Pressearchiv 2018

Pressearchiv 2018


700 Tierversuchslabore in 95 Orten

Hier werden in Deutschland Tierversuche gemacht

11.01.2018

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hat eine Liste mit Adressen von rund 700 Tierversuchseinrichtungen in 95 Städten veröffentlicht. Die komplett aktualisierte Liste ist einzigartig in Deutschland. Der Verein moniert, dass von offizieller Seite Informationen hierzu weitgehend geheim gehalten werden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium gibt jedes Jahr eine Statistik zu den bundesweiten Tierversuchszahlen heraus. 2,8 Millionen Tiere sind demzufolge im Jahr 2016 in Tierversuchen verwendet worden, über 50.000 mehr als im Vorjahr. „Obwohl der größte Teil der Tierversuche mit unseren Steuergeldern finanziert wird, gibt es kaum öffentlich zugänglichen Informationen darüber, welche Tierversuche wo durchgeführt werden“, kritisiert Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein sieht es als eine seiner Aufgaben an, Licht ins Dunkel zu bringen und die Öffentlichkeit zu informieren. Dazu wurde eine Internet-Datenbank eingerichtet, in der Beschreibungen von Tierversuchen dokumentiert werden, die in Fachzeitschriften publiziert wurden.

Die in den Artikeln genannten hauptverantwortlichen Einrichtungen machen den größten Teil der Adressliste aus. „Auf eine Anfrage an die zuständigen Behörden in den Bundesländern bzw. Regierungsbezirken haben nur wenige eine Übersicht der Tierversuchslabore zur Verfügung gestellt und diese waren zudem meist eher allgemein gehalten, z.B. „Universität XY“ ohne nähere Angaben“, erklärt Gericke die Recherche. Konkret waren dies: Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Stuttgart, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein. Ferner sind Stellenangebote für Tierexperimentatoren in die Liste eingeflossen. Wenn die Adressliste auch nicht vollständig ist, so vermittelt sie doch einen wichtigen und vor allem exklusiven Überblick über die Tierversuchsstätten Deutschlands.

Der Ärzteverein generiert aus seiner Datenbank zudem regelmäßig eine Übersicht der Tierversuchshochburgen. München, Berlin, Göttingen, Hannover und Tübingen führen demnach die TOP 5 der Städte mit den meisten Einträgen in der Tierversuchs-Datenbank an.

Die steigenden Tierversuchszahlen und das Ausmaß der tierexperimentellen Einrichtungen sind laut Ärzte gegen Tierversuche alarmierend. Der Verein fordert von der Politik, endlich die Notbremse zu ziehen. „Versuche an Tieren sind nicht nur aus ethischen Gründen abzulehnen, sondern vor allem auch, weil sie irrelevante, nicht übertragbare Ergebnisse liefern. 95 % der am Tier als sicher und wirksam getesteten neuen Medikamente fallen bei der Prüfung am Menschen durch, weil sie nicht wirken oder fatale Nebenwirkungen haben“, so die Tierärztin abschließend.

Weitere Informationen
Adressliste Tierversuchslabore >>
Tierversuchs-Hochburgen Deutschlands >>
Die größten und teuersten Tierlabore >>
Datenbank Tierversuche >>
Tierversuchsstatistik 2016>> 


Skandalös: Milliarden Steuergelder fließen in Tierversuche, nur geringe Beträge in tierversuchsfreie Forschung

Ärzte gegen Tierversuche präsentieren aktuelle Förderübersicht

24.01.2018

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche listet in einer aktualisierten Übersicht, welche Gelder in die Tierversuchsforschung und in die Forschung ohne Tierversuche fließen. Das Ergebnis ist mehr als ernüchternd.

Informationen über die Finanzierung von Tierversuchen gibt es von offizieller Seite nicht. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche hat exemplarisch eine Liste zusammengestellt, aus der die Dimensionen der Ausgaben deutlich werden. Allein das Jahresbudget der beiden größten, durch öffentliche Gelder finanzierten deutschen Forschungsgesellschaften, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft, beträgt 4,79 Milliarden Euro. Diese werden zu einem großen Teil in Tierversuche investiert.

Jedes Jahr entstehen in Deutschland neue Tierversuchsanstalten, die den Steuerzahler 2-3 stellige Millionenbeträge kosten. So bekommt das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf 31 Millionen Euro für ein neues 3000 Quadratmeter großes Gebäude für die Haltung von Mäusen, Ratten, Kaninchen, Frettchen, Schafen und Schweinen. Die Förderung erfolgt durch den Hamburger Senat, der Bau soll 2019 beginnen und 2021 abgeschlossen sein. Der Bau des Institutes IMITATE am Universitätsklinikum Freiburg wird vom Land Baden-Württemberg mit insgesamt 57 Millionen Euro gefördert. Das Labor ist für 10.000 Mäuse ausgelegt und soll 2021 fertiggestellt werden.

Dr. med. vet. Corina Gericke, 2. Vorsitzende des Ärztevereins, hält das für skandalös: „Fördergelder müssen endlich in eine zukunftsgewandte tierversuchsfreie Forschung mit Organchips, Bioreaktoren und Computertechniken investiert werden. Nur so ist eine Forschung auf hohem qualitativen Niveau möglich, um Ergebnisse zu produzieren, die eine Übertragbarkeit auf den Menschen gewährleisten.“

„Von solchen Fördersummen können Forscher, die ohne Tierversuche arbeiten, nur träumen“, moniert Tierärztin Gericke. Hier sind es gerade einmal insgesamt 5,75 Millionen Euro, die regelmäßig seitens Bund und Länder in die sogenannte 3R-Forschung fließen. Bei den Ländern fallen mit größeren Beträgen nur Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auf. Baden-Württemberg vergibt jährlich 400.000 Euro zur Förderung von "Ersatz und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch“. NRW investiert dieses Jahr 500.000 Euro in das Centrum für Ersatzmethoden der Tierversuche. Dies sind auch schon die größten Förderposten in der Übersicht, kleinere kommen noch durch einmalige Fördersummen von Bund und Ländern hinzu. Ebenso durch Preise von Stiftungen und Vereinen. So entsteht eine Gesamtfördersumme von 11,34 Millionen Euro pro Jahr, die in 3R-Forschung investiert wird.

„Viel zu wenig“, mahnt Gericke: „Einem einstelligen Millionenbetrag für die regelmäßige tierversuchsfreie Forschungsförderung seitens des Bundes und der Länder stehen Milliarden für Tierversuche gegenüber. Dies ist keinesfalls hinnehmbar. Zumal die Fördersummen in die 3R-Forschung fließen, die nicht die Abschaffung von Tierversuchen zum Ziel hat.“

3R-Forschung steht für die Begriffe Reduce (Reduzieren), Refine (Verfeinern), Replace (Ersetzen) von Tierversuchen. Beim „Refinement“ geht es um bessere Haltungsbedingungen oder weniger schmerzhafte Versuche. Der Ärzteverein kritisiert diese Ausrichtung als gefährlichen Trugschluss. „Ein ethisch und wissenschaftlich falsches System braucht nicht verfeinert und auch nicht reduziert zu werden. Die 3R tragen nicht zu einer besseren medizinischen Forschung bei, sondern manifestieren das System Tierversuch und bewirken das Gegenteil“, erläutert die Tierärztin. Obwohl die tierversuchsfreie Forschung bislang so mangelhaft gefördert wird, sei sie bereits enorm leistungsstark. „Es muss umgehend ein Systemwechsel erfolgen, bei dem der Tierversuch nicht länger im Mittelpunkt steht, damit die tierversuchsfreie Forschung die Förderung bekommt, die sie verdient“, so Gericke abschließend.

Weitere Information
Übersicht Forschungsförderung >>
Was kosten Tierversuche >>


Ärzteverein verurteilt Abgasversuche an Affen aufs Schärfste

Kein trauriger Einzelfall

29.01.2018

VW ließ 2014 Affen Dieselgase einatmen, um deren angebliche Harmlosigkeit zu beweisen. Leider sind diese Toxizitätstests an Tieren kein trauriger Einzelfall sondern grausamer Alltag in deutschen Laboren.

Zehn Javaneraffen wurden vier Stunden lang in einem engen Glaskäfig eines Labors in New Mexiko eingesperrt und mussten Auspuffgase eines VW Beetles und eines alten Ford Pick-ups einatmen. Der Versuch wurde im Rahmen einer Studie durchgeführt, die zeigen sollte, dass die Schadstoffbelastung dank moderner Technik abgenommen hat.

So erschreckend dieser Versuch auch ist, er ist legal und leider kein Einzelfall, auch nicht in Deutschland. Mehr als eine halbe Million der insgesamt 2,8 Millionen Tiere, litt 2016 in Giftigkeitstests und anderen regulatorischen Versuchen. „Diese sind meist nur anzeigepflichtig, d.h. es ist nicht einmal eine Genehmigung erforderlich. Der Experimentator muss lediglich ein Formular ausfüllen, bevor er mit den qualvollen Versuchen beginnen kann“, erläutert Dr. Corina Gericke, Veterinärmedizinerin und 2. Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. Zu diesen toxikologischen Tests gehören auch Inhalationsstudien wie die oben beschriebene. 2016 wurden 1.798 Affen für toxikologische Versuche verwendet. „In den allermeisten Fällen steht am Ende der Tod, um die Organe auf Schäden zu untersuchen“, weiß Gericke.

Dabei gibt es tierversuchsfreie Forschungsmethoden, die das Tierleid stoppen können und darüber hinaus auf den Menschen übertragbare Forschungsergebnisse liefern. So haben Forscher am Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering an der Harvard University eine künstliche Lunge auf einem Chip entwickelt, mit der sich Substanzen testen lassen. Ferner besteht die Möglichkeit, Lungenzellen direkt mit Stoffen zu bedampfen. Die Zellen werden menschlichen Patienten entnommen und auf einer Membran kultiviert. Es können Erkenntnisse über die akute und chronische Toxizität eines Stoffes gewonnen werden, ohne dass ein Lebewesen diese Substanz einatmen muss.

„Um auf den Menschen übertragbare Forschungsergebnisse zu erzielen und das Leiden der Tiere zu beenden, muss dringend auf tierversuchsfreie Forschungsmethoden umgestiegen werden.“, so Gericke abschließend.

Weitere Informationen
Über das Cultex-Verfahren mit menschlichen Lungenzellen >> 


VolkswagenStiftung finanzierte unfassbare Tierversuche an Singvögeln und anderen Tieren

ÄgT fordert Einwirken von VW auf die Stiftung, die den Namen des Autobauers trägt

30.01.2018

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche enthüllt: die VolkswagenStiftung ist für qualvolle und absurde Tierversuche in Deutschland verantwortlich. Vom Autobauer VW fordert der Verein, auf die Stiftung, die seinen Namen trägt, einzuwirken, das Tierversuchs-Sponsoring einzustellen.

Der Skandal um die von VW beauftragten Abgasversuche an Affen schlägt hohe Wellen. Autohersteller entschuldigen oder distanzieren sich, Politiker bis hin zur Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilen die Tierversuche. „Wir wollen Tierversuche für die Zukunft absolut ausschließen. Damit so etwas nicht noch einmal passiert“, wird der VW-Generalbevollmächtigte Thomas Steg in der Bild-Zeitung zitiert.

„Doch grausame und absurde Tierversuche wie die Dieseltests sind in Deutschland an der Tagesordnung“, sagt Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. Der Ärzteverein nennt Tierversuche, die von der VolkswagenStiftung mitfinanziert wurden.

Rotkehlchen und anderen wild gefangenen Singvögeln wurden die Augen zugeklebt, um ihren Orientierungssinn in verschiedenen magnetischen Feldern zu erforschen, anschließend wurden sie geköpft. Mäusen wurden Bestandteile von Chilischoten in die Füße injiziert, um die Schmerzreaktionen zu beobachten. An Ratten wurde ergründet, welche Nerven im Gehirn aktiv sind, während ihre Schnurrhaare durch einen Luftstrom bewegt werden. Bei Mäusen wurde ein künstlicher Schlaganfall durch Verstopfen einer Hirnarterie ausgelöst, anschließend mussten die Tiere schwimmen, bis sie aufgaben, um so festzustellen, ob Schlaganfall Depressionen auslöst. Selbst die seit Jahren umstrittenen Hirnversuche an Affen, bei denen die Tiere durch Durst gefügig gemacht werden, wurden von der VolkswagenStiftung gesponsert.

Als „reine Neugierforschung“ bezeichnet der Ärzteverein solche Experimente. „Ohne finanzielle Unterstützung durch Drittmittel wie über die VolkswagenStiftung müsste so mancher Forscher seine nutzlose Arbeit einstellen“, erklärt Gericke.

Medien hatten berichtet, wie Volkswagen an Affen belegen wollte, dass seine Dieselabgase nicht schädlich seien. Der Konzern hatte sich für die in den USA durchgeführte Studie, bei der zehn Javaneraffen in einem engen Glaskäfig Dieselabgabe einatmen mussten, entschuldigt und Tierversuche in Zukunft ausgeschlossen. Für Tierärztin Gericke ist das nicht genug. „Der Autohersteller muss sich auch von den durch die VolkswagenStiftung mitfinanzierten Tierversuchen distanzieren und dahingehend Einfluss nehmen, dass keine weiteren mehr gefördert werden!“

Bei der VolkswagenStiftung handelt es sich nicht um eine Unternehmensstiftung. Das Kapital entstammt dem Privatisierungsprozess der heutigen Volkswagen AG und die Fördermittel werden aus dem Kapital sowie aus den vom Land Niedersachsen gehaltenen VW-Aktien erwirtschaftet. Nach Ansicht von Ärzte gegen Tierversuche trägt der Autobauer jedoch als Namensgeber eine Mitverantwortung. Außerdem ist ein Vertreter des Autoherstellers Mitglied des Kuratoriums.

Wie kommt eine Stiftung, die Geistes-, Kultur- und Gesellschaftsprojekte fördert, dazu, Tierversuche zu finanzieren? „Im Kuratorium sitzt ein Affenhirnforscher und ausgemachter Tierversuchspropagandist“, weiß Dr. Gericke.

In einer Stellungnahme auf der Internetseite der Stiftung wird lapidar auf die „Wahrung aller rechtlichen Bestimmungen“ hingewiesen. Die Genehmigungspraxis in Deutschland sei aber laut Ärzte gegen Tierversuche lediglich eine bürokratische Hürde, die Ablehnungsquote liege bei unter 1 %. „Jeder noch so absurde Versuch wird genehmigt. Und wenn eine Behörde mal den Mut hat, einen Antrag abzulehnen, geht der Experimentator vor Gericht, wie gerade in Berlin geschehen“, erklärt die Tierärztin. Die Berliner Senatsverwaltung hatte ein Vorhaben abgelehnt, bei dem Nachtigallen ein Speicherchip in das Gehirn eingepflanzt werden sollte. Die Experimentatoren klagen jetzt dagegen.

Quellen der beschriebenen Tierversuche

In deutscher Zusammenfassung nachzulesen unter www.datenbank-tierversuche.de

Singvogelversuch: Henrik Mouritsen et al.: Night-vision brain area in migratory songbirds. PNAS 2005: 102(23), 8339-8344 Datenbank-ID: 4200

Schmerzversuch: Joao B, Pesquero et al.: Hypoalgesia and altered inflammatory responses in mice lacking kinin B1 receptors. PNAS 2000: 97 (14), 8140-8145 Datenbank-ID: 4280

Rattenschnurrhaare: Emilie C.J. Syed et al.: Effect of sensory stimulation in rat barrel cortex, dorsolateral striatum and on corticostriatal functional connectivity. European Journal of Neuroscience 2011: 33, 461-470 Datenbank-ID: 4416

Depression: Golo Kronenberg et al.: Exofocal dopaminergic degeneration as antidepressant target in mouse model of poststroke depression. Biological Psychiatry 2012, 72(4), 273-281 Datenbank-ID: 4336

Affenhirnversuche: Daniela Vallentin et al: Numerical rule coding in the prefrontal, premotor, and posterior parietal cortices of macaques: The Journal of Neuroscience 2012: 32 (19); 6621-6630 Datenbank-ID: 4511 


Ärzteverein fordert: Kein neues Tierversuchslabor am UKE 

32 Mio Euro für tierversuchsfreie Forschung statt Neubau am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf

13.02.2018

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche protestiert gegen die Pläne, am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ein neues Tierlabor zu bauen. Der Senat hat das 32 Millionen Euro teure Bauvorhaben bereits genehmigt. Der Ärzteverein will erreichen, dass der Bau umgewidmet wird in ein Haus der modernen Forschung ganz ohne Tierversuche. Hamburg könne so einen Meilenstein für einen zukunftsträchtigen Forschungsstandort setzen.

Kaninchen werden Löcher in die Schienbeine gebohrt, um ein Osteoporose-Medikament zu testen. Mäuse sterben durch eine künstlich ausgelöste Hirnhautentzündung. Bei Schafen wird ein Stück Alufolie in das Gehirn einoperiert, wodurch der Austausch zweier Hormondrüsen unterbunden wird, um ein „Tiermodell“ für die Testung von Zahnimplantaten bei alten Menschen mit Knochenschwund zu entwickeln - in ihrer Stellungahme listet der Verein eine Reihe von Tierversuchsprojekten auf, die am UKE durchgeführt worden sind.

„Solche Versuche sind weder ethisch noch wissenschaftlich zu rechtfertigen“, sagt Dr. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche. „Tiere werden künstlich krank gemacht, um als ‚Tiermodell‘ Symptome der Erkrankungen des Menschen nachzuahmen. Anschließend wird versucht, diese künstlichen Symptome wieder zu heilen. Da diese aber absolut nichts mit der Krankheit beim Menschen gemein haben, funktionieren die so gefundenen Therapiemethoden beim Patienten nicht.“

Bevölkerungs- oder Patientenstudien, Zellkulturen, Multiorganchips und Miniorgane wie Miniherz oder Minihirn aus menschlichen Zellen bieten dagegen laut dem Ärzteverein innovative Möglichkeiten, tierleidfrei im Sinne des Menschen zu forschen. „In der heutigen Zeit, wo die Niederlande bereits den Ausstieg planen, noch solche Summen in das Auslaufmodell Tierversuch zu stecken, ist absolut nicht zeitgemäß“, so Gericke.

Der Verein kündigt mit seiner lokalen Arbeitsgruppe Protestaktionen, Unterschriftensammlungen und Vortragsveranstaltungen an, um die Hamburger Öffentlichkeit und Politik zu überzeugen, dass die Fördergelder umgewidmet werden müssen.

166.147 Tiere wurden 2016 in Hamburger Laboren „verbraucht“, rund 5 % der Gesamtzahl Deutschlands. Im Städtevergleich der Ärzte gegen Tierversuche liegt Hamburg auf Platz 10 der Tierversuchshochburgen. An 11 Einrichtungen werden Tierversuche durchgeführt, wobei das UKE mit 21 tierexperimentell tätigen Kliniken und Instituten die größte ist.

Weitere Infos:
www.hamburg.aerzte-gegen-tierversuche.de 


Tübingen: MPI-Mitarbeiter sollen Strafe zahlen wegen Misshandlung von Affen

Ärzte gegen Tierversuche spricht von Meilenstein

20.02.02018

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche zeigt sich hoch erfreut darüber, dass das Amtsgericht Tübingen Strafbefehl gegen drei Mitarbeiter des MPI erlassen hat, weil sie Affen zu lange haben leiden lassen. Der Verein hatte vor drei Jahren Strafanzeige wegen Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gestellt.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche führt seit 2008 eine Kampagne gegen Hirnforschung an Affen an vier Instituten in Tübingen. Im Jahr 2014 geriet eines davon, das Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, in die Schlagzeilen als Undercover-Aufnahmen veröffentlich wurden, die schwere Misshandlungen der Affen zeigten. Ein Tierpfleger der Organisationen SOKO Tierschutz und Cruelty Fee International hatte monatelang heimlich in dem Labor gefilmt. Ärzte gegen Tierversuche erstattete im Januar 2015 Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Tübingen.

„Dass die Strafanzeige nicht wie üblich eingestellt wurde, sondern in einem Strafbefehl mündet, ist ein Meilenstein“, kommentiert Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Ärztevereinigung. Strafanzeigen gegen Tierexperimentatoren werden so gut wie immer eingestellt, auch wenn noch so erdrückende Beweise für Straftatbestände vorliegen, weiß Gericke aus Erfahrung. Tierschutzdelikte im Bereich Tierversuche werden laut Ärzte gegen Tierversuche leider fast immer als Bagatellfälle abgetan. So wurde das Verfahren gegen Experimentatoren der Kerkhoff-Klinik Bad Nauheim, die jahrelang qualvolle nicht genehmigte Tierversuche an Mäusen und Schweinen durchgeführt haben, gegen Zahlung einer äußerst geringen Geldstrafe eingestellt, obwohl die Behörden über Jahre hinweg massive Tierschutzverstöße dokumentiert hatten.

„Die Nutznießer des tierexperimentellen Systems wollen der Öffentlichkeit weismachen, dass die Tiere im typischen Versuch nicht leiden würden, dass sie nicht schlimmer als eine kleine Injektion beim Tierarzt seien. Das ist eine infame Lüge!“, erklärt Gericke. Dass nun drei Tierexperimentatoren, darunter der Bereichsleiter Nikos Logothetis, für ihre Taten bestraft werden sollen, zeigt, dass es selbst an einem renommierten Institut der Max-Planck-Gesellschaft zu strafbaren Handlungen kommt. Der Ärzteverein geht von einer enormen Dunkelziffer von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz in deutschen Laboren aus, die niemals zur Ahndung kommen, weil es keine unabhängigen Kontrollen gibt.

Weitere Infos:
Kampagne: „Stoppt Affenqual in Tübingen“ >> 


EU-Parlament will weltweites Verbot für Kosmetik-Tierversuche

In 80% der Länder sind solche Tierversuche erlaubt

22.02.2018

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat sich fast einstimmig für ein weltweites Verbot von Kosmetik-Tierversuchen ausgesprochen. Die EU und die Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, ihre diplomatischen Netzwerke zu nutzen, um eine Resolution der Vereinten Nationen zu erreichen.

Im März 2013 trat ein EU-weites Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und -inhaltsstoffen in Kraft. 80% der Länder weltweit erlauben aber noch immer Tierversuche für Lippenstift und Shampoo und deren Vermarktung. Das Verbot gilt allerdings nur für Substanzen, die ausschließlich in Kosmetika Verwendung finden. Kommen sie auch in Industriechemikalien, Pharmazeutika oder Lebensmitteln vor, können sie an Tieren getestet werden, was für die überwiegende Mehrheit der Stoffe zutrifft. Das Verbot kann so leicht umgangen werden. Die Abgeordneten befürchten zudem, dass Firmen weiterhin Tiertests außerhalb der EU vornehmen und die Produkte nach Europa einführen. Die EU müsse dafür Sorge tragen, dass dies nicht geschieht. Der Umweltausschuss plädiert außerdem für eine stärkere Förderung tierversuchsfreier Testmethoden.

„Das Verbot auf EU-Ebene betrifft zwar nur einen winzig kleinen Teil der Tierversuche, dennoch ist es als wichtiger Motor für die Entwicklung und Etablierung tierversuchsfreier Testverfahren zu sehen und zudem das erste Mal, dass zumindest ein Bereich der Tierversuche auf EU-Ebene konkret verboten wurde“, kommentiert Dr. med vet. Gaby Neumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche. „Ein weltweites Verbot voranzutreiben, ist der folgerichtige Schritt.“

Die Kampagne für ein weltweites Verbot von Kosmetik-Tierversuchen wurde von dem britischen Partnerverein der Ärzte gegen Tierversuche, Cruelty Free International, ins Leben gerufen. Bürgerinnen und Bürger können sich an einer Online-Petition beteiligen.

Die Abstimmung im Ausschuss erfolgte mit 63 Ja-Stimmen und einer Enthaltung. Im März stimmt das Plenum des EU-Parlaments über den Antrag ab.

Weitere Infos:
Aus für Kosmetik-Tierversuche >>
Online-Petition „Ban Cosmetics Testing on Animals Elsewhere“ >> 


Schwerwiegende Nebenwirkungen bei Multiple-Sklerose-Medikament 

Daclizumab weltweit vom Markt genommen

06. März 2018

Nebenwirkungen wie akutes Leberversagen und Gehirnentzündungen sorgten dafür, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ein Eilverfahren zur Überprüfung des Multiple-Sklerose-Wirkstoffes Daclizumab (ZINBRYTA) eingeleitet hat. Das Ergebnis war eine sofortige weltweite Marktrücknahme seitens des Herstellers.

Daclizumab ist ein monoklonaler Antikörper und wurde bislang zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose eingesetzt. Doch bereits im vergangenen Jahr zeigten sich schwere, zum Teil tödlich verlaufende Nebenwirkungen. So starb eine MS-Patientin nach der Behandlung an akutem Leberversagen. In der Folge wurden weitere schwere Nebenwirkungen wie Gehirnerkrankungen und andere durch das Immunsystem ausgelöste Entzündungsreaktionen bei 28% deutscher und spanischer Patienten beobachtet. Am 2. März 2018 leitete die EMA gegen Daclizumab ein Verfahren nach Artikel 20 des Arzneimittelgesetzes ein, was eine eilige Überprüfung eines bereits zugelassenen Wirkstoffes bedeutet. Das Ergebnis: Wenige Stunden später erklärten der Hersteller Biogen und seine Partnerfirma AbbVie, dass das Mittel unmittelbar vom Markt genommen wird. Laufende Studien wurden gestoppt, Chargen zurückgerufen und Menschen zum ärztlich überwachten Absetzen des Medikamentes aufgerufen.

„Dieser Vorfall ist ein weiterer Beleg dafür, dass die auf Tierversuchen basierende Medikamententestung unkontrollierbare Risiken für Patienten birgt und dringend ein Richtungswechsel hin zu humanrelevanten tierversuchsfreien Methoden erfolgen muss“, äußert sich Dr. Gaby Neumann, Tierärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. Im Mai 2017 wurde im Journal of the American Medical Association eine Studie veröffentlicht aus der hervorgeht, dass 71 von 222 und damit 32 % der von der Amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) zwischen 2001 und 2010 zugelassenen Medikamente aufgrund von unerwarteten Nebenwirkungen vom Markt genommen oder mit Warnhinweisen versehen wurden. Dies zeigt, dass die Ergebnisse aus der Wirkstofftestung am Tier keinesfalls auf den Menschen übertragbar sind. Schon die klinische Prüfung, d.h. Testung an Probanden und Kranken, die nach den Tierversuchen folgen, sind mit unvorhersehbaren Gefahren und Risiken für den Menschen verbunden, was etliche Arzneimittelskandale bezeugen.

Dr. Neumann führt weiter aus: „95% aller neuen Medikamente, die sich im Tierversuch als wirksam und unbedenklich erwiesen haben, versagen bei der vor der Zulassung vorgeschriebenen Testung am Menschen, entweder weil sie nicht wirken oder weil sie schwerwiegende Nebenwirkungen haben.“ Auch Daclizumab ist nicht das erste Medikament gegen Multiple-Sklerose, bei dem schwerwiegende Nebenwirkungen nach der Zulassung aufgetreten sind.

Weitere Information:

Bewertungsbericht EMA >>

Liste von Risikomedikamenten >>

Jedes dritte Medikamtent schadet Menschen >> 


Neues Tierversuchslabor in Münster 

Erneut fließen Millionen Steuergelder in Tierversuche

08.03.2018

Nordrhein-Westfalen ist im Bundesländervergleich jetzt schon auf dem unrühmlichen Platz 2 der Tierversuchszahlen. Bald kommen weitere Tierversuche dazu, denn ein neues Tierlabor ist im westfälischen Münster geplant. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche spricht von einer skandalösen Verschwendung von Steuergeldern. Erst kürzlich wurden Pläne bekannt, nach denen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ein neues Tierlabor für 32 Millionen Euro entstehen soll. Der Protest war entsprechend groß. Nun wird auch im nordrhein-westfälischen Münster ein neues millionenschweres Tierversuchslabor gebaut. Die Baukosten sollen sich auf knapp 14 Millionen Euro belaufen und auf 1100 qm Platz für Käfige für mindestens 12.000 Mäuse bieten. Die Fertigstellung ist für Juni 2018 geplant. Details über die beabsichtigten Versuche sind noch nicht bekannt.

Dr. med. vet. Gaby Neumann, Tierärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins Ärzte gegen Tierversuche hält den geplanten Neubau für einen Skandal. „Statt weiter öffentliche Gelder für neue Tierlabore zu verschwenden, müssen wir endlich auf innovative tierversuchsfreie Methoden umsteigen. Zellkulturen, Bevölkerungs- oder Patientenstudien und Multiorganchips sind nur einige Beispiele dieser Methoden, die es zu fördern gilt.“, erläutert sie.

Doch jedes Jahr entstehen in Deutschland neue Tierversuchslabore, die den Steuerzahler 2-3 stellige Millionenbeträge kosten. Allein in München wurden in den letzten drei Jahren drei neue Laborbauten für zusammen rund 275 Millionen Euro fertiggestellt. In Mannheim und Freiburg wurden 31 bzw. 57 Millionen Euro ausgegeben und Berlin hat drei neue Tierversuchslabore für zusammen 90 Millionen Euro bekommen. Dagegen sind es gerade einmal 5,75 Millionen Euro, die regelmäßig seitens Bund und Länder in die sogenannte 3R-Forschung fließen. Wobei hier die Summen für das Refinement (Verfeinerung von Tierversuchen) noch abgezogen werden müssen. Somit werden jedes Jahr Milliarden von Steuergeldern in Tierversuche investiert, obwohl diese weder wissenschaftlich zukunftsträchtig noch ethisch vertretbar sind. In sogenannten Tiermodellen werden Symptome menschlicher Erkrankungen nachgeahmt und anschließend wird versucht, diese künstlichen Symptome zu heilen. Da dieses Vorgehen jedoch nichts mit der Krankheitsentstehung beim Menschen gemein hat, sind Ergebnisse daraus nicht auf den Menschen übertragbar. „So ist es nicht verwunderlich, dass immer noch zahlreiche unerfüllte Heilsversprechen existieren und es für zwei Drittel aller Krankheiten bis heute keine Behandlungsmöglichkeit gibt.“, so Dr. Neumann weiter.

2016 wurden bundesweit 2.854.586 Mäuse, Ratten, Fische, Kaninchen, Meerschweinchen, Schweine und andere Tiere in deutschen Laboren „verbraucht“. Im Bundesländervergleich der Tierversuchszahlen belegt Nordrhein-Westfalen mit 470.367 Tieren (16,48%) den zweiten Platz. Im Vergleich zum letzten Jahr ist hier die Zahl sogar noch um fast 40.000 Tiere gestiegen. So hat das amerikanische Unternehmen Covance, eines der weltweit größten Auftragsforschungsinstitute und größter „Affenverbraucher Deutschlands“, eine Niederlassung in NRW – ebenfalls in Münster. Das geplante neue Labor reiht sich damit in eine traurige Tradition ein. Es wird weiter auf den Tierversuch gesetzt, anstatt sich zukunftsträchtigen Forschungsmethoden zu öffnen. „NRW wird damit den Anschluss an eine moderne Forschung, deren Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, verpassen. Somit wird ein grundlegend falsches Signal auf wissenschaftlicher und ethischer Ebene gesetzt.“, schließt Dr. Neumann ab.

Weitere Informationen
Ärzte gegen Tierversuche: Finanzielle Förderung von Tierversuchen und tierversuchsfreier Forschung >>

 


Die Tierversuchszahlen im Bundesländervergleich  

Baden-Württemberg ist weiterhin trauriger Spitzenreiter

12. März 2018

Allein in den vier Bundesländern Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen finden fast 60 % aller Tierversuche in Deutschland statt. Dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche liegen die Zahlen aller Bundesländer für das Jahr 2016 vor.

Bei einer Gesamtzahl von 2.854.586 Millionen Tieren, 54.000 Tiere mehr als noch 2015, wurden 2016 allein in Baden-Württemberg 480.902 Tiere (16,85% aller Tierversuche in Deutschland) in Tierversuchen verwendet. Das Bundesland ist somit, wie auch schon im vergangenen Jahr, nun mit weiteren 20.000 Tieren, der bundesweite Spitzenreiter. Beispielsweise werden in Tübingen auch nach dem Ende der Affenversuche am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik noch immer Affenversuche im Bereich der Hirnforschung durchgeführt. Derartige Experimente finden nach wie vor am Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, an der Abteilung für Tierphysiologie des Instituts für Zoologie der Universität Tübingen sowie am Exzellenzcluster Werner Reichhardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften statt. Es wird zudem auch weiterhin in Millionenhöhe in Forschung an Tieren investiert. So mobilisierten der Bund und das Land Baden-Württemberg jüngst über 30 Millionen Euro für das Zentrum für innovative Psychiatrie‐ und Psychotherapieforschung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Aktuell sind mindestens zwei neue Labore in Baden-Württemberg im Bau. Das IMITATE (Institut für Krankheitsmodelle und gezielte Therapie) an der Universität Freiburg mit Käfigen für 10.000 Mäuse soll bis 2021 fertiggestellt werden. An der Universität Hohenheim entstehen bis 2020 zwei neue Versuchsställe für Schweine, Schafe, Hühner und 1.000 Mäuse.

Den zweiten Platz im Bundesländervergleich belegt mit 470.367 Tieren (16,48%) weiterhin Nordrhein-Westfalen. Im Vergleich zum letzten Jahr ist hier die Zahl um fast 40.000 Tiere gestiegen. So hat das amerikanische Unternehmen Covance, eines der weltweit größten Auftragsforschungskonzerne, eine Niederlassung in Münster. Der größte „Affenverbraucher Deutschlands“ hat sich auf Fortpflanzungs-Giftigkeitstests an Affen spezialisiert. Schwangeren Affen werden Arzneimittel oder Chemikalien mittels eines Schlauches in den Magen gepumpt oder in die Blutbahn injiziert, um die Auswirkung auf ihren Nachwuchs zu beobachten. Die Folge können Totgeburten oder Missbildungen sein. Die Substanzen werden auch männlichen Affen verabreicht, um ihre Zeugungsfähigkeit zu testen.

Mit rund 36.000 Tieren weniger als im vergangenen Jahr, liegt das Bundesland Bayern mit 387.316 Tieren (13,57%) weiterhin auf dem dritten Platz. Die am Institut für Chirurgische Forschung im Walter-Brendel-Zentrum München durchgeführten Xenotransplantationen, bei denen Herzen von getöteten genmanipulierten Schweinen Pavianen in die Bauchhöhle transplantiert werden, die anschließend durch schwerste Abstoßungsreaktionen sterben, ist dabei nur ein erschreckendes Beispiel. „Ergebnisse aus solchen Versuchen lassen sich keinesfalls auf den Menschen übertragen.“, äußert sich Julia Schulz, Tierärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche.

Hessen rutscht im Jahr 2016 von Rang fünf hoch auf Rang vier mit 320.184 in Versuchen eingesetzten Tieren (11,22%). Niedersachsen befindet sich trotz einer Reduzierung von rund 52.480 Tieren weiterhin mit 286.267 Tieren (10,03%) unter den Top fünf, gefolgt von Berlin mit 255.224 Tieren (8,94%).

Mäuse mussten 2016 mit knapp 2 Millionen (70,1 %) am häufigsten in deutschen Laboren leiden. Auf dem 2. Platz folgen 312.654 Ratten (11,2 %). Einen deutlichen Anstieg um 100.000 lässt sich beim Einsatz von Fischen in Versuchen auf mehr als 300.000 Tiere (10,9 %) verzeichnen. Zudem litten 95.736 Kaninchen, 2.424 Affen, 2.008 Hunde und 485 Katzen in deutschen Tierlaboren. Hinzu kommen die nicht erfassten Tiere, die für die Vorratshaltung gezüchtet werden und Tiere, die schon vor ihrem Einsatz in Versuchen getötet werden, da sie beispielsweise nicht die gewünschte genetische Modifikation aufweisen.

„Die nüchternen Zahlen spiegeln nicht das Leid wider, das die Tiere vor, während und nach dem Versuch erleiden“, gibt Tierärztin Schulz zu bedenken. Der Ärzteverein hat 4.740 der in Deutschland durchgeführten Tierexperimente auf Basis von in Fachzeitschriften veröffentlichten Artikeln in einer Datenbank (www.datenbank-tierversuche.de) dokumentiert. „Jedes Tier, das in einem Labor leidet und stirbt, ist eines zu viel“, erklärt Schulz. Tierversuchsfreie zukunftsgewandte Forschungsmethoden sind nach Aussage des Ärztevereins längst vorhanden und müssten wesentlich besser gefördert werden.

Weitere Infos:
Bundesländervergleich – Negativ-Rangliste zu Tierversuchen >>
Datenbank Tierversuche: www.datenbank-tierversuche.de
Tierversuchsstatistik >>
Tierversuchshochburgen Deutschlands >>


Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
TASSO e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
16. März 2018

71.000 Unterschriften gegen besonders grausame Tierversuche

Übergabe im Bundestag

Die drei bundesweit aktiven Vereine Ärzte gegen Tierversuche e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und TASSO e.V. haben 71.749 Unterschriften für ein gesetzliches Verbot von besonders leidvollen Tierversuchen an MdB Udo Schiefner (SPD), Mitglied des Petitionsausschusses im Bundestag, übergeben. Die Forderung wird von einem Rechtsgutachten gestützt.

Die EU sieht eine „Schmerz-Leidens-Obergrenze“ vor, die in Tierversuchen nicht überschritten werden darf. Deutschland beruft sich allerdings auf eine Ausnahmemöglichkeit in der EU-Richtlinie und erlaubt auch allerschlimmste Tierversuche. Zum Beispiel müssen Ratten in einem glattwandigen Gefäß schwimmen, bis sie verzweifelt aufgeben oder sie werden mit Elektroschocks traktiert, beides vorgeblich, um Depressionen zu simulieren. Versuche, die die EU unter dem Schweregrad „schwer“ listet, wie Tod durch Bestrahlung, Vergiftung oder Krebs, finden nach wie vor in Deutschland statt. Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge fielen 2016 Versuche an etwa 115.000 Tieren – das sind 5,2% der insgesamt 2,8 Millionen Tiere – in diese Kategorie.

Ärzte gegen Tierversuche e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und TASSO e.V. halten Tierversuche weder aus ethischen noch wissenschaftlichen Gründen für gerechtfertigt, wollen mit der Kampagne aber erreichen, dass zumindest Tierversuche mit Schweregrad „schwer“ als erster Schritt verboten werden. Ein von den Verbänden in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten untermauert, dass bei der Umsetzung der EU-Vorgaben in deutsches Recht schwerwiegende Fehler zulasten der Tiere begangen wurden.

Vertreter der drei Verbände haben gestern im Bundestag knapp 72.000 auf Papier gesammelte Unterschriften übergeben. Ziel der Übergabe ist es, eine Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestags zu erreichen. Es unterstützten jedoch weit mehr Bürger die Forderung, eine parallel laufende Online-Petition zählt bereits 131.000 Mitzeichner. Darüber hinaus sprechen sich einer repräsentativen Forsa-Umfrage zufolge 71 % der befragten Bevölkerung für ein gesetzliches Verbot der schlimmsten Tierversuche aus.

MdB Udo Schiefner unterstützt das Anliegen der Tierschützer: „Vor dem Hintergrund des Staatsziels Tierschutz ist es wichtig, dass Deutschland die rechtlichen Vorgaben der EU im Sinne der Tiere voll und ganz ausgeschöpft.“

Weitere Informationen
Kampagnen-Seite www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de und Info-Seite mit Online-Petition >>
Facebook-Fotoalbum >>
Artikel auf der Webseite von Udo Schiefner >>


v.li: MdB Udo Schiefner, Dr. Corina Gericke (ÄgT), Dr. Cristeta Brause (TASSO), Torsten Schmidt (bmt) 


Ärzte gegen Tierversuche zum Nachtigall-Tierversuch:  

Forscherin hat bereits Affen und Finken gequält

20. März 2018

Die Berliner Umweltbehörde verweigerte die Genehmigung für einen Tierversuch an Nachtigallen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche spricht von einem mutigen Schritt und enthüllt jetzt, dass die Forscherin Daniela Vallentin seit Jahren leidvolle Tierversuche an Affen und Zebrafinken vornimmt, die der reinen Grundlagenforschung zuzuordnen sind. Das Autismus-Argument ist nach Aussage des Ärztevereins nur vorgeschoben, um ihre Neugierforschung zu rechtfertigen.

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche gratuliert der Berliner Umweltbehörde zu ihrem Schritt, den Antrag auf die „Entnahme“ von Nachtigallen aus Berliner Parks zu verweigern. Laut Recherchen des Verbands liegt die Ablehnungsquote von Tierversuchsanträgen bundesweit bei unter einem Prozent. „Es ist äußerst erfreulich und mutig, wenn eine Behörde einmal einen Antrag ablehnt“, kommentiert Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. In diesem Fall war es noch nicht einmal das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGESO), das für die Genehmigung von Tierversuchen zuständig ist, sondern die Umweltbehörde, die aus Artenschutzgründen den Fang von geschützten Wildtieren verweigert hat.

Bei der öffentlichen Debatte ging es bisher nur um die Wildfänge, nicht aber um das bevorstehende Leid der Nachtigallen. In den Medien behauptet die Forscherin, die Eingriffe seien schmerzfrei und würden die Tiere nicht beeinträchtigen. Als „dreiste Lüge und Schönfärberei“ bezeichnet Tierärztin Gericke die Behauptung. Im Gehirn gibt es zwar keine Schmerzrezeptoren, aber allein das Handling von Wildvögeln - wobei auch gezüchtete Nachtigallen Wildtiere sind - das Bohren des Lochs, das Einlassen der Elektroden mit einem Motor, verursachen immensen Stress bei den Tieren.

Welches Leid die Vögel erwartet, lassen die Publikationen der Forscherin Vallentin erahnen. An der Universität Tübingen hat sie Hirnversuche an Rhesusaffen vorgenommen, die seit Jahren in der Kritik von Öffentlichkeit und Behörden stehen. Die Tiere werden durch Durst gezwungen, stundenlang mit angeschraubtem Kopf in einem Primatenstuhl sitzend an einem Bildschirm Aufgaben zu erfüllen, während Elektroden in ihrem Kopf Hirnströme messen. In New York hat Vallentin ähnliche Experimente an Zebrafinken zu verantworten. Den Vögeln wird ein Loch in den Kopf gebohrt, um Elektroden mit einem auf dem Kopf montierten Antriebsgerät in das Hirngewebe einzulassen. Eine Stahlplatte wird mit Zahnzement auf den Schädel befestigt, an der der Kopf des Tieres fixiert wird. Dann wird vor dem männlichen Fink ein Weibchen hinter einer Glasscheibe präsentiert, um ihn zum Singen zu animieren. In anderen Versuchen werden Zebrafinken durch beidseitiges Ausbohren der Hörschnecke ertaubt oder durch Zerschneiden des Stimmnervs stumm gemacht. In einigen Artikeln ist auch eine Tötung der Vögel erwähnt.

„Die bisherigen Veröffentlichungen der Forscherin machen deutlich, dass es ihr um reine wissenschaftliche Neugier auf Kosten von fühlenden Lebewesen geht. Dass sie angeblich auf Erkenntnisse für autistische Kinder hofft, wie es in den Medien heißt, ist nur vorgeschoben, um die absurden und qualvollen Versuche in der Öffentlichkeit hoffähig zu machen“, ist sich Gericke sicher. Außerdem stehen mit modernen Methoden wie bildgebenden Verfahren, Patientenstudien, Computersimulation und Minigehirnen viel effektivere Forschungsmittel zur Verfügung, die den autistischen Mensch im Fokus haben und nicht Wildvögel.

Weitere Informationen:

www.datenbank-tierversuche.de
Die beiden zuerst genannten Quellen zu Versuchen an Affen sind in der Datenbank unter der ID 4511 und 3828 zu finden. Die Versuche an Finken wurden in den USA durchgeführt und sind daher nicht in der Datenbank.

Quellen:

- Daniela Vallentin, Sylvia Bongard, Andreas Nieder: Numerical rule coding in the prefrontal, premotor, and posterior parietal cortices of macaques. The Journal of Neuroscience 2012: 32 (19); 6621-6630

- Daniela Vallentin, Andreas Nieder: Behavioral and prefrontal representation of spatial proportions in the monkey. Current Biology 2008: 18, 1420-1425

- Jonathan I. Benichov, Sam E. Benezra, Daniela Vallentin at al: The Forebrain Song System Mediates Predictive Call Timing in Female and Male Zebra Finches. Current Biology 2016: 26; 309–318

- Michel A. Picardo, Josh Merel, Kalman A. Katlowitz, Daniela Vallentin et al: Population-Level Representation of a Temporal Sequence Underlying Song Production in the Zebra Finch. Neuron 2016: 90; 866–876

- Daniela Vallentin, Michael A. Long: Motor Origin of Precise Synaptic Inputs onto Forebrain Neurons Driving a Skilled Behavior. The Journal of Neuroscience 2015: 35(1); 299–307

- Georg Kosche, XDaniela Vallentin, Michael A. Long: Interplay of Inhibition and Excitation Shapes a Premotor Neural Sequence. The Journal of Neuroscience 2015: 35(3); 1217–1227

Ergänzung nach Aussenden der Pressemitteilung:
Ausführliche Stellungnahme >> 


Das Herz aus Stein für den schlimmsten Tierversuch des Jahres vergeben 

„Preis“ geht an Nacktmullforscher des Max-Delbrück-Zentrums

13.04.2018

„Wie lange können Nacktmulle ohne Sauerstoff auskommen?“ - für Tierversuche zu dieser Fragestellung hat der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche gestern einen Preis für den schlimmsten Tierversuch des Jahres 2017 – das „Herz aus Stein“ – verliehen. Die Negativauszeichnung erhielten Tierexperimentatoren des Max-Delbrück-Zentrums für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch.

„Unlängst war ein Versuchsvorhaben in die Schlagzeilen geraten, bei dem eine Berliner Forscherin wild gefangenen Nachtigallen Elektroden ins Gehirn zementieren wollte, vorgeblich, um autistischen Kindern zu helfen. Dabei hat Berlin noch andere absurde Tierversuche zu bieten“, so Dr. med. vet. Corina Gericke, Vorstandsmitglied der Ärzte gegen Tierversuche.

MDC-Experimentatoren untersuchten die Überlebensrate von Mäusen und Nacktmullen bei verschiedenen Sauerstoff- und Kohlendioxidkonzentrationen in der Luft. Bei 0% Sauerstoff erstickten die Mäuse nach 45 Sekunden, Nacktmulle hielten 18 Minuten aus, wenn ihre Körpertemperatur normale 30°C betrug. Bei erhöhter Temperatur von 37°C erstickten sie nach 6 Minuten. Damit wolle man Strategien zur Behandlung von Schlaganfall und Herzinfarkt entwickeln.

„Regelmäßig werden solche angeblichen Behandlungsaussichten zur Rechtfertigung von Tierversuchen vorgeschoben“, erklärt Dr. Gericke. „Tatsächlich handelt es sich um reine Neugierforschung ohne jeglichen Bezug zum kranken Menschen. Niemand braucht solche abstruse Forschung.“

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche hatte fünf im Jahr 2017 in Fachzeitschriften veröffentlichte Tierexperimente auf seiner Webseite zur Abstimmung für das „Herz aus Stein“ vorgestellt. Fast die Hälfte (48%) der rund 3.500 Stimmen entfielen auf die Nacktmullversuche am MDC. Mit 29% kam ein Versuch aus Martinsried bei München auf den zweiten Platz. Dabei wurde bei Mäusen durch Stiche in den Blinddarm eine äußerst schmerzhafte Bauchfellentzündung ausgelöst, um die Todesrate zu beobachten.

Mit der erstmaligen Vergabe des „Herz aus Stein“ will der Ärzteverein auf besonders grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen, die in Deutschland durchgeführt wurden und in seiner Internet-Datenbank dokumentiert sind. Beim Übergabe-Termin am Donnerstag lehnte das MDC die Annahme des „Herz aus Stein“ ab. Eine vom MDC spontan vor Ort vorgeschlagene öffentliche Diskussionsrunde kam nicht zustande, weil sich das MDC nicht auf den Wunsch des Ärztevereins nach gleich verteiltem Kräfteverhältnis einlassen wollte.

Weitere Informationen
www.herz-aus-stein.info
www.datenbank-tierversuche.de 


Ärzteverein fordert Ausstieg aus dem Tierversuche 

Aktionen zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche

19. April 2018

Jedes Jahr müssen rund 2,8 Millionen Mäuse, Ratten, Kaninchen, Fische und andere Tiere allein in deutschen Laboren im Namen der Forschung leiden und sterben. Dabei stellen immer mehr wissenschaftliche Studien den Tierversuch als Methode in Frage. Auch in der Bevölkerung spricht sich laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage eine Mehrheit von 52 % gegen Tierversuche aus. Zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche (24.4.) fordert der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche von der neuen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, einen Ausstiegsplan vorzulegen, wie ihn die Niederlande bereits haben. 69 % der bei der Erhebung Befragten sind für ein solches Konzept.

Eine große Mehrheit von 71 % ist zudem für ein Verbot zumindest der schlimmsten Tierversuche. So werden Ratten und Mäuse zur vorgeblichen Depressionsforschung so lange zum Schwimmen gezwungen, bis sie vor Erschöpfung und Verzweiflung aufgeben und aufhören zu schwimmen. Oder ihnen werden über den Käfigboden Elektroschocks verabreicht, denen sie nicht entkommen können, bis sie nicht mehr hochspringen und den Schmerz über sich ergehen lassen. Schon die Namen dieser Versuchsmethoden - „Verzweiflungstest“ und „Erlernte Hilflosigkeit“ - lassen erahnen, was die Tiere erleiden müssen. Nach den Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie könnten solche Praktiken verboten werden. „Deutschland hat jedoch bei der Umsetzung dieser Richtlinie in nationales Recht verfassungswidrigerweise ein Schlupfloch genutzt, um auch die schwerstbelastenden Tierversuche weiter zu erlauben“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vorstandsmitglied des Ärztevereins.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kämpft zusammen mit seinen Kampagnen-Partnern TASSO e.V. und Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. dafür, dass zumindest diesen besonders leidvollen Versuchen ein Ende gesetzt wird. Fast 115.000 Tiere sind davon betroffen.

Der Ärzteverein kritisiert Tierversuche nicht nur aus ethischen Gründen, sondern vor allem auch wegen der fehlenden Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen. Wissenschaftliche Studien bescheinigen Tierversuchen insbesondere in der Grundlagenforschung eine äußerst schlechte „Erfolgsquote“ von weit unter einem Prozent. „Das kann man doch nicht Wissenschaft nennen, die Zukunftsfähigkeit beansprucht!“, moniert Tierärztin Gericke. „So kann es nicht weitergehen! Wir brauchen eine klare Zielvorgabe der Politik, ein konkretes Ausstiegskonzept, wie es die Niederlande bereits vormachen.“ Unser Nachbarland will bis 2025 führend auf dem Gebiet der tierversuchsfreien Methoden werden und bis dahin zumindest Teilbereiche der Tierversuche abgeschafft haben. Der Verein nimmt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in die Verantwortung, hier Weichen für eine zukunftsfähige Forschung und Wissenschaft ohne Tierversuche zu stellen.

Mit einem Aktionstag am 28. April 2018 will der Verein seiner Forderung Nachdruck verleihen. In 21 Städten werden von den lokalen ÄgT-Arbeitsgruppen und befreundeten Vereine eindrucksvolle Aktionen wie der stille Protest „Silent Line“ organisiert.

In der Woche um den 24. April wird weltweit auf das Leid der Tiere in den Laboren aufmerksam gemacht. Der Gedenk- und Aktionstag wurde 1979 in Großbritannien ins Leben gerufen.


Weitere Infos:

www.tag-zur-abschaffung-der-tierversuche.de

Forsa-Umfrage >>

Tierversuchsstatistik >>

Kampagne für ein Verbot leidvollster Tierversuche >>


Die genannten wissenschaftlichen Studien:

Chalmers, Iain et al.: Research: increasing value, reducing waste 1: How to increase value and reduce waste when research priorities are set. The Lancet 2014: 383 (9912); 156–165

Greek, Rey, Andre Menache: Systematic Reviews of Animal Models: Methodology versus Epistemology. International Journal of Medical Sciences 2013: 10; 206-221

Lindl, Toni et al.: Tierversuche in der biomedizinischen Forschung. ALTEX 2005: 22; 143-151 


Aktionstag zum Tag zur Abschaffung der Tierversuche  - Proteste in 23 Städten 

Mehrheit gegen Tierversuche

26.04.2018

Zum 28. April hat der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche zu einem Aktionstag aufgerufen. Aus 23 Städten* gibt es bereits gemeldete Aktivitäten. Anlass ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche (24.04.). Im Mittelpunkt des Gedenk- und Aktionstages stehen dieses Jahr besonders leidvolle Tierversuche, die nach dem Willen der EU verboten sein könnten, in Deutschland jedoch uneingeschränkt stattfinden.

Jedes Jahr müssen rund 2,8 Millionen Mäuse, Ratten, Kaninchen, Fische und andere Tiere allein in deutschen Laboren im Namen der Forschung leiden und sterben. Etwa 115.000 Tiere sind von den besonders leidvollen Versuchen der Schweregrad-Kategorie „schwer“ betroffen. So werden Ratten und Mäuse zur vorgeblichen Depressionsforschung so lange zum Schwimmen gezwungen, bis sie vor Erschöpfung und Verzweiflung aufgeben und aufhören zu schwimmen. Oder ihnen werden über den Käfigboden Elektroschocks versetzt, denen sie nicht entkommen können, bis sie nicht mehr hochspringen und den Schmerz über sich ergehen lassen. Schon die Namen dieser Versuchsmethoden - „Verzweiflungstest“ und „Erlernte Hilflosigkeit“ - lassen erahnen, was die Tiere erleiden müssen. Nach den Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie könnten solche Praktiken verboten werden. „Deutschland hat jedoch bei der Umsetzung dieser Richtlinie in nationales Recht verfassungswidrigerweise ein Schlupfloch genutzt, um auch die schwerstbelastenden Tierversuche weiter zu erlauben“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende des Ärztevereins.

Einer repräsentativen Forsa-Umfrage zufolge spricht sich eine große Mehrheit der Bevölkerung von 71 % für ein Verbot zumindest dieser schlimmsten Tierversuche aus.

Mit einem Aktionstag am 28. April 2018 in 23 Städten will der Verein seiner Forderung nach einem Verbot zumindest von Tierversuchen mit Schweregrad „schwer“ Nachdruck verleihen.

In vielen Städten findet an diesem Tag eine „Silent Line“ statt. Bei dieser eindrucksvollen Protestform stehen die Aktivisten still in einer Reihe und lassen die gehaltenen Bilder und Faktenschilder auf die Passanten wirken.

In der Woche um den 24. April wird weltweit auf das Leid der Tiere in den Laboren aufmerksam gemacht. Der Gedenk- und Aktionstag wurde 1979 in Großbritannien ins Leben gerufen.

* Bayreuth, Berlin, Braunschweig, Dresden, Emden, Erlangen, Frankfurt/Main, Gütersloh, Hamburg, Heidelberg, Kehl-Straßburg, Köln, Krefeld, München, Münster, Nürnberg, Reutlingen, Rosenheim, Rottweil, Straubing, Stuttgart, Tuttlingen, Waldshut

Weitere Infos:

www.tag-zur-abschaffung-der-tierversuche.de

Forsa-Umfrage >>

Kampagne für ein Verbot leidvollster Tierversuche >> 


EU-Parlament fordert weltweites Verbot von Tierversuchen für Kosmetik 

Ärzteverein spricht von einem Meilenstein

07. Mai 2018

Das Europäische Parlament hat eine Resolution für ein weltweites Verbot von Tierversuchen, die für kosmetischen Zwecke durchgeführt werden, verabschiedet. Die EU soll sich bei den Vereinten Nationen für eine diplomatische Initiative einsetzen, die Kosmetik-Tierversuche bis 2023 beenden soll. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche zeigt sich hocherfreut und spricht von einem Meilenstein.

620 der 751 Abgeordneten befürworteten die Resolution. Dieser politische Vorstoß ist ein wichtiger Schritt zu einem weltweiten Verbot. Im März 2013 trat ein europaweites Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und -inhaltsstoffen in Kraft, doch in 80 Prozent aller Länder werden immer noch Kosmetik-Tierversuche durchgeführt. Schätzungen gehen von einer halben Million Tiere jährlich aus, die für diesen Zweck leiden und sterben.

Für Dr. med. vet. Corina Gericke, zweite Vorsitzende und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins Ärzte gegen Tierversuche, ist dieser Schritt längst überfällig: „Was in der EU gangbar ist, muss auch in anderen Ländern möglich sein.“

In Anbetracht einer Vielzahl bereits verfügbarer tierversuchsfreier Testmethoden ist ein weltweites Verbot nun der nächste wichtige Meilenstein. Die Resolution fordert die EU-Institutionen auf, die Entwicklung tierversuchsfreier Tests prioritär weiter voranzutreiben.

Die Initiative für ein weltweites Verbot von Kosmetik-Tierversuchen ging von dem britischen Partnerverein der Ärzte gegen Tierversuche, Cruelty Free International, aus. Bürgerinnen und Bürger können sich an einer Online-Petition beteiligen.

Weitere Infos:
Kosmetik-Tierversuche weltweit verbieten >>
direkt zur
Online-Petition „Ban Cosmetics Testing on Animals Elsewhere“ >> 


Nestlé lässt Tausende Mäuse für Botox leiden 

Europaweite Aktionswoche gegen Botox-Tierversuche

20. Juni 2018

Der Schweizer Konzern Nestlé trägt aus reinem Profitstreben die Schuld an immensem Tierleid, prangert der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche an. Während einige Botox-Hersteller bereits tierversuchsfreie Tests einsetzen, vertreibt Nestlé Präparate, für die es noch keinen anerkannten tierfreien Test gibt und steigert damit die Anzahl der Tierversuche. Mit einer europaweiten Protestwoche vom 25. - 30. Juni fordern der Ärzteverein und seine europäischen Partner den Konzern auf, das Botox-Geschäft auszusetzen, bis eine tierversuchsfreie Methode anerkannt ist.

Mit dem als „Botox“ bekannten Nervengift Botulinumtoxin werden Gesichtsfalten glatt gespritzt und diverse medizinische Probleme behandelt wie Schiefhals, übermäßiges Schwitzen oder Migräne. Bevor sie in den Verkauf gehen kann, wird jede Produktionseinheit Botulinumtoxin in einem qualvollen Tierversuch an Mäusen getestet, dem sogenannten LD50-Test. Gruppen von Mäusen wird das Gift in die Bauchhöhle injiziert, um die Dosis zu ermitteln, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. Das von Bakterien produzierte Toxin lähmt die Atemmuskulatur, die Mäuse ersticken qualvoll.

Die Botox-Hersteller Allergan und Merz setzen seit 2011 bzw. 2015 selbstentwickelte tierversuchsfreie Zelltests zumindest zum großen Teil anstelle des LD50-Tests ein. Nestlé vertreibt die Botox-Produkte Dysport und Azzalure des britischen Herstellers Ipsen. „Ipsen behauptet, im März einen tierfreien Test an nicht genannte Behörden eingereicht zu haben. Es ist aber unklar, ob und wenn ja, wann und in welchen Ländern dieser anerkannt wird“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche.

Die Komplettübernahme der Nestlé-L’Oreal-Tochter Galderma hat Nestlé 3,1 Milliarden Euro gekostet. Der Konzern investierte im Rahmen der Neugründung der Tochterfirma Nestlé Skin Health weitere 1,3 Milliarden Euro für die Exklusivrechte, Dysport und Azzalure vermarkten zu dürfen. Mit dieser Milliardeninvestition erschließt sich Nestlé einen riesigen Markt. „Aber für die Entwicklung eines tierversuchsfreien Tests hat der Konzern offensichtlich nichts übrig. Nestlé trägt damit die Verantwortung für immenses Tierleid“, kritisiert Tierärztin Gericke.

Am 30. Juni jährt sich die Anerkennung eines tierversuchsfreien Zelltests zum 7. Mal, aber immer noch müssen Jahr für Jahr Hunderttausende Mäuse für Botox-Produkte leiden und sterben. Der Schweizer Nahrungsmittelriese steht im Fokus der diesjährigen europaweiten Protestwoche der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), bei der die Ärzte gegen Tierversuche Mitglied sind. Außer in Deutschland finden um diesen Tag in Österreich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Portugal, Spanien, Schweden, der Schweiz und Spanien Aktionen und Online-Proteste statt.

Der Ärzteverein macht seit 2008 gegen das Tierleid, das hinter dem Faltenkiller steckt, mobil. Der Verein hält auf seiner Website einen Musterbrief bereit, den Interessierte an Nestlé schicken können und unterstützt eine Online-Petition der Partnervereins Schweizer Liga gegen Tierversuche und für die Rechte der Tiere (LSCV).

Weitere Infos:
www.botox-tierversuche.de
Musterbriefe >>
Online-Petition >> 


Region Brüssel verbietet Tierversuche an Affen, Hunden und Katzen sowie in der Ausbildung 

Großartiger Erfolg gegen Tierversuche

24.07.2018

Die belgische Region Brüssel hat aktuell konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Tierversuchen angekündigt. Ab 1. Januar 2020 sind Tierversuche an Affen, Hunden und Katzen verboten, ab 2025 kommt ein Verbot von Versuchen in der Ausbildung hinzu. Die Hauptstadt-Region will außerdem ab 2025 Tierversuche für Sicherheitsprüfungen, z.B. Giftigkeitstests, verbieten, „außer wenn es keine Alternativen gibt“, Tierversuche in der angewandten Forschung sollen um 20% reduziert werden. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche gratuliert zu einem wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Der Erfolg ist der jahrelangen intensiven Arbeit des belgischen Vereins GAIA zu verdanken, einem Partnerverein der Ärzte gegen Tierversuche. Brüssel hatte zunächst eine Reduktion der derzeit etwa 92.000 Tierversuche um 30% bis 2025 anvisiert. „Aufgrund des massiven Widerstands der Tierversuchslobby wurde das Ziel abgeschwächt, dennoch ein großartiger Erfolg und guter Anfang, dass Teilbereiche gesetzlich verboten werden“, findet Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche.

Belgien besteht aus den drei Regionen Brüssel, Flandern und Wallonien. In Brüssel wurden in den letzten zwei Jahren nur sehr wenige Hunde (2-4) und Affen (0-5) sowie keine Katzen in Versuchen verwendet. Die Ausbildungsversuche beliefen sich auf etwa 470 pro Jahr (0,5%). Die regulatorischen Tierversuche lagen um die 14.000 Tiere und die angewandte Forschung, die um 20% reduziert werden soll, bei 10.000-12.000 Tieren. Da noch unklar ist, um wie viel die regulatorischen Tests reduziert werden, kommt man auf insgesamt 2,7 – 18% Reduktion, was 2.500 – 16.000 Tieren entspricht, die weniger in Tierversuchen leiden und sterben werden.

„Deutschland ist von solchen konkreten Maßnahmen leider noch weit entfernt. Bei uns werden nicht einmal Versuche an Menschenaffen gesetzlich verboten, obwohl sie seit 1991 nicht mehr durchgeführt werden“, erläutert Gericke“. „Mit der grundgesetzlich verbrieften Forschungsfreiheit im Rücken soll jedes Hintertürchen offen bleiben. Und das, obwohl auch das Staatsziel Tierschutz seit 2002 im Grundgesetz verankert ist.“

Neben den Niederlanden, die sich einen Ausstiegsfahrplan gegeben haben, ist nun auch Belgien Vorbild, was konkrete Schritte gegen Tierversuche angeht. Ärzte gegen Tierversuche setzt sich aus ethischen Gründen und wegen der fehlenden wissenschaftlichen Relevanz des Tierversuchs für seine komplette Abschaffung ein, begrüßt jedoch auch konkrete politische Schritte auf dem Weg dorthin.

Weitere Infos
Pressemitteilung von GAIA (franz.) >>
Stellungnahme zum Strategiepapier der Niederlande zum Ausstieg aus dem Tierversuch >>


Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
TASSO e.V.

27. Juli 2018

Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission bestätigt: Deutschlands Tierversuchsrecht mangelhaft

Die EU-Kommission hat aktuell ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen nicht korrekter Umsetzung europäischer Tierversuchsvorgaben eingeleitet. Die bundesweit tätigen Vereine Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO begrüßen diese Maßnahme und sehen sich in ihrer jahrelang geäußerten Kritik bestätigt. Aus ihrer Sicht ist die Bundesregierung nun in der Pflicht endlich die notwendigen und umfassenden Korrekturen im deutschen Tierversuchsrecht vorzunehmen.

Aus einer Pressemitteilung der EU-Kommission vom 19. Juli 2018 geht hervor, dass Deutschland zahlreiche Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie nicht korrekt umsetzt. Die EU verweist hierbei auf Defizite in Bezug auf Inspektionen, die Sachkunde des Personals und die Anwesenheit von Tierärzten.

Nach Einschätzung der Vereine dürfte die Liste der Defizite jedoch weit umfangreicher sein. Die Vereine stützen sich auf mehrere juristische Expertengutachten, die mindestens 18 zum Teil schwerwiegende Fehler zulasten der Tiere im deutschen Tierversuchsrecht offenbaren. So hat Deutschland beispielsweise nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, eine „Schmerz-Leidens-Obergrenze“ einzuführen, obwohl dies verfassungsgemäß geboten wäre und eine klare Zielbestimmung der EU-Richtlinie darstellt. Auch der Umstand, dass das europäische Recht Angst als Leid definiert, wird in Deutschland komplett ignoriert. Zudem haben die deutschen Behörden nicht wie von der EU gefordert die Möglichkeit, jeden Tierversuchsantrag auf Sinnhaftigkeit und ethische Vertretbarkeit zu prüfen.

Bereits im März 2016 hatte Ärzte gegen Tierversuche eine umfassende Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingelegt.

Mit ihrer aktuellen Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ fordern die Vereine insbesondere ein Verbot schwer belastender Tierversuche. Eine beim Bundestag eingereichte Petition, die von 200.000 Unterstützern mitgetragen wird, zeigt einen ersten Erfolg. Anfang Oktober können die Vereine ihr Anliegen vor dem Petitionsausschuss des Bundestags vorbringen.

„Es kann nicht angehen, dass Deutschland den Tierschutz mit Füßen tritt und nicht einmal die ohnehin unzureichenden Tierversuchsvorgaben der EU einhält“, so die Verbände abschließend.

Weitere Information

Deutschland erlaubt, was EU verbietet - Beschwerde wegen lascher Gesetze bei Tierversuchen >>

Juristisches Gutachten attestiert Verstöße im Tierversuchsrecht >>

Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ mit Online-Petition>> 


 19 Babys sterben in klinischer Studie trotz zahlreicher vorausgehender Tierversuche

Tierversuche lieferten bereits widersprüchliche Aussagen

30.07.2018

Wieder einmal gibt es einen tragischen Vorfall bei der Testung eines Medikaments in einer klinischen Studie. 19 Babys starben nach der Geburt, nachdem ihren schwangeren Müttern der Viagra-Wirkstoff Sildenafil verabreicht wurde. Dieser sollte die Wachstumsstörungen der Ungeborenen verbessern. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hält es für unverantwortlich, dass solch eine riskante Studie überhaupt zugelassen wurde, denn Tierversuche zu diesem Thema liefern seit vielen Jahren und bei unterschiedlichen Tierarten widersprüchliche Forschungsergebnisse.

In einer klinischen Studie, geleitet vom Universitätsklinikum Amsterdam und durchgeführt an 10 niederländischen Krankenhäusern, wurde Schwangeren der Wirkstoff Sildenafil (Handelsname Viagra) verabreicht. Die teilnehmenden Frauen litten unter einer Unterfunktion der Plazenta, was bei den ungeborenen Babys zu Wachstumsstörungen führt. Der Viagra-Wirkstoff sollte eine verbesserte Durchblutung der Plazenta bewirken und dadurch das Wachstum der Föten verbessern. Die Studie begann im Jahr 2015 und sollte planmäßig bis 2020 laufen. 93 Teilnehmerinnen wurde bereits der Wirkstoff verabreicht und es starben bislang 19 Säuglinge nach der Geburt - die meisten davon an Lungenproblemen, die mit höchster Wahrscheinlichkeit auf die Wirkstoff-Gabe zurückzuführen sind. Die missglückte Studie wurde abgebrochen.

Zur Wirksamkeit von Sildenafil während der Schwangerschaft werden seit langer Zeit etliche Tierversuche durchgeführt - an Ratten, Mäusen, Meerschweinchen, Schafen und Hühnern. Auch die Auswirkungen auf deren Nachwuchs wurden in zahlreichen tierexperimentellen Studien untersucht. Viele kamen zu dem Schluss, dass eine Gabe des Wirkstoffs in moderater Dosierung keine bedenklichen Folgen für die neugeborenen Tiere hat. „Dies ist wieder einmal ein tragisches Beispiel dafür, dass Tiere kein geeignetes Modell sind, um Medikamente für die Humanmedizin zu testen“, so Dr. Ines Lenk, Gynäkologin aus Kitzscher bei Leipzig und Mitglied des erweiterten Vorstands vom Verein Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein fordert eine intensivere Förderung humanbasierter tierversuchsfreier Methoden, die zuverlässige Forschungsergebnisse liefern – gerade auch für die Sicherheit von Medikamenten.

Dass die Studie überhaupt durchgeführt werden durfte, ist laut Ärzte gegen Tierversuche schwer nachzuvollziehen, denn in der Fachliteratur häufen sich widersprüchliche Aussagen bezüglich der Auswirkung einer Sildenafil-Gabe in der Schwangerschaft. So gibt es Tierversuche, in denen Forscher eine schädliche Wirkung auf den Nachwuchs beobachtet haben, während andere Experimentatoren bei derselben Tierart und mit einem ähnlichen Versuchsaufbau die Gabe als sicher und unbedenklich einstuften. „Das ist ein Phänomen, das nicht nur auf den vorliegenden Fall zutrifft. Zu fast allen wissenschaftlichen Fragestellungen, die untersucht werden, findet man kontroverse Ergebnisse aus Studien, die bei ein und derselben Tierart durchgeführt worden sind, z.B. bei Mäusen oder Ratten“, sagt Dr. Tamara Zietek, Wissenschaftlerin bei Ärzte gegen Tierversuche, die selbst zuvor viele Jahre in der Forschung an deutschen Universitäten tätig war. „Es ist unverantwortlich, Menschen einem solchen Risiko auszusetzen, wenn man weiß, dass Tierexperimente völlig kontroverse Ergebnisse liefern, und viele davon sogar negative Folgen für den Nachwuchs aufzeigen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Wirkstoff, der zuvor in zahlreichen Tierversuchen und bei unterschiedlichen Tierarten getestet wurde, in der folgenden klinischen Humanstudie fatale Auswirkungen hat. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche berichtet schon lange von solchen Fällen, in denen Medikamente, die in Tierexperimenten als sicher eingestuft wurden, für den Menschen nicht zugelassen werden – entweder, weil unerwartete zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen eintreten oder, weil die Wirksamkeit ausbleibt. Der Ärzteverein plädiert für eine tierversuchsfreie Forschung etwa mit Multiorganchips. So ist es der Universität Chicago gelungen, einen kompletten weiblichen Genitaltrakt im Miniformat auf einem Chip zu kreieren. Sinnvolle, humanrelevante Forschung ist auch an menschlichen Plazenten möglich, wie sie in Jena entwickelt wurde.

Quellen

1. Pellicer B et al. Haemodynamic effects of long-term administration of sildenafil in normotensive pregnant and non-pregnant rats. BJOG Int J Obstet Gynaecol. 2011;118(5):615–623.

2. Itani N et al. Sildenafil therapy for fetal cardiovascular dysfunction during hypoxic development: studies in the chick embryo. J Physiol. 2017;595(5):1563–1573.

3. Renshall LJ et al. In vitro assessment of mouse fetal abdominal aortic vascular function. Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol. 2014;307(6):746-754.

4. Sasser JM und Baylis C. Effects of sildenafil on maternal hemodynamics and fetal growth in normal rat pregnancy. Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol. 2010;298(2):433-438.

5. Abou-Tarboush FM et al. Developmental toxicity of orally administered sildenafil citrate (Viagra) in SWR/J mice. Saudi J Biol Sci. 2011;18(2):135–139.

6. Asgari L. et al.: The effect of sildenafil (Viagra™) on live birth and the development of mouse offspring http://www.posters2view.eu/eshre2014/data/58.pdf. Aufgerufen am 30.07.2018

7. Renshall L. et al.: Female offspring from sildenafil citrate-treated pregnancies exhibit impaired glucose tolerance https://www.placentajournal.org/article/S0143-4004(14)00360-9/pdf. Aufgerufen am 30.07.2018

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Weiblicher Genitaltrakt auf dem Chip >>


Tierversuche an Rotkehlchen in Oldenburg  

Ärzte gegen Tierversuche starten Online-Petition

6. August 2018

In Oldenburg werden freilebende Rotkehlchen gefangen, um sie grausamen Experimenten auszusetzen, und dies seit mindestens 14 Jahren. In einem einzelnen Versuch mussten 92 Rotkehlchen leiden. In einem anderen Versuchsprojekt wurden 40 Rotkehlchen geköpft. Als „reine Neugierforschung“ kritisiert dies der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche in einer Stellungnahme und fordert mit einer Online-Petition den Stop der Experimente.

Um den Navigationssinn von Zugvögeln zu erforschen werden Rotkehlchen auf dem Campus der Universität Oldenburg wild gefangen und am Institut für Biologie und Umweltwissenschaften gehalten. Für die Versuche werden die Tiere mehrfach einzeln in einen kleinen Kasten gesetzt, der mit speziellem Papier ausgekleidet ist. Bei seinen vergeblichen Flugversuchen in die ihm angeborene Zugrichtung hinterlässt der Vogel Kratzspuren, die von den Experimentatoren ausgewertet werden. Dann werden die Vögel starken Magnetfeldern ausgesetzt, um ihren Navigationssinn zu stören und sie orientierungslos zu machen. In einem anderen Versuchsprojekt werden 40 Rotkehlchen geköpft, um ihre Augennetzhäute zu untersuchen.

„Allein das Einfangen und die Käfighaltung sind bereits mit erheblichem Stress und Angst für die scheuen Tiere verbunden“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. „Sicher ist es interessant, herauszufinden wie Zugvögel navigieren und niemand hat etwas gegen Neugier als Triebfeder der Grundlagenforschung, solange keine Tiere dabei zu Schaden kommen“, sagt Tierärztin Gericke. Die Erforschung des Zugverhaltens von Vögeln ist ethisch vertretbar auch durch nicht-invasive Methoden möglich, etwa durch Freilandbeobachtungen.

Bereits 2007 hat der Verein gegen die Oldenburger Singvogel-Versuche mobil gemacht. Damals wie heute ist die Volkswagen-Stiftung ein maßgeblicher Sponsor. Erst vor wenigen Wochen kam es in Berlin zu massiven Protesten wegen geplanter Tierversuche an Nachtigallen, denen Elektroden in das Gehirn eingepflanzt werden sollen, vorgeblich, um autistischen Kindern zu helfen. „Eine solche Begründung ist natürlich nur vorgeschoben, um die Neugierforschung zu rechtfertigen“, so Gericke. In Oldenburg gibt es nicht einmal einen vorgeblichen medizinischen Grund. „Letztendlich geht es den Experimentatoren darum, Fachartikel zu veröffentlichen, was das Maß aller Dinge in der Wissenschaftswelt ist.“

Die genannten Versuche können in der Datenbank des Ärzteverein, www.datenbank-tierversuche.de, unter der jeweiligen Dokumenten-ID nachgelesen werden.

Um gegen die ihrer Meinung nach ethisch verwerflichen Tierversuche zu protestieren, hat Ärzte gegen Tierversuche eine Online-Petition gestartet unter www.rotkehlchen.aerzte-gegen-tierversuche.de

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Online Petition „Stoppt Tierversuche an Rotkehlchen“ >>

Stellungnahme zu Tierversuchen an Rotkehlchen >>

VolkswagenStiftung sponsert Singvogelmord >>

Autismus-Forschung an Nachtigallen >>

(1) S. Schwarze et al: Weak broadband electromagnetic fields are more disruptive to magnetic compass orientation in a night-migratory songbird (Erithacus rubecula) than strong narrow band fields. Frontiers in Behavioral Neuroscience 2016: 10:55. Doi: 10.3389/fnbeh.2016.00055 (Dokumenten-ID: 4913 unter www.datenbank-tierversuche.de)

(2) P. Bolte et al.: Localisation of the putative magnetoreceptive protein cryptochrome 1b in the retinae of migratory birds and homing pigeons. PLoS One 2016: 11(3). Doi: 10.1371/journal.pone.0147819 (Dokumenten-ID: 4912 unter www.datenbank-tierversuche.de)

(3) A. Günther et al.: Double-cone localization and seasonal expression pattern suggest a role in magnetoreception for european robin cryptochrome 4. Current Biology 2018: 28(2); 211-223 (Dokumenten-ID: 4911 unter www.datenbank-tierversuche.de


Ärzte gegen Tierversuche fürchtet Ausweitung der geplanten Tierversuche in Nürnberg 

Forschen um des Forschens willen?

13.08.2018

Eigentlich sollten an der privaten Paracelsus Medizinischen Universität (PMU) in Nürnberg ab 2018 Tierversuche zu künstlichen Knorpeln, Bändern und Sehnen durchgeführt werden. Jetzt dreht sich der erste beantragte Tierversuch um Diabetesforschung. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche fürchtet eine Ausweitung der Tierversuche und wirft der PMU rückschrittliche Wissenschaft vor.

Im September letzten Jahres kündigte die PMU in Nürnberg an, ab 2018 Tierversuche an Nagetieren durchzuführen. Und das, nachdem Nürnberg jahrzehntelang tierversuchsfrei war. Für eine halbe Million Euro wurde dafür bereits ein Labor mit Käfigen für 100 Mäuse und 20 Ratten eingerichtet.

Als Grund für den Einstieg in die tierexperimentelle Forschung nannte die Uni damals Erkenntnisse in der Forschung an Knorpeln, Bändern und Sehnen erringen zu wollen. Im vor Kurzem ersten bei der Regierung von Unterfranken eingereichten Versuchsantrag geht es allerdings um Diabetesforschung. „Offensichtlich steht das Forschen an Tieren an sich im Mittelpunkt“, bemerkt Dr. med. vet. Gaby Neumann von Ärzte gegen Tierversuche. Wie sonst ist es nach Ansicht des Vereins zu erklären, dass für ein bestimmtes Versuchsprojekt ein Labor eingerichtet und dann auf einmal ein völlig anderes Projekt aus dem Hut gezaubert wird.

Ärzte gegen Tierversuche befürchtet, dass die Kapazität des Labors aufgestockt wird, das heißt mehr Tiere leiden und sterben werden, da jetzt schon eine zweite Versuchsreihe geplant ist. „Zudem liegt die Annahme nahe, dass es völlig egal ist, welchen Inhalt die Tierversuche haben. Hauptsache, sie führen zu Artikeln und damit zu Fördergeldern,“ sagt Neumann. So sei es ein offenes Geheimnis, dass die Karriere eines Wissenschaftlers nicht daran gemessen wird, wie vielen Menschen er geholfen hat, sondern wie viele Studien er veröffentlicht hat. Studien mit Tieren lassen sich in hochrangigen Fachjournalen besser publizieren als tierversuchsfreie Projekte. Über solche Veröffentlichungen können weitere Forschungsgelder generiert werden.

Der Verein fordert die PMU auf, den Versuchsantrag zurückzuziehen und die Pläne, Tierversuche in Nürnberg einzuführen, aufzugeben. Stattdessen solle die Uni sich einen Namen in zukunftsträchtigen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden machen. In Berlin beispielsweise soll ein Haus der humanen Forschung „Der simulierte Mensch“ entstehen, das ist nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche eine fortschrittliche Investition.

Weiterführende Infos:

Pressemeldung Ärzte gegen Tierversuche vom 28.09.2017: Geplante Tierversuche am Klinikum Nürnberg sind unsinnig >>

Stellungnahme zu den geplanten Tierversuchen am Nürnberger Klinikum >>

Online-Petition der Aktionsgruppe Tierrechte Bayern >>
– mit bereits 60.000 Unterzeichnern gegen die Nürnberger Tierversuchspläne

Video vom Flashmob am 11.08.2018 in Nürnberg >> 


So werden Tiere am DKFZ Heidelberg gequält 

Mäuse sterben leidvoll für fragwürdige Krebsforschung

23.08.2018

Am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) werden Mäusen menschliche Knochenkrebstumore implantiert. Sie leiden wochenlang und sterben qualvoll an den Folgen der Krebserkrankung. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche verurteilt die Versuche, zumal die an den Mäusen getestete Therapie bereits in menschlichen Zellkulturen als wirksam befunden und in Patienten als sicher eingestuft worden war. In der Maus-Studie konnte keine Wirksamkeit gezeigt werden.

Das Ewing-Sarkom ist eine bösartige und schwerwiegende Krebserkrankung, die meist die Knochen befällt und vor allem bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Die Überlebenschancen der Patienten sind gering. Laut Ärzteverein bedarf es dringend einer zielgerichteten Forschung, um diese schlimme Erkrankung zu verstehen und zu heilen. „Essenziell für eine erfolgreiche Forschung ist jedoch das richtige Modellsystem“, erklärt Dr. Tamara Zietek, Wissenschaftlerin bei Ärzte gegen Tierversuche. Bis heute werden für die Erforschungen des Ewing-Sarkoms jedoch Tierversuche eingesetzt, obwohl selbst renommierte Wissenschaftler in der Fachliteratur auf die Problematik der mangelnden Übertragbarkeit auf den Menschen hinweisen.

In einer aktuellen Forschungsarbeit des DKFZ Heidelberg werden Nacktmäusen menschliche Tumore eingepflanzt, die rasant wachsen. Es soll eine Virus-basierte Therapie untersucht werden, die bereits in humanen Ewing-Sarkom-Zelllinien erforscht wurde und sogar bei erkrankten Menschen angewendet wird. „Dabei konnte noch nicht einmal eine Wirkung der Virus-basierten Therapie gezeigt werden“, kritisiert Zietek. „Obwohl eine Wirksamkeit in humanen Zellkulturen nachgewiesen wurde und Patienten bereits behandelt werden, ist die Hauptaussage der gescheiterten Maus-Studie, dass es u.a. weiterer „Tiermodelle“ bedürfe, um die Wirksamkeit dieses Therapieansatzes nachzuweisen. Das entzieht sich jeder wissenschaftlichen Logik.“

Die Mäuse in der Heidelberger Studie durchleiden wochenlang eine schwere Krebserkrankung, die mit großen Schmerzen verbunden ist. Zudem wird den Tieren, z.T. täglich, das Virus in die Tumore gespritzt. Fast alle Tiere sterben innerhalb von 36 bis 50 Tagen. Die Mäuse werden nicht einmal getötet, wenn sie im Sterben liegen, sondern man wartet, bis sie dem Krebsleiden erliegen.

Laut EU-Tierversuchsrichtlinie sind solche „schwerst belastenden“ Tierversuche, bei denen Tiere erheblichen Leiden und Schmerzen ausgesetzt sind, die länger anhalten und nicht gelindert werden können, grundsätzlich verboten. Deutschland hat diesen Passus falsch zulasten der Tiere umgesetzt. „Aber selbst mit dem laschen deutschen Gesetz hätte die Behörde den Versuchsantrag ablehnen müssen“, fordert Zietek.

Trotz der vielen Tierversuche sind die Ursachen des Ewing-Sarkoms noch lange nicht aufgeklärt. Laut aktuellem Wissenschaftsstand ist zu vermuten, dass diese in den sogenannten mesenchymalen Stammzellen liegen, erklärt die Expertin für tierversuchsfreie Forschung. Die moderne Stammzellforschung bietet gerade für die Untersuchung solcher Vorgänge exzellente humanbasierte In-vitro-Modelle. Dies sind ideale Werkzeuge für die Erforschung des Sarkoms, und man könnte direkt Zellkulturen von den erkrankten Patienten züchten, z.B. Knochen-Organoide. Das ist knochenartiges Gewebe, das im Labor aus Stammzellen eines Spenders gezüchtet wird und die Eigenschaften dieses Spenders in vitro widerspiegelt. Dies ermöglicht eine individuelle und personalisierte Analyse der Erkrankung und die Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche hat das Regierungspräsidium Karlsruhe, das für die Genehmigung von Tierversuchen in Heidelberg zuständig ist, aufgefordert, derartige Tierversuchsanträge nicht mehr zu genehmigen.

Quellen:
- Lacroix J. et al. Preclinical testing of an oncolytic parvovirus in Ewing Sarcoma: Protoparvovirus H-1 induces apoptosis and lytic infection in vitro but fails to improve survival in vivo. Viruses 2018; 10(6). Doi: 10.3390/v10060302
Zusammenfassung unter www.datenbank-tierversuche.de (Datenbank-ID: 4914)
- Scheinpflug J. et al. Journey into bone models: A review. Genes 2018; 9(5). Doi:10.3390/genes9050247

Weitere Infos
„Schwimmen bis zur Verzweiflung“ - Kampagne für ein Verbot von Tierversuchen mit Schweregrad “schwer“ >>
Verbände fordern Schmerz-Leidens-Obergrenze >> 


Erfolg gegen Botox-Tierversuche 

Ipsen erhält Zulassung für tierversuchsfreien Zelltest

30.08.2018

Der französische Pharmakonzern Ipsen hat bekannt gegeben, eine Zulassung für einen Zelltest zur Testung seiner Botox-Produkte in der EU und der Schweiz erhalten zu haben. Ipsen ist damit der dritte Hersteller, der zumindest teilweise tierversuchsfrei testet. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche verbucht den Umstieg als „großartigen Erfolg seiner jahrelangen Kampagne“, kritisiert jedoch den langen Zeitraum. Die Konkurrenzfirmen setzen bereits seit 2011 bzw. 2015 einen Zell-basierten Test ein.

Das Nervengift Botulinumtoxin, bekannt als „Botox“, wird zu medizinischen, überwiegend aber zu kosmetischen Zwecken eingesetzt. Wegen der Gefährlichkeit der Substanz wird jede Produktionseinheit überprüft, bevor sie in den Verkauf gehen kann. Standard hierfür ist ein besonders grausamer Tierversuch. Mäusen wird das Gift in die Bauchhöhle injiziert, sie sterben qualvoll an Atemlähmung. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche schätzt, dass jährlich 350.000 Mäuse auf diese Weise allein in Europa sterben, weltweit mindestens 600.000.

Der Verein hat 2007 eine Kampagne gegen diese Tierversuche gestartet, um Druck auf die Hersteller auszuüben, die Entwicklung tierversuchsfreier Tests voranzutreiben. 2011 gab es den ersten Erfolg: Die amerikanische Firma Allergan mit einer Niederlassung in Ettlingen erhielt eine behördliche Zulassung für eine selbstentwickelte Zellkulturmethode. Die Frankfurter Firma Merz folgte 2015. Beide Firmen ersetzen damit allerdings nur einen großen Teil ihrer Tierversuche. Erst dieses Jahr hat Merz eine Genehmigung für Botox-Tierversuche an 8.550 Mäusen bekommen. Die Firma lässt die Versuche vom Hamburger Labor LPT durchführen. Vor der Zulassung des Zelltests hat Merz durchschnittlich 35.000 Mäuse pro Jahr ‚verbraucht‘.

„Dass Ipsen für seine Botulinumtoxinpräparate Dysport und Azzalure mit jahrelanger Verspätung endlich auch auf eine tierversuchsfreie Zellmethode setzt, ist äußerst erfreulich und zeigt, dass der öffentliche Druck erfolgreich war“, freut sich Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche. Zahlen über den ‚Tierverbrauch‘ gibt die Firma jedoch nicht bekannt. In den letzten Monaten hatte der Verein gegen den Schweizer Konzern Nestlé mobil gemacht, der in das Botox-Geschäft eingestiegen ist und die Produkte von Ipsen vertreibt. Ziel der Kampagne war es, durch öffentlichen Druck die Entwicklung und Anerkennung einer tierfreien Methode zu beschleunigen.

„Der großartige Erfolg bedeutet aber leider immer noch nicht das Ende der schrecklichen Botox-Tierversuche“, moniert Dr. Gericke. Nicht nur, dass Allergan, Merz und Ipsen für bestimmte Tests im Rahmen der Botox-Prüfung weiter Tiere verwenden, es gibt auch noch andere Hersteller.

„In Europa ist es jetzt vor allem die japanische Firma Eisai, die immer noch an Tieren testet. 2014/2015 gingen Tests an 90.000 Mäusen beim LPT auf das Konto von Eisai, die eine Niederlassung in Frankfurt betreibt“, erklärt die Tierärztin. Der Protest geht also weiter, bis keine Mäuse mehr für den Faltenkiller leiden und sterben müssen.

Weitere Informationen
Infos zur Kampagne: www.botox-tierversuche.de


Landtagswahl in Bayern 

So stehen die Parteien zu Tierversuchen

20. September 2018

Anlässlich der am 14. Oktober anstehenden Landtagswahl in Bayern hat der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche Parteien zu Tierversuchen befragt und die Antworten ausgewertet.

Die CSU hält keine Verbesserung im Sinne der Tiere für notwendig und antwortet nur lapidar auf die Fragen des Ärztevereins. Weder die Genmanipulation von Tieren, noch die an der Ludwig-Maximilians-Universität München stattfindenden Xenotransplantationsversuche, bei denen Organe von genmanipulierten Schweinen in Affen verpflanzt werden, sieht die CSU kritisch.

Die SPD lehnt Tierversuche zwar nicht ab, benennt aber zahlreiche Maßnahmen, die sie zur Stärkung der tierversuchsfreien Forschung für sinnvoll hält. So sollen öffentliche Gelder in die tierversuchsfreie Forschung umgewidmet werden und die Überarbeitung des Tierversuchsrechts zur Erreichung eines Verbots schwerstbelastender Tierversuche wird unterstützt. Zum Ausstiegsplan aus dem Tierversuch, wie ihn die Niederlande festgeschrieben haben, meint die SPD, dass die tierversuchsfreie Forschung intensiviert werden muss, wenn der Forschungsstandort Deutschland dauerhaft erfolgreich sein will. Ein Ausstiegsplan würde zu dieser Zukunftssicherung beitragen.

Die Freien Wähler antworteten pauschal, dass sich die Fragen der Ärztevereinigung auf spezielle Einzelthemen beziehen und es ihnen nicht möglich sei, zeitnah eine repräsentative Meinung zu bilden.

Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, die Partei Mensch Umwelt Tierschutzund die ÖDP befürworten umfangreiche Verbesserungen des Tierversuchsrechts hin zur Abschaffung der Tierversuche.

So äußern die Grünen neben dem Ende der Xenotransplantationsversuche und der Verankerung eines Verbots schwerstbelastender Versuche als Ziel den vollständigen Verzicht auf Tierversuche, wozu ein Ausstiegsplan wie in den Niederlanden notwendig sei.

Die Linke bekennt sich zur Abschaffung der Tierversuche und hatte bereits einen entsprechenden Antrag in den Bundestag eingebracht. Ebenso klar ist die Position der Partei Mensch Umwelt Tierschutz, die Tierversuche für ethisch und wissenschaftlich nicht vertretbar hält, weshalb sie dringend verboten werden müssten.

Die ÖDP befürwortet alle vom Ärzteverein angefragten Verbesserungen und will zudem ein Forschungsinstitut an einer bayerischen Universität zur Entwicklung und Förderung von Alternativen zu Tierversuchen einrichten.

Die FDP antwortete erst gar nicht auf die Wahlprüfsteine. „In der Vergangenheit hatte die FDP jedoch ihre tierfeindliche Einstellung unter Beweis gestellt“, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche.

Der Verein fordert die Wähler Bayerns auf, nur den Parteien ihre Stimme zu geben, die sich gegen Tierversuche und für eine tierversuchsfreie Forschung positionieren. An der Wahlurne kann jeder helfen, die Weichen zu stellen für mehr oder weniger Tierschutz, für mehr oder weniger innovative Forschung.

Eine Übersicht mit den wesentlichen Positionen der Parteien kann als pdf auf der Internetseite des Vereins heruntergeladen werden.

Weitere Information:
Übersicht Tabelle >>  


Europäischer Tag der Depression 

Tierversuche bringen keinen Fortschritt

27. September 2018

Am 1. Oktober findet der 15. Europäische Depressionstag statt, um das öffentliche Bewusstsein für die Volkskrankheit Depression zu stärken. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert, dass Tierversuche im Bereich der Depressionsforschung nicht nur besonders grausam sind, sondern aufgrund mangelnder Übertragbarkeit auf den Menschen die Entwicklung wirksamer Therapien behindern.

Depressionen zählen zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland und die Zahl der betroffenen Erwachsenen und Kinder wächst stetig. Das hat verschiedene Ursachen, z.B. gesellschaftliche Probleme oder eine verbesserte Berichterstattung, zeigt aber auch, dass es an effektiven Therapien mangelt. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert seit Langem, dass die Entwicklung gut wirksamer Medikamente durch den Einsatz von Tierversuchen eher behindert als gefördert wird. Gerade im Bereich der Erforschung und Therapie mentaler Erkrankungen wie z.B. Depressionen ist die Übertragung von Forschungsergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen von vornherein nicht gegeben.

„Im Bereich der Psychopharmaka wurde seit mehreren Jahrzehnten kein nennenswerter Fortschritt mehr erzielt. Die „Neuerungen“, welche auf den Markt kamen, waren im Wesentlichen Modifikationen bereits bekannter Substanzen“, sagt Dr. Andreas Ganz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Vorstandsmitglied von Ärzte gegen Tierversuche. Den Hauptgrund für die Stagnation sieht Ganz im Einsatz von „Tiermodellen“, d.h. Tieren, bei denen Symptome einer menschlichen Erkrankung nachgeahmt werden.

So müssen beim „forcierten Schwimmtest“ Ratten oder Mäuse bis zur Erschöpfung schwimmen, um eine Depression zu simulieren. Geben die Tiere vorzeitig auf, gelten sie als depressiv. Weitere Ansätze sind Elektroschocks, ausgedehnter Nahrungsentzug mit anschließendem Präsentieren von Futter, das nicht erreicht werden kann, stundenlange Bestrahlung mit Lichtblitzen oder ausgedehnte Licht- oder Dunkelphasen. Der Verein hält solche „Tiermodelle“ nicht nur für ethisch inakzeptable, sondern auch für vollkommen ungeeignet, um eine höchstkomplexe Erkrankung wie die Depression zu erforschen.

„Methoden wie der forcierte Schwimmtest sind teilweise 40-50 Jahre alt und haben bis heute zu keinen bahnbrechenden Erkenntnissen bezüglich der Krankheits-Entstehung und -Therapie geführt.“, gibt Dr. Ganz zu bedenken. „Wie auch? Nirgendwo sonst in der Natur findet sich eine ähnlich komplex wechselwirkende Konstellation zwischen einem hochentwickelten Gehirn, einer durch menschliche Einflüsse geprägten Umwelt und einer durch den Menschen chemisch und physikalisch veränderten Umwelt wie bei der Depression.“ Facharzt Ganz kritisiert, dass wir die Herausforderungen von heute und morgen nicht mit Methoden von gestern lösen können.

Tierversuche in diesem Bereich sind nach Kenntnis der Ärzte gegen Tierversuche nicht nur wissenschaftlich fragwürdig, sondern auch besonders leidvoll und fallen oftmals unter den Schweregrad „schwer“. Laut EU-Richtlinie sind solche Versuche eigentlich zu verbieten, Deutschland hat jedoch ein Schlupfloch genutzt, und erlaubt auch diese allerschlimmsten Tierversuche.

Am 27. Oktober organisiert der Verein zum zweiten Mal den WIST-Kongress mit dem diesjährigen Schwerpunkt „Psychiatrische und neurologische Erkrankungen“. Renommierte internationale Wissenschaftler berichten dort von den Nachteilen der Tierversuche in diesem Bereich und zeigen innovative humanbasierte Forschungsmodelle auf.

Weitere Informationen

Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ >>

Dr. Andreas Ganz: „Depressionsforschung am Scheideweg“ >>

WIST-Kongress „Wissenschaft statt Tierversuche“: www.wist-kongress.de 


Medizinnobelpreis für Krebsheilung bei Mäusen verliehen 

Auszeichnung für eine Krebstherapie, die beim Menschen nur in Ausnahmefällen funktioniert

2. Oktober 2018

Zu Zeiten von Multi-Organ-Chips, Miniorganen und Computerprogrammen mit künstlicher Intelligenz setzt das Nobelpreis-Komitee auf Tierversuche und magere Ergebnisse aus 30 Jahren Forschung. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche ist verwundert, dass moderne humanbasierte Forschung bei der Vergabe des Nobelpreises auch 2018 unberücksichtigt bleibt.

Jedes Jahr wird der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin an denjenigen verliehen, der „die wichtigste Entdeckung in der Domäne der Physiologie oder Medizin“ gemacht hat. 2018 geht dieser Preis an zwei Immunforscher, die eine Methode entwickelt haben, die Krebs beim Menschen durch das eigene Immunsystem bekämpfen will.

Was sich so innovativ anhört, funktioniert aber in der Realität kaum. Denn bisher konnte durch diese Immuntherapie nur einigen Patienten mit schwarzem Hautkrebs geholfen werden. Bei vielen Patienten schlägt die Therapie aber erst gar nicht an und/oder führt zu schweren Nebenwirkungen. Außerdem funktioniert die Therapie bei den häufigsten Krebsarten wie Darm-, Brust- oder Prostatakrebs fast gar nicht. Dabei waren frühere Versuche an Mäusen durchaus erfolgreich.

„Das ist wieder ein guter Beweis für die schlechte Übertragbarkeit der Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen.“ erklärt Dr. med. vet. Gaby Neumann von Ärzte gegen Tierversuche. „Der Krebs der Mäuse wird künstlich erzeugt. Außerdem unterscheidet sich die Immunreaktion von Mäusen nachgewiesenermaßen erheblich von der des Menschen.“

In der heutigen Zeit, wo personalisierte Medizin immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist es völlig unverständlich, dass ein Nobelpreis für die Entdeckung einer Krebstherapie verliehen wird, die zwar beim Tier funktioniert, beim Menschen aber nur in Ausnahmefällen Erfolg zeigt.

Dabei gibt es doch gerade in der Bekämpfung von Krebs wunderbare neue Entwicklungen. So können mittlerweile aus Tumorgewebe von Patienten kleine Minitumore hergestellt werden, an denen sich verschiedene Medikamente auf ihre individuelle Wirksamkeit testen lassen.

„Anhand dieser Methode hat man die Möglichkeit das passende Medikament gegen den Tumor bei einem bestimmten Menschen zu finden“ so Neumann, „und dass mit einer Erfolgsquote von weit über 90 % und nicht nur bei einigen wenigen ausgewählten Krebsarten.“

Weitere Infos

Tamara Zietek: Tierversuchsfreie Forschung: Mini-Organe und Multi-Organ-Chips (PDF) >> 


Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
TASSO e.V.
09. Oktober 2018

Tierversuche Thema im Bundestag

Verbot von Tierversuchen mit Schweregrad „schwer“ gefordert

Erstmals wurde im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags über Tierversuche diskutiert. Ärzte gegen Tierversuche, TASSO und Bund gegen Missbrauch der Tiere werten dies als großen Erfolg ihrer langjährigen Kampagne für ein Verbot wenigstens der allerschlimmsten Tierversuche. Die bundesweiten Vereine hatten über 200.000 Unterschriften (71.000 auf Papier und 137.000 online) gesammelt und so eine öffentliche Anhörung erwirkt, die jetzt am 8. Oktober stattfand.

Bei der Sitzung erläuterte Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche, dass die EU-Richtlinie „eine Obergrenze für Schmerzen, Leiden und Ängste vorsieht, die in Tierversuchen nicht überschritten werden darf“. Dies entspricht einem Verbot sogenannter schwerstbelastender Tierversuche. Deutschland hat aber von einer Ausnahmeklausel Gebrauch gemacht und diese im deutschen Recht zudem zulasten der Tiere falsch formuliert. Da eine klare Abgrenzung zwischen „schwerst“ und „schwer“ belastend nicht möglich ist, müssten demzufolge alle Tierversuche dieser Kategorien verboten werden.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Hans-Joachim Fuchtel (CDU), behauptete gestern jedoch, die EU-Tierversuchsrichtlinie sei „eins zu eins“ in deutsches Recht überführt worden. Diese Aussage wurde in der anschließenden Diskussionsrunde auch von einigen Abgeordneten bezweifelt. So führte Udo Schiefner MdB (SPD) aus, dass die EU ein Aufforderungsschreiben an Deutschland gerichtet hat, Mängel bei der Umsetzung der Tierversuchsrichtlinie zu beheben.

Die Juristin Dr. Davina Bruhn, Vorstandsmitglied der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht, die der Petentin Gericke für juristische Fragen zur Seite stand, betonte, dass die EU einen Handlungsspielraum vorgibt, der von Deutschland nicht nur genutzt werden kann, sondern aufgrund der Staatsziel-Bestimmung Tierschutz genutzt werden muss. Dies hat die Bundesregierung ignoriert, indem sie auch die schwerstbelastenden Tierversuche zulässt.

Was unter diesen juristischen Begrifflichkeiten zu verstehen ist, erläuterte Tierärztin Gericke in ihrem Eingangsstatement anhand von Beispielen aus Deutschland. In Heidelberg werden Mäusen Krebszellen injiziert und man lässt sie in Folge daran qualvoll sterben, was bis zu 50 Tagen dauern kann. Bei den berüchtigten Botox-Tierversuchen müssen Mäuse tagelang Krämpfe, Lähmungen, Atemnot und schließlich den Erstickungstod erleiden. An der Uni Erlangen werden Mäuse alkoholabhängig gemacht und müssen dann in einem Wasserglas 15 Minuten lang schwimmen. Hört eine Maus auf zu schwimmen, gilt sie als depressiv.

Die Anhörung bilanzieren die Tierversuchsgegner äußerst positiv. „Es scheint uns gelungen zu sein, die Abgeordneten zum Nachdenken anzuregen und dem BMEL darzulegen, dass das deutsche Tierversuchs-Recht die Tiere nicht einmal vor den schlimmsten Qualen schützt – das ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Kampagne“, erklärt Dr. med. vet. Cristeta Brause, Referentin für Tierschutz bei TASSO.

„Unser Dank geht an alle Unterstützer, die die Petition unterschrieben haben und an den SPD-Abgeordneten Udo Schiefner, durch dessen Engagement wir die Möglichkeit bekommen haben, unser Anliegen den Parlamentariern näherzubringen“, so Dipl. Biol. Torsten Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bund gegen Missbrauch der Tiere, abschließend.

Weitere Informationen
Deutscher Bundestag: Ausschuss befasst sich mit Eingaben zu Tierversuchen und zur Grenzsicherung (inkl. Video) >>

Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ >>
Video der Kampagne >>


von links: Dr. Davina Bruhn (Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht),
Dr. Corina Gericke (Ärzte gegen Tierversuche), Dr. Cristeta Brause (TASSO)


Live während der Anhörung 


Schockierend! 400.000 Tiere werden jedes Jahr in umstrittenen Botox-Tests zu Tode gequält

Neue Studie veröffentlicht

15. Oktober 2018

Einer aktuellen Studie zufolge werden allein in Europa etwa 400.000 Tiere pro Jahr in grausamen Vergiftungstests für Botulinumtoxin, besser bekannt als „Botox“, verwendet. Der aktuell im Wissenschaftsjournal ALTEX veröffentlichte Artikel belegt, dass Botox-Tests an Mäusen nach wie vor ein europaweites Problem sind und die Anzahl der Tiere, die dafür leiden und sterben auf Rekordniveau liegt.

Die Autoren von der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), darunter Dr. Corina Gericke, Vizevorsitzende des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche, haben offizielle Statistiken und nicht-technische Zusammenfassungen verschiedener Länder ausgewertet und eine Zahl von 400.000 Tieren pro Jahr allein in Europa ermittelt, die in sogenannten LD50-Vergiftungstests leiden und sterben. Dabei wird Gruppen von Mäusen das Nervengift in verschiedenen Dosierungen in die Bauchhöhle injiziert, um die Dosis zu ermitteln, bei der die Hälfte von ihnen stirbt. „Der Tod durch langsames Ersticken infolge einer Lähmung der Atemmuskulatur kann mehrere Tage dauern,“ weiß Tierärztin Gericke.

Die gewichtigsten Hersteller Allergan, Merz und Ipsen haben in den letzten Jahren behördliche Zulassungen für Zellkulturmethoden zur Testung ihrer Botoxprodukte erhalten. Alle drei Firmen ersetzen damit allerdings nur einen großen Teil ihrer Tierversuche, nämlich die Chargenprüfung, d.h. die Testung jeder Produktionseinheit. Daneben gibt es den seltener durchgeführten Bulk-Test, der immer noch im LD50-Test an Mäusen erfolgt.

Trotz dieser positiven Entwicklungen, die auf die jahrelangen Kampagnen der ECEAE und deren Mitgliedsverein Ärzte gegen Tierversuche zurückzuführen sind, bleibt die Anzahl der Tiere, die europaweit in der Botox-Testung verwendet werden, auf Rekordniveau, da offensichtlich weitere Firmen in den lukrativen Markt drängen.

Ein 2010 ebenfalls in ALTEX erschienener Artikel ging von 600.000 Mäusen pro Jahr weltweit aus. „Diese Zahl dürfte inzwischen um ein Vielfaches gestiegen sein, da es vor allem in Ostasien noch zahlreiche Botox-Hersteller gibt, die im Tierversuch testen“, erklärt Gericke.

Die ECEAE, eine Allianz der wichtigsten Tierversuchsgegnerorganisationen in Europa, ist schockiert über die hohen Tierzahlen und dem damit verbundenen Tierleid. Die ECEAE fordert, dass neue Botox-Produkte nur noch zugelassen werden dürfen, wenn von Anfang an eine zugelassene tierversuchsfreie Methode vorliegt.

„Es ist völlig inakzeptabel, dass empfindungsfähige Tiere einen qualvollen Tod für ein Produkt erleiden müssen, das überwiegend für kosmetische Zwecke verwendet wird und zudem tierfreie Testmethoden zur Verfügung stehen“, so Tierärztin Gericke. Ärzte gegen Tierversuche fordert alle Botox-Unternehmen auf, sämtliche Tierversuche vollständig zu beenden.

Die EU hat 2013 für die Herstellung und die Einfuhr von an Tieren getesteten Kosmetika ein Verbot erlassen. Obwohl Botox für die Glättung von Gesichtsfalten eingesetzt wird, fällt es nicht unter das Verbot, weil es ein Produkt ist, das injiziert und nicht auf die Haut aufgetragen wird. Diese Gesetzeslücke erlaubt es, dass jedes Jahr weltweit Hunderttausende von Mäusen in grausamen Tests qualvoll sterben.

Weitere Informationen
Originalartikel: Katy Taylor, Corina Gericke, Laura Rego Alvarez: Botulinum toxin testing on animals is still a Europe-wide issue. ALTEX 2018, veröffentlicht online am 10.10.2018 https://www.altex.org/index.php/altex/article/view/1138

Botox – Tierqual für eine fragwürdige Schönheit www.botox-tierversuche.de 


Pressemitteilung und -Einladung

17. Oktober 2018

2. wissenschaftlicher Kongress WIST zur Aussagekraft von Tierversuchen

Anerkannte Fortbildung für Ärzte und Apotheker

Unter dem Titel „WIST – Wissenschaft statt Tierversuche“ organisiert die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche am 27. Oktober 2018 in Köln zum zweiten Mal einen wissenschaftlichen Kongress mit internationalen Referenten zur mangelnden Validität von Tierversuchen und zu Lösungsansätzen (humanbasierte Forschung). Der Schwerpunkt liegt nun auf neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Die Veranstaltung ist mit 8 Punkten für Humanmediziner und Apotheker als Fortbildung anerkannt, richtet sich aber gleichermaßen an Forscher, Behördenvertreter, Politiker, Studierende sowie die interessierte Öffentlichkeit.

„Wir erachten die Ausrichtung des in dieser Form einzigartigen Kongresses als Notwendigkeit, um die Wende zu einer ethisch vertretbaren, fortschrittlichen Forschung zum Wohle von Mensch und Tier voranzutreiben“, so Dr. med. Ines Lenk, Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche.

Zu den 7 Referenten gehört u.a. Dr. Huub Schellekens, Professor für Pharmazeutische Biotechnologie an der Universität Utrecht in den Niederlanden. Er präsentiert Ergebnisse einer Studie, die zeigt, dass Alzheimer-Forschung mit „Tiermodellen“ falsche Hinweise gibt und folgenschwer ist. Dr. Jarrod Bailey von Cutelty Free International, Großbritannien, erläutert, warum Tierversuche an Affen in der neurologischen Forschung für den Menschen nicht relevant sind. Dr. Katja Merschbächer, Neurobiologin aus Saarbrücken, geht auf die Parkinson-Forschung und die Rolle moderner Stammzell-Technologie, insbesondere Brain-Organoide, ein. Und der renommierte Toxikologe Thomas Hartung, Professor sowohl in Konstanz als auch Baltimore, thematisiert die Erforschung neurologischer Erkrankungen mit dem Mini-Gehirn aus dem Labor.

„Es ist überfällig, mit Fach-Publikum, das großteils täglich mit dem Leid kranker Menschen konfrontiert ist, über innovative Hightech-Forschung zu diskutieren und über diese zudem eine breite Öffentlichkeit zu informieren“, so Lenk. Vor diesem Hintergrund mögen sich Medienvertreter von Fachjournalen bis zu Boulevard-Magazinen eingeladen fühlen.

Akkreditierung für Medienvertreter erbeten unter:
www.wist-kongress.de/presseakkreditierung
Die Referenten stehen für Interviews zur Verfügung. Wir bitten um vorherige Mitteilung an: presse@aerzte-gegen-tierversuche.de

Kurzinfo:
WIST (= Wissenschaft statt Tierversuche)
Termin: Samstag, 27. Oktober 2018, 10-18 Uhr
Ort: Maternushaus, Kardinal-Frings-Str. 1-3, 50668 Köln
Kongresssprache: Deutsch/Englisch mit Simultanübersetzung
Info und Anmeldung: www.wist-kongress.de

 


Landtagswahl in Hessen 

So stehen Parteien zu Tierversuchen

18. Oktober 2018

Anlässlich der am 28. Oktober anstehenden Landtagswahl in Hessen hat der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche Parteien zu Tierversuchen befragt und die Antworten ausgewertet.

Die CDU und die FDP halten keinerlei Verbesserung im Sinne der Tiere für notwendig. Weder Maßnahmen gegen die mit Tierqual verbundene Genmanipulation von Tieren für Versuchszwecke, noch die Einführung einer Schmerz-Leidens-Obergrenze von Tierversuchen halten die beiden Parteien für sinnvoll.

Die SPD strebt einen schrittweisen Ersatz von Tierversuchen an und will langfristig alle Tierversuche überflüssig machen. Konkrete Antworten auf die Frage nach einem Verbot schwerst belastender Tierversuche und der Genmanipulation von Tieren bleiben jedoch aus. Hingegen begrüßt die SPD einen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch wie die Niederlande ihn festgeschrieben haben.

Bündnis 90/Die Grünen geben an, auf Tierversuche verzichten zu wollen, befürworten einen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch und ein Verbot besonders belastender Tierversuche. Die Frage nach einem Verbot der Genmanipulation von Tieren zu Versuchszwecken wird jedoch nicht mit einem klaren Ja beantwortet. Fördergelder sollen zu gleichen Teilen in Tierversuche und die tierversuchfreie Forschung fließen anstatt eine vollständige Umverteilung öffentlicher Mittel von Tierversuchen in innovative tierversuchsfreie Methoden einzuleiten.

Die Linke antwortet nicht konkret auf die Frage nach Plänen zur Abschaffung oder zumindest Reduzierung von Tierversuchen. Die Umverteilung von Geldern aus Tierversuchen in die tierversuchfreie Forschung sowie ein Ausstiegsplan aus dem Tierversuch und ein Verbot besonders belastender Tierversuche werden jedoch klar befürwortet.

Die ÖDP in Hessen hält Tierversuche in Ausnahmefällen für gerechtfertigt, was auch die Genmanipulation von Tieren zu Versuchszwecken einschließt. Die Novellierung des Tierversuchsrechts und ein Ausstiegsplan aus dem Tierversuch werden dagegen befürwortet.

Klare Bekenntnisse zur Notwendigkeit einer tierversuchsfreien Forschung und zu umfangreichen Verbesserungen des Tierversuchsrechts gibt es von den befragten Parteien nur von der Partei Mensch Umwelt Tierschutz. So wird die Abschaffung der Tierversuche angestrebt.

Die V-Partei³ antwortete bis Redaktionsschluss nicht auf die Fragen der Ärztevereinigung. Nachklapp: Die V-Partei³ antworte nach Redaktionsschluss. Alle Forderungen im Sinne der Tiere werden in vollem Umfang unterstützt.

„Die Auswertung zeigt, dass es noch umfassender Aufklärungs- und Lobbyarbeit bedarf, um in der Politik ein Umdenken und konsequentes Abrücken von der unethischen und wissenschaftlich antiquierten Methode Tierversuch zu erreichen“, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche.

Der Verein appelliert an die Wähler in Hessen, nur den Parteien ihre Stimme zu geben, die sich gegen Tierversuche und für eine tierversuchsfreie Forschung positionieren. An der Wahlurne kann jeder helfen, die Weichen zu stellen für mehr Tierschutz und damit für innovative Forschung.

Eine Übersicht mit den wesentlichen Positionen der Parteien kann als pdf auf der Internetseite des Vereins heruntergeladen werden.

Weitere Information:
Übersicht Tabelle >> 


Petition gegen Abschaffung der Tierschutz-Verbandsklage in NRW 

Jetzt bitte mitzeichnen!

06. November 2018

Der erst vor fünf Jahren eingeführten Tierschutz-Verbandsklage in NRW droht das Aus. Schwarz-Gelb will das Gesetz, das von Rot-Grün eingeführt wurde und als Meilenstein für den Tierschutz gilt, auslaufen lassen. Dagegen wehren sich jetzt zehn Tierschutzverbände* mit einer gemeinsamen Online-Petition. Sie fordern von Ministerpräsident Laschet, das Gesetz zu erhalten.

Der Schutz von Tieren ist in Deutschland vielen Menschen wichtig, seit 2002 ist er daher auch im Grundgesetz verankert. Um die Durchsetzung des Tierschutzes, gerade im Bereich der industriellen Massentierhaltung und Tierversuchen zu verbessern, fordern Juristen schon lange eine Verbandsklagemöglichkeit für Tierschutzverbände. Diese wurde 2007 erstmals in Bremen eingeführt, 2013 dann in NRW. Das unter Rot-Grün beschlossene Gesetz in NRW galt als Meilenstein für den Tierschutz und diente in sechs weiteren Bundesländern als Vorlage bei der Schaffung einer Verbandsklagemöglichkeit.

Jetzt droht dem Gesetz das Aus. Die schwarz-gelbe Landesregierung will es nicht verlängern, im Dezember 2018 soll es auslaufen. Aus Sicht von Tierschutzverbänden ein Skandal. „Den Tierschutzverbänden wird damit die Möglichkeit genommen, geltendes Tierschutzrecht einzuklagen“, so Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche. Von welcher Bedeutung das Verbandsklagerecht ist, zeigt ein Beispiel aus dem Naturschutz. Dank einer Klage eines Naturschutzverbandes konnte die umstrittene Abholzung des Hambacher Forsts vorläufig gestoppt werden.

Um das Aus für die Verbandsklage doch noch zu verhindern, haben zehn Tierschutzorganisationen eine gemeinsame Online-Petition initiiert. Sie appellieren an alle Bürger, diese zu unterschreiben. „Es geht dabei nicht nur um den Tierschutz“, so Silke Strittmatter, „es geht auch darum, zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken, statt zu schwächen. Es kann nicht angehen, dass die Politik Bürgern die Möglichkeit nimmt, geltendes Recht einzuklagen.“

Online-Petition >>

*animal public e.V., Ärzte gegen Tierversuche e.V., ARIWA e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., Bundesverband Tierschutz e.V., Deutsches Tierschutzbüro e.V., Europäischer Tier- und Naturschutz e.V., Landestierschutzverband NRW e.V., Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V., TASSO e.V.


Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
TASSO e.V.
23. November 2018

Deutschland räumt Mängel beim Tierversuchsrecht ein

Verbände: „Unerträgliche Klientelpolitik zu Lasten der Tiere“

Die EU hat Deutschland in einem Schreiben aufgefordert, rund 20 Mängel beim Tierversuchsrecht zu beheben, da die EU-Tierversuchsrichtlinie nicht korrekt in nationales Recht umgesetzt worden ist. Die Bundesregierung räumt nun einige der Fehler ein und kündigt an, diese beheben zu wollen. Die Verbände Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO kritisieren, dass die Bundesregierung nur auf massiven Druck Korrekturen vornimmt und die Mängelliste zudem bei weitem nicht vollständig ist. So gibt es die von der EU geforderte Leidens-Obergrenze, ab der ein Tierversuch nicht genehmigt werden darf, im deutschen Tierversuchsrecht nicht. Die Vereine wollen unter anderem erreichen, dass Deutschland die allerschlimmsten Tierversuche verbietet.

In Deutschland wurde die EU-Tierversuchsrichtlinie im Jahr 2013 in nationales Recht umgesetzt. Schon von Beginn an machten Tierschutzverbände die Bundesregierung darauf aufmerksam, dass die Umsetzung in wesentlichen Bereichen zu Lasten des Tierschutzes nicht korrekt erfolgt ist. Nachdem die Bundesregierung jegliche Änderungen verweigerte, wurden vom Verein Ärzte gegen Tierversuche und anderen Verbänden Beschwerden bei der EU-Kommission eingereicht.

Unbeeindruckt von diesen Vorwürfen, beharrte die Bundesregierung auf ihrer Position, dass das europäische Recht in Deutschland korrekt umgesetzt sei, selbst nachdem die EU-Kommission gegen Deutschland im September 2018 ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet hat und in mehr als 20 Artikeln Umsetzungsfehler geltend macht. Erst jetzt hat die Bundesregierung in einer schriftlichen Mitteilung an die Kommission, die den Verbänden vorliegt, rechtliche Anpassungen angekündigt.

Die Mängelliste der EU-Kommission beschränkt sich allerdings weitgehend auf Umsetzungsdefizite im administrativen Bereich des Tierversuchsrechtes wie Inspektionen. Dipl. Biol. Torsten Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bund gegen Missbrauch der Tiere: „Dabei sind noch weitaus gravierendere Umsetzungsdefizite auszuräumen. So bedürfen in Deutschland in evident richtlinienwidriger Weise Tierversuche, die zur Aus-, Fort- oder Weiterbildung durchgeführt werden, keiner vorherigen behördlichen Genehmigung, sondern es reicht aus, sie der Behörde lediglich anzuzeigen. Auch die „Angst“ als Leidenskategorie wird im deutschen Tierschutzrecht überhaupt nicht erwähnt. Zudem haben die Genehmigungsbehörden in Deutschland keine inhaltliche Prüfungsbefugnis, d.h., wenn ein Antrag korrekt ausgefüllt ist, muss er genehmigt werden.“

Erst im Oktober hatten die drei Verbände erreicht, dass der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages sich in einer öffentlichen Anhörung über ein mögliches Verbot schwer belastender Tierversuche beschäftigen musste. Denn die EU-Richtlinie sieht eine Obergrenze für Schmerzen, Leiden und Ängste vor, die in Tierversuchen nicht überschritten werden darf. Deutschland beruft sich jedoch auf eine Ausnahmeklausel, die mit der Staatszielbestimmung Tierschutz im Grundgesetz unvereinbar ist. „Juristische Gutachten belegen, dass die Bundesregierung schon aus verfassungsrechtlichen Gründen ein Verbot schwerstbelastender Tierversuche hätte umsetzen müssen“, sagt Dr. Cristeta Brause, Tierschutzreferentin bei TASSO.

„Es ist unerträglich, dass geltendes europäisches Tierversuchsrecht von der Bundesregierung offensichtlich nur mit großem Widerwillen und Widerstand umgesetzt werden kann. Eine umfassende und öffentlich transparente Überarbeitung ist nun zwingend notwendig“, so Dr. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. „Das deutsche Tierversuchsrecht verwaltet Tierversuche nur, verhindert aber keinen einzigen Tierversuch.“ Die Tierschützer werfen der Bundesregierung Klientelpolitik vor, d.h. die Interessen der Tierversuchslobby wurden über die der Tiere gestellt.

Weitere Informationen
Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ >> 


Skandal um Plastik-Implantate 

Mensch und Tier leiden für ein krankes System

27. November 2018

Die Zulassung von Medikamenten und Biomaterialien ist nach Aussage des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche ein krankes System, da es auf unzuverlässigen Tierversuchen beruht. „Fallen die Ergebnisse aus Tierstudien dem Wunsch der Industrie entsprechend aus, wird ihre angebliche Übertragbarkeit auf den Menschen hervorgehoben. Sind dagegen die Resultate nicht genehm, wird am Versuchsaufbau gedreht, bis das Ergebnis passt oder die Studie wird verschwiegen“, kritisiert Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Mit einem innovativen In-vitro-Testsystem lassen sich Implantate im Gegensatz zum Tierversuch präzise und für den Menschen relevant untersuchen.

Aktuellen Medienberichten zufolge hatte die Firma Ranier Technology aus England eine neuartige Plastik-Bandscheibe an neun Pavianen testen lassen. Dass es bei den Tieren zu schwerwiegenden Schäden durch die Prothesen kam, unterschlug der Hersteller der Zulassungsbehörde und ging gleich in die „klinische Phase“, die Erprobung am Menschen. Die Plastik-Bandscheibe kam auf den Markt und verursachte bei mindestens 100 Patienten schwere Schäden. „Ob Tier und Mensch ähnlich oder völlig anders reagieren, bleibt dem Zufall überlassen. Der Tierversuch ist ein trügerisches System, das zudem moderne, menschbezogene Forschung blockiert“, kommentiert Dr. Gericke.

„Nicht nur Firmen, die in ihrem Profitstreben buchstäblich über Leichen gehen, sondern auch die Prüfstellen sind in der Verantwortung“, so die Tierärztin weiter. „Vor allem darf nicht länger auf Tierversuche vertraut werden. Schafe, die meist für orthopädische Materialtests verwendet werden, aber auch Affen unterscheiden sich in ihrer Art der Fortbewegung, Statik und Biomechanik vom Menschen deutlich. Wegen der fehlenden Übertragbarkeit der Versuchsergebnisse werden Patienten einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt“, erklärt Dr. Gericke. Die Testung neuer Materialien muss auf Grundlage innovativer In-vitro-Systeme erfolgen, fordert der Verein.

So hat ein Forscherteam der TU Dortmund und der Uni Moskau ein Verfahren entwickelt, das einen zuverlässigen In-vitro-Belastungstest für neuentwickelte Gelenkprothesen bzw. Biomaterialien ermöglicht. Dabei wird das Implantat von einer synthetischen Flüssigkeit umspült, die das menschliche Blutplasma simuliert und gleichzeitig wird es mit Hilfe eines servo-hydraulischen Systems standardisiert belastet. Im Gegensatz zu Tierversuchen stellt diese In-vitro-Methode ein innovatives Testsystem dar, mit dem die Abnutzung von Gelenkprothesen im menschlichen Körper präzise untersucht werden kann.

Weitere Informationen
In-vitro-Testsystem für die Abnutzung von Gelenkprothesen >> 


 35.000 Unterschriften gegen Rotkehlchen-Tierversuche

Ärzte gegen Tierversuche und PETA protestieren in Oldenburg

29. November 2018

Die Passanten staunten nicht schlecht, als sie gestern in Oldenburgs Fußgängerzone auf eine Mahnwache gegen Tierversuche stießen. Die Aktivisten von PETA und Ärzte gegen Tierversuche trugen Rotkehlchen- und Hühnermasken und hielten Schilder „Ich bin kein Versuchsobjekt“ und „Artenschutz ist kein Freibrief für Tiermord“. Die Vereine wollten mit der Aktion erneut auf das Leid, das Vögeln an der Universität Oldenburg angetan wird, aufmerksam machen und die Forscher zum Umdenken auffordern. Die rund 35.000 Unterschriften, die innerhalb von nur 3 ½ Monaten zusammengekommen waren, wollte niemand von der verantwortlichen Forschergruppe entgegennehmen.

Die Arbeitsgruppe Neurosensorik untersucht den Navigationssinn von Zugvögeln und quält und tötet dafür seit mindestens 14 Jahren Rotkehlchen und andere Vögel. Allein für eine 2018 veröffentlichte Studie wurden 40 Rotkehlchen und 25 Hühner getötet. 2016 wurde eine Versuchsreihe veröffentlicht, der zufolge 91 gefangene Rotkehlchen starken elektromagnetischen Feldern ausgesetzt wurden, um sie orientierungslos zu machen. Einzeln in einen Aluminium-Käfig sitzend wurden ihre vergeblichen Flugversuche anhand der Kratzer ihrer Flügel an den mit Papier ausgekleideten Wänden registriert.

Laut einer Stellungnahme der Universität Oldenburg sollen im Rahmen eines aktuellen, auf sechs Jahre angelegten Projekts in den ersten Jahren zehn bis 20 Hühner jährlich und später auch weiter Zugvögel, wie Rotkehlchen, getötet werden. Für einen Teil des Projekts, das mit 8,6 Millionen Euro von der EU gefördert wird, ist auch der Einsatz von Zellkulturen geplant. Nach Ansicht von PETA und Ärzte gegen Tierversuche geht es dabei um reine Grundlagenforschung.

„Die Tiere sollen der Neugier einzelner Forscher geopfert werden“, kritisiert Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. „Dabei spielt es keine Rolle, ob Rotkehlchen oder Hühner die Leidtragenden sind.“

Die Aktivisten vom freiwilligen PETA-ZWEI-Streetteam Oldenburg und der Arbeitsgruppe Bremen der Ärzte gegen Tierversuche stießen bei ihrer Aktion auf großen Zuspruch aus der Bevölkerung. Einige Passanten gesellten sich spontan dazu. Eine Frau meinte, dass ein Großteil der Oldenburger entsetzt sei über das grausame Geschehen an der Universität. Im Anschluss an die Mahnwache gaben Vertreter der beiden Vereine einen Brief und eine Rotkehlchen-Silhouette mit der Anzahl der gesammelten Unterschriften im Sekretariat des Instituts für Biologie und Umweltwissenschaften ab. Der verantwortliche Forscher konnte die Petition aufgrund eines Auslandsaufenthalts nicht entgegennehmen, andere an den Versuchen beteiligte Forscher waren nicht dazu bereit.

„Wir fordern die Universität Oldenburg auf, die Tierquälerei sofort zu beenden und auf tierleidfreie Forschungsmethoden umzusteigen“, so Anne Meinert, Kognitionsbiologin und Fachreferentin Bereich Tierversuche bei PETA abschließend.

Weitere Informationen:
www.rotkehlchen.aerzte-gegen-tierversuche.de
PETA.de/Universitaet-Oldenburg-Tierversuche

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Paviane sterben nach wenigen Monaten mit Schweineherz 

Falsche Versprechen für kranke Menschen

06. Dezember 2018

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet das an der LMU München als „Erfolg“ gefeierte Überleben eines Pavians für mehrere Monate, dem zuvor das Herz eines genmanipulierten Ferkels eingepflanzt wurde, als ethisch verwerflich und verurteilt die Xenotransplantation als „schlimmsten Auswuchs der tierexperimentellen Forschung“.

Bei der Xenotransplantation werden unter anderem Herzen genmanipulierter Schweine in Affen transplantiert, die innerhalb kurzer Zeit an der Abstoßungsreaktion qualvoll sterben. Vorgebliches Ziel ist es, den Mangel an menschlichen Spenderorganen auszugleichen. „Es ist ein Irrlgaube, mit solchen Versuchen medizinischen Fortschritt zu erreichen, indem Tiere als Ersatzteillager für menschliche Organe herhalten“, so Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Tier ein paar Stunden, Tage oder Monate überlebt. Der Fehler liegt im System, ist sich Strittmatter sicher. Denn neben dem immensen Leid für die Tiere, das nach Einstufung der EU zu den Versuchen mit den größten Schmerzen, Leiden und Schäden zählt, birgt die Xenotransplantation ein unkalkulierbares Risiko für die Patienten, beispielsweise durch die Übertragung von Viren, woran auch noch so viele Abwandlungen des Tierversuchs nichts ändern.

Würde man den Versprechen einiger Forscher glauben, wäre Aids seit 1983 besiegt, Krebs seit 1990 und schon seit 2005 könnten standardmäßig Schweineherzen auf Menschen transplantiert werden. Immer wieder gehen Meldungen durch die Medien, die glauben machen, die tierexperimentelle Forschung würde den Durchbruch in der Heilung menschlicher Krankheiten liefern und genveränderte Tiere könnten den Mangel an Spenderorganen ausgleichen. Doch die angepriesenen Erfolge bleiben aus, wie eine Auswertung des Ärztevereins zeigt.

Nach Ansicht der Ärzte gegen Tierversuche werden ethische Grenzen ignoriert, da Patienten falsche Hoffnungen gemacht werden. Es ist verwerflich, Organe von im Labor manipulierten Tieren übergangsweise oder dauerhaft als Ersatzorgan für Menschen verwenden zu wollen. Denn die körpereigene Immunabwehr muss massiv unterdrückt werden, zudem ist es vollkommen unklar, welche Leiden und Schäden Menschen davontragen würden und wie ein Schweineorgan auf den menschlichen Lebensstil reagieren würde.

An der LMU München werden seit mindestens 20 Jahren Schweineorgane auf Affen übertragen, mitfinanziert aus Steuergeldern. Anstatt im Labor mit der Xenotransplantation wissenschaftlich kritikwürdige Forschung zu betreiben, sollte der Fokus besser auf die Ursachenforschung von Krankheiten und die moderne In-vitro-Forschung mit ausgeklügelten Computermodellen und Organchips gesetzt werden, die im Gegensatz zum Tierversuch den menschlichen Körper simulieren und übertragbare Ergebnisse liefern, so der Ärzteverein. Beispielsweise ist die Züchtung funktionsfähiger menschlicher Mini-Organe im Labor (sog. Organoide) ein vielversprechender Ansatz für die regenerative Medizin und Transplantation.

„Dass der Tierversuch auf ganzer Linie versagt, beweisen wissenschaftliche Studien, die dem Tierversuch eine Durchfallquote von rund 96 % attestieren. Die an Tieren für sicher und wirksam befundenen Arzneien wirkten in der klinischen Prüfung, bei der sie erstmals an menschlichen Probanden getestet werden, anders, gar nicht oder führten zu - teils fatalen - Nebenwirkungen“, so Strittmatter abschließend.

Weitere Informationen

T. Zietek: Wie immenses Tierleid als „Meilenstein“verkauft wird - Stellungnahme zu Xenotransplantation >>

Studie „Heilsversprechungen der tierexperimentellen Forschung“ als PDF >> 


Affenquäler von Tübingen kommen nicht vor Gericht 

Tierqual im Labor wieder einmal als Bagatelldelikt abgetan

20. Dezember 2018

Der für den 7. Januar geplante Prozess gegen Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Biologische Kybernetik in Tübingen wurde abgesagt. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hatte vor 4 Jahren Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt und ist schockiert, aber nicht überrascht über die aktuelle Absage. Nach Kenntnis des Vereins kommen von Tierexperimentatoren verübte Straftaten nur extrem selten ans Licht des Tages und wenn, werden sie als Bagatellen gehandhabt.

Am Max-Planck-Institut (MPI) in Tübingen wurden jahrelang qualvolle Hirnversuche an Rhesusaffen durchgeführt. Sie müssen stundenlang mit unbeweglich festgeschraubtem Kopf sitzen und werden durch Wasserentzug zur „Kooperation“ gezwungen. 2014 dokumentierte eine Undercover-Recherche schwere Misshandlungen der Affen durch die MPI-Mitarbeiter. Ärzte gegen Tierversuche stellte im Januar 2015 Strafanzeige. Drei Jahre später wurden drei der Mitarbeiter, darunter der Institutsleiter Nikos Logothetis, zu Geldstrafen verurteilt, weil sie Affen zu lange haben leiden lassen. Die Beschuldigten erhoben Einspruch. Im für den 7.1. angesetzten Prozess vor dem Amtsgericht Tübingen hätte der Fall geklärt werden sollen. „Es wäre in der Geschichte Deutschland einmalig gewesen, dass sich Tierexperimentatoren für ihre Taten vor Gericht hätten verantworten müssen“, erklärt Dr. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche.

Doch jetzt haben sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht auf eine vorläufige Einstellung geeinigt, die laut Amtsgericht Tübingen mit einer Geldauflage in Höhe einer 4-5-stelligen Summe verbunden ist. Bei Nichtzahlung wird der Prozess wiederaufgenommen. Grund für die Einstellung ist ein neues Gutachten, das die Verteidigung bei der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in Auftrag gegeben hat. „Dass vier Jahre nach Einreichen der Strafanzeige und wenige Tage vor dem Gerichtsprozess plötzlich ein Gefälligkeitsgutachten aus dem Hut gezaubert wird, ist ein Schlag ins Gesicht aller Tierversuchsgegner“, empört sich Tierärztin Gericke. Ärzte gegen Tierversuche zweifelt daher die Objektivität des Gutachtens an, denn an der RUB wurden bis 2012 fast identische Versuche an Affen vorgenommen, wie am MPI. Sie wurden eingestellt als der Forscher in Pension ging.

Der Fall Tübingen reiht sich damit in die Liste der als Bagatellen gehandhabten Straftaten im Labor. Strafanzeigen gegen Tierexperimentatoren werden regelmäßig eingestellt, auch wenn noch so erdrückende Beweise für Straftatbestände vorliegen, weiß Gericke aus Erfahrung. So wurde das Verfahren gegen Experimentatoren der Kerkhoff-Klinik Bad Nauheim, die jahrelang qualvolle nicht genehmigte Tierversuche an Mäusen und Schweinen durchgeführt haben, gegen Zahlung einer äußerst geringen Geldstrafe eingestellt, obwohl die Behörden über Jahre hinweg massive Tierschutzverstöße dokumentiert hatten. Eine Forscherin, die an der Uni Münster illegale Tierversuche an Mäusen durchgeführt hat, darf weiter experimentieren. Am Leibnitz-Institut in Jena kamen durch einen Whistleblower ebenfalls nicht genehmigte Tierversuche ans Licht. Nachdem die Versuche für ein Jahr gestoppt wurden, dürfen die Forscher weitermachen wie bisher.

Der Ärzteverein geht von einer enormen Dunkelziffer von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz in deutschen Laboren aus, die niemals zur Ahndung kommen, weil es keine unabhängigen Kontrollen gibt.

Weitere Informationen
Kampagne „Stoppt Affenqual in Tübingen“ >> 


Aktuelle Statistik: 2.807.297 Tierversuche 

Auch 2017 kein Abwärtstrend in Sicht

20. Dezember 2018

Laut der soeben vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichten Tierversuchsstatistik hat sich die Zahl der für Versuche verwendeten Tiere mit über 2,8 Millionen kaum verändert, denn 2016 waren es 2.854.586 Tieropfer. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert nicht nur die seit Jahren gleichbleibenden Tierzahlen und damit die fehlende Strategie der Bundesregierung für einen Abbau der Tierversuche, sondern auch den Zeitpunkt der Veröffentlichung. Kurz vor Weihnachten sollen die schockierenden Tierzahlen möglichst niemanden interessieren.

Am häufigsten mussten weiterhin Mäuse mit fast 1,4 Millionen (66,2 %) für die Wissenschaft leiden. Ratten mit 255.449 (12,3 %) und Fische mit 239.350 (11,6 %) belegen wie im letzten Jahr die traurigen Plätze 2 und 3. Hinzu kommen – neben vielen anderen Tierarten - 92.661 Kaninchen, 17.347 Schweine, 3.330 Hunde und 718 Katzen.

„Erschreckend ist, dass die Zahl der Affen im Vergleich zu 2016 um mehr als 1.000 Tiere angestiegen ist (2016 waren es 2462, 2017 dagegen 3472)“, so Dr. Gaby Neumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. „Abgesehen von der ethischen Problematik, unsere nächsten Verwandten für Versuchszwecke zu missbrauchen, belegen immer mehr Studien die schlechte Vergleichbarkeit von Affen und Menschen.“

Den größten Anteil der Tierversuche nimmt mit 50 % weiterhin die Grundlagenforschung ein. Damit bleibt dieser Forschungsbereich, der meist keinen direkten Anwendungsbezug hat und zum großen Teil der Befriedigung der Neugier einzelner Forscher dient, weiterhin auf hohem Niveau (2016: 53 %). Die Zahlen im Bereich „der gesetzlich vorgeschriebenen und Routineversuche“ sowie der „angewandten Forschung“ sind mit 27 % bzw. 15 % vergleichbar mit denen des Vorjahres.

Unfassbar ist nach Aussage von Ärzte gegen Tierversuche der mit 115.107 Tieren bzw. 5,6 % extrem hohe Anteil von Versuchen mit Schweregrad „schwer“, das heißt mit besonders starken Leiden und Schmerzen verbundene Experimente. Denn solche Versuche sollen laut EU-Tierversuchs-Richtlinie eigentlich nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden dürfen. Deutschland hat sich aber bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht darüber hinweggesetzt. „Diesen Verstoß haben wir der EU-Kommission 2016 in einer Beschwerde mitgeteilt. Zwar hat die EU-Kommission aktuell ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen falscher Umsetzung der EU-Tierversuchs-Richtlinie eingeleitet, diesen wichtigen Punkt dort aber leider nicht aufgegriffen“, so Gaby Neumann.

Interessant ist auch, dass in der genau nach Tierarten und Bereichen aufgeschlüsselten Statistik dieses Jahr nur Tiere erfasst sind, an denen direkt Versuche durchgeführt wurden. Bislang wurden auch die für wissenschaftliche Zwecke getöteten Tiere in der Statistik aufgeführt. Diese Tiere sind diesmal nur als Gesamtzahl erwähnt, nämlich 738.484. „Das macht einen Vergleich der Zahlen mit dem Vorjahr extrem schwierig und täuscht eine Reduktion der Tierversuche bzw. der benutzten Tiere vor“ kritisiert Gaby Neumann.

„Außerdem scheint es Methode zu haben, dass so eine wichtige Veröffentlichung, wie die Tierversuchszahlen, erneut rund um den Jahreswechsel erfolgt. Die Behörde hofft vermutlich, dass mit ihrer Strategie diese traurige Meldung über das Leid von Millionen von Tieren relativ unbemerkt bleibt.“

Weitere Informationen:

BMEL: Versuchstierzahlen 2017 (PDF) >> 

 

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