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Pressearchiv 2010 - 22.09.2010 Tierversuchszahlen auf neuem Rekordhoch


22.09.2010

Tierversuchszahlen auf neuem Rekordhoch

Ärzte gegen Tierversuche fordern von der Politik, die Reißleine zu ziehen

Aus der aktuell vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) veröffentlichten Tierversuchsstatistik für 2009 geht ein erschreckender Anstieg der in der Wissenschaft verbrauchten Tiere hervor. Rund 2,8 Millionen Tiere wurden für Tierversuche verwendet, was einer Steigerung zum Vorjahr um 3,5% bzw. fast 100.000 Tieren entspricht. Nach Ansicht der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) mussten die Tiere allesamt sinnlos sterben, zudem werde der medizinische Fortschritt blockiert. Der Verein ermahnt die Bundesregierung, endlich die Reißleine zu ziehen, und sich zu einer tierversuchsfreien Forschung zu bekennen.

Mäuse müssen mit 67,4 % am meisten für Versuche herhalten, gefolgt von Ratten mit 18,5% und Fischen mit 5,2 % Anteil an der Gesamtzahl. Die Verwendung von Mäusen, Ratten, Fischen, Schweinen und Affen zeigte eine deutliche Zunahme im Vergleich zu 2008. Die Zahl der Affen etwa stieg um 28 Tiere auf nun 2.313. Die von vornherein zweckfreie tierexperimentelle Grundlagenforschung ist für rund ein Drittel aller für Versuchszwecke eingesetzten Tiere verantwortlich. Besonders alarmierend nennt die ÄgT den hohen Anteil transgener Tiere, hauptsächlich Mäuse, Ratten und Fische. Diese sind gegenüber dem Vorjahr um über 70.000 auf mehr als 607.000 Tiere gestiegen. Mit der Genmanipulation sind laut Ärzteverein gravierendes Tierleid und eine hohe »Ausschussproduktion« an unerwünschten Tieren verbunden. Die Ärztevereinigung ortet in diesem Bereich eine besonders hohe Dunkelziffer. Bis zu 99 % der Tiere weisen nicht die gewünschten gentechnischen Defekte auf und werden getötet, ohne in der offiziellen Statistik aufzutauchen.

»Seit Jahren ist von der Politik lapidar zu hören, man sei bemüht, Tierversuche zumindest zu reduzieren, die Zahlen jedoch lehren das Gegenteil«, empört sich Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Ärztevereinigung. »Es ist höchste Zeit, dass die Koalitionspartner ihrer Verpflichtung zur stärkeren Förderung tierversuchfreier Methoden endlich nachkommen und die Reißleine ziehen, um nicht weitere Negativ-Rekorde in Sachen Tierleid und verfehlter Wissenschaft zu erzielen«, so Bitz weiter.

Seit 1996 ist von Jahr zu Jahr ein Anstieg der Tierversuchszahlen zu verzeichnen, ohne dass in der Medizin die versprochenen Durchbrüche in der Heilung menschlicher Krankheiten erkennbar wären. Das ist nicht nur Tieren gegenüber verantwortungslos, sondern auch kranken Menschen, denen falsche Hoffungen gemacht werden, kritisiert der Ärzteverein.

Nach Meinung der ÄgT belegen die von der Bundesregierung vorgelegten Rekordzahlen des Tierverbrauchs wieder einmal mehr, dass sich Deutschland mit seiner auf Tierversuchen ausgerichteten, altertümlichen Forschung in einer ethischen und wissenschaftlichen Sackgasse befindet. Der einzig sinnvolle Weg aus dieser fatalen Situation sei ein konsequentes Verbot der Forschung am Tier und somit die Konzentration auf moderne, ethisch vertretbare Technologien, was gleichzeitig auch unserem Zeitalter gerecht werden würde.

Weitere Information

Tierversuchsstatistiken >>
Hintergrundinfos zur EU-Tierversuchsrichtlinie mit Aktion >>


 

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