Pressearchiv 2010

Pressearchiv 2010

 


10.12.2010

 

»Covance - Symbol für das Grauen der Tierversuche«

Ärztevereinigung veröffentlicht Infoschrift über Tierversuche in Münster

Als »Symbol für das Grauen der Tierversuche« bezeichnet die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) das Auftragslabor Covance in Münster. In ihrem aktuellen Faltblatt über Tierversuche in Münster prangert der Verein nicht nur die Affenversuche bei Covance an, sondern auch Experimente mit Mäusen, Hamstern und Weißbüscheläffchen an verschiedenen Instituten der Universität. Anhand von Beispielen aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen beschreibt die ÄgT Experimente, die bei Covance und an der Uni durchgeführt wurden und beleuchtet sie kritisch.

Die amerikanische Firma Covance führt im Auftrag der Pharma- und Chemieindustrie Tierversuche durch und gilt als der weltgrößte Konzern dieser Branche. Die Covance-Niederlassung in Münster ist auf Fortpflanzungs-Giftigkeitstests an Affen spezialisiert und das größte Affenlabor in Deutschland. An Langschwanzmakaken und anderen Affen werden Arzneimittel und Chemikalien auf ihre erbgut- und fruchtschädigende Wirkung getestet. Meist mehrmals täglich werden die Testsubstanzen schwangeren Affen mit einem Schlauch in den Magen gepumpt oder in die Blutbahn injiziert, um die Auswirkung auf ihre Nachkommen zu beobachten. Die Folge können Totgeburten oder Missbildungen sein. Am Ende der Versuche werden alle Affen getötet.

Im Jahr 2009 mussten den Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge in Deutschland 1.264 Affen in Giftigkeitsprüfungen leiden – gut die Hälfte der insgesamt 2.313 Affen, die in deutschen Labors verwendet wurden.

»Die Tiere stammen aus Ländern wie Mauritius, China oder Vietnam, wo sie mit brutalen Methoden aus der freien Wildbahn gefangen und unter unsäglichen Bedingungen gezüchtet werden«, weiß Dr. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. Ihre Jungen und mitunter auch Wildfänge werden an Labors wie Covance verkauft. »Allein schon Fang, Haltung und Transport sind für die Tiere eine Tortur, die viele nicht überleben«, erklärt die Tierärztin.

Im Jahr 2003 gelang es einem Undercover-Journalisten der britischen Union zur Abschaffung der Tierversuche (BUAV) Filmaufnahmen des Laboralltags bei Covance zu veröffentlichen. Die Bilder zeigten schwer verhaltensgestörte Affen in Einzelhaft, qualvolle Giftigkeitsversuche und brutale Behandlung durch das Personal. Die Firma ging massiv gegen die Veröffentlichung des Bildmaterials vor, verlor aber vor Gericht. Im Jahr 2005 von der amerikanischen Tierrechtsorganisation PeTA verdeckt gemachte Aufnahmen in einem Covance-Labor in Virginia, USA, zeigen ähnliche Zustände.

Nach Recherchen der Ärztevereinigung wurden für ein im Jahr 2010 veröffentlichtes Experiment bei Covance in Münster Affen mindestens 12 Wochen lang einzeln ohne Blickkontakt zu ihren Artgenossen in kleinen Käfigen gehalten. Tierärztin Gericke spricht von »psychischer Folter«.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche hält Giftigkeitsprüfungen und andere Tierversuche wegen der großen Unterschiede zwischen Mensch und Tier für wissenschaftlich unsinnig. »Ein und dieselbe Substanz kann zu völlig unterschiedlichen Reaktionen führen, weswegen die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar sind«, sagt Tierärztin Gericke.

Die ÄgT fordert daher im Interesse von Mensch und Tier eine moderne Medizin und Wissenschaft ganz ohne Tierversuche. „Forschung mit menschlichen Zellkulturen und klinische Studien liefern im Gegensatz zum Tierversuch für den Menschen relevante Aussagen“, ist die promovierte Tiermedizinerin sicher.

Das Flugblatt über Tierversuche in Münster ist Teil 14 einer Städte-Reihe. Bisher erschienen sind Infoschriften zu: Homburg/Saar, Mannheim, Regensburg, Hannover, Würzburg, Düsseldorf, Magdeburg, Hamburg, Erlangen, Bochum, Bonn, Freiburg, Köln sowie nun Münster.

Weitere Informationen:
Infoblatt »Tierversuchen im Brennpunkt. Teil 14: Münster« als PDF >>
Weitere Ausgaben der Schriftreihe »Tierversuche im Brennpunkt« >>
Videofilm »Das grausame Geschäft mit Affen« >>
 



01.12.2010

Neuer Trend in Amerika

Namhafte US-Institutionen setzen auf tierversuchsfreie Methoden

Namhafte US-Institutionen haben erkannt, dass Tierversuche unzuverlässig sind und setzen verstärkt auf Human-Daten und tierversuchsfreie Testmethoden.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) rief bereits 2005 das Projekt ToxCast ins Leben, das aus 500 In-vitro-Tests, also »Reagenzglas-Verfahren«, besteht, mit denen die Gefahren von Chemikalien für Mensch und Umwelt zuverlässig vorhergesagt werden können. Bislang wurden vorhandene Tierversuchsdaten als Referenz verwendet. Nun sollen Human-Daten zum »Gold-Standard« werden. Dazu hat sich die EPA mit der Pharmaindustrie zusammengetan. Diese hat bereits mehr als 100 Wirkstoffe beigesteuert, die in Tierversuchen vielversprechend erschienen, in der klinischen Prüfung am Menschen aber versagten. Diese Substanzen sollen mit ToxCast durchgetestet werden und die Grundlage für zukünftige Medikamententests bilden.

Eine ähnliche Initiative ist Tox21, ein Gemeinschaftsprojekt der EPA und der US-Gesundheitsinstitute NIH (National Institutes of Health), das darauf abzielt, die Risikobeurteilung von Umweltchemikalien zu verbessern. Seit Neuestem ist auch die US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) mit an Bord.

Kern des Projektes ist eine Datenbank aus 3.000 pharmazeutischen Wirkstoffen und 7.000 Chemikalien, die in den nächsten Jahren mit automatisierten In-vitro-Verfahren mit menschlichen Zellkulturen getestet werden sollen. Computersysteme errechnen dann anhand dieser Daten die voraussichtliche Wirkung einer neuen Substanz. Zulassungsbehörden und Pharmaindustrie sollen Zugriff auf die Daten bekommen, um in Zukunft ohne Tierversuche die Wirkungen neuer Substanzen abzuschätzen.

Das Gemeinschaftsprojekt setzt auf tierversuchsfreie Methoden nicht nur wegen der besseren Übertragbarkeit auf den Menschen, sondern auch wegen ihrer Schnelligkeit. In-vitro-Tests charakterisieren eine Substanz innerhalb von ein bis fünf Tagen, während Tierversuche bis zu zwei Jahre dauern und bis zu 800 Tieren pro Substanz das Leben kosten können.

Seit 1938 sind in den USA vor Beginn von klinischen Studien am Menschen für neue Medikamente Tierversuche vorgeschrieben. Für die Pharmaindustrie kann das mit einem hohen Kosten- und Zeitverlust verbunden sein, wenn die Substanz in der klinischen Phase wegen mangelnder Wirkung oder unerwünschter Nebenwirkungen durchfällt. Das neue System der FDA soll die Medikamentenentwicklung effizienter machen, da es sich an der Wirkung am Menschen orientiert und nicht an der von Tieren.

»Wir wollen vom Tierversuch wegkommen«, wird David Jacobson-Kram, geschäftsführender Direktor der Abteilung Pharmakologie und Toxikologie der FDA in einem Artikel der Bloomberg-News zitiert. Und David Dix, stellvertretender Direktor des Zentrums für Computertoxikologie der EPA fügt hinzu: »Tierversuche für die Vorhersage von Reaktionen des Menschen zu verwenden, funktioniert nicht, wegen der enormen Unterschiede zwischen den Arten.«

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ist äußerst erfreut über die aktuelle Entwicklung in Amerika und fordert EU- und Bundesbehörden auf, sich dem Fortschritt nicht länger zu verwehren und der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Tierversuche der falsche Weg sind.

Quellen: 

 



19.11.2010

300.000 Mäuse pro Jahr gerettet

Endlich: Tierfreier Test ersetzt qualvollen Mäuseversuch für Muschelgifte

Die EU-Kommission hat aktuell angekündigt, den sogenannten Maus-Bioassay, einen qualvollen Tierversuch zur Testung von Algengiften in Muscheln, durch ein tierfreies Verfahren zu ersetzen. Für die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ist es unverständlich, warum die tierversuchsfreie Methode, die bereits seit 25 Jahren vorhanden ist, erst jetzt Eingang in die EU-Vorschriften findet.

Muscheln können giftige Algen enthalten. Um Konsumenten vor möglichen Vergiftungen zu schützen, müssen in der EU seit 1991 Muscheln getestet werden, bevor sie in den Verkauf gehen. Dabei werden Stichproben der Weichtiere jeweils drei Mäusen in die Bauchhöhle injiziert. Sterben zwei der drei Mäuse gilt der Fang als giftig und er darf nicht vermarktet werden. Der Todeskampf der Tiere kann sich über 24 Stunden erstrecken. Die Mäuse ersticken qualvoll. Der Test ist nicht nur äußerst grausam, sondern gilt auch als besonders unzuverlässig.

In Deutschland wird bereits seit den 1980er Jahren eine rein tierfreie chemisch-analytische Methode, das HPLC-Verfahren, angewandt. »Während überall in der EU jährlich Hunderttausende von Mäusen in dem vorgeschriebenen Maus-Bioassay qualvoll sterben, wurde der deutsche Sonderweg von der EU toleriert, nachdem Deutschland zunächst gezwungen werden sollte, sich an die EU-Vorschriften zu halten und den Tierversuch durchzuführen«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche.

Mehrere Jahre brauchte das EU-Referenzlabor für Marine Biotoxine in Spanien, um die HPLC-Methode zu validieren – eine Voraussetzung für die gesetzliche Anerkennung. Im Jahr 2009 legte die EU-Kommission einen Novellierungsvorschlag vor, die EU-Vorschrift zur Testung von marinen Biotoxinen entsprechend zu ändern. Am 17. November 2010 stimmten nun die Mitgliedstaaten dem Vorschlag zu. Die chemisch-analytische Testung von Muscheln soll ab Juli 2011 EU-weit eingeführt werden. Laut Kommission werden dadurch 300.000 Mäuse pro Jahr eingespart.

Nach Art der Symptome, die sie hervorrufen, unterscheidet man fünf Giftgruppen: Amnesie hervorrufendes Muschelgift (ASP), lähmendes Muschelgift (PSP), Durchfall erzeugendes Muschelgift (DSP) zu dem auch Yessotoxine (YTX), Pectotentoxine (PTX) und Azaspironsäure-Nervengift (AZA) gehören. ASP-Gifte werden bereits seit Jahren tierversuchsfrei getestet. Die neue Regelung gilt für die Gruppe der DSP-Toxine, einschließlich YTX, PTX und AZA. Für die lähmenden Muschelgifte PSP wurde 2007 ein tierversuchsfreies Verfahren anerkannt, allerdings ist der Maus-Bioassay nach wie vor die Referenzmethode, wird also weiterhin durchgeführt.

Dr. Corina Gericke: »Es ist erfreulich, dass es bei den Tierversuchen für Muschelgifte endlich voran geht. Gleichzeitig ist es unfassbar, dass eine seit 25 Jahren etablierte, tierversuchsfreie Methode, so lange braucht, bis sie auf EU-Ebene anerkannt und eingesetzt wird. Weder die lange Übergangszeit bis Juli 2011 ist gerechtfertigt, noch die Fortführung des Mäuse-Versuchs für PSP-Gifte.«
 



05.11.2010

EU-Tierversuchsrichtlinie tritt in Kraft

Ärzte gegen Tierversuche e.V. fordert Verschärfung des Tierschutzgesetzes

Nach rund zweijährigen Verhandlungen zwischen den EU-Gremien tritt die neue, europaweit gültige Tierversuchsrichtlinie am 9. November 2010 in Kraft und muss in den nächsten zwei Jahren von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) fordert von der deutschen Politik die laxen EU-Vorgaben verschärft umzusetzen und klare Regelungen in Richtung Abschaffung der Tierversuche festzusetzen.

Die neue EU-Richtlinie zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftlichen Zwecke verwendeten Tiere löst die veraltete Richtlinie aus dem Jahr 1986 ab. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert jedoch, dass im Zuge der Überarbeitung nicht die Chance genutzt wurde, die Forschung auf zeitgemäße und zielgerichtete Methoden ohne Tierversuche auszurichten, sondern weiter am altertümlichen und unzuverlässigen System Tierversuch festgehalten wird.

»Die Tierversuchsrichtlinie wird von vielen Seiten als positive Errungenschaft dargestellt. In Wirklichkeit ist das Werk aber für Tierversuchsgegner ein Schlag ins Gesicht. Denn die Regelungen enthalten keine Angaben zum Ausstieg aus dem Tierversuch, obwohl dieser auch für den medizinischen Fortschritt dringend notwendig ist. Die Forschung am Tier wird nicht einmal eingeschränkt«, bemängelt Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

So ist der rein zweckfreien Grundlagenforschung, also der Forschung ohne jeden medizinischen Zweck, nach wie vor Tür und Tor geöffnet, eine ethische Abwägung der Versuche bei der Genehmigung entfällt und Versuche an Affen, einschließlich Menschenaffen, sind erlaubt. Tierversuchsfreie Methoden müssen nicht bei Vorhandensein angewandt werden, sondern erst, wenn sie offiziell anerkannt sind, was in aller Regel viele Jahre dauert.

Die Ärztevereinigung hatte gemeinsam mit ihren europäischen Partnern im Laufe der über zwei Jahre dauernden Verhandlungen alles versucht, tierschutzrechtliche Verbesserungen einzubringen. Letztlich haben jedoch verstärkt die Interessen der Tierversuchslobby Eingang in die neue Richtlinie gefunden.

Die Mitgliedstaaten müssen die neue Richtlinie in den nächsten zwei Jahren in nationales Recht umsetzen. Das deutsche Tierschutzgesetz muss also von der Bundesregierung überarbeitet werden. Nach Aussage der ÄgT muss nun Druck auf die Politik ausgeübt werden, um eine wesentliche Verschärfung des deutschen Tierschutzrechts zu erreichen. Zwar verbietet die Richtlinie den Mitgliedsländern strengere Maßstäbe anzusetzen, doch laut Ärzteverein gibt es rechtliche Möglichkeiten, Tierversuche in bestimmten Bereichen gesetzlich zu verbieten. In Großbritannien ist beispielsweise ein Verbot von Tierversuchen für Haushalts- und Reinigungsmittel geplant. Dieses wird damit begründet, dass das Leid der Tiere höher wiege als der Nutzen für den Menschen. Eine ähnliche Abwägung zu Gunsten der Tiere könnte auch bei Versuchen mit einzelnen Tierarten oder in Bereichen wie der studentischen Ausbildung erfolgen.

Die Grundforderung der Ärztevereinigung ist jedoch ein rein tierversuchsfreies Wissenschaftssystem, das im Gegensatz zum Tierversuch ethischen Prinzipien genügt und dem Anspruch an fortschrittliche Forschung gerecht wird.

Weitere Information:

Hintergrundinformation zur EU-Tierversuchsrichtlinie >>

Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere >>
 



08.10.2010

EU will Verbot von Tierversuchen für Kosmetika verschieben

Die EU will das für den 11. März 2013 vorgesehene endgültige Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetikinhaltsstoffen auf unbestimmte Zeit verschieben, weil angeblich noch nicht genügend tierversuchsfreie Testmethoden vorhanden seien. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) wirft der EU-Kommission vor, längst nicht alle tierversuchsfreien Möglichkeiten berücksichtigt zu haben. Der Termin dürfe auf keinen Fall verschoben werden, fordert der Ärzteverband.

Die von Tierschutzseite jahrelang hart erkämpfte EU-Kosmetikrichtlinie verbietet seit 2004 Tierversuche für Kosmetika und seit 2009 den EU-weiten Verkauf von an Tieren getesteten Kosmetik-Rohstoffen und Endprodukten, unabhängig davon, ob tierversuchsfreie Methoden vorhanden sind oder nicht. Ausgenommen hiervon sind drei Tierversuche: die Langzeit-Giftigkeitsprüfung, die Überprüfung eines Einflusses auf Fortpflanzung und Entwicklung der Nachkommen sowie Untersuchungen zur Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung von Stoffen aus dem Organismus. Ein Verbot dieser drei Tests ist laut Kosmetik-Richtlinie ab 11. März 2013 vorgesehen.

Die EU-Kommission will diesen Termin nun auf unbestimmte Zeit verschieben, da einem von der EU in Auftrag gegebenen Bericht zufolge bis dahin nicht genügend tierversuchsfreie Tests zur Verfügung stehen würden. Besonders dramatisch: zwei weitere Tierversuche zur Testung von Allergie und Krebs auslösenden Wirkungen sollen ebenfalls weiter erlaubt werden, obwohl diese bereits seit 2009 verboten sind.

Die Ärzte gegen Tierversuche arbeiten derzeit zusammen mit der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) an einer ausführlichen Stellungnahme, die im Rahmen einer öffentlichen Befragung der EU-Kommission eingereicht wird. Darin wird aufgezeigt, dass viele der in ihrer Entwicklung weit fortgeschrittenen tierversuchsfreien Methoden in dem EU-Bericht nicht ausreichend gewürdigt werden. Beispielsweise wird ein Testsystem für Langzeitprüfungen an menschlichem Lungengewebe, mit dem mögliche schädliche Wirkungen auf die Atmungsorgane erfasst werden können, von einem spezialisierten Unternehmen kommerziell angeboten. Die Methode hat bereits eine Reihe von Studien durchlaufen, die ihre Aussagekraft und Genauigkeit unter Beweis stellen. Die EU behauptet hingegen, überprüfte Langzeit-Testmethoden würden frühestens in zehn Jahren vorliegen.

ÄgT fordert die Politik auf, die vorgesehene Frist bis zur Abschaffung aller Kosmetik-Tierversuche auf keinen Fall zu verlängern. »Dies ist weder ethisch noch wissenschaftlich zu rechtfertigen und außerdem das völlig falsche Signal an die Industrie«, so Dr. med. Wolfgang Stengel, Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie bei Ärzte gegen Tierversuche. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass ein gesetzliches Verbot erfolgreich Anreize für die Förderung von tierversuchsfreien Systemen schaffen kann. »Der gegenwärtige Kenntnisstand und die aktuell verfügbaren tierversuchsfreien Tests mit menschlichen Zellen oder Computer gestützten Verfahren erlauben die Nutzung eines breiten Spektrums von Anwendungen und Produkten ohne Sicherheitsbedenken«, erläutert Toxikologe Stengel. Darüber hinaus gibt es Tausende von Zutaten für Kosmetikprodukte, die seit Jahren im Gebrauch sind.

Weitere Infos zu Kosmetik und Tierversuche >>  



07.10.2010

Schande für Europa

EU-Tierversuchszahlen veröffentlicht

Als »Schande für Europa« bezeichnet die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die gerade erschienene Statistik zu Tierversuchen in den 27 Mitgliedsstaaten der EU. Zwölf Millionen Tiere wurden demzufolge in Europas Labors verwendet, darunter rund 7,1 Mio. Mäuse, 2,1 Mio. Ratten, 1 Mio. Fische, 333.000 Kaninchen, 21.000 Hunde, 9.500 Affen und 4.000 Katzen.

»Trotz aller Beteuerungen der EU, Tierversuche wenigstens reduzieren zu wollen, ist die Anzahl in den letzten drei Jahren praktisch gleich geblieben«, moniert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. Bei der letzten Erhebung 2005 waren knapp 1% mehr Tiere gezählt worden. Die aktuelle Statistik bezieht sich auf das Jahr 2008 und umfasst erstmals 27 Staaten, darunter auch Bulgarien und Rumänien, die 2005 noch nicht in der EU waren. Diese beiden Länder schlagen mit nur 0,1% aller Tierversuche zu Buche. Größte Tierverbraucher sind nach wie vor Frankreich mit 2,33 Mio., Großbritannien mit 2,23 Mio. und Deutschland mit 2,02 Mio. Tieren.

Die Ärzte gegen Tierversuche sehen in den veröffentlichten Zahlen nur die Spitze des Eisbergs. Bei der EU-Statistik fehlen Tiere, die zu wissenschaftlichen Zwecken getötet werden. Diese werden in Deutschland seit dem Jahr 2000 erfasst, so dass die aktuellen Zahlen für Deutschland bei insgesamt 2,8 Millionen Tieren liegen. In Großbritannien wird zudem die Zucht gentechnisch veränderter Tiere gezählt, wodurch insgesamt 3,65 Millionen Tiere veranschlagt werden. »Die tatsächliche Zahl der Tiere, die in qualvollen und sinnlosen Experimenten in Europa ihr Leben lassen mussten, liegt also weitaus höher als die genannten 12 Millionen«, ist sich Tierärztin Gericke sicher.

Dramatisch ist der Anstieg der Tierversuche in einigen Ländern, z.B. Estland um 610% auf über 34.000, Irland um 197% auf rund 112.000, Spanien um 51% auf fast 900.000 und Österreich um 32% auf 220.000 Tiere. Malta war bei der letzten Erhebung das einzige tierversuchsfreie Land der EU. Jetzt gibt der Inselstaat 694 Tiere an.

Bei einigen Tierarten sind erhebliche Zunahmen zu verzeichnen. So wurden 2008 über 92.000 Schweine verwendet, 40% mehr als drei Jahre zuvor. Bei Kaninchen gab es eine Zunahme um 7%, bei Mäusen um 11% und bei Katzen um 5%. Halbaffen wurden 2008 zu 86% mehr verwendet als drei Jahre zuvor, nämlich 1.261. Bei den Neuwelt- (z.B. Krallenäffchen) und Altweltaffen (z.B. Rhesusaffen) sind die Zahlen gesunken. Insgesamt wurden 9.569 Affen verwendet, 823 weniger als bei der letzten Statistik.

Der größte Teil der Tierversuche ist der zweckfreien experimentellen Grundlagenforschung zuzuschreiben, nämlich 38% oder 4,58 Mio. Tiere. Gegenüber der letzten Erhebung bedeutet das eine Zunahme um 13%.

Der Ärzteverband nennt die aktuelle Statistik ein »Armutszeugnis« und bezichtigt die EU Klientelpolitik im Interesse der mächtigen Tierversuchsindustrie zu betreiben. »Nur eine moderne tierversuchsfreie Forschung wird die Medizin bei der Bekämpfung von Krankheiten sowie die Sicherheitstestungen von Substanzen voranbringen«, ist Gericke überzeugt. »Stattdessen macht die EU einen Rückschritt nach dem anderen«. Erst vor wenigen Wochen war die Verabschiedung der EU-Tierversuchsrichtlinie auf massive Kritik von Seiten der Tierschutz- und Tierversuchsgegnerverbände gestoßen.

Weitere Informationen:
6. Report der EU-Kommission zu Tierversuchen >>
EU-Tierversuchsstatistik 2008 (Übersicht als PDF) >>
Tierversuchsstatistik für Deutschland 2009 >>
 



30.09.2010

Welttierschutztag am 4. Oktober:

Politik ignoriert Forderung der Bürger nach Ausstieg aus dem Tierversuch

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) zieht zum diesjährigen Welttierschutztag am 4. Oktober Bilanz und kommt zu dem Schluss, dass entgegen der in Umfragen deutlich werdenden Forderungen der Bürger, dass auf Tierexperimente verzichtet werden soll, die Ausbeutung der Tiere in den Labors immer mehr zunimmt. Die ÄgT bezeichnet die Untätigkeit der Politik als »Blockade einer ethischen Wertegesellschaft«.

Nach Auffassung der Ärztevereinigung spricht die Bevölkerung eine deutliche Sprache hinsichtlich ihrer Erwartung an die Politik. In einer im Frühjahr 2009 vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführten Umfrage forderten 79 % ein gesetzliches Verbot aller Tierversuche ohne konkreten medizinischen Bezug. 84 % der Befragten sind für die Abschaffung aller Experimente, die mit schwerem Leid für die Tiere einhergehen, unabhängig von der Tierart. 80 % treten für eine Veröffentlichung von Informationen über die durchgeführten Tierversuche ein.

Auch das Ergebnis einer von der EU-Kommission im Jahr 2006 im Rahmen der Überarbeitung der europäischen Tierversuchsrichtlinie durchgeführten Umfrage unter mehr als 40.000 Bürgern aus Europa kam zum gleichen Ergebnis. 84 bis 94 Prozent verlangten einen wirksamen Schutz für Affen, Katzen, Meerschweinchen, Mäuse, Fische und andere Tiere.

Diese klare Meinungsäußerung der Mehrzahl der Bürger werde laut ÄgT von den Entscheidungsträgern schlichtweg ignoriert. »Anstatt ihrer Verpflichtung nachzukommen, den Ausstieg aus dem Tierversuch voranzutreiben, setzt die Politik die Interessen der vom Tierversuch profitierenden Kreise durch, wie wir zuletzt bei der Abstimmung über die EU-Tierversuchsrichtlinie erfahren mussten«, kritisiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

Der Ärzteverein wirft der Bundesregierung die aktive Beteiligung an der maßgeblichen Verschlechterung des ursprünglichen Entwurfs der Tierversuchsrichtlinie vor. Dass die Politik hierzulande kein Interesse an moderner und ethischer Forschung hat, zeige sich auch in der aktuellen Tierversuchsstatistik, deren Zahlen seit Jahren stetig steigen. Im Jahr 2009 wurden 2,8 Millionen Tiere für Experimente verwendet, 3,5 Prozent bzw. fast 100.000 Tieren mehr als im Vorjahr. »Anstatt Tierversuche endlich gesetzlich zu verbieten, speisen die Verantwortlichen ihre Bürger mit hohlen Versprechungen ab und sehen tatenlos zu, wie immer mehr Tiere und Menschen Opfer dieser verfehlten Wissenschaft werden«, schließt Bitz.

Der Welttierschutztag geht auf den Heiligen Franziskus von Assisi zurück, der das Tier als lebendiges Geschöpf Gottes und als Bruder des Menschen ansah. Auch den kleinsten Wurm betrachtete er als gottgewollt und schützenswert. Zwei Jahre nach seinem Tod am 3. Oktober 1226 wurde er am 4. Oktober 1228 heilig gesprochen. An diesem Tag weisen jedes Jahr weltweit Tierschützer auf die Leiden der Tiere hin.

Weitere Informationen:

 



28.09.2010

Aus für Diabetesmittel Avandia:

Marktrückname belegt Versagen von Tierversuchen

Das Diabetesmittel Avandia darf ab November 2010 in Deutschland nicht mehr weiter vertrieben werden. Die Arznei wird vom Markt genommen, weil sie das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, fast verdoppelt. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) warnt schon lange vor Avandia und sieht in der Rücknahme einen klaren Beweis, dass Tierversuche in der Vorhersage von Wirkungen auf den Menschen versagen.

»Die aktuelle Marktrücknahme von Avandia führt wieder einmal vor Augen, dass Medikamente, die am Tier getestet und für sicher befunden werden, mit immensen Risiken für den Menschen verbunden sind«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche. Tierversuche werden in der Arzneimittelprüfung und –zulassung standardmäßig zur vorgeblichen Sicherheit des Verbrauchers durchgeführt. Der Verein kritisiert, dass hierbei nicht der Schutz des Menschen vor schädlichen Medikamentenwirkungen im Vordergrund steht, sondern lediglich die Absicherung der Hersteller.

Die Ärztevereinigung moniert ferner, dass zur Rechtfertigung von Tierversuchen oft die Entwicklung neuer Medikamente gegen unheilbare Krankheiten vorgeschoben wird. Tatsächlich ginge es in der Pharmaindustrie nur um den Profit. Avandia-Hersteller GlaxoSmithKline soll 2009 mit dem Mittel einen Umsatz von 1,2 Milliarden gemacht haben. »Selbst wenn schwerwiegende Risiken eines Medikamentes wie im Fall des Avandia-Wirkstoffs Rosiglitazon seit Jahren bekannt sind, versucht die Pharmaindustrie alles, um dieses so lange wie möglich auf dem Markt zu halten. Das Schicksal der betroffenen Patienten spielt für die Pharmamultis offensichtlich keine Rolle«, so Bitz weiter.

Die Marktrücknahme von Avandia ist die Fortführung einer langen Liste von zuvor am Tier getesteten Medikamenten, die wegen schwerwiegender, oft tödlicher Nebenwirkungen zurückgezogen werden mussten. Avandia wird seit langem in der Risikoliste der Ärzte gegen Tierversuche geführt. Die Aufstellung listet Medikamente, die im Tierversuch für sicher befunden wurden, aber bei menschlichen Patienten zu gravierenden unerwünschten Wirkungen geführt haben. Der Verein fordert die Abkehr vom Tierversuch und die Stärkung innovativer Zell- und Computermodelle ohne Tierversuche, um die bestmögliche Sicherheit für den Verbraucher, verbunden mit ethischer Forschung, zu gewährleisten.

Weitere Informationen:

Liste der Risikomedikamente >>
Aufstieg und Niedergang des Glitazons Rosiglitazon (Avandia), arznei-telegramm 2010: 41; 85-90 >> 
 



22.09.2010

Tierversuchszahlen auf neuem Rekordhoch

Ärzte gegen Tierversuche fordern von der Politik, die Reißleine zu ziehen

Aus der aktuell vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) veröffentlichten Tierversuchsstatistik für 2009 geht ein erschreckender Anstieg der in der Wissenschaft verbrauchten Tiere hervor. Rund 2,8 Millionen Tiere wurden für Tierversuche verwendet, was einer Steigerung zum Vorjahr um 3,5% bzw. fast 100.000 Tieren entspricht. Nach Ansicht der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) mussten die Tiere allesamt sinnlos sterben, zudem werde der medizinische Fortschritt blockiert. Der Verein ermahnt die Bundesregierung, endlich die Reißleine zu ziehen, und sich zu einer tierversuchsfreien Forschung zu bekennen.

Mäuse müssen mit 67,4 % am meisten für Versuche herhalten, gefolgt von Ratten mit 18,5% und Fischen mit 5,2 % Anteil an der Gesamtzahl. Die Verwendung von Mäusen, Ratten, Fischen, Schweinen und Affen zeigte eine deutliche Zunahme im Vergleich zu 2008. Die Zahl der Affen etwa stieg um 28 Tiere auf nun 2.313. Die von vornherein zweckfreie tierexperimentelle Grundlagenforschung ist für rund ein Drittel aller für Versuchszwecke eingesetzten Tiere verantwortlich. Besonders alarmierend nennt die ÄgT den hohen Anteil transgener Tiere, hauptsächlich Mäuse, Ratten und Fische. Diese sind gegenüber dem Vorjahr um über 70.000 auf mehr als 607.000 Tiere gestiegen. Mit der Genmanipulation sind laut Ärzteverein gravierendes Tierleid und eine hohe »Ausschussproduktion« an unerwünschten Tieren verbunden. Die Ärztevereinigung ortet in diesem Bereich eine besonders hohe Dunkelziffer. Bis zu 99 % der Tiere weisen nicht die gewünschten gentechnischen Defekte auf und werden getötet, ohne in der offiziellen Statistik aufzutauchen.

»Seit Jahren ist von der Politik lapidar zu hören, man sei bemüht, Tierversuche zumindest zu reduzieren, die Zahlen jedoch lehren das Gegenteil«, empört sich Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Ärztevereinigung. »Es ist höchste Zeit, dass die Koalitionspartner ihrer Verpflichtung zur stärkeren Förderung tierversuchfreier Methoden endlich nachkommen und die Reißleine ziehen, um nicht weitere Negativ-Rekorde in Sachen Tierleid und verfehlter Wissenschaft zu erzielen«, so Bitz weiter.

Seit 1996 ist von Jahr zu Jahr ein Anstieg der Tierversuchszahlen zu verzeichnen, ohne dass in der Medizin die versprochenen Durchbrüche in der Heilung menschlicher Krankheiten erkennbar wären. Das ist nicht nur Tieren gegenüber verantwortungslos, sondern auch kranken Menschen, denen falsche Hoffungen gemacht werden, kritisiert der Ärzteverein.

Nach Meinung der ÄgT belegen die von der Bundesregierung vorgelegten Rekordzahlen des Tierverbrauchs wieder einmal mehr, dass sich Deutschland mit seiner auf Tierversuchen ausgerichteten, altertümlichen Forschung in einer ethischen und wissenschaftlichen Sackgasse befindet. Der einzig sinnvolle Weg aus dieser fatalen Situation sei ein konsequentes Verbot der Forschung am Tier und somit die Konzentration auf moderne, ethisch vertretbare Technologien, was gleichzeitig auch unserem Zeitalter gerecht werden würde.

Weitere Information

Tierversuchsstatistiken >>
Hintergrundinfos zur EU-Tierversuchsrichtlinie mit Aktion >>


 



22.09.2010

»Absurde Forschung ohne medizinischen Nutzen«

Ärztevereinigung kritisiert Tierversuche in Köln

Als »Haarsträubenden Unsinn auf Kosten von leidensfähigen Tieren« bezeichnet die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die in Kölner Labors durchgeführten Tierversuche. Die Organisation nimmt in einem neuen Infoblatt vor allem die in Köln durchgeführte Tabak- und Altersforschung ins Visier.

Beim Tabakriesen Philip Morris, der ein Labor in der Fuggerstraße 3 betreibt, werden immer noch Tiere zum Rauchen gezwungen. So werden Ratten 90 Tage lang täglich sechs Stunden in eine enge Röhre gesteckt, aus der nur die Nase herausschaut. Diese wird mit Zigarettenrauch begast, der mit Vanillin als Geschmacksstoff angereichert ist, um die Auswirkungen zu testen.

»Bewegungsfreudige Ratten jeden Tag stundenlang in eine Röhre zu stecken, noch dazu für völlig überflüssige und bekanntermaßen schädliche Produkte, ist grausamste Tierquälerei«, empört sich Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche.

Der Verein kritisiert außerdem, dass öffentliche Gelder für neue Tierversuchslabors verschwendet werden. Auf dem Campus der Uni Köln entsteht derzeit für 60 Millionen Euro das neue Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns. Die jährlichen Unterhaltskosten belaufen sich auf 15 Millionen Euro. 85 Millionen Euro kostet ein weiteres, aus Steuergeldern finanziertes Laborgebäude für Altersforschung, das »Cologne Excellence Cluster on Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases« (CECAD). In beiden Einrichtungen werden laut Ärzte gegen Tierversuche hauptsächlich gentechnisch veränderte Mäuse verwendet, vorgeblich, um den biologischen Prozessen des menschlichen Alterns auf die Spur zu kommen.

»Es ist vollkommen abwegig, einen so komplexen Prozess wie das Altern beim Menschen mittels Tierversuchen erforschen zu wollen. Es handelt sich um reine experimentelle Grundlagenforschung ohne medizinischen Nutzen«, ist sich Tierärztin Gericke sicher.

In der Infoschrift werden weitere Beispiele von Tierversuchen aufgeführt, die nach Ansicht der Ärztevereinigung keinerlei praktischen Bezug haben. Im Institut I für Anatomie der Uni Köln werden Ratten die Gesichtsnerven durchtrennt, um die Auswirkung auf die Schnurrhaarbeweglichkeit zu studieren. Um der Frage nachzugehen, wie Stabheuschrecken ihre sechs Beine koordinieren, werden am Zoologischen Institut der Uni den Tieren vier oder fünf Beine abgeschnitten und Elektroden in die Nervenknoten der unbetäubten Tiere gesteckt.

»Diese Beispiele zeigen, dass Tierversuche nicht zum Wohle des Menschen durchgeführt werden, sondern weil einflussreiche Interessengruppen davon profitieren«, so Tierärztin Gericke. Die Qualität der Forschung wird nämlich nicht daran gemessen, wie vielen Menschen geholfen werden konnte, sondern an der Anzahl der Publikationen in renommierten Fachzeitschriften. Davon ist die Höhe der Forschungsgelder abhängig, die für neue Tierversuche verwendet werden.

»Dieses absurde System wird mit Millionen unserer Steuergelder bezuschusst«, so Gericke. Tierversuchsfreie Forschung zum Beispiel mit Zellkulturen sowie klinische und epidemiologische Studien, die wirkliche Fortschritte in der Medizin bringen würden, führen dagegen immer noch ein Schattendasein.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ist auf der Tierrechtsveranstaltung »Köln pelzfrei« am Samstag, dem 25. September mit einem Infostand vertreten.

Weitere Informationen:

 



08.09.2010

Endabstimmung über die EU-Tierversuchsrichtlinie

Parlament zementiert mangelhafte Tierschutzbestimmungen

Nach jahrelangem Tauziehen zwischen Tierversuchsgegnern, Experimentatoren und den EU-Gremien ist heute das neue Regelwerk zum vorgeblichen Schutz der für Versuche verwendeten Tiere auf EU-Ebene verabschiedet worden. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) zeigt sich bestürzt darüber, dass selbst minimale Verbesserungen im Sinne des Tierschutzes bis zuletzt torpediert wurden und gegenüber der mächtigen Tierversuchslobby nicht durchsetzbar waren.

Die neue Tierversuchsrichtlinie ist eine große Enttäuschung für die EU-Bürger, die dem Tierversuch in eigens von der EU durchgeführten Umfragen eine klare Abfuhr erteilen. So forderten in einer Umfrage der EU-Kommission aus dem Jahr 2006 zwischen 84 und 94 Prozent der rund 40.0000 Befragten einen effektiven Schutz nicht nur für Affen, Katzen und Meerschweinchen, sondern auch für Mäuse und Fische.

»Diese blanke Ignoranz der Volksvertreter gegenüber dem Bürgerwillen zeigt wieder einmal, dass die Politik sich von der einflussreichen Tiernutzerlobby hat einnehmen lassen. Auch die alarmierenden Beweise für die wissenschaftliche Notwendigkeit des Ausstiegs aus dem Tierversuch wurden schlichtweg unter den Teppich gekehrt«“, kommentiert Diplom-Biologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche. »Die Leidtragenden sind in erster Linie die über 12 Millionen wehrlosen Tiere, die in Europas Labors für nutzlose Versuche zu Tode geforscht werden«, so Bitz weiter.

Der ursprüngliche, von der EU-Kommission im November 2008 vorgelegte Richtlinienentwurf enthielt einige tierschutzrechtliche Verbesserungen, doch selbst diese wurden im Verlauf der Verhandlungen aufgeweicht oder gestrichen.

Änderungsanträge der Fraktion der Grünen für die heutige Abstimmung, die darauf abzielten, tierschutzrelevante Forderungen, die im ursprünglichen Entwurf der EU-Kommission enthalten waren, wieder aufzunehmen, wurden nicht angenommen.

So ist jetzt die Forschung an Affen nahezu grenzenlos erlaubt, die ethische Bewertung beim Genehmigungsprozess der Versuche entfällt gänzlich und sogenannte Alternativmethoden müssen nicht bereits angewandt werden, sobald sie verfügbar sind, sondern erst, wenn sie offiziell anerkannt sind, was Jahrzehnte dauern kann. Als ebenfalls dramatische Verschlechterung bezeichnen die ÄgT die Vorgabe, dass die Mitgliedsstaaten keine strengeren Tierschutzstandards erlassen dürfen.

Die Ärztevereinigung hatte in ausführlichen Stellungnahmen an die EU-Abgeordneten deutlich auf die Notwendigkeit einer Kehrtwende weg vom Tierversuch hingewiesen. Letztlich wurde jedoch den Interessen der Tierversuchslobby mehr Gehör geschenkt. Die Mitgliedsstaaten müssen die neue Richtlinie in den nächsten zwei Jahren in nationales Recht umsetzen. In Deutschland gilt es nun, darauf hinzuwirken, dass das ohnehin schon unzureichende Tierschutzrecht nicht verschlechtert wird, bzw. zu versuchen, doch noch tierschutzrelevante Verbesserungen einzubringen.

Weitere Information:
Hintergrundinfo >>

Umfrage der EU-Kommission zu Tierversuchen ihm Rahmen der Überarbeitung der Tierversuchsrichtlinie >>

 



07.09.2010

Städte-Ranking

Tierversuchshochburgen Deutschlands

München, Berlin, Göttingen, Hannover, Heidelberg, Tübingen und Düsseldorf sind die Tierversuchshochburgen Deutschlands. Das ist das Ergebnis einer Recherche des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche.

Im Jahr 2008 wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums fast 2,7 Millionen Tiere in deutschen Labors getötet. Offizielle Informationen darüber, an welchen Institutionen wie viele Tierversuche durchgeführt werden, gibt es nicht. »Und das, obwohl der größte Teil der Tierversuche mit unseren Steuergeldern finanziert wird«, kritisiert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche.

Der Verein dokumentiert in seiner Internet-Datenbank seit 15 Jahren Tierversuche, die in Deutschland stattfinden und hat jetzt ein Städte-Ranking vorgelegt. Eine Auswertung von 3.400 aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften entnommenen Beschreibungen deckt auf, wo die meisten Tierversuche durchgeführt werden.

Eine neue interaktive Landkarte gibt nicht nur Auskunft über die Tierversuchshochburgen Deutschlands, sondern führt auch per Mausklick zu den Adressen der tierexperimentellen Einrichtungen der jeweiligen Stadt.

Die komplett aktualisierte Liste mit 1.156 Adressen von Tierversuchslabors und Institutionen, die an Tierversuchen maßgeblich beteiligt sind, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ebenso ist die Deutschland-Übersicht nicht repräsentativ, betont der Ärzteverein. So ist die pharmazeutische und chemische Industrie gegenüber der Grundlagenforschung unterrepräsentiert, da solche Tierversuchsergebnisse aus Gründen des Betriebsgeheimnisses oft nicht publiziert werden und so nicht öffentlich zugänglich sind. Die Auswertung bietet aber einen aktuellen Einblick in die Tierversuchspraxis in Deutschland.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet Tierversuche als ethisch nicht zu rechtfertigen und wissenschaftlich unsinnig. »Tierversuche sind ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten und dürfen in einer modernen Wissenschaft des 21. Jahrhunderts keinen Platz haben«, schließt Gericke.


Weitere Informationen:
Zur Deutschland-Übersicht >>
Zur Adressliste >>
Zur Datenbank www.datenbank-tierversuche.de >>
Tierversuchsstatistik 2008 (PDF) >> 
 



31.08.2010

REACH-Tierversuche verhindern

Erste Zwischenbilanz des engagierten Projektes

Die EU-Verordnung REACH sieht vor, dass Zigtausende zum Teil seit Jahrzehnten verwendete Haushalts- und Industriechemikalien in qualvollen und unzuverlässigen Tierversuchen getestet werden sollen. Schätzungen gehen von acht bis 54 Millionen Ratten, Mäusen, Kaninchen, Fischen und anderen Tieren aus, die REACH zum Opfer fallen werden. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hat ein Projekt ins Leben gerufen, mit dem möglichst viele dieser Tierversuche verhindert werden sollen.

Die chemische Industrie muss Tierversuchsvorhaben für Chemikalien, die in Mengen von mehr als 100 Tonnen pro Jahr produziert werden, bei der Chemikalienbehörde ECHA beantragen. REACH verlangt, dass diese Anträge 45 Tage lang im Internet zur Kommentierung durch Dritte veröffentlicht werden. Experten der Tierversuchsgegner haben so die Chance, herauszufinden, ob die geforderten Daten nicht schon vorhanden sind oder ob es andere, von der Behörde anerkannte Gründe gibt, auf die beantragten Tests zu verzichten.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) und die britische Union zur Abschaffung von Tierversuchen (BUAV), die zusammen in dem Dachverband Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) organisiert sind, haben zwei Toxikologen engagiert, deren Aufgabe es ist, REACH-Tierversuche zu verhindern.

Erste Bilanz nach einem Jahr: Die Experten der ÄgT und der BUAV haben bislang alle 15 von der ECHA veröffentlichten Anträge umfangreich kommentiert. In allen Fällen konnten zahlreiche Studien von zum Teil vor langer Zeit durchgeführten Tierversuchen gefunden werden. Nach Ansicht der Ärztevereinigung darf es also keinen Grund geben, diese Tiertests noch einmal vorzunehmen.

Bei den üblichen toxikologischen Tierversuchen werden z.B. zur Testung der Giftigkeit Substanzen Ratten oder Mäusen täglich 90 Tage lang in den Magen gepumpt. Um die Auswirkungen auf die Nachkommen zu untersuchen, wird der Teststoff an weibliche Ratten oder Kaninchen sowie deren Junge verabreicht. Fischen wird die Chemikalie ins Wasser gegeben, Meerschweinchen auf die geschorene Haut gerieben.

»Je nach Art und Dosierung der Substanz leiden die Tiere an schrecklichen Vergiftungserscheinungen und sterben qualvoll«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke von Ärzte gegen Tierversuche. Alle überlebenden Tiere werden schließlich getötet. Allein für reproduktionstoxikologische Studien, bei denen die Wirkung einer Substanz auf die Nachkommen getestet wird, werden über 1.000 Tiere getötet.

»Diese Tierversuche sind nicht nur extrem grausam, sondern auch völlig untauglich, um die Sicherheit des Menschen vor gefährlichen Chemikalien zu gewährleisten«, ist die Tierärztin überzeugt. Die Ärztevereinigung hält es in diesem Fall jedoch für sinnvoll, auf alte Tierversuchsdaten zurückzugreifen, um neue Tierversuche zu verhindern. Zudem lassen sich für viele schon seit langem verwendete Chemikalien epidemiologische oder arbeitsmedizinische Daten auffinden, die der Einschätzung möglicher Risiken dienen.

Die von den Toxikologen bislang bearbeiteten Anträge umfassen Tierversuche an 12.652 Ratten, 1.056 Kaninchen, 320 Fischen und 50 Mäusen. Ob diese Tierversuche aufgrund der wissenschaftlichen Stellungnahmen der Tierversuchsgegner-Experten nicht durchgeführt werden, entscheidet die ECHA im Laufe der nächsten 12 Monate. In den nächsten Jahren werden Hunderte weitere Anträge erwartet, zu denen die Fachleute ausführlich Stellung beziehen werden.

Die ECEAE stellt die vorläufige Bilanz ihrer REACH-Kommentierungen auf dem 16. Kongress über Alternativen zum Tierversuch vom 2.-4 September 2010 in Linz, Österreich, der Fachöffentlichkeit vor. Insbesondere die chemische Industrie soll angesprochen werden, mit der ECEAE zusammenzuarbeiten, denn eingesparte Tierversuche sparen auch Geld.

Weitere Informationen:
Die REACH-Chance – 45 Tage um Tiere zu retten >>
REACH – Grausame und sinnlose Chemikalien-Tierversuche >>
 



11.08.2010

Ärzte gegen Tierversuche hoch erfreut

Militärversuche an lebenden Tieren untersagt

Nach Plänen der US-Armee in Deutschland hätten auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr in der Oberpfalz Schweine und Ziegen verletzt werden sollen, um diese dann zu Übungszwecken im Rahmen der Sanitätsausbildung zu behandeln. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) und andere Tierrechtsverbände hatten zu Protesten aufgerufen. Die zuständige Genehmigungsbehörde, die Regierung der Oberpfalz, macht dem Vorhaben der Amerikaner einen Strich durch die Rechnung, da die Experimente gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.
Gleich nach bekannt werden der geplanten Militärversuche der US-Armee im Mai dieses Jahres rief der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche zu Protesten bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, der Regierung der Oberpfalz, auf, die offensichtlich fruchtbar waren. Aufgrund des öffentlichen Drucks hatte die US-Armee zunächst ihren Versuchsantrag zurückgezogen. Am 12. Juli wurde jedoch erneut ein Antrag auf Durchführung der Militärversuche gestellt. Mit Bescheid vom 26. Juli verweigerte die Behörde die Durchführung der Versuche mit der Begründung des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Gegenüber der Ärztevereinigung äußerte die Pressestelle der Regierung der Oberpfalz, dass aus ihrer Sicht mit den geplanten Versuchen keine neuen Erkenntnisse zu erlangen seien.

Schweinen und Ziegen sollten nach dem Willen der US-Armee zur Nachahmung von Kriegsverletzungen mit dem Skalpell Stich- und Schnittwunden beigebracht werden, damit Sanitäter die Wunden behandeln können. Die ÄgT hatte auf die Unvereinbarkeit mit dem Tierschutzgesetz verwiesen, nach dem Tierversuche zur Entwicklung und Erprobung von Waffen, Munition und dazugehörigem Gerät in Deutschland verboten sind. Außerdem dürfen laut Tierschutzgesetz Tierversuche zur Aus-, Fort- und Weiterbildung nur durchgeführt werden, soweit ihr Zweck nicht auch auf andere Weise erzielt werden kann. Die einzig sinnvolle Schulung von Militärpersonal sei laut Ärzteverband hingegen nur durch Dummys sowie direkt in Kriegsgebieten, wo verletzte Menschen medizinisch versorgt werden, möglich.

Die Ärzte gegen Tierversuche loben die Entscheidung der Regierung der Oberpfalz, die Militärversuche zu untersagen, als vorbildliche Anwendung geltenden Tierschutzrechts in der Praxis und fordern andere Entscheidungsträger auf, endlich ebenso konsequent die Rechte der Tiere durchzusetzen und nicht in alter Gewohnheit auf Kosten ethischer Wertvorstellungen der Gesellschaft und guter Wissenschaft, die abwegigsten Versuchsvorhaben durchgehen zu lassen. Die US-Armee kann nun gegen die Entscheidung vor Gericht gehen oder aber einen abgewandelten Antrag erneut einreichen.

Weitere Information:
Pressemitteilung der ÄgT vom 19. Mai 2010 >>  



04.08.2010

Menschliche Haut statt lebender Kaninchen

Tierversuchsfreies Testverfahren weltweit anerkannt

Vor wenigen Tagen wurde auf internationaler Ebene ein menschliches Hautmodell offiziell anerkannt, mit dem Substanzen auf ihre Haut schädigende Wirkung untersucht werden. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) wertet die Anerkennung der tierversuchsfreien Methode als wichtiges Etappenziel, betont jedoch die Dringlichkeit, mit der die Politik endlich den gänzlichen Ausstieg aus dem Tierversuch besiegeln sollte.

Derartige Testsysteme, die unter Namen wie EpiDerm oder EpiSkin seit Jahren im Handel sind, verwenden menschliche Haut, um zu prüfen, ob Chemikalien oder Kosmetika hautreizend sind. Künftig könnte so nach Aussage der Ärztevereinigung zahlreichen Kaninchen eine qualvolle Verätzung der Haut erspart bleiben. Im herkömmlichen Tierversuch wird den Tieren eine Substanz auf den geschorenen Rücken gerieben, um dann anhand der Schädigungen vage Rückschlüsse für das Risiko des Menschen zu ziehen.

»Die Verwendung von menschlicher Haut verspricht von vornherein im Gegensatz zum Versuch an Kaninchen eine zuverlässige Aussagekraft für den Menschen«, meint Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärztevereins. »Um so verantwortungsloser Mensch und Tier gegenüber ist es, nachweislich bessere tierversuchsfreie Verfahren nur so träge zuzulassen, wohingegen Tierversuchen nie ein Beweis für ihre angebliche Tauglichkeit abverlangt wurde«, so Bitz weiter. Nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche ist es zudem unverständlich, dass diese tierversuchsfreien Methoden zur Testung auf Haut schädigende Wirkung seit langem international anerkannt sind, es dem Anwender jedoch frei gestellt ist, sie anzuwenden oder aber zur vorgeblichen Absicherung zusätzlich die Testung am lebenden Kaninchen verlangt wurde.

Die neue Prüfvorschrift war bereits seit 2009 auf EU-Ebene anerkannt, bis sie nun endlich auch Eingang in offizielle OECD-Prüfkataloge gefunden hat und damit weltweit verbindlich angewandt werden muss. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der die 32 größten Industrienationen der Welt angehören, legt in ihren Richtlinien fest, wie Chemikalien für die globale Vermarktung getestet werden müssen. Im Regelfall dauert die behördliche Anerkennung einer tierversuchsfreien Methode zehn bis 15 Jahre, moniert die ÄgT.

Die bundesweit tätige Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche setzt sich für eine moderne Teststrategie ein, die sich die große Bandbreite intelligenter tierversuchsfreier Prüfmethoden konsequent zu Nutze macht. Um auf dem Weg der Abschaffung des unethischen und überholten auf Tierversuchen basierenden Systems schneller voranzukommen, fordert die Ärztevereinigung die prioritäre Förderung tierversuchsfreier Tests, deren zügige Anerkennung sowie die Streichung von Tierversuchen aus gesetzlichen Vorschriften.

Die Aufnahme der neuen tierversuchsfreien Testvorschrift in die OECD-Vorschriften wurde durch die Expertise von ICAPO erreicht, ein Zusammenschluss von Tierversuchsgegnervereinen aus Nordamerika, Europa und Japan, der einen Sitz bei der OECD hat. Die ÄgT ist durch ihre Mitarbeit bei der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) an der Arbeit von ICAPO beteiligt.

Weitere Infos:
Pressemitteilung von ICAPO, 02.08.2010 >>
 



29.07.2010

Studie belegt Tierleid im Labor:

Keine Schmerzmittel nach OPs

Mehrtägige Schmerzmittelgabe nach chirurgischen Eingriffen ist für menschliche Patienten selbstverständlich. Dagegen werden Kaninchen, Schweinen, Schafen, Hunden und Affen im Versuchslabor schmerzlindernde Maßnahmen oft verweigert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie britischer Wissenschaftler.

Tierversuche werden oft damit gerechtfertigt, dass die Tiere nicht leiden würden. Eine Arbeitsgruppe der Universität Newcastle upon Tyne ging der Frage nach, inwieweit Kaninchen, Schweinen, Schafen, Hunden und Affen nach experimentellen Operationen tatsächlich Schmerzmittel verabreicht werden. Sie wertete dazu 74 Publikationen aus den Jahren 2000 und 2001 sowie 75 Arbeiten zwischen 2005 und 2006 aus. Dass nur 20 Prozent der Nagetiere nach chirurgischen Eingriffen eine Schmerzlinderung erhalten, ergab eine noch unveröffentlichte Studie des gleichen Autorenteams. Dass aber auch bei größeren Tieren und sogar Hunden und Affen oft darauf verzichtet wird, erstaunt die britischen Wissenschaftler.

Bei den an Tieren vorgenommenen Eingriffen handelte es sich um Hautschnitte, Schädel-, Bauch- oder Brustkorböffnungen, Knochen-OPs sowie Verbrennungen. Nur in der Hälfte der Publikationen aus den Jahren 2000 und 2001 wurden systemische Schmerzmittel erwähnt, in den Jahren 2005 und 2006 waren es 63 Prozent. Die bloße Erwähnung von Schmerzmitteln bedeutet jedoch nicht, dass die Tiere nicht gelitten haben, da womöglich falsche oder falsch dosierte Substanzen gegeben wurden. In 46 Prozent der Fälle gab es keine Angaben zur Art des Schmerzmittels. Bei 68 Prozent der Arbeiten, in denen das Schmerzmittel genannt war, fiel die Angabe der Dosis flach. In Arbeiten mit Nennung der Dosis war diese oft ungenau oder wies eine riesige Bandbreite auf. So wurde die Dosierung oft in ml/Tier statt in mg/kg angegeben. Kaninchen erhielten ein Schmerzmedikament in bis zu 30fach unterschiedlicher Dosierung. »Es besteht anscheinend eine Unsicherheit bei der Dosierung«, folgern die Autoren.

»Offensichtlich verabreichen Experimentatoren Schmerzmittel Pi mal Daumen oder gar nicht«, kommentiert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche. Die Tierärztin hält eine verbesserte Schmerzlinderung aber keineswegs für die Lösung des Problems. »Tierversuche sind ein grausames und archaisches Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Sie gehören abgeschafft, weil sie ethisch nicht zu rechtfertigen und wissenschaftlich unsinnig sind.« Die Studie belege aber in erschreckender Weise eine offensichtlich weit verbreitete Unkenntnis und Verantwortungslosigkeit der Tierexperimentatoren.

Quelle:
C. A. Coulter, P. A. Flecknell and C. A. Richardson: Reported analgesic administration to rabbits, pigs, sheep, dogs and non-human primates undergoing experimental surgical procedures. Laboratory Animals 2009; 43: 232-238
 



16.07.2010

Ärztevereinigung kritisiert Tierversuche an der Uni Erlangen:

»Qualvoll und wissenschaftlich unsinnig«


Nicht einmal Erlanger Bürger wissen, dass mitten in der Innenstadt von Erlangen Tausende von Tierversuchen stattfinden: Im Franz-Penzoldt-Zentrum (FPZ), dem Tierversuchszentrum der Universität Erlangen, in der Palmsanlage 5, werden jährlich Zigtausende Tiere getötet. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet die Experimente als »qualvoll und wissenschaftlich unsinnig«.

So wird Mäusen der Ischiasnerv abgebunden, um chronische Schmerzen hervorzurufen. Minischweinen werden die Kieferknochen abgeschabt, um einen Knochendefekt zu simulieren. Bei Ratten wird durch Einfädeln eines Fadens in eine Gehirnarterie ein Schlaganfall ausgelöst. Bei anderen Ratten wird durch 12-wöchige Gabe einer giftigen Chemikalie eine Leberfibrose hervorgerufen.

Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzten gegen Tierversuche, hält diese Manipulationen für ethisch nicht zu rechtfertigen und wissenschaftlich sinnlos. »Die künstlich geschädigten Tiere haben nichts mit der komplexen Situation beim menschlichen Patienten zu tun.« So sind die Ursachen von Schlaganfall beim Menschen dank Bevölkerungsstudien bekannt: Übergewicht, fett- und fleischreiche Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel. Leberfibrose wird durch Viren oder übermäßigen Alkoholkonsum hervorgerufen.

»Bei der künstlichen Leberfibrose zum Beispiel sind nicht nur die Symptome, sondern auch der Behandlungsversuch bar jeder Realität«, so die Tierärztin. Den Ratten wird zehn Wochen lang zweimal täglich eine Injektion in die Bauchhöhle verabreicht. »Stress und Angst verfälschen die Versuchsergebnisse von vornherein«, erläutert Gericke.

Laut Ärzte gegen Tierversuche sind die vielen, wegen schwerer, oft tödlicher Nebenwirkungen vom Markt genommenen Medikamente ein Beweis dafür, dass Tierversuche weder eine Sicherheit bieten, noch geeignet sind, die Krankheiten des Menschen zu erforschen und zu heilen.

Der Ärzteverband fordert im Interesse von Mensch und Tier eine moderne Medizin und Wissenschaft ganz ohne Tierversuche. »Forschung mit menschlichen Zellkulturen und klinische Studien liefern im Gegensatz zum Tierversuch für den Menschen relevante Aussagen«, ist die Tierärztin sicher.

In dem aktuellen Faltblatt der Ärzte gegen Tierversuche werden die Experimente, die an der Universität Erlangen durchgeführt werden, beschrieben und kritisch beleuchtet. Der Verein hat außerdem eine Internetseite mit Informationen zu Tierversuchen in Erlangen und den Aktivitäten dagegen eingerichtet: www.tierversuche-erlangen.de.

Weitere Informationen:
Faltblatt »Tierversuche im Brennpunkt: Erlangen« als PDF
www.tierversuche-erlangen.de
 



12.07.2010

Tiere leiden für ein zweifelhaftes Schönheitsideal

Jährlich 600.000 Botox-Opfer

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hat in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals Altex eine Berechnung der Anzahl der Tiere vorgelegt, die durch die Testung von Botox-Produkten sterben. Demnach müssen weltweit mehr als 600.000 Mäuse einen »qualvollen Erstickungstod« erleiden. Da sogenannte Alternativmethoden vorhanden sind, sieht der Verein einen Verstoß gegen geltendes Tierschutzrecht und fordert ein Moratorium für die kosmetische Anwendung bis die tierversuchsfreien Methoden anerkannt sind.

Bisherige Schätzungen gingen von weltweit 100.000 bis 300.000 Mäusen aus, die für Botox sterben. Die Ärzte gegen Tierversuche haben aktuell in der Wissenschaftszeitschrift Altex errechnet, dass mindestens 600.000 Mäuse zu Tode kommen. Die Zahlen fußen auf Hochrechnungen anhand des Umsatzes der drei Herstellerfirmen Allergan, Ipsen und Merz sowie auf den durch verdeckte Recherchen teilweise bekannt gewordenen Tierzahlen. Diese Angaben berücksichtigen nach Information des Ärztevereins nicht einmal andere Botox-Hersteller wie die asiatischen Firmen und damit weitere Produkte, so dass davon auszugehen ist, dass die tatsächliche Zahl der Tiere weit über 600.000 liegt.

Neben der medizinischen Anwendung spielt das Nervengift Botulinumtoxin im Kosmetiksektor eine immer größer werdende Rolle. So können Gesichtsfalten durch Lähmung der Muskeln für ein paar Wochen weggespritzt werden. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Tiere den Preis für dieses zweifelhafte Schönheitsideal zahlen. Der Leidensweg beginnt mit Lähmungserscheinungen und endet im Erstickungstod.

»Es ist ein Skandal, dass Tiere zu Tode gequält werden, obwohl längst tierversuchsfreie Methoden existieren«, kritisiert Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Ärztevereinigung die Unwilligkeit der Behörden und der Hersteller, sich für die Streichung des sogenannten LD50-Tierversuchs aus dem Arzneibuch einzusetzen. In diesem Test wird die Dosis ermittelt, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. »In Wissenschaftskreisen ist er nicht nur wegen seiner Grausamkeit umstritten, sondern auch wegen seiner wissenschaftlichen Unzuverlässigkeit«, so die Ärzte gegen Tierversuche.

Um der Tierqual ein Ende zu setzen, müssen die tierversuchsfreien Methoden validiert, also auf ihre Zuverlässigkeit überprüft werden. »Doch diese Validierung obliegt den Herstellerfirmen, die bislang äußerst mangelhaftes Engagement gezeigt haben«, moniert Bitz. Der Ärzteverein fordert ein Moratorium für die kosmetische Anwendung des Nervengifts. »Solange mit dem Faltenkiller gigantische Umsätze erzielt werden, besteht für die Konzerne nicht genügend Anreiz, auf tierfreundliche Testmethoden umzusteigen. Ein Verkaufsverbot würde die Firmen endlich zum Handeln zwingen«, ist sich Bitz sicher.

Das sei dann auch im Einklang mit dem geltenden Tierschutzrecht, das die Durchführung eines Tierversuchs nur dann erlaubt, wenn keine sogenannte Alternativmethode verfügbar ist.

Weitere Information:

The Botulinum Neurotoxin LD50 Test – Problems and Solutions. Altex 27, 2/10, 114-116 (PDF)

Tierqual für eine fragwürdige Schönheit >>

Videofilm: Die hässliche Wahrheit über Botox (Aufnahmen einer Undercover-Recherche der britischen Tierversuchsgegnerorgansation BUAV im Wickham Laboratory, Hampshire) >>

 



06.07.2010

»Absurde Verschwendung von Tierleben und Steuergeldern«

Aus für Weltraumforschung an Tieren in Ulm

Aufatmen beim Verein Ärzte gegen Tierversuche: Ein Tierexperimentator der Universität Ulm geht in Ruhestand, seine Arbeitsgruppe, die sich 20 Jahre lang mit der Auswirkung der Schwerelosigkeit auf verschiedene Tierarten beschäftigte, wird aufgelöst.  

Eberhard Horn, Tierexperimentator in der Abteilung Neurologie des Universitätsklinikums Ulm scheidet zum 30. Juni 2010 endgültig aus der Forschung aus. Seit 2007 hatte er aus dem Ruhestand heraus seine Arbeitsgruppe Gravitationsphysiologie noch ehrenamtlich geleitet. Damit gehen 20 Jahre Weltraumforschung an Tieren zu Ende.

Für Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ein Segen: »Diese Tierversuche waren extrem qualvoll und dazu vollkommen nutzlos.« Fische, Salamander, Krallenfrösche, Grillen und Skorpione wurden in rotierenden Zentrifugen aufgezogen, um die Schwerkraft auf die Entwicklung des Gleichgewichtsystems zu studieren. Manche Tiere wurden mit Space-Shuttles ins Weltall geschossen.

Die Ärztevereinigung betreibt die Internetdatenbank www.datenbank-tierversuche.de, in der zahlreiche Experimente des Ulmer Forschers dokumentiert sind. So wurden durch ein Gift gelähmten, aber unbetäubten Kaulquappen Elektroden in einen Nervenknoten gestochen. Auf einer Platte unbeweglich fixierte, lebende Skorpione mussten monatelang mit in Auge, Bein, Leib und Gehirn gestochenen Elektroden ausharren.

Der Pressemitteilung der Ulmer Uni zu Horns Ausscheiden zufolge kam bei dem »erfolgreichsten Vorhaben« des Neurobiologen heraus, dass die Entwicklung des Schweresinnorgans und des Schwanzes bei der Kaulquappe des Afrikanischen Krallenfroschs eine »kritische Periode« besitzt. Dieser Befund ist das Ergebnis von fast 25 Jahren Forschung – von der Einreichung des Experimentiervorschlags beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Jahr 1985 bis zur Auswertung im Jahr 2008.

»Auf diese Bahn brechende Erkenntnis hat die Menschheit lange gewartet«, kommentiert Tierärztin Gericke. »Wer glaubt, Tierversuche würden nur zum Wohl des Menschen gemacht werden, irrt gewaltig«, so die Tiermedizinerin weiter. »Bei einem Großteil der Experimente handelt es sich um reine Neugierforschung, die nicht einmal entfernt etwas mit der Humanmedizin zu tun hat.« Diese laut Ärztevereinigung absurde und völlig überflüssige Forschung sei zudem eine Verschwendung von Steuergeldern. Auch Horns Projekte wurden aus öffentlichen Mitteln finanziert.  

Auf eine Selbstbeschränkung der Tierexperimentatoren will Gericke nicht hoffen. »Wenn wir nicht warten wollen, bis die Kaste der ewig gestrigen Forscher pensioniert oder ausgestorben ist, hilft nur ein gesetzliches Verbot von Tierversuchen.«

Weitere Informationen:  

Pressemitteilung der Uni Ulm, 20.06.2010  >>
»Skorpione im Weltall«, Datenbank-Tierversuche, 11.12.2006 >>
Dokumenten-IDs einiger in der Datenbank www.datenbank-tierversuche.de dokumentierten Publikationen von E. Horn: 3528, 3529, 3530, 3531  
 



02.07.2010

Europaweite Umfrage zu Tierversuchen

Deutsche tierfreundlicher als EU-Durchschnitt

Einer aktuellen EU-Umfrage zufolge lehnt eine Mehrheit der Deutschen Tierversuche an Hunden und Affen ab, selbst wenn diese zur Bekämpfung menschlicher Krankheiten beitragen können. Bei Experimenten an Mäusen spricht sich jedoch nur ein Viertel der Befragten dagegen aus. Im EU-Vergleich zählt Deutschland damit eher zu den Tierversuchskritikern. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert die manipulative Fragestellung, die dem Tierversuch einen Nutzen für die Humanmedizin unterstellt.

Im Rahmen des aktuellen Eurobarometers der EU-Kommission wurden insgesamt 26.671 Personen in den 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Kroatien, Island, Norwegen, der Schweiz und der Türkei zu ihrem Wissenschaftsverständnis befragt. Unter anderem wurde die Einstellung zu Tierversuchen untersucht. Demnach sind 37 Prozent der EU-Bürger gegen Tierversuche an Hunden und Affen, wenn diese der Bekämpfung menschlicher Krankheiten dienen, aber nur 18 Prozent, wenn es sich um Mäuse handelt.

Deutschland liegt mit der Kritik an Tierversuchen weit vorn. Hier sprechen sich 43 Prozent, bzw. 23 Prozent der Menschen gegen Tierversuche an Hunden und Affen, bzw. an Mäusen aus. Nur Malta (44, 20), Österreich (45, 29), Schweiz (50, 30), Frankreich (51, 20), Slowenien (51, 24), Finnland (51, 24) und Luxemburg (51, 32) sind noch tierfreundlicher eingestellt.

Bei der Befürwortung von Tierversuchen liegen die Deutschen unter dem EU-Durchschnitt: Nur 37 Prozent der Deutschen halten Versuche an Hunden und Affen für gerechtfertigt. Versuchen an Mäusen stimmen 61 Prozent zu. Im EU-Durchschnitt sind es 44 bzw. 66 Prozent. Am wenigsten Probleme Hunde und Affen für Forschungszwecke zu verwenden haben Spanier (65), Bulgaren (62) und Litauer (59). Die höchste Zustimmung bei Tierversuche an Mäusen gibt es in Estland (81), Dänemark und Litauen (je 78).

Die bundesweit tätige Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert, dass die Fragestellung einen Nutzen für kranke Menschen suggerieren würde. »Tatsächlich kommen Tierversuche aber keineswegs der menschlichen Gesundheit zu Gute, sondern behindern wegen irreführender Ergebnisse die Medizin«, erläutert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. »Umso erfreulicher ist es, dass trotz dieser manipulativen Fragestellung sich so viele Menschen gegen Tierversuche aussprechen«.

Dass der überwiegende Teil der Bevölkerung Tierversuchen kritisch gegenüber steht, belegt auch eine im März 2009 vom Meinungsforschungsinstitut YouGov in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, der Tschechischen Republik und Schweden durchgeführte Erhebung. Demzufolge waren in Deutschland Tierversuche, die keinen Bezug zu ernsten oder lebensbedrohlichen menschlichen Krankheiten haben. 89 Prozent würden Tierversuche verbieten, die mit schweren Schmerzen oder Leiden für die Tiere einhergehen.  

Weitere Informationen:

Eurobarometer 2010 >> 
Ergebnisse der Umfrage zu Tierversuchen 2009 >>  



11.06.2010

Ausstellung über Tierversuche an der Uni Bochum

Was ist ein Tierversuch? Schützt das Tierschutzgesetz die Tiere? Warum werden Tierversuche gemacht? Sind Tierversuche der Grund für medizinischen Fortschritt? Geht es auch ohne Tierversuche? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich ab dem 13. Juni eine Ausstellung im Kulturcafé des Asta Bochum. Dreizehn reich bebilderte Tafeln informieren sachlich fundiert und stichwortartig prägnant über die Problematik der Tierexperimente. Daneben untermauern Informationsschriften die dargestellten Fakten. Die Ausstellung wurde von dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche konzipiert und vom AStA der Ruhr-Universität im Rahmen einer Aktionswoche nach Bochum geholt. Ziel ist es, Studierenden die wissenschaftlichen Argumente gegen Tierversuche und die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschung näher zu bringen.

An der Ruhr-Uni werden Affen, Katzen, Frettchen, Tauben, Gerbils, Ratten, Mäuse und andere Tiere in Tierversuchen verwendet. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hält keinen einzigen davon für notwendig. Besonders umstritten sind die neurobiologischen Hirnversuche an Affen. Die Tiere müssen in einem Primatenstuhl sitzend Aufgaben am Bildschirm ausführen. Ihr Kopf ist dabei unbeweglich an einem Gestell angeschraubt. Als »Trainingsmethode« wird Durst eingesetzt, d.h., die Tiere bekommen außerhalb der Versuche nichts zu trinken. Für gute Kooperation erhalten die durstigen Tiere ein paar Tropfen Saft. Gleichartige Tierexperimente wurden bereits in München, Berlin und Bremen von den zuständigen Behörden aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens abgelehnt. In Bremen tobt seither ein Rechtsstreit. In Bochum sollten die Affenversuche 2009 auslaufen, wurden dann aber bis mindestens 2011 verlängert.

Die Ärztevereinigung fordert einen sofortigen Stopp der »unsäglichen und nutzlosen Forschung am Affenhirn«. Derartige Grausamkeiten an intelligenten und hochsensiblen Tieren seien nicht nur ethisch nicht zu rechtfertigen, sondern auch medizinisch irrelevant. »Seit mindestens zwei Jahrzehnten wird derartige Forschung in Deutschland betrieben, ohne dass irgendein medizinischer Nutzen erkennbar ist«, sagt Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche. Die Ausstellung soll dazu beitragen, den Mythos vom angeblich notwendigen Tierversuch aufzulösen.

Das Referat für Ökologie und Verkehr des AStAs plant im Rahmen der Aktionswoche über Tierversuche vom 13.-19. Juni weitere Veranstaltungen.


Ausstellung „Tierversuche“
Ort: Kulturcafé des Asta Bochum, Universitätsstraße 150, 44801 Bochum
Zeit: 13.-19. Juni 2010
Organisation: Referat für Ökologie und Verkehr, AStA Ruhr-Universität Bochum


 



03.06.2010

Ministerrat stimmt EU-Tierversuchsrichtlinie zu:

Verrat an den Tieren

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zeigt sich bestürzt darüber, dass der Rat der Europäischen Union heute dem vorliegenden Entwurf einer Tierversuchsrichtlinie trotz gravierender tierschutzrechtlicher Mängel zugestimmt hat. Da den Ländern nicht erlaubt ist, national strengere Maßstäbe zu erlassen, bleibt der Tierschutz auf niedrigem Niveau zementiert, fürchtet der Ärzteverein.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche wirft dem Ministerrat Verrat an den Tieren und Täuschung der Bevölkerung vor. Zahlreiche Verschlechterungen zu Ungunsten der Tiere versucht der Rat in seiner Position positiv darzustellen. So wird behauptet, die neue Richtlinie würde zum Ersatz oder zur Einschränkung von Tierversuchen führen. In Wirklichkeit hat nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche der Rat maßgeblich zu verantworten, dass die von der EU-Kommission ursprünglich vorgesehene Anwendung von tierversuchsfreien Methoden, sobald vorhanden, derart aufgeweicht wurde, dass jetzt solche Methoden erst dann angewandt werden müssen, wenn sie behördlich anerkannt sind. Da die Anerkennung von sogenannten Alternativmethoden Jahrzehnte dauern kann, fürchtet die Ärztevereinigung, dass die Abschaffung des Systems Tierversuch in weite Ferne gerückt ist. »Mit der neuen Tierversuchsrichtlinie haben die Verantwortlichen die Chance verpasst, den Weg für ein zukunftsstarkes Europa zu ebnen, wofür eine moderne und gute Wissenschaft ganz ohne Tierversuche unumgänglich ist«, erläutert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

Auch die Forschung an nicht-menschlichen Primaten ist entgegen der Darstellung des Rates nicht eingeschränkt. Im Gegenteil: Forschung an Affen, teilweise auch an Menschenaffen, ist zu nahezu jedem beliebigen Zweck erlaubt. Das Verbot der Verwendung von Wildfängen wurde im Verlauf der Verhandlungen ebenfalls stark zu Gunsten der Tierexperimentatoren gelockert.

Besonders heuchlerisch ist nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche die Aussage des Rates, die neue Richtlinie sei ein Kompromiss zwischen Tierschutz und medizinischer Forschung. Laut Aussage der Ärztevereinigung dient ein Großteil der Tierversuche der rein zweckfreien Grundlagenforschung, also der Forschung ohne jeden medizinischen Zweck. Hier gehe es nur um das Ausleben der Forscherneugier auf Kosten der Tiere. Aber auch Forschungsprojekte zum angeblichen Wohl des Menschen erweisen sich nach Ansicht des Vereins immer wieder als fataler Irrweg und halten den medizinischen Fortschritt auf.

Die Ärzte gegen Tierversuche fordern im Interesse von Mensch und Tier ein Wissenschaftssystem, das sich nicht nach den Wünschen der einflussreichen Tierversuchslobby richtet. Vielmehr müsse durchdachte, tierversuchsfreie Forschung vorangetrieben werden, mit der im Gegensatz zum Tierversuch wirklich relevante Erkenntnisse gewonnen werden könne. 

Weitere Information:
Pressemitteilung des Rates mit Zusammenfassung seiner Position >>
EU-Tierversuchsrichtlinie - Hintergrundinfos >>


 



01.06.2010

Drei Jahre REACH

Millionen Tieropfer für bevorstehende Chemikalientests

Am 1. Juni 2007 trat die EU-Chemikalienverordnung REACH in Kraft. Zigtausende Chemikalien sollen in den nächsten Jahren auf ihre Giftigkeit getestet werden – größtenteils in Tierversuchen. Schätzungen gehen von bis zu 54 Millionen Tieren aus, die nach dem Willen der EU in qualvollen Giftigkeitstests ihr Leben lassen sollen. Dabei sind Tierversuche – abgesehen von der ethischen Problematik – vollkommen ungeeignet, um Risiken von Substanzen für Mensch und Umwelt zu beurteilen, ist der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche überzeugt.

Wie viele Chemikalien für REACH getestet werden sollen, ist noch nicht bekannt. Bei der EU-Chemikalienbehörde ECHA in Helsinki wurden 150.000 Stoffe vorregistriert. Ursprünglich war man von 30.000 Substanzen ausgegangen. Da aber für jede Chemikalie nur ein Dossier eingereicht werden soll, muss zunächst festgestellt werden, welche Substanzen von mehreren Herstellern vorregistriert wurden.

Je nach Produktionsmenge wird eine Reihe von Tierversuchsdaten für REACH verlangt - je höher die Menge, desto mehr Daten. Die Palette reicht von akuten Giftigkeitstests, bei denen Ratten oder Mäusen die Substanzen in den Magen gefüllt werden, über Hauttests an Kaninchen und Meerschweinchen bis zu Mehrgenerationentests, bei denen für eine Substanz mehrere tausend Ratten sterben. Schätzungen gehen von acht bis 54 Millionen Wirbeltieren aus, die im Rahmen von REACH ihr Leben lassen sollen. Für Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche ein Skandal: »Die Chemikalien sind alle seit Jahrzehnten in Gebrauch. Alle geforderten Daten sind längst vorhanden und müssten nur zusammengetragen werden.«

Die Tiertests sind laut Ärztevereinigung zudem für die Beurteilung der Gefährlichkeit von Chemikalien äußerst unzuverlässig. »Was für eine Ratte harmlos ist, kann für Menschen giftig sein und umgekehrt«, so Tierärztin Gericke. Die EU habe sich mit REACH einen Bärendienst erwiesen. »Anstatt auf moderne, durchdachte Prüfstrategien, z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Computersimulationen zu setzen, wird an einem völlig veralteten Denkmuster festgehalten, bei dem ein Katalog aus grausamen und sinnlosen Tierversuchen abgearbeitet wird«, so Gericke weiter.

Für Substanzen, die als besonders gefährlich bekannt sind oder in einer Menge von mehr als 100 Tonnen pro Jahr produziert werden, dürfen Tierversuche nur nach Genehmigung durch die ECHA durchgeführt werden. Die ECHA veröffentlicht die Bezeichnungen der Chemikalien, für die Anträge eingereicht wurden, auf ihrer Website. 45 Tage lang können diese von Dritten kommentiert werden, eine Forderung, die aufgrund des Drucks durch Tierschutz- und Tierversuchsgegnerverbände Eingang in REACH gefunden hat. Fachleute können so herausfinden, ob die geforderten Daten bereits vorhanden sind oder wie sie ohne Tierversuche gewonnen werden können. »Wir Ärzte gegen Tierversuche werden alles daran setzen, möglichst viele Tierversuche zu verhindern, indem wir mit unseren Fachleuten fundierte Stellungnahmen zu den Tierversuchsanträgen bei der ECHA einreichen.« Bisher sind 15 Tierversuchsanträge von der ECHA veröffentlicht worden. In den nächsten Monaten und Jahren werden Hunderte erwartet.

Weitere Informationen:
ECHA-Website >>
Die REACH-Chance – 45 Tage, um Tiere zu retten >> 
REACH - grausame und sinnlose Chemikalien-Tests >> 

   



31.05.2010

Stoppt Affenqual in Tübingen:

Demo und Infostände am 5. Juni

Im Rahmen ihrer Kampagne Stoppt Affenqual in Tübingen veranstaltet die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) in Zusammenarbeit mit dem Bündnis gegen Tierausbeutung Tübingen am 5. Juni 2010 eine Demo, Infostände und Kundgebung auf dem Marktplatz in Tübingen. Mit der Kampagne macht der bundesweite Ärzteverein seit eineinhalb Jahren mobil gegen die in Baden-Württemberg noch immer praktizierte altertümliche Forschung am Hirn von Affen.

Presse- und Fototermin:
12.00 Uhr: Marktplatz Tübingen; Demozug setzt sich in Bewegung

Programm im Überblick
11.00-16.00 Uhr Infostände auf dem Marktplatz Tübingen
12.00-13.00 Uhr Demozug durch die Innenstadt
ab 13.30 Uhr Kundgebung auf dem Marktplatz mit Redebeiträgen

Bürger aus der ganzen Bundesrepublik forderten die Landesregierung bereits auf, die qualvolle Hirnforschung an Affen umgehend zu stoppen. Bislang zeigte sich nach Auskunft der Ärztevereinigung die Regierung Baden-Württembergs resistent gegen den Willen der Bürger und echten Fortschritt. »Baden-Württemberg beharrt auf grausamen und medizinisch vollkommen abwegiger Forschung am Affenhirn und hinkt fortschrittlicheren Bundesländern hinterher. In Bremen, Berlin sowie München wurden vergleichbare Hirnversuche an Affen abgelehnt. Die Behörden haben erkannt, dass diese ethisch nicht haltbar sind und sich nicht eignen, um menschliche Krankheiten zu heilen«, erläutert Diplombiologin Silke Bitz von der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche.

»Auch bei den aktuellen Verhandlungen um die Tierversuchsrichtlinie erwies sich das Land als Handlanger der einflussreichen Experimentatorenlobby. Die wesentlichen Verschlechterungen für den Tierschutz hat das Land Baden-Württemberg maßgeblich mitzuverantworten«, so Bitz weiter.

Mit einem Demozug durch die Tübinger Innenstadt und zahlreichen Redebeiträgen protestiert die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche gemeinsam mit dem Bündnis gegen Tierausbeutung Tübingen und zahlreichen anderen Organisationen gegen die Hirnforschung an Affen an drei Tübinger Instituten*. Würde es der Politik darum gehen, wertvolle Erkenntnisse für die Behandlung menschlicher Krankheiten zu gewinnen, wären Tierversuche längst verboten, ist sich die Ärztevereinigung sicher und fordert die Abschaffung aller Tierversuche zugunsten einer fortschrittlichen Medizin. Relevante Erkenntnisse über das menschliche Gehirn könnten z.B. mit Hilfe von computertomographischen Verfahren direkt am Menschen gewonnen werden. Der Verein kritisiert, dass die tierexperimentelle Grundlagenforschung, die der reinen Neugierstillung einzelner Forscher dient, trotz Staatsziel Tierschutz uneingeschränkt stattfindet.

Der Verein ÄgT fordert, dass das Feld für eine gute Medizin geräumt wird, die nur ohne Tierversuche funktioniert. Es darf von der Politik nicht weiter hingenommen werden, dass unzählige Tiere einen sinnlosen Tod sterben und überdies die Schädigung und der Tod von Menschen aufgrund falscher Forschungsmethoden billigend in Kauf genommen wird. Die Gefahren, die von der Übertragung der Ergebnisse am Tier auf den Menschen ausgehen sowie die Vorteile einer durchdachten, auf den Menschen bezogenen tierversuchsfreien Forschung sind längst bekannt. Es ist höchste Zeit, dass die Politik sich dieser Erkenntnis nicht länger verwehrt und medizinischen Fortschritt blockiert, sondern die Tür öffnet für zukunftsfähige Methoden, fordert die Ärztevereinigung.

Weitere Information über Affenversuche in Tübingen >>

* - Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen und
- Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen.
- Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen.
   



28.05.2010

Gerichtsverhandlung über Bremer Hirnversuche an Affen:

Affenqual geht weiter

Als Ergebnis der heutigen Verhandlung am Bremer Verwaltungsgericht im Fall der Affenversuche von Prof. Kreiter hat das Gericht den Ablehnungsbescheid der Genehmigungsbehörde aufgehoben, der dem Forscher eine Fortführung seiner Tierversuche untersagt hatte. Kreiter hatte dagegen Klage erhoben. Das Gericht gab der Behörde auf, die Ablehnung neu zu begründen. Nach Ansicht des Vereins Ärzte gegen Tierversuche ist ein klares Aus für diese Versuche notwendig, da einem nachweislich fehlenden medizinischen Nutzen großes Leid für die Tiere gegenübersteht. Er sieht in den Hirnversuchen an Affen einen Verstoß gegen geltendes Tierschutzrecht.

Die Gerichtsverhandlung offenbart sich nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche als Armutszeugnis für die deutsche Justiz. »Die Richter haben das Staatsziel Tierschutz mit keinem Wort erwähnt und zeigen sich eher den Interessen der Universität zugeneigt«, berichtet Tierärztin Dr. Corina Gericke von der Ärztevereinigung, die vor Ort der Verhandlung beiwohnte. »Es ist unfassbar, dass das Gericht der Freiheit der Forschung offenbar einen höheren Rang einräumt als dem seit 2002 gleichwertig im Grundgesetz verankerten Tierschutz«, kritisiert Gericke.

Über das Eilverfahren, mit dem Kreiter erlaubt wurde, seine Versuche vorübergehend fortzuführen, wurde noch nicht entschieden. Das heißt, die Tierversuche gehen bis zu einer Entscheidung in diesem Verfahren weiter.

Das Gericht hat hinsichtlich der Genehmigung den Ball an die Behörde zurückgespielt. Diese muss nun unter Berücksichtigung der Vorgaben des Gerichts neue Gründe für den Ablehnungsbescheid beibringen. Die Behörde muss durch Gutachten die Belastung der Tiere sowie die Bedeutung des Forschungsvorhabens klären. Das Gericht gab der Genehmigungsbehörde zudem auf, zu prüfen, ob durch geeignete Nebenbestimmungen, wie beispielsweise Auflagen, eine Genehmigungsfähigkeit geschaffen werden kann.

Nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche kann es solche Auflagen für eine Genehmigungsfähigkeit nicht geben, da die Versuche für die Tiere äußerst leidvoll sind, gegenüber einer ergebnisfreien Forschung. Der Verein kritisiert, dass die besonders qualvolle und medizinisch irrelevante Forschung am Affenhirn weitergehen darf. Die Ärztevereinigung findet es unverständlich, dass die Richter trotz erdrückender Beweislage für die ethische Unvertretbarkeit der Affenhirnforschung und fehlendem medizinischen Nutzen, noch immer kein klares Urteil gegen die Tierversuche gefällt haben.

»Im Namen der zweckfreien Grundlagenforschung werden die Affen stundenlang bewegungsunfähig fixiert, ihr Hirn wird aufgebohrt um Messelektroden einzuführen und sie müssen Durstqualen erleiden, nur weil einzelne Forscher wissen wollen, wie ein Affenhirn funktioniert«, moniert Gericke. Für den medizinischen Fortschritt ist diese Forschung irrelevant, da eine zuverlässige Übertragung von Erkenntnissen aus der Affenforschung auf den Menschen nicht möglich ist, erläutert die Ärztevereinigung.

Die Ärzte gegen Tierversuche zeigen sich erschüttert, dass wieder einmal die Interessen der mächtigen Tierexperimentatorenlobby auf Kosten von Tier und Mensch zu siegen scheinen. Würde das Gericht das Tierschutzgesetz anwenden und das Staatsziel Tierschutz berücksichtigen, wäre die einzig logische Konsequenz ein sofortiges Verbot der Affenhirnforschung, ist sich die Ärztevereinigung sicher. Denn auch nach über 15 Jahren sei nachweislich kein medizinischer Nutzen erkennbar, das Leid der Tiere indes sei immens. Die zuständige Behörde hatte Mut bewiesen und den Versuchen aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens keine weitere Genehmigung erteilt und hatte dies in ihrem Widerspruch umfangreich begründet.

Die Ärzte gegen Tierversuche betonen, wie wichtig es ist, dass die Genehmigungsbehörde weiterhin Rückgrat zeigt und unterstützen deren Widerspruch. Der Verein appelliert an die Behörde, im weiteren Verfahren an den klaren Belegen gegen die Affenhirnforschung festzuhalten.


Weitere Information über Affenversuche:
Pressemitteilung vom 19. Mai 2010 >>
Der Fall Bremen >>
Hirnforschung an Affen - grausam und sinnlos >>
   



26.05.2010

Weltnichtrauchertag am 31. Mai:

Ärztevereinigung fordert Stopp von Tabakversuchen an Tieren

Zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai rückt die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche das Schicksal unzähliger Tiere in den Mittelpunkt, die im Labor künstlich zum Rauchen gezwungen werden, um so die längst bekannte Schädlichkeit des Tabakkonsums zu bestätigen. Der Ärzteverein kritisiert die Tierversuche als besonders abwegig, zumal ganze Kataloge mit menschlichen Daten verfügbar sind. Obwohl Tierversuche für die Entwicklung von Tabakprodukten gesetzlich verboten sind, führt der amerikanische Konzern Philip Morris mit Sitz in Köln Recherchen des Vereins zufolge grausame Rauchversuche an Tieren durch.

Mäuse und Ratten müssen im Labor für qualvolle Rauchversuche herhalten. Unter Beteiligung des Philip Morris Labors in Köln beispielsweise werden Ratten 90 Tage lang täglich sechs Stunden Zigarettenrauch ausgesetzt. Ein Tier wird dazu in eine Röhre gesteckt, aus der nur die Nase herausschaut. Diese befindet sich in einem mit Zigarettenrauch begasten Raum. Es werden Atemtests gemacht und Blutproben aus dem Venengeflecht hinter dem Auge entnommen. Am Ende werden die Tiere getötet, um die inneren Organe zu untersuchen. In einem anderen Versuch werden mindestens 180 Mäuse 10 Wochen lang vier Stunden am Tag mit unterschiedlichen Konzentrationen Zigarettenrauch begast, um die Auswirkungen auf die Blutgefäße zu studieren.

In ihrer Internet-Datenbank www.datenbank-tierversuche.de dokumentiert die Ärztevereinigung zahlreiche weitere tierexperimentelle Arbeiten zur Tabakforschung. Die Ärztevereinigung sieht darin einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, nach dem Tierversuche für die Entwicklung von Tabakprodukten verboten sind. Zudem seien derartige Tests wissenschaftlich unsinnig. »Es ist abwegig, Tiere zum Rauchen zu zwingen um daraus angeblich Rückschlüsse für den Menschen zu ziehen«, meint Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. Dass Rauchen der Gesundheit schadet, ist nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche seit Jahrzehnten aus unzähligen klinischen und Bevölkerungsstudien bekannt. Hierfür brauche es keine Forschung am Tier. »Zusätzliche Daten können aus weiteren klinischen Studien gewonnen werden. Das würde brauchbare Erkenntnisse liefern, ganz ohne Tiere zu quälen«, so Bitz weiter.

Aus wissenschaftlicher Überzeugung fordert die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die Durchsetzung des Verbots der Tabakforschung am Tier sowie die Abschaffung aller Tierversuche. Nur durch eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin ohne jeden Tierversuch, könne man zu einem Forschungssystem gelangen, das gesellschaftlich akzeptiert werde und zudem im Gegensatz zum Tierversuch verwertbare Ergebnisse liefere.

Weitere Information:
www.datenbank-tierversuche.de

Quellen für die genannten Tierversuchsbeispiele:
www.datenbank-tierversuche.de, Dokumenten-ID: 4049
aus: Inhalation Toxicology 2007, 19, 683-699

www.datenbank-tierversuche.de, Dokumenten-ID: 4048
aus: Journal of Vascular Research 2008, 45, 480-492
   



19.05.2010


Ergänzung vom 11.08.2010:

Aufgrund des öffentlichen Drucks hat die US-Armee zunächst ihren Versuchsantrag zurückgezogen. Am 12. Juli wurde jedoch erneut ein Antrag auf Durchführung der Militärversuche gestellt. Mit Bescheid vom 26. Juli verweigerte die zuständige Behörde, die Regierung der Oberpfalz, die Durchführung der Versuche mit der Begründung des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. 

Ergänzung vom 20.05.2010:

Wie aus Medienberichten zu erfahren ist, wurde nur einen Tag nach Bekanntwerden der Antrag der US-Armee, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwörth Schweine für Übungszwecke zu verletzen und zu töten, offensichtlich zurückgezogen. Grund waren die zahlreichen Proteste.
 

 

US-Armee in Deutschland will lebende Tiere massakrieren

Perfide Militär-Tierversuche in Bayern

Die US-Armee in Deutschland will für die Ausbildung von medizinischem Personal lebende Tiere verletzen und töten. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche spricht von »perfiden und sinnlosen Tieropfern« und fordert die zuständigen deutschen Behörden auf, die Versuche nicht zu genehmigen.

Laut Pressestelle des Hauptquartiers der US-Armee in Heidelberg werden narkotisierten Tieren mit dem Skalpell Verletzungen zugefügt, die anschließend von Sanitätern versorgt werden. Als Tierarten wurden Schweine und Ziegen genannt. Über die Anzahl der Tiere und den Zeitraum macht die US-Armee nur vage Angaben. Für eine Gruppe von 30 Sanitätern werden etwa 10 Tiere verwendet. Diese Übungen würden so oft durchgeführt »wie notwendig«. Die US-Armee sei wegen der Genehmigung »in Verhandlung mit der Bundesregierung«, heißt es von Seiten der Pressestelle. Die Ausbildung soll unter anderem am Truppenübungsplatz im Oberpfälzischen Grafenwöhr stattfinden.

Die bundesweit tätige Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche protestiert aufs Schärfste gegen derartige Tierversuche. Tiere für militärische Zwecke zu missbrauchen, sei besonders perfide. Die Pläne der US-Armee stellen zudem einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar. »Tierversuche zur Entwicklung und Erprobung von Waffen, Munition und dazugehörigem Gerät sind in Deutschland gesetzlich verboten«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. »Außerdem sind Tierversuche zu Ausbildungszwecken nur erlaubt, sofern das Ziel nicht auf andere Weise erreicht werden kann. Dieses ist aber z.B. mit Dummys oder direkt im Krankenhaus problemlos möglich.

Die geplanten Versuche seien weder ethisch noch wissenschaftlich und didaktisch zu rechtfertigen. »Schweine und Ziegen unterscheiden sich in ihrer Anatomie wesentlich vom Menschen. Zudem sind mit dem Skalpell beigebrachte Verletzungen weit von der Realität von Kriegsverletzungen entfernt«, so die Tierärztin weiter. »Die Sanitäter lernen am falschen Objekt.« Die einzige sinnvolle Schulung für medizinisches Militärpersonal ist vor Ort in den Kriegs- oder Krisengebieten, wo es zahlreiche Menschen gibt, die medizinische Versorgung benötigen.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche protestiert bei der Regierung der Oberpfalz und fordert, das Vorhaben der US-Armee nicht zu genehmigen.

 



19.05.2010

Gerichtsverhandlung über Bremer Affenversuche

Ärztevereinigung verurteilt die Versuche als Verstoß gegen das Grundgesetz

Für den 28. Mai hat das Bremer Verwaltungsgericht die Verhandlung im Fall der Versuche von Prof. Kreiter am Hirn von Makaken angesetzt. Es soll entschieden werden, ob der Experimentator seine Forschung an Affen weiter betreiben darf. In einem Gerichtstermin am 22. April wurde das Thema zwischen den Beteiligten diskutiert. Nach Aussage der bundesweiten Ärztevereinigung ist der Ausstieg aus diesen Versuchen überfällig, da nachweislich kein medizinischer Nutzen in Sicht ist.

Neben der wissenschaftlichen Unsinnigkeit der Affenhirnforschung nennen die Ärzte gegen Tierversuche die Qual, die für die Tiere mit diesen Experimenten einhergeht. »Ein Tier stundenlang bewegungsunfähig zu fixieren und unter Durstqualen zur Kooperation zu zwingen ist unwürdig und mit dem Tierschutzgesetz und dem Staatsziel Tierschutz nicht zu vereinbaren«, so die klare Botschaft der Ärztevereinigung an die verantwortlichen Richter. Hinzu komme die erwiesene medizinische Nutzlosigkeit der Tierversuche, da auch nach über 15 Jahren keine Rettung der Menschheit vor Alzheimer oder Epilepsie in Sicht sei.

Auch das für die Genehmigung der Bremer Versuche zuständige Gesundheitsressort hält die Versuche ethisch und medizinisch für untragbar und bestätigte im August 2009 die Ablehnung. Nun ist nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche das Verwaltungsgericht an der Reihe, den klaren Fakten endlich rechtliche Konsequenzen folgen zu lassen, was zwangsläufig in einem Verbot der Hirnversuche münden müsse.

Weiter hält es der Ärzteverein für unverantwortlich, kranke Menschen Hoffnungen auszusetzen. Denn durch Tierversuche ließen sich menschliche Krankheiten nicht heilen, vielmehr würden die Heilungschancen sogar blockiert werden, da am falschen Hirn geforscht werde. »Affe und Mensch haben zwar gemeinsam, Freude, Schmerz oder Angst empfinden zu können, das Hirn ist aber vollkommen anders organisiert«, erläutert Diplombiologin Silke Bitz von der Ärztevereinigung. »Das Affenhirn hat keine Bereiche für Sprache, Lesen oder Musik, das Menschenhirn hat zur Verarbeitung von visuellen Reizen bestimmte Hirnbereiche, die beim Affen fehlen. Eine zuverlässige Übertragung von Erkenntnissen aus der Affenforschung auf den Menschen ist schlicht nicht möglich«, folgert die Biologin.

Die Ärzte gegen Tierversuche fordern eine Medizin, die sich moderne Verfahren wie die Computertomografie und die Forschung an menschlichen Zellen aus medizinisch notwendigen Operationen zu Nutze macht. Nur durch Forschung, die die tatsächliche Situation beim Menschen berücksichtigt, könne echter medizinischer Fortschritt erlangt werden. Folglich hält der Verein eine rein tierversuchsfrei ausgerichtete Forschung für unabdingbar.

Weitere Information über Affenversuche:
Der Fall Bremen >>
Hirnforschung an Affen - grausam und sinnlos >>
   



11.05.2010

Arzt protestiert gegen Tiroler Lawinenexperiment an Schweinen:

Austritt aus bergmedizinischer Gesellschaft

Im Januar dieses Jahres ging eine Protestwelle gegen ein Lawinenexperiment der Universitätsklinik für Anästhesie Innsbruck weit über die österreichischen Landesgrenzen hinaus. 29 Schweine sollten im Namen der Wissenschaft bei lebendigem Leib im Tiroler Ötztal im Schnee begraben werden. Zehn Tiere mussten sterben, bevor der Versuch aufgrund der Proteste abgebrochen wurde. Auch Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin waren an den Versuchen beteiligt. Der Stellvertretende Vorsitzende der deutschlandweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche und in Notfallmedizin fachkundige Arzt, Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, kritisiert diese Versuche als wissenschaftlich unsinnig und zieht Konsequenzen.

Nach Angaben der verantwortlichen Experimentatoren sollte mit diesem Versuch die Verschüttung durch Lawinen simuliert werden. Die Ärzte gegen Tierversuche forderten sofort nach Bekanntwerden dessen Stopp. Über einen Zeitraum von zwei Wochen hätten nach dem Willen der Forscher 29 Schweine nach und nach im Schnee vergraben werden sollen, zehn Tiere mussten sterben. Die Tiere wurden narkotisiert, an Messgeräte angeschlossen und schließlich im Schnee verschüttet. Manche Schweine wurden bis zum Kopf eingegraben und starben einen Erfrierungstod. Das Sterben der Tiere kann sich bei solchen Versuchen über viele Stunden erstrecken.

Der Unfallchirurg und Stellvertretende Vorsitzende der Ärztevereinigung, Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, zieht Konsequenzen und teilte der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin seinen Austritt mit. Als Begründung für seine Entscheidung nennt er die Beteiligung von Mitgliedern dieser Gesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin an den »medizinisch unsinnigen und ethisch nicht vertretbaren Lawinenexperimenten an lebenden Schweinen.« Eine offizielle Distanzierung der Gesellschaft von »diesen geradezu perversen Tierversuchen« habe er vermisst.

»Diese Versuche sind irrelevant, um bei Lawinenkatastrophen Menschenleben zu retten«, führt der Arzt weiter aus. Vielmehr sieht er wirklich relevante Forschung darin, sich an der tatsächlichen Situation von menschlichen Lawinenopfern zu orientieren und insbesondere die technischen Möglichkeiten einer schnellen Rettung zu optimieren. Schweine reagieren bei Kälteexposition völlig anders als der Mensch; zudem sind bei der notwendigen Narkose alle körpereigenen Schutzmechanismen gegen die Unterkühlung blockiert. Die Ärztevereinigung fordert eine rein tierversuchsfreie Forschung, die im Gegensatz zum Tierversuch ethisch tragbar ist und zudem gute Wissenschaft darstellt.

Siehe auch Pressemitteilung vom 14. Januar 2010 >>

   



03.05.2010

EU-Parlament will Klonfleisch verhindern

Ärztevereinigung unterstützt Verbot des Klonens von Tieren

Das EU-Parlament will verhindern, dass Klonfleisch in der EU zugelassen wird. Am 4. Mai stimmen die Abgeordneten des federführenden Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit im Rahmen der Überarbeitung der Novel Food-Verordnung in zweiter Lesung ab. In der zur Abstimmung stehenden Empfehlung wird ein Verbot für das Klonen von Tieren für die Lebensmittelversorgung und der Vermarktung von Milch- und Fleischprodukten geklonter Tiere und deren Nachkommen gefordert. Nach dem Willen der Europäischen Kommission und dem Ministerrat soll Klonfleisch zum Verkauf freigegeben werden. Das Europäische Parlament hatte sich bereits in erster Lesung dagegen ausgesprochen.

Nach Ansicht der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ist es unverantwortlich, Fleisch geklonter Tiere auf den Markt zu bringen. Sie begrüßt daher den Vorstoß des EU-Parlamentes. Neben den ungewissen Gesundheitsrisiken für die Menschen nennt der Verein das immense Tierleid, das mit dem Klonen und der Manipulation des Erbguts verbunden ist. Zudem sei eine rein pflanzliche Ernährung gesünder, schone die Umwelt und trage zu einer Reduzierung von Hunger und Armut in weiten Teilen der Erde bei.

Die Novel-Food-Verordnung umfasst die Zulassung von Lebensmitteln wie gentechnisch veränderte Nahrung oder Zusatzstoffen, für deren Herstellung neuartige Technologien verwendet werden. Ob Klonfleisch ebenfalls zugelassen werden soll, wird derzeit in der EU diskutiert. Eine Stellungnahme der EU-Lebensmittelbehörde EFSA offenbart, dass das Klonen von Tieren zu erheblichen Tiergesundheitsproblemen führt: Von rund 3.400 Versuchen Rinder zu klonen, resultierten nur 9 % in der Geburt eines Kalbes. Die Kälber zeigten überdurchschnittliches Wachstum im Mutterleib, Schweine dagegen ein reduziertes. 27 von 40 geklonten Ferkeln kamen mit Leiden zur Welt, wie Durchfall, Gehirnhautentzündung und Herzfehler und starben kurz nach der Geburt. Obwohl die EFSA feststellte, dass das Klonen von Rindern und Schweinen zu großen Tierschutz- und Tiergesundheitsproblemen führt, hat sie den Verzehr von Klonfleisch als unbedenklich eingestuft.

»Das Klonen von Tieren bedeutet Tierquälerei und grausame Tierversuche für fragwürdige marktwirtschaftliche Ansprüche«, kritisiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. »Die Zulassung von Klonfleisch wäre ein massiver Affront gegen den Verbraucher- und Tierschutz«, so Bitz weiter. Experimente am Erbgut von Tieren sind nach Ansicht der Ärztevereinigung als besonders grausam zu bewerten und zudem bei einer 'Erfolgsquote' von nur ca. 1 % mit einem sehr hohen Tierverbrauch verbunden. Der Verein fordert von der Politik verantwortliches Handeln Tier und Mensch gegenüber, was konsequenterweise in einem Verbot des Klonens von Tieren und im besten Fall einem Verbot aller Tierversuche münden müsse.

Weitere Information:
Entwurf der Novel-Food-Verordnung >>



30.04.2010

Ausstellung über Tierversuche im Kreishaus Montabaur

Was ist ein Tierversuch? Schützt das Tierschutzgesetz die Tiere? Warum werden Tierversuche gemacht? Sind Tierversuche der Grund für medizinischen Fortschritt? Geht es auch ohne Tierversuche? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich im Mai eine Ausstellung im Foyer des Kreishauses Montabaur. Dreizehn reich bebilderte Tafeln informieren sachlich fundiert und stichwortartig prägnant über die Problematik der Tierexperimente. Daneben untermauern anschauliche Exponate und Informationsschriften die dargestellten Fakten. Die Ausstellung wurde von dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche e.V. konzipiert und in Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe Westerwald des Vereins Die Tierfreunde e.V. nach Montabaur geholt. Ziel ist es, Bürgerinnen und Bürgern die wissenschaftlichen Argumente gegen Tierversuche und die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschung näher zu bringen.

Zur Eröffnung am Montag, den 3. Mai sprechen ab 14 Uhr Herr Landrat Achim Schwickert und Dr. med. Wolfgang Wegert, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Ärzte gegen Tierversuche e.V.. Alle Interessierten sind hierzu herzlich eingeladen.

Ausstellung »Tierversuche«

Ort: Foyer des Kreishauses, Peter Altmeier Platz, 56410 Montabaur
Öffnungszeiten: 3. bis 31. Mai 2010, täglich von 7.30 bis 16.30 Uhr
Eröffnungsveranstaltung: 3. Mai 2010, 14.00 Uhr
Organisation: Die Tierfreunde e.V. und Ärzte gegen Tierversuche e.V.

 



27.04.2010

Protest gegen Erlanger Tierversuchszentrum 

Ärzteverein veröffentlicht Informationen über Tierversuche in Erlangen

Zum 24. April, dem Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche, überreichten Erlanger Mitglieder der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche dem Präsidenten der Friedrich-Alexander-Universität, Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, 24 Faltblätter über Tierversuche an der Universität Erlangen.

Grüske ist durch sein Amt auch für die Forschung im Erlanger Tierversuchszentrum, dem Franz-Penzoldt-Zentrum, verantwortlich. »Je ein Faltblatt steht für tausend verbrauchte Tiere«, sagte Dr. Joachim Wiedmayer, Mitglied der Erlanger Sektion der Ärzte gegen Tierversuche, bei dem Gespräch in den Räumen der Universität.

Im Erlanger Flugblatt wird auf die 27 Millionen Euro teure, aus öffentlichen Mitteln finanzierte Einrichtung in der Palmsanlage 5, Erlangen, hingewiesen, wo »auf 2.300 Quadratmetern Tierställe und OP-Räume mit aufwendigster Technik eingerichtet« wurden. Tierversuche, von denen sonst nichts an die Öffentlichkeit dringt, werden beschrieben und die Quellen dafür angegeben. So wurde Mäusen der Ischiasnerv abgebunden, um chronische Schmerzen hervorzurufen. Bei Ratten wurde durch Einfädeln eines Fadens in eine Gehirnarterie ein Schlaganfall ausgelöst. »Diese künstlich geschädigten Tiere haben nichts mit der komplexen Situation beim menschlichen Patienten zu tun. Tierversuche sind daher nicht geeignet, die Krankheiten des Menschen zu erforschen und zu heilen«, heißt es in dem Infoblatt.

In den nächsten Tagen wird dieses in hoher Auflage erschienene Faltblatt nicht nur in Erlangen, sondern auch bundesweit verteilt.

Faltblatt Tierversuche im Brennpunkt Teil 9: Erlangen (PDF).

 



21.04.2010

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche

Ärztevereinigung fordert rein tierversuchsfreie Wissenschaft

Mit dem Hinweis auf die steigende Zahl der Tiere, die unter dem Deckmantel der Medizin im Tierversuch sterben, bei einer gleichzeitig immer kränker werdenden Gesellschaft, fordert die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April von der Politik, die Notbremse zu ziehen und die Basis für eine rein tierversuchsfreie Wissenschaft zu schaffen. Dies sei dringend notwendig, um ein sinnloses Sterben von Tieren und Menschen zu verhindern.

Die Ärzte gegen Tierversuche verweisen auf die jährlich steigenden Zahlen der Tiere, die einen grausamen und unsinnigen Tod im Labor sterben. Laut aktueller Statistik der Bundesregierung wurden in Deutschland im Jahr 2008 knapp 2,7 Millionen Tiere für Versuche verwendet, das sind im Vergleich zum Vorjahr rund 80.000 Tiere mehr, Tendenz weiter steigend.

»Die Politik versagt hier auf ganzer Linie. Anstatt einen Ausstieg aus dem Tierversuch endlich anzugehen, wird die Basis für die tierexperimentelle Forschung weiter gestärkt, indem immense Summen in den Bau von immer weiteren Tierversuchslabors für abstruse Forschungsprojekte gesteckt wird«, kritisiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. Nach Ansicht der Ärztevereinigung ist es dringend geboten, endlich dem rein Profit orientierten tierexperimentellen System das Verbot auszusprechen und eine gute und ethische Wissenschaft ohne Tierversuche zu etablieren. Solange jedoch am Tier geforscht wird, würden nicht nur Tiere qualvoll und unnütz sterben, sondern Menschen weiterhin Opfer von schweren oder tödlichen Nebenwirkungen von aufgrund von Tierversuchen für sicher gehaltenen Arzneien sein.

Die Ärztevereinigung engagiert sich unter anderem gegen die Tierversuche, die für die Testung des Antifaltenmittels »Botox« durchgeführt werden. »Für die Mäuse bedeutet dies einen tagelangen Erstickungstod zu sterben, nur damit manche Menschen sich für kurze Zeit ihre Gesichtsfalten glätten lassen können«, so die Ärzte gegen Tierversuche. Dieser sogenannte LD50-Test, bei dem die Dosis ermittelt wird, bei der die Hälfte der Tiere stirbt, gilt in Wissenschaftskreisen als besonders qualvoll und könnte darüber hinaus schon längst gestrichen sein. Das Europäische Arzneibuch erlaubt drei sogenannte Alternativen, sofern die Hersteller diese für ihr Produkt anerkennen lassen.

Da die Hersteller, darunter die in Frankfurt/M. ansässige Firma Merz, kein Engagement zur Abschaffung des Mäusetests zeigen, starteten die Ärzte gegen Tierversuche eine Kampagne, um Druck auszuüben und dem qualvollen Tierversuch für die Eitelkeit ein Ende zu setzen.

Zum diesjährigen Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche organisiert die Ärztevereinigung gemeinsam mit der TierrechtsInitiative Rhein-Main einen Aktionstag mit Demonstration in Frankfurt/M., einer der Tierversuchshochburgen in Deutschland. Am 24. April, dem Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche, wird weltweit auf das Leid der Tiere in den Labors aufmerksam gemacht. Der Gedenk- und Aktionstag wurde erstmals 1979 begangen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im Britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.

Weitere Information: 

Hintergrundinformation über Botox-Tierversuche >>



15.04.2010

Tierqual für Profit und Karriere

Hannover auf Platz 4 der Tierversuchshochburgen Deutschlands

Hannover gilt als eine der Tierversuchshochburgen Deutschlands. Recherchen* der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zufolge rangiert Hannover auf Platz 4 der Städte in Deutschland, in denen am meisten Tierversuche durchgeführt werden. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden im Jahr 2008 bundesweit 2,7 Millionen Tiere in Tierversuchen getötet. Offizielle Statistiken zu der Verteilung der Tierversuche auf Bundesländer, Städte oder Institute gibt es nicht.

In den zahllosen Instituten der Medizinischen Hochschule, der Tierärztlichen Hochschule sowie der Universität und dem Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Aerosolforschung werden Ratten, Mäuse, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Gerbils, Hunde, Katzen, Affen, Schafe, Rinder, Pferde, Schweine, Fische, Hühner und Tauben in Tierversuchen verwendet. »Kaum eine Tierart, die in Hannover nicht der Forschung zum Opfer fällt«, weiß Dr. med. vet. Corina Gericke von der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche. Zu den bereits vorhandenen tierexperimentellen Einrichtungen will der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim ein neues Forschungszentrum für Nutztierimpfstoffe bauen. Das Vorhaben soll jährlich 2.000 Schweinen das Leben kosten.

»Tierversuche werden nicht zum Wohle des Menschen gemacht, sondern weil einflussreiche Interessensgruppen davon profitieren,« erklärt Gericke. Boehringer Ingelheim winken Milliardenumsätze mit Produkten, die nur der Massentierhaltung Vorschub leisten. Mit Impfstoffen und Antibiotika-Cocktails werden die Tiere den qualvollen Haltungsbedingungen angepasst. Die Produktion von ‚Billigfleisch’ soll damit noch lukrativer gemacht werden, so der Verein.

An den Hochschulen dienen Tierversuche hauptsächlich der Karriere einzelner Personen, ist Tierärztin Gericke überzeugt. »Nach dem Motto ‚publish or perish’ (veröffentlichen oder untergehen) müssen Wissenschaftler viele Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften vorweisen, um Forschungsgelder eintreiben zu können.« Für kranke Menschen komme nichts Relevantes dabei heraus, weil die Ergebnisse nicht übertragbar seien. »Da Tiere die meisten menschlichen Krankheiten nicht bekommen, werden sie künstlich krank gemacht«, erklärt die Tierärztin. »Diese sogenannten ‚Tiermodelle’ haben jedoch außer einigen Symptomen nichts mit den komplexen Krankheiten des Menschen gemein.« Die Ursachen hierfür sind vielfach in der Lebensweise und umweltbedingten Auslösern zu suchen. Diese Faktoren werden bei der tierexperimentellen Forschung jedoch nicht berücksichtigt.

Die Ärztevereinigung fordert einen sofortigen Umstieg auf tierversuchsfreie Forschungsmethoden z.B. mit Zellkulturen, Mikrochips sowie klinische und epidemiologische Forschung. Diese seien nicht nur ethisch unbedenklich, sondern auch die einzige Möglichkeit in Medizin und Forschung zu relevanten Ergebnissen zu gelangen.

Am 24. April ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche. An diesem Tag informieren Tierversuchsgegner weltweit über das Leid der Tiere in den Labors und den wissenschaftlichen Unsinn der Tierversuche. Im Vorfeld findet am Samstag, dem 17. April, auf dem Steintorplatz in Hannover eine Kundgebung mit Infoständen und Demo statt.

*www.datenbank-tierversuche.de 
 



09.04.2010

Tierschutz-Ferienspiele

Pädagogisches Konzept vereint Sachinformation und Spaß für Kinder

»Wir müssen die Tiere schützen, weil, sie zu schwach sind um sich selbst zu schützen.« Der elfjährige Nikolas brachte es mit dieser Aussage auf den Punkt. Zusammen mit acht weiteren Kindern nahm er an den Gütersloher Tierschutz-Ferienspielen teil. »Die Kinder hatten bereits eine Vorstellung davon, was bei Tierversuchen passiert oder was das Leben in einem reisenden Zirkus für Tiere bedeutet,« erklärt Frauke Albersmeier von Achtung für Tiere e.V.

Ausgehend vom Vorwissen der Kinder werden Tierschutz-Probleme diskutiert. »Tiere haben auch Gefühle und man sollte sie nicht quälen.« findet die elfjährige Gina. Die Zahl der Tiere, die in Tierversuchen getötet werden, steige allein in Deutschland um etwa 100.000 pro Jahr, sagt Astrid Reinke. Die Tierärztin und Tierschutzpädagogin ist bei Ärzte gegen Tierversuche e.V. für den Jugendtierschutz zuständig. »Kinder nehmen wahr, dass Tiere unter Angst, Schmerz, Stress und Gefangenschaft leiden und haben oft eine sehr klare Vorstellung von Gerechtigkeit. Viele fühlen sich aber angesichts der Leiden, die Tieren zugemutet werden, hilflos.«

Zweimal jährlich bieten die beiden Tierschutzorganisationen Kindern und Jugendlichen Tierschutzferienspiele an, bei denen sie Filme sehen, Vorträge hören und darüber diskutieren, was sie beschäftigt. Sie lesen, schreiben, zeichnen und spielen Theater. Zwischendurch gibt es die Möglichkeit zum angeleiteten oder freien Spiel und für intensive Gespräche. Manch einer pflegt aber auch das Zwiegespräch mit Molchen und Kröten im garteneigenen Naturteich. Immer wieder wird zusammen überlegt, was jeder Einzelne für mehr Gerechtigkeit für Tiere tun kann.

»Als Tierfreunde, Tierärztinnen und Pädagoginnen wollten wir ein Bildungsangebot schaffen, das Sachinformationen mit Spaß verbindet sowie die direkte Begegnung zwischen Mensch und Tier ermöglicht,« so Reinke. So ein Ferienprojekt benötigt viele Betreuerinnen, um Kindern und Tieren gerecht zu werden. Die Teilnehmenden erfahren, dass Tiere nicht zur Belustigung von Menschen da sind, sondern ihre Eigenart oder ihr Ruhebedürfnis unbedingt zu respektieren sind. Viele Kinder treten intensiv und einfühlsam in Kontakt zu einzelnen Tieren, was diese offensichtlich sehr genießen. Vor eineinhalb Jahren entstand auf Initiative zweier Teilnehmerinnen die Tierschutz-AG der Anne-Frank-Schule.

»Die Darstellung der Tiernutzung, darf nicht denjenigen überlassen bleiben, die davon kommerziell profitieren. Unsere Vereine haben weder einen Nutzen von Tierversuchen und Zirkus, noch von deren Abschaffung,« erklärt Albersmeier. »Wir bieten unabhängige Informationen über die Situation der betroffenen Tiere.« Reinke ergänzt, »Junge Menschen sollten die Chance haben eine mündige Entscheidung für oder gegen Tierleid zu treffen. Außerdem zeigen wir Kindern, die mit den Tieren leiden, dass sie mit ihren Gefühlen nicht allein sind, und dass ihre Meinung von Erwachsenen gehört wird.«

Weitere Informationen 

Jugendprojekt der Ärzte gegen Tierversuche e.V. >>
Website für Kinder und Jugendliche www.harry-hilft-tieren.de 
 



31.03.2010

Neue Studie belegt:

Tierversuche führen in die Irre

Die Übertragung von Tierversuchsergebnissen auf die klinische Situation schlägt oft fehlt. Ein Grund hierfür sind die zahlreichen nicht veröffentlichten Tierstudien. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung.

Der gestern im Wissenschaftsjournal PLoS Biology erschienene Artikel analysiert die Auswirkungen von nicht veröffentlichten Tierversuchs-Studien auf die Klinik. Malcolm Macleod, Neurologe am Centre for Clinical Brain Sciences der Universität Edinburgh, Schottland, und sein Team werteten 525 Studien zu 1.359 Experimenten einer Datenbank über Schlaganfall-Forschung aus. Sie fanden heraus, dass weitaus mehr positive Berichte veröffentlicht wurden als statistisch wahrscheinlich. Tierexperimente zu unwirksamen Behandlungsmethoden kamen kaum vor. Die Wissenschaftler errechneten, dass 16% der Tierversuche mit einer geschätzten Anzahl von 3.600 Tieren nicht veröffentlicht wurden.

Von den 525 ausgewerteten Arbeiten berichteten 509 über bei Tieren wirksame Behandlungsmethoden für Schlaganfall. Nur 16 (3%) enthielten keine positiven Ergebnisse. Der Mangel an negativer Literatur verzerrt das Gesamtbild, somit wird die Wirksamkeit von Behandlungsmethoden überschätzt. Von den 509 beim Tier wirksamen Behandlungsmethoden sind nämlich nur zwei auch beim Menschen wirksam: Aspirin und eine frühe Thrombolyse mit Gewebeplasminogen.

Negativ ausgegangene Ergebnisse nicht zu veröffentlichen sei unethisch, heißt es weiter in der PloS-Studie. Diese Praxis verschwende Tierleben und nicht veröffentlichte Daten könnten auch nicht zum Gesamtwissen beitragen.

»Unerwünschte Ergebnisse zu publizieren ist der Karriere nicht förderlich«, weiß Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche.   

»Tierversuchsergebnisse dürfen nicht länger unter den Teppich gekehrt werden«, kritisiert Tierärztin Gericke weiter. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert eine lückenlose Dokumentation aller Tierversuche in Form von sogenannten Studienregistern, wie sie in der klinischen Forschung längst üblich sind. Der Verband setzt sich für eine Forschung gänzlich ohne Tierversuche ein. Als ersten Schritt müssten wenigstens Doppel- und Mehrfachversuche verhindert werden. »Hierfür ist die Dokumentation von Tierversuchen in einer zentralen Datenbank sowie eine rückwirkende Bewertung aller Tierversuche notwendig«, so Tierärztin Gericke weiter. »So kann auch die Nutzlosigkeit der Experimente bewiesen werden.«

In der aktuellen Überarbeitung der EU-Tierversuchsrichtlinie hatte die EU-Kommission eine solche rückwirkende Bewertung für die meisten Tierversuchsprojekte vorgesehen. Im Verlauf der Beratungen wurde diese Vorgabe auf besonders leidvolle Experimente an Primaten beschränkt. Der von EU-Parlament und Ministerrat ausgehandelte Kompromissentwurf zur Richtlinie befindet sich zurzeit in der Endphase. Mit einer Verabschiedung ist in den nächsten Wochen zu rechnen.


Quelle:
Sena, E.S., van der Worp, H.B., Bath, P.M.W., Howells, D.W, Macleod, M.R. PLoS Biology 9, e1000344 (2010)  >>

Weitere Informationen zur EU-Tierversuchsrichtlinie >> 
 



24.03.2010

EU-Tierversuchsrichtlinie

Bundestag erteilt Tierschutz eine Abfuhr

Heute stimmte der Bundestag über einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen zum aktuellen Kompromissvorschlag für die EU-Richtlinie zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere ab. Ziel des Antrags war es, massive Verschlechterungen für den Tierschutz rückgängig zu machen. Zahlreiche Tierschützer unterstützten diese Forderung mit einer Protestaktion vor dem Bundestag. Die Politiker jedoch zeigten kein Rückgrat und beharrten auf ihrer von der Tierversuchslobby geprägten Position. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche spricht von moralischem und wissenschaftlichem Rückschritt.

»Die deutschen Volksvertreter haben mit ihrer Entscheidung gegen den Tierschutz wieder einmal eine Chance auf eine ethische und wissenschaftlich fortschrittliche Forschung ohne Tierversuche vertan«, beurteilt Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche, die Ablehnung des Antrags von Bündnis 90/Die Grünen. Zugestimmt hatte neben Bündnis 90/Die Grünen nur die Linke. Die SPD enthielt sich, CDU und FDP stimmten dagegen. Der Ärzteverein zeigt sich enttäuscht von der Tatsache, dass der klare Wunsch der meisten Bürger nach einem umfassenden Tierschutz offensichtlich nichts zählt. Er verweist auf Umfragen, die immer wieder belegen, dass Tierversuche in der heutigen Gesellschaft keine Akzeptanz finden. Verdeutlicht habe dies nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche auch die Protestaktion vor dem Bundestag während der Abstimmung, in der zahlreiche Tierschützer die Forderung nach einer tierversuchsfreien Forschung untermauerten.

Doch die Bundestagsabgeordneten des zuständigen Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz waren nicht einmal für Minimalforderungen wie eine Einschränkung von Affenversuchen oder ein Verbot von Versuchen an Menschenaffen zu gewinnen. Besonders gravierend ist nach Aussage der Ärztevereinigung eine Klausel, welche den Mitgliedstaaten verbietet, national tierfreundlichere Regelungen zu erlassen, als es in der Richtlinie vorgesehen ist. Wird nun die Richtlinie tatsächlich ohne Nachbesserungen in der aktuellen Fassung verabschiedet, bedeutet das, dass wieder einmal die Interessen der einflussreichen Tiernutzer auf Kosten von Tier und Mensch gesiegt haben.

In dem im Dezember 2009 zwischen EU-Kommission, -Parlament und -Ministerrat abgestimmten Kompromiss wurden wesentliche Fortschritte für den Tierschutz gestrichen. Der Antrag der Grünen forderte, zumindest die im ursprünglichen EU-Kommissionsentwurf vom November 2008 enthaltenen tierschutzrechtlichen Verbesserungen wieder einzuführen. »Es ist ein Armutszeugnis unserer Volksvertreter, die zulassen, dass Macht und Profitdenken regieren und dabei kein Platz mehr ist für Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mensch und Tier. Denn sonst müssten solche minimalen Verbesserungen im Sinne des Tier- und Verbraucherschutzes gar nicht erst diskutiert werden«, meint Bitz. Nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche war die ursprüngliche von der EU-Kommission im November 2008 vorgelegte Neufassung der fast 25 Jahre alten Tierversuchsrichtlinie nur das absolute Minimum. Selbst die wenigen fortschrittlichen Ansätze, wie beispielsweise die verpflichtende Anwendung so genannter Alternativmethoden, bereits sobald praktikable Möglichkeiten vorhanden sind, rücken nun wieder in weite Ferne.

Zur Pressemitteilung vom 17. März 2010
>>

Hintergrundinformationen zur Entwicklung der Beratungen zur EU-Tierversuchsrichtlinie >>

Antrag von Bündnis 90/Die Grünen  >>

 



19.03.2010

8.000 Tiere mit Computern gerettet

Universitäten in der Ukraine setzen auf Lehre ohne Tierversuche

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hat erneut sechs Institute an ukrainischen Universitäten mit tierversuchsfreien Lehrmitteln ausgestattet. Im Gegenzug verzichten die Hochschullehrer auf Tierversuche in der studentischen Ausbildung.

Tiere zu töten, um ihre Anatomie oder Organfunktionen zu studieren, ist an unzähligen Universitäten in aller Welt immer noch gang und gäbe. »Auch in Deutschland werden im Grundstudium der Biologie, Human- und Tiermedizin eigens Tiere zu diesem Zweck getötet«, weiß Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche. Dies sei ethisch nicht zu rechtfertigen, außerdem gebe es laut der Ärztevereinigung über 500 Lehrmethoden wie Computersimulationen, Filme, Modelle und schmerzlose Selbstversuche, mit denen der Lehrstoff sehr viel besser und ethisch unbedenklich vermittelt werden kann. »Laut Tierschutzgesetz müssen diese tierfreien Methoden angewandt werden, doch die Praxis sieht anders aus. Immerhin verzichtet jedoch heute die Hälfte der humanmedizinischen Fakultäten in Deutschland auf diesen sogenannten ‚Tierverbrauch’«, so die Tierärztin weiter.

Während sich an Deutschlands Hochschulen seit Jahren kaum noch etwas im Sinne des Tierschutzes bewegt, gibt es in Osteuropa ein großes Potential. »Dort sind oftmals extrem viele und extrem grausame Tierversuche an Hunden, Katzen, Kaninchen, Ratten, Fröschen und anderen Tieren üblich«, erklärt Gericke. Es besteht aber auch ein großes Potential diesen ‚Tierverbrauch’ durch humane Methoden zu ersetzen. »Viele Hochschullehrer in der Ukraine und Russland haben Interesse, auf moderne Multimedia–Kurse umzusteigen, jedoch mangelt es meist am Geld und am Know-How«, berichtet die Tierärztin. In Deutschland hingegen fehle oft nur der Wille.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche arbeitet seit zwei Jahren mit umstellwilligen ukrainischen Universitäten zusammen. Bislang wurden 17 Institute an sieben Hochschulen mit tierverbrauchsfreien Lehrmitteln ausgestattet.

Bei dem aktuellen Projekt wurden Verträge mit sechs Institutsleitern in Odessa, Simferopol und Dnipropetrovsk geschlossen. Jährlich 4.475 Frösche, Ratten, Mäuse, Kaninchen, Meerschweinchen, Fische, Hunde und Katzen sowie 3.633 Wirbellose wie Krebse, Tintenfische, Insekten und Schnecken, zusammen also fast 8.000 Tiere, werden so vor einem qualvollen Tod bewahrt.

Insgesamt sind es bereits über 8.000 Wirbeltiere und mehr als 3.800 Wirbellose pro Jahr, die dank dieses Projektes nicht mehr getötet werden.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert deutsche Universitäten auf, endlich die Zeichen der Zeit zu erkennen und ebenfalls auf die Tötung von Tieren zu Ausbildungszwecken zu verzichten und damit auch endlich dem Tierschutzgesetz gerecht zu werden.

Mehr zum Projekt »Tiere retten mit Computern« >>



17.03.2010

EU-Tierversuchsrichtlinie: Bundestag stimmt über Antrag der Grünen ab

Ärzteverband fordert ein Votum zugunsten der Tiere

Am 24. März stimmt der Bundestag* über einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen zum aktuellen Kompromissvorschlag für eine neue Tierversuchsrichtlinie** ab. Gefordert wird darin, die massiven Verschlechterungen für den Tierschutz rückgängig zu machen. Besonders alarmierend: Den Mitgliedstaaten soll dem Willen der EU zufolge verboten werden, national strengere Regelungen zu Gunsten der Tiere zu erlassen. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche wirft Brüssel Verrat an den Tieren und am Bürger vor und fordert die deutschen Volksvertreter auf, sich dem Antrag der Grünen anzuschließen. Tierrechtler protestieren vor dem Bundestag.

In dem im Dezember 2009 zwischen EU-Kommission, -parlament und Rat abgestimmten Kompromiss wurden wesentliche Errungenschaften für den Tierschutz gestrichen. Der Antrag der Grünen zielt daher darauf ab, zumindest die im ursprünglichen EU-Kommissionsentwurf vom November 2008 enthaltenen tierschutzrechtlichen Verbesserungen wieder einzuführen. Dieser Vorschlag war nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche zwar nur ein Minimalpaket, enthielt aber immerhin einige gute Ansätze, wie die Einschränkung der Affenforschung und die verpflichtende Anwendung so genannter Alternativmethoden, bereits sobald diese verfügbar sind. Dass nun aber aufgrund der massiven Lobbyarbeit der Tierversuchsindustrie selbst diese minimalen Fortschritte ausgehöhlt oder gleich ganz gestrichen wurden, sei unter keinen Umständen akzeptabel.

Als besonders gravierend nennt der Verein die neu hinzugekommene Klausel, welche den Mitgliedstaaten verbietet, national tierfreundlichere Regelungen zu erlassen, als es in der Richtlinie vorgesehen ist. Weitere Verschlechterungen sind die nun grenzenlos erlaubte Forschung an Affen, zu manchen Zwecken auch Menschenaffen, der fast gänzliche Wegfall einer rückwirkenden Bewertung und die Erlaubnis, »streunende« Haustiere für Versuche zu verwenden. Von einer ethischen Bewertung der Versuche ist keine Rede mehr und so genannte Alternativmethoden müssen nun erst dann angewandt werden, wenn sie in Gemeinschaftsvorschriften aufgenommen sind, was Jahrzehnte dauern kann.

»Wird die Richtlinie mit diesen Verschlechterungen verabschiedet, wäre auf Jahre oder gar Jahrzehnte jede Verbesserung auf nationaler Ebene unmöglich. Dies wäre unvereinbar mit dem Staatsziel Tierschutz«, kritisiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche e.V. Doch ein Zuviel an Tierschutz kann und darf es nach Ansicht der Ärztevereinigung nicht geben. Sie fordert von der Politik, sich ihrer Verpflichtung zum Tierschutz endlich zu stellen und sich darüber klar zu werden, dass Tierversuche gesellschaftlich nicht akzeptiert werden. Bei einer Anfang März 2009 in sechs EU-Ländern durchgeführten Umfrage wollten 84% der Befragten, dass die neue Richtlinie alle Tierversuche - unabhängig von der Tierart - verbieten soll, die mit schweren Schmerzen oder Leiden für die Tiere einhergehen. 80% der Befragten sprachen sich für eine Veröffentlichung von Informationen zu Tierversuchen aus.

»Noch stehen der Politik alle Möglichkeiten offen, sich klar für eine tierversuchsfreie Forschung zu entscheiden, wie sie vom Großteil der Bürger verlangt wird. Sie muss sich nur endlich vom Einfluss der milliardenschweren Tierversuchsindustrie loslösen und den Weg für eine ethische und wissenschaftlich fortschrittliche Forschung ohne Tierversuche räumen«, so die klare Aufforderung der Ärztevereinigung an die Politik.

*Zuständig ist der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

**Richtlinie des Rates 86/609/EWG vom 24. November 1986 zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere


Aktion vor dem Bundestag:
24.3.2010, 08.00 bis 11.00 Uhr, Berlin, vor dem Paul-Löbe-Haus, Konrad-Adenauer-Str. 1., nahe dem Bundestag

Organisator: Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e. V.

Hintergrundinformationen zur Entwicklung der Beratungen zur EU-Tierversuchsrichtlinie  >>

Antrag von Bündnis 90/Die Grünen  >>

 



08.03.2010

Vier Jahre nach der TGN1412 Arzneikatastrophe

Tierversuche versprachen Sicherheit, Medikamententester rangen mit dem Tod

In diesen Tagen jährt sich das Schicksal sechs junger Männer zum vierten Mal. Sie wurden Opfer unerwünschter schwerer Nebenwirkungen des neuen Medikaments TGN1412, das zuvor aufgrund von Tierversuchen als sicher bezeichnet wurde. Die bundesweite Ärztevereinigung sieht die Gefährlichkeit des Systems Tierversuch bestätigt und fordert zu Gunsten des Menschen- und Tierschutzes eine rein tierversuchsfreie Forschung.

Die Würzburger Firma TeGenero wollte mit dem monoklonalen Antikörper TGN1412 ein Allheilmittel gegen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, rheumatische Arthritis und weitere Immunkrankheiten auf den Markt bringen. Tierversuche an Javaner- und Rhesusaffen, Kaninchen sowie Ratten ließen keine unerwünschten Nebenwirkungen vermuten. Die klinische Studie an sechs Probanden jedoch war lebensbedrohlich und noch heute leiden sie an bleibenden Schäden. Ein Mann verlor einige Finger und Zehen. Bei den Testpersonen hatte der Wirkstoff anstatt eine Hemmung des Immunsystems zu bewirken, eine überschießende Immunreaktion ausgelöst, die in Folge zu multiplem Organversagen führte.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche sieht dies als Beleg für die Untauglichkeit der Forschung am Tier. »Diese Arzneimittelkatastrophe ist nur ein Glied in einer langen Kette fataler Folgen des Tierversuchs«, meint Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. Allein in Deutschland würden jedes Jahr rund 60.000 Menschen an unerwünschten Wirkungen von zuvor ausgiebig an Tieren getesteten Arzneimitteln sterben. »Die Übertragung der Ergebnisse aus dem Tierversuch auf den Menschen führt immer wieder zu gravierenden Fehleinschätzungen, da Tier und Mensch sich in Stoffwechsel und Körperbau unterscheiden«, erläutert Bitz. Sie nennt als Beispiel Penicillin, das für Menschen lebensrettend sein kann, für Meerschweinchen dagegen schädlich ist. Erst vor wenigen Tagen wurde das Diabetesmedikament Avandia in Zusammenhang mit über 300 Todesfällen in nur drei Monaten gebracht. Die Ärztevereinigung verweist darüber hinaus auf ihre Liste von Risikomedikamenten*, die eine Auswahl der Medikamente enthält, die aufgrund schädlicher Wirkungen wieder vom Markt genommen wurden.

Nach Ansicht des Vereins wird den Menschen, die auf Medikamente angewiesen sind, mit der tierexperimentellen Forschung die Chance auf die best mögliche medizinische Versorgung verbaut. Denn eine gänzlich tierversuchsfreie Forschung, die sich an der menschlichen Situation orientiert, sei unumgänglich, wenn es um wirkliche medizinische Fortschritte ginge. Doch vordergründig sei Profitdenken, für das die Tiere einen unsinnigen Labortod sterben und Menschen Opfer unsicherer Arzneien werden, klagt die Ärztevereinigung und fordert von der Politik den umgehenden Ausstieg aus dem »Irrweg Tierversuch«.

* Liste der Risikomedikamente >>
  



03.03.2010

Ein Jahr Tierversuchsverbot für Kosmetik

Ärztevereinigung kritisiert mangelnde Auswirkung in der Praxis

Seit einem Jahr dürfen EU-weit keine Kosmetika mehr verkauft werden, die im Tierversuch getestet wurden. Zum gleichen Stichtag wurden auch Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe verboten. Trotz des politischen Teilerfolgs sieht die bundesweite Ärztevereinigung noch immer große Mängel, da das Verbot langfristig Ausnahmen für besonders belastende Giftigkeitstests zulasse.

Das am 11. März 2009 rechtskräftig gewordene EU-weite Vermarktungsverbot für Kosmetika, sowie das Verbot der Tierversuche für kosmetischen Inhaltsstoffe, ist nach Ansicht der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ein bedeutender Schritt, reiche aber bei weitem nicht aus, um ein wirkungsvolles Tierversuchsverbot zu erreichen. Denn Versuche zur Giftigkeit bei wiederholter Gabe, Reproduktions-Giftigkeit sowie zur Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechslung und Ausscheidung einer Substanz seien noch bis mindestens 2013 erlaubt. Die Kosmetikrichtlinie* räumt sogar über dieses Datum hinaus ein weiteres langfristiges Aufschieben des Verbots dieser laut Ärzteverein besonders qualvollen Giftigkeitsprüfungen ein.

Der Verein moniert, dass die Politik keine klaren Regelungen zum gänzlichen Ausstieg zumindest aus dem Tierversuch für die Schönheit schafft, sondern stattdessen dem reinen Kommerz auf Kosten der Tiere Tür und Tor geöffnet hält. »Tierversuche sind grundsätzlich unmoralisch und wissenschaftlicher Unsinn. Tiere für die Testung immer neuer Schönheitsmittel zu missbrauchen, ist besonders verwerflich«, meint Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. »Über 8.000 altbewährte Inhaltstoffe sind verfügbar, mit denen sich ohne Tierqual unzählige Schönheitsmittel herstellen lassen«, so Bitz weiter. Da die Industrie den Markt aber unermüdlich mit Schönheitsprodukten mit immer neuen Inhaltsstoffen überschwemmt, befürchtet die Ärztevereinigung, dass das Tierversuchsverbot für Kosmetikinhaltsstoffe in der Praxis keine Anwendung findet. Wie der Verein ausführt, werden nur wenige Rohstoffe ausschließlich für Kosmetika verwendet. Die meisten werden auch in anderen Produkten genutzt, die unter die Testvorschriften für Chemikalien fallen, was mit zahlreichen Tierversuchen einhergeht.

Mit der 7. Änderung der Kosmetikrichtlinie tritt seit 2004 eine stufenweise Einschränkung der Tierversuche im Kosmetiksektor in Kraft. Erster Teilerfolg war im September 2004 das EU-weite Verbot der Testung kosmetischer Fertigprodukte am Tier.

*Richtlinie 2003/15/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Februar 2003 zur Änderung der Richtlinie 76/768/EWG des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mittel


Weitere Informationen über Tierversuche in der Kosmetik >>
  



19.02.2010

Affenversuche auf dem Prüfstand

EU-Ombudsmann ermittelt wegen von Tierversuchslobby geprägtem Bericht

Der EU-Ombudsmann lässt eine Studie zur Bewertung des Nutzens von Tierversuchen an Affen überprüfen. Grund ist eine Beschwerde der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE)* gegen den einseitig gefärbten Bericht des Wissenschaftlichen Komitees für Gesundheit und Umweltrisiken (SCHER)** der Europäischen Kommission. Der Bericht habe Erkenntnisse über die Unsinnigkeit von Affenversuchen ignoriert und dürfe laut Ärzte gegen Tierversuche nicht in der derzeitigen Abstimmung über die EU-Tierversuchsrichtlinie zementiert werden. Der bundesweite Ärzteverein wirft der EU-Kommission »Marionettenwirtschaft zu Lasten der Tiere« vor.

Die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen, bei der die Ärzte gegen Tierversuche Mitglied sind, legte beim EU-Ombudsmann Beschwerde ein, da die Arbeitsgruppe der EU-Kommission Erkenntnisse über die Unzuverlässigkeit von Primatenversuchen bei der Heilung menschlicher Krankheiten außer Acht gelassen habe und keine Aussage über den Ausstieg aus der Forschung an nicht-menschlichen Primaten getroffen wurde. Kritikpunkt war zudem, dass sich die Arbeitsgruppe zum Großteil aus Tierexperimentatoren zusammensetzte, denen zudem die Expertise über Primaten und tierversuchsfreie Forschung fehlte. Der Ombudsmann geht nun den Unstimmigkeiten nach und forderte in diesen Tagen die EU-Kommission auf, bis zum 30. April Stellung zu beziehen.

»Die Besetzung der Arbeitsgruppe mit Vertretern der Tierversuchslobby zeigt deutlich, wie sich die Politik als Marionette missbrauchen lässt. Den Preis dafür zahlen Millionen Tiere, die einen sinnlosen Labortod sterben und die Bürger, deren Wunsch nach Tierschutz von den Volksvertretern verraten wird«, kritisiert Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche.

Infolge einer Deklaration des Europäischen Parlamentes im September 2007, in der sich 433 Abgeordnete für den Ausstieg aus Primatenversuchen aussprachen, hatte die Kommission das Wissenschaftliche Komitee für Gesundheit und Umweltrisiken mit einer Untersuchung zum Nutzen von Versuchen an nicht-menschlichen Primaten und möglicher so genannter Alternativen beauftragt.

Für die neue Tierversuchsrichtlinie ist es nach Ansicht der Ärztevereinigung von zentraler Bedeutung zu verhindern, dass die Interessen der Tierexperimentatoren noch mehr dominieren. Der von der Kommission im November 2008 ursprünglich vorgelegte Richtlinienentwurf sei schon ein kaum akzeptabler Kompromiss gewesen, noch mehr Einbußen auf Kosten der Tiere könnten nicht hingenommen werden. Die Ärztevereinigung fordert von der Politik, endlich Rückrat zu zeigen und dem Tierschutz die Stellung zuzugestehen, die ihm gebührt.


*European Coalition to end animal experiments (ECEAE)
**Scientific Committee on Health and Scientific Risks (SCHER)

Infos zur EU-Tierversuchsrichtlinie >>
  



09.02.2010

Planlos, nutzlos, verantwortungslos  

Neue Studie attestiert mangelhafte Qualität von Tierversuchen

Eine aktuelle Studie attestiert erneut Schwachpunkte der tierexperimentellen Forschung. Sie brachte ein unsauberes Vorgehen bei der Planung und Durchführung von Tierversuchen zu Tage. Die bundesweite Ärztevereinigung sieht die Unzuverlässigkeit der Methode Tierversuch erneut bestätigt und fordert eine gute und ethische Wissenschaft, die nur ohne Tierversuche funktioniere.

Eine Ende November 2009 im Fachjournal PloS ONE veröffentlichte Untersuchung* offenbart undurchdacht durchgeführte Tierversuche und nicht nachvollziehbare Ergebnisse. Es zeigte sich, dass nur bei 59 Prozent der Studien ein Versuchszweck und Angaben zu Zahl und Eigenschaften der Tiere zu finden waren. Vier Prozent der Veröffentlichungen enthielten gar keine Angaben zur Tierzahl, in weiteren Fällen ergaben sich Widersprüche. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die tierexperimentellen Veröffentlichungen nicht dem Anspruch an Transparenz und Genauigkeit entsprechen.

»Es ist dreist, dass Experimentatoren planlos und ohne Rechtfertigungspflicht fühlende Lebewesen für die reine Experimentierfreude missbrauchen dürfen«, kritisiert Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. »Unbegreiflich ist auch, dass die Politik sich mit nebulösen Heilversprechungen von der mächtigen Tierversuchslobby um den Finger wickeln lässt, und damit für den Menschen relevante klinische Forschung blockiert«, so Bitz weiter.

Die Studie wurde unter Federführung des Britischen Zentrums für Ersatz, Verfeinerung und Reduzierung von Tierversuchen** durchgeführt. Begutachtet wurden öffentlich finanzierte Versuche an Mäusen, Ratten und nicht-menschlichen Primaten, die in britischen oder US-amerikanischen Labors im Rahmen der biomedizinischen Forschung durchgeführt und zwischen 1999 und 2005 in Fachjournalen veröffentlicht wurden. Insgesamt 271 Veröffentlichungen wurden unter die Lupe genommen.

Nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche reiht sich die Studie in eine lange Liste an Beweisen, die die Nutzlosigkeit des Tierversuchs attestieren. Der Verein sieht zudem die Verantwortungslosigkeit bestätigt, mit der Tiere als Messinstrumente zum beliebigen Gebrauch benutzt werden. Das System Tierversuch sei nichts anderes, als ein Produkt des Erfinderreichtums einer mächtigen Tierversuchslobby und somit weder wissenschaftlich, noch ethisch gesellschaftsfähig.

»Würde man an Tierversuche den gleichen wissenschaftlichen Anspruch stellen wie an tierversuchsfreie Methoden, gäbe es ab sofort keine Tierversuche mehr«, argumentiert Bitz und stellt das Messen mit zweierlei Maß an den Pranger. Denn laut Ärztevereinigung wurden Tierversuche nie daraufhin untersucht, ob sie überhaupt einen wissenschaftlichen Wert haben. Sie wurden völlig ungeprüft sogar in gesetzliche Vorschriften aufgenommen. Der Verein bezeichnet dies als verantwortungslos nicht nur Tieren gegenüber, sondern sieht darin eine Blockade des echten medizinischen Fortschritts, zugunsten rein profitorientierter Interessen der Tierversuchslobby.

* Carol Kilkenny et al. (2009): Survey of the Quality of Experimental Design, Statistical Analysis and Reporting of Research Using Animals. PLoS ONE 2009 4(11): e7824 doi:10.1371/journal.pone.0007824

Zusammenfassung >>

** National Centre for the Replacement, Refinement and Reduction of Animals in Research (NC3Rs)
 



02.02.2010

Ärztevereinigung kritisiert Affenversuche in Bochum:

»Unsägliche Tortur bei einer medizinischen Relevanz von Null«

Die Einstellung der Hirnversuche an Affen an der Ruhr-Universität Bochum war zunächst für Sommer 2009 verkündet worden. Nun sollen die Versuche doch bis mindestens 2011 weitergeführt werden. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert die Experimente am Affenhirn als »unsägliche Tortur bei einer medizinischen Relevanz von Null«.

Seit Jahren wird unter anderem in Tübingen, Bremen, Göttingen, Magdeburg und Bochum am Hirn von Affen experimentiert, ohne dass etwas medizinisch Relevantes für den Menschen dabei herauskommt. Die Versuche laufen überall nach dem gleichen Strickmuster ab. Die Affen werden durch Durst zur Kooperation gezwungen. Ihr Kopf wird stundenlang unbeweglich fixiert. Mittels durch Bohrlöcher im Schädel in das Gehirn eingeführte Elektroden werden Messungen vorgenommen, während die Affen auf einen Monitor blicken. Nur, wenn die durstigen Tiere tun, was von ihnen verlangt wird, erhalten sie über einen Schlauch im Mund etwas Saft.

»Bei gewissenhafter Anwendung des Tierschutzgesetzes müssten diese Versuche sofort verboten werden. Denn der von den Experimentatoren prophezeite Durchbruch in der Heilung von beispielsweise Alzheimer ist auch nach über zehn Jahren Affenhirnforschung nicht in Sicht«, erläutert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche.

Die Behörden in Berlin, Bremen und München haben längst Einsicht gezeigt, dass die Affenversuche vor dem Tierschutzgesetz und dem Staatsziel Tierschutz nicht zu rechtfertigen sind, da der geforderte medizinische Nutzen ausblieb, die Qual für die Tiere indes immens ist. Die Fortführung der Experimente wurde nicht mehr genehmigt, bzw. in Bremen steht eine Gerichtsentscheidung an. Nach Ansicht der Ärztevereinigung ist es an der Zeit, dass auch andere Genehmigungsbehörden der rein zweckfreien Grundlagenforschung an Tieren die Stirn bieten und damit den Weg ebnen für eine tierversuchsfreie Forschung, die echten Nutzen für den Menschen bringt.

Ärzte gegen Tierversuche e.V. verweist zudem auf eine Regelung im Tierschutzgesetz, nach der Doppel- oder Mehrfachversuche nur durchgeführt werden dürfen, wenn sie unerlässlich sind. Der Verein bezeichnet es als höchst verwerflich, dass trotzdem jahrelang an verschiedenen Institutionen in Deutschland ein und dieselben besonders qualvollen Versuche am Affenhirn durchgeführt werden, ohne dass die Behörden ihr Veto einlegen oder rechtlich Einhalt geboten wird.

»Hier zeigt sich deutlich, dass das Tierschutzgesetz nichts weiter als ein Papiertiger ist, da schon ein vager, nur in Aussicht gestellter medizinischer Nutzen ausreicht, um bei der ethischen Abwägung das Leid der Tiere unter den Tisch fallen zu lassen«, so Bitz. Erklärtes wissenschaftliches und ethisches Ziel der Ärztevereinigung ist es, die längst fällige Kehrtwende weg vom Tierversuch, hin zu einer gänzlich tierversuchsfreien Forschung, einzuleiten.

Weitere Informationen zu Hirnforschung an Affen >>
 



25.01.2010

Schlankheitspille macht nicht schlank, aber krank

Weiterer Appetitzügler vom Markt genommen

Ab sofort dürfen Schlankmacher mit dem Wirkstoff Sibutramin EU-weit nicht mehr verkauft werden. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA zog den Appetitzügler aus dem Verkehr, nachdem eine Langzeitstudie mangelnden Nutzen, aber ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen ergeben hatte. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche warnt in seiner ‚Liste der Risikomedikamente’ seit Jahren vor Sibutramin-haltigen Arzneimitteln.

»Die aktuelle Marktrücknahme ist ein weiterer Beweis für die Unzuverlässigkeit der Methode ‚Tierversuch’«, erläutert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche. Zur Prüfung der Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten werden routinemäßig Tierversuche durchgeführt. »Doch solange man sich bei der Arzneimittelprüfung und –zulassung auf Ergebnisse aus Tests an Mäusen, Ratten, Kaninchen, Hunden, Affen und anderen Tieren verlässt, werden Menschen weiterhin einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt«, so die Tierärztin weiter.

Die Ärztevereinigung kritisiert zudem, dass zur Rechtfertigung von Tierversuchen oft die Entwicklung neuer Medikamente gegen unheilbare Krankheiten vorgeschoben würde. »Tatsächlich geht es der Pharmaindustrie aber nicht vorrangig um die Heilung von kranken Menschen, sondern um den Profit und den kann man mit Lifestyle-Pillen am ehesten erzielen«, so Gericke weiter.

Eine fünf Jahre währende Studie hatte ergeben, dass Sibutramin mehr schadet als nutzt. Das Mittel verringert das Gewicht der Patienten nur geringfügig, führt aber nicht zur Senkung der Häufigkeit der Schlaganfälle und Herzinfarkte, dem eigentlichen Ziel. Im Gegenteil: bei langfristiger Anwendung erhöhte sich sogar das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen.

Mit der jetzt erfolgten Marktrücknahme reiht sich Sibutramin, das unter den Markennamen Reductil®, Zelium® oder Reluxade® vertrieben wird, in die lange Liste der Gewichtsreduktionsmittel, die wegen fehlender Wirkung und schwerwiegender, oft tödlicher Nebenwirkungen, verboten wurden. Bereits in den 1960er und 70er Jahren riefen Aminorex und Cloforex tödlichen Lungenhochdruck hervor und wurden zurückgezogen. Pentorex folgte 1983 wegen Herzrhythmusstörungen. Im Jahr 1997 verschwanden Fenfluramin und Dexfenfluramin vom Markt, nachdem lebensbedrohliche Herzklappenschäden festgestellt worden waren. Wegen lebensbedrohlichem Lungenhochdruck erfolgte im Jahr 2001 die Rücknahme von Amfepramon, Mefenorex und Norpseudoephedrin. Im Jahr 2008 wurde Rimonabant die Zulassung entzogen, da es Depressionen und Selbsttötungen verursachte.

Weitere Informationen:

Liste der Risikomedikamente >>
 



18.01.2010

Bilanz nach einem Jahr Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen«:

Politik weiter untätig

Ein Jahr nach Start der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« am 21. Januar 2009 zieht die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche Bilanz: Nach wie vor werden in Tübingen Affen für völlig zweckfreie Forschung gequält und die Politik entzieht sich immer noch ihrer Verantwortung Mensch und Tier gegenüber, heißt es von Seiten der Ärztevereinigung. Der Verein fordert den sofortigen Ausstieg aus den Affenversuchen und stattdessen eine rein tierversuchsfreie Forschung.

Nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche werden die Affen in Tübingen mit festgeschraubtem Kopf und durch Flüssigkeitsentzug gezwungen, jahrelang Dinge auszuhalten, die Menschen als Tortur empfinden würden. »Schon allein die Fixierung des Kopfes über einen Zeitraum von nur 20 Minuten empfanden menschliche Probanden als unerträglich«, erläutert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. Die Affen müssen dies jeden Tag mehrere Stunden ertragen. Der Verein stellt damit die Versuche an drei Tübinger Instituten* an den Pranger, an denen untersucht wird, wie Affen zählen oder wie ihr Hirn Bilder verarbeitet, und kritisiert diese tierexperimentelle Grundlagenforschung als klinisch vollkommen irrelevant. Den Tieren wird der Schädel aufgebohrt, um Elektroden zur Messung von Hirnströmen einzuführen.

Die Genehmigungsbehörden in München, Berlin und Bremen haben die Unvertretbarkeit solcher Versuche erkannt und konsequenterweise vergleichbare Hirnforschung an Affen aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens abgelehnt. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert dies auch in Baden-Württemberg und startete daher vor einem Jahr die Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen«.

»Solange sich die Politik schützend vor die einflussreiche Tierversuchslobby stellt, anstatt sich klar zu einer tierversuchsfreien Forschung zu bekennen, dürfen wir mit dem öffentlichen Druck nicht nachlassen«, appelliert die Ärztevereinigung an die Bevölkerung. Ginge es tatsächlich um für den Menschen relevante medizinische Erkenntnisse, müsste auf das antiquierte System »Tierversuch« endgültig verzichtet werden.

Im Rahmen der Kampagne veranstaltet der Verein in Kürze einen Aktionstag in Tübingen und ruft zu einer breiten Beteiligung an der Protestaktion auf. Unter anderem können vorbereitete Postkarten an den baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL verschickt werden.


*Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen; Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen; Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen

Weitere Information >>




  14.01.2010

Schweine müssen für Lawinenexperimente sterben

Im Skigebiet in Vent im Tiroler Ötztal werden 29 Schweine für ein Lawinenexperiment der Universitätsklinik für Anästhesie Innsbruck bei lebendigem Leib begraben. Damit soll die Verschüttung durch Lawinen simuliert werden. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert diesen Tierversuch als »besonders grausam« und fordert dessen sofortigen Stopp.


»Die Ergebnisse aus Tierversuchen helfen auch bei Lawinenkatastrophen nicht, Menschenleben zu retten«, kritisiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. »Mensch und Schwein unterscheiden sich in Physiologie und Körperbau so stark, dass die Tierexperimente keine relevanten Ergebnisse für den Menschen liefern. Es ist nicht akzeptabel, dass den Tieren unter dem Deckmantel der Medizin solche Todesqualen angetan werden«, so Bitz weiter.
 
Über einen Zeitraum von zwei Wochen sollen 29 Schweine nach und nach vergraben werden. Der Tierversuch läuft bereits seit Dienstag dieser Woche. Die Tiere werden narkotisiert, an Messgeräte angeschlossen und schließlich im Schnee verschüttet. Manche Schweine werden bis zum Kopf eingegraben und sterben einen Erfrierungstod. Die Qual der Tiere kann sich über viele Stunden erstrecken. Nach dem Tod werden Gewebeproben genommen und die Daten ausgewertet, wovon sich die Wissenschaftler Aufschluss für die Medizin erhoffen.
 
»Schweine sind hochsensible Lebewesen, die für abstruse, medizinisch völlig irrelevante Forscherideen ihr Leben lassen müssen«, moniert Bitz. Nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche ist es unverständlich, dass solche Versuche von den Genehmigungsbehörden grünes Licht erhalten. Der Verein fordert den sofortigen Stopp der Versuche und stattdessen eine Forschung gänzlich ohne Tiere. Nur so können für den Menschen wirklich relevante Ergebnisse gewonnen werden.
 
Die Rettung von Lawinenopfern ist nach Ansicht der Ärztevereinigung zudem am besten gewährleistet, wenn entsprechend geschultes Personal zur Verfügung steht, das auf Katastrophen und die klinische Situation von menschlichen Lawinenopfern eingestellt ist.
 
Weitere Information
http://tirol.orf.at/stories/415897/

 

Drucken


https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/presse/pressearchiv/584-pressearchiv-2010