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Pressearchiv 2011 - 18.08.2011 Steigende Tierversuchszahlen

18.08.2011

Steigende Tierversuchszahlen

Armutszeugnis für die Bundesregierung

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet den soeben veröffentlichten Tierschutzbericht 2011 als Armutszeugnis und bezichtigt die Bundesregierung der Schönfärberei. Der Bericht wird alle vier Jahre herausgegeben und beleuchtet die Tierschutzaktivitäten der Bundesregierung.

Im Bereich der Tierversuche ist seit Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Zahlen zu verzeichnen. Allein zwischen 2005 und 2009 stieg die Anzahl der für Forschungszwecke verwendeten Tiere von über 2,4 Millionen auf fast 2,8 Millionen Tiere. Der Trend ist vor allem auf die verstärkte Verwendung von transgenen Tieren, also Mäusen und anderen Tieren, deren Erbgut manipuliert wurde. Deren Zahl verdoppelte sich in den vier Jahren auf mehr als 690.000 im Jahr 2009.

Die Bundesregierung sei bestrebt, Tierversuche auf »ein unvermeidbares Maß« beschränken zu wollen, heißt es in dem Bericht. »Tatsächlich verweigert die Bundesregierung aber jede noch so winzige gesetzliche Einschränkung von Tierversuchen«, kritisiert Dr. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. »So trug Berlin maßgeblich dazu bei, dass die 2010 verabschiedete Tierversuchsrichtlinie der EU im Laufe der Verhandlungen windelweich gespült wurde«. Bei der nun folgenden Überführung des Regelwerkes in deutsches Recht befürchtet der Ärzteverein eine Eins-zu-eins-Umsetzung, die keinerlei Fortschritte für die Tiere in deutschen Labors bringen würde. Der Ärzteverband fordert von der Bundesregierung bei der anstehenden Neufassung des Tierschutzgesetzes endlich wesentliche gesetzliche Einschränkungen von Tierversuchen einzuleiten.

Bis 2007 gab die Bundesregierung alle zwei Jahre ihren Tierschutzbericht heraus. In der Tatsache, dass dieser nun nur noch alle vier Jahre erscheint, sieht der Ärzteverein den geringen politischen Stellenwert bestätigt, den der Tierschutz für die Bundesregierung hat, und den fehlenden Willen, zügig Fortschritte zu bewirken.

Die Ärzte gegen Tierversuche setzen sich für eine Nulllösung bei Tierversuchen ein, nicht nur aus ethischen Gründen, sondern vor allem auch wegen der mangelnden Übertragbarkeit auf den Menschen. »Tierversuche sind nicht nur nutzlos, sie sind für die Menschen sogar gefährlich, weil sie eine Sicherheit vorspiegeln, die nicht vorhanden ist«, erklärt Tierärztin Gericke. Zahllose Arzneimittelskandale beweisen, dass eine Sicherheit auf der Basis von Tierversuchen nicht gegeben ist. »Muss erst eine Katastrophe á la Fukushima passieren, bevor die deutsche Politik zum Umdenken bereit ist?«

Weitere Information: Tierschutzbericht der Bundesregierung 2011 >>
Hintergrundinformationen zur EU-Tierversuchsrichtlinie >>

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