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Pressearchiv 2011 - 14.10.2011 Ende der Affenqual in Baden-Württemberg gefordert

14.10.2011

Ende der Affenqual in Baden-Württemberg gefordert

Ärzteverein überreicht 60.000 Unterschriften an neue Landesregierung

Am 18. Oktober 2011 überreichen Vertreter der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche dem Ministerialdirektor Wolfgang Reimer stellvertretend für zahlreiche Bürger und Unterstützer der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« 60.000 Unterschriften verbunden mit der Aufforderung, dem Beispiel anderer Bundesländer zu folgen und der Hirnforschung an Affen in Baden-Württemberg die rote Karte zu zeigen.

»In unserem Wahlprogramm hatten wir uns klar zu einem Ende der Affenversuche innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens ausgesprochen sowie möglichst für eine Abschaffung der Tierversuche generell, zumindest aber eine jährliche Reduzierung um zehn Prozent. Unseren Bürgern und Wählern gegenüber sind wir hierzu nun verpflichtet und müssen diesen Regierungsauftrag umgehend erfüllen«, meint Reinhold Pix gegenüber der Ärztevereinigung. Der Landtagsabgeordnete und tierschutzpolitische Sprecher der grünen Regierungspartei wird bei der Unterschriftenübergabe zugegen sein.

Die Affen bekommen Geräte auf dem Kopf installiert und es werden Elektroden in das Gehirn eingeführt, weil die Forscher herausfinden wollen, wie ein Affe zählt oder auf bestimmte Gesichter reagiert. »Für die Krankheitsforschung des Menschen sind diese Erkenntnisse unbrauchbar, da man von einem Affenhirn aufgrund der großen Unterschiede nicht auf ein Menschenhirn schließen kann«, kritisiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

In seiner Begründung für die Forderung nach einem sofortigen Verbot der Hirnversuche an Affen verweist der Ärzteverein zudem auf die Einschätzung der Genehmigungsbehörden anderer Bundesländer, die derartige Forschungsprojekte nicht mehr genehmigt haben, da das Leid der Affen als zu hoch und der medizinische Nutzen als nicht gegeben erkannt wurden. In seinem Ablehnungsbescheid legte beispielsweise das in Berlin zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales dar: »Um einem lebensbedrohlichen Leiden (Durst) zu entrinnen, fügt sich das Tier in ein anderes erhebliches Leiden (Kopffixierung im Primatenstuhl)«. Die weiteren im Versuchsablauf stattfindenden Eingriffe wie die lokale Drogenapplikation, die chemische oder elektrische Aktivierung bestimmter Hirnbereiche oder die Messungen im Magnetresonanztomographen stuft die Behörde als zusätzliche Belastung ein. Auch die Genehmigungsbehörden in Bremen und München lehnten Versuche am Affenhirn aus diesem Grund ab.

In Baden-Württemberg hingegen werden vergleichbare Hirnversuche an Affen noch immer praktiziert. Auf Nachfrage der Ärztevereinigung bei der ehemals schwarz-gelben Landesregierung, welchen medizinischen Nutzen die Affenhirnforschung erbracht habe, hieß es pauschal, die Prüfung des unmittelbaren Nutzens, z.B. im Sinne eines therapeutischen Fortschritts, sei nicht angezeigt, da es sich um Grundlagenforschung handelt.

»Es ist an der Zeit, dass sowohl die Genehmigungsbehörden als auch wir als verantwortliche Politiker wahrnehmen, dass die Forschungsfreiheit seit der Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz vor fast zehn Jahren nicht mehr grenzenlos sein darf«, kommentiert Pix.

Die Ärztevereinigung ist optimistisch, mit der neuen grün-roten Landesregierung auch in Baden-Württemberg Fortschritte in Richtung einer modernen tierversuchsfreien Forschung zu erreichen. »Wir erwarten nun von den Regierungsparteien einen konkreten Fahrplan zur Verwirklichung der gesteckten Ziele, damit Baden-Württemberg die Entwicklung zu einem innovativen, führenden Forschungsstandort, bei dem Ethik und gute Wissenschaft vereint werden, nicht verpasst«, so Bitz abschließend.

Die Unterschriftenübergabe findet am 18. Oktober um 11 Uhr im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Kernerplatz 10, 70182 Stuttgart, statt.

Weitere Information:

Pressemitteilung vom 25. Mai 2011 >>

Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« >> 

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