Pressearchiv 2016

Pressearchiv 2016


05.01.2016

Internetseite der Ärzte gegen Tierversuche im neuen Outfit

Aktuell, kompetent, umfassend

Ab heute ist die brandneue Website der Ärzte gegen Tierversuche online! Neben dem modernen Design wurde die Seite auf den technisch neuesten Stand gebracht. Ein Slider mit großformatigen Bildern informiert über aktuelle Kampagnen und Projekte. Die Terminhinweise sind jetzt übersichtlicher angeordnet, für unsere 18 Arbeitsgruppen gibt es eine interaktive Deutschlandkarte und die Tierversuchsdatenbank www.datenbank-tierversuche.de mit über 4.500 Einträgen, die sich bisher auf einer externen Seite befand, wurde auf der Hauptseite integriert. Zudem gibt es jetzt die Möglichkeit, Petitionen direkt in Artikel zu integrieren, um Nutzern das Mitmachen zu erleichtern. 

Neu ist auch die Gruppen- und Geschenkmitgliedschaft. Bislang konnten Einzelpersonen Mitglied bzw. Fördermitglied werden. Jetzt können auch Vereine und Firmen unsere Arbeit für die Tiere und gegen Tierversuche durch ihre Mitgliedschaft unterstützen. Mit der neuen Geschenkmitgliedschaft - als Online-Formular oder als PDF mit Geschenkkarte zum Ausdrucken - können Sie Freunden und Familie eine Freude machen und gleichzeitig unseren Verein unterstützen.

Auf der Startseite finden sich jetzt auch Empfehlungen aus unserem Online-Shop. Infoblätter, Videos, Aufkleber usw. können hier bestellt werden. Alle gedruckten Infomaterialien sind auch als PDF-Datei kostenlos herunterladbar.

Seit 1979 setzen wir uns kompetent und engagiert für eine fortschrittliche Medizin ohne Tierversuche ein. Die neue Seite ist ein wichtiges Instrument, um unsere wissenschaftlichen Fakten zu dem komplexen Thema Tierversuche einem breiten Publikum zugänglich zu machen. 


18.01.2016 

Medikamentenskandal in Frankreich

Tierversuche erweisen sich erneut als fataler Irrweg

Tierversuche wiegen Menschen in einer falschen Sicherheit, wie der Medikamentenskandal in Frankreich jüngst erneut beweist, ist sich die deutschlandweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche sicher. Sechs Testpersonen eines neuen Medikaments erlitten schwere Nebenwirkungen, ein Mensch ist bereits hirntot. Nach Aussage des Vereins wird es immer wieder solche dramatischen Ereignisse geben, solange am Tierversuch festgehalten wird.

„Der aktuelle Fall reiht sich in zahlreiche schwerwiegende Medikamentenskandale, bei denen Menschen Opfer von aufgrund von an Tieren als sicher getesteten Arzneien werden“, so Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärztevereinigung. „Dabei ist längst bekannt, dass die Übertragung von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen ein Lotteriespiel mit unvorhersehbaren Folgen ist.“

Ärzte gegen Tierversuche weist auf kürzlich bekannt gewordene Studien hin, die aufzeigen, dass 95 % der in Tierversuchen für sicher und wirksam befundenen Arzneien beim Test an Menschen (Klinische Prüfung) versagen. 2004 waren es gemäß einer zentralen Studie der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA 92 % - die Präparate wirkten nicht, anders oder schädigten den Menschen. Außerdem werden von den Medikamenten, die es auf den Markt schaffen, später 20-50% zurückgezogen oder mit Warnhinweisen versehen.

Beispielhaft für das Versagen nennt der Verein: das Gentech-Medikament TGN1412 zur Behandlung von u.a. Leukämie, Arthritis und Multipler Sklerose, das vor 10 Jahren für sechs Probanden in der Phase I-Erprobung zu bleibenden Schäden wie Multiorganversagen und Amputationen führte. Vom Markt genommen werden mussten unter anderem: 2013 das Muskelrelexans Tetrazepam wegen schwerer Hautreaktionen, das Diabetesmedikament Avandia wegen erhöhtem Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko 2010, das Schlankheitsmittel Acomplia wegen psychischer Störungen und Selbstmord im Jahr 2008, das Herzmedikament Trasylol wegen Herzversagen mit Todesfolge 2007, das Schmerzmittel Vioxx aufgrund von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Todesfällen 2004, der Cholesterin-Senker Lipobay wegen Muskelzerstörung und Todesfällen 2001.

Der Ärzteverein fordert umgehend einen Paradigmenwechsel weg vom Tierversuch, hin zu innovativen und zuverlässigen Testmethoden, die für den Menschen aussagekräftige Ergebnisse liefern. In Biochips etwa, in denen aus menschlichen Zellen Organe simuliert werden, die in einem Stoffwechselsystem verbunden sind, zirkulieren Testsubstanzen wie durch einen echten Menschen. Computersimulationen basieren auf menschlichen Daten und die Reaktion eines Medikaments kann vorhergesagt werden. „Jedes Medikamentenopfer sowohl bei Menschen als auch bei Tieren ist eines zuviel“, so Strittmatter.

In dem Medikamententest an 128 gesunden Frauen und Männern erhielten 90 die Testsubstanz, die übrigen ein Placebo. Sechs Männer im Alter von 28 bis 49 Jahren, die das Medikament erhielten, mussten wegen schwerwiegender Nebenwirkungen in ein Krankenhaus eingewiesen werden, einer ist hirntot und drei weitere erleiden neurologische Beschwerden und tragen voraussichtlich lebenslängliche Schäden davon. Zuvor wurde das Medikament nach Aussage des französischen Gesundheitsministeriums in unterschiedlichen Dosierungen an verschiedenen Tierarten, darunter Affen, getestet. Ob es sich bei den Affen tatsächlich, wie offiziell angegeben, um Schimpansen handelt, ist nach Einschätzung der Ärztevereinigung fraglich, da die Tests in der Regel an Makakenaffen erfolgen. Auch werden in Europa seit 2004 keine Versuche an Schimpansen mehr durchgeführt, einige EU-Länder haben ihren Einsatz gar verboten.

Nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums wurde dieses Medikament im Rahmen der Phase I im Auftrag des privaten Auftragslabors BIOTRIAL in Rennes (Drug Evaluation and Pharmacology Research) vom portugiesischen Hersteller BIAL entwickelt. Dieser Quelle zufolge soll es sich um ein Schmerzmittel handeln, das an dem körpereigenen Cannabinoid-System ansetzt.

Weitere Informationen

Medikamenten-Durchfallquote 95%: Versagen des Tierversuchs heute noch größer als vor 10 Jahren >>

Infos und Liste Risikomedikamente >>

  

22.01.2016 

Nach Medikamentendesaster in Frankreich

Offener Brief der Ärzte gegen Tierversuche an Merkel

In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert die deutschlandweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche anlässlich des Medikamententestdesasters Konsequenzen zu ziehen, Tierversuche zugunsten auf den Menschen übertragbarer Verfahren zu beenden und Deutschland zu einem Vorbild in Sachen moderner und ethischer Medizin zu machen.

„Der aktuelle Fall in Frankreich war aus unserer Sicht nur eine Frage der Zeit. In den nächsten Tagen und Wochen wird die Frage gestellt werden, ob so etwas auch bei uns in Deutschland passieren kann – diese Frage ist mit einem eindeutigen „Ja“ zu beantworten. Man wird dann weiterhin fragen, ob denn die Wissenschaft nicht mittlerweile bessere Methoden zur Verfügung hat, statt von Mäusen auf den Menschen zu schließen?“, heißt es in dem offenen Brief der Ärzte gegen Tierversuche.

Aufgrund der wissenschaftlichen Belege über die Gefährlichkeit des Systems Tierversuch hinsichtlich der Übertragung auf den Menschen ist die Ärztevereinigung überzeugt, dass der Fokus in der Forschung und Medizin auf humanrelevante, tierversuchsfreie Testverfahren gesetzt werden muss. „Bitte lassen Sie nicht zu, dass weiterhin auf die veraltete Methode Tierversuch mit Gefahr für Leib und Leben der Menschen gesetzt wird“, appelliert der Ärzteverein an Merkel.

Trotz der minimalen Förderung tierversuchsfreier Methoden mit nur jährlich wenigen Millionen gegenüber den vielen Milliarden Euro, die aus Steuergeldern in Tierversuche fließen, sind die Fortschritte der tierversuchsfreien Forschung enorm. So lassen sich beispielsweise mit den aus Hautzellen von Alzheimer-Patienten gewonnen Stammzellen Hirnzellen generieren und damit der Krankheitsverlauf studieren.

„Wir fordern eine Umschichtung dieser Gelder – nicht nur im Sinne der Tiere, sondern auch im Sinne einer besseren, wirksameren Medizin und eines zukunftsorientierten Forschungsstandorts Deutschland. Uns ist bewusst, dass auch auf internationaler Ebene ein Umdenken stattfinden muss, doch Sie haben bekanntlich auch in anderen Fällen bewiesen, dass Deutschland als innovativer Treiber fungieren kann“, heißt es in dem Brief weiter.

Aufgrund der großen Tragweite des dramatischen Vorfalls in Frankreich, bei dem bereits ein zuvor gesunder Medikamententester zu Tode kam und mehrere Probanden schwerwiegende Schäden davontragen, hat der Verein eine Briefaktion und Online-Petition an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe gestartet, in der Bürger ihre Forderung nach einer sicheren und ethischen Medizin, bei der kein Mensch und Tier zu Schaden kommt, zum Ausdruck bringen können.

Weitere Information

Offener Brief an Bundeskanzlerin und Bundesgesundheitsminister >> 

Medikamentenskandal in Frankreich: Tierversuche erweisen sich erneut als fataler Irrweg >> 


17.02.2016

Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
TASSO e.V.


Deutschland quält Tiere gegen EU-Willen

Ratten mit Elektroschocks traktiert, um Depression zu simulieren

Wie die bundesweiten Vereine Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO aktuell aufgedeckt haben, werden in Deutschland Tierversuche durchgeführt, die die EU den Mitgliedstaaten eigentlich verboten hat. Ratten und Mäuse müssen bis zur Erschöpfung schwimmen oder werden bis zur Hilflosigkeit mit Elektroschocks traktiert – unter dem Deckmantel der Depressionsforschung. Aus Sicht der Vereine ein Skandal und krasser Widerspruch zum Tierschutzrecht.

Am Institut für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn werden Mäuse wochenlang Stressversuchen ausgesetzt, die ein Verhalten ähnlich einer Depression hervorrufen sollen: sie werden unter anderem fixiert, Lichtblitzen sowie Nahrungs- und Wasserentzug ausgesetzt. Vor, während und nach der Stressperiode wird der „forcierte Schwimmtest“ oder „Verzweiflungstest“ durchgeführt, bei dem eine Maus in einen mit Wasser gefüllten Behälter gesetzt wird, aus dem es kein Entkommen gibt. Mäuse, die früh aufhören zu schwimmen, gelten als depressiv.

Ferner werden am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim Ratten in Experimenten Elektroschocks ausgesetzt, indem das Bodengitter, auf dem sie sitzen, unter Strom gesetzt wird. Wenn sie nicht mehr aufspringen, gelten sie als „erlernt hilflos“ und werden als „Modell“ für Depression eingesetzt.

Die EU definiert in der Tierversuchsrichtlinie derartige Versuche als für die Tiere mit schwerem Leid verbunden. Sie schreibt ein Verbot solcher Experimente fest, wenn das schwere Leid voraussichtlich lang anhaltend ist. Damit beabsichtigt sie, dass die Mitgliedstaaten eine Schmerz-Leidens-Obergrenze einführen, ab der ein Tierversuch unter keinen Umständen genehmigt werden darf.

Leider gibt es ein Schlupfloch, dieses gewollte Verbot zu umgehen, welches Deutschland nutzt und damit selbst grausamsten Tierversuchen die Tür öffnet. „Wir wollen jedoch nicht hinnehmen, dass die Bundesregierung einfach den im Grundgesetz verbrieften Tierschutz ignoriert und höchst leidvolle Tierversuche ohne Einschränkung zulässt. Ein absolutes Verbot solcher Versuche ist zwingend erforderlich, damit Deutschland nicht weiter eklatant gegen das Staatsziel Tierschutz und den erklärten EU-Willen verstößt“, so die Vereine. Sie haben zahlreiche Beispiele von Tierversuchen aus deutschen Laboren enthüllt und publik gemacht, die bei korrekter Umsetzung der EU-Richtlinie verboten sein müssten.

Seit Novellierung der Tierversuchsregelungen in der EU 2010 müssen beantragte Tierversuche in vier Schweregrade eingeteilt werden. Neben dem erzwungenen Schwimmen und Zufügen von Elektroschocks, denen das Tier nicht entgehen kann, sind weitere Beispiele des Schweregrads „schwer“: Tod durch Abstoßung von Organen nach Transplantationen, Versagen mehrerer Organe, Tod durch Vergiftung, metastasierende Tumore oder die Verwendung von Stoffwechselkäfigen mit schwerer Einschränkung der Bewegungsfreiheit über einen längeren Zeitraum.

Weitere Information:
www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de  


02.03.2016

Landtagswahl in Baden-Württemberg

Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.


So stehen die Parteien zum Tierschutz

Anlässlich der am 13. März anstehenden Landtagswahl in Baden-Württemberg haben die bundesweiten Vereine Bund gegen Missbrauch der Tiere und Ärzte gegen Tierversuche Parteien zu verschiedenen Tierschutzthemen befragt und die Antworten ausgewertet.

Bei CDU und SPD ist der Tierschutz mehr oder weniger Fehlanzeige. So lehnen beide Parteien ein Ende der höchst umstrittenen und qualvollen Affenhirnversuche in Tübingen und die Novellierung des unzureichenden Tierschutzgesetzes und der Tierversuchsverordnung ab. Eine Verbesserung der Haltungsbedingungen für sogenannte Nutztiere, insbesondere Milchkühe, Puten und Schafe, möchte die SPD unterstützen, die CDU ist dafür offen, hält es jedoch für notwendig, zunächst den Bedarf für Verbesserungen zu prüfen.

Eine finanzielle Unterstützung von Tierauffangstationen sowie von Tierschutzverbänden zur Ausübung des 2015 verabschiedeten Verbandklagerechts will die CDU nicht gewähren und die SPD will lediglich die Unterstützung der Auffangstationen prüfen. Für die Aufnahme des Tierschutzes als wesentlichen Bildungsauftrag in Lehrpläne und Schulgesetze sehen beide genauso wenig Notwendigkeit wie für die Streichung der Ausnahmeregelung für eine Sachkundepflicht beim Angeln für Diplomaten und Urlauber. Die SPD hält die Sachkundepflicht für diese Gruppen für einen bürokratischen Aufwand und die CDU gibt an, darauf zu vertrauen, dass diese Personen das Angeln tierschutzgerecht ausüben.

Die Grünen, die vor der letzten Landtagswahl explizit ein Ende der Primatenhirnforschung angestrebt hatten, äußern sich hierzu nun unverbindlich und geben lediglich an, diese Versuche abzulehnen und dazu beitragen zu wollen, dass darauf verzichtet werden kann. Einen vollständigen Verzicht auf Tierversuche halten die Grünen für nicht möglich, wollen aber die tierversuchsfreie Forschung stärker fördern, sich für ein tierverbrauchsfreies Studium einsetzen und befürworten die Novellierung der Tierversuchsregelungen. Eine Aufnahme des Tierschutzes in das Schulgesetz halten die Grünen nicht für sinnvoll, wollen jedoch die Tierschutzbildung anderweitig umfangreich fördern. Die finanzielle Unterstützung von Auffangstationen würden sie bei Bedarf ausbauen. Das Tierschutz-Verbandsklagerecht wurde zwar von den Grünen vorangetrieben, eine Zusage zur Mittelvergabe an klageberechtigte Vereine wird hingegen nicht erteilt.

Klare Bekenntnisse zum Tierschutz in allen Bereichen zeigen die Linke, die ÖDP und die Partei Mensch Umwelt Tierschutz. Sie alle wollen konsequent für die Abschaffung der Primatenhirnversuche, von Tierversuchen generell sowie für zahlreiche zentrale Tierschutzanliegen engagiert eintreten.

Die FDP antwortete erst gar nicht auf die Wahlprüfsteine der Vereine. In der Vergangenheit hatte die FDP jedoch ihre tierfeindliche Einstellung unter Beweis gestellt. Der Weg zur Etablierung einer Politik, die konsequent den gesellschaftlich hohen Stellenwert des Tierschutzes berücksichtigt, ist noch sehr lang und bedarf weiterhin umfassender Aufklärungs- und Lobbyarbeit, so die Einschätzung der Vereine. Eine Übersicht mit den wesentlichen Positionen der Parteien kann als pdf auf der Internetseite der Vereine heruntergeladen werden.

Weitere Information:
13. März 2016 Übersicht Landtagswahl in Baden-Württemberg (PDF) >>


07.03.2016

Deutschland vereitelt Ziele der EU-Tierversuchsrichtlinie

Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.


Juristisches Gutachten attestiert Verstöße im Tierversuchsrecht

Ein aktuell von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen vorgelegtes Gutachten offenbart gravierende Verstöße Deutschlands bei der Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie. Die bundesweiten Vereine Ärzte gegen Tierversuche und Bund gegen Missbrauch der Tiere sehen darin einen weiteren Beleg dafür, dass die Bundesregierung den im Grundgesetz verankerten Tierschutz zugunsten der Tierversuchslobby missachtet.

Das Gutachten, erstellt von Dr. Christoph Maisack, einem der erfahrensten Tierschutzjuristen Deutschlands, erläutert 18 Verstöße. Beispielsweise hat die Bundesregierung Tierversuche zur Aus-, Fort- und Weiterbildung nur einer Anzeigepflicht unterstellt, anstatt wie von der EU gefordert einer Genehmigungspflicht. Im Unterschied zum Genehmigungsverfahren, bei dem mit einem Tierversuch erst begonnen werden darf, wenn die Behörde diesen zulässt, kann bei einem bloß angezeigten Versuch bereits nach 20 Tagen begonnen werden, wenn die Behörde bis dahin keine Prüfung vorgenommen hat. Aufgrund der Unterbesetzung der meisten Genehmigungsbehörden ist dies fatal und führt teilweise dazu, dass mit tierschutzwidrigen Versuchen begonnen wird, heißt es in dem Gutachten.

Weiter sieht das Gutachten eine richtlinienwidrige Einschränkung der behördlichen Prüfkompetenz. Eine Behörde müsse so gut wie jedes Experiment genehmigen, da sie nur eine Plausibilitätskontrolle vornehmen darf. Damit werden die Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie, die eine unabhängige Schaden-Nutzen-Analyse durch die Behörden vorsehen, in Deutschland nicht umgesetzt. Vielmehr müssen die Behörden ein Versuchsvorhaben genehmigen, wenn lediglich der Antragsteller selbst die Unerlässlichkeit und ethische Vertretbarkeit (Schaden-Nutzen-Abwägung) „wissenschaftlich begründet“.

Was die Durchführung von ganz besonders leidvollen Tierversuchen angeht, will die EU, dass diese grundsätzlich untersagt bzw. auf außergewöhnliche Umstände beschränkt sind und nur in besonderen Einzelfällen vorläufig genehmigt werden dürfen. Eine solche Beschränkung gibt es in Deutschland nicht. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass dadurch das Ziel der Richtlinie, dass solche Tierversuche nicht mehr regelmäßig sondern nur noch in seltenen Einzelfällen stattfinden sollen, vereitelt wird. So sind die Voraussetzungen für die Genehmigung eines schwerst belastenden Tierversuchs letztlich die gleichen wie für jeden anderen Tierversuch.

In der ursprünglich von der EU-Kommission vorgelegten Tierversuchsrichtlinie waren zahlreiche Verbesserungen im Sinne des Tierschutzes vorgesehen, welche im Zuge der Verhandlungen verwässert wurden. Nach Aussage des Gutachters hat sich auch Deutschland an diesen Verschlechterungen zulasten des Tierschutzes beteiligt. „Mit der Umsetzung in deutsches Recht ist die Bundesrepublik schließlich sogar noch hinter den Vorgaben der ohnehin schon weichgespülten Tierversuchsregelungen zurückgeblieben und widersetzt sich diesen teilweise. Dieser Rechtsbruch ist nicht hinnehmbar“, kommentieren die Ärzte gegen Tierversuche und der Bund gegen Missbrauch der Tiere.

Bereits das Expertengutachten von Prof. Dr. jur. Anne Peters, LL.M., Ordinaria für Völker- und Staatsrecht an der Universität Basel von April 2012, kommt zu dem Schluss, dass Deutschland die EU-Tierversuchsrichtlinie nicht korrekt umsetzt und gegen das Staatsziel Tierschutz verstößt. Die Vereine hatten die Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie in deutsches Recht von Beginn an mit zahlreichen Stellungnahmen begleitet und angesichts der gravierenden Mängel Verbesserungen eingefordert. Mit den beiden juristischen Expertengutachten sieht der Verein seine Forderung nach einer umfassenden Neugestaltung der Tierversuchsregelungen bekräftigt und überfällig.

Weitere Informationen:
Das Gutachten als pdf >>
Hintergrundinfos EU-Tierversuchsrichtlinie >>

Ärzte gegen Tierversuche e.V., Bund gegen den Missbrauch der Tiere e.V. und Tasso e.V. starteten im Februar eine Kampagne für ein Verbot von Tierversuchen mit Schweregrad „schwer“, Infos: www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de 


16.03.2016


Bundesländervergleich zu Tierversuchen 
 

Baden-Württemberg wieder Spitzenreiter im Negativ-Ranking

Baden-Württemberg ist wieder Spitzenreiter in Sachen grausamer und unsinniger Tierversuche, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Bayern. Das geht aus der Auswertung der Ländertierversuchsstatistiken der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hervor. In ihrer Deutschlandübersicht zeigt sie, welcher Anteil der Tierversuche auf das Konto der jeweiligen Bundesländer geht.

Bis auf 2012 und 2013 hatte Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren im Bundesländervergleich den größten Anteil der in Deutschland verforschten Tiere zu verantworten. Zwar hat im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Tiere um 19 % abgenommen, dennoch nimmt das Land erneut die führende Negativrolle ein. 469.605 Tiere und damit fast 17 % der Gesamtzahl von 2,8 Millionen mussten hier leiden und sterben, so die Ärzte gegen Tierversuche. Am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit etwa werden Ratten Alkohol- oder Kokain süchtig gemacht und anschließend auf Entzug gesetzt oder sie werden mit Elektroschocks traktiert, um Depressionen zu simulieren.

Nordrhein-Westfalen nimmt mit 406.319 für Tierversuche getöteten Tieren Platz zwei ein. Im Vergleich zum Vorjahr soll hier der Tierverbrauch um 30 % abgenommen haben. Für die Tierversuchshochburg Düsseldorf listet der Verein in seiner Datenbank eine Reihe grausamer und fragwürdiger Experimente. So werden an Hunden zahnmedizinische Versuche durchgeführt. „Das Gebiss des Hundes als Modell für das menschliche zu betrachten, ist geradezu abstrus und für die Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten für kranke Menschen irrelevant“, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche. Nordrhein-Westfalen ist der mit Abstand größte „Affenverbraucher“. Mehr als Zweidrittel (2.037 von 2.837) aller Affenversuche wurden in NRW durchgeführt. Fast alle (1.966 Affen) mussten für regulatorische Tests, d.h. Giftigkeitsprüfungen, leiden. „Das Auftragslabor Covance in Münster hat diesen Negativrekord zu verantworten“, weiß Strittmatter.

Mit 390.390 zu Tode geforschten Tieren liegt Bayern auf Platz drei der Negativliste des Ärztevereins. An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) finden noch immer Xenotransplantationsversuche statt, bei denen das Herz genmanipulierter Schweine in Affen verpflanzt wird.

Berlin, bislang auf Negativ-Rang drei, rückt auf Platz fünf. Laut Statistik soll die Zahl der für Versuche verwendeten Tiere von 422.175 im Jahr 2013 auf 265.357 und damit um 37 % in 2014 abgenommen haben. Angesichts des immensen Ausbaus der tierexperimentellen Forschung unter anderem am Max-Delbrück-Centrum, bereits jetzt eine der größten tierexperimentellen Einrichtungen Deutschlands, und der Berliner Charité, bezweifelt der Ärzteverein die behördlichen Angaben.

Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz offenbaren sich als Länder, die verstärkt auf altertümliche und unethische tierexperimentelle Forschung bauen, so der Verein. Hier ist eine Zunahme des Tierverbrauchs um 82 % bzw. 57 % zu verzeichnen.

Der Verein führt seit Jahren seine Negativ-Rangliste zu Tierversuchen und macht so für die Öffentlichkeit bekannt, welche Länder am stärksten die Interessen der Tierversuchslobby unterstützen und damit fortschrittliche Forschung im Sinne von Mensch und Tier untergraben. Der Verein setzt sich für eine Medizin und Wissenschaft ein, die mittels tierversuchsfreier Testverfahren wie menschliche Zellkulturen, Computersimulationen oder wie ein Minimensch funktionierende Biochips aussagekräftige Ergebnisse für die Humanmedizin liefern.

Weitere Information:
Bundesländervergleich - Negativ-Rangliste zu Tierversuchen >>
www.datenbank-tierversuche.de 


18.03.2016

Europäischer Gerichtshof: Handel mit Tierversuchskosmetika soll in der EU verboten bleiben

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) befasste sich gestern mit der Frage, ob Kosmetika, für die außerhalb der EU Tierversuche durchgeführt wurden, in die EU eingeführt werden dürfen. Hintergrund war die Klage eines Kosmetikverbands. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche begrüßt die Empfehlung des Generalanwalts an den Europäischen Gerichtshof, keine kosmetischen Produkte zuzulassen, deren Inhaltsstoffe an Tieren getestet wurden.

Das Einfuhrverbot von tiergetesteten Kosmetika bedeutet, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht verwendet werden dürfen, egal, wo und zu welchem Zweck diese durchgeführt worden sind, erklärte der Generalanwalt Michal Bobek in einer Anhörung im Europäischen Gerichtshof gestern in seinen Schlussanträgen.

Der Ärzteverein begrüßt diese Empfehlung, die bestätigt, dass das bestehende EU-weite Kosmetiktestverbot an Tieren nicht einfach umgangen werden kann, indem die Tierversuche in Drittländer verlagert werden.

Die Klage vor dem englischen High Court war von der Europäischen Vereinigung für kosmetische Bestandteile (EFfCI) erhoben worden, um den Umfang des EU-weit geltenden Tierversuchsverbots für Kosmetika zu klären. Drei Unternehmen hatten außerhalb der EU bestimmte Bestandteile an Tieren getestet, um die kosmetischen Mitteln in Japan oder China verkauft zu dürfen. Der EuGH sollte nun klären, ob eine Einfuhr dieser Kosmetika in das Vereinigte Königreich gegen die EU-Kosmetikverordnung verstößt.

Im Rahmen des Verfahrens war der europäische Dachverband des Ärztevereins, die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), als Streithelfer zugelassen.

Weitere Information:

Pressemitteilung des EuGH vom 17.03.2016 >> 


21.03.2016

Deutschland erlaubt, was EU verbietet

Beschwerde wegen lascher Gesetze bei Tierversuchen

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hat Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt, weil Deutschland zahlreiche Vorgaben der EU zu Tierversuchen zu lasch umgesetzt hat und stattdessen die Interessen der Nutznießer von Tierversuchen schützt. Der Verein wirft der Bundesregierung Klientelpolitik vor und appelliert an die EU, Deutschland zu ermahnen, die Tierversuchsrichtlinie korrekt in deutsches Recht zu überführen.

In seiner Beschwerde an die Europäische Kommission führt die Ärztevereinigung an, dass Deutschland zahlreiche Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie missachtet. So will die EU eine Obergrenze für Schmerzen, Leiden und Ängste, ab der ein Tierversuch nicht mehr durchgeführt werden darf, in Deutschland dagegen ist jeder noch so leidvolle Versuch erlaubt. Zudem haben die Behörden nicht wie von der EU gefordert die Möglichkeit, jeden Tierversuchsantrag auf Sinnhaftigkeit und ethische Vertretbarkeit zu prüfen, sondern müssen ihn durchwinken, wenn alle Angaben im Formular ausgefüllt sind.

„Es darf angesichts der klaren Beweislage, dass Deutschland gegen EU-Recht verstößt nicht hingenommen werden, dass auf Kosten des Tierschutzes wirtschaftliche Interessen der Tierversuchslobby Vorfahrt haben“, so der Ärzteverein.

Ein Expertengutachten aus 2012 hatte bereits deutlich dargelegt, dass Deutschland die EU-Tierversuchsrichtlinie nicht korrekt umsetzt und gegen das Staatsziel Tierschutz verstößt. Ein weiteres juristisches und kürzlich veröffentlichtes Gutachten offenbart insgesamt 18 klare tierschutzrechtliche Verstöße und attestiert der Bundesregierung Vereitelung der Ziele der EU-Richtlinie.

Die Beschwerde hat zum Ziel, dass Deutschland von der EU-Kommission zur richtlinienkonformen Umsetzung und damit zur Einschränkung von Tierversuchen aufgefordert wird.

Weitere Information:
Deutschland vereitelt Ziele der EU-Tierversuchsrichtlinie: Juristisches Gutachten attestiert Verstöße im Tierversuchsrecht >>

Beschwerde der Ärzte gegen Tierversuche an die EU-Kommission (PDF) >> 


06.04.2016

Affen mit Schweineherzen

„Schlimmste Auswüchse der tierexperimentellen Forschung“

Als „schlimmste Auswüchse der tierexperimentellen Forschung“ und „ein Verbrechen an Mensch und Tier“ bezeichnet die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die in den Medien als Riesenerfolg dargestellte Meldung, dass in Amerika ein Affe zweieinhalb Jahre mit einem Schweineherzen überlebt hat. Tierversuche mit dem Ziel, Tierorgane auf Menschen zu verpflanzen, sind mit ungeheurem Leid für die Tiere und einem unkalkulierbaren Risiko sowie falschen Hoffnungen für die Patienten verbunden.

Mit der sogenannten Xenotransplantation soll der Mangel an Spenderorganen ausgeglichen werden, indem Schweine als genmanipulierte Ersatzteillager für Nachschub sorgen. Ausprobiert wird die Übertragung von Schweineorganen an Pavianen und Makakenaffen. „Fast alle Affen sterben bei vollem Bewusstsein qualvoll an der Abstoßungsreaktion, meist nach wenigen Stunden oder Tagen. Das Organ schwillt auf die doppelte Größe, ist voller Blutungen und wird vollständig zerstört“, beschreibt Dr. med. vet. Corina Gericke das Leid der Affen. Bei der EU zählen Xenotransplantationstierversuche zum Schweregrad „schwer“, d.h. zu den Versuchen mit den größten Schmerzen, Leiden und Schäden.

„Wenn einmal ein Affe länger überlebt, wird das als Errungenschaft gefeiert, doch die kolossalen Probleme hat man deswegen noch lange nicht im Griff“, erklärt Tierärztin Gericke. Die körpereigene Immunabwehr muss dauerhaft massiv unterdrückt werden, es besteht das unkalkulierbare Risiko der Übertragung von Schweineviren, die durch Genmanipulation der Tiere minimiert werden soll. Zudem weiß niemand, wie ein Schweineorgan auf den menschlichen Lebenswandel reagieren würde.

Für die Ärzte gegen Tierversuche gehört die Xenotransplantation abgesehen von den zahlreichen methodischen Mängeln und Risiken zu den „schlimmsten Auswüchsen der biomedizinischen Forschung mit ihrem Machbarkeitswahn, bei dem fühlende, leidensfähige Lebewesen auf entwürdigende Weise zu gewinnbringenden Organfabriken degradiert werden“. Selbst, wenn diese Forschung irgendeinen Nutzen für die Menschheit bringen würde, darf laut der Ärztevereinigung nicht alles erlaubt sein, was machbar ist.

An der LMU München werden seit mindestens 20 Jahren erfolglos Schweineorgane auf Affen übertragen. „Anstatt unsere Steuergelder weiter für eine ethisch verwerfliche Forschung zu verschleudern, sollte die Prävention von Krankheiten sowie die Forschung mit menschlichen Zellkulturen und Organchips gestärkt werden“, so Gericke abschließend.

Weitere Informationen:

Stellungnahme der Ärzte gegen Tierversuche zu Xenotransplantation >>

Infos zu Tierversuchen mit Schweregrad „schwer“ inkl. Beispielen zur Xenotransplantation: www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de 


21.04.2016

Verbände fordern Schmerz-Leidens-Obergrenze bei Tierversuchen

zum Internat. Tag zur Abschaffung der Tierversuche

Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
TASSO e.V.

Sulzbach/Ts. / Köln, 21. April 2016 – Anlässlich des Internationalen Tags zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April fordern die drei bundesweiten Organisationen TASSO, Ärzte gegen Tierversuche und Bund gegen Missbrauch der Tiere mit ihrer aktuellen Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ ein Verbot qualvollster Tierversuche. Entgegen dem Willen der EU sind in deutschen Laboren besonders grausame Tierversuche ohne jegliche Leidensbegrenzung erlaubt.

„So dürfen zur vorgeblichen Depressionsforschung Mäuse und Ratten mit perfiden Versuchsmethoden in den Zustand völliger Hilflosigkeit und Verzweiflung bis hin zur Selbstaufgabe getrieben werden“, erklärt Dr. Cristeta Brause, Kampagnenleiterin Tierversuche bei TASSO. Schon die Namen einiger Versuchsmethoden wie „Verzweiflungstest“ oder „Erlernte Hilflosigkeit“ lassen erahnen, was die Tiere erleiden müssen: Sie werden gezwungen, so lange zu schwimmen, bis sie vor Erschöpfung und Verzweiflung die Hoffnung auf Rettung aufgeben und ihre Schwimmbewegungen einstellen. Oder sie werden zu unvorhersehbaren Zeitpunkten über das Käfigbodengitter mit Elektroschocks traktiert, bis sie resigniert nicht mehr wegspringen und die Stromstöße nur noch über sich ergehen lassen.

„Diese und weitere extrem qualvolle Tierexperimente wie Bestrahlungen oder Vergiftungen mit Todesfolge, Organtransplantationen mit Abstoßungsreaktionen, das Hervorrufen von besonders aggressiven Tumoren oder die Immobilisation von Tieren zur Erzeugung von Magengeschwüren können nach Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie verboten werden, womit eine Schmerz-Leidens-Obergrenze eingeführt werden soll, ab der ein Tierversuch nicht mehr durchgeführt werden darf“, erläutert Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Pressesprecherin der Ärzte gegen Tierversuche. Deutschland habe jedoch im Jahr 2013 bei der Umsetzung dieser Richtlinie in nationales Recht ein Schlupfloch genutzt, um dieses grundsätzliche Verbot schwerstbelastender Tierversuche zu umgehen.

„Damit hat Deutschland nicht nur die Chance zur Einführung einer Leidensbegrenzung für Tiere, die in Tierversuchen verwendet werden, vertan, sondern auch das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz missachtet, wie zwei Gutachten renommierter Rechtsexperten belegen“, betont Karsten Plücker vom Bund gegen Missbrauch der Tiere.

Mit ihrer Kampagne fordern die Organisationen von der Bundesregierung, das von der EU beabsichtigte Verbot besonders leidvoller Tierversuche umzusetzen.

Petition unterzeichnen und weitere Informationen: www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de

Fotos zur freien Verwendung (Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.) >> 


22.04.2016

Offener Brief an Agrarminister Schmidt

 

Aktuelle Ergänzung:

Die Verbraucherschutzminister richten die Forderung an die Bundesregierung, ein Verbot besonders belastender Tierversuche zu prüfen. Das hat die Verbraucherschutzministerkonferenz am 22. April 2016 auf Vorschlag der hessischen Ressortchefin, Priska Hinz (GRÜNE), gemeinsam beschlossen. Die Ärzte gegen Tierversuche begrüßen diesen Vorstoß aus der Politik.
Quelle: Pressemitteilung der Grünen im Hessischen Landtag, 22.4.2016 >> 

Fehlerhafte Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie beheben

Anlässlich des diesjährigen „Internationalen Tags zur Abschaffung der Tierversuche“ am 24. April fordern drei Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt auf, die in Deutschland fehlerhafte Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie zu beheben und das deutsche Tierschutzrecht entsprechend zu ändern. Wir Ärzte gegen Tierversuche unterstützen den Aufruf zusammen mit sechs weiteren Verbänden.

Die Abgeordneten Nicole Maisch, Anton Hofreiter und Kai Gehring erinnern Schmidt: „Sie selbst haben im September 2015 ihr langfristiges Ziel verkündet, „Tierversuche komplett zu ersetzen“. Ein gutes Bekenntnis. Wir vermissen aber die notwendigen Schritte, um dieses Ziel zu erreichen.“

Ein von den Grünen bei dem renommierten Juristen und Kommentator des Tierschutzgesetzes Dr. Christoph Maisack in Auftrag gegebenes Gutachten belegt massive Fehler bei der Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie in deutsches Recht. Wichtige europäische Bestimmungen zum Schutz der Tiere wurden nicht richtig in deutsches Recht umgesetzt. Leidtragend sind die jährlich rund 3 Millionen Tiere in den Laboren.

Besonders gravierend ist, dass Deutschland Tierversuche mit besonders starken Schmerzen, schweren Leiden und Ängsten uneingeschränkt zulässt, obwohl sie laut EU-Richtlinie nur in Ausnahmefällen vorläufig genehmigt werden dürften.

Die skizzierten Missstände sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Insgesamt werden im Gutachten 18 gravierende, tierschutzrelevante Verstöße benannt. Wegen nicht-konformer Umsetzung der EU-Vorgaben wurde u.a. von unserem Verband Beschwerde gegen Deutschland bei der EU-Kommission eingereicht.

„Wir appellieren an Sie, diese Legislatur konstruktiv im Sinne des Tierschutzes zu nutzen statt auf eine Rüge aus Brüssel zu warten. Wir erwarten von Ihnen eine zügige Änderung des Tierschutzgesetzes und der Tierschutz-Versuchstierverordnung. Sorgen Sie dafür, dass Tierleid vermindert und unser gemeinsames Ziel, Tierversuche zu ersetzen, erreicht wird!“, heißt es in dem offenen Brief abschließend.

Das Schreiben wird unterstützt von Ärzte gegen Tierversuche, Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt, Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht, Bund gegen den Missbrauch der Tiere, Bundesverband Tierschutz, Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner und Vier Pfoten.

Weitere Informationen
Offener Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt als PDF >>
Online-Petition „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ >>
Beschwerde der ÄgT an die EU wegen falscher Umsetzung der Tierversuchsrichtlinie >>


02.06.2016

Baden-Württemberg setzt auf antiquierte Forschung

Freiburg weitet Tierversuchsforschung aus 

Das Land Baden-Württemberg will an der Freiburger Uniklinik ein weiteres Tierversuchslabor für 10.000 Mäuse bauen, in dem vorwiegend an genmanipulierten Tieren geforscht werden soll. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert das Vorhaben aufs Schärfste, da mit der Ausweitung der tierexperimentellen Forschung ein unethisches und wissenschaftlich fragwürdiges System zementiert wird.

In der Breisacher Straße soll mit dem sogenannten IMITATE (Institute for Disease Modeling and Targeted Medicine) ein neues Tierversuchslabor entstehen, um genetische Erkrankungen des Menschen an Tieren zu simulieren und therapeutische Ansätze zu entwickeln. Etwa 10.000 Mäuse in 3.000 Käfigen sollen gehalten werden, wobei die tatsächliche Zahl der in dem neuen Labor verbrauchten Tiere wesentlich höher liegen dürfte, denn die Käfige werden mehrfach im Jahr neu besetzt. In einer Stellungnahme kritisiert der Verein den Plan und fordert stattdessen die Fokussierung auf innovative tierversuchsfreie und klinisch relevante Forschungswege.

Auftraggeber des 40 Millionen Euro teuren neuen Tierversuchslabors ist das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Universitätsbauamt Freiburg, das heißt, die geplante tierexperimentelle Einrichtung wird voraussichtlich vom Steuerzahler finanziert werden.

Mit einem jährlichen „Verbrauch“ von 469.605 Tieren und damit fast 17 % der Gesamtzahl von 2,8 Millionen belegt Baden-Württemberg laut einer Auswertung der Ärzte gegen Tierversuche im Bundesländervergleich Platz Eins der Negativrangliste zu Tierversuchen. Freiburg zählt dabei mit seinen zahlreichen privaten und öffentlichen tierexperimentellen Forschungseinrichtungen bereits jetzt zu den Tierversuchshochburgen im Land.

An der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikum Freiburg beispielsweise wird an genmanipulierten Mäusen untersucht, inwieweit sich das Fehlen bestimmter Enzyme auf die Tumorenstehung und Blutgefäßbildung im Auge auswirkt. Den Mäusen werden unter Narkose mit einem Argonlaser solange Verbrennungen an beiden Augen zugefügt, bis sich Blasen bilden, um die Gefäßneubildung anzuregen. Zwei Wochen später werden unter erneuter Narkose die Augen entnommen.

Am Physiologischen Institut I der Universität Freiburg werden an genetisch veränderten Mäusen Symptome der menschlichen Schizophrenie und Depression simuliert. So wird eine Maus für sechs Minuten am Schwanz mit Klebeband an eine Stange festgeklebt. Wenn sie sich hängen lässt, gilt das als depressives Verhalten.

„Die im neuen Tierversuchslabor vorgesehene Etablierung von genetisch manipulierbaren so genannten Tiermodellen ist sowohl aus ethischer als auch aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht abzulehnen. So werden Krankheiten wie Depressionen beim Menschen eben nicht durch einen Gendefekt hervorgerufen, sondern durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die sich im Versuchslabor nicht nachahmen lassen“, erläutert Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärzte gegen Tierversuche. Zudem sind Genmanipulationen laut Ärzteverband für einen besonders hohen Ausschuss verantwortlich. Um ein einziges transgenes Tier zu erhalten, müssen bis zu 54 Tiere sterben, da sie nicht den gewünschten Genotyp aufweisen und entsorgt werden.

„Solange die tierexperimentelle Forschung zur vorgeblichen Erforschung menschlicher Krankheiten ausgebaut wird, werden nicht nur Tiere Opfer einer ethisch und monetär fehlgeleiteten Wissenschaft, sondern auch kranke Menschen Hoffnungen ausgesetzt, die mit Tierversuchen nicht erfüllt werden können“, so Strittmatter abschließend.

Weitere Information:
Stellungnahme Ärzte gegen Tierversuche

ÄgT-Infobroschüre "Tierversuche im Brennpunkt" - Freiburg


21.06.2016

„Unsägliche Steuergeldverschwendung“

 Ärzte gegen Tierversuche protestieren gegen Tierversuchsneubau

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche fordert anlässlich der in diesen Tagen stattfindenden Entscheidungen hinsichtlich des Neubaus eines Tierversuchslabors an der Freiburger Uniklinik von den Verantwortlichen, Steuermillionen nicht für unethische und medizinisch-wissenschaftlich fragwürdige Methoden bereitzustellen. Vielmehr sei ein Paradigmenwechsel zugunsten einer klinisch relevanten tierversuchsfreien Forschung notwendig.

Als unsägliche Geldverschwendung bezeichnet der Ärzteverein die Investitionen in immer neue Tierversuchslabore. Allein der Bau des neuen Freiburger Tierversuchslabors soll unterschiedlichen Angaben zufolge 40 bzw. 57 Millionen Euro kosten, deutschlandweit werden jährlich mehrere Steuer-Milliarden in Tierversuche investiert. Demgegenüber stehen Förderungen von sogenannten Alternativmethoden, die ohne Tiere oder mit weniger Tieren auskommen, von bundesweit pro Jahr rund 4 Millionen Euro.

Bisherigen Informationen zufolge sollen in dem vom Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Universitätsbauamt, beauftragten geplanten IMITATE (Institute for Disease Modeling and Targeted Medicine) Haltungskapazitäten für 10.000 Mäuse geschaffen werden. Überdies soll mit Fröschen und Fischen experimentiert werden. Vorgesehen sind vor allem Genmanipulationen der Tiere. Gegenüber der Ärztevereinigung wollte sich das Unibauamt nicht äußern und verwies an die Unipressestelle, welche sich erst äußern möchte, nachdem die Entscheidungen gefällt sind.

„Tierversuche werden vorgeblich gemacht, um kranken Menschen zu helfen. Tatsächlich jedoch sind die Ergebnisse irreführend und oft gefährlich, da die Übertragung immer ein unkalkulierbares Risiko darstellt“, erläutert Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin von Ärzte gegen Tierversuche. „Wäre die Zuverlässigkeit von Tierversuchen tatsächlich so gut wie oft suggeriert, wäre Heroin heute noch immer als Husten- und Schmerzmittel auf dem Markt und die krebsauslösende Wirkung von Asbest für Menschen würde weiterhin geleugnet werden.“

Der Ärzteverein bemängelt die fehlende Transparenz über die Verwendung von Steuergeldern für Tierversuche. Er bedauert zudem, dass ein finanzkräftiges Bundesland wie Baden-Württemberg seine Chance nicht nutzt, führend auf dem Gebiet der innovativen Forschung mittels unter anderem hochmodernen menschbasierten Computersystemen oder Organchips zu werden, sondern stattdessen traditionellen Mustern folgt und mit Tierversuchen auf eine Methode setzt, die den medizinischen Fortschritt aufhält.

Weitere Information:
Briefaktion und Online-Petition >>  
Stellungnahme >> 


27.06.2016

Tiere leiden für absurde Forschung in Tübingen


Rattenschnurhaarforschung und Krähen mit Steckdose auf dem Kopf

Die Hirnforschung an Affen an Tübinger Instituten steht seit Jahren im Fokus der öffentlichen Kritik. Dabei leiden auch Ratten, Mäuse, Krähen und andere Tiere für Tübingens Grundlagenforscher, enthüllt eine aktuelle Recherche des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche.

Rabenkrähen sind intelligente Tiere mit komplexen kognitiven Fähigkeiten. Dieses wird ihnen zum Verhängnis, denn Forscher des Instituts für Neurobiologie der Universität Tübingen wollen ihre Gedächtnisleistung ergründen und installieren dazu eine Steckdose auf dem Kopf der Tiere, aus der acht Elektroden in das Hirngewebe ragen. Die Tiere müssen lernen, Fotos auf einem Bildschirm wiederzuerkennen und durch Anpicken mit dem Schnabel ein Bild auszuwählen, während die Elektroden im Gehirn Nervenaktivitäten messen. Wenn die Vögel nach Forscherwunsch reagieren, bekommen sie etwas Futter.

„Solche Versuchsanordnungen belegen, dass Tierversuche keineswegs für die Entwicklung lebensrettender Medikamente durchgeführt werden, wie gebetsmühlenartig zu ihrer Rechtfertigung behauptet wird“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. „Solche zweckfreie Grundlagenforschung dient lediglich der Befriedigung der Neugier einzelner Personen.“

Die Neuauflage eines Infoblattes des Ärztevereins listet eine Reihe von aktuellen Versuchen aus Tübinger Laboren. In einem Beispiel geht es um Rattenschnurrhaarforschung, die am Werner Reichhardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen durchgeführt wird. Um herauszufinden, wie Ratten mit ihren Tasthaaren Oberflächen erkennen können, wird ihnen eine Schraube in den Schädelknochen gedreht, an der das wache Tier fixiert wird. Die Tasthaare werden durch ein Gerät in Vibration versetzt. Spürt die Ratte eine Änderung, muss sie an einem Nippel lecken. Gab es tatsächlich eine Vibrationsänderung, wird das auf Flüssigkeitsentzug gesetzte Tier mit einem Wassertropfen „belohnt“. Leckt die Ratte, obwohl nichts passiert ist, wird sie „bestraft“, indem der Versuch von vorn anfängt.

In dem Infoblatt wird auch ein Beispiel der umstrittenen, seit Jahrzehnten immer gleichen Affenhirnversuche aufgeführt. Wie auch bei den Krähen und Ratten wird Wasserentzug als „Trainingsmethode“ eingesetzt, „weil die Tiere anders nicht dazu zu bringen sind, die tägliche Qual der massiven Bewegungseinschränkung zu erdulden“, erläutert Tierärztin Gericke. „Mit angeschraubtem Kopf und geplagt von ständigem Durst müssen die sensiblen Primaten täglich Aufgaben am Bildschirm ausführen.“

Der Ärzteverein macht in einer Kampagne seit vielen Jahren mobil gegen die Tübinger Affenhirnforschung. Die aktuelle Recherche des Vereins offenbart, dass es inzwischen sogar vier statt bislang drei Institutionen gibt, die - finanziert durch öffentliche Gelder – Affenhirnforschung betreiben. Zu dem schon bekannten Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, dem Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung und dem Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen ist das Exzellenzcluster Werner Reichhardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) hinzugekommen.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche führt seit 20 Jahren eine Internet-Datenbank, in der über 4.600 Beschreibungen von in Deutschland durchgeführten, in Fachzeitschriften veröffentlichen Tierversuchen dokumentiert sind. Alle genannten Beispiele aus Tübingen können unter www.datenbank-tierversuche.de im Detail nachgelesen werden.

Weitere Informationen

Infoblatt „Tübingen“, Auflage 2016 (PDF) >>

Datenbank-Tierversuche: www.datenbank-tierversuche.de >>

Kampagne „Stoppt Affenqual in Tübingen“ >> 


20.07.2016 

Europaweiter Aktionstag gegen Botox-Hersteller Eisai

 
90.000 Mäuse für Botox-Tierversuche getötet

Immer mehr Menschen lassen sich ihre Falten mit Botox wegspritzen. Doch jede Produktionseinheit des Nervengifts wird in einem besonders qualvollen Tierversuch, dem LD50-Test geprüft, bevor sie in den Verkauf geht. Seit 2011 gibt es eine behördlich zugelassene tierversuchsfreie Zellmethode, doch insbesondere die Firma Eisai testet immer noch an Mäusen. Dagegen protestieren am 23. Juli europaweit Tierversuchsgegner in zwölf Ländern. In Deutschland finden Aktionen in Frankfurt und München statt.

Botulinumtoxin – besser bekannt unter dem Markennamen Botox – ist ein Nervengift, das zu medizinischen Zwecken wie Schiefhals, aber weit häufiger zur Faltenglättung eingesetzt wird. Das Gift lähmt die Gesichtsmuskeln, die Haut erscheint glatt darüber. Da die Substanz so gefährlich ist, wird jede Charge im sogenannten LD50-Test getestet. Gruppen von Mäusen wird das Gift in verschiedenen Dosierungen in die Bauchhöhle gespritzt, um die Dosis zu ermitteln, bei der die Hälfte der Tiere stirbt – dann stimmt die Verdünnung. „Für die Mäuse ist das mit ungeheuren Qualen verbunden“, weiß Tiermedizinerin Dr. med. vet. Corina Gericke, Vorstandsmitglied des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche. „Der Todeskampf kann vier Tage dauern, bis die Tiere bei vollem Bewusstsein durch Lähmung des Atemmuskels ersticken“.

Im Jahr 2011 erhielt der Marktführer Allergan eine behördliche Zulassung für ein Alternativverfahren mit menschlichen Zellen, 2015 zog der Frankfurter Hersteller Merz nach. Zumindest der größte Teil der Tierversuche dieser beiden Firmen wird jetzt tierversuchsfrei getestet. „Ein großer Erfolg unserer jahrelangen Kampagne“, freut sich Tierärztin Gericke. Andere Produzenten – vor allem der japanische Konzern Eisai mit einer Zweigstelle in Frankfurt – setzen immer noch auf den LD50-Test. Mindestens 90.000 Mäuse wurden in den letzten zwei Jahren für Botox-Produkte von Eisai beim Hamburger Auftragslabor LPT getötet. Auf Anfragen gibt es von der Firma nicht einmal eine Antwort.

Zum Jahrestag der ersten Anerkennung eines Zelltests ruft die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), bei der der Ärzteverein Mitglied ist, jedes Jahr zu einem europaweiten Protesttag auf – nun bereits zum fünften Mal. Neben den Ärzten gegen Tierversuche organisieren dieses Jahr Gruppen aus Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Portugal, Schweden, Serbien, Slowenien, Spanien, der Schweiz und der Tschechischen Republik eine Aktion, um auf das Leid der Tiere aufmerksam zu machen und Eisai zu einem tierversuchsfreien Kurs zu bewegen. Passanten können vorbereitete Protestpostkarten an Eisai schicken.

In Frankfurt wird das Mausmobil, das Infofahrzeug der Ärzte gegen Tierversuche, auf der Hauptwache informieren. In München hält die AG München der Ärzte gegen Tierversuche nahe dem Richard-Strauss-Brunnen eine Protestaktion ab.

Weitere Infos:
www.botox-tierversuche.de
Video: „Die hässliche Wahrheit über Botox“ >>

Aktionsinfos für Samstag, den 23. Juli 2016:
Frankfurt, Hauptwache, 11-18 Uhr, Infotag mit Mausmobil (www.mausmobil.info)
München, Neuhauser Str. 8, nahe dem Richard-Strauss-Brunnen, 10-14 Uhr, Protestaktion mit kostümierten Aktivisten


11.08.2016

Deutschland erlaubt von der EU verbotene Tierversuche


Landwirtschaftsminister Schmidt sieht keinen Handlungsbedarf

Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
TASSO e.V.

Mäuse werden in Deutschland Elektroschocks ausgesetzt oder bis zur Erschöpfung zum Schwimmen gezwungen, obwohl die EU ein Verbot besonders leidvoller Tierversuche vorsieht. Ungeachtet bereits mehrerer Gutachten namhafter Juristen, die einen klaren Verstoß Deutschlands gegen Unionsrecht konstatieren, sieht das Ministerium von Bundesminister Schmidt keinen Handlungsbedarf. Einen angefragten Gesprächstermin zur Übergabe von mehr als 100.000 Unterschriften mit den bundesweiten Vereinen Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO beantwortete Schmidt abschlägig.

Die EU-Tierversuchsrichtlinie verbietet Tierversuche, die „starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste verursachen, die voraussichtlich lang anhalten und nicht gelindert werden können“ und beabsichtigt damit eine Schmerz-Leidens-Obergrenze einzuführen, ab der ein Tierversuch nicht mehr genehmigungsfähig ist. Die EU ermöglicht den Mitgliedstaaten zwar Ausnahmen hiervon zuzulassen, jedoch nur unter sehr strengen Voraussetzungen. In Deutschland allerdings gelten für solche Tierversuche keine besonderen Einschränkungen. Selbst ganz besonders leidvolle Tierversuche, die über die von der EU geforderte Schmerzgrenze hinausgehen, sind grundsätzlich erlaubt.

Die drei Vereine haben vor wenigen Monaten eine Kampagne gestartet, die ein Verbot besonders leidvoller Tierversuche und zumindest eine korrekte Umsetzung der EU-Vorgaben einfordert. In ihrem Schreiben an Minister Schmidt führten die Vereine zwei Gutachten renommierter Rechtsexperten* ins Feld, die unmissverständlich zu dem Ergebnis kommen, dass Deutschland in diesem und zahlreichen weiteren Punkten eklatant gegen EU-Recht verstößt und den seit 2002 im Grundgesetz verankerten Tierschutz missachtet. Zudem hat der Ärzteverein Beschwerde bei der EU eingelegt, da Deutschland gegen Unionsrecht verstößt.

„In einem Land, in dem der Tierschutz im Grundgesetz steht und der Großteil der Bürger Tierversuche ablehnt und sich für eine deutliche Stärkung des Tierschutzes ausspricht, darf nicht hingenommen werden, dass sogar gegen die minimalen Verbesserungen, die die EU vorgibt, verstoßen wird“, appellierten die Vereine an den Minister und baten um einen Gesprächstermin, um Lösungsmöglichkeiten zu erläutern. Sie bezeichnen es als nicht nachvollziehbar, dass das Ministerium den belegten Rechtsbruch in seiner Antwort lapidar als rechtskonforme Umsetzung postuliert und einen Termin mit gleich drei namhaften, bundesweit etablierten Organisationen ablehnt.

Nach Aussage von Ärzte gegen Tierversuche e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und TASSO e.V. ignoriert Bundesminister Schmidt damit auch den Willen von über 100.000 Bürgern, die innerhalb von nur drei Monaten die Forderung nach einem Verbot besonders leidvoller Tierversuche mit ihrer Unterschrift unterstützt haben.

Die Vereine haben zahlreiche Beispiele von Tierversuchen aus deutschen Laboren enthüllt und publik gemacht, die bei korrekter Umsetzung der EU-Richtlinie verboten sein müssten. Beispielsweise wurden an der Universität Bonn Mäuse wochenlang Stressversuchen ausgesetzt, die ein Verhalten ähnlich einer Depression hervorrufen sollen: Die Tiere wurden fixiert, Lichtblitzen sowie Nahrungs- und Wasserentzug ausgesetzt. Vor, während und nach der Stressperiode wurde der „forcierte Schwimmtest“ durchgeführt, bei dem eine Maus in einen mit Wasser gefüllten Behälter gesetzt wird, aus dem es kein Entkommen gibt. Mäuse, die früh aufhören zu schwimmen, gelten als depressiv.

Seit Novellierung der Tierversuchsregelungen in der EU 2010 müssen beantragte Tierversuche in vier Schweregrade eingeteilt werden. Neben dem erzwungenen Schwimmen und Zufügen von Elektroschocks, denen das Tier nicht entgehen kann, sind weitere Beispiele des Schweregrads „schwer“: Tod durch Abstoßung von Organen nach Transplantationen, Versagen mehrerer Organe, Tod durch Vergiftung, metastasierende Tumore oder nicht stabilisierte Knochenbrüche.

Fotos „forcierter Schwimmtest“ zur freien Verwendung (Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.): http://www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de/fotos.html

* Gutachten vom 18.1.2016 von Dr. Christoph Maisack, Mit-Autor Kommentar Tierschutzgesetz, zu der Frage, ob und ggf. welche Bestimmungen der Richtlinie 2010/63/EU (EU-Tierversuchs-Richtlinie) durch das Dritte Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes und die Tierschutz-Versuchstierverordnung nicht oder nicht ausreichend in deutsches Recht umgesetzt worden sind.

Rechtsgutachten vom 25. April 2012 von Prof. Dr. iur. Anne Peters, LL.M., Ordinaria für Völker- und Staatsrecht an der Universität Basel, zu verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit der EU-Tierversuchsrichtlinie insb. zur Unionsrechts- und Verfassungskonformität des Entwurfs eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes sowie des Entwurfs einer Verordnung zur Umsetzung der Richtlinie 2010/63/EU

Weitere Information:
www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de


18.08.2016

Ärzteverein deckt auf: Diese Stiftungen sponsern Tierversuche! 

Eine aktuelle Recherche zu Medizin-Stiftungen und -Vereinen offenbart, dass vielfach mit Spendengeldern Tierversuche finanziert werden. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hat 200 deutsche Stiftungen und Vereine angeschrieben, um zu erfahren, ob sie tierexperimentelle Forschung unterstützen. Eingeflossen in die Auswertung sind zudem Belege für die Finanzierung von Tierversuchen aus Publikationen in Fachzeitschriften, die der Ärzteverein in seiner Datenbank Tierversuche dokumentiert.

Einige der größten und renommiertesten Medizinstiftungen in Deutschland, darunter die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Herzstiftung und die Herz-Lungen-Stiftung, finanzieren Tierversuche, wie eine Auswertung der Ärzte gegen Tierversuche zeigt. Auch die nach Gesamtausgaben größte deutsche Stiftung, die VolkswagenStiftung, finanziert Tierversuche in verschiedenen Bereichen wie Neurobiologie, Schmerzforschung, Zoologie und Stressforschung. „So unterstützt diese Stiftung die umstrittenen Hirnversuche an Affen in Tübingen, bei denen die Tiere durch Durst gefügig gemacht und Elektroden in das Gehirn eingeführt werden“, erläutert Dr. med. Katharina Kühner von Ärzte gegen Tierversuche beispielhaft.

Die nach Kapital größte deutsche gemeinnützige Stiftung, die Else-Kröner-Fresenius Stiftung, deren Verkehrswert sich auf rund 6,2 Mrd. Euro beläuft, fördert tierexperimentelle Forschung in der Transplantationsmedizin, der Nierenforschung und Krebsforschung. Unter den Tierversuche fördernden Einrichtungen finden sich auch: Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V., Studienstiftung des Deutschen Volkes, Daimler & Benz Stiftung, Deutsche Herzstiftung e.V., Deutsche Jose Carreras Leukämie-Stiftung und Dr. Mildred-Scheel-Stiftung.

Medizin-Stiftungen und -Vereine, die eigenen Angaben zufolge Tierversuche ablehnen oder zumindest keine tierexperimentelle Forschung finanzieren, sind unter anderem: Deutsche Arthrose-Hilfe e.V., Deutsche Stiftung Innere Medizin, Robert Bosch Stiftung, Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Robert-Enke-Stiftung und Homöopathie-Stiftung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte. Die Grimmiger-Stiftung für Zoonose-Forschung schließt Tierversuche gar in ihren Statuten aus.

Der Verein bemängelt die fehlende Transparenz, wofür Gelder verwendet werden. „Dass gut gemeinte Zuwendungen in grausame und wissenschaftlich unsinnige Forschung an Tieren fließen, wird vielen Spendern nicht bewusst sein“, so Kühner abschließend.

Recherche „Werden mit Ihren Spendengeldern Tierversuche finanziert?“ >> 


24.08.2016

Staatsminister Spaenle schießt Tierschutz und Steuermillionen in den Wind

Protestaktion gegen neue Tierversuchslabore in München

Anfragen des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche für eine Unterschriftenübergabe gegen drei neue 190 Millionen Euro teure Tierversuchslabore in München für über 100.000 Tiere lehnte der bayerische Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle ab. Dagegen protestiert die AG München des Vereins am 27. August ab 10 Uhr mit einer "Silent Line", bei der die Aktivisten die über 51.000 Unterschriften symbolisch auf einer Leine aufgereiht in den Wind halten, bevor diese dem Ministerium zugestellt werden. Zudem halten sie eine Mahnwache über Nacht vor einem der neuen Tierversuchslabore ab.

Mit ihrer Kampagne „Tierversuchshochburg München - Stoppt Laborneubauten" protestiert die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche gegen den Bau neuer Tierversuchslabore in München. Das zuständige Wissenschaftsministerium unter der Leitung von Minister Spaenle wies eine persönliche Übergabe der rund 51.200 Unterschriften mehrfach ab und verwies lapidar auf postalische Zustellung. Als „Ausdruck höchster Ignoranz gegenüber Bürgeranliegen und dem Wunsch nach einer modernen, tierversuchsfreien Forschung zugunsten kranker Menschen“ bezeichnet Christine Gielow von der AG München des Ärztevereins diese ablehnende Haltung.

München ist nach Aussage der Ärzte gegen Tierversuche bereits eine der größten Tierversuchshochburgen in Deutschland. Aktuell sind drei neue Labore entstanden. An der Ludwig-Maximilians-Universität München in Großhadern/Martinsried wurde im Jahr 2015 das neue Biomedizinsche Zentrum (BMC) eingeweiht. Im Untergeschoss befinden sich auf 2.000 qm riesige Tierhaltungsbereiche mit allein 9.000 Käfigen für rund 54.000 Mäuse und andere Nagetiere, sowie Fische und Frösche. Die Tiere werden für die zweckfreie Grundlagenforschung gequält und getötet. Der Bau wurde mit 125 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern finanziert. Am Klinikum rechts der Isar wurde am Forschungszentrum für Translationale Onkologie (TranslaTUM) Anfang 2014 mit einem Neubau begonnen. Auf 700 qm werden hier in mehr als 6.000 Käfigen bis zu 36.000 Mäuse und 800 Ratten gehalten. Der Bau kostete den Steuerzahler 50 Millionen Euro. Ein weiterer Forschungsneubau entsteht derzeit am Deutschen Herzzentrum München entlang der Lothstraße. Hier ist ein Tierhaltungsbereich mit Platz für 2.000 Käfige für rund 10.000 Mäuse vorgesehen. Die Kosten für den Neubau werden auf 14 Millionen Euro angesetzt, ebenfalls finanziert aus Steuergeldern.

Unter dem Vorwand des medizinischen Fortschritts müssen Tiere für Versuche herhalten. Aber die Ergebnisse von Tierversuchen sind aufgrund der Unterschiede zwischen Menschen und Tieren nicht auf den Menschen übertragbar, wie wissenschaftliche Studien immer wieder aufs Neue belegen. Trotzdem stimmte der bayerische Landtag in den letzten Jahren dem Bau mehrerer neuer Tierversuchslabore in München zu. Der Ärzteverein fordert einen Paradigmenwechsel des bayerischen Staatsministeriums weg von der Unterstützung unethischer und medizinisch irrelevanter tierexperimenteller Forschung auf Kosten des Steuerzahlers hin zu einer tierversuchsfreien Wissenschaft mit Zellkulturen, Organchips und Computersimulationen, welche nachweislich auf den Menschen übertragbare Ergebnisse liefert.

Aktion "Silent Line" und Fototermin:
Samstag, 27. August 2016, 10 Uhr bis 14 Uhr: Münchner Fußgängerzone, Neuhauser Straße 8 (nahe Richard-Strauss-Brunnen)
Ab 14.30 Uhr bis 6 Uhr früh Mahnwache vor dem neu gebauten Tierversuchslabor am Klinikum rechts der Isar (Einsteinstraße / Ecke Trogerstraße)

Weitere Information:
Kampagne Tierversuchshochburg München: Stoppt Laborneubauten! >>
www.muenchen.aerzte-gegen-tierversuche.de


06.09.2016

„Verschwendung von Steuermillionen und Tierleben“


Übergabe von 10.923 Unterschriften gegen neues Tierversuchslabor in Freiburg

Gemeinsame Presseeinladung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Tierrechts-Initiative Freiburg e.V.

Im Namen von rund 11.000 Unterzeichnern einer Petition an Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon gegen den geplanten Neubau eines Tierversuchslabors an der Freiburger Uniklinik fordern der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche und die Tierrechts-Initiative Freiburg e.V. von der baden-württembergischen Politik, die über 50 Steuermillionen für den Bau in die tierversuchsfreie Forschung zu investieren, da diese im Gegensatz zum Tierversuch relevante Ergebnisse liefert. Die Unterschriften werden am 13.09. um 11 Uhr der Dekanin der Medizinischen Fakultät, Prof. Kerstin Krieglstein, überreicht, da der grüne Oberbürgermeister und auch das Regierungspräsidium Anfragen für einen Termin abgewiesen haben.

Das Land folgt mit dem geplanten Tierversuchsneubau IMITATE an der Freiburger Uniklinik dem Trend der altertümlichen und unethischen Tierversuchsforschung anstatt auf klinisch relevante Forschung mittels ausgeklügelten Computermodellen und Organchips, die wie ein Minimensch funktionieren, zu setzen, kritisieren die Ärzte gegen Tierversuche und die Tierrechts-Initiative Freiburg (TIF).

In nur 8 Wochen wurden in einer Petition rund 11.000 Unterschriften gegen das Tierversuchslabor gesammelt. Anfragen an das Regierungspräsidium und den Oberbürgermeister der Stadt, Dieter Salomon, für einen Termin wurden abgelehnt. „Es ist unverständlich, dass es der grüne OB nicht für notwendig erachtet, sich den Anliegen seiner Bürger und Wähler zu stellen“, kritisiert Ellen Gemeinhardt, Initiatorin der Petition und Unterstützerin der TIF. Bereits 2005, als die TIF gegen den Tierversuchsneubau an der Stefan-Meier-Straße demonstrierte, wies Salomon eine Terminanfrage ab. „Symbolisch für die fehlgeleitete Freiburger Forschung, die auf Tierversuche setzt, verbunden mit dem Appell, sich künftig sinnvollen tierversuchsfreien Verfahren zu widmen, wollen wir der Uniklinik ein Mini-Mauslabor mit 12 Plastikmäusen überreichen“, so Gemeinhardt.

Mit dem Bau des 57 Millionen Euro teuren Labors, für das noch keine Baugenehmigung vorliegt, soll im Herbst 2017 begonnen und Haltungskapazitäten für 10.000 Mäuse in 3.000 Käfigen und weitere Tiere geschaffen werden. Vorgesehen sind vor allem Genmanipulationen der Tiere. „Besonders fatal: Um ein transgenes Tier zu erhalten, müssen bis zu 54 Tiere sterben, da sie nicht die vom Forscher gewünschte Genveränderung aufweisen. Diese Tiere werden mangels Verwendungszweck getötet und wie Müll entsorgt. Außerdem zählt sie keine Tierversuchsstatistik mit, so dass ein verfälschtes Bild der Tierversuchszahlen entsteht“, so Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin von Ärzte gegen Tierversuche.

Der Antrag der Ärztevereinigung auf Herausgabe der Projektbeschreibung und des Bauplans wurde vom Unibauamt abgelehnt. Als Begründung wird im Bescheid angeführt, „die Herausgabe würde das in Art. 5 Abs. 3 GG schrankenlos gewährte Grundrecht der Forschungs- bzw. Wissenschaftsfreiheit beeinträchtigen“ und damit „ein bedeutendes Schutzgut der öffentlichen Sicherheit beeinträchtigen“. Gemeint sind „Schmierereien an den Wänden“ oder „Angriffe auf Personen“.

Als geradezu fadenscheinig bezeichnen die Vereine diese Bedenken und sehen darin eine Diffamierung seit Jahrzehnten seriös arbeitender und etablierter Organisationen mit wissenschaftlicher Expertise. Zudem bedauern sie die mangelnde Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit über die Verwendung der Steuermillionen. Denn Tierversuche werden in hermetisch abgeriegelten Laboren unter dem Deckmantel der medizinischen Notwendigkeit gemacht. „Aktuelle Studien belegen jedoch: 92-95 % der in Tierversuchen für sicher und wirksam befundenen Arzneien versagen beim Test an Menschen, also in der klinischen Prüfung. Die Präparate wirken nicht, anders oder schädigen den Menschen. Von den Medikamenten, die es auf den Markt schaffen, werden später 20-50% zurückgezogen oder mit Warnhinweisen versehen“, so Strittmatter.

Solange also am Tierversuch festgehalten wird, werden kranke Menschen Heilsversprechen ausgesetzt, die mit Tierversuchen nicht erfüllt werden können, sind sich die Vereine sicher.

Unterschriftenübergabe und Fototermin:
13. September 2016, 11 Uhr, im EG des neuen Verwaltungsgebäudes der Uniklinik, Breisacher Str. 153

Weitere Information:
Kein neues Tierlabor in Freiburg! >>

Stellungnahme >>


12.09.2016

Berlin-Wahl: So stehen die Parteien zu Tierversuchen

Wahlprüfsteine Tierversuche

Anlässlich der am 18. September anstehenden Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin hat der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche Parteien zu ihrer Position zu Tierversuchen befragt und die Antworten in einer übersichtlichen Tabelle zusammengestellt.

Bei CDU und SPD ist der Tierschutz mehr oder weniger Fehlanzeige. So antwortete die CDU: „Wir stehen auf der Seite der Tierhalter und unterstützten diejenigen, die verantwortungsvoll mit den ihnen anvertrauten Tieren umgehen … Ein Verbandsklagerecht braucht es dazu nach unserer Überzeugung nicht.“

Die SPD machte sich gar nicht erst die Mühe, gezielt auf die Fragen der Ärztevereinigung einzugehen und bezieht sich weitgehend auf die landwirtschaftliche Tierhaltung. Bei Tierversuchen wird lediglich auf eine notwendige Reduktion, nicht aber Abschaffung abgehoben. Die Ausbildung von Studierenden an Alternativen zu Tierversuchen sollte jedoch laut SPD Pflichtfach im Bereich der biomedizinischen Studiengänge an den Hochschulen werden.

Klare Bekenntnisse zur Notwendigkeit einer tierversuchsfreien Forschung und Wissenschaft sind seitens der Grünen und der Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz zu verzeichnen. Beide unterstützen die Forderung nach einem tierversuchsfreien Studium, lehnen die Genmanipulation von Tieren ab, befürworten ein Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzverbände sowie eine Novellierung des unzureichenden Tierschutzrechts und streben letztlich eine vollständige Abkehr vom Tierversuch an. Ähnliche Positionen vertreten die Linke und die Piraten in Berlin. Lediglich die Frage nach Maßnahmen gegen Genmanipulationen von Tieren bleibt unbeantwortet bzw. unklar.

Der Weg zur Etablierung einer Politik, die konsequent den gesellschaftlich hohen Stellenwert des Tierschutzes berücksichtigt, ist noch sehr lang und bedarf weiterhin umfassender Aufklärungs- und Lobbyarbeit, so die Einschätzung der Ärzte gegen Tierversuche. Eine Übersicht mit den wesentlichen Positionen der Parteien kann als pdf auf der Internetseite der Vereine heruntergeladen werden.

Weitere Information:
18. September 2016 Berlin-Wahl (PDF-Übersichtstabelle) >>

 


13.09.2016

Bürger sagen nein zu Tierversuchen

Unterschriftenübergabe gegen neues Tierversuchslabor in Freiburg

Im Namen von rund 11.000 Unterzeichnern einer Petition an Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon gegen den geplanten Neubau eines Tierversuchslabors an der Freiburger Uniklinik überreichte Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Pressesprecherin des Vereins Ärzte gegen Tierversuche, gemeinsam mit Ellen Gemeinhardt, Initiatorin der Petition und Unterstützerin der Tierrechts-Initiative Freiburg, am 13. September die gesammelten Unterschriften an Prof. Lutz Hein von der Uniklinik. Der grüne Oberbürgermeister lehnte es ab, sich den Belangen seiner Bürger zu widmen und beantwortete Terminanfragen abschlägig.

Die Ärzte gegen Tierversuche und die Tierrechts-Initiative Freiburg e.V. fordern von der baden-württembergischen Politik und der Uniklinik, die über 57 Steuermillionen für den Tierversuchsbau, für den noch keine Genehmigung vorliegt, in die moderne tierversuchsfreie Forschung zu investieren, anstatt die klinisch irrelevante und unethische tierexperimentelle Forschung weiter auszubauen.

In nur 8 Wochen wurden in einer Petition rund 11.000 Unterschriften gegen das Tierversuchslabor IMITATE gesammelt. Verbunden mit dem Appell, sich künftig tierversuchsfreien Verfahren zu widmen und symbolisch für eine fehlgeleitete Wissenschaft, die auf Tierversuche baut, überreichten die Vereine der Uniklinik ein Mini-Mauslabor mit 12 Plastikmäusen.

Sie betonten die Dringlichkeit, sich vom System Tierversuch abzuwenden, da dieses für den Menschen ein unkalkulierbares Risiko darstellt. So belegen aktuelle Studien dass 92-95 % der in Tierversuchen für sicher und wirksam befundenen Arzneien beim Test an Menschen, also in der klinischen Prüfung, versagen. Die Präparate wirken nicht, anders oder schädigen den Menschen. Von den Medikamenten, die es auf den Markt schaffen, werden später 20-50% zurückgezogen oder mit Warnhinweisen versehen.

Der Ärzteverein lud zudem die Uniklinik zu seinem Kongress WIST –Wissenschaft statt Tierversuche am 15. Oktober in Köln ein, bei dem mit acht hochkarätigen Wissenschaftlern die Validität von Tierversuchen hinterfragt wird und Forschungsmöglichkeiten ohne Tierversuche aufgezeigt werden.

Weitere Information:
Pressemitteilung: Verschwendung von Steuermillionen und Tierleben in Freiburg >>

Kongress WIST –Wissenschaft statt Tierversuche >>

(v. links) Dipl.-Biol. Silke Strittmatter (Ärzte gegen Tierversuche e.V.), Prof. Dr. Lutz Hein (Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie (Abteilung II) der Universität Freiburg), Ellen Gemeinhardt (Tierrechts-Initiative Freiburg)

Foto frei verwendbar, höhere Auflösung auf Anfrage.


19.09.2016 

„Tiere als Messinstrumente missbraucht“


Verein Ärzte gegen Tierversuche äußert sich im Fall der in der Schweiz gefundenen „Versuchs“taube der Uni Konstanz

„1,25 Millionen Euro Steuergelder, um Tauben mit Sendern und Helmen auf eine ungewisse Reise zu schicken? Dürfen wir Tiere als Messinstrumente missbrauchen und für die wissenschaftliche Neugier Leiden zufügen?“ – Die Antwort auf diese Frage des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche folgt unmittelbar: „Nein!“, sagt Tierärztin Dr. med. vet Corina Gericke, Vizevorsitzende des Vereins. „Der Wissenschaft müssen da Grenzen gesetzt werden, wo Lebewesen zu Schaden kommen“.

Am 2. September war in Mammern in der Schweiz eine völlig erschöpfte Taube gefunden und vom Schweizer Tierschutz aufgepäppelt worden. Das Tier hatte einen auf den Rücken geklebten Sender und einen Plastikhelm auf. Die Taube gehört zu einem Projekt der Uni Konstanz, bei der die Wahrnehmung des Erdmagnetfeldes durch Brieftauben untersucht wird. Die größtenteils aus Steuergeldern finanzierte Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Versuchsreihe mit 1,25 Millionen Euro von 2011 bis 2017.

„Die Tierversuchslobby macht uns Glauben, Tierversuche würden nur für lebenswichtige Medikamente durchgeführt werden. Das ist in zweierlei Hinsicht falsch“, erklärt Dr. Gericke. Erstens sind Experimente an Tieren wegen der gravierenden Unterschiede zum Menschen gar nicht geeignet, wirksame und sichere Medikamente zu entwickeln und zweitens fallen 43 % der Tierversuche in die Grundlagenforschung, bei der es vorrangig um die Befriedigung der wissenschaftlichen Neugier geht, wie im Fall des Taubenexperiments.

Die Ärztevereinigung dokumentiert seit zwanzig Jahren Tausende in Deutschland durchgeführte derartige Tierversuche in einer Internet-Datenbank. Um beispielsweise die Echolokationslaute von Fledermäusen zu untersuchen wurden an der LMU München Fledermäuse ohne Betäubung in eine sandwichartige Apparatur geklemmt, der Kopf fixiert und durch Stromstöße im Gehirn Schreie hervorgerufen. In Wilhelmshaven wurden gefangene Silbermöwen sechs Tage hungern gelassen, um herauszufinden, wie lange Möwen hungern können. An der Uni Oldenburg wurden zur Ergründung des inneren Kompasses von Zugvögeln Gartengrasmücken und andere Vögel einzeln in einen Plastikbehälter gesetzt und geköpft, wenn sie 45 Minuten lang unruhiges Zugvogelverhalten zeigten.

Die behördliche Genehmigung auch extrem absurder und qualvoller Versuche sei laut Ärzteverein lediglich eine bürokratische Hürde.

Als „quälerisch und immense Steuergeldverschwendung“ bezeichnet Tierärztin Gericke die Taubenversuche der Uni Konstanz. Wenn wissenschaftlich interessante Fragestellungen nur durch Leid von Tieren zu erlangen sind, muss man entweder auf die Erkenntnis verzichten oder andere Wege suchen, ohne Tieren zu schaden. „Die Taube hat Glück gehabt, dass sie beim Schweizer Tierschutz gelandet ist und jetzt nicht mehr mit aufgeklebten Gerätschaften als Versuchsobjekt herhalten muss. Wir hoffen, dass das so bleibt“, so Gericke abschließend.


Foto: Schweizer Tierschutz STS

Weitere Informationen:
Die genannten Tierversuche und Quellen unter www.datenbank-tierversuche.de

Quellen: T. Fenzl et al.: Periaqueductal gray and the region of the paralemniscal area have different functions in the control of vocalization in the neotropical bat, Phyllostomus discolor. European Journal of Neuroscience 2002: 16, 1974-1986
U Trotzke et al.: The influence of fasting on blood and plasma composition of herring gulls (Larus argentatus). Physiological and Biochemical Zoology 1999: 72(4), 426-437
M. Liedvogel et al.: Lateralized activation of Cluster N in the brain of migratory songbirds. European Journal of Neuroscience 2007: 25, 1166-1173 


30.09.2016

Zum Welttierschutztag schlagen Ärzte gegen Tierversuche Alarm:
 

Tierversuchszahlen explodieren!

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hat zum Welttierschutztag am 4. Oktober die bisher verfügbaren Tierversuchszahlen für 2015 zusammengetragen und schlägt Alarm: Die Zahl der Tierversuche ist gegenüber dem Vorjahr in fünf Bundesländern allein um fast 14 % gestiegen. Insbesondere der Anteil der genmanipulierten Tiere explodiert seit Jahren.

Im Jahr 2014 wurden laut Bundeslandwirtschaftsministerium 2,8 Millionen Mäuse, Ratten, Kaninchen, Fische, Hunde und andere Tiere in deutschen Laboren getötet. Die Gesamtstatistik für 2015 wird in den nächsten Monaten erwartet. Der Ärzteverein führt seit Jahren eine Negativrangliste zu Tierversuchen im Bundesländervergleich. Bislang sind für 2015 Zahlen aus fünf Bundesländern verfügbar. In Niedersachsen sind die Tierversuche besonders massiv um über 42 % von 237.866 auf 338.747 Tiere gestiegen. In Bayern lag der Anstieg bei 15 % von rund 390.000 auf 450.000. In Sachsen-Anhalt gab es einen Zuwachs um 6 % von 57.117 auf 60.500 Tiere. In Berlin und Sachsen sanken die Tierversuchszahlen um mehr als 3 bzw. 14 %.

In diesen fünf Bundesländern sind die Tierversuchszahlen im Schnitt um fast 14 % bzw. rund 142.000 Tiere von etwa 1,04 Millionen Tieren in 2014 auf nun 1,18 Millionen gestiegen. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche sieht die Genmanipulierung von Mäusen als Hauptauslöser. Da die Tierversuchshochburgen Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen noch fehlen, könne man zwar noch nicht von einem bundesweiten Trend sprechen, „Tatsache ist jedoch, dass seit Jahren eine drastische Zunahme von transgenen Tieren zu verzeichnen ist“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche. Diese wurden von knapp 157.000 im Jahr 2000 auf fast eine Million im Jahr 2013 versechsfacht. „Für 2014 hat das Bundeslandwirtschaftsministerium die Anzahl der genmanipulierten Tiere unter den Tisch gekehrt und nicht veröffentlicht“, moniert die Tierärztin.

„Der Tierversuch stellt nicht nur eine grausame und unethische, sondern auch unwissenschaftliche Methode dar, die im Interesse von Mensch und Tier auf schnellstem Wege abgeschafft werden muss!“, ist Gericke überzeugt. Aktuelle Daten belegen, dass 92-95 % der in Tierversuchen für sicher und wirksam befundenen Arzneien beim Test an Menschen (klinische Prüfung) versagen. „Zunehmend kratzen wissenschaftliche Studien am Goldstandard Tierversuch. Doch viele Tierexperimentatoren halten lieber an Methoden aus dem vorletzten Jahrhundert fest, anstatt sich innovativen Forschungsmethoden etwa mit Multiorganchips zu widmen.“

Um ihrer Forderung nach einem Systemwechsel in der Forschung Nachdruck zu verleihen, organisiert der Ärzteverein am 15. Oktober in Köln unter dem Titel „WIST – Wissenschaft statt Tierversuche“ einen wissenschaftlichen Kongress, der die Aussagekraft von Tierversuchen beleuchtet. Die mit acht hochkarätigen internationalen Referenten besetzte Veranstaltung richtet sich an Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit und will zum Nach- und Umdenken anregen.

Der Welttierschutztag geht auf den Heiligen Franziskus von Assisi zurück, der das Tier als lebendiges Geschöpf Gottes und als Bruder des Menschen ansah. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde er am 4. Oktober 1228 heilig gesprochen. An diesem Tag weisen jedes Jahr weltweit Tierschützer auf die Leiden der Tiere hin.

Weitere Information:

Bundesländervergleich: Negativ-Rangliste zu Tierversuchen >>


10.10.2016

WIST – erster wissenschaftlicher Kongress zur Aussagekraft von Tierversuchen 

Presse-Einladung/-Mitteilung

Unter dem Titel „WIST – Wissenschaft statt Tierversuche“ organisiert die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche am 15. Oktober 2016 in Köln ein Novum: einen wissenschaftlichen Kongress zur Aussagekraft von Tierversuchen für den Menschen und Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschung. Die Veranstaltung mit acht hochkarätigen Referenten aus dem In- und Ausland verspricht spannende Einsichten in ein aktuell diskutiertes Thema.

„Zunehmend wird die Methode Tierversuch kritisiert, nicht nur von Tierschutzseite, sondern aus der Wissenschaft selbst. Doch dieses Wissen bleibt vorwiegend in Insiderkreisen. Mit WIST wollen wir zu mehr öffentlicher Transparenz beitragen und den Fachdialog unter den Forschern verstärken“, so Dr. med. Lucie Braun, Vorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche.

Medienvertretern wird an den sogenannten Speakers‘ Corners die Gelegenheit geboten, Interviews mit den Referenten zu führen. Zu ihnen gehört z.B.:

• der Toxikologe Thomas Hartung, Professor sowohl in Konstanz als auch Baltimore. Er erläutert, warum der Mensch keine 70-kg-Ratte ist, d.h. Ergebnisse aus Tierversuchen sich nicht einfach übertragen lassen,

• die Neurologin Aysha Akhtar aus Washington D.C., die untersucht hat, wie zuverlässig und voraussagend Tierversuchs-Ergebnisse für den Menschen sind,

• der Biotechnologe Tobias Hasenberg von der Berliner Firma TissUse, die einen Multiorganchip zur Wirkstofftestung entwickelt hat, der eine Art „Minimensch“ simuliert. Die Veranstaltung in Deutsch und Englisch als Kongresssprachen ist als Fortbildungsveranstaltung für Human- und Tiermediziner anerkannt, möchte aber gleichermaßen Behördenvertreter, Politiker sowie die interessierte Öffentlichkeit erreichen.

Presseinfo:
WIST - Wissenschaft statt Tierversuche
Sa., 15.10.2016, 10-18 Uhr
Maternushaus, Kardinal-Frings-Str. 1-3, 50668 Köln
www.wist-kongress.de
Akkreditierung für Medienvertreter erbeten unter: www.wist-kongress.de/18

 


02.11.2016

Vortrag von Dr. Jane Goodall in Tübingen


Ärzte gegen Tierversuche laden ein

Auf Einladung des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche kommt die weltbekannte britische Primatenforscherin Dr. Jane Goodall für einen Vortrag nach Tübingen.

Dr. Jane Goodall ist eine der größten Forscherpersönlichkeiten unserer Zeit, Aktivistin für Natur- und Artenschutz und UN-Friedensbotschafterin. Ihre Verhaltensforschungen bei den Schimpansen in Tansania revolutionierten das Bild des Menschen und unser Verhältnis zu Tieren. Eine höchst beeindruckende und inspirierende Frau. 82 Jahre jung reist sie 300 Tage im Jahr um den Globus, um ihre Botschaft der Hoffnung für eine bessere Welt zu verbreiten.

Am 7. Dezember 2016 spricht sie an der Uni Tübingen über ihre Lebensreise, ihre bahnbrechenden Verhaltensbeobachtungen an Affen in Afrika und wird auch die Affenhirnforschung thematisieren.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert seit vielen Jahren die neurologische Forschung an Affen, wie sie am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik und drei weiteren Instituten in Tübingen durchgeführt wird, als grausam und wissenschaftlich irrelevant. „Rhesusaffen werden Gerätschaften auf dem Kopf implantiert und sie werden durch Durst gezwungen, sich jeden Tag stundenlang den Kopf unbeweglich fixieren zu lassen“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende des Ärztevereins. „Beim Menschen würde man das Folter nennen.“ Der Verein sieht in derartiger Forschung keinerlei Relevanz für den Menschen. „Es handelt sich um reine Befriedigung der wissenschaftlichen Neugier einzelner Personen, die wissen wollen, was im Gehirn von Affen passiert, die sich Bilder angucken oder Punkte zählen.

Über 110.000 Unterschriften hat der Verband bereits für ein Ende der Affenhirnforschung gesammelt und an die Politik in Baden-Württemberg übergeben. Mit dem Vortrag von einem der renommiertesten Primatenforscher der Welt will der Ärzteverein die öffentliche Debatte auf eine neue Stufe stellen.

Der Erlös des Kartenverkaufs kommt zu 100% dem Jane Goodall Institut Deutschland zu Gute.

Kurzinfo:
Mittwoch, 7.12.2016, ab 20 Uhr Hörsaal N6, Auf der Morgenstelle 16, 72076 Tübingen
Tickets zu 25 € und 50 € sind online erhältlich 


30.11.2016

Erschütternde Bilder aus Brüsseler Tierversuchslabor

Undercover-Recherche


Tötung einer unbetäubten Maus durch Genickbruch mit dem Kugelschreiber

Jetzt veröffentlichte, verdeckt gemachte Videoaufnahmen aus der Freien Universität Brüssel zeigen die erschütternde Realität der Tierversuche. Lebenden Mäusen wird mit einem Kugelschreiber das Genick gebrochen oder mit der Schere der Kopf abgeschnitten, neugeborene Ferkel werden geköpft und Mäuse mit geplatzten Tumoren bleiben unbehandelt. Ein Mitarbeiter der belgischen Tierrechtsorganisation GAIA hatte drei Monate lang als Tierpfleger im Tierhaus der Universität gearbeitet und verdeckt gefilmt. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche sieht in dem dokumentierten Tierleid keinen Einzelfall, sondern prangert das System „Tierversuch“ selbst an.

Von März bis Juni 2016 hatte ein Ermittler des belgischen Partnervereins der Ärzte gegen Tierversuche, GAIA, dokumentiert, was sich im „Animalarium“ der Freien Universität Brüssel (Vrije Universiteit Brussel, Jette Campus), eine der renommiertesten Hochschulen des Landes, abspielt. In der Anlage, in der Ratten, Mäuse, Kaninchen und Schweine gehalten werden, dokumentierte er täglich massive Verstöße gegen die EU-Tierversuchsrichtlinie. Kranke Tiere wurden massiv vernachlässigt, Käfige waren chronisch überbelegt, was zu Kannibalismus und stereotypen Verhaltensweisen führte. Zudem wurden unzulässige Tötungsmethoden routinemäßig angewendet, wie lebend Einfrieren und Köpfen ohne Betäubung.

Der Undercover-Ermittler berichtet in einem ausführlichen Bericht wie Forscher und andere Uni-Mitarbeiter sich gegenüber dem offensichtlichen Tierleid und den Gesetzesverstößen vollkommen gleichgültig zeigten.

In sogenannten Überlebensstudien wurden Mäusen Krebszellen injiziert, um zu beobachten, wann die Tiere sterben. Dabei wurden die Tumore oftmals so groß, dass sie platzten. Bei Ratten wurden Symptome der menschlichen Parkinson Krankheit hervorgerufen, indem der Kopf in einen Halteapparat gespannt und eine Substanz in das Gehirn injiziert wurde. Im Bereich der Angst- und Depressionsforschung wurden Mäuse im forcierten Schwimmtest zum Schwimmen gezwungen, bis sie verzweifelt aufgeben. In einem anderen Test wird eine Maus am Schwanz aufgehängt. Wenn sie sich hängen lässt, gilt sie als depressiv. Neugeborenen Ferkeln wurde ohne Betäubung der Kopf abgeschnitten, um Zellen für die Diabetes-Forschung zu gewinnen.

„Diese schockierenden Dokumente belegen erneut das unermessliche Leid, das sich hinter den verschlossenen Labortüren abspielt“, ist sich Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche, sicher. „Mangelnde Transparenz bei gleichzeitiger Schönfärberei vonseiten der Tierversuchslobby sollen die Öffentlichkeit glauben machen, Tierversuche seien nicht schlimmer als eine Blutabnahme beim Tierarzt. Nur Undercover-Recherchen zeigen, wie es in den Laboren tatsächlich zugeht“.

Dabei handelt es sich laut Gericke nicht um einen Einzelfall. Der forcierte Schwimmtest und der Tail-Suspension-Test (Schwanzhängetest) werden auch an deutschen Universitäten routinemäßig in der Depressionsforschung eingesetzt. Ebenso wird Parkinson üblicherweise durch Injektion eines Giftes in das Gehirn von Ratten ausgelöst, Krebs durch Injektion von Krebszellen. „Doch welchen Wert haben Ergebnisse aus Experimenten, bei denen komplexe menschliche Erkrankungen auf so primitive Weise nachgeahmt werden? Keinen!“, mahnt Tierärztin Gericke. „Wenn die Tiere dann auch noch durch die qualvollen Haltungsbedingungen chronisch gestresst sind, führen die Ergebnisse aus Versuchen mit diesen Tieren vollends ad absurdum.“

Ein Abstellen der Haltungsmängel würde das Problem laut Ärzte gegen Tierversuche aber nicht lösen. Dem Verein zufolge ist der Tierversuch ein ungeeignetes System, um menschliche Krankheiten ursächlich zu erforschen und zu behandeln. Innovative Forschungsmethoden mit Multiorganchips und pluripotenten Stammzellen sind dagegen der richtige Weg.

Weitere Informationen:
Zusammenfassung der Undercover-Recherche (Video, Englische Version) >>

Ausführlicher Bericht zur Undercover-Recherche (Englisch) (PDF)

Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ >>

 


01.12.2016

Aktuelle Statistik: 2.753.062 Tiere 

Tierversuchszahlen unverändert hoch!

2,75 Millionen Tiere wurden im Jahr 2015 in Deutschland in der Forschung missbraucht. Die Hauptleidtragenden waren mehr als 2 Millionen Mäuse (72%), gefolgt von 320.629 Ratten (11,6%), fast 200.000 Fischen (7,2%) und 107.652 Kaninchen (3,9%). Aber auch 502 Katzen, 2.437 Hunde und 2.424 Affen, 18.523 Meerschweinchen und 12.279 Schweine mussten in deutschen Laboren leiden und größtenteils sterben.

In der soeben vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichen Tierversuchsstatistik werden nicht mehr nur Tiere gezählt, sondern auch beendete Versuche. Diese beliefen sich 2015 auf 2.799.961. Da einige Tiere mehrfach verwendet wurden, ist die Zahl der Versuche höher als die der Tiere. Besonders häufig wurden Hunde, Affen und Krallenfrösche doppelt verwendet.

„Wegen der neuen Zählweise – es werden jetzt auch mehr Tiere, z.B. Fischlarven gezählt – ist der Vergleich mit den Vorjahren nicht ganz einfach“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. „Tatsache ist jedoch, dass die Tierzahlen seit ihrem Tiefpunkt von 1,5 Millionen im Jahr 1997 explodiert sind und sich in den letzten Jahren auf ein gleichbleibend hohes Niveau von 2,7 – 3 Millionen Tiere eingependelt haben.“

Dabei werden laut dem Ärzteverein nicht einmal alle in der Forschung getöteten Tiere statistisch erfasst. So müsse man die offiziellen Zahlen mal 2,5 nehmen, um zu einem realistischen Ergebnis zu kommen, denn insbesondere Mäuse und andere Nager, die auf Vorrat gezüchtet und damit überflüssig sind, werden getötet, ohne dass sie in einer Statistik auftauchen.

Ein erschreckender Anstieg ist gemäß Ärzte gegen Tierversuche bei den Affen zu verzeichnen, die um rund 1.000 auf 2.424 Tiere in 3.141 Versuchen gestiegen sind. Dabei stammen die Affen größtenteils aus Nicht-EU-Ländern, nämlich 1.240 aus Asien und 732 aus Afrika.

Die EU verlangt nun auch eine Erfassung der Schweregrade, denen die Tiere ausgesetzt sind. 112.397 oder 4 % der Versuche fielen unter den Schweregrad „schwer“, 17 % unter „mittel“, 43 % unter „gering“ und 35% unter „keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“, d.h., die Tiere wurden unter Narkose getötet. 184.434 Mäuse wurden in Botox-Tierversuchen (Botulinumtoxin-Chargen-Potenzprüfung) zu Tode gequält, davon wurden 69.554 Versuche als „schwer“ eingestuft. Dabei ist zu bedenken, dass die Einteilung der Schweregrade vom Forscher selbst vorgenommen wird.

Den mit Abstand größten Anteil mit 58,7% hatte die Grundlagenforschung, gesetzliche vorgeschriebene und Routineversuche lagen bei 22,5 % und die angewandte Forschung bei 13,6 %. „Die ständige Zunahme der zweckfreien experimentellen Grundlagenforschung, bei der es überwiegend um die Befriedigung der wissenschaftlichen Neugier einzelner Forscher geht, ist besonders alarmierend. 1991 lag ihr Anteil noch bei 13 %, stieg in den letzten Jahren auf über 30 bis zu 40% und ist nun noch einmal drastisch in die Höhe geschnellt (wobei 2015 Versuche und zuvor Tiere gezählt wurden)“, erläutert Gericke.

Auch die Zahl der genmanipulierten Tiere nimmt ständig zu. Waren es im Jahr 2000 noch rund 156.000 Tiere, sind es im Jahr 2015 1.115.828 Versuche, rund 131.000 mehr als im Vorjahr.

„Bei all den Statistiken darf man nicht das Leid des einzelnen Tieres vergessen“, mahnt Tierärztin Gericke. „Jede Maus, die nach Botox-Injektion jämmerlich erstickt, jede Ratte, die schwimmen muss, bis sie vor Verzweiflung aufgibt, jeder Hund, der an einem künstlich ausgelösten Herzinfarkt stirbt, ist einer zu viel.“

Weitere Infos:
BMEL: „Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2015“ 


15.12.2016

Tübinger Affenhirnforschung: 

Die letzten Ruderversuche einer untergehenden Zunft

Just zu dem Zeitpunkt als die renommierte Primatenforscherin Dr. Jane Goodall auf Einladung des Vereins Ärzte gegen Tierversuche in Tübingen sprach, warteten die Affenhirnforscher mit öffentlichen Stellungnahmen zur Verteidigung ihrer Versuche auf, die nach Ansicht des Ärztevereins voller Falschaussagen sind und eher wie „die letzten Ruderversuche einer untergehenden Zunft“ anmuten.

Dr. Jane Goodall, eine der größten Forscherpersönlichkeiten unserer Zeit, sprach sich am 7. Dezember vor 750 Zuschauern im größten Hörsaal der Uni Tübingen deutlich gegen Tierversuche an Affen und anderen Tieren aus. So berichtete sie, dass von den Versuchen an 400 Schimpansen an den National Institutes of Health in den USA kein einziger nützlich für die Heilung menschlicher Erkrankungen gewesen ist. Und mit Blick auf die Hirnforschung an Affen sagte sie: „Selbst wenn manche Versuche nützlich wären, haben wir kein Recht, sie dursten zu lassen und sie zu fixieren.“

Die Universität Tübingen reagierte am Tag darauf mit einer Stellungnahme, in der versucht wird, Jane Goodalls Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, weil sie 1966 einen Impfstoff verwendet habe, der in Tierversuchen entwickelt worden sei. „Wenn die Herren Affenforscher im 21. Jahrhundert, im Zeitalter von Multiorganchip und aus menschlichen pluripotenten Stammzellen entwickelten Minigehirnen, 50 Jahre alte Tierversuche herauskramen müssen, um ihr schändliches Tun zu rechtfertigen, ist das mehr als ein Armutszeugnis“, meint Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche und ergänzt: „Zudem ist die Tatsache, dass Tierversuche in der Vergangenheit durchgeführt worden sind, kein Beweis dafür, dass diese den medizinischen Fortschritt herbeigeführt haben und es nicht ohne viel besser gegangen wäre.“

Gebetsmühlenartig wird in der Uni-Stellungnahme auch die als „Hirnschrittmacher“ bekannte tiefe Hirnstimulation als angebliche Errungenschaft der Affenhirnforschung vereinnahmt. „Dabei belegen wissenschaftliche Studien, dass diese Behandlungsmethode von Parkinson-Patienten Jahrzehnte vor dem in den 1980er Jahren etablierten „Affenmodell“ im Bereich der klinischen Forschung entwickelt worden ist“, erklärt Gericke.

Das Schwäbische Tagblatt hatte wenige Tage vor Goodalls Vortrag eine ganzseitige, als redaktionellen Artikel getarnte Anzeige des Nikos Logothetis vom Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik geschaltet. Seine Versuche, die in SternTV ausgestrahlten Undercover-Aufnahmen aus seinem Labor als Fälschungen darzustellen, gingen nach hinten los, denn SternTV wiederlegte alle seine Behauptungen in der Sendung vom 14. Dezember. So hatte Logothetis behauptet, das massive angstvolle Abwehrverhalten eines Affen, der mit Stange und Halsband aus einem Käfig gezerrt wird, seien auf die Anwesenheit des Undercover-Ermittler zurückzuführen gewesen. Tatsächlich stammte diese Aufnahme aber gar nicht von dem Filmer, sondern aus der MPI-eigenen Dokumentation.

Auch die in den Medien verbreitete Ankündigung, das MPI würde die Affenhirnforschung Ende 2016 auslaufen lassen, erweist sich als dreiste Lüge. Nach Recherchen von SternTV wurde ein neuer Versuch beantragt und zwei weitere verlängert. „Das zeigt ein weiteres Mal, dass man Tierexperimentatoren keinen Glauben schenken darf“, kommentiert Tierärztin Gericke.

Die Veranstaltung mit Dr. Jane Goodall wurde ausgerichtet von Ärzte gegen Tierversuche e.V. und erfolgte in Kooperation mit dem Jane Goodall Institut Deutschland und den Vereinen One Voice und Cruelty Free International.

Weitere Informationen:
Parkinson-Behandlung mit Tiefenhirnstimulation >>
Dr. Jane Goodall sprach in Tübingen >>


 

 


 


 


 


 

 

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