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Pressearchiv 2009 - 10.12.2009 REACH fordert erste Tieropfer


10. Dezember 2009

REACH fordert erste Tieropfer:

Ärzte gegen Tierversuche ermahnen Chemikalienbehörde, tierversuchsfreie Methoden nicht zu blockieren

Die Europäische Chemikalienbehörde ECHA* fordert von einem Chemieunternehmen die Durchführung von Tierversuchen, obwohl der Antragsteller dargelegt hatte, dass die Risikoabschätzung seiner Chemikalie ohne Tierversuche möglich ist. Die bundesweit tätige Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert die Forderung der ECHA als »unverantwortlich gegenüber Tier und Mensch«.

Die Chemikalienbehörde ECHA in Helsinki, die für die Durchführung der EU-Chemikalienrichtlinie REACH zuständig ist, hat über den ersten Antrag im Rahmen von REACH entschieden. Der Antragsteller soll demnach zwei Tierstudien vornehmen. Bei der 90-Tage Studie wird etwa 100 Tieren, meist Ratten, die Substanz mehrfach mit einer Schlundsonde in den Magen gefüllt. Zur Prüfung auf Schädigung der Nachkommen müssen mehr als 1000 Tiere, ebenfalls zumeist Ratten, sterben. Dabei wird die Chemikalie trächtigen Ratten verabreicht. Kurz vor der Geburt werden die Rattenmütter getötet, um die ungeborenen Jungen aus dem Leib zu schneiden.

Die Ärztevereinigung zeigt sich entsetzt und enttäuscht über die Entscheidung der ECHA. »Mit der Einforderung dieser Tierversuche hält die Chemikalienbehörde krampfhaft an antiquierten, Jahrzehnte alten Denkmustern fest und ignoriert offensichtlich, dass sich die Entwicklung von tierversuchsfreien Testmethoden enorm fortentwickelt hat«, moniert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärzteverbands.

Nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche sind Giftigkeitsprüfungen am Tier nicht nur äußerst grausam, sondern auch vollkommen ungeeignet, um Mensch und Umwelt vor schädlichen Stoffen zu schützen. Denn manche Testmethoden seien bereits rund 80 Jahre alt, wurden nie auf ihre Wissenschaftlichkeit hin geprüft und würden heute noch unverändert angewandt. »Es ist an der Zeit, dass auch die Behörden erkennen, dass Tierversuche ein Relikt aus uralten Zeiten sind, deren wissenschaftliche Relevanz gleich Null ist«, fordert Bitz.

Das europäische Chemikalientestprogramm REACH ist seit 1. Juni 2007 in Kraft. Es schreibt vor, alle Altchemikalien, das heißt, Stoffe, die vor 1981 auf den Markt kamen, daraufhin zu prüfen, ob sie für Mensch oder Umwelt schädlich sind. Die bundesweit tätige Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert eine moderne Chemikalienpolitik, die sich die große Bandbreite intelligenter tierversuchsfreier Prüfstrategien konsequent zu Nutze macht und vorhandene Daten auswertet, so dass kein Tier für die Testung von Chemikalien herhalten muss.

*ECHA: European Chemicals Agency in Helsinki; für die Durchführung der Chemikalienverordnung REACH zuständige Europäische Chemikalienbehörde

Weitere Infos: 

Über REACH >> 

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