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Pressearchiv 2004

11. August 2004

Mikrochips statt Versuchstiere

Ärzte gegen Tierversuche hoch erfreut über technologische Neuentwicklung

Amerikanischen Wissenschaftlern ist es gelungen einen ganzen Organismus auf einem Silizium-Chip nachzuahmen. Die Ärzte gegen Tierversuche sehen sich in ihrer Argumentation bestätigt. Tierversuchsfreie Systeme seien den Tests am lebenden Tier in Bezug auf Genauigkeit, Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit bei weitem überlegen.

Michael Shuler von der Cornell University hat einen Chip erfunden, der die Arzneimittelforschung revolutionieren kann. Winzige Kammern aus Glasröhren, die mit lebenden Zellen ausgekleidet sind, auf einem nur daumennagelgroßen Mikrochip stellen einzelne Organe dar. Der künstliche Körper wird mit einer Nährflüssigkeit durchströmt. Ein hinzu gegebener neuer Wirkstoff zirkuliert durch den Chip. Seine Wirkung in den einzelnen Organen, seine Verstoffwechslung sowie die mögliche Entstehung giftiger Abbauprodukte kann nun getestet werden. Die Rundreise eines Wirkstoffes durch den Chip entspricht etwa dem Weg durch ein lebendes Säugetier. Die Chips lassen sich auch mit menschlichen Zellen bestücken, so dass in Zukunft potentielle Arzneimittel an dem künstlichen Mini-Menschen getestet werden können.

Die Ärzte gegen Tierversuche setzen große Erwartungen in die Neuentwicklung. "Wer immer behauptet hat, mit Zellkulturen könne man keinen Organismus nachahmen, wird nun eines Besseren belehrt", freut sich Dr. med. vet. Corina Gericke, Fachreferentin bei den Ärzten gegen Tierversuche, "Es ist erschreckend und nicht nachvollziehbar, dass im Zeitalter modernster Technologien immer noch Unsummen in die archaische Tierversuchsforschung fließen." In Mainz, Ulm, Freiburg, Würzburg, Jena, Erlangen und vielen anderen Städten Deutschlands werden zurzeit neue Tierversuchsanlagen mit jeweils zweistelligen Millionenbeträgen gefördert. "So werden unsere Steuergelder verschleudert und für die zukunftsweisende, tierversuchsfreie Forschung bleibt kaum etwas übrig", so Tierärztin Gericke. Die tierversuchsfreie Forschung erhält im Jahr 2004 gerade einmal 2,8 Millionen Euro staatliche Fördergelder.

Sogar Krankheiten des Menschen können mit dem Mikrochip nachgeahmt werden. Das Team an der Cornell University arbeitet an der Simulation von Krebs. Kombinationen von Wirkstoffen können in den mit Krebszellen beschichteten "Organen" des Chips auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden. Tests, die am Tier Monate dauern, lassen sich mit Hilfe der Chips innerhalb von ein bis zwei Tagen durchführen. Die Kosten für einen Chip sollen bei etwa 50 Dollar liegen – die Haltung eines einzelnen Versuchstiers kostet ein Vielfaches. So wird das neue Testsystem nicht nur zum Vorteil für die Tiere sein, auch die Pharmaindustrie kann dadurch Zeit und Kosten einsparen und für den Patienten sicherere und wirksamere Medikamente entwickeln.

Quelle: Technology Review Juli 2004, S. 45-48


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