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Pressearchiv 2016 - 27.06.2016 Tiere leiden für absurde Forschung in Tübingen

27.06.2016

Tiere leiden für absurde Forschung in Tübingen


Rattenschnurhaarforschung und Krähen mit Steckdose auf dem Kopf

Die Hirnforschung an Affen an Tübinger Instituten steht seit Jahren im Fokus der öffentlichen Kritik. Dabei leiden auch Ratten, Mäuse, Krähen und andere Tiere für Tübingens Grundlagenforscher, enthüllt eine aktuelle Recherche des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche.

Rabenkrähen sind intelligente Tiere mit komplexen kognitiven Fähigkeiten. Dieses wird ihnen zum Verhängnis, denn Forscher des Instituts für Neurobiologie der Universität Tübingen wollen ihre Gedächtnisleistung ergründen und installieren dazu eine Steckdose auf dem Kopf der Tiere, aus der acht Elektroden in das Hirngewebe ragen. Die Tiere müssen lernen, Fotos auf einem Bildschirm wiederzuerkennen und durch Anpicken mit dem Schnabel ein Bild auszuwählen, während die Elektroden im Gehirn Nervenaktivitäten messen. Wenn die Vögel nach Forscherwunsch reagieren, bekommen sie etwas Futter.

„Solche Versuchsanordnungen belegen, dass Tierversuche keineswegs für die Entwicklung lebensrettender Medikamente durchgeführt werden, wie gebetsmühlenartig zu ihrer Rechtfertigung behauptet wird“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. „Solche zweckfreie Grundlagenforschung dient lediglich der Befriedigung der Neugier einzelner Personen.“

Die Neuauflage eines Infoblattes des Ärztevereins listet eine Reihe von aktuellen Versuchen aus Tübinger Laboren. In einem Beispiel geht es um Rattenschnurrhaarforschung, die am Werner Reichhardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen durchgeführt wird. Um herauszufinden, wie Ratten mit ihren Tasthaaren Oberflächen erkennen können, wird ihnen eine Schraube in den Schädelknochen gedreht, an der das wache Tier fixiert wird. Die Tasthaare werden durch ein Gerät in Vibration versetzt. Spürt die Ratte eine Änderung, muss sie an einem Nippel lecken. Gab es tatsächlich eine Vibrationsänderung, wird das auf Flüssigkeitsentzug gesetzte Tier mit einem Wassertropfen „belohnt“. Leckt die Ratte, obwohl nichts passiert ist, wird sie „bestraft“, indem der Versuch von vorn anfängt.

In dem Infoblatt wird auch ein Beispiel der umstrittenen, seit Jahrzehnten immer gleichen Affenhirnversuche aufgeführt. Wie auch bei den Krähen und Ratten wird Wasserentzug als „Trainingsmethode“ eingesetzt, „weil die Tiere anders nicht dazu zu bringen sind, die tägliche Qual der massiven Bewegungseinschränkung zu erdulden“, erläutert Tierärztin Gericke. „Mit angeschraubtem Kopf und geplagt von ständigem Durst müssen die sensiblen Primaten täglich Aufgaben am Bildschirm ausführen.“

Der Ärzteverein macht in einer Kampagne seit vielen Jahren mobil gegen die Tübinger Affenhirnforschung. Die aktuelle Recherche des Vereins offenbart, dass es inzwischen sogar vier statt bislang drei Institutionen gibt, die - finanziert durch öffentliche Gelder – Affenhirnforschung betreiben. Zu dem schon bekannten Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, dem Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung und dem Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen ist das Exzellenzcluster Werner Reichhardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) hinzugekommen.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche führt seit 20 Jahren eine Internet-Datenbank, in der über 4.600 Beschreibungen von in Deutschland durchgeführten, in Fachzeitschriften veröffentlichen Tierversuchen dokumentiert sind. Alle genannten Beispiele aus Tübingen können unter www.datenbank-tierversuche.de im Detail nachgelesen werden.

Weitere Informationen

Infoblatt „Tübingen“, Auflage 2016 (PDF) >>

Datenbank-Tierversuche: www.datenbank-tierversuche.de >>

Kampagne „Stoppt Affenqual in Tübingen“ >> 

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