facebook
twitter
youtube
instagram

Pressearchiv 2009 - 29.07.2009 Ukraine: Tiermedizinstudentinnen sezieren Hund in der Küche


29. Juli 2009

Ukraine: Tiermedizinstudentinnen sezieren Hund in der Küche

Ärzteverband propagiert tierversuchsfreie Lehrmethoden als Erziehung zur Menschlichkeit

Zwei Tiermedizinstudentinnen aus Kiew filmten sich selbst, wie sie einen Hund auf dem Fußboden der heimischen Wohnung als angebliche »Hausaufgabe« sezierten und setzten die Aufnahmen ins Internet. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche, engagiert sich seit Jahren für den Einsatz tierversuchsfreier Lehrmethoden, nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch als Erziehung zur Menschlichkeit. 

Studentin Anna D. von der Veterinärmedizinischen Fakultät des Nationalen Instituts für Biologische Ressourcen und Alisa K. vom Institut für Internationale Beziehungen in Kiew riefen einen Aufschrei des Entsetzens innerhalb einer breiten Internetgemeinde hervor, als sie ein Video und Fotos von der Sektion eines Hundes in ihren Internetblog stellten. Die Aufnahmen, die inzwischen aus dem Netz entfernt wurden, zeigten, wie sich die angehenden Tierärztinnen über das tote Tier lustig machten. Die 18- und 19-Jahre alten Studentinnen waren sich keiner Schuld bewusst. Sie hätten das Video aus Spaß gedreht. 

Wie die Nachrichtenseite Russiatoday.com berichtete, hätten die jungen Frauen am Morgen beobachtet, wie ein Straßenhund von einem Auto angefahren worden sei. Sie hätten den ganzen Tag gewartet, bis er seinen Verletzungen erlegen sei und ihn dann in Alisas Wohnung gebracht, um ihn auf dem Küchenfußboden zu sezieren.

»Wie herzlos müssen Menschen, noch dazu Tiermedizinstudentinnen, sein, einem verletzten Tier beim Sterben zuzusehen, ohne ihm zu helfen, nur, um es dann aus Spaß aufzuscheiden«, kommentiert Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche, das Geschehen. 

In ihrem Blog beschreibt Studentin Alisa zudem, wie sie und Anna eine Maus betäubt und lebendig gehäutet hätten. Dann schnitten sie dem Tier den Darm heraus und machten Fotos als »Andenken«. 

Gericke nennt als mögliche Ursache für eine solch mangelnde Empathie gegenüber Tieren die verpflichtende Teilnahme an Tierversuchen in der studentischen Ausbildung und spricht von einem »Abstumpfungsprozess im Studium«. In Deutschland verzichtet heute zwar rund die Hälfte der humanmedizinischen Fakultäten auf diesen sogenannten »Tierverbrauch«, aber in vielen medizinischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen werden die Studenten immer noch gezwungen, an Praktikumsübungen teilzunehmen, für die Frösche, Ratten, Mäuse oder andere Tiere getötet wurden. Wer nicht mitmacht, muss laut Ärzte gegen Tierversuche sein Studium aufgeben.

Die Ärztevereinigung propagiert seit Jahren den Einsatz ethisch vertretbarer Unterrichtsmittel. »Moderne, interaktive Computersimulationen und Modelle veranschaulichen Körperbau und -funktionen, ohne dass dafür Tiere leiden müssen«, erläutert Tierärztin Gericke. Der Ärzteverband unterstützt Hochschullehrer in Osteuropa, die von Tierversuchen auf tierversuchsfreie Lehrmethoden umsteigen wollen. Das Projekt wurde bislang an vier ukrainischen Universitäten durchgeführt und rettet jedes Jahr mehr als 1.600 Tieren das Leben, darunter Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Frösche. 

Quelle:
Blodlust or eagermess to learn, Russiatoday, 27.07.2009 

Weitere Informationen:
Infos zum Osteuropa-Projekt der Ärzte gegen Tierversuche e.V. >>
Infos zum »Tierverbrauch« im Studium >>
Studentische Arbeitsgruppe gegen Tiermissbrauch im Studium - SATIS >>
Internationales Netzwerk für Humane Ausbildung - InterNICHE >>

Drucken