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Pressearchiv 2008 - 02. Juni 2008 - Ein Jahr nach Inkrafttreten von REACH

02. Juni 2008

Ein Jahr nach Inkrafttreten von REACH

Enormer Anstieg von Tierversuchen erwartet

Am 1. Juni 2007 trat die REACH-Verordnung der EU in Kraft. 30.000 alte Chemikalien, die vor 1981 auf den Markt gekommen sind, sollen in den nächsten elf Jahren einer eingehenden Prüfung unterzogen werden, um Mensch und Umwelt vor schädlichen Stoffen zu schützen. Trotz aller Bemühungen der Tierschutzverbände soll dies größtenteils in Tierversuchen erfolgen. Schätzungen gehen von 7 bis 45 Millionen Tieren aus, die für REACH leiden und sterben sollen. Noch haben die REACH-Tierversuche nicht begonnen. Im ersten Jahr seit Inkrafttreten der Verordnung wurde die EU-Chemikalienbehörde in Helsinki eingerichtet. Sie nimmt jetzt ihre Arbeit auf.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fürchtet, dass REACH zu einem enormen Anstieg der Tierversuchszahlen in Europa führen wird. In der EU wurden den offiziellen Statistiken der EU-Kommission zufolge 2005 über 12 Millionen Wirbeltiere in Tierversuchen getötet. In Deutschland waren es 2006 mehr als 2,6 Millionen Tiere. Einer Studie des Bundesinstituts für Risikoforschung aus dem Jahr 2004 zufolge werden bis zu 45 Millionen Wirbeltiere für REACH leiden und sterben, Wirbellose Tiere noch nicht einmal eingerechnet. Dank zahlreicher Verbesserungen, die aufgrund der Lobbyarbeit der Tierschutzseite in REACH eingeflossen sind, werden es wahrscheinlich wesentlich weniger werden. 

Aufgrund der Proteste von Verbänden wie der Ärztevereinigung gegen Tierversuche wurde die Suche nach tierfreien Alternativen vorangetrieben. Beim Europäischen Validierungszentrum ECVAM im italienischen Ispra sind zurzeit 40 Methoden in der Validierung, d.h., sie werden auf ihre Tauglichkeit überprüft, Tierversuche zu ersetzen. 

Ärzte gegen Tierversuche fordern ein REACH ganz ohne Tierversuche - nicht nur der Tiere wegen, sondern auch, weil Tierversuche ungeeignet sind, Mensch und Umwelt vor schädlichen Chemikalien zu schützen. Gerade im Bereich der Giftigkeitsprüfungen zeigen sich immer wieder die gravierenden Unterschiede zwischen Mensch und Versuchstier. So sind Ratten 300mal unempfindlicher gegenüber Krebs erregendem Asbest als Menschen. Moderne, tierversuchsfreie Verfahren zum Beispiel mit Zellkulturen und Computersystemen liefern laut Ärzte gegen Tierversuche bessere Ergebnisse und sind zudem schneller. 

Auch in den USA setzt man bei Giftigkeitsprüfungen neuerdings lieber auf tierversuchsfreie Testmethoden. Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA und das Institut für Gesundheit NIH wollen Tierversuche in der Toxikologie langfristig durch menschliche Zellkulturen und Computersimulationen ersetzen. Grund ist die schlechte Übertragbarkeit der Ergebnisse, die hohen Kosten und die lange Dauer der Tiertests. Mit automatisierten Systemen könnten Zehntausende Substanzen innerhalb kürzester Zeit überprüft werden. Mit den üblichen Tierversuchen schaffe man nur zehn bis hundert Substanzen im Jahr. 

Weitere Informationen: Ein Ende aller Tierversuche?, Technology Review, 10.03.2008

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