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Pressearchiv 2004

26. Februar 2004

Covance-Affen dürfen weiter gequält werden

Ärztevereinigung wirft Staatsanwaltschaft Parteilichkeit vor

Die bundesweit arbeitende Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ist bestürzt über die Einstellung der Strafanzeigen gegen die Firma Covance. "Den Interessen des finanzstarken Industrieunternehmens wurde gegenüber dem Tierschutz Vorrang eingeräumt oder anders ausgedrückt, die Affen dürfen mit staatlicher Erlaubnis weiter gequält werden", heißt es von Seiten der Ärztevereinigung.

Ein Journalist hatte im Tierversuchslabor des Unternehmens unbemerkt gefilmte Aufnahmen im Dezember 2003 veröffentlicht. Die Szenen von schwer verhaltensgestörten und misshandelten Tieren hatten ein Millionen-Fernsehpublikum erschüttert. Zahlreiche Strafanzeigen von Einzelpersonen und Tierrechtsverbänden waren bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.

Für die Ärzte gegen Tierversuche ist nicht nachvollziehbar, wie trotz eindeutiger filmischer Beweise für Straftatbestände die Staatsanwaltschaft Münster das Verfahren einstellen konnte. Begründet wird die Einstellungsverfügung damit, dass Tierversuche in Deutschland erlaubt oder sogar vorgeschrieben seien. "Dass der Tierschutz seit 2002 Verfassungsrang besitzt, ist offensichtlich an der Staatsanwaltschaft vorbeigegangen", so Dr. med. vet. Corina Gericke von den Ärzten gegen Tierversuche. "Eine Auffassung wie: es sind nur Versuchstiere - sie müssen ohnehin sterben - ein bisschen mehr quälen macht nichts - darf jedoch keinesfalls akzeptiert werden."

So hält die Staatsanwaltschaft das Brechen eines Affenarms für nicht tierschutzrelevant, weil dieses nicht vorsätzlich erfolgt sei. Tierärztin Gericke: "Ob dem Tier aber durch mangelnde Versorgung des gebrochenen Arms länger anhaltende Schmerzen und Leiden zugefügt worden sind, interessierte nicht". Auch dass die Tiere nach Eingriffen unter Narkose weder tierärztlich noch pflegerisch angemessen betreut werden, sondern während der Aufwachphase ungeschützt mit Wucht gegen die Metallstäbe ihrer Käfige stürzen, wurde als nicht tierschutzrelevant gewertet. "Kein Tierarzt dürfte seine Patienten in der Aufwachphase derartig vernachlässigen und gefährden", kritisiert Gericke. "Die Nichtversorgung blutender Wunden wird mit der unzutreffenden Aussage gerechtfertigt, man könne bei Tieren keine Verbände anlegen. Jeder Tierarzt wird das Gegenteil bestätigen." Die schweren haltungsbedingten Verhaltensstörungen der Affen lässt die Staatsanwaltschaft schließlich völlig außer Acht.

Die Ärztevereinigung stellt ob einer solch einseitigen Betrachtungsweise die Kompetenz und Unabhängigkeiten der Staatsanwaltschaft Münster in Frage.

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