz bedeutsamen Ministerien Landwirtschaft und Wissenschaft stehen die Chancen gut, zumindest einige Fortschritte in Richtung einer tierversuchsfreien Forschung auf den Weg zu bringen«, ist Dipl.-Biol. Silke Bitz von der Ärztevereinigung optimistisch. Die bisherige schwarz-gelbe Landesregierung hatte dagegen an der tierexperimentellen Forschung festgehalten.

Weitere Information:

Koalitionsvertrag der grün-roten Landesregierung >>

Kampagne Stoppt Affenqual in Tübingen >>


05.05.2011

Für Mäuse die Hölle

Ärztevereinigung deckt grausame Tierversuche am Helmholtz-Zentrum in Braunschweig auf

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche prangert die Tierversuche des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) an. Die Versuche an Mäusen seien grausam und nicht auf den Menschen übertragbar, heißt es in einem aktuellen Infoblatt.

Beispielsweise wird bei Mäusen eine schmerzhafte Bauchfellentzündung mit Blutvergiftung hervorgerufen, indem Löcher in den Blinddarm gestochen werden. Je nach Größe und Anzahl der Löcher sterben die Mäuse schneller oder langsamer. Die Angaben stammen aus einem Artikel, den das HZI in einer Fachzeitschrift veröffentlicht hat. Aus weiteren Fachpublikationen des HZI geht hervor, wie bei Mäusen eine bakterielle Lungenentzündung oder eine Hautinfektion hervorgerufen wird.

Dr. med. vet. Corina Gericke, Braunschweigerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche, ist entsetzt über die offensichtliche Gefühlskälte der HZI-Mitarbeiter. »Wie in einem Kochrezept wird beschrieben, wie die Todesrate der Mäuse variiert werden kann. Das Leid der Tiere und ihr qualvoller Tod ist für diese Leute nichts anderes als ‚Teig kneten’.« Die von der Ärztevereinigung enthüllten Dokumente belegen, dass in der Forschungsanstalt in Braunschweig-Stöckheim grausamste Tierversuche durchgeführt werden. Mäuse mit Krankheitserregern zu infizieren oder bei ihnen Entzündungen auszulösen ist mit schwersten Schmerzen und Leiden verbunden. Für die Tiere bedeutet dies oft tagelanges Siechtum mit Fieber, Apathie und Abmagerung, bis sie schließlich an Organversagen sterben. Tiere, die nicht während des Versuchs sterben, werden getötet.

»Diese sogenannten ‚Tiermodelle’, wie Tiere von den Experimentatoren genannt werden als seien es Automaten, sind zudem wissenschaftlich nutzlos«, erläutert Tierärztin Gericke. »Die künstlich krank gemachten Tiere haben nichts mit der klinischen Situation beim Menschen zu tun.« Entsprechend wertlos sind die Ergebnisse. Die beschriebenen Blutvergiftungs-Tierversuche werden seit 30 Jahren durchgeführt ohne zu nennenswerten Erfolgen geführt zu haben, heißt es in der Informationsschrift des Ärztevereins.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche dokumentiert in einer Internet-Datenbank Tausende Tierversuche, die in Fachpublikationen erschienen sind. »Nur so oder durch Undercover-Aktionen ist es möglich, einen authentischen Einblick in die hermetisch abgeriegelte Welt der Tierversuche zu bekommen und der systematischen Verharmlosung durch die Tierexperimentatoren etwas entgegenzusetzen«, erklärt Gericke.

»Der Öffentlichkeit wird die grausame Wahrheit verschwiegen, obwohl wir alle Tierversuche mit unseren Steuern subventionieren«, weiß die Tierärztin. So hat das HZI für 20 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern ein zusätzliches Tierversuchslabor für 35.000 Mäuse errichtet. Dagegen wird deutschlandweit die tierversuchsfreie Forschung von der Bundesregierung mit durchschnittlich nur vier Millionen Euro jährlich unterstützt.

»Tierversuche sind eine Schande für unsere Gesellschaft, ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, das im 21. Jahrhundert keinen Platz haben darf«, so die Braunschweiger Tierärztin abschließend.

Weitere Informationen:

Stellungnahme der Ärzte gegen Tierversuche zu den Tierversuchen am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig >>

Infoblatt »Für Mäuse die Hölle – Tierversuche am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig« als PDF herunterladen oder Druckversion bestellen.


03.05.2011

Tierärztin hält Vortrag über Tierversuche und die Tübinger Hirnforschung an Affen

Das Tübinger Bündnis gegen Tierausbeutung und der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche laden am Donnerstag, dem 05. Mai 2011 um 20 Uhr, zu einem Vortrag über Tierversuche, insbesondere über die Tübinger Hirnforschung an Affen, in den Kupferbau in Tübingen ein.

Der Vortrag von Tierärztin Dr. med. vet. Hiltrud Straßer, aktives Mitglied der Ärztevereinigung, ist Teil der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen!«, die die Ärzte gegen Tierversuche in Kooperation mit dem Tübinger Bündnis gegen Tierausbeutung ins Leben gerufen haben. In den Jahren 2009 und 2010 hatten die Vereine Großdemonstrationen in Tübingen als Protest gegen die Hirnforschung an Affen organisiert. Dr. Straßer gibt in ihrem Vortrag kritische Einblicke in die tierexperimentelle Forschung, insbesondere in die in Tübingen praktizierte zweckfreie Grundlagenforschung am Hirn von Affen und zeigt die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschung auf. Gabriele Busse vom Tübinger Bündnis gegen Tierausbeutung berichtet über ihre Zeit als Diplomandin am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen (MPI). Sie schildert ihre Erfahrungen und gibt Einblick in den Umgang mit Affen und auch Menschen am MPI.

Am 21. Mai 2011 lädt das Bündnis gegen Tierausbeutung zudem von 14-16 Uhr auf dem Tübinger Holzmarkt zu einem Infostand zum Thema Affenversuche ein, an dem interessierte Bürger sich über die Problematik der Hirnforschung an Affen sowie der Tierversuche grundsätzlich informieren können.

Die Kampagne gegen die Tübinger Affenhirnforschung wurde ins Leben gerufen, da in Baden-Württemberg an drei Instituten, die sich alle in Tübingen befinden*, noch immer Tierversuche am Hirn von Rhesusaffen stattfinden, wie sie in anderen Bundesländern seit Jahren nicht mehr genehmigt wurden. So wurden in München, Berlin und Bremen vergleichbare Versuche von den Genehmigungsbehörden aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens abgelehnt. Damit wurde auch dem im Grundgesetz verankerten Tierschutz Rechnung getragen. »Wir setzen auf die neue grün-rote Landesregierung endlich einen Schlussstrich unter diese brutale und zweckfreie Forschung am Affenhirn zu ziehen«, so Dipl.-Biol. Silke Bitz von der Ärztevereinigung. Die bisherige schwarz-gelbe Landesregierung hatte vehement an der altertümlichen tierexperimentellen Forschung festgehalten, wohingegen die Grünen und die SPD wichtige Ziele zur Stärkung der tierversuchsfreien Forschung in ihren Wahlprogrammen sowie auch jetzt im Koalitionsvertrag festgeschrieben haben.

*Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen; Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen; Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen.

Weitere Information:

Vortrag:
5. Mai 2011, 20 Uhr im Kupferbau in Tübingen (Hölderlinstr. 4) Raum 24

Infostand:
21. Mai 2011, 14-16 Uhr auf dem Tübinger Holzmarkt

Hintergrundinformation »Stoppt Affenqual in Tübingen!« >>

Demo in Tübingen 2009 >>

Demo in Tübingen 2010 >>


02.05.2011

Demo in Hamburg:

1.000 Menschen fordern die Abschaffung aller Tierversuche

Rund 1.000 Menschen protestierten am 30. April 2011 in der Hamburger Innenstadt für eine tierversuchfreie Forschung. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hatte anlässlich des Internationalen Tags zur Abschaffung der Tierversuche gemeinsam mit der Lobby pro Tier Mienenbüttel (Bürgerinitiative gegen Tierversuche des LPT) und dem Verein Bürger gegen Tierversuche zu der Großveranstaltung aufgerufen.

Tierschützer, Tierrechtler und Tierversuchsgegner aus ganz Deutschland kamen zusammen, um ein Zeichen zu setzen für eine Kehrtwende hin zu einer Forschung ganz ohne Tierversuche. Sie forderten ein vollständiges Verbot von Tierversuchen zugunsten einer modernen tierversuchfreien Forschung. Dies sei nach Aussage der Tierrechtler zwingend erforderlich, um nicht nur Tiere vor einem sinnlosen Labortod zu bewahren, sondern auch um für den Menschen sichere und sinnvolle Therapiemöglichkeiten zu erforschen.

An 19 Infoständen verschiedener Vereine konnten sich Interessierte über Tierrechtsthemen, wie eine vegane Lebensweise, und über die wissenschaftliche Unzulänglichkeit der Tierversuchsforschung informieren. Im fast nicht mehr endenden Demozug durch die Hamburger Innenstadt taten die Tierrechtler, begleitet von aufrüttelnder Trommelmusik, ihren Protest gegen Tierversuche kund. In den Blick der Öffentlichkeit rückten die Tierversuchsgegner in ihrer anschließenden Kundgebung auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz auch die Botoxtestung an Tieren, die für zweifelhafte Schönheitsideale einen qualvollen Erstickungstod sterben müssen. So wird im Hamburger Labor für Pharmakologie und Toxikologie (LPT), einem der größten Auftragslabors in Deutschland für die Pharma- und Chemie-Industrie, das Nervengift Xeomin, ein Botox-ähnliches Präparat, der Frankfurter Firma Merz getestet.

Live-Musik, vegane Köstlichkeiten und ergreifende Redebeiträge sorgten den ganzen Tag für großen Andrang. So berichtete die Schauspielerin und Künstlerin Nadja Galwas von ihrer Krebserkrankung und warum sie sich für eine tierversuchsfreie Forschung ausspricht. Prof. Birgit Völlm erzählte von den Unwegsamkeiten, die ihr im Medizinstudium bereitet wurden, weil sie sich nicht am »Tierverbrauch« im Studium beteiligen wollte. Sie verklagte ihre Uni, gewann den Prozess und konnte erst Jahre später ihr Studium erfolgreich fortsetzen. Heute ist sie Professorin und Fachärztin für Psychiatrie an der Universität Nottingham.

Mit dem Aktionstag ist es den Ärzten gegen Tierversuche gelungen, auf das millionenfache Tierleid aufmerksam zu machen und zahlreiche Bürger für die Missstände, die hinter verschlossenen Labortüren existieren, zu sensibilisieren. Nach Aussage des Vereins ist die Zeit gekommen, in der auch die Politik sich der Abkehr vom Tierversuch nicht länger verweigern sollte, da Tierversuche weder ethisch noch wissenschaftlich in unsere moderne Gesellschaft passen.

Weitere Informationen:

Fotobericht zur Großdemo gegen Tierversuche am 30. April 2011 >>
Pressemitteilung vom 20. April 2011 >>
Weitere Infos zu Botox-Tierversuchen >>


20.04.2011

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche

Ärztevereinigung fordert rein tierversuchsfreie Wissenschaft

Zum diesjährigen Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April prangert die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche an, dass die Tierversuchzahlen von Jahr zu Jahr steigen, die in Aussicht gestellte Heilung zahlreicher Krankheiten jedoch nicht in Sicht ist. Ein ausnahmsloses Verbot von Tierversuchen zugunsten einer modernen tierversuchfreien Forschung hält der Verein für unabdingbar, um Tiere vor einem sinnlosen Labortod zu bewahren und eine für den Menschen best mögliche Medizin zu etablieren.

Die Ärzte gegen Tierversuche verweisen auf die aktuelle Statistik der Bundesregierung. So wurden in Deutschland im Jahr 2009 fast 2,8 Millionen Tiere für Versuche verwendet, Tendenz stark steigend. »Die Politik kommt ihren Zusagen nicht nach. Denn trotz aller Ankündigungen, Tierversuche wenigstens reduzieren zu wollen, werden in tierexperimentelle Forschung immense Summen investiert«, moniert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. So werden nach Aussage des Vereins einzelne Tierversuchlabors mit öffentlichen Geldern in Millionenhöhe bezuschusst. Dagegen wird die ethische und wissenschaftlich viel bessere tierversuchsfreie Forschung bundesweit mit jährlich nur rund 4,5 Millionen abgespeist.

Neben seiner generellen Überzeugung von der Notwendigkeit eines Verbots für Tierversuche, rückt der Ärzteverein konkrete Missstände in den Blick der Öffentlichkeit, so die Tierversuche für das Antifaltenmittel ‚Botox’. »Mäuse müssen für dieses im Trend liegende Schönheitsmittel einen Erstickungstod sterben, nur damit manche Menschen sich für kurze Zeit ihre Gesichtsfalten glätten lassen können«, so die Ärzte gegen Tierversuche. Je größer die Nachfrage nach Botox, desto mehr Tiere werden getötet, da jede einzelne Produktionseinheit im sogenannten LD 50-Test geprüft wird. Hierbei wird die Dosis ermittelt, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. In Wissenschaftskreisen wird dieser Test als besonders qualvoll und unzuverlässig kritisiert. Zudem erlaubt das Europäische Arzneibuch für die Testung von Botox-Produkten drei sogenannte Alternativen, sofern die Hersteller diese für ihr Produkt anerkennen lassen. Die Ärzte gegen Tierversuche kritisieren den fehlenden politischen Willen, die Hersteller zur verbindlichen Anwendung einer verfügbaren tierversuchsfreien Methode zu bewegen.

Im Hamburger Labor für Pharmakologie und Toxikologie werden eigenen Angaben zufolge Mäuse, Ratten, Kaninchen, Hunde, Katzen, Schweine, Fische, Vögel und Affen vergiftet. Unter anderen wird beim LPT das Nervengift Xeomin, ein Botox-ähnliches Präparat, der Frankfurter Firma Merz getestet. Das LPT ist eines der größten Auftragslabors in Deutschland für die Pharma- und Chemie-Industrie und betreibt im niedersächsischen Neu-Wulmstorf Mienenbüttel ein ‚Sammellager für Versuchstiere’.

Um die Botox-Versuche in die Öffentlichkeit zu bringen, den Druck auf die Politik und die Hersteller zu erhöhen und um aller im Labor gequälten und getöteten Tiere zu gedenken, veranstaltet die Ärztevereinigung gemeinsam mit der Lobby pro Tier Mienenbüttel (Bürgerinitiative gegen Tierversuche des LPT) und dem Verein Bürger gegen Tierversuche am 30. April 2011 in Hamburg eine Großdemo mit umfangreichem Rahmenprogramm.

Anlässlich des Internationalen Tags zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April wird weltweit auf das Leid der Tiere in den Labors aufmerksam gemacht. Der Gedenk- und Aktionstag wurde erstmals 1979 begangen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im Britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.

Weitere Informationen:

Großdemo gegen Tierversuche am 30. April in Hamburg >>
Hintergrundinformationen zu Botox >>


22.03.2011

»Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten«

Komplett überarbeitete Neuauflage des Buches erschienen

An Tierversuchen scheiden sich die Geister. Viele halten sie für notwendig, um Medikamente für kranke Menschen zu entwickeln. Dass Tierversuche nicht nur nicht notwendig sind, sondern wissenschaftlich unsinnig und ethisch nicht zu rechtfertigen, ist dagegen die Kernaussage des jetzt in Neuauflage erschienenen Taschenbuches von Tierärztin Dr. med. vet. Corina Gericke.

Dem Leser werden die Fakten für die Untauglichkeit des Tierversuchs vor Augen geführt und mit stichhaltigen Argumenten belegt. Dabei wird verdeutlicht, dass das tierexperimentelle System gar nicht, wie oft behauptet, dem Wohle des Menschen dient, sondern vielmehr andere Interessen vordergründig sind. »Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten« wirft einen Blick hinter die Kulissen der Tierversuchspraxis und geht unter anderem den Fragen nach, warum die tierexperimentelle Forschung immer wieder versagt, wie neue Medikamente ohne Tierversuche entwickelt werden können, wo die Defizite in der Tierschutzgesetzgebung liegen und welches die wahren Gründe sind, weshalb Tierversuche immer noch durchgeführt werden. In 80 Fragen und Antworten wird fundiert und sachlich prägnant eine Argumentations- und Diskussionsgrundlage geschaffen.

Für die zweite Auflage haben Gericke und ihre Co-Autorin Astrid Reinke, ebenfalls Tierärztin, die Fakten neu recherchiert und auf den neusten Stand gebracht. Gegenüber der Erstauflage 2005 kamen sechs aktuelle Fragen und Antworten unter anderem zum EU-Recht und Botox hinzu. Auch die Fotogalerie wurde vollständig erneuert.

Das Buch richtet sich an Tierschützer und andere an der Thematik interessierte Menschen und eignet sich als Nachschlagewerk, das die brennenden Fragen rund um das kontrovers diskutierte Thema »Tierversuch« gut verständlich aufzeigt und beantwortet.

Information:
Corina Gericke: Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten – Ein Blick hinter die Kulissen. Komplett aktualisierte und überarbeitete 2. Auflage des Diskussions- und Argumentationsbuches. Echo-Verlag Göttingen 2011, 128 Seiten, 9,80 €

Ab sofort im Buchhandel oder im Online-Shop der Ärzte gegen Tierversuche e.V. erhältlich >>


16.03.2011

Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg:

Wahlprogramme offenbaren wenig Ambitionen zum Ausstieg aus dem Tierversuch

Anlässlich der Landtagswahlen am 20. März 2011 in Sachsen-Anhalt und am 27. März 2011 in Baden-Württemberg hat der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche die Landesparteien von CDU, SPD, FDP, Bündnis90/Die Grünen und Die Linke nach ihren Absichten zur Abschaffung der Tierversuche und insbesondere der in beiden Bundesländern noch immer praktizierten Hirnversuche an Affen gefragt.

In Bremen, München und Berlin wurden Versuche am Hirn von Affen, wie sie in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg praktiziert werden, aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens von den Genehmigungsbehörden abgelehnt. Die Ärzte gegen Tierversuche wollten daher von den Parteien wissen, ob sie dem Beispiel anderer Bundesländer folgen und die Affenhirnforschung beenden werden und zudem Schritte unternehmen, um Tierversuche grundsätzlich abzuschaffen oder zumindest deutlich einzuschränken.

Wie aus den Antworten und Wahlprogrammen der CDU und FDP hervorgeht, wird in beiden Bundesländern generell das Tierschutzniveau als ausreichend betrachtet und eine konkrete Notwendigkeit für ein Ende der Affenversuche und Tierversuche wird nicht gesehen.

Die SPD in Sachsen-Anhalt hält an den Affenhirnversuchen insoweit fest, als sie deren Abschaffung nur für möglich hält, wenn alternative Forschungsmethoden vorhanden sind. In Baden-Württemberg befindet die SPD die Affenversuche zwar »aus Tierschutzaspekten für besonders schwerwiegend«, dennoch strebt sie deren Ende nicht an.

Die baden-württembergische Linke möchte sich für ein sofortiges Verbot der Affenhirnforschung sowie für die Einführung eines Förderetats für tierversuchsfreie Forschung einsetzen. Die Linke in Sachsen-Anhalt ist der Meinung, dass die Erforschung von Therapiemöglichkeiten von Alzheimer und Parkinson nicht ohne Tierversuche möglich sei und spricht sich nur pauschal für eine Beschränkung der tierexperimentellen Forschung aus.

Klare und sehr umfangreiche Zielsetzungen verfolgen Bündnis90/Die Grünen in beiden Bundesländern. So gilt für die Grünen in Baden-Württemberg die Leitlinie, dass Tiere Rechte haben. Bezüglich der Tierversuche wird eine jährliche Reduzierung um zehn Prozent angestrebt, die Affenversuche sollen innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens beendet und die tierversuchsfreie Forschung stärker gefördert werden.

»Es ist beschämend, dass in einigen Politikerköpfen noch immer nicht angekommen ist, dass Tierversuche ein überaus grausames, gesellschaftlich nicht tragbares Relikt aus alten Zeiten sind, das schnellstens von der Bildfläche verschwinden muss,« kommentiert Dipl.-Biologin Silke Bitz von der Ärztevereinigung.

Die Ärzte gegen Tierversuche appellieren an ihre Mitmenschen, ihrer Wahlentscheidung die tierschutzrechtlichen Absichten der Parteien zugrunde zu legen, denn für die Tiere können nun die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt werden. Es ist daher wichtig, sehr genau zu schauen, ob und inwieweit sich die Parteien verbindlich zur Stärkung der Rechte der Tiere und zu einem zeitnahen Ausstieg aus dem überholten Zeitalter der Tierversuche äußern. Der Verein weist auf die Möglichkeit für Bürger hin, die Parteien und einzelnen Kandidaten im Vorfeld der Wahlen zum Stellenwert der tierversuchsfreien Forschung und konkreter Vorhaben zur Beendigung von Tierversuchen zu befragen. Nach den Wahlen können die Parteien zur Einlösung ihrer Versprechen aufgefordert werden.

Weitere Information:
Kampagne Stoppt Affenqual in Tübingen! >>
Grausame Tierversuche am Leibniz-Institut in Magdeburg >>


08.03.2011

Tiere leiden weiter für Lippenstift und Make-up

Zwei Jahre Tierversuchsverbot für Kosmetik und trotzdem kein Ende

Seit dem 11. März 2009 verbietet die Kosmetikrichtlinie europaweit Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe sowie die Vermarktung von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und –rohstoffen. Für drei Tierversuche ist eine längere Frist bis 2013 vorgesehen, die nun jedoch nach dem Willen der EU weiter verschoben werden soll. Laut dem bundesweit aktiven Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) sind Tierversuche für Kosmetik weder notwendig noch sinnvoll, weshalb der Verein fordert, am ursprünglich beschlossenen Verbot festzuhalten.

Mit der kürzlich gestarteten Kampagne »NEIN zu Tierqualkosmetik!« will der bundesweit aktive Verein Ärzte gegen Tierversuche gemeinsam mit seinen europäischen Partnern der Politik verdeutlichen, wie wichtig die Beibehaltung des beschlossenen Verbotes der Kosmetiktierversuche ist und die Verbraucher keine Tierqualkosmetik wünschen.

Dass überhaupt Tierversuche für Kosmetik durchgeführt werden, ist laut Ärztevereinigung der Profitgier der Hersteller zuzuschreiben. Diese überschwemmen den Markt mit immer neuen Schönheits- und Pflegeprodukten, die niemand braucht. Tiere sterben für überflüssige Innovationen einen grausamen Tod, während der Verbraucher trotzdem nicht vor schädlichen Wirkungen geschützt ist. Denn die Tierversuche dienen einzig der rechtlichen Absicherung der Produkterfinder im Falle von Gesundheitsschäden, heißt es von Seiten des Ärzteverbandes.

»Tierversuche für Kosmetik sind unmoralisch und von vornherein nicht notwendig«, meint Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. »Über 8.000 altbewährte Inhaltstoffe sind verfügbar. Zahlreiche Firmen, die tierversuchsfreie Kosmetik herstellen, beweisen, dass daraus beliebig viele neue Produkte ganz ohne Tierleid kreiert werden können«, so Bitz weiter.

Dem politisch besiegelten Verbot der Vermarktung von tierquälerischer Kosmetik und der Testung an Tieren liegt ein jahrelanger politischer Kampf zahlreicher Tierrechts- und Tierversuchsgegnerorganisationen zugrunde. Die letztlich verabschiedete Kosmetikrichtlinie ist nach Ansicht der ÄgT eine große Errungenschaft, enthalte jedoch zu großzügige Regelungen für die Weiterführung von Tierversuchen für Kosmetik.

So konnte nicht verhindert werden, dass Tierversuche zur Giftigkeit bei wiederholter Gabe, zur Reproduktions-Giftigkeit sowie zur Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechslung und Ausscheidung einer Substanz noch bis 2013 erlaubt sind. Nach Plänen der EU soll diese Frist nun verlängert werden, da ihrer Ansicht nach nicht die erforderlichen anerkannten tierversuchsfreien Methoden zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass Tierversuche zur Testung von Allergie und Krebs auslösenden Wirkungen ebenfalls weiter erlaubt werden sollen, obwohl diese bereits seit 2009 verboten sind.

Der Verein kritisiert die Pläne der EU und moniert zudem, dass bei Vermarktung eines Lippenstiftes oder einer Schönheitscreme außerhalb der EU auch weiterhin Tiere für die Kosmetik ihr Leben lassen werden, da in manchen Ländern, wie China, oftmals Tierversuche vorgeschrieben sind. »Erst wenn es ein weltweites Verbot für die Testung von kosmetischen Inhaltstoffen und Endprodukten sowie deren Verkauf gibt, kann von einem wirklichen Erfolg gesprochen werden. Insofern ist es zwingend erforderlich, dass zumindest das ohnehin unzureichende EU-weite Testungs- und Vermarktungsverbot nicht noch weiter aufgeweicht wird«, erklärt Silke Bitz.

Mit der 7. Änderung der Kosmetikrichtlinie tritt eine stufenweise Einschränkung der Tierversuche im Kosmetiksektor in Kraft. Erster Teilerfolg war im September 2004 das EU-weite Verbot der Testung kosmetischer Fertigprodukte am Tier.

Weitere Information:
Hintergrundinformation >>
Richtlinie 2003/15/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Februar 2003 zur Änderung der Richtlinie 76/768/EWG des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mittel >>


04.03.2011

»Tiere sind Lebewesen, keine Modelle«

Ärzteverein protestiert gegen neues Tierversuchslabor in Dummerstorf

Am 9. März wird das neue »Laboratorium Innovative Nutztiermodelle« des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock eröffnet. In dem 5,6 Millionen teuren Neubau sollen bis zu 6.000 Mäuse gehalten werden. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hält es für verfehlt, Millionen öffentliche Gelder für immer neue Tierlabors zu verschwenden. In dem Institut in Mecklenburg-Vorpommern ginge es lediglich darum, die »Leistung« landwirtschaftlicher Tiere und damit den Profit der Agrarindustrie zu erhöhen.

Das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf beschäftigt sich u.a. mit der effizienteren Erzeugung von Fleisch und der Optimierung der Nutzung von Tieren in der Landwirtschaft. So fand man am FBN heraus, wie sich durch die Fütterung von Rindern Omega-3-Fettsäuren in ihrem Fleisch anreichern lassen. Bei einem anderen Projekt wird untersucht, inwieweit der klimaschädliche Methanausstoß von Rindern minimiert werden kann.

Für Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche, geht diese Forschung in die völlig falsche Richtung. »Es ist nicht zu rechtfertigen, dass Tiere dazu missbraucht werden, die durch Menschen verursachten Klimaschäden lösen zu wollen.« Sogar ein aktueller Bericht der Vereinten Nationen räume ein, dass eine wirkliche Reduktion der negativen Auswirkungen der Landwirtschaft auf das Klima nur durch einen weltweiten Wandel der Ernährung weg von tierischen Produkten möglich ist. »Der beste und einfachste Weg, Klima, Tiere und die eigene Gesundheit zu schützen, ist es, den Fleischkonsum auf Null zu minimieren«, folgert Gericke.

Am FBN finden Experimente mit Rindern, Schweinen, Pferden, Schafen, Ziegen und Mäusen statt. Im bisherigen »Maushaus« konnten bis zu 4.500 Mäuse gehalten werden. Das neue Gebäude ist für 6.000 Mäuse ausgelegt.

»Da Mäuse sich wesentlich schneller vermehren als Schweine oder Rinder, müssen sie oft als Stellvertreter für die Tiere in der Landwirtschaft herhalten. So werden an ihnen Zuchtmethoden zur Steigerung der Fruchtbarkeit oder des Muskel- und Fettansatzes getestet«, erläutert Tierärztin Gericke.

Im Fachjargon des Dummerstorfer Instituts ist von »Nutztiermodellen« die Rede. Allein die Wortwahl stößt bei den Tierversuchsgegnern schon auf Missfallen. »Tiere sind keine Modelle oder Maschinen und auch keine Lebensmittel. Tiere sind fühlende Lebewesen, die Freude, Leid, Schmerz und Angst empfinden können, wie wir«, ist die Tierärztin überzeugt.

Der Bau des neuen Labors sei wie sämtliche Tierversuche des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie nach Ansicht der Ärztevereinigung aus ethischen Gründen nicht zu rechtfertigen. »Die Steuermillionen wären in einer Kampagne über die Vorzüge einer ausgewogenen vegetarischen oder besser noch veganen Ernährung wesentlich besser angelegt«, erklärt Gericke.

Das Institut hat einen Jahresetat von etwa 16,6 Millionen Euro. Allein das genannte Projekt zur Anreicherung des Rindfleisches mit Omega-3-Fettsäuren wurde mit 10,9 Millionen aus EU-Mitteln gefördert. Das neue Mäuselabor kostete 5,6 Millionen Euro.

Weitere Infos:

Was kosten Tierversuche und wer bezahlt sie? >>
Tierversuche in der Tiermedizin >>
Bericht der Vereinten Nationen 2010: Assessing the environmental impacts of consumption and production, S. 82 >>


28.02.2011

»Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie darf kein zahnloser Tiger werden«

Ärzte gegen Tierversuche e.V. startet Briefaktion und legt Forderungskatalog vor

Die neue EU-Tierversuchsrichtlinie, die im November 2010 in Kraft trat, muss von der Bundesregierung in den nächsten zwei Jahren in deutsches Recht überführt werden. Um dabei eine Abschwächung der ohnehin unzureichenden EU-Tierversuchsregelungen zu verhindern, startet der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) heute eine Briefaktion mit konkreten Vorgaben an die Politik. So sollen nach Ansicht der ÄgT tierversuchsrechtliche Regelungen in einem eigenen Gesetz verankert werden, dessen letztendliches Ziel die vollständige Abschaffung von Tierversuchen sein muss.

Die neue EU-Richtlinie zum „Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere“ löst das veraltete Regelwerk aus dem Jahr 1986 ab. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche bemängelt, dass bei der Neugestaltung der Richtlinie auf EU-Ebene versäumt wurde, die Forschung in zeitgemäße und ethische Bahnen zu lenken und stattdessen das überholte und unzuverlässige Tierversuchssystem beibehalten wird. Die Ärztevereinigung hatte gemeinsam mit ihren europäischen Partnern bei der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) im Laufe der über zwei Jahre dauernden politischen Verhandlungen alles versucht, tierschutzrechtliche Verbesserungen einzubringen. Letztlich haben jedoch verstärkt die Interessen der Tierversuchslobby Eingang in die neue Richtlinie gefunden.

Umso wichtiger sei es nun sicherzustellen, dass die Bundesregierung die unzureichenden Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie nicht unreflektiert in deutsches Recht übernimmt oder gar noch zu Ungunsten der Tiere verschlechtert. Zwar verbietet die Richtlinie den Mitgliedsländern strengere Maßstäbe anzusetzen, doch laut Ärzteverein gibt es einen juristischen Spielraum zum Beispiel in Form von »Kann«-Bestimmungen.

Mit 45.000 verschickten Postkarten hatte der Verein unter dem Motto »2,8 Millionen Gründe für eine verschärfte Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie« die Bürger bereits vor Beginn der Umsetzung aufgerufen, der Bundesregierung die Dringlichkeit nach einem Ausstieg aus dem Tierversuch zu signalisieren. Mit der aktuellen Briefaktion an die Bundesministerinnen Ilse Aigner und Annette Schavan werden die Forderungen nun konkretisiert. »Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie die Tierversuchslobby mit Hilfe der Politik das Kapitel der grausamen und wissenschaftlich unsinnigen Tierversuche bis in alle Ewigkeit fortschreibt«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. Das neue Tierversuchsgesetz dürfe kein zahnloser Tiger werden.

Gemeinsam mit anderen führenden Tierschutz- und Tierversuchsgegnerorganisationen in Deutschland hat sich die ÄgT auf verschiedene Kernforderungen als Mindeststandard verständigt. So sollen Regelungen des deutschen Tierschutzgesetzes, die über die Maßgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie hinausgehen, zwingend beibehalten werden. Beispiele sind die Verbote der Durchführung von Tierversuchen für die Entwicklung von Kosmetik, Waschmitteln, Tabak und Waffen. Eine rückblickende Bewertung aller Tierversuchsprojekte soll Transparenz schaffen und bietet laut Ärzteverein die Möglichkeit, die Unzuverlässigkeit des Tierversuchs aufzeigen. Versuche, die schweres Leid oder Angst verursachen und länger andauern, sowie die Verwendung von Menschenaffen müssen nach Auffassung der ÄgT ausnahmslos verboten werden.

»Unser Ziel ist die Abschaffung der Tierversuche. Solange hierzu der politische Wille fehlt, muss in einem neuen Gesetz zumindest der Grundstein für eine zukunftsfähige tierversuchfreie Forschung gelegt werden, der zu einem schrittweisen, zeitnahen Ausstieg aus der tierexperimentellen Forschung führt«, so Bitz abschließend.

Weitere Information:

Briefaktion und Forderungen für eine verschärfte Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie

Hintergrundinformation zur EU-Tierversuchsrichtlinie >>

Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere >>


25.02.2011

Infostand in Tübingen

Landesregierung soll Hirnversuche an Affen stoppen

Das Tübinger Bündnis gegen Tierausbeutung und der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche laden am Samstag, dem 05. März 2011 ab 14 Uhr auf dem Holzmarkt in Tübingen zu einem Infostand zum Thema Hirnforschung an Affen in Baden-Württemberg ein. Damit soll die Landesregierung vor der Landtagswahl an die Notwendigkeit des Verbots solcher Tierversuche erinnert werden. Zudem erhalten interessierte Wähler Informationen über den Stellenwert, den die tierversuchsfreie Forschung in den Wahlprogrammen der einzelnen Parteien hat.

Der Infostand ist Teil der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen!«, die die Ärzte gegen Tierversuche in Kooperation mit dem Tübinger Bündnis gegen Tierausbeutung ins Leben gerufen haben. In den Jahren 2009 und 2010 hatte der Verein Großdemonstrationen in Tübingen zum Protest gegen die Hirnforschung an Affen veranstaltet. Am Infostand können vorbereitete Postkarten an den baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle ausgefüllt werden, mit der Aufforderung, die qualvollen Versuche zu beenden.

Hintergrund der Kampagne ist, dass in Baden-Württemberg an drei Instituten, die sich alle in Tübingen befinden*, noch immer Tierversuche am Hirn von Rhesusaffen stattfinden, wie sie in anderen Bundesländern seit Jahren nicht mehr genehmigt wurden. So wurden in München, Berlin und Bremen vergleichbare Versuche von den Genehmigungsbehörden aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens abgelehnt. Damit wurde auch dem im Grundgesetz verankerten Tierschutz Rechnung getragen.

Die Landesregierung in Baden-Württemberg sieht hingegen keinen Handlungsbedarf, die Affenversuche zu unterbinden. Laut Ärztevereinigung werden die Tiere in Tübingen mit festgeschraubtem Kopf und durch Flüssigkeitsentzug gezwungen, Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Ihnen wird ein Loch in den Schädel gebohrt und ein Metallbolzen wird dauerhaft implantiert, um den Kopf fixieren zu können. Im Versuch werden Elektroden in das Gehirn des unbetäubten Tieres eingeführt, um Hirnströme zu messen. Nur wenn der Affe dem Forscherwunsch entsprechend reagiert, bekommt er über einen Schlauch einen Tropfen Saft. Die sensiblen Tiere tun in ihrer ausweglosen Situation alles, was der Forscher will. Die Affen müssen diese Prozeduren oft jahrelang über sich ergehen lassen.

Neben der ethischen Unvertretbarkeit sind laut Ärzte gegen Tierversuche und Bündnis gegen Tierausbeutung die Versuche für die Behandlung menschlicher Krankheiten vollkommen nutzlos, da das Affenhirn sich wesentlich vom menschlichen Gehirn unterscheidet. So hat das Affenhirn keine Bereiche für Sprache, Lesen oder Musik und das Menschenhirn hat zur Verarbeitung von visuellen Reizen bestimmte Hirnbereiche, die im Affenhirn fehlen.

Der Verein fordert auch in Baden-Württemberg ein sofortiges Ende dieser grausamen Forschung und die Stärkung der tierversuchsfreien Forschung. Bereits verfügbare Methoden wie die Computertomografie oder die Untersuchung von Gewebe aus medizinisch notwendigen Operationen liefern im Gegensatz zum Tierversuch wertvolle Einblicke in das menschliche Gehirn.

*Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen; Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen; Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen.

Fototermin:
Infostand am Samstag, 5. März 2011, ab 14 Uhr auf dem Holzmarkt in Tübingen

Weitere Information:
Hintergrundinformation »Stoppt Affenqual in Tübingen!« >>
Demo in Tübingen 2009 >>
Demo in Tübingen 2010 >>


18.01.2011

Sag NEIN Tierqual-Kosmetik
Start einer EU-weiten Kampagne


Das Ende der Tierversuche für Kosmetik ist bedroht. Ab 2013 soll die letzte Stufe des Vermarktungsverbots für in Tierversuchen getestete Kosmetika in Kraft treten, doch die Europäische Kommission will diesen Termin verschieben. Dies würde weltweit den Tod zigtausender Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Mäusen in den Labors der Kosmetikindustrie und ihrer Zulieferer bedeuten.

Der Deutsche Tierschutzbund, der Bundesverband Menschen für Tierrechte und die Ärzte gegen Tierversuche starten daher heute zusammen mit ihren europäischen Partnern in der Europäischen Koalition zur Beendigung der Tierversuche (European Coalition to End Animal Experiments, ECEAE) eine EU-weite Kampagne und rufen die Bürgerinnen und Bürger auf, die Petition »Nein zu Tierqual-Kosmetik« zu unterstützen, die dann öffentlichkeitswirksam den Entscheidungsträgern übergeben werden soll. Die Petition ist über die Webseiten der drei Verbände erreichbar.

Ab 2013 sollten in der EU auch solche Kosmetika nicht mehr verkauft werden dürfen, die außerhalb der EU im Tierversuch getestet wurden. Doch dieser Termin soll jetzt mit der Begründung, dass tierversuchsfreie Prüfmethoden nicht rechtzeitig entwickelt und anerkannt seien, gekippt werden. »Tierversuche für Kosmetik sind jedoch überflüssig, aus ethischer Sicht indiskutabel, und sie werden von den EU-Bürgern kategorisch abgelehnt. Daher müssen diese Versuche verhindert werden, egal ob es andere Testmethoden gibt oder nicht«, so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Ein wissenschaftlicher Bericht, den die Europäische Kommission in Auftrag gegeben hat, resümiert, dass es noch mindestens weitere zehn Jahre braucht, bis die letzten Tierversuche mit anderen Methoden ersetzt werden können. »Wir sind es leid, dass die Anwendung von tierversuchfreien Methoden so schleppend vorangeht. Sie müssen wissenschaftliche und bürokratische Hürden überwinden, die Tierversuche nie meistern mussten. Ohne unseren Protest müsste man auf den Sanktnimmerleinstag warten, bis Tierversuche abgeschafft sind«, erläutert Dr. Christiane Baumgartl-Simons vom Bundesverband Menschen für Tierrechte.

»Die Entscheidungsträger müssen den Aufschrei in der EU spüren. Wir wollen keine Kosmetikartikel in den Regalen, an denen noch Blut klebt. Wir brauchen Ihre Stimme. Sagen auch Sie Nein zu Tierqual-Kosmetik.«, appelliert Dr. Corina Gericke von den Ärzten gegen Tierversuche abschließend.

Weitere Infos

Kosmetik und Tierversuche >>

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Gemeinsame Presseerklärung

Ärzte gegen Tierversuche e.V., Landsbergerstr. 103, 80339 München, Tel. Pressestelle - Silke Bitz: 0761-5955889, info@aerzte-gegen-tierversuche.de, www.aerzte-gegen-tierversuche.de

Deutscher Tierschutzbund e.V., Pressestelle, Baumschulallee 15, 53115 Bonn, Tel: 0228-60496-24, presse@tierschutzbund.de, www.tierschutzbund.de

Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V., Roermonder Straße 4a, 52072 Aachen, Tel: 0241–157214, info@tierrechte.de, www.tierrechte.de

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