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Pressearchiv 2009 - 09.04.2009 Nutzen von Tierversuchen wird nicht überprüft


09. April 2009

Tierversuche - Alibi wenn etwas schief geht

Nutzen von Tierversuchen wird nicht überprüft

Der bundesweit aktive Ärzteverband Ärzte gegen Tierversuche e.V. spricht sich aus ethischen und medizinischen Motiven für eine tierversuchsfreie Forschung aus. Er kritisiert unter anderem Tierversuche in der Herzforschung und im Besonderen die am Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen (HDZ) geplanten Versuche an Schweinen.

Chirurg Dr. Wolf-Dieter Hirsch, stellvertretender Vorsitzender, erläutert: »Ein wesentliches Problem von Kunstherzen ist die Zertrümmerung der roten Blutkörperchen, was zu Schäden an allen abhängigen Organen, besonders der Niere, führt. Versuche mit gesunden Jungschweinen lassen kaum ernsthafte Rückschlüsse auf die Situation bei schwer kranken Menschen zu. Sie vermitteln allerdings eine ungerechtfertigte Sicherheit, die eine Anwendung der künstlichen Pumpen am Menschen leichter verantwortbar erscheinen lässt.« Wenn dann etwas schief gehe, könne der Tierversuch als Alibi vorgeschoben werden, auch wenn er de facto keinerlei Sicherheit verliehen habe. Hirsch: »Alles wird in Deutschland auf seinen Nutzen und seine Effektivität hin geprüft. Nur Tierversuche nicht. Die Kombination von Todesangst und Hoffung lässt die Steuermilliarden trotzdem weiter fließen.«

So sei zum Beispiel auch das Thromboseproblem durch Tierversuche nicht in den Griff zu bekommen, da das Blutgerinnungssystem von Menschen anders als das von Schweinen reagiere. Das Infektionsrisiko lässt sich laut Hirsch ebenfalls nicht durch Versuche an Kälbern oder Schweinen verringern »da das Erregerspektrum bei Schwein oder Kalb, dessen therapeutische Beeinflussbarkeit sowie die Immunitätslage der Tiere völlig anders sind als beim Menschen.« Hirsch erinnert an TGN 1412, welches in fünfhundertfacher Dosis sogar von Affen gut vertragen wurde und dann bei Menschen zu Multiorganversagen führte.

Die Ärzte gegen Tierversuche e.V. fordern von Politik und Behörden die Tierversuche in Bad Oeynhausen zu verhindern. Stattdessen seien die tierversuchsfreie Forschung durch eine entsprechende, bereits überfällige Novellierung des Medizinproduktegesetzes sowie die äußerst effektive Prävention vor Herzkrankheiten entschlossen zu fördern. Hirsch: ».Auch wenn es ein funktionierendes Kunstherz gäbe, sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Prävention die beste Therapie ist. Viele der Leiden, die Menschen mit Herzkrankheiten durchleben müssen, wären vermeidbar und ein Kunstherz stellt nur eine Überbrückungsmöglichkeit bis zu einer Transplantation dar.« Menschen müssten zu vernünftiger Ernährung, Bewegung, Vermeidung von Alkoholmissbrauch und Nichtrauchen ermutigt werden, denn dadurch würde in vielen Fällen einem Herzversagen wirksam vorgebeugt. »Dann wären auch genug Organe vorhanden, um den Menschen, die trotzdem erkranken, helfen zu können.«

Kein Verständnis hat Hirsch für »Totschlagargumente« wie ihn der Verweis auf die Schlachtung von Schweinen darstelle: »Guantanamo wird nicht dadurch humaner oder moralisch vertretbarer, dass in Kriegen weltweit Tausende von Menschen sterben. Das sind unseriöse Einschüchterungsversuche von Leuten, die keine Argumente haben.«

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