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Pressearchiv 2009


18. Dezember 2009

Skandalöser Lobbyismus auf Kosten der Tiere

Forschungsministerium und EU-Parlament torpedieren Tierschutz

In der letzten Phase der Beratungen zur Neufassung der EU-Tierversuchsrichtlinie werden die Entscheidungsträger massiv von der Pro-Tierversuchs-Lobby beeinflusst. Der ursprüngliche Richtlinien-Entwurf der EU-Kommission, der im November 2008 vorgelegt wurde, war nach Auffassung der bundesweit tätigen Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche nicht gut, enthielt aber zumindest einige akzeptable Ansätze. Das EU-Parlament verschlechterte den Entwurf in erster Lesung im Mai 2009 wesentlich. In den letzten Wochen fanden Trialog-Gespräche zwischen Kommission, Parlament und Ministerrat statt, mit dem Ziel einen Kompromiss zu finden. Bei diesen Verhandlungen wurde der Richtlinienentwurf weiter verwässert.

»Besonders skandalös ist, dass ausgerechnet die »Volksvertreter« nicht die Mehrheitsmeinung des Volkes vertreten, sondern die der Industrie und Grundlagenforschung«, sagt Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche.

Das Parlament wurde bei den Gesprächen durch die Berichterstatterin MEP Elisabeth Jeggle vertreten. In einem Interview behauptet Jeggle, es ginge in der Richtlinie ausschließlich um Versuche im Hinblick auf das Testen von Medikamenten zur Behandlung von Krankheiten wie Demenz, Alzheimer, Multiple Sklerose, Parkinson. »Dies ist völliger Unsinn«, weiß Tierärztin Gericke. »Der größte Teil der tierexperimentellen Forschung geht auf das Konto der zweckfreien, tierexperimentellen Grundlagenforschung.«

Jeggle befürchtet außerdem, die Forschung könne ins Ausland abwandern, wo die Tierschutzstandards noch schlechter sind. Dies empfindet die Ärztevereinigung als Hohn aus dem Mund einer EU-Abgeordneten. »Wer, wenn nicht die EU, kann und muss denn Vorreiter sein? Sollen wir warten, bis im letzten Winkel der Welt, die Tierschutzstandards besser sind als in der EU, damit wir dann endlich unsere Gesetze angleichen können«, erzürnt sich Tierärztin Gericke.

Besonders erschreckend sei laut Ärzte gegen Tierversuche auch der skandalöse Pro-Tierversuchs-Lobbyismus des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Dessen Einflussnahme auf das für die Tierversuchsrichtlinie zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium trägt voll und ganz die Handschrift der Nutznießer von Tierversuchen. So sollen nach dem Willen des Forschungsministeriums selbst die winzigsten Einschränkungen von Tierversuchen aus der Richtlinie gestrichen werden. Sämtliche Experimente an Affen, auch Menschenaffen und geschützten Tierarten, sowie Versuche, die länger anhaltende, schwerwiegende Leiden und Schmerzen bei den Tieren hervorrufen, sollen erlaubt werden, da solche Einschränkungen mit der grundgesetzlich verankerte Forschungsfreiheit nicht zu vereinbaren seien, heißt es von Seiten des Forschungsministeriums.

»Es ist beschämend, dass Bundesministerin Annette Schavan und ihr Ministerium offensichtlich noch nichts davon gehört haben, dass auch der Tierschutz seit 2002 Verfassungsrang hat und die Forschungsfreiheit somit nicht mehr schrankenlos ist«, so Gericke weiter.

Weitere Infos:

Hintergrundinfos zur Tierversuchsrichtlinie >> 




10. Dezember 2009

REACH fordert erste Tieropfer:

Ärzte gegen Tierversuche ermahnen Chemikalienbehörde, tierversuchsfreie Methoden nicht zu blockieren

Die Europäische Chemikalienbehörde ECHA* fordert von einem Chemieunternehmen die Durchführung von Tierversuchen, obwohl der Antragsteller dargelegt hatte, dass die Risikoabschätzung seiner Chemikalie ohne Tierversuche möglich ist. Die bundesweit tätige Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert die Forderung der ECHA als »unverantwortlich gegenüber Tier und Mensch«.

Die Chemikalienbehörde ECHA in Helsinki, die für die Durchführung der EU-Chemikalienrichtlinie REACH zuständig ist, hat über den ersten Antrag im Rahmen von REACH entschieden. Der Antragsteller soll demnach zwei Tierstudien vornehmen. Bei der 90-Tage Studie wird etwa 100 Tieren, meist Ratten, die Substanz mehrfach mit einer Schlundsonde in den Magen gefüllt. Zur Prüfung auf Schädigung der Nachkommen müssen mehr als 1000 Tiere, ebenfalls zumeist Ratten, sterben. Dabei wird die Chemikalie trächtigen Ratten verabreicht. Kurz vor der Geburt werden die Rattenmütter getötet, um die ungeborenen Jungen aus dem Leib zu schneiden.

Die Ärztevereinigung zeigt sich entsetzt und enttäuscht über die Entscheidung der ECHA. »Mit der Einforderung dieser Tierversuche hält die Chemikalienbehörde krampfhaft an antiquierten, Jahrzehnte alten Denkmustern fest und ignoriert offensichtlich, dass sich die Entwicklung von tierversuchsfreien Testmethoden enorm fortentwickelt hat«, moniert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärzteverbands.

Nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche sind Giftigkeitsprüfungen am Tier nicht nur äußerst grausam, sondern auch vollkommen ungeeignet, um Mensch und Umwelt vor schädlichen Stoffen zu schützen. Denn manche Testmethoden seien bereits rund 80 Jahre alt, wurden nie auf ihre Wissenschaftlichkeit hin geprüft und würden heute noch unverändert angewandt. »Es ist an der Zeit, dass auch die Behörden erkennen, dass Tierversuche ein Relikt aus uralten Zeiten sind, deren wissenschaftliche Relevanz gleich Null ist«, fordert Bitz.

Das europäische Chemikalientestprogramm REACH ist seit 1. Juni 2007 in Kraft. Es schreibt vor, alle Altchemikalien, das heißt, Stoffe, die vor 1981 auf den Markt kamen, daraufhin zu prüfen, ob sie für Mensch oder Umwelt schädlich sind. Die bundesweit tätige Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert eine moderne Chemikalienpolitik, die sich die große Bandbreite intelligenter tierversuchsfreier Prüfstrategien konsequent zu Nutze macht und vorhandene Daten auswertet, so dass kein Tier für die Testung von Chemikalien herhalten muss.

*ECHA: European Chemicals Agency in Helsinki; für die Durchführung der Chemikalienverordnung REACH zuständige Europäische Chemikalienbehörde

Weitere Infos: 

Über REACH >> 


08. Dezember 2009

Gemeinsame Pressemitteilung von
Ärzte gegen Tierversuche e.V. und Deutscher Tierschutzbund e.V.

ARD-Magazin Plusminus zeigt grausames Tierleid im Millionengeschäft Botox

Das ARD-Magazin Plusminus zeigt am 8. Dezember Tierversuche, die für das Antifaltenmittel Botulinumtoxin, kurz Botox, durchgeführt werden. Bei den Tests sterben jährlich hunderttausende Tiere. Verdeckt gedrehte Filmaufnahmen aus einem britischen Labor belegen das qualvolle Leiden der Mäuse, die jährlich für die Prüfung von Botox sterben müssen. Der Film wurde erstmals in deutscher Fassung auf der Internetseite des Deutschen Tierschutzbundes und auf dem YouTube-Kanal der Ärzte gegen Tierversuche veröffentlicht. Beide Verbände nehmen im Plusminus-Beitrag Stellung und fordern ein Ende der Versuche.

Neben seinen medizinischen Anwendungsbereichen gilt Botox als »Wunderwaffe gegen Falten« und als »trendy Glattmacher«. Doch zumeist ist nicht bekannt, dass zur Testung jeder einzelnen Produktionseinheit mindestens 100 Mäuse sterben müssen, im Jahr sollen es über 300.000 Mäuse weltweit sein. Der Leidensweg der Tiere beginnt mit anfänglichen Lähmungserscheinungen und endet im Erstickungstod durch Atemstillstand.

Grundsätzlich dürfe laut Tierschutzgesetz ein solch qualvoller Tierversuch nur durchgeführt werden, wenn dies »von hervorragender Bedeutung für wesentliche Bedürfnisse von Mensch oder Tier« sei, kritisiert Dipl. Biol. Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie des Deutschen Tierschutzbundes, der in dem Plusminus-Beitrag Stellung nimmt. »Bei einer kosmetischen Anwendung ist das eindeutig nicht der Fall. Ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.«

»Wir fordern, dass die Botox-Tierversuche unverzüglich durch tierversuchsfreie Testmethoden ersetzt werden«, betont Dr. med. vet. Corina Gericke von Ärzte gegen Tierversuche. »Allein in Deutschland mussten im letzten Jahr 34.000 Mäuse für Botox leiden und sterben. Tendenz steigend.«

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Weitere Infos

Das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus hat den Beitrag »Botox: Die Nachfrage boomt« für Dienstag, den 8. Dezember 2009, eingeplant. Sendezeit 21.50 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen. – Programmänderungen vorbehalten.

Video »Die hässliche Wahrheit über Botox« >>
Weitere Infos über Botox-Tierversuche >>



07. Dezember 2009

Internationaler Tierrechtstag

Traurige Bilanz für Tiere in den Labors

Anlässlich des Internationalen Tierrechtstags am 10. Dezember kritisiert der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche das millionenfache Leid von Tieren in Versuchslabors. Die steigenden Tierversuchszahlen und immer wieder neue abstruse Projektideen auf Kosten der Tiere seien »Ausdruck einer verfehlten Forschung und Wissenschaft«. Die Ärztevereinigung fordert ein sofortiges Ende aller Tierexperimente und stattdessen eine Umkehr in Richtung moderner Methoden ohne Tiere.

Die im Oktober dieses Jahres vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vorgelegte Tierversuchsstatistik bringt Ernüchterndes zu Tage. Im Jahr 2008 mussten insgesamt 2.692.890 Tiere im Namen der Forschung ihr Leben lassen, darunter Mäuse, Vögel, Fische, Kaninchen, Katzen, Hunde, Affen und Tiere anderer Arten. Entgegen aller politischer Versprechungen, steigt die Zahl der Tieropfer von Jahr zu Jahr an.

»Angesichts der immer kränker werdenden Menschen sind die stetig steigenden Tierversuchszahlen Ausdruck einer gänzlich verfehlten Forschung«, moniert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

Anstatt den Irrweg Tierversuch endlich zu verlassen, werden immer neue absurde Projekte erdacht - sogar mit Unterstützung der Politik, kritisieren die Ärzte gegen Tierversuche. Das BMELV – und damit der Steuerzahler - beispielsweise fördert die Züchtung von »friedlichen Schweinen«*, die mit den tierquälerischen Haltungsbedingungen besser klar kommen sollen, um so wirtschaftliche Einbußen zu minimieren. Verhaltensmerkmale von mehr als 16.000 Tieren werden erfasst und die entsprechenden Daten auswertet, um die züchterischen Möglichkeiten auszuloten.

Die Ärztevereinigung sieht die Gefahr, dass zur »Herstellung« von »Nutz«tieren mit den von der industriellen Landwirtschaft gewünschten Eigenschaften auch Tierversuche durchgeführt werden, beispielsweise mittels Manipulation des Erbguts, wie dies im Bereich der medizinischen Forschung üblich ist. Nach Aussage des Vereins werden sogenannte Tiermodelle, die zur Simulation menschlicher Krankheiten herhalten müssen, häufig durch Ein- oder Ausschalten bestimmter Gene hergestellt, um so die gewünschten Merkmale zu erzielen. »Es ist inakzeptabel, dass Tiere, sei es durch reine Zucht oder mittels Tierversuch, an die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Menschen angepasst werden«, kommentiert Bitz.

Die ins Unermessliche laufenden Tierversuchszahlen und die Durchführung solch moralisch verwerflicher Projekte bekräftigen nach Ansicht der Ärztevereinigung die Forderung an die Politik, endlich die Notbremse zu ziehen und einen klaren Zeitplan zum Ausstieg aus der Methode Tierversuch vorzulegen.

Der 10. Dezember wurde erstmals 1998 in England analog zum Tag der Menschenrechte ausgerufen. Seitdem wird dieser Tag weltweit von Tierrechtlern zum Anlass genommen, um all der Tiere zu gedenken, die ihrer Rechte und Würde beraubt wurden und werden.
 
* Bundeslandwirtschaftsministerium fördert Züchtung von friedlichen Schweinen, Pressemitteilung des BMELV vom 05.10.09



27. November 2009

Magdeburg: Ärztevereinigung fordert Stopp der antiquierten Hirnforschung an Affen

Am Magdeburger Leibniz-Institut finden Hirnversuche an Affen statt, die dem gleichen Schema folgen wie bereits in den 1970er Jahren. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert diese Praktik als »außerordentlich quälerisch« und fordert deren Verbot.

Den Magdeburger Affen wird eine besonders große Vorrichtung dauerhaft auf dem Kopf verankert. Das helmartige Konstrukt besteht aus drei Bögen und wird mit sechs durch Haut und Muskel gedrillten Stahlschrauben am Schädelknochen fixiert. Außerdem wird auf dem Schädel ein Metallzylinder über einem zwei Zentimeter großen Bohrloch angebracht, durch den Elektroden in das Hirngewebe eingeführt werden. Für die eigentlichen Experimente wird der Kopf der Tiere mit Hilfe des Halteapparates unbeweglich an einem Gestell angeschraubt. Den Affen werden über einen Lautsprecher Tonfolgen vorgespielt, während mit den Elektroden die Nervenaktivitäten gemessen werden. Die Tiere werden durch Flüssigkeitsentzug zur Kooperation gezwungen. Nur wenn sie tun, was von ihnen verlangt wird, erhalten sie ein paar Tropfen Saft. Wenn sie etwas falsch machen, sowie außerhalb der Experimente, gibt es nichts zu trinken. Manche Affen in Magdeburg müssen diese Torturen mehr als zehn Jahre ertragen. Dies gehe laut Ärzte gegen Tierversuche aus Veröffentlichungen des Leibniz-Instituts hervor.*

In München, Berlin und in der Schweiz wurden vergleichbare Versuche am Affenhirn untersagt, da nach Ansicht der Genehmigungsbehörden das Leid der Tiere höher wog als ein bloß in Aussicht gestellter medizinischer Nutzen. In Bremen dürfen die Affenhirnversuche vorläufig bis zu einem endgültigen Gerichtsurteil fortgeführt werden.

Bei solchen Versuchen reicht normalerweise zur Fixierung des Kopfes der Tiere ein Metallbolzen, der auf den Schädelknochen geschraubt wird. Dies ist nach Ansicht des Vereins zwar ebenso eine Tortur für die Tiere, der Versuchsaufbau in Magdeburg sei jedoch noch eine Steigerung des ohnehin schon hochgradig quälerischen Vorgehens. »Die an sechs Stellen in den Kopf geschraubte Kopfhalterung ist eine zusätzliche, völlig überflüssige und aus rechtlicher Sicht besonders fragwürdige Belastung für die Tiere«, kommentiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung und fordert von der Genehmigungsbehörde, solche Versuche künftig zu verbieten.

Die Ärzte gegen Tierversuche fordern eine moderne Medizin und Wissenschaft ohne Tierversuche, anstatt an antiquierten Methoden festzuhalten, die nach Ansicht des Vereins ethisch verwerflich und medizinisch zum Scheitern verurteilt sind. »Bei Hirnversuchen an Affen geht es um die reine Befriedigung der Forscherneugier«, erläutert Bitz. »Bei Menschen werden so Hoffnungen auf Heilung geweckt, die mit Tierversuchen jedoch niemals erfüllt werden können.«

Der Verein will die Magdeburger Öffentlichkeit mit Informationsblättern über das Leid der Tiere in ihrer Stadt aufklären. Im Jahr 2008 wurden offiziellen Angaben zufolge in Deutschland rund 2,7 Millionen Tiere in Tierversuchen verwendet, davon 2.285 Affen.

Weitere Information:

Tierversuche an Affen >>

Affenversuche in Magdeburg >>

Infoblatt »Tierversuche im Brennpunkt: Magdeburg« als PDF >>

Unter www.datenbank-tierversuche.de findet sich der oben beschriebene Versuch sowie Tausende weitere Experimente an Tieren, die in Deutschland durchgeführt wurden.


Das Bild eines Affen in der Hirnforschung (rechts) stammt aus den 70er Jahren. Seither hat sich in Magdeburg nichts geändert. Affen werden immer noch auf die gleiche Weise gefoltert. Die im Jahr 2008 aus dem Magdeburger Leibniz-Institut veröffentlichte Zeichnung* (rechts) zeigt die Vorrichtung, die Affen dauerhaft auf den Kopf geschraubt wird.

* Michael Brosch, Henning Scheich: Tone-sequence analysis in the auditory cortex of awake macaque monkeys. Experimental Brain Research 2008: 184, 349-361



19. November 2009

Gemeinsame Pressemitteilung von
Ärzte gegen Tierversuche e.V. und Deutscher Tierschutzbund e.V.

Grausame Tierversuche für ein faltenfreies Gesicht – Neuer Undercoverfilm zeigt erstmals die hässliche Wahrheit über Botox

Taumelnde, nach Atem ringende Mäuse und Mäuse-Leichen: Verdeckt gedrehte Filmaufnahmen aus einem britischen Labor, belegen das qualvolle Schicksal von Tausenden von Tieren, die jährlich für die Prüfung von Botulinumtoxin, kurz Botox, sterben müssen. In deutscher Fassung ist der abschreckende und aufklärende Film jetzt erstmals online auf den Seiten der Ärzte gegen Tierversuche, des Deutschen Tierschutzbundes und auf dem Videoportal YouTube zu sehen. Die Verbände fordern ein Ende dieser Versuche.

Neben seinen medizinischen Anwendungsbereichen gilt Botox, als »Wunderwaffe gegen Falten« und als »trendy Glattmacher«. Doch zumeist ist nicht bekannt, dass zur Testung jeder einzelnen Produktionseinheit mindestens 100 Mäuse sterben müssen, im Jahr sollen es über 300.000 Mäuse weltweit sein. Bei Undercover Aufnahmen hat nun die britische Tierschutzorganisation British Union for the Abolition of Vivisection (BUAV) das Leid der Tiere in einem englischen Auftragsforschungslabor festgehalten. Gezeigt werden Mäuse, denen das Botox-Produkt Dysport® der Ipsen Pharma GmbH in die Bauchhöhle injiziert wurde. Die über acht Monate in 2009 heimlich gemachten Aufnahmen dokumentieren den Leidensweg der Tiere, der von anfänglichen Lähmungserscheinungen bis zum Tod durch Atemstillstand geht. Auch die Tötung der überlebenden Tiere nach den Versuchen ist zu sehen, wobei einzelnen Tieren unsachgemäß das Rückgrat gebrochen wird und die Tiere langsam unter Qualen sterben.

Das beliebte Anti-Falten-Mittel Botox, das auch ein potentes Medikament ist, wird von Bakterien gewonnen und ist das stärkste bekannte Gift. Es hemmt die Signale zwischen Nerv und Muskel. Unter die Haut im Gesicht gespritzt lähmt es für etwa zwei bis sechs Monate die Muskeln, das Gesicht erscheint dadurch glatter. »Rund 74.000 Mäuse müssen pro Jahr in dem britischen Labor für die Antifaltenspritze leiden und sterben«, weiß die Veterinärmedizinerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche Dr. Corina Gericke. »In Deutschland waren es im letzten Jahr 34.000 Mäuse. Tendenz steigend.« So wird im Hamburger Labor LPT das Botulinumtoxinprodukt Xeomin® der Frankfurter Firma Merz an Tieren getestet.

Doch noch ein weiterer Aspekt ist den Verbänden ein Dorn im Auge. »Die europäischen Bürger akzeptieren keine Tierversuche für Schönheitsmittel. Gerade dieses Jahr trat ein Tierversuchsverbot für die Prüfung von kosmetischen Inhaltsstoffen in Kraft. Und hier werden nun jährlich Tausende von Tieren gequält, um am Wahn nach ewiger Jugend zu verdienen«, sagt die Fachreferentin für Tierversuche und Alternativmethoden der zum Deutschen Tierschutzbund gehörenden Akademie für Tierschutz, Dr. Irmela Ruhdel. Laut Tierschutzgesetz dürfe ein solch qualvoller Tierversuch nur durchgeführt werden, wenn dies „von außerordentlicher Bedeutung für wesentliche Bedürfnisse von Mensch und Tier ist. »Bei einer kosmetischen Anwendung ist das eindeutig nicht der Fall. Botox-Mittel zur Faltenglättung müssen daher generell verboten werden«“, so Ruhdel weiter Nur so sei es zu vermeiden, dass hier permanent eklatant gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird.

Video »Die hässliche Wahrheit über Botox« >>



01. November 2009


Foto: BUAV

Tiere für Antifaltenspritze zu Tode gequält

Undercover-Aufnahmen zeigen erstmals das Leid der Botox-Mäuse 

Heimlich in einem britischen Tierversuchslabor gemachte Filmaufnahmen bringen erstmals ans Licht der Öffentlichkeit, wie Mäuse für Botox-Produkte zu Tode gequält werden. In Deutschland führt das Hamburger Labor für Pharmakologie und Toxikologie LPT im Auftrag der Firma Merz gleichartige Tierversuche durch. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche fordert den Einsatz tierversuchsfreier Testmethoden anstelle des Mäusetests.

Die britische Tierversuchsgegnerorganisation BUAV führte im Tierversuchslabor Wickham Laboratories, Hampshire, eine Undercover-Recherche durch. Die zwischen Februar und Oktober 2009 heimlich gemachten Aufnahmen dokumentieren, wie Mäuse sich im Todeskampf winden. Den Tieren wurde das Botulinumtoxin Dysport® in die Bauchhöhle injiziert. Das Präparat ist für die Behandlung verschiedener Nerven- und Muskelkrankheiten zugelassen, wird aber großenteils »off-label« für die Gesichtsfaltenglättung verwendet.

Jede Produktionseinheit des als »Botox« bekannten Nervengifts Botulinumtoxin wird an Mäusen getestet. »Rund 74.000 Mäuse müssen pro Jahr in dem britischen Labor für die Antifaltenspritze leiden und sterben«, weiß Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. »In Deutschland waren es im letzten Jahr 34.000 Mäuse. Tendenz steigend.« Im Hamburger Labor LPT wird das Botulinumtoxinprodukt Xeomin® der Frankfurter Firma Merz an Tieren getestet. »Weltweit müssen mindestens 300.000 Mäuse jedes Jahr für Botox-Produkte einen qualvollen Erstickungstod erleiden«, so die Tierärztin weiter.

Die verdeckt gemachten Aufnahmen zeigen Mäuse mit Lähmungen und Atemnot. Anderen Mäusen wird mit einem Kugelschreiber das Genick gebrochen oder sie werden vergast.

Tierversuchsfreie Testmethoden, wie das molekularbiologische Verfahren Snap-25, wurden bereits vor Jahren entwickelt, werden aber nicht eingesetzt. »Skandalös«, sagt Tierärztin Gericke, »die Bundesregierung überlässt es den Herstellerfirmen, ob und wann sie tierversuchsfreie Tests entwickeln und einsetzen«. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche fordert von der Bundesregierung ein Moratorium für Botox-Tierversuche zu erlassen, bis entsprechende tierversuchsfreie Methoden anerkannt sind.

Weitere Informationen:
Undercover-Recherche in Großbritannien >> 
Botox-Tierversuche >>
»Lobby pro Tier Mienenbüttel« (Bürgerinitiative gegen Tierversuche des LPT) >> 

BUAV-Videofilm »Die hässliche Wahrheit über Botox«





25. Oktober 2009

»Opfer einer verfehlten Wissenschaft«

Anstieg bei Tierversuchszahlen

Die heute vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vorgelegte Tierversuchsstatistik für 2008 zeigt einen erneuten Anstieg auf jetzt 2.692.890 Tiere. Das sind 3,2% mehr als im Vorjahr. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet den erneuten Anstieg als »skandalös« und spricht von einer »verfehlten Wissenschaft, der immer mehr Tiere zum Opfer fallen«. Der Verband setzt sich aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen für die Abschaffung aller Tierversuche ein und fordert von der Bundesregierung endlich Taten statt Worte.

Die Tierversuchszahlen steigen seit einem Tiefpunkt im Jahr 1996 von damals 1,5 Millionen Jahr für Jahr kontinuierlich an. Tiere, die am häufigsten für Tierversuche herangezogen werden, waren im Jahr 2008 Mäuse (1.765.416), Ratten (484.990), Vögel (129.318), Fische (111.943) und Kaninchen (98.607). Außerdem wurden 803 Katzen, 4.450 Hunde und 2.285 Affen in Experimenten verwendet. Bei den Hunden, Affen und Ratten ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen, während bei Mäusen, Meerschweinchen, Schafen und Vögeln die Zahlen ansteigen. Ein besonders drastisches Plus gab es bei den Rindern. Im Jahr 2008 wurden 6.288 Rinder in deutschen Labors für Experimente herangezogen, 3.303 mehr als im Vorjahr.

Der Bereich mit dem größten »Verbrauch« an Tieren ist seit Jahren die Grundlagenforschung. Im Jahr 2008 gingen 32% auf das Konto dieser zweckfreien Forschung. Rund 19% der Tiere wurden für die Arzneimittelforschung verwendet, 12,7% für die Qualitätskontrolle von Produkten und 6,3% für Giftigkeitsprüfungen.

Das BMELV will als Reaktion auf die steigenden Zahlen zum wiederholten Male ein »Expertengremium« einberufen, das die Tierversuchszahlen analysieren soll. »Dieses Gremium gibt es bereits seit 2004«, empört sich Dr. med. vet. Corina Gericke. »Herausgekommen ist dabei bislang null Komma nichts«.

»Tierversuche müssen gesetzlich verboten werden, um den Weg frei zu machen für eine moderne, tierversuchsfreie Wissenschaft des 21. Jahrhunderts«, so die Tierärztin weiter. Der Ärzteverband fordert, dass sich die Bundesregierung bei den derzeit anstehenden Verhandlungen zur Überarbeitung der EU-Tierversuchsrichtlinie für ein Verbot zumindest einiger Teilbereiche einsetzt, vor allem ein Verbot von Affenversuchen sowie Experimenten, die mit besonders schweren Schmerzen und Leiden für die Tiere einhergehen. »Die Bundesregierung darf sich nicht zum Handlanger der milliardenschweren Pro-Tierversuchslobby machen, sondern muss JETZT auf EU-Ebene die Weichen stellen für den Anfang vom Ende des Tierversuchs«, fordert Gericke.

Infos zu den Tierversuchszahlen >>
Infos zu der EU-Tierversuchsrichtlinie >> 



14. Oktober 2009

Schweiz: Hirnversuche an Affen endgültig verboten
 

Das Schweizer Bundesgericht hat jetzt entschieden, dass zwei umstrittene Tierversuche mit Affen endgültig verboten bleiben. Die Genehmigung der Hirnexperimente, bei denen Makakenaffen durch Wasserentzug zur Kooperation gezwungen werden, wurden aus ethischen Gründen und mangels praktischen Nutzens abgelehnt. Die Beschwerde der beiden Forscher gegen die Entscheidung wurde jetzt höchstinstanzlich zurückgewiesen. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche spricht von einer »wegweisenden Entscheidung« und sieht darin ein Signal, auch in Deutschland endlich derartige Forschung zu verbieten.

Im November 2006 hat die Tierversuchskommission des Kantons Zürich zwei vom Veterinäramt bewilligte Tierversuchsvorhaben an der Universität und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich angefochten. Die Kommission argumentierte, dass die Belastungen für die Tiere unverhältnismäßig hoch seien, und dass vor allem die Würde der Tiere verletzt werde.

Diese Auffassung wurde im Juni 2008 durch das Verwaltungsgericht bestätigt. In seiner Urteilsbegründung vertrat das Gericht die Ansicht, dass Primatenversuche nur dann erlaubt werden können, wenn sie von Anfang an einen erkennbaren Nutzen aufweisen. Die Forscher legten gegen diesen Entscheid Beschwerde ein und verloren nun erneut und endgültig.

»Diese wegweisende Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts hat Grundsatzcharakter«, freut sich Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche. »Konsequenterweise müssten aufgrund des Urteils sämtliche Primatenversuche in der Grundlagenforschung verboten werden, da diese fern jeglichen erkennbaren Nutzens sind.«

In Deutschland wird Hirnforschung an Affen, bei denen die Tiere durch Wasserentzug zur Kooperation gezwungen werden, noch in Magdeburg, Tübingen, Göttingen und Marburg durchgeführt.* In Berlin, München und Bremen wurden derartige Experimente bereits von den zuständigen Behörden verboten. Während sich in Berlin und München die Forscher der Entscheidung fügten, ist in Bremen ein erbitterter Rechtsstreit ausgebrochen. Experimentator Andreas Kreiter will bis vors Bundesverfassungsgericht ziehen, um seine Hirnforschung fortführen zu können. Dabei werden Makakenaffen in sogenannten Primatenstühlen fixiert. Der Kopf wird stundenlang an einem zuvor auf dem Kopf implantierten Metallbolzen unbeweglich angeschraubt. Die Tiere müssen Hebel drücken oder auf einen Bildschirm starren, während durch ein Loch im Schädel Elektroden in ihr Gehirn eingeführt werden. Für gute Kooperation bekommen die Affen über einen Schlauch im Mund etwas Saft, ansonsten müssen sie dursten.

»Auch außerhalb der Experimente erhalten die Tiere nichts zu trinken und sind dadurch so durstig, dass sie für einen Tropfen Saft alles tun, was man von ihnen verlangt«, erklärt Tierärztin Gericke. »Viele Affen müssen diese Qualen jeden Tag oft jahrelang erdulden.«

Der Ärzteverband startete im Januar 2009 eine Kampagne gegen derartige Affenversuche in Tübingen und erhofft sich durch das Urteil des höchsten Gerichts in der Schweiz ein Signal für die deutschen Genehmigungsbehörden und Gerichte. »Unsere nächsten Verwandten dürfen nicht länger in derart grausamen und nutzlosen Tierversuchen missbraucht werden«, fordert Gericke.

* Quelle: www.datenbank-tierversuche.de  



13. Oktober 2009

3.600 Tiere gerettet

Tierversuchsfreie Lehrmittel für ukrainische Universitäten

Im Rahmen der Kampagne »Tiere retten mit Computern« spendet der Verein Ärzte gegen Tierversuche tierversuchsfreie Lehrmaterialien an osteuropäische Universitäten. Jetzt wurden vier weitere Hochschulen in der Ukraine mit Laptops, Beamern, Software und Lehrfilmen ausgestattet. Mehr als 3.600 Tiere, meist Frösche und Ratten, aber auch Katzen und Kaninchen, werden so jedes Jahr vor einem qualvollen Tod bewahrt.

An medizinischen, veterinärmedizinischen und biologischen Fakultäten werden überall auf der Welt Tiere getötet, um Aufbau und Funktion der Organe zu studieren. Dabei wird altbekanntes Lehrbuchwissen vermittelt. Auch in Deutschland ist dies an den meisten Universitäten immer noch üblich. Tierversuchsfreie Lehrmittel wie Computersimulationen stehen in großer Anzahl zur Verfügung, werden aber kaum eingesetzt. In Ländern der ehemaligen UdSSR steht man diesen modernen Lehrmethoden sehr aufgeschlossen gegenüber.

»Während es vielen deutschen Hochschullehrern am Willen zur Reform fehlt, mangelt es in Russland und der Ukraine vor allem an Information und Finanzmitteln«, erklärt Dr. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche.

Der Verband hat in den vergangenen zwei Jahren bereits vier ukrainische Universitäten bei der Umstellung auf ein tierversuchsfreies Studium unterstützt. Rund 1.650 Tiere werden so jedes Jahr nicht mehr zu Tode gequält. Die vier neuen Fakultäten in Odessa, Simferopol und Dnipropetrowsk hatten einen besonders hohen »Tierverbrauch«. An zusammen mehr als 3.600 Tieren wurden zum Teil besonders qualvolle Experimente durchgeführt. Nervenreizung am offenen Gehirn der Katze, Auswirkung der Entfernung der Hirnanhangsdrüse beim Frosch oder Auslösen eines Unterzuckerungskomas bei der Ratte sind nur einige Beispiele der Palette der seit Jahrzehnten an diesen Unis Jahr für Jahr durchgeführten Tierversuche. Dank der Spende der Ärzte gegen Tierversuche ist damit jetzt Schluss.

Dr. Corina Gericke kennt die Hauptprobleme im Osten: »Viele Dozenten wissen überhaupt nichts von den Möglichkeiten der humanen Lehrmethoden, sind aber völlig begeistert, wenn man sie ihnen zeigt.« Um diesem Informationsdefizit abzuhelfen, finanzierte die Ärztevereinigung die Produktion eines Videofilms über die Erfolge bei der Umstellung auf ein tierfreundliches Studium in Russland und der Ukraine. Der Film wurde von der russischen Tierrechtsorganisation VITA und dem Internationalen Netzwerk für humane Ausbildung InterNICHE produziert und steht kurz vor der Fertigstellung. Er soll an mindestens 500 Universitäten in Russland, Weißrussland und der Ukraine verschickt werden.

Der Ärzteverband hat zudem damit begonnen, qualitativ hochwertige deutsche Lehrfilme des Instituts für den Wissenschaftlichen Film (IWF), Göttingen, russisch zu synchronisieren. So soll die Akzeptanz für moderne Lehrmittel in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion erhöht werden, denn die allermeisten Filme und Computerprogramme sind englischsprachig und daher nur bedingt einsetzbar.

Durch Bereitstellen der Ausrüstung zum Ersatz von Tierversuchen im Studium in der Ukraine will der Ärzteverband jedoch nicht nur Tierleben retten. »Das Projekt soll auch ein Signal an Hochschullehrer in Deutschland sein, endlich die Zeichen der Zeit zu erkennen und auf eine moderne Unterrichtsgestaltung ohne Tierleid umzustellen«, fordert Tierärztin Gericke.

Weitere Informationen:

3.600 Tiere an 4 Unis gerettet  >>
Lehrfilme russisch synchronisiert  >>
Werbung für ein tierversuchsfreies Studium >> 



29. September 2009

Welttierschutztag: Deutschland in Sachen Tierversuche im Rückstand

Anlässlich des Welttierschutztages kritisiert die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die Untätigkeit der Politik, bei der praktischen Umsetzung und Einhaltung von Verbesserungen im Sinne des Tierschutzes. Im Vergleich zu anderen Ländern hat Deutschland Nachholbedarf, wenn es nicht als rückständig hinterherhinken will.

In Schweden und Finnland beispielsweise herrscht nach Aussage des Vereins Ärzte gegen Tierversuche deutlich mehr Transparenz, was die Genehmigung von Tierversuchsanträgen betrifft. Dort erhält jeder Bürger Einblick in die Anträge. »Bei uns in Deutschland sind die Vorhaben der Experimentatoren streng geheim, paradoxerweise werden dem Steuerzahler aber die Kosten für die abwegigsten Tierversuche aufgebrummt«, bemängelt Diplom-Biologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. 

Kritikwürdig ist laut dem Verein auch die Tatsache, dass die Politik hierzulande sich dem Einfluss der vom Tierversuch profitierenden Kreise unterwirft und sich gegen ein Verbot von Versuchen selbst an Menschenaffen sträubt. Auch der Mensch zählt evolutionsbiologisch zu den Menschenaffen. Es ist aus Sicht der Ärztevereinigung erschreckend, dass Versuche an den nächsten Verwandten des Menschen ohne Skrupel von manchen Kreisen befürwortet werden. Sollte ein Verbot, das ohnehin nur als Minimalforderung gelten kann, im Rahmen der derzeit laufenden Neugestaltung der Tierversuchsrichtlinie 86/609/EWG beschlossen werden, müsste sich Deutschland fügen. Andere Länder wie Neuseeland, Großbritannien, die Niederlande, Österreich und Schweden haben bereits seit Jahren Versuche an Menschenaffen verboten.

»Die chronische Untätigkeit unserer Politiker, denen das Leid der Tiere und der Wunsch der Bürger nach effektivem Tier- und Menschenschutz egal zu sein scheint, ist nicht hinnehmbar«, moniert Bitz. Nach Auffassung der Ärztevereinigung spricht die Bevölkerung eine deutliche Sprache hinsichtlich ihrer Erwartung von der Politik. In einer im Frühjahr 2009 vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführten Umfrage forderten 79 % ein gesetzliches Verbot aller Tierversuche ohne konkreten medizinischen Bezug. 84 % der Befragten sind für die Abschaffung aller Experimente, die mit schwerem Leid für die Tiere einhergehen, unabhängig von der Tierart. 80 % treten für eine Veröffentlichung von Informationen über die durchgeführten Tierversuche ein.

Die aktuelle Novellierung der EU-Tierversuchsrichtlinie bietet die Chance für die Politik, Absichtserklärungen zum Tierschutz in die Tat umzusetzen und als Volksvertreter dem Wunsch der Wähler und Bürger zu entsprechen, anstatt sich von einflussreichen Tiernutzerlobbyisten leiten zu lassen, fordert der Ärzteverband.

Der Welttierschutztag geht auf den Heiligen Franziskus von Assisi zurück, der das Tier als lebendiges Geschöpf Gottes und als Bruder des Menschen ansah. Auch den kleinsten Wurm betrachtete er als gottgewollt und schützenswert. Zwei Jahre nach seinem Tod am 3. Oktober 1226 wurde er am 4. Oktober 1228 heilig gesprochen. An diesem Tag weisen jedes Jahr weltweit Tierschützer auf die Leiden der Tiere hin.

Weitere Informationen: 

Umfrage zu Tierversuchen in sechs europäischen Ländern >>

Novellierung der Tierversuchsrichtlinie 86/609/EWG >>



16.09.2009

Neues Boehringer Labor in Hannover

Pharmaprofit auf Kosten sogenannter Nutztiere


Am 17. September will der Stadtrat in Hannover den Bebauungsplan für das neue Forschungszentrum für »Nutz«tierimpfstoffe des Pharmariesen Boehringer Ingelheim endgültig beschließen. Baubeginn soll noch dieses Jahr sein. Die Ärzte gegen Tierversuche appellierten im Vorfeld an die Entscheidungsträger, diesem Projekt nicht zuzustimmen und stattdessen auf sinnvolle Forschung ohne Tierversuche zu setzen.

Jährlich sollen rund 2.000 Schweine und voraussichtlich auch Rinder in einem neuen Labor des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim mitten in einem Wohngebiet in Hannover für die Erforschung neuer Impfstoffe für sogenannte Nutztiere herhalten. Die Ärztevereinigung kritisiert, dass hiermit ausschließlich das Ziel verfolgt wird, hohe Gewinne durch neue Pharmaprodukte einzufahren und die Tiere künstlich an die ohnehin schon quälerischen Bedingungen in Massentierhaltungsanlagen anzupassen. Die Produktion von »Billigfleisch« soll damit noch lukrativer gemacht werden, so der Verein. »Es ist ein Armutszeugnis für unsere Politik und Gesellschaft, von fühlenden Lebewesen als »Nutz«tiere zu sprechen und deren Leid für Konsumzwecke billigend in Kauf zu nehmen«, moniert Diplom-Biologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. „Dass nun wieder einmal ein Tierversuchslabor zum reinen Kommerz gebaut wird, zeigt zudem deutlich, wie weit wir noch von einer Wissenschaft entfernt sind, die auf ethischen und wissenschaftlich sinnvollen Werten basiert, und von einer Politik, die ihre Verpflichtung zum Schutz der Tiere überhaupt nicht ernst nimmt“, so Bitz weiter.

Die Ärztevereinigung warnt zudem vor der Gefahr für die Menschen. Wie vergangene Fälle, zum Beispiel bei der Maul- und Klauenseuche im Jahr 2007 in England, gezeigt haben, ist die Freisetzung von Krankheitserregern aus dem Labor nicht ausgeschlossen, verbunden mit einem nicht kalkulierbaren Risiko für Mensch und Umwelt. Hier hatte sich herausgestellt, dass das in infizierten Tieren gefundene Virus aus einem benachbarten Labor stammte. Die Lage des neuen Boehringer-Labors in einem Wohngebiet von Hannover beurteilt die Ärztevereinigung daher als prekär. Allerdings sei ein Tierversuchslabor grundsätzlich an keinem Standort zu dulden, da unvereinbar mit Ethik und guter Wissenschaft.

Mit Briefen an den Hannoveraner Oberbürgermeister Stephan Weil und den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff sowie Aktionen vor Ort, protestieren die Ärzte gegen Tierversuche und zahlreiche andere Tierrechtsgruppen sowie eine Bürgerinitiative seit Monaten massiv gegen den Neubau des Tierversuchslabors. Zeitweilig war das Baugelände von Tierrechtsaktivisten besetzt worden.

Tierversuche tragen nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche nachweislich weder zum medizinischen Fortschritt bei, noch werden Tierimpfstoffe zum Nutzen der Tiere selbst benötigt. Anstatt der rein profitorientierten Pharma- und „Nutz“tierlobby immer wieder Tür und Tor für weitere Aktivitäten auf Kosten der Tiere und der Menschen zu öffnen, fordert die Ärztevereinigung die Entscheidungsträger auf, diesem Geschäftsgebaren endlich die Stirn zu bieten und sich klar zu einer tierversuchsfreien Forschung zu bekennen. Zudem müsse die Intensivtierhaltung zum Wohle von Mensch und Tier abgeschafft werden. Diese sei gleichzeitig der mit Abstand effektivste Beitrag zum Klimaschutz.

Weitere Informationen
Stellungnahme der Ärzte gegen Tierversuche >>



18. September 2009

Stammzellen aus abgesaugtem Fett

Fortschritt ohne Tierversuche auch in der Grundlagenforschung

Amerikanischen Forschern ist es gelungen, aus abgesaugtem Fett von Schönheitsoperationen Stammzellen zu gewinnen. Damit sollen kaputte Organe von Patienten repariert werden. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche begrüßt, dass die Forscher dabei vollständig ohne Tierversuche auskamen.

Die Verwendung von adulten Stammzellen ist im Gegensatz zu denen aus zerkleinerten Embryonen ethisch unbedenklich. Adulte Stammzellen haben die Fähigkeit, sich in begrenztem Umfang in andere Gewebe umzuwandeln und damit geschädigtes Gewebe zu ersetzen. Die Umwandlung kann durch die Umgebung der Zellen beeinflusst werden. Wegen der noch sehr unzureichend geklärten Mechanismen sucht die Grundlagenforschung nicht nur nach Möglichkeiten der Umwandlungskontrolle, sondern auch nach Quellen. Eine davon, die grundsätzlich ohne die Manipulation von Tieren auskommt, haben Forscher um Professur Joseph Wu von der kalifornischen Stanford-Universität in der September-Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift PNAS vorgestellt. Ihnen gelang es, aus abgesaugtem Körperfett von Schönheitsoperationen menschliche Stammzellen ohne die bisher für unverzichtbar gehaltene, gleichzeitige Verwendung von Mäusezellen zu gewinnen. Diese Stammzellen aus Fettgewebe können z. B. in Knochen oder Muskelzellen umgewandelt werden. „Die damit gewonnenen adulten Stammzellen stellen eine ethisch unbedenkliche Quelle für die Klärung grundlegender wissenschaftlicher Fragen dar, mit dem Ziel kaputte Organe bei menschlichen Patienten reparieren zu können, ohne dass Tieren dafür Leid und Qual zugefügt wird,“ erklärt Dr. med. Wolfgang Wegert von Ärzte gegen Tierversuche.

Im Jahr 2004 erregten Düsseldorfer Herzspezialisten erstmals mit dem erfolgreichen Einsatz bei Infarktpatienten - ohne vorhergehende Tierversuche - Aufsehen in der Öffentlichkeit und der Fachwelt. Dabei werden Stammzellen aus dem Knochenmark des Patienten in das geschädigte Herz gespritzt. Das Verfahren wurde seither weiterentwickelt und ist heute bei entsprechend spezialisierten Ärzten der Düsseldorfer Universitätsklinik eine etablierte Maßnahme.

Quellen: Sun N et al.: Feeder-free derivation of induced pluripotent stem cells from adult human adipose stem cells. PNAS, 2009, 106(37), 15720-15725
Blech, Jörg: Experimente am Herzen. Der Spiegel 20/2004; S. 142-44




27. August 2009

Zahl der Tieropfer für Chemikalientest erhöht sich auf 54 Millionen

Eine soeben vorgelegte Neuberechnung* für die EU-Chemikalienverordnung REACH ergibt, dass mindestens 54 Millionen Tiere für die Testung von Altchemikalien sterben müssen, wesentlich mehr als angenommen. Ursprüngliche Schätzungen gingen von 10 bis zu 45 Millionen Tieren aus. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert von der Politik die Reißleine zu ziehen und nicht 54 Millionen Tiere einen sinnlosen Tod sterben zu lassen.

Nach aktueller Sachlage sollen statt der ursprünglich angenommenen 30.000 Substanzen mindestens 68.000 Chemikalien getestet werden. Mindestens 54 Millionen Tiere müssen dafür ihr Leben lassen. Diese Zahl könnte sich im schlimmsten Fall um ein Vielfaches erhöhen, wenn tatsächlich alle Stoffe in allen vorgesehenen Tierversuchen getestet werden würden. Die Kosten für REACH belaufen sich auf fast zehn Milliarden Euro. Bei den bisherigen Schätzungen der Tierzahlen infolge der Umsetzung von REACH wurden Faktoren wie die EU-Erweiterung und die wachsende chemische Industrie nicht berücksichtigt.

Pro Jahr werden in der EU rund 12 Millionen Tiere in Versuchen eingesetzt. Schon die allein für REACH ursprünglich maximal 45 Millionen veranschlagten »Versuchs«tiere sind nach Ansicht der Ärztevereinigung ein nicht zu verantwortbares Ausmaß an zusätzlichen Tierversuchen. Die nun vorgelegten Berechnungen würden alles Vorstellbare sprengen.

Die Autoren der noch unveröffentlichten Studie, auf die sich der Artikel in der Fachzeitschrift Nature bezieht, halten REACH wegen der ungeheuren Anzahl Tiertests für undurchführbar. Die Kapazitäten der EU würden dafür gar nicht ausreichen. Wenigstens die Zwei-Generationen-Studie, die besonders hohe Tierzahlen kostet, könnte auf die Hälfte reduziert werden, indem die Substanzen statt in zwei nur in einer Tiergeneration getestet würde. Mit dem Beginn der Tierversuche ist nicht vor Dezember 2010 zu rechnen.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche stellt die gesamte Vorgehensweise bei REACH in Frage. Eine wirklich sinnvolle Abschätzung von Gefahren durch Chemikalien könne nur durch Verfahren erfolgen, die u.a. berücksichtigen, inwiefern ein Mensch einer Chemikalie tatsächlich ausgesetzt ist und oder indem menschliche Vergiftungsfälle ausgewertet werden. Bei REACH jedoch wird anhand der produzierten Jahresmenge einer Chemikalie festgelegt, welche Sicherheitsprüfungen verlangt werden. Dies ist nach Einschätzung der Ärztevereinigung unsinnig, da die Menge einer Substanz nichts über deren Gefährlichkeit aussagt. So könne eine winzige Menge einer wenig produzierten Chemikalie viel giftiger sein als eine größere Menge einer massenweise produzierten Substanz.

Die Ärztevereinigung kritisiert auch, dass bei REACH auf althergebrachten Methoden beharrt wird, wie zum Beispiel dem Draize-Test aus den 1930er Jahren, der schon seit 40 Jahren wegen seiner extremen Schwankungen in Wissenschaftskreisen kritisiert wird. »Durch Tierversuche werden Chemikalien keinen Deut sicherer« erläutert Diplom-Biologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. »Im Gegenteil, dem Verbraucher wird eine Sicherheit vorgespielt, die nicht vorhanden ist, da schon verschiedene Tierarten ganz anders auf eine Substanz reagieren. Die Übertragung auf den Menschen ist daher unverantwortlich«, so Bitz weiter.

Der Verein begrüßt, dass die Chemikalienverordnung vorsieht, zunächst alle vorhandenen Daten auszuwerten und erst dann Tierversuche durchzuführen. Dennoch fordern die Ärzte gegen Tierversuche ein REACH, das gänzlich ohne Tierversuche vorgeht. Nur eine moderne Chemikalienpolitik, die tierversuchsfreie Prüfstrategien konsequent nutzt, kann zuverlässige Ergebnisse liefern. Das Festhalten an überalterten Denkmustern, nach denen ein sturer Katalog an Tierversuchen abgearbeitet wird, bietet nach Aussage der Ärztevereinigung nachweislich keine Sicherheit für den Verbraucher.

* Chemical-safety costs uncertain, nature, 26.08.2009 >>



13. August 2009

Schweinegrippe: Weltgesundheitsorganisation als Handlanger der Pharmalobby


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entschied kürzlich über die Impfstrategie im Fall der Schweinegrippe. Schwangere und chronisch kranke Kleinkinder sollen als erste Testpersonen für neue Impfstoffe herhalten, obwohl deren Wirkung noch unbekannt ist. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert dies als verantwortungslos.

»Die Entscheidungen der WHO werden von der Pharmalobby massiv beeinflusst« erläutert Diplom-Biologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche und verweist auf die Teilnehmerliste einer Sitzung der WHO (1), in der über die weitere Impfstrategie beraten wurde und Vertreter von Pharmafirmen und -dachverbänden in großer Zahl vertreten waren. Dass der WHO recht wenig am Gesundheitsschutz ihrer Schutzbefohlenen liegt, sondern die reine Vermarktung im Vordergrund steht, zeigt nach Aussage der Ärztevereinigung auch die Empfehlung, die die WHO für die Erprobung neuer Impfstoffe gibt: »Da neue Technologien bei der Produktion von einigen Impfstoffen zur Anwendung kommen, die bisher nicht umfassend hinsichtlich ihrer Sicherheit für bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgewertet wurden, ist die bestmögliche Beobachtung nach der Vermarktung wichtig.« (2) Trotz der völlig unklaren Wirkweise des Impfstoffes, sollen vorrangig Schwangere und Kinder mit chronischen Erkrankungen als Testpersonen dienen. (2) An der Uni Mainz werden ebenfalls Probanden für die Schweinegrippeforschung gesucht – Ausgang ungewiss. »Offensichtlich haben Katastrophen wie Contergan noch nicht genug Opfer gefordert, als dass die Entscheidungsträger daraus verantwortungsvoll Konsequenzen ziehen würden«, kritisiert Bitz.

Nach Ansicht der Ärztevereinigung sollte der Verbraucher darauf vertrauen können, dass für die Gesundheitsbehörde der Schutz der Weltbevölkerung vor Erkrankungen oberste Priorität hat. Doch in Wirklichkeit führt die WHO eine Vermarktungskampagne für zweifelhafte Pharmaprodukte durch. Die WHO hat für die Schweinegrippe die höchste Pandemiestufe ausgerufen, musste zuvor aber eigens ihre Pandemiedefinition ändern, da die Schweinegrippe die Kriterien für eine Weltbedrohung nicht erfüllt. Demnach muss es sich nun nicht mehr um eine Krankheit mit hoher Sterberate handeln. Die weltweite Hysterie werde damit künstlich geschürt, heißt es von Seiten der Ärzte gegen Tierversuche.

Wie bei jeder »neuen« Krankheit werden auch zur Erforschung der Schweinegrippe zahlreiche Tierversuche durchgeführt. Die Chancen, sich mit Modeforschung in Fachzeitschriften zu profilieren und sich an geöffneten Geldquellen zu bedienen, sind enorm, der Nutzen für die ernsthafte Seuchenlehre fehlt. So müssen u.a. Schweine, Hühner, Mäuse, Frettchen und Makakenaffen im Labor sinnlos leiden und sterben, mitfinanziert vom deutschen Steuerzahler. Allein für die Entwicklung eines Nasensprays gegen die Schweinegrippe an der Uni Münster, das zwar in Tierversuchen funktioniert, dessen Wirkung beim Menschen aber in den Sternen steht, wurden 30 Millionen Euro aus der Staatskasse bereit gestellt. (3)

Politik und Behörden funktionieren vorbildlich als Erfüllungsgehilfen der rein profitorientierten Pharmaindustrie. Die Rechnung zahlen Menschen, die zur Einnahme unsicherer und überflüssiger Arzneien oder Impfstoffe getrieben werden, und die Tiere, die für unsinnige Tierversuche geopfert werden, kritisieren die Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein fordert eine umgehende Wende zugunsten einer innovativen Forschung, die wirklich relevante Ergebnisse bringt und nicht den möglichen Tod von Menschen und Tieren billigend in Kauf nimmt. Allem voran müssen die Ursachen der Krankheitsentstehung und -ausbreitung beseitigt werden, woran im Falle von Seuchen die sogenannte Intensivtierhaltung und Tiertransporte quer über den Globus einen großen Anteil haben. Gegen die Schweingrippe hilft außerdem vor allem gründliches Händewaschen. Doch damit lässt sich natürlich kein Geld machen.

Weitere Information >>

(1) WHO Extraordinary Strategic Advisory Group of Experts on Immunization (SAGE) meeting on Influenza A (H1N1) vaccines, 7. Juli 2009, Genf

(2) WHO recommendations on pandemic (H1N1) 2009 vaccines, Pandemic (H1N1) 2009 briefing note 2

(3) Nasenspray gegen die Schweinegrippe, Braunschweiger Zeitung, 08.08.2009



31. Juli 2009

30 Jahre Engagement für eine Medizin ohne Tierversuche:

Ärzte gegen Tierversuche fordern Kehrtwende zu guter Wissenschaft

Seit nunmehr 30 Jahren setzen sich die Forscher und Wissenschaftler der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche für eine innovative und gute Wissenschaft und Medizin für den Menschen ein, die nach Aussage des Vereins schon rein methodisch nur ohne Tierversuche funktionieren kann.

Obwohl auch heute noch in vielen Bereichen krampfhaft am unzuverlässigen und unethischen Tierversuch festgehalten wird, hat sich seit Gründung der Ärzte gegen Tierversuche im Jahr 1979 viel geändert. Die Zahl der Tiere, die in Deutschland jährlich im Labor zu Tode kommen, ist von anfänglich schätzungsweise sieben bis 14 Millionen auf rund 2,6 Millionen im Jahr 2007 gesunken. Der Tiefstand von 1,5 Millionen Tieren Mitte der 1990er Jahre ist auf den verstärkten Einsatz tierversuchsfreier Methoden insbesondere im Bereich gesetzlicher Prüfvorschriften zurückzuführen.

Dr. med. Werner Autenrieth, Neurologe und Vorsitzender der Ärztevereinigung, kommentiert dies als klaren Beweis dafür, dass gerade im Bereich der Sicherheitsprüfung von Stoffen sehr gut auf Tierversuche verzichtet werden kann und tierversuchsfreie Methoden die bessere Wahl sind. Die insgesamt immer weiter fortschreitende Entwicklung und zunehmende Anwendung tierversuchsfreier Testmethoden sind das Ergebnis des unermüdlichen Einsatzes zahlreicher Tierrechts- und Tierversuchsgegnerorganisationen, wie die Ärzte gegen Tierversuche.

Die hingegen seit Jahren im Bereich der Grundlagenforschung steigenden Tierversuchszahlen werden durch einen Modetrend verursacht, bei dem Ratten, Mäuse und andere Tiere genmanipuliert werden. Dabei gibt es in diesem Bereich eine besonders hohe Dunkelziffer. Mehr als 90 Prozent der so »produzierten« Tiere entsprechen nicht dem Forscherwunsch und landen im Abfall, ohne dass sie in der Statistik auftauchen. Der Ärzteverband prangert Tierversuche zudem als wissenschaftlich unsinnig an. »Die Forschung an Tieren, bei der durch Genmanipulation zum Beispiel Symptome von Alzheimer oder Parkinson nachgeahmt werden sollen, haben in Wirklichkeit keinerlei klinische Relevanz«, weiß der Neurologe.

Die Gründung der Ärzte gegen Tierversuche geht auf das inzwischen verstorbene Ärztepaar Margot und Herbert Stiller aus Hannover zurück. Für die beiden Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie war die mangelnde Übertragbarkeit von Tierversuchsergebnissen auf die Situation beim Menschen ausschlaggebend.

Bis heute liegt der Schwerpunkt der Ärzte gegen Tierversuche in der wissenschaftlich fundierten Argumentation gegen Tierversuche, die im Rahmen ihrer politischen und Kampagnenarbeit Eingang findet. So betreibt der Verein seit 1995 eine Internet-Datenbank, in der mehr als 3.800 in Deutschland durchgeführte Tierversuche dokumentiert sind. Im Jahr 2007 startete die Ärztevereinigung eine Kampagne für die Abschaffung der »Botox-Tierversuche«, bei denen Mäuse für die Schönheitsideale der Menschen einen qualvollen Erstickungstod sterben. Seit diesem Jahr kämpft der Verein mit der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« für ein Ende der Hirnversuche an Affen in Baden-Württemberg, wie sie in anderen Bundesländern bereits verboten sind.

Die Ärzte gegen Tierversuche zählen mehrere Hundert Ärzte, Tierärzte sowie im medizinischen Bereich tätige Naturwissenschaftler und Psychologen. Seit wenigen Wochen können Bürger bei der Ärztevereinigung Fördermitglied werden und die wertvolle Arbeit zugunsten einer humanen Medizin unterstützen.



29. Juli 2009

Ukraine: Tiermedizinstudentinnen sezieren Hund in der Küche

Ärzteverband propagiert tierversuchsfreie Lehrmethoden als Erziehung zur Menschlichkeit

Zwei Tiermedizinstudentinnen aus Kiew filmten sich selbst, wie sie einen Hund auf dem Fußboden der heimischen Wohnung als angebliche »Hausaufgabe« sezierten und setzten die Aufnahmen ins Internet. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche, engagiert sich seit Jahren für den Einsatz tierversuchsfreier Lehrmethoden, nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch als Erziehung zur Menschlichkeit. 

Studentin Anna D. von der Veterinärmedizinischen Fakultät des Nationalen Instituts für Biologische Ressourcen und Alisa K. vom Institut für Internationale Beziehungen in Kiew riefen einen Aufschrei des Entsetzens innerhalb einer breiten Internetgemeinde hervor, als sie ein Video und Fotos von der Sektion eines Hundes in ihren Internetblog stellten. Die Aufnahmen, die inzwischen aus dem Netz entfernt wurden, zeigten, wie sich die angehenden Tierärztinnen über das tote Tier lustig machten. Die 18- und 19-Jahre alten Studentinnen waren sich keiner Schuld bewusst. Sie hätten das Video aus Spaß gedreht. 

Wie die Nachrichtenseite Russiatoday.com berichtete, hätten die jungen Frauen am Morgen beobachtet, wie ein Straßenhund von einem Auto angefahren worden sei. Sie hätten den ganzen Tag gewartet, bis er seinen Verletzungen erlegen sei und ihn dann in Alisas Wohnung gebracht, um ihn auf dem Küchenfußboden zu sezieren.

»Wie herzlos müssen Menschen, noch dazu Tiermedizinstudentinnen, sein, einem verletzten Tier beim Sterben zuzusehen, ohne ihm zu helfen, nur, um es dann aus Spaß aufzuscheiden«, kommentiert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche, das Geschehen. 

In ihrem Blog beschreibt Studentin Alisa zudem, wie sie und Anna eine Maus betäubt und lebendig gehäutet hätten. Dann schnitten sie dem Tier den Darm heraus und machten Fotos als »Andenken«. 

Gericke nennt als mögliche Ursache für eine solch mangelnde Empathie gegenüber Tieren die verpflichtende Teilnahme an Tierversuchen in der studentischen Ausbildung und spricht von einem »Abstumpfungsprozess im Studium«. In Deutschland verzichtet heute zwar rund die Hälfte der humanmedizinischen Fakultäten auf diesen sogenannten »Tierverbrauch«, aber in vielen medizinischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen werden die Studenten immer noch gezwungen, an Praktikumsübungen teilzunehmen, für die Frösche, Ratten, Mäuse oder andere Tiere getötet wurden. Wer nicht mitmacht, muss laut Ärzte gegen Tierversuche sein Studium aufgeben.

Die Ärztevereinigung propagiert seit Jahren den Einsatz ethisch vertretbarer Unterrichtsmittel. »Moderne, interaktive Computersimulationen und Modelle veranschaulichen Körperbau und -funktionen, ohne dass dafür Tiere leiden müssen«, erläutert Tierärztin Gericke. Der Ärzteverband unterstützt Hochschullehrer in Osteuropa, die von Tierversuchen auf tierversuchsfreie Lehrmethoden umsteigen wollen. Das Projekt wurde bislang an vier ukrainischen Universitäten durchgeführt und rettet jedes Jahr mehr als 1.600 Tieren das Leben, darunter Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Frösche. 

Quelle:
Blodlust or eagermess to learn, Russiatoday, 27.07.2009 

Weitere Informationen:
Infos zum Osteuropa-Projekt der Ärzte gegen Tierversuche e.V. >>
Infos zum »Tierverbrauch« im Studium >>
Studentische Arbeitsgruppe gegen Tiermissbrauch im Studium - SATIS >>
Internationales Netzwerk für Humane Ausbildung - InterNICHE >>



14. Juli 2009

Neues Antifaltenmittel Azzalure kostet Tausenden Mäusen das Leben

Ärzte gegen Tierversuche protestieren gegen Tierversuche für Botox-Produkte

Mit Azzalure der Firma Galderma kommt ein weiteres, Botox-ähnliches Antifaltenmittel auf den deutschen Markt. Wie Botox basiert das Präparat auf dem Nervengift Botulinumtoxin, das durch Muskellähmung Falten glättet. Laut der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche müssen für Azzalure Tausende Mäuse sterben. Der Verein fordert den Einsatz von tierversuchsfreien Testmethoden und ruft zu öffentlichen Protesten auf.

Das Pharmaunternehmen Galderma, eine Tochtergesellschaft von L’Oreal und Nestlé, steigt mit Azzalure in den lukrativen Botox-Markt ein. Produkte aus dem Nervengift Botulinumtoxin werden für medizinische, zunehmend aber für ästhetische Zwecke verwendet. Azzalure, das ausschließlich für kosmetische Anwendungen konzipiert ist, wurde im vergangenen Monat in Deutschland für die Behandlung der Zornesfalte zwischen den Augenbrauen zugelassen.

Für jede Produktionseinheit werden sogenannte LD50-Tests an Mäusen durchgeführt, d.h. die Substanz wird Gruppen von Mäusen in verschiedenen Dosierungen in die Bauchhöhle gespritzt. Es wird die Dosis ermittelt, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. Die Mäuse leiden unter Krämpfen und Lähmungen und sterben nach tagelangem Todeskampf an Atemnot. »In den ersten fünf Jahren nach einer Neuzulassung werden besonders viele dieser extrem grausamen Tierversuche gemacht, um die Stabilität des Herstellungsprozesses zu überprüfen«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. »Zusätzlich wird jede Produktionseinheit an Mäusen getestet, d.h., je mehr Botulinumtoxinprodukte verkauft werden, desto mehr Tiere müssen leiden und sterben«, so Gericke weiter.

Tierversuchsfreie Testmethoden, z.B. auf molekularbiologischer Basis, sind laut Ärzte gegen Tierversuche gesetzlich erlaubt und müssten nach Maßgabe des deutschen Tierschutzgesetzes und EU-Vorschriften angewandt werden. In Großbritannien ist dies bereits der Fall. »Die deutschen Politiker überlassen es jedoch den Herstellern, ob und wann sie auf die humanen Methoden umsteigen«, sagt die Tierärztin. Der Ärzteverein protestiert bereits seit Jahren gegen Botox-Tierversuche anderer Hersteller. Die Kampagne wird nun auf Galderma und Azzalure ausgeweitet.
Hintergrundinformationen und Musterbriefe können bei dem Verein angefordert oder auf der Internetseite abgerufen werden.

Weitere Informationen: www.botox-tierversuche.de



03. Juli 2009

Hunderttausende Tiere Opfer der EU-Bürokratie

EU-Behörde verschleppt Streichung eines als überflüssig anerkannten Tierversuchs

Die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMEA verzögert seit Jahren die Streichung eines Tierversuchs aus ihren Leitlinien für die Zulassung von Arzneimitteln. Der Test auf akute Giftigkeit wurde bereits vor mehr als zehn Jahren von einem übergeordneten Gremium, der Internationalen Harmonisierungskonferenz ICH, als unnötig erachtet. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche spricht von einer unentschuldbaren Schlamperei auf Kosten von mehreren Hunderttausenden Tieren.

Der Skandal wurde durch ICAPPP aufgedeckt, einem internationalen Zusammenschluss von Tierversuchsgegnerorganisationen. Bevor ein neues Arzneimittel in der klinischen Phase an Menschen getestet wird, werden zahlreiche Tierversuche durchgeführt. Die Leitlinie der EMEA sieht unter anderem einen Test auf akute Giftigkeit an zwei Säugetierarten vor. Dabei wird Ratten, Mäusen oder Hamstern die Testsubstanz in hoher Dosis in den Magen gepumpt oder injiziert, um die Folgen wie Durchfall, Abmagerung, Krämpfe und Lähmungen zu beobachten.

In der ICH-Leitlinie M3 aus dem Jahr 1997, die der EMEA-Leitlinie übergeordnet ist, wird der Test auf akute Giftigkeit als unnötig erachtet, weil die so gewonnenen Daten durch andere vorgeschriebene Tierversuche abgedeckt werden. Die Europäische Arzneimittelrichtlinie verweist seit 2003 auf die Leitlinien der EMEA. Spätestens seit 2003 hätte also eine Aktualisierung der EMEA-Leitlinien erfolgen müssen. Die Pharmakonzerne führen den Tierversuch weiterhin durch, weil sie glauben, er sei gesetzlich vorgeschrieben. Rund 340.000 Tiere wurden von 2003 bis 2008 bei diesem als unnötig anerkannten Test qualvoll getötet.

Eine in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlichte Untersuchung bestätigt, dass Daten aus dem Test auf akute Giftigkeit keine Relevanz für die Planung klinischer Studien haben und dass die Ergebnisse deshalb keinerlei Verwendung finden. Auch die EMEA gibt in einer Stellungnahme die Überflüssigkeit des Tests selbst zu.

Doch trotz mehrmaliger Aufforderung der ICAPPP weigert sich die EMEA bislang eine Streichung des Tierversuchs aus ihren Leitlinien vorzunehmen. Die ICAPPP hat sich nun direkt an 100 nationale Zulassungsbehörden und pharmazeutische Unternehmen gewandt, um sie zu informieren, dass die EMEA-Leitlinie keine Gültigkeit mehr hat und der Test auf akute Giftigkeit für die Zulassung von Arzneimitteln nicht mehr durchgeführt werden darf.

Für die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche sind Tierversuche wegen ihrer mangelnden Aussagekraft generell überflüssig. »In diesem Fall liegt aber eine eindeutige Rechtslage vor«, sagt Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. »Dieser besonders grausame Tierversuch könnte und müsste auf der Stelle abgeschafft werden. Schlamperei und Untätigkeit der EMEA liefern weiterhin unzählige Tiere ans Messer.«


Erläuterungen:

1. ICAPPP (International Council on Animal Protection in Pharmaceutical Programs) ist ein Zusammenschluss großer Tierschutzorganisationen aus Europa, Nordamerika und Japan, die zusammen über 30 Millionen Mitglieder repräsentieren. Ziel ist es, den Einsatz von tierversuchsfreien Testmethoden bei der Arzneimittelzulassung voranzutreiben. ICAPPP hat zurzeit folgende Mitglieder: Animal Alliance of Canada, British Union for the Abolition of Vivisection (BUAV), Doris Day Animal League (DDAL), Dr Hadwen Trust, Eurogroup for Animals, European Coalition to End Animal Experiments (ECEAE), Humane Society of the United States (HSUS), Japan Anti-Vivisection Association (JAVA), People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) und Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM). Die Ärzte gegen Tierversuche sind Beobachter bei der ECEAE und darüber bei ICAPPP involviert.

2. Die Europäische Arzneimittelrichtlinie 2001/83/EC schrieb die Durchführung des Tests auf akute Giftigkeit vor. Seit der Novellierung im Jahr 2003 (Richtlinie 2003/63/EC) wird auf die Leitlinien der EMEA verwiesen.

3. Eine von der Pharmaindustrie durchgeführte Untersuchung bestätigt, dass der Test auf akute Giftigkeit für die teilnehmenden Firmen keine Relevanz für die Planung klinischer Studien hat: Robinson S. et al: A European pharmaceutical company initiative challenging the regulatory requirement for acute toxicity studies. Pharmaceutical Drug Development in Regulatory Toxicology and Pharmacology 2008; 50: 345-52.

4. Die Stellungnahme der EMEA (http://www.emea.europa.eu/pdfs/human/swp/30241308en.pdf, abgerufen am 3.7.2009) bestätigt, dass der Test auf akute Giftigkeit in den allermeisten Fällen unnötig ist.



04. Juni 2009

REACH seit zwei Jahren in Kraft:

Ärzte gegen Tierversuche fordern moderne Chemikalienpolitik ohne Tierversuche

In diesen Tagen ist das europäische Chemikalientestprogramm REACH seit zwei Jahren in Kraft. Es schreibt vor, alle Altchemikalien, das heißt, Chemikalien, die vor 1981 auf den Markt kamen, daraufhin zu prüfen, ob sie für Mensch oder Umwelt schädlich sind. Hierfür sind in großem Stil Tierversuche vorgesehen. Die bundesweit tätige Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert eine moderne Chemikalienpolitik, die sich die große Bandbreite intelligenter tierversuchsfreier Prüfstrategien konsequent zu Nutze macht.

Ursprünglich ging die Politik von rund 30.000 zu testenden Altchemikalien aus. Tatsächlich haben jedoch im Rahmen von REACH 65.000 Firmen rund 150.000 Substanzen vorregistriert. Zurzeit wird bei der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA in Helsinki geprüft, welche dieser Chemikalien mehrfach registriert wurden. Firmen, die die gleichen Substanzen herstellen, müssen sich zu Konsortien zusammenschließen, um Doppelversuche zu vermeiden. Derzeit ist noch unklar, wie viele Tierversuche für wie viele Chemikalien durchgeführt werden. Schätzungen gingen von bis zu 45 Millionen Wirbeltieren, vor allem Ratten und Mäusen, aus.

Laut Ärzte gegen Tierversuche sind diese Giftigkeitsprüfungen nicht nur äußerst grausam, sondern auch vollkommen ungeeignet, um Mensch und Umwelt vor schädlichen Stoffen zu schützen. Bei diesen Tests wird beispielsweise eine Substanz in das Auge von Kaninchen gerieben oder per Schlundsonde in den Magen von Tieren gepumpt. «Liest man die Versuchsbeschreibungen, kann man kaum glauben, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden. Denn die Testmethoden stammen teilweise aus den 30er/40er Jahren des letzten Jahrhunderts und sind seither größtenteils unverändert geblieben«, moniert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. »Bei der Chemikalientestung wird wie auch bei der Arzneimittelprüfung nicht berücksichtigt, ob und welche mögliche Gefahr für den Menschen von einer Substanz ausgehen kann, sondern es wird ein sturer Testkatalog aus Tierversuchen abgehandelt, die erwiesenermaßen nicht geeignet sind, um Risiken für den Verbraucher oder die Umwelt zu beurteilen«, so Bitz weiter. Außer einer rechtlichen Absicherung für die Firmen, falls es zu einer Umweltkatastrophe oder Todesfällen kommt, ist nichts gewonnen.

Dass die Firmen ihre Daten austauschen und schließlich für jede Chemikalie nur ein Datendossier einreichen müssen, um Doppel- und Mehrfachtierversuche zu vermeiden, ist gegen den erbitterten Widerstand der Industrie von Seiten der Tierschutzorganisationen durchgesetzt worden. Ob und wie der Datenaustausch kontrolliert werden kann, ist jedoch ungewiss.

Nach Ansicht der Ärztevereinigung ist es neben der ethischen Unvertretbarkeit der Tierversuche inakzeptabel, dass die Politik mit dieser Chemikalienverordnung das Festhalten an veralteten Methoden schürt, anstatt einen durchdachten Weg ganz ohne Tierversuche zu gehen. Der Verein fordert zur Risikoabschätzung von Chemikalien die Auswertung vorhandener Daten aus menschlichen Vergiftungsfällen und die konsequente Anwendung tierversuchsfreier Verfahren, falls weitere Daten notwendig sind. Nur so könne eine Sicherheitsprüfung zum Nutzen von Mensch, Tier und Umwelt erreicht werden. 

Weitere Informationen über REACH >>
REACH-Update April 2009 - Haben die REACH-Tierversuche schon angefangen? >>



29. Mai 2009

Neue Studie attestiert: Tierversuch durchgefallen

Mäuse und Menschen unterscheiden sich stärker als gedacht

Die von der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche seit Jahren geäußerte Kritik, dass die Übertragung von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen oft zu fatalen Fehleinschätzungen führt, hat sich in einer aktuellen wissenschaftlichen Studie bestätigt. Ein internationales Forscherteam nahm das Erbgut von Mäusen genauer unter die Lupe und stellte dabei fest, dass es zwischen Maus und Mensch Unterschiede gibt.
Forscher aus den USA, Schweden und Großbritannien haben genauer als bisher das Erbgut von Mäusen entschlüsselt, es mit dem des Menschen vergleichen und dabei bemerkt, dass Mensch und Maus sich unter anderem in der Anzahl der Gene und deren Funktionen stärker unterscheiden als bisher gedacht. Selbst in Fachkreisen kommt dadurch wieder einmal Zweifel an der Übertragbarkeit von Tierversuchen auf den Menschen auf.
Nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche ist die Anzahl von Genen, die Arten gemeinsam haben, oder die isolierte Funktionsweise eines einzelnen Gens nicht entscheidend dafür, ob zwei Arten auf ein Medikament oder eine Chemikalie identisch reagieren. »Der winzige, in Blumentöpfen lebende Fadenwurm Caenorhabditis elegans beispielsweise hat eine sehr hohe genetische Übereinstimmung mit dem Menschen. Dennoch wird niemand leugnen, dass die Lebensgewohnheiten, Umwelteinflüsse und der Körperbau von Wurm und Mensch ganz verschieden sind«, erläutert Diplom-Biologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. »Gerade aber die Lebensumstände und Faktoren wie fleischreiche Ernährung, Stress oder Rauchen sind nachweislich die Hauptfaktoren für die meisten menschlichen Zivilisationskrankheiten«, so Bitz weiter.

Der Mensch ist weder Wurm, noch Maus oder Fisch. Dennoch werden für derart klare und banale Erkenntnisse häufig auch Tierversuche durchgeführt. Der Ärztevereinigung zufolge ist dies ebenso absurd und unethisch wie die Tatsache, dass immer wieder behauptet wird, mit Tierversuchen könne man menschliche Krankheiten heilen. Auch noch so viele Tierversuche tragen nicht zu einem medizinischen Fortschritt bei, sondern im Gegenteil, blockieren wirklich nützliche Forschungswege.

Daher fordern die Ärzte gegen Tierversuche eine tierversuchsfreie, anwendungsorientierte Forschung, die auf die tatsächlichen Krankheiten des Menschen und ihre Ursachen fokussiert.

Quelle: Deanna M. Church et al.: Lineage-specific biology revelealed by a finished genome assembly of the mouse, PloS Biology, 2009, 7(5), e1000112



13. Mai 2009

Neues Tierversuchslabor für Neurowissenschaft an der Uni Frankfurt

»Skrupellose Forschung an Affen geplant«

An der Uni Frankfurt entsteht ein neues Labor im Bereich der Neurowissenschaft, ein Forschungszweig, der traditionell mit Tierversuchen verbunden ist. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche befürchtet eine Ausweitung von Tierversuchen, insbesondere an Affen und fordert von Politik und Behörden ethisch unvertretbare Forschungsmethoden von vornherein auszuschließen.

»In Berlin, Bremen und München wurden Hirnforschungsexperimente an Affen bereits abgelehnt, weil die Behörden das Leid der Tiere als schwerwiegender bewerteten, als den vermeintlichen Nutzen«, weiß Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. Ziel der Gründer des neuen Instituts ist die Erforschung der Hirnfunktionen. Die vollmundigen Versprechungen der Forscher, Tierversuche seien hierfür erforderlich um irgendwann einmal Menschenleben zu retten, dürfen nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mensch kein Recht hat, Tiere für Versuchszwecke zu benutzen und eine gute Medizin niemals auf unethischer und unwissenschaftlicher Forschung basieren könne. »Bei der Forschung am Tier kann kein auf den Menschen übertragbares Ergebnis herauskommen, da die artspezifischen Unterschiede viel zu groß sind«, ist sich die Biologin sicher.

Ausschlaggebend für die Ablehnung der Versuche am Affenhirn in Berlin, Bremen und München waren die Durstqualen der Tiere. »Die Affen werden durch Flüssigkeitsentzug gezwungen, jeden Tag qualvolle Experimente über sich ergehen zu lassen, bei denen der Kopf der Tiere unbeweglich an einem Gestell angeschraubt wird und Elektroden in das Gehirn gebohrt werden«, erklärt Bitz. Der Nutzen für kranke Menschen ist dabei gleich Null, da es sich um reine, zweckfreie Grundlagenforschung handelt. Die Ärztevereinigung fordert die Frankfurter Politik und Genehmigungsbehörden auf, dem wegweisenden Beispiel der anderen Bundesländer zu folgen und Tierversuche von Anfang an nicht zu genehmigen.

Die Entstehung des Ernst-Strüngmann-Instituts geht auf Andreas und Thomas Strüngmann, Gründer des Pharmaunternehmens Hexal, in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft zurück. Das private Institut ist mit einem Gründungsetat von 200 Millionen Euro ausgestattet. Kommissarischer Leiter wird Wolf Singer, Direktor am Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung, der laut Ärzte gegen Tierversuche als besonders skrupelloser Tierexperimentator gilt.



05. Mai 2009

Heutige Abstimmung in Straßburg

EU-Parlament verrät Tierschutz

Bei der heutigen Abstimmung über die Neufassung der Tierversuchsrichtlinie* hat das EU-Parlament deutliche Verschlechterungen beschlossen. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche wirft den Volksvertretern »Verrat an den Tieren« vor.

Die EU überarbeitet derzeit die über 23 Jahre alte Tierversuchrichtlinie. Der Entwurf der EU-Kommission war laut der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zwar nicht zufriedenstellend, beinhaltete jedoch einige gute Ansätze. »Das Parlament hat sich zum Handlanger der milliardenschweren Tierversuchslobby gemacht und den Entwurf total ausgehöhlt«, erzürnt sich Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärzteverbandes. »Die Nutznießer von Tierversuchen behaupten gebetsmühlenartig, dass strengere Gesetze dem medizinischen Fortschritt schaden würden. Einen Beweis hierfür bleiben sie aber schuldig«, so Gericke weiter.

Die Abgeordneten stimmten unter anderem für folgende Punkte:

  • Tierversuche, die »erhebliche« Leiden verursachen und dazu »länger anhaltend« sind, sollen erlaubt sein.
  • Tiere dürfen wiederholt in schmerzhaften Experimenten verwendet werden.
  • Affen dürfen weiterhin für jeden nur denkbaren Zweck verwendet werden. Die Beschränkung auf Forschung für »lebensbedrohliche« und »schwächende« Krankheiten, wie die Kommission vorschlug, ist gestrichen.
  • Es gibt keine wirksamen Vorgaben, um den Fang wildlebender Affen fürs Labor einzudämmen.
  • Forscher sollen selbst entscheiden können, für welche Experimente sie eine Genehmigung beantragen, da die Genehmigungspflicht vom Schweregrad des Experiments abhängt. Dieser wird aber vom Forscher selbst festgelegt.
  • Die rückwirkende Bewertungen der Ergebnisse, wie von der Kommission vorgesehen, ist für die allermeisten Tierversuche gestrichen.
  • Weiterhin fehlt eine konkrete Strategie für den Ausstieg aus dem Tierversuch.

In der EU werden pro Jahr mehr als 12 Millionen Tiere in Tierversuchen verwendet. Die Richtlinie 86/609 aus dem Jahr 1986 regelt Tierversuche in der EU und legt Mindeststandards fest, die in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Im November 2008 hat die EU-Kommission ihren Novellierungsentwurf vorgelegt, der nun von den Gremien der EU beraten wird. Über den Entwurf muss nun noch der Ministerrat abstimmen und schließlich – nach der Europawahl - das Parlament in zweiter Lesung.

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* Richtlinie des Rates 86/609/EWG vom 24. November 1986 zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere

Mehr zur Richtlinie >> 



30. April 2009

EU-Parlament entscheidet über Leben und Tod von 12 Millionen Tieren:

Ärzte gegen Tierversuche fordern tierversuchsfreie Forschung

Am 4. Mai berät das EU-Parlament über den Neuentwurf der Tierversuchsrichtlinie* und wird voraussichtlich am 5. Mai abstimmen. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche appelliert an die Abgeordneten, die Chance zu ergreifen und endlich eine tierversuchsfreie Forschung zu Gunsten von Mensch und Tier einzuläuten.

»Mit der Abstimmung im Parlament wird festgelegt, ob in Europa bis in alle Ewigkeit mehr als 12 Millionen Tiere pro Jahr für eine brutale und wissenschaftlich unsinnige Forschung sterben müssen«, erläutert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. »Der Politik stehen alle Möglichkeiten offen, sich klar für eine tierversuchsfreie Forschung zu entscheiden, wie sie vom Großteil der Bürger verlangt wird. Sie darf sich nur nicht von der milliardenschweren Tierversuchsindustrie manipulieren lassen, die sich vehement selbst gegen kleine Verbesserungen für die Tiere wehrt«, so Bitz weiter. Denn wenn es nach dem Willen mancher Forscher geht, sollen weiterhin Versuche, die für die Tiere große Leiden und Schmerzen bedeuten, sowie Versuche an Affen ohne Einschränkung erlaubt sein.

Die Ärzte gegen Tierversuche appellierten an die Abgeordneten des Parlamentes, sich den Forderungen der Tierversuchslobby nicht zu beugen, sondern ihre Pflicht gegenüber den Tieren und der Wähler ernst zunehmen und sich im Sinne einer guten Medizin gegen Tierversuche auszusprechen.

Im Jahr 2005 wurden in der EU über 12 Millionen Tiere in Experimenten verwendet, in Deutschland waren es bei der letzten Zählung im Jahr 2007 mehr als 2,6 Millionen Tiere. Die Richtlinie 86/609 EWG, die Tierversuche in der EU regelt, wird derzeit komplett überarbeitet und im November 2008 legte die Kommission ihren Entwurf vor.

Die bisherigen Abstimmungen im Umweltausschuss am 18. Februar 2009 und im Agrarausschuss am 31. März 2009 über diesen Entwurf waren aus Sicht der Ärzte gegen Tierversuche ein vernichtendes Urteil für eine humane Medizin. Die jetzige Entscheidung im Plenum des EU-Parlamentes entscheidet darüber, ob wissenschaftlich sinnvolle und ethisch vertretbare Wege beschritten werden oder das reine Profitdenken auf Kosten von Menschen und Tieren siegt.

*Richtlinie des Rates 86/609/EWG vom 24. November 1986 zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere

Weitere Informationen >> 



29. April 2009

Ohne Tierversuche: Lebendes Modell des menschlichen Gehirns entwickelt

Wissenschaftler der Aston Universität in Birmingham, England, haben einen neuen Weg gefunden, die Funktionen des menschlichen Gehirns zu erforschen. Das lebende Modell bestehend aus menschlichen Hirnzellen kommt vollständig ohne Tierversuche aus. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hält den Vorstoß der britischen Forscher für wegweisend und verurteilt herkömmliche Hirnforschung mit Tieren als "mittelalterlich".

Das Wissenschaftlerteam um Professor Michael Coleman hat Zellen eines menschlichen Hirntumors so umprogrammiert, dass sie sich nicht mehr ungeordnet vermehren, sondern in Astrozyten und Nervenzellen, den am häufigsten im Gehirn vorkommenden Zellen, umwandeln. Diese Kulturen, bestehend aus den verschiedenen Zellarten des Gehirns, werden zu dreidimensionalen Zellhaufen, den sogenannten Neurosphären, aufgeschichtet.

Die Zellen in den winzigen Zellkugeln kommunizieren miteinander und leiten Signale weiter, wie im menschlichen Nervensystems. So können die Abläufe im menschlichen Gehirn im Reagenzglas studiert werden.

Coleman gibt zu bedenken, dass bisherige Behandlungsmethoden für Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen die Verfallsprozesse nicht aufhalten und außerdem häufig auch noch schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Sein Zellmodell soll Alzheimer-Forschern dazu dienen, die Krankheit besser zu verstehen, und neue Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche prangert insbesondere die Hirnforschung an Affen an, bei der den Tieren Elektroden in das Gehirn gebohrt werden und sie durch Wasserentzug gezwungen werden, stillzuhalten. Alzheimer oder Parkinson werden üblicherweise durch gentechnische Manipulation von Mäusen oder durch Einspritzen von Gift in das Gehirn von Ratten simuliert. "Mit solch mittelalterlichen Methoden wird man niemals kranken Menschen helfen können", ist sich Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche sicher. Die Forschung mit menschlichen Zellkulturen wie an der Aston University sei dagegen zielführend und zukunftsweisend.

Quelle: Scientists create living model of the basic units of the human brain, Aston University press release, 17 March 2009 >>



21. April 2009

 Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche

»2,6 Millionen Tieropfer unter dem Deckmantel der Medizin«

Anlässlich des Internationalen Tags zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April erinnert die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche daran, dass allein in Deutschland im Jahr 2007 mehr als 2,6 Millionen Tiere unter dem Deckmantel der Medizin einen grausamen und sinnlosen Tod im Labor sterben. Die immer weiter steigenden Zahlen bedeuteten nicht nur Leid von 2,6 Millionen Lebewesen, sondern seien ein Warnsignal für eine fehlgeleitete Gesundheitspolitik.

Besonders erschreckend ist nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche die zunehmende Verwendung von Affen im Versuch. Im Jahr 2007 wurden 2.487 Affen verwendet und damit 636 mehr als im Vorjahr. Auch stieg die Zahl der Katzen von 586 auf 802, die Zahl der Hunde von 4.260 auf 4.794 und die der Pferde von 641 auf 2.546.

»Es kann nicht angehen, dass tagein tagaus Tieren immenses Leid angetan wird, weil manche Forscher ihrem Erkenntnisdrang ohne Rücksicht auf ethische Grenzen nachgehen und die Politik tatenlos zusieht, wie der konkreten medizinischen Forschung systematisch die Tür verbaut wird«, kritisiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. »Denn anstatt unsere Steuergelder der Krankheitsvorsorge und wirklichen Krankheitsforschung zukommen zu lassen, werden die abartigsten Projekte mit Geldern vollgepumpt, obwohl sie von vornherein nicht bezwecken, zum medizinischen Fortschritt beizutragen«, so Bitz weiter.

Der Auftrag der Bevölkerung an die Politik liegt unmissverständlich auf dem Tisch, erläutern die Ärzte gegen Tierversuche. In einer jüngst durchgeführten Umfrage* der Europäischen Koalition zur Beendigung der Tierversuche forderten 79 % ein gesetzliches Verbot aller Tierversuche ohne konkreten medizinischen Bezug. 84 % der Befragten sind für die Abschaffung aller Experimente, die mit schwerem Leid für die Tiere einhergehen, unabhängig von der Tierart. 80 % treten für eine Veröffentlichung von Informationen über die durchgeführten Tierversuche ein.

Solange in unserer Gesellschaft Tierversuchen der Vorrang gegeben wird, werden weiterhin nicht nur Tiere qualvoll sterben, sondern auch Menschen an den Nebenwirkungen angeblich sicherer Medikamente leiden und zu Tode kommen, warnen die Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein ist ein Zusammenschluss aus mehreren Hundert Ärzten und Wissenschaftlern, die aus ethischen und medizinischen Gründen eine sofortige Abkehr von der Methode Tierversuch fordern, zugunsten einer zukunftsfähigen Forschung, die sowohl Tier und Mensch dient.

In der Woche vor dem 24. April, dem Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche, wird weltweit auf das Leid der Tiere in den Labors aufmerksam gemacht. Der Gedenk- und Aktionstag wurde erstmals 1979 begangen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im Britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.

* Weitere Information zur Umfrage der European Coalition to End Animal Experiments (Europäischen Koalition zur Beendigung der Tierversuche) >>
Weitere Informationen zu den Tierversuchsstatistiken >>



14. April 2009

Demo gegen Affenversuche in Tübingen am 18.04.09:
 

Ärzte gegen Tierversuche e.V. kritisiert Blockadehaltung der Politik 

Seit einigen Wochen macht die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche mit ihrer Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« gegen die in Baden-Württemberg noch immer praktizierte altertümliche Forschung am Hirn von Affen mobil. Bürger aus der ganzen Bundesrepublik fordern den verantwortlichen baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL auf, dem Beispiel anderer Bundesländer zu folgen, und diesen gesellschaftspolitisch untragbaren Tierversuchen ebenfalls die Rote Karte zu zeigen. Am 18.04.09 findet in Tübingen eine Demo mit Kundgebung statt.

Presse- und Fototermin:

12.15 Uhr: Marktplatz Tübingen; Demozug setzt sich in Bewegung

Programm im Überblick

11.00-17.00 Uhr Infostände auf dem Marktplatz Tübingen
12.00-14.00 Uhr Demozug durch die Innenstadt
ab 14.00 Uhr Kundgebung auf dem Marktplatz mit Redebeiträgen, Theaterstücken und Musik

Mit einem Demozug durch die Tübinger Innenstadt und zahlreichen Redebeiträgen protestiert die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche am 18.4.09 von 11 bis 17 Uhr gemeinsam mit zahlreichen anderen Organisationen gegen die Hirnforschung an Affen an drei Tübinger Instituten* sowie für die Abschaffung aller Tierversuche zugunsten einer fortschrittlichen Medizin.

Das Land Baden-Württemberg betont als Reaktion auf den öffentlichen Druck in einer Stellungnahme, wie ernst das Thema Affenversuche genommen würde, doch Grund zum Handeln wird nicht gesehen. So setzt Baden-Württemberg weiter auf grausame und medizinisch vollkommen abwegige Forschung am Affenhirn und hinkt fortschrittlicheren Bundesländern hinterher. In Bremen, Berlin sowie München wurden vergleichbare Hirnversuche an Affen abgelehnt. Die Behörden haben erkannt, dass diese ethisch nicht haltbar sind und nicht geeignet sind, Menschenleben zu retten.

»Würde es der Politik darum gehen, wertvolle Erkenntnisse für die Behandlung menschlicher Krankheiten zu gewinnen, wären Tierversuche, deren reines Ziel es ist, die Neugier mancher Forscher zu befriedigen, längst verboten«, moniert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. »Doch die Landesregierung beugt sich der einflussreichen Experimentatorenlobby, deren einziges Interesse es ist, Forschungsgelder einzustreichen und sich mit Veröffentlichungen zu profilieren. Die Bedürfnisse kranker Menschen sind Nebensache«, so Bitz weiter. Ärzte gegen Tierversuche e.V. fordert, dass das Feld für eine gute Medizin geräumt wird, die nur ohne Tierversuche funktioniert. Es darf von der Politik nicht weiter hingenommen werden, dass unzählige Tiere einen sinnlosen Tod sterben und überdies die Schädigung und der Tod von Menschen aufgrund falscher Forschungsmethoden billigend in Kauf genommen wird. Die Gefahren, die von der Übertragung der Ergebnisse am Tier auf den Menschen ausgehen sowie die Vorteile einer durchdachten, auf den Menschen bezogenen tierversuchsfreien Forschung sind längst bekannt. Es ist höchste Zeit, dass die Politik sich dieser Erkenntnis nicht länger verwehrt und medizinischen Fortschritt blockiert, sondern die Tür öffnet für zukunftsfähige Methoden, fordert die Ärztevereinigung.

In der Woche vor dem 24. April, dem Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche, wird weltweit auf das Leid der Tiere in den Labors aufmerksam gemacht. Der Gedenk- und Aktionstag wurde erstmals 1979 begangen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im Britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.

(*) Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen;
Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen;
Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen



09. April 2009

Tierversuche - Alibi wenn etwas schief geht

Nutzen von Tierversuchen wird nicht überprüft

Der bundesweit aktive Ärzteverband Ärzte gegen Tierversuche e.V. spricht sich aus ethischen und medizinischen Motiven für eine tierversuchsfreie Forschung aus. Er kritisiert unter anderem Tierversuche in der Herzforschung und im Besonderen die am Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen (HDZ) geplanten Versuche an Schweinen.

Chirurg Dr. Wolf-Dieter Hirsch, stellvertretender Vorsitzender, erläutert: »Ein wesentliches Problem von Kunstherzen ist die Zertrümmerung der roten Blutkörperchen, was zu Schäden an allen abhängigen Organen, besonders der Niere, führt. Versuche mit gesunden Jungschweinen lassen kaum ernsthafte Rückschlüsse auf die Situation bei schwer kranken Menschen zu. Sie vermitteln allerdings eine ungerechtfertigte Sicherheit, die eine Anwendung der künstlichen Pumpen am Menschen leichter verantwortbar erscheinen lässt.« Wenn dann etwas schief gehe, könne der Tierversuch als Alibi vorgeschoben werden, auch wenn er de facto keinerlei Sicherheit verliehen habe. Hirsch: »Alles wird in Deutschland auf seinen Nutzen und seine Effektivität hin geprüft. Nur Tierversuche nicht. Die Kombination von Todesangst und Hoffung lässt die Steuermilliarden trotzdem weiter fließen.«

So sei zum Beispiel auch das Thromboseproblem durch Tierversuche nicht in den Griff zu bekommen, da das Blutgerinnungssystem von Menschen anders als das von Schweinen reagiere. Das Infektionsrisiko lässt sich laut Hirsch ebenfalls nicht durch Versuche an Kälbern oder Schweinen verringern »da das Erregerspektrum bei Schwein oder Kalb, dessen therapeutische Beeinflussbarkeit sowie die Immunitätslage der Tiere völlig anders sind als beim Menschen.« Hirsch erinnert an TGN 1412, welches in fünfhundertfacher Dosis sogar von Affen gut vertragen wurde und dann bei Menschen zu Multiorganversagen führte.

Die Ärzte gegen Tierversuche e.V. fordern von Politik und Behörden die Tierversuche in Bad Oeynhausen zu verhindern. Stattdessen seien die tierversuchsfreie Forschung durch eine entsprechende, bereits überfällige Novellierung des Medizinproduktegesetzes sowie die äußerst effektive Prävention vor Herzkrankheiten entschlossen zu fördern. Hirsch: ».Auch wenn es ein funktionierendes Kunstherz gäbe, sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Prävention die beste Therapie ist. Viele der Leiden, die Menschen mit Herzkrankheiten durchleben müssen, wären vermeidbar und ein Kunstherz stellt nur eine Überbrückungsmöglichkeit bis zu einer Transplantation dar.« Menschen müssten zu vernünftiger Ernährung, Bewegung, Vermeidung von Alkoholmissbrauch und Nichtrauchen ermutigt werden, denn dadurch würde in vielen Fällen einem Herzversagen wirksam vorgebeugt. »Dann wären auch genug Organe vorhanden, um den Menschen, die trotzdem erkranken, helfen zu können.«

Kein Verständnis hat Hirsch für »Totschlagargumente« wie ihn der Verweis auf die Schlachtung von Schweinen darstelle: »Guantanamo wird nicht dadurch humaner oder moralisch vertretbarer, dass in Kriegen weltweit Tausende von Menschen sterben. Das sind unseriöse Einschüchterungsversuche von Leuten, die keine Argumente haben.«

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30. März 2009

Historische Chance für eine Weichenstellung

Abstimmung über EU-Tierversuchsrichtlinie

Morgen wird im Agrarausschuss des EU-Parlamentes über den Neuentwurf der Tierversuchsrichtlinie abgestimmt. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche appelliert an die Abgeordneten, die historische Chance für eine Weichenstellung zugunsten einer zukunftsweisenden Forschung ohne Tierversuche zu nutzen.

Im Jahr 2005 wurden in der EU mehr als 12 Millionen Tiere in Experimenten verwendet, in Deutschland waren es bei der letzten Zählung im Jahr 2007 mehr als 2,6 Millionen Tiere. Die Richtlinie 86/609*, die Tierversuche in der EU regelt, wird derzeit komplett überarbeitet. Am morgigen Dienstag entscheidet der federführende Agrarausschuss des Parlaments über den von der EU-Kommission vorgelegten Entwurf.

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche appelliert an die Parlamentarier, sich nicht der Lobby der milliardenschweren Tierversuchsindustrie zu beugen, sondern Medizin und Forschung auf einen modernen Kurs zu bringen. »Tierversuche sind eine grausame und unzuverlässige Forschungsmethode, die im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr haben darf«, so Dr. med. vet. Corina Gericke, Sprecherin von Ärzte gegen Tierversuche, »Den tierversuchsfreien Testmethoden gehört hingegen die Zukunft«.

Selbst Minimalverbesserungen im Kommissionsentwurf werden laut der Ärztevereinigung von Seiten der Tierversuchslobby torpediert. So sollen nach dem Willen der Forschung auch Experimente, die schwerste Leiden und Schmerzen bei den Tieren hervorrufen sowie Versuche an Affen ohne Einschränkung weiterhin erlaubt sein. »Die Tierversuchsforschung wird größtenteils durch Milliarden unserer Steuergelder subventioniert, verweigert sich aber jeglicher Transparenz und Kontrolle sowohl bei der Genehmigung von Tierversuchen als auch einer nachträglichen Überprüfung«, empört sich Gericke.

Den Parlamentariern muss als Volksvertreter bewusst sein, dass Tierversuche nicht mehr gesellschaftlich akzeptiert werden. Bei einer Anfang März 2009 in sechs EU-Ländern durchgeführten Umfrage wollten 84% der Befragten, dass die neue Richtlinie alle Tierversuche - unabhängig von der Tierart - verbieten soll, die mit schweren Schmerzen oder Leiden für die Tiere einhergehen. 80% der Befragten sprachen sich für eine Veröffentlichung von Informationen zu Tierversuchen aus.

* Richtlinie des Rates 86/609/EWG vom 24. November 1986 zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere

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24. März 2009

Geplante Tierversuche am Herzzentrum

»In Bad Oeynhausen gehen die Uhren rückwärts«

Am Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen sind Tierversuche geplant. Der neue Klinikchef Jan Gummert will Operationsübungen an Schweinen einführen. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche spricht von »rückwärtsgehenden Uhren«. Eine solche Neueinführung von Tierversuchen sei weder ethisch, noch gesellschaftlich, wissenschaftlich oder juristisch zu vertreten.

Mehr als 2,6 Millionen Tiere wurden im Jahr 2007 in Deutschland für Tierversuche verwendet, etwa 100.000 mehr als im Vorjahr. In der Politik ist man sich weitgehend einig, dass die seit Jahren steigenden Tierversuchszahlen alarmierend sind und dass wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen werden müssen, um dem Trend entgegenzuwirken. Der Bundesrat setzte sich erst kürzlich dafür ein, die Zahl der für Versuche verwendeten Tiere zu senken und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner forderte neue Wege zu gehen und auf die Entwicklung von Alternativmethoden zum Tierversuch zu setzen*.

»Doch in Bad Oeynhausen gehen die Uhren rückwärts«, so Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, Chirurg und stellvertretender Vorsitzender von Ärzte gegen Tierversuche. Am Herzzentrum soll ein »Trainingszentrum für Herzchirurgen« entstehen, wo an Schweinen geübt werden soll.

»Diese Tierversuche sind nicht nur ethisch verwerflich, sondern gefährden auch Patienten«, warnt Unfallchirurg Hirsch. »Chirurgen, die an Tieren üben, erlernen nur eine falsche und gefährliche 'Sicherheit'«. Viel sinnvoller sind OP-Simulatoren, die wie Flugsimulatoren funktionieren sowie eine ausgiebige Assistenztätigkeit. »Nur so können Operateure mit der nötigen Sensibilität an menschliche Patienten herangeführt werden«, ist sich der Mediziner sicher. »Wer möchte schon von einem Tierexperimentator operiert werden?«, fragt Hirsch.

Auch das Testen von neuen Operationsmethoden, Herzklappen, Kunstherzen usw. am Tier sei nicht nur nutzlos, sondern irreführend. »Ein gesundes Jungschwein unterscheidet sich vom kranken Menschen ganz erheblich«, erklärt der Chirurg, der während seiner Weiterbildung selbst zwei Jahre in der Herzchirurgie tätig war. »Die Ergebnisse sind nicht übertragbar.«

Die Ärztevereinigung sieht auch ein gesellschaftliches Problem, da Tierversuche zunehmend in der Bevölkerung nicht mehr akzeptiert werden.** Bei einer von der EU-Kommission initiierten Online-Umfrage sahen 93% der mehr als 42.000 Teilnehmer die gegenwärtige Tierversuchspraxis kritisch.

Weiterhin warnt der Ärzteverband vor einem möglichen Rechtsbruch. Operationsübungen an lebenden Tieren widersprechen dem Tierschutzgesetz, da ihr Zweck auf andere Weise, nämlich durch Assistenz und OP-Simulatoren, besser erreicht werden kann.

Die Ärzte gegen Tierversuche e.V. fordern von Politik und Behörden die Einführung von Tierversuchen in Bad Oeynhausen zu verhindern.


* dpa-Meldung vom 13.03.2009 und Presseerklärung des BMELV vom 21.11.2008
** Umfrage der EU-Kommission in 30 Ländern zu Tierversuchen >>




11. März 2009

Drei Jahre nach der TGN1412-Pharma-Katastrophe

Tierversuche versprachen falsche Sicherheit

Genau drei Jahre ist es her, seit sechs junge Männer in einem Londoner Krankenhaus um ihr Leben kämpften, kurz nachdem sie als erste Menschen ein neues Medikament eingenommen hatten. Der Wirkstoff TGN1412, der bei den zuvor völlig gesunden Medikamententestern zu lebensgefährlichen Organschäden führte, war intensiv in Tierversuchen getestet und für sicher befunden worden.

Der monoklonale Antikörper TGN1412 der Würzburger Firma TeGenero sollte ein Wundermittel gegen Multiple Sklerose, rheumatische Arthritis und andere Immunkrankheiten werden. Doch anstatt das Immunsystem zu hemmen, löste er bei den Probanden eine überschießende Reaktion aus. Leber, Nieren und andere Organe versagten. Buchstäblich in letzter Sekunde konnten alle sechs Medikamententester gerettet werden, doch erlitten sie mehr oder weniger starke Folgeschäden. Ein Mann verlor einige Finger und Zehen. Die zuvor durchgeführten Tierversuche an Javaner- und Rhesusaffen, Kaninchen und Ratten waren problemlos verlaufen. Die Firma TeGenero ging in Konkurs.

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche warnt seit Jahren davor, sich bei der Arzneimitteltestung auf Tierversuche zu verlassen. »Die immer wieder auftretenden Arzneimittelkatastrophen sind ein Beweis für die Unzulänglichkeit der Methode Tierversuch«, erklärt, Dr. med. vet. Corina Gericke, Sprecherin von Ärzte gegen Tierversuche.

Erst im Oktober 2008 wurde die Schlankheitspille Acomplia wegen schwerer Auswirkungen auf die Psyche vom Markt genommen. Mindestens fünf Menschen hatten sich das Leben genommen. Das Herzmedikament Trasylol wurde 2007 zurückgezogen. Es hatte zu schwerwiegenden Nierenschäden, Herzversagen und Schlaganfällen mit Todesfolge geführt. Bei Testpatienten, die den neuen Cholesterin-Senker Torcetrapib eingenommen hatten, kam es zu vermehrten Todesfällen und erhöhtem Blutdruck. Die Studien wurden abgebrochen. Cholesterin-Senker Lipobay und Schmerzmittel Vioxx sind weitere bekannte Beispiele von Medikamenten, die wegen unvorhergesehener schädlicher Wirkungen beim Menschen vom Markt genommen werden mussten.

»Schlagzeilenträchtige Pharmaskandale sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs«, weiß Gericke. Jedes Jahr sterben allein in Deutschland rund 60.000 Menschen an unerwünschten Wirkungen von Arzneimitteln.

Die Patienten haben ein Recht auf die beste medizinische Versorgung, die nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche jedoch niemals mit Versuchen an Tieren erreicht werden kann. Mit dem Hineinpumpen von Steuergeldern in tierexperimentelle Arbeiten würden wertvolle und die Medizin voranbringende tierversuchsfreie Forschungen blockiert. »Auch drei Jahre nach der TGN1412-Katastrophe hat man nichts gelernt und vertraut nach wie vor auf wissenschaftlich unzuverlässige Tierversuche«, klagt Tierärztin Gericke. Die Ärztevereinigung dringt auf eine humane und effektive Forschung und Wissenschaft, die nur ohne Tierversuche funktionieren kann.



10. März 2009

Demo vor dem EU-Parlament:

Ärzte gegen Tierversuche fordern zukunftsfähige Forschung ohne Tierleid

Gemeinsam mit Europas führenden Tierrechtsorganisationen protestierten die Ärzte gegen Tierversuche gestern vor dem Europäischen Parlament in Straßburg, während der Industrie- und Agrarausschuss anlässlich der Überarbeitung der Tierversuchsrichtlinie* über das Schicksal von über 12 Millionen Tieren, die in Europa jährlich einen qualvollen Labortod sterben, beratschlagten.

Zu der Veranstaltung vor dem EU-Parlament hatte die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen** aufgerufen, der 18 europäische Tierrechtsorganisationen angehören, darunter die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche. Einer von der Koalition in Auftrag gegebenen, aktuellen Umfrage in sechs EU-Staaten zufolge, steht der weitaus überwiegende Teil der Bevölkerung hinter den Forderungen der Tierversuchsgegner. 81% der Befragten befürworten ein Verbot von schmerzhaften oder leidvollen Versuchen an Affen. 84% meinen, dass unabhängig von der Tierart alle Tierversuche, die erhebliche Schmerzen oder Leiden verursachen, verboten werden sollten. 80% der Befragten unterstützen die Forderung nach einer Offenlegung aller Informationen über durchgeführte Tierexperimente.

»Die gestrige Beratung der Ausschüsse entscheidet maßgeblich darüber, ob in der Forschung und Wissenschaft weiterhin an altertümlichen und unethischen Methoden festgehalten wird, oder ob endlich der Weg geebnet wird für eine moderne, zukunftsweisende Forschung ohne Tierversuche«, erläutert Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche, die vor Ort die Politiker auf die Notwendigkeit einer Abkehr von unbrauchbaren Methoden aufmerksam machte. »Jedem Politiker, der Entscheidungen solcher Tragweite trifft, sollte bewusst sein, dass ein Nein zur tierversuchsfreien Forschung nicht nur 12-Millionen-faches Leid von Tieren bedeutet, sondern auch eine potentielle tödliche Gefahr für den Menschen«, so die Diplombiologin weiter.

Die Ärztevereinigung erinnert an die immer wieder auftretenden Arzneimittelkatastrophen und Fehleinschätzungen der Wirkung von Substanzen am Menschen, die auf dem Irrglaube basieren, dass im Tierversuch nachgestellte Krankheitssymptome die Situation beim Menschen widerspiegeln würden.

Derzeit wird der Kommissionsentwurf zur Änderung der Tierversuchsrichtlinie im Europäischen Parlament und im EU-Ministerrat, in dem Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner die Bundesregierung vertritt, abgestimmt. Die Abstimmung im Umweltausschuss am 18. Februar 2009 war nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche alarmierend, da zahlreiche Verbesserungen für die Tiere und damit auch für den Menschen blockiert wurden. Am 31. März 2009 wird im Agrarausschuss über die Positionen der beiden Ausschüsse abgestimmt und am 04. Mai 2009 schließlich im Plenum.
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*Richtlinie des Rates 86/609/EWG vom 24. November 1986 zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere

** European Coalition to End Animal Experiments

Weitere Informationen zur Richtlinie und zur Umfrage
Bildmaterial von der Demo 



04. März 2009

Verbot der Tierversuche in der Kosmetik rechtskräftig:

Ärzte gegen Tierversuche kritisieren Schlupflöcher

Ab 11. März 2009 dürfen in der EU keine Kosmetika mehr verkauft werden, die an Tieren getestet wurden und auch Tierversuche für Inhaltsstoffe sind verboten. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche begrüßt dies als Teilerfolg, ermahnt die Politik aber, die Umsetzung zu kontrollieren und sich dem Ausstieg aus dem Tierversuch nicht zu verwehren.

Mit dem nun in Kraft tretenden EU-weiten Vermarktungsverbot tierquälerischer Kosmetik ist laut Ärzte gegen Tierversuche ein wichtiges Ziel erreicht. Allerdings bedeutet dieses Verbot immer noch kein Ende der Tierqual für die Schönheit, da Versuche zur Giftigkeit bei wiederholter Gabe, Reproduktions-Giftigkeit sowie zur Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechslung und Ausscheidung einer Substanz noch bis mindestens 2013 erlaubt sind. Zudem sei unklar, ob das Verbot in der Praxis berücksichtigt wird und wie die Einhaltung überhaupt kontrolliert wird.

Nach Ansicht der Ärztevereinigung ist es unverständlich, wie die Politik derart schwerfällig und mit so vielen Schlupflöchern Verbote für Versuche in Gang bringt, die nur dem reinen Kommerz dienen. Es gibt über 8.000 altbewährte Inhaltstoffe, mit denen sich ganz ohne Tierqual beliebig viele Schönheitsmittel herstellen ließen. Da die Industrie den Markt aber unermüdlich mit Cremes und Pulvern mit immer neuen Inhaltsstoffen überschwemmt, ist zu befürchten, dass die Tierversuche in der Kosmetik so fortgeführt werden wie bisher. Denn die meisten Rohstoffe werden nicht ausschließlich für Kosmetika verwendet, sondern auch in anderen Produkten, deren Inhaltsstoffe unter die Testvorschriften für Chemikalien fallen.

»Das ganze System Tierversuch dient einzig der Absicherung der Industrie, falls mit ihren Produkten etwas schief geht. Die Sicherheit der Verbraucher bleibt vollkommen auf der Strecke«, kritisiert Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. »Schon verschiedene Tierarten reagieren unterschiedlich auf eine Substanz. So stimmen beim Test auf Krebsrisiko die Ergebnisse bei Ratten und Mäusen nur zu 60% überein. Aus dem Tierversuch Schlüsse auf den Menschen zu ziehen, gleicht einem Lotteriespiel, das für den Menschen tödlich enden kann. Beispielsweise rufen von 19 bekanntermaßen beim Menschen krebserregenden Substanzen nur 7 auch bei Nagern Krebs hervor«, so die Biologin weiter.

Ob in der Kosmetik, Arzneimittelforschung oder der chemischen Industrie: Tierversuche sind ungeeignet, um Risiken für den Menschen und die Umwelt vorherzusehen und müssen zu Gunsten einer guten und ethisch verträglichen Wissenschaft endlich das Feld räumen, fordert der Ärzteverein.

Mit der 7. Änderung der Kosmetikrichtlinie* tritt eine stufenweise Einschränkung der Tierversuche im Kosmetiksektor in Kraft. Erster Teilerfolg war im September 2004 das EU-weite Verbot der Testung kosmetischer Fertigprodukte am Tier sowie ein Verkaufsverbot von tiergetesteten Kosmetikprodukten und –rohstoffen, was damals jedoch an das Vorhandensein anerkannter Testmethoden geknüpft war.

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*Richtlinie 2003/15/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Februar 2003 zur Änderung der Richtlinie 76/768/EWG des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mittel
 
Weitere Informationen über Tierversuche in der Kosmetik >>



24. Februar 2009

Überarbeitete Tierversuchsrichtlinie bietet Chance für Millionen von Tieren:

Ärzteverein fordert Ausstieg aus dem Tierversuch

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert von der Politik, sich im Zuge der Überarbeitung der veralteten Tierversuchsrichtlinie klar für eine Forschung ohne Tiere einzusetzen. Die in den nächsten Wochen anstehenden Abstimmungen auf EU- und Bundesebene entscheiden über das Schicksal von Millionen von fühlenden Lebewesen.

Anlässlich der derzeit stattfindenden Abstimmungen auf EU- und Bundesebene über die Inhalte der Tierversuchsrichtlinie* fordern die Ärzte gegen Tierversuche von der Politik ein klares Bekenntnis zur tierversuchsfreien Forschung und eine Abkehr vom Tierversuch. »Die Politik hat jetzt die Chance, ihre Bringschuld zu begleichen und konsequent ethisch und wissenschaftlich korrekte Wege ohne Tierleid zu gehen«, erklärt Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärztevereins.

Die Ärzte gegen Tierversuche fordern in ihrer Stellungnahme an die Politik unter anderem, dass die Tierversuchsanträge der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen sowie eine Qualitätskontrolle in Form einer rückwirkenden Bewertung aller Tierversuchsprojekte. Weiter soll nach Ansicht des Ärztevereins der tierversuchsfreien Forschung höchste Priorität eingeräumt werden. Experimente an Affen sollen ausnahmslos verboten werden. »Im Zuge der Überarbeitung der Richtlinie muss eine klare Linie für den zeitnahen Ausstieg aus dem gesellschaftspolitisch untragbaren Tierversuch festgelegt werden«, so Bitz weiter.

Erst vor wenigen Tagen hatte sich der Bundesrat in einer Empfehlung an die Bundesregierung für eine deutliche Abschwächung des Kommissionsentwurfs zu Lasten der Tiere ausgesprochen. Der Ärzteverband fordert Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner auf, sich nicht der vom Tierversuch profitierenden Lobby zu beugen und keine Aufweichung zu Gunsten der Zementierung unethischer und unwissenschaftlicher Methoden zuzulassen.

Derzeit wird der Kommissionsentwurf zur Änderung der Richtlinie im Europäischen Parlament und im EU-Ministerrat, in dem Ministerin Isle Aigner die Bundesregierung vertritt, abgestimmt. Der Umwelt- und der Industrieausschuss des Parlamentes übermitteln in diesen Tagen ihre Position an den Landwirtschaftsausschuss, der für die Erarbeitung der Stellungnahme des Europäischen Parlaments zum Entwurf der Kommission zuständig ist. Die Abstimmung im Umweltausschuss am 18.02.09 war nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche ernüchternd, da etliche Verbesserungen für die Tiere keine Mehrheit fanden. Am 31.03.09 wird im Agrarausschuss über die Positionen der beiden Ausschüsse abgestimmt und am 04.05.09 schließlich im Plenum.

Im Jahr 2005 wurden in der EU mehr als 12 Millionen Tiere in Experimenten verwendet, in Deutschland waren es bei der letzten Zählung im Jahr 2007 mehr als 2,6 Millionen Tiere.

* Richtlinie des Rates 86/609/EWG vom 24. November 1986 zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere




16. Februar 2009

Futter für Zellkulturen

Ethisch vertretbare Testmethoden ohne Kälberserum als Nährstoff

Traditionell werden Zellkulturen mit sogenanntem fetalen Kälberserum ernährt. Unbetäubten, ungeborenen Kälbern wird eine Nadel ins Herz gestochen, um das Blut abzuzapfen. Schätzungen gehen von ein bis zwei Millionen Kälbern jährlich aus. Dass Zellkulturen auch ohne Kälberserum wachsen können, zeigt eine jetzt veröffentlichte Liste der britischen Organisation Focus on Alternatives. Sie enthält über 300 Nährmedien für 37 verschiedene Zelllinien.

Zellkulturen ersetzen bei Giftigkeitsprüfungen von Chemikalien und in vielen anderen Bereichen bereits Tierversuche. »Dass die Ernährung der Zellen mit Tierleid einhergeht, ist vielen Wissenschaftlern und auch der Öffentlichkeit gar nicht bewusst«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche. Um die Zellen am Leben zu halten, wird eine Flüssigkeit mit verschiedenen Nährstoffen zugesetzt. Diese enthält meist fetales Kälberserum.

»Trächtigen Kühen wird unmittelbar nach dem Schlachten, die Gebärmutter mit dem Fetus entfernt«, so Gericke. »Dem noch lebenden Kalb wird eine dicke Nadel zwischen die Rippen durch Haut und Muskeln direkt in das schlagende Herz gestoßen. Das Blut wird abgesaugt, bis das Tier blutleer ist und stirbt.« Weltweit werden so jedes Jahr etwa ein bis zwei Millionen Kälber zu Tode gebracht. Zum Teil werden sogar extra Kälber für diesen Zweck gezüchtet. »Die Wissenschaft ist sich heute sicher, dass ungeborene Säugetiere Schmerz empfinden können«, weiß die Tierärztin.

Zahlreiche Firmen bieten heute kommerziell Zellkulturmedien ohne fetales Kälberserum an. »Focus on Alternatives«, ein Zusammenschluss verschiedener britischer Organisationen, die im Bereich tierversuchsfreie Forschung tätig sind, hat jetzt eine Liste mit über 300 Nährmedien für 37 Zellkulturlinien veröffentlicht. Einige dieser Nährflüssigkeiten enthalten Substanzen aus dem Blut erwachsener, auf dem Schlachthof getöteter Tiere. Die meisten kommen jedoch vollständig ohne tierische Bestandteile aus. Sie enthalten verschiedene Salze, Aminosäuren, Vitamine und Pflanzenstoffe in unterschiedlicher Zusammensetzung. Laut Ärzte gegen Tierversuche ist dies ein wichtiger Schritt hin zu einer ethisch vertretbaren Forschung.

Weitere Informationen:
 
Datenbank mit tierversuchsfreien Nährmedien >>

 



06. Februar 2009

EU stoppt Verkauf von tierquälerischer Kosmetik

Tiere sterben trotzdem für die Schönheit

In Kürze ist in Europa der Verkauf von tiergetesteten Kosmetika und deren Inhaltstoffen verboten. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet dies als Meilenstein, kritisiert aber die mangelnde Überprüfbarkeit sowie wässrige Kriterien. Die Regelungen würden kaum helfen, wirklich Tierleben zu retten und den Verbraucher zu schützen.

Am 11. März 2009 tritt im Rahmen der 7. Änderung der Kosmetikrichtlinie* das Verbot von Tierversuchen für kosmetische Inhaltsstoffe sowie der Vermarktung von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und –rohstoffen in Kraft. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche begrüßt diese Errungenschaft sehr. „Das Vermarktungs- und Tierversuchsverbot ist ein Meilenstein auf dem Weg zur gänzlichen Abschaffung der Tierversuche in der Kosmetik, für die es weder ethisch noch wissenschaftlich jemals eine Rechtfertigung gab“ kommentiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärztevereins.

Trotz des großen Erfolgs, dass künftig zumindest laut Gesetz EU-weit kein Handel mit Kosmetik betrieben werden darf, für die zuvor Tieren die Haut oder Augen verätzt wurden, ist nach Einschätzung der Ärzte gegen Tierversuche die Frage nach der praktischen Umsetzung ein kritischer Punkt. Denn unklar ist, ob und wie das Verbot kontrolliert werden kann und wird.

Dass überhaupt Tierversuche für Kosmetik durchgeführt werden, ist der Profitgier der Hersteller zuzuschreiben. Diese überschwemmen den Markt mit immer neuen Cremes und Duschgels, die niemand braucht. Für zahllose Tiere bedeutet das einen grausamen Tod und für den Verbraucher trotzdem keine Sicherheit. Denn die Tierversuche dienen einzig der rechtlichen Absicherung der Produkterfinder im Falle von Gesundheitsschäden, heißt es von Seiten des Ärzteverbandes.

Zu kritisieren ist zudem, dass bei Vermarktung eines Lippenstiftes oder einer Schönheitscreme über die Grenzen der EU hinaus auch weiterhin Tiere für die Kosmetik ihr Leben lassen werden, da in manchen Ländern, wie China, oftmals Tierversuche vorgeschrieben sind. „Erst wenn es ein weltweites Verbot für die Testung von kosmetischen Inhaltstoffen und Endprodukten sowie deren Vermarktung gibt, kann von einem wirklichen Erfolg gesprochen werden“ erklärt Silke Bitz.

Dem politisch besiegelten Verbot der Vermarktung von tierquälerischer Kosmetik und der Testung an Tieren liegt ein jahrelanger politischer Kampf zahlreicher Tierschutzorganisationen zugrunde. Immer wieder wurde das Verbot verschoben und letztlich konnte nicht verhindert werden, dass für drei Bereiche (Giftigkeit bei wiederholter Gabe, Reproduktions-Giftigkeit und Toxikokinetik**), noch bis 2013 Tierversuche erlaubt sind. Zudem kann diese Frist nochmals verlängert werden, wenn keine anerkannten tierversuchsfreien Methoden zur Verfügung stehen.

Mit der 7. Änderung der Kosmetikrichtlinie tritt eine stufenweise Einschränkung der Tierversuche im Kosmetiksektor in Kraft. Erster Teilerfolg war im September 2004 das EU-weite Verbot der Testung kosmetischer Fertigprodukte am Tier sowie ein Verkaufsverbot von tiergetesteten Kosmetikprodukten und –rohstoffen, was damals jedoch an das Vorhandensein anerkannter Testmethoden geknüpft war.

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*Richtlinie 2003/15/EG Des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Februar 2003 zur Änderung der Richtlinie 76/768/EWG des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mittel 
**Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechslung und Ausscheidung einer Substanz



21. Januar 2009

Kampagnenstart: Stoppt Affenqual in Tübingen

Laut bundesweitem Verein Ärzte gegen Tierversuche werden in Tübingen an drei Instituten Rhesusaffen auf »unerträgliche Weise gequält«. Der Nutzen dieser Grundlagenforschung sei zudem gleich Null. Der Verband startet jetzt eine Kampagne für ein Verbot dieser Tierversuche.

An drei Instituten in Baden-Württemberg finden Tierversuche am Hirn von Rhesusaffen statt. Alle drei befinden sich in Tübingen*. Die Tiere werden mit festgeschraubtem Kopf und durch Flüssigkeitsentzug gezwungen, Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Ihnen wird ein Loch in den Schädel gebohrt und Elektroden sowie ein Metallbolzen darüber implantiert, um Hirnströme zu messen. Nur wenn der Affe dem Forscherwunsch entsprechend reagiert, bekommt er über einen Schlauch einen Tropfen Saft. Die sensiblen und sozialen Tiere tun in ihrer ausweglosen Situation alles, was der Forscher will. Sie werden auf diese Weise jahrelang verwendet.

Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche, kritisiert diese Experimente als besonders qualvoll. »Die Tiere werden durch Durst gezwungen, über Jahre Dinge auszuhalten, die Menschen als unerträglich empfinden würden«, erklärt, die Biologin. »Überdies sind die Versuche für die Behandlung menschlicher Krankheiten vollkommen nutzlos«. In München, Berlin und Bremen wurde vergleichbare Hirnforschung an Affen von den Genehmigungsbehörden aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens abgelehnt. Der Verein fordert ein sofortiges Ende dieser grausamen Forschung auch in Tübingen.

»Es ist an der Zeit, dass Deutschland der unethischen und medizinisch unbrauchbaren Methode Tierversuch den Rücken kehrt und endlich den Platz frei macht für moderne, Mensch bezogene Forschung«, fordert Bitz. »Denn bei der Grundlagenforschung geht es um die reine Befriedigung der Forscherneugier, wofür die Tiere mit ihrem Leben und die Bürger mit ihren Steuergeldern bezahlen«, erklärt die Biologin weiter. Wissen darüber, wie Affen zählen oder wie ihr Hirn Bilder verarbeitet, ist klinisch vollkommen irrelevant. Der Nutzen besteht ausschließlich für die Forscher, die sich mit Veröffentlichungen profilieren und hohe Summen an Forschungsgeldern einkassieren.

Seitens der Experimentatoren scheint kein Bedarf zu bestehen, der Öffentlichkeit Einblick in die angeblich Leben rettende Hirnforschung zu gewähren. Auf die Bitte, das Labor des Tübinger Forschers Andreas Nieder zu besuchen und die Versuche anzusehen, erhielten die Ärzte gegen Tierversuche keine Antwort.

Im Rahmen der Kampagne finden regelmäßig Infostände und Aktionen statt, darüber hinaus veranstalten die Ärzte gegen Tierversuche gemeinsam mit dem Landesverband Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg und der AntiSpe am 18. April 2009 eine Demo mit Kundgebung in Tübingen. Der Ärzteverein ruft zu einer breiten Beteiligung an der Protestaktion »Stoppt Affenqual in Tübingen« auf. Unter anderem können vorbereitete Postkarten an den baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Hauk verschickt werden. Das Kampagnenmaterial ist an den regelmäßig stattfindenden Infoständen oder in der Geschäftsstelle des Vereins erhältlich.

* Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen;  Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen; Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen
 
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