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Pressearchiv 2010 - 11.05.2010 Arzt protestiert gegen Tiroler Lawinenexperiment an Schweinen


11.05.2010

Arzt protestiert gegen Tiroler Lawinenexperiment an Schweinen:

Austritt aus bergmedizinischer Gesellschaft

Im Januar dieses Jahres ging eine Protestwelle gegen ein Lawinenexperiment der Universitätsklinik für Anästhesie Innsbruck weit über die österreichischen Landesgrenzen hinaus. 29 Schweine sollten im Namen der Wissenschaft bei lebendigem Leib im Tiroler Ötztal im Schnee begraben werden. Zehn Tiere mussten sterben, bevor der Versuch aufgrund der Proteste abgebrochen wurde. Auch Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin waren an den Versuchen beteiligt. Der Stellvertretende Vorsitzende der deutschlandweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche und in Notfallmedizin fachkundige Arzt, Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, kritisiert diese Versuche als wissenschaftlich unsinnig und zieht Konsequenzen.

Nach Angaben der verantwortlichen Experimentatoren sollte mit diesem Versuch die Verschüttung durch Lawinen simuliert werden. Die Ärzte gegen Tierversuche forderten sofort nach Bekanntwerden dessen Stopp. Über einen Zeitraum von zwei Wochen hätten nach dem Willen der Forscher 29 Schweine nach und nach im Schnee vergraben werden sollen, zehn Tiere mussten sterben. Die Tiere wurden narkotisiert, an Messgeräte angeschlossen und schließlich im Schnee verschüttet. Manche Schweine wurden bis zum Kopf eingegraben und starben einen Erfrierungstod. Das Sterben der Tiere kann sich bei solchen Versuchen über viele Stunden erstrecken.

Der Unfallchirurg und Stellvertretende Vorsitzende der Ärztevereinigung, Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, zieht Konsequenzen und teilte der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin seinen Austritt mit. Als Begründung für seine Entscheidung nennt er die Beteiligung von Mitgliedern dieser Gesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin an den »medizinisch unsinnigen und ethisch nicht vertretbaren Lawinenexperimenten an lebenden Schweinen.« Eine offizielle Distanzierung der Gesellschaft von »diesen geradezu perversen Tierversuchen« habe er vermisst.

»Diese Versuche sind irrelevant, um bei Lawinenkatastrophen Menschenleben zu retten«, führt der Arzt weiter aus. Vielmehr sieht er wirklich relevante Forschung darin, sich an der tatsächlichen Situation von menschlichen Lawinenopfern zu orientieren und insbesondere die technischen Möglichkeiten einer schnellen Rettung zu optimieren. Schweine reagieren bei Kälteexposition völlig anders als der Mensch; zudem sind bei der notwendigen Narkose alle körpereigenen Schutzmechanismen gegen die Unterkühlung blockiert. Die Ärztevereinigung fordert eine rein tierversuchsfreie Forschung, die im Gegensatz zum Tierversuch ethisch tragbar ist und zudem gute Wissenschaft darstellt.

Siehe auch Pressemitteilung vom 14. Januar 2010 >>

   

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